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Tag: Erfolg

Bohemian Rhapsody

Bohemian Rhapsody

© 2018 Twentieth Century Fox

 

Ja, die Natur des Menschen ist es, Musik zu lieben und dabei abzugehen, Musik ist ein Allheilmittel für alles, ist in jeder Situation angemessen, bringt exzessive Gefühle und Emotionen zum Ausdruck und wird überall und schon immer von Menschen praktiziert und gelebt.

Wie beliebt Musik ist, merkt man, wenn man zufällig durch die Fernsehzeitung zappt und dabei feststellt, dass quasi keine einzige Minute des Tages vergeht, in der nicht irgendeine musikalische Darbietung abgefeiert wird. Manche davon sind so la la, manche sind schon ganz ordentlich, manche gehen weit über das Durchschnittsniveau hinaus und manche sind Götter ihrer Welt.

Schaut man sich derzeit um und liest, hört oder sieht hier und da mit, merkt man schnell, dass allerorts eine Band abgefeiert wird, von der garantiert jeder schon mal einen Song gehört hat: Queen. Und ja, das Ganze entwickelt sich langsam zu einem ernstzunehmenden Hype, der durch die Welt grassiert und immer mehr Menschen im Fieber der Hymnengröhlerei in Ekstase verfallen lässt.

Meinereiner war damals noch zu jung, um jetzt mitsprechen zu können, wie man … auf Konzerte gefahren, denjenigen noch live erlebt hat etc. – aber auch mir sind in der Jugend die Songs von Queen über den Tisch gelaufen und ich hab sie gehört. Und geliebt.

Die Jungs haben etwas erschaffen, das einzigartig ist und tatsächlich aus dem Sud der Allgemeinheit leuchtend heraus- und durch Andersartigkeit besticht, die man eben nicht im boomenden Massenwahnsinn der Chart-Songs wiederfindet. Genau hier ist nämlich das Problem: Die scheinbare Grenzenlosigkeit immer neuer Ideen und Ausübungen im musikalischen Genre ist reine Fiktion, denn irgendwann ist alles einmal da gewesen und kommendes nur noch ein Abklang von Wiederholungen.

Diese Wiederholungen bringen zwar Geld, fesseln die Menschen allerdings längst nicht mehr so an die Boxen, wie es die Originale taten – nur dass die Musikbosse so etwas nicht hören wollen, sondern Klang nur deren Geschäft, aber niemals ihre Leidenschaft ist.

Und genau darin liegt der Unterschied zu Queen: Die haben die Leidenschaft quasi neu definiert und sich damit vom Rest deutlich abgesetzt, was ihnen bis heute glanzvolle Verkaufszahlen und ein unüberschaubar großes Publikum verschafft hat. Und wie das passiert ist?

Lasst euch fesseln von den Bildern, die Bryan Singer mit einem großartigen Cast für euch zusammengebaut und leinwandtauglich gemacht hat: Bohemian Rhapsody steht auch in meiner Top 5 diese Woche, und das sehr wohl mit Recht!

 

.kinoticket-Empfehlung: Das großartige Biopic einer Band, die unsere sowie vergangene und kommende Generationen begeistert hat und wird: Queen!

Rami Malek als Freddy Mercury spielt so großartig, das allein ist den Gang in den Saal wert. Und die inszenierte Musik und Konzerte, das Feeling, dass man damit in diese Räumlichkeiten wirft, ist atemberaubend … sucht euch Dolby Atmos®-Räume und zelebriert diesen Film dort!

 

Nachspann
✅ unbedingt sitzen bleiben – ihr verpasst sonst ein gigantisches Konzert!

Kinostart: 31. Oktober 2018

Original Title: Bohemian Rhapsody
Length: 134 Min.
Rate: FSK 6

Mackie Messer – Brecht's Dreigroschenfilm

Die Mission “Operisierung des Kinos” schreitet voran und bekommt mit Mackie Messer einen Film, der sich gehörig gewaschen hat und selbst die Theaterwelt auf den Kopf stellt. Seinerzeit von Brecht inszeniert erlebt das Kino des modernen 21. Jahrhunderts ein Revival der Rebellion gegen die Künste der Gegenwart und das borniert-verstoßene Auftreten der offiziellen Pagen des Theaters. Brecht bricht mit allen bekannten Konventionen und legt selbst Hand an das Gewissen und die Psychowelt der Zuschauer, um sie davon zu überzeugen, dass alles Bekannte förmlicher Schwachsinn ist.
Und genauso, wie ihr beim Lesen des ersten Absatzes dieses Beitrags verwirrt seid, verwirrt dieser Film. Auf eine unfassbar positive Art und Weise. Ich habe jüngst schon bekannt gegeben, dass ich die mediale Einflechtung von Theaterinhalten in die Form des Kinofilms beginne, abgöttisch zu lieben. Und dieser Titel beansprucht zwar viel Lebenszeit ob seiner unglaublich starken Laufzeit, besticht dabei aber mit einer optischen und inhaltlichen Brillanz, wie sie lange nicht im Kino zu sehen war.
Kenner der Szene beschweren sich schon vor Kinostart darüber, dass man viel zu wenig Augenmerk auf die Dreigroschenoper selbst gelegt hat, ich als blutender Anfänger empfand es eher als eine herausragende Einführung in eben jene Welt, von der der Durchschnitt längst nichts mehr wissen will. Genau das Alltäglich-Durchbrechende, mit dem Brecht groß geworden ist, besticht hier mit einer mitreißenden und anmutenden Eleganz, wie ich sie in einem Kinofilm lange nicht erlebt habe.
Ich meine, der Streifen ist durch und durch seltsam. Hat keine Handlung und irgendwie doch, ist Theater und doch wieder keins, räumt Wände beiseite und baut gleichzeitig Räume, in denen man sich hin und her bewegen kann ohne zu wissen, was man tut. Es fühlt sich an, als durchflute eine dunkle Masse deine Seele und gräbt sich dabei immer tiefer in deine Psyche vor, packt dann zu und lässt dich nicht mehr los.
Und obwohl du eigentlich denkst: “Was für ein Schwachsinn” fühlst du dich gleichzeitig dazu hingezogen, nochmal rein zu gehen und ihn dir wieder anzusehen, denn irgendwas fasziniert dich daran. Damit erhebt man nicht nur den längst nicht erloschenen Hype um die Dreigroschenoper selbst erneut zu güldenem Glanz, sondern feiert gleichsam eine Wiederauferstehung der Magie, die Systeme durchdringt und sie von innen heraus aufbricht.
Dieser künstlerisch durchzogene “Hass”, den Brecht auf diese erhabene Weise auslebt, trifft genau den Nerv einer Zeit, deren Ära noch lange nicht vorbei ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer eine vollkommen neue Kinoerfