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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Eroberung

Aquaman (3D)

© 2018 Warner Bros. Ent.

Bereits, als die ersten .trailer anliefen, war ich der Meinung: Das wird DC‘s erstes richtiges großes Ding. Und je öfter man die Vorschau auf der Leinwand präsentiert bekam, desto mehr erhärtete sich mein Verdacht: Die Optik wird geil, das „Epos“ wird geil, es bleibt DC und am Ende spielt man da aber in den allerobersten Rängen.

Und ja: Genau das ist eingetreten. Die Macher des „kleineren Netzwerks“ von Superhelden haben sich zusammengerottet und etwas auf die Füße gestellt, dass ich gerne vor Justice League in den Ring geworfen hätte, weil man dann viel mehr Bezug und Sympathie zu Aquaman aufgebaut hätte und wüsste, wer er ist und ihn in dem Superheldenrummel viel besser einsortieren hätte können.

Immerhin gibt es auch heute noch genügend Zuschauer, die nicht aus der Comic-Welt kommen und für die jede Charaktereinführung auf der Leinwand eben genau dies ist. Aber hier existieren wohl scheinbar fatale Marketing-Druck-Komponenten, die teilweise zu solchen groben Fehlentscheidungen führen, nur um im Marvel-Ring mitwirken zu können, statt sich einfach auf sein eigenes Ding zu konzentrieren und das zu tun, was man gut kann.

Dass DC tatsächlich kann, haben sie hiermit bewiesen. Die Optik ist allererste Sahne und begeistert bis hin zum 3D, was tatsächlich Oberklasse ist und man sich definitiv nicht entgehen lassen darf. Aquaman in 2D zu ordern ist ungefähr genauso blöd, wie eine dicke fette Kugel Banana-Cream in der Waffel zu bestellen, „aber lassen Sie das Eis bitte weg, nur die Waffel“. Stupid. Und ich verstehe immer noch nicht, warum es auch heute noch Leute gibt, die 3D im Kino verabscheuen. Und kommt mir nicht mit den üblichen billigen Ausreden: Auch ich bin Brillenträger und hasse es manchmal schon, dass man uns in der Presse nur die 2D-Option vorsetzt und ich im Vorfeld dann nichts zur 3D-Wirkung sagen kann.

Hier muss (!) man einfach zur großen Variante greifen, alles andere wäre Selbstbetrug. Und wenn das 3D in eurem Kino scheiße ist, wechselt das Kino!

Weiter geht‘s mit dem Sound: Auch hier hat man Händchen bewiesen und einen wirklich tollen Soundtrack komponiert, der sich an die im übrigen durch und durch gelungene Unterwasser-Welt anpasst und zum epischen Ausmaß beiträgt. Somit überträgt sich die visuelle Wucht von den Augen auch auf die Ohren und man ist hinterher tatsächlich geflasht von so viel Power und Extravaganz.

Einziges Manko (auch das war bereits im .trailer deutlich erkennbar: Man hätte die Drehbuchautoren von Bumblebee ran lassen sollen, dann wären nicht so dämliche Fremdschäm-Aussagen dabei rausgekommen. Man fährt hier so großes Potenzial auf, liefert eine epische Schlacht nach der anderen und sobald jemand das Maul aufmacht, ist es wieder lächerlich. Und dabei stört mich noch nicht mal, dass – wie manche bereits bemängelt haben – man manchmal over the top geht und zu viel Action produziert, auch hier hätte man ein Alleinstellungsmerkmal, dass in dieser bösen Düsternis durchaus funktionieren kann, dann aber von den „Kinderdialogen“ befreit sein müsste. Die brachiale „Man-Power“ hat man nämlich längst erkannt und sie auch gebührend umgesetzt.

.kinoticket-Empfehlung: Hält man sich bei den Dialogen die Ohren zu und öffnet sie bei der Musik wieder, sieht man einen brutal-guten Film, der an der Spitze der bisherigen DC-Erwartungen steht und alles toppt, was dieses Label bislang veranstaltet hat.

Die visuelle Gewalt ist berauschend, die Welt komplett und vollständig, die Szenerien begeistern und sind für große Kinos geschaffen, nur die Dialoge erreichen noch nicht mal Mindestniveau. Wenn man hier noch nachzieht und seinen Blick von Marvel entfernt und sich weiterhin so auf seine eigene Sache konzentriert, dann wird‘s in Zukunft echte Konkurrenz werden.

Und genau da will ich hin!

Nachspann
✅ Nicht gleich aufspringen, man orientiert sich auch hier am großen Bruder Marvel und liefert noch etwas nach.

Kinostart: 20. Dezember 2018

Original Title: Aquaman
Length: 144 Min.
Rate: FSK 12

Operation: Overlord


© 2018 Paramount Pictures Germany GmbH

 

Neuerdings hat man die Macke, in diverse .trailer bereits von Beginn an den Filmnamen als Wasserzeichen einzublenden. Der Zuschauer hockt im Kino, sieht irgendwas komisches, was er nicht kennt und denkt sich dann einfach seinen Teil:

Wieso blenden die sofort den Filmtitel ein? Damit entfleucht die ganze Spannung, welcher geile Titel uns da gerade vorgestellt wird. Haben die etwa Angst, dass man ihre Bilder klaut und anderweitig verwendet? Aus einem fucking .trailer? Ist der Film so schlecht, dass man jetzt explizit jeden einzelnen Bildframe beisammen halten will, so dass findige Nutzer nicht etwa Screenshots aus dem .trailer exkludieren und anderweitig verwenden, so dass auf wirklich jedem einzelnen Bild der Name des Films mit drauf ist? Unverwechselbar dank Wasserzeichen quasi? Für Kinokenner ehrlich gesagt eher ein Armutszeugnis als eine Bereicherung.

Was zur Hölle soll das?

Eben diese Geschichte hat mir die Vorfreude auf diesen Film ziemlich vermiest. Und dementsprechend niedrig waren meine Erwartungen, die bei “Horror im Kino” ja sowieso schon unterirdisch sind. Bei all dem, was die ganzen letzten Jahre abgeliefert wurde, was soll da schon kommen?

Projekt: Overlord!

Und meine Augen sehen ungefähr so aus: O_O

Wie krass ist das bitte? J.J. Abrams ist dank Star Trek und … Wars jetzt auch nicht zwingend als der beste Horror-Produzent bekannt, sondern eher in der Super 8-Kids-Frightening-Schiene zu verankern, also waren auch da keine großartigen Erwartungen da … und vielleicht ist das das beste, was ihr tun könnt? Einfach ohne Erwartungen da rein gehen?

Was man kriegt, ist nämlich so alles andere als übel, dass ich diesen Film jetzt schon als Emporkömmling der Horror-Szene feiere und ihm Bestnoten attestiere. Horror ist ja eh immer so ein belächeltes Nischenprodukt, dass die Masse frenetisch ignoriert und auch die Szene-Freunde nur im Home-Entertainment-Kino ansprach, wenn überhaupt. Was man hier bekommt ist aber kein Horror. Nicht, was man ursprünglich erwartet.

Es ist besser.

Viel besser!

Sucht euch Atmos®-Säle! Sucht euch große Leinwände. Ordert beim Kinopersonal, den Beat hochzuschrauben. Hockt euch in die Mitte. Schnallt euch an. Haltet euch an den Lehnen. Sperrt eure Augen auf. Putzt eure Ohren. Und dann lasst den Film starten!

Solch ein Momentum in einem “billigen Nazi-Abklatsch” zu erleben, die Stimmung, die man dort erzeugt, die Bilder, mit denen man um sich wirft, sind alles andere als B-Movie!!!

Eingefleischte Gamer-Fans können erraten, worauf die Sache hinaus läuft, denn dieses Thema bringt auch in Overlord nichts überraschendes auf den Plot-Plan, die Umsetzung, der Sound (Jed Kurzel – ich liebe diesen Mann seit Assassin’s Creed!) ist grenzgenial und man hat am Ende nicht das Gefühl, hier nicht in einem Blockbuster gehockt zu haben. Irgendwie passt alles. Dieser Streifen kriecht aus seinem dunklen Szene-Loch hervor und macht Horror endlich mainstreamtauglich, ohne dabei zu enttäuschen.

Lange habe ich gewartet, dass in dieser Subebene endlich solche anspruchsvollen Bilder geliefert werden, und die bringt man – von Anfang bis Ende!

Es ist zu geil, dass man all den verschimmelten Bockmist, den man uns hier seit Jahren präsentiert hat, nun so aufgeledert präsentiert und ich feiere es, dass der Titel nun endlich regulär auf den Leinwänden ist und ich erneut die Vorstellungen stürmen kann.

Und genau das solltet ihr auch tun!

 

.kinoticket-Empfehlung: Revolutionär in seinem Genre: Operation: Overlord räumt mit dem Nischendasein des B-Movie-Horrorfilms auf und torpediert sich mit unfassbaren visuellen Momenten an die Spitze des Mainstream-Kinos.

Hier steckt Kohle, Können und starke Produktion dahinter, das merkt man dem Film zu jedem Zeitpunkt an. Wer sich vom .trailer abschrecken hat lassen, sollte sich vom Film wieder zurückerobern lassen, denn der trägt düstre Früchte in sich, die sich in meinem Kreislauf seither genüsslich ausbreiten. Endlich lohnt sich Horror im Kino mal wieder!

 

Nachspann
❌ trumpft nicht mit weiteren Szenen auf, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 8. November 2018

Original Title: Overlord
Length: 110 Min.
Rate: FSK 16

Thor – Tag der Entscheidung

Das Marvel-Universum umfasst mittlerweile einiges an trächtigen Titeln, so dass man langsam den Überblick zu verlieren scheint.
Wenn wir also von den Avengers reden, inkludiert das folgende bisher vorhandene Filme:
Iron Man
Iron Man 2
Iron Man 3
Der unglaubliche Hulk
Thor
Thor – The Dark Kingdom
Captain America: The First Avenger
The Return of the First Avenger
The First Avenger: Civil War
Marvel’s The Avengers
Avengers: Age of Ultron
Guardians of the Galaxy
Guardians of the Galaxy Vol. 2
Ant-Man
Doctor Strange
Spider-Man: Homecoming
Zu den bislang 16 veröffentlichten Titeln gesellen sich in absehbarer Zukunft dann noch:
Black Panther
Avengers: Infinity War
Ant-Man and the Wasp
und an folgenden Titeln wird noch gearbeitet (darum sind sie bislang nur unter dem Arbeitstitel bekannt):
Captain Marvel
Untitled Avengers
Untitled Spider-Man: Homecoming Sequel
Guardians of the Galaxy Vol. 3
Damit hätten wir dann insgesamt 24 Marvel Cinematic Universe-Filme, die in ihrem glorreichen Glanz ein großartiges Stück Filmgeschichte ausmachen.
24? Yes – denn am 31. Oktober 2017 erscheint der dritte Teil von Thor – Tag der Entscheidung und damit transformiert man diesen Zweig der Avengers-Saga endlich in einen ernstzunehmenden, anbetungswürdigen Teil dieses Universums.
Viele von euch wissen ja, dass sich Tony Stark alias Robert Downing Jr. würdig aus dem Filmlegendenbusiness verabschiedete, um seinen Charakter in Ehre zu halten, bevor er nicht mehr mithalten kann. Dieser Schritt bekam von mir höchste Würdigung, weil ich so etwas schätze, wenn die Leute wissen, wann es genug ist und auf dem Höhepunkt ihrer Karriere aufhören, statt immer weiter zu strampeln, bis es einfach nur noch eine Witzveranstaltung ist.
Gleichermaßen vermisst man den ungleich coolen, einzigartigen und legendären Humor von Stark, was in meinen Augen Guardians of the Galaxy Vol. 2 wieder etwas aufgefangen und eingeholt hat, um weiter damit um sich zu werfen.
Thor war innerhalb dieses Filmbiotops immer ein wenig der kleine Außenseiter. Der erste Teil sprüht zwar vor gigantischem 3D und unfassbaren Farben, einem komplexen Multiversum und vielen grafischen Höhepunkten, die Story fand zuletzt jedoch im zweiten Teil ein morbides Ende – was für mich der absolute Tiefpunkt aller Filme darstellte.
Nicht gut gespielt, irgendwie lieblos zusammengezimmert und ohne jedweden Charme dümpelt man so vor sich hin und erzählt keine sonderlich spannende Story, sondern hat einfach nur einen gigantisch teuren Durchhänger, der eigentlich das Ende der Thor-Erzählung bedeuten könnte.
Und hier ist es nun meine Aufgabe, euch davon zu berichten, dass dem nicht so ist – ganz im Gegenteil.
Wer Guardians of the Galaxy Vol. 2 zum Schreien komisch fand, wird Thor – Tag der Entscheidung lieben! Die Aufgabe von Marvel bestand nämlich darin, einen Regisseur zu finden, der dem ganzen einen völlig neuen Anstrich verpasste und somit Thor aus der Versenkung holte, um ihn wieder zu einem würdigen, lustigen, unterhaltungsreichen Event zu gestalten – und das ist Taika Waititi hervorragend gelungen.
Man hat nicht nur alle Register der Avengers gezogen, sondern auch mit hollywoodinternen Jokes, Tony Starks Humor und inhaltlicher Reichhaltigkeit der Guardians gearbeitet und damit ein Werk erschaffen, dass seine Zuschauer von Anfang an verblüfft und außer den Figuren rein gar nichts mit den ersten beiden Filmen zu tun hat – sofern man diese in ihrer Genialität bewertet.
Es flasht wirklich alles – auf höchstem Niveau. Man hat sich hier aller technischer Mittel bedient, um die Kundschaft auch weiterhin auf dem Level der übrigen Avengers-Filme zu halten, jedoch wieder damit begonnen, den Charakteren Tiefsinnigkeit zukommen zu lassen und das mit einem begeisternden Charme und exzellentem Witz, dass man fast vergisst, dass es mal so etwas wie Iron Man gegeben hat.
Optionen wie Jeff Goldblum als einen der Charaktere einzusetzen, waren für mich eines der größten Pluspunkte, die man diesem Werk angedeihen ließ, denn er spielt herausragend und offenbart sich als völlig neue Entdeckung auf dem Schauspielermarkt, da man mit ihm auch weiterhin derartige Rollen besetzen könnte – großartig!
Cate Blanchett in einem Superheldenfilm? Diese zierliche Frau, die sich kaum traut, ihre Texte richtig aufzusagen? Auf ihr Konto gehen einige Lacher und sie behauptet sich in dieser Saga mit ihrer aussagekräftigen Persönlichkeit in einem Ausmaß, dass ich dieser Frau niemals zugetraut hätte. Großartig!
Man hat es wirklich geschafft, den Karren aus dem Dreck zu ziehen und präsentiert nunmehr ein Meisterwerk, dass sich sehen lassen kann und überlaut nach mehr schreit! Wer also mit Thor abgeschlossen hatte, sollte sich jetzt darum bemühen, .kinotickets zu ordern und die Show wieder beginnen lassen, sonst verpasst er einen großartigen Neueinstand eines alten Titanen der Filmgeschichte!
 

.kinoticket-Empfehlung: Man wollte alles irgendwie umkrempeln, neu gestalten, frischen Wind in die Sache bringen und das Genre komplett neu beleben – und es hat definitiv funktioniert!
Die Schauspieler sind allesamt klasse, überzeugen durch großartiges Können und übertreffen sich selbst.
Humor, Unterhaltung, Optik und Sound überzeugen genauso wie das 3D und offenbaren sich als eine völlig neue Schöpfung in einem bisher langsam aussterbenden Ast eines Filmuniversum.
Wenn sich je ein Thor-Film gelohnt hat, dann dieser hier: Reingehen! Und zwar sofort!

 
Nachspann
Es ist und bleibt Marvel – da bleibt man sitzen. Nicht bis zum Zwischeneinspieler, sondern bis ganz zum Schluss – denn auch da kommen noch großartige Sequenzen.
Kinostart: 31. Oktober 2017

Dag 2

Bei diesem Titel bewegen wir uns wieder einmal im türkischen Kino und wer sich jetzt schon auf billigste Comedy und erhabenen Quatsch eingestellt hat, erfährt hier gleich, wie es ist, mit vollem Karacho auf eine Wand zuzurasen und selbige mitten ins Gesicht zu kriegen.
Dag 2 als Fortsetzung des gleichnamigen ersten Teils (den auch ich nicht kenne) entführt hier in völlig neue Welten. Von dem üblich-durchgeknallten Mist absolut keine Spur, dafür jede Menge Ernsthaftigkeit, türkischer Patriotismus und die Frage nach Ehrgefühl und Menschlichkeit in einem Gebiet, in dem die Türkei politisch nichts verloren hat.
Die sonst so verqueren Einstellungen dieses Kultur-Kontinents in seiner Andersartigkeit dem westlichen Alltag gegenüber zerstören hier keine Minute das Gesamtbild, sondern man befasst sich eingehend und umfassend mit durchaus überlegenswertem Gedankengut und der Frage nach Menschlichkeit verbunden mit ziemlich tiefgreifenden Entscheidungen bezüglich System, Gehorsam, Treue, Verbundenheit und anderen moralischen Werten.
Den Hauptdarstellern wird allen reichlich Zeit dafür gegeben, sich immer mehr stückweise zu entfalten und ihr Charakterprofil aufblühen zu lassen, während der Plot unweigerlich in vergangene Ereignisse eintaucht und Szenen zeigt, die wir von den Medien in dieser Form nicht kennen.
Hierbei trägt dieser Film mit einer von mir unerwarteten Ernsthaftigkeit zum Thema der Auseinandersetzung mit anderen Kulturen und der internationalen Verständigung bei, was ich nach all dem, was mir bisher aus dieser Gegend an Material vorgesetzt wurde, niemals auch nur erahnt hätte.
Und genau dieses Für-Voll-Nehmen, was allen Teilhabenden hier angeboren zu sein scheint, hat mich von diesem Streifen durchaus überzeugt.
Vielleicht mögen die Untertitel so manchen Zuschauer davor abschrecken, gerade dieses Werk als Unterhaltungstreiber zu wählen, jedoch finde ich nach eingehender Prüfung auch keine Gründe, weshalb man sich nicht dafür entscheiden sollte.
Hierzulande machen andere Blockbuster Dag 2 das Leben schwer, der jedoch zieht unverblümt und ohne Einschränkungen an so manch zweitklassigem Werk vorbei und empfiehlt sich selbst in einer Unaufdringlichkeit mit einer Moral, die nach der Spielzeit ihre Spuren beim Zuschauer hinterlässt und somit die Relevanzfrage positiv beantwortet.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte sich nicht davon abschrecken lassen, dass der Titel nicht ins Deutsche übersetzt wurde und man im Film ständig Untertitel lesen muss, sofern man der türkischen Landessprache nicht mächtig ist: Der Film lohnt sich dennoch.
Ernsthaftigkeit, ergreifende Momente, sinnliche und beeindrucke visuelle Bilder gepaart mit Action und ein klein wenig Patriotismus erzeugen hier ein Momentum zum Nachdenken, Philosophieren und tragen auf ihre Weise einen Teil zur interkulturellen Verständigung bei.
Hut ab – das hätte ich diesem Land in der Form nicht zugetraut! Bin positiv überrascht.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, nach der Abblende und dem übrigens genialen letzten Eindruck darf man die Bühne des Geschehens ruhigen Gewissens verlassen.

The Huntsman & The Ice Queen (3D)

Wenn die Kinos ihre größten Säle freiräumen, um dort The Huntsman & The Ice Queen in 3D über den Äther laufen zu lassen, dann hat das seine Gründe. Wenn vor mir an der Kasse eine Horde Kinder abgewimmelt wird, weil diese das 12. Lebensjahr noch nicht erreicht haben und den Film daher nicht sehen dürfen, auch.
Mehr als deutliche Anzeichen dafür, dass hier keine Kindergeschichten erzählt werden, sondern man die Inhalte trotz der Tatsache, dass es Märchen sind, durchaus sehr ernst nimmt und auch überzeugend rüberbringen will.
Ich persönlich bin kein Märchenkind. Mir wurden als Heranwachsender keine Märchen vorgelesen und ich interessiere mich heute noch genausowenig dafür. Meine Vorbehalte zu Beginn des Films waren also erfahrungsgemäßer Natur und ich basierte meine Erwartungen also auf einem großen Stück Toleranz.
Tja, was soll ich sagen? Die verbale Interaktion hätte ich mir an vielen Stellen zwar tatsächlich weit besser gewünscht, in allen anderen Punkten hat mich der Film aber mehr oder weniger vom Hocker gehauen. Der – ich nenne es mal – “Schlachteposfaktor” war zu jeder Zeit gegeben. Der Film war groß und strömte in allen Belangen (ausgenommen der Dialoge) eine gewisse Mächtigkeit aus. Das 3D haut dich von den Socken. Die Räumlichkeit ist derart präsent und ergreifend, dass man sich tatsächlich mitten im Geschehen vermutet und nicht das Gefühl hat, hier nur stiller Teilhaber an irgendetwas zu sein.
Kulisse, Kameraführung, Kostüme, CGI-Umsetzung, Score … Die Liste ließe sich beliebig erweitern und jedes einzelne davon: großes Kino.
Der einzige Punkt, an dem ich Bauchschmerzen hatte, waren die Dialoge. Und da kam mir sofort der Satz in den Kopf: “Naja, du magst keine Märchen, aber das ist kein Kriterium.”
Dass die Macher von Maleficent ihre eigene Schöpfung hier wieder als maßgebliche Vorlage nutzen, sei ihnen auch gestattet, jedoch waren diese neuen Ideen damals der große Pluspunkt und wirken heute dann fast schon einfallslos. Die Zeit der Märchen-Neuerzählungen ist längst angebrochen und das Fortführen alter Geschichten mit neuem Material, das “bislang noch keiner gesehen hat”, ist ein übliches Stilmittel in der Geschichtenauswahl Hollywoods geworden.
In diese Reihe großartiger Filme reiht sich The Huntsman & The Ice Queen nahtlos ein und liefert hier ein geballtes Märchenkonstrukt, dessen technische Umsetzung und audiovisuelles Unterfangen durchaus als Epos in die Filmgeschichte eingehen darf.
Hätte man den Figuren hier noch etwas mehr charakterliche Entwicklung zugesprochen, etwas weniger spielerischen Witz und dafür mehr ernstzunehmende Selbstinszenierung verpasst, hätte jemanden wie mich das komplette Machwerk von den Socken gehauen.
So aber bleibt ein großartiger Film in einem Genre, mit dem ich persönlich einfach wenig anfangen kann, der deshalb aber keineswegs als negativ eingestuft werden sollte. Die großen Säle wurden zurecht bestückt – nutzt die Chance und holt euch ein Stück vom Unterhaltungskuchen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Emily Blunt, Charlize Theron, Jessica Chastain – drei wahrhafte Genies in Sachen Film, die ihre Sache auch hier wieder exzellent machen.
Wer auf Märchen steht, wem die Welt von Grimm und Co. gefällt, wer sich gerne von fantastischen Geschichten verzaubern lässt, dem wird hier ein Epos geboten, das technisch nahezu an Perfektion grenzt und mit vielen anderen Dingen zu überzeugen weiß.
Die Dialoge sind manchmal etwas spaßig, man hat den bitterbösen Beigeschmack der originalen Grimm-Erzählungen beiseite gelegt und hier nun auch nicht mehr auf Originaltreue gesetzt, sondern vorhandenes genommen und etwas anderes daraus gemacht.
Und rausgekommen ist ein Film, der als hoch angesiedelte Unterhaltung auf jeden Fall punkten kann, insofern man bereit ist, über mangelnde Dialogtiefe hinwegzusehen und sich einfach mit den simplen Botschaften von Märchen abfinden kann.

 
Nachspann
enthält keine weiterführenden Botschaften oder Bildmaterial mehr, man kann den Saal also fürs Putzteam freigeben.

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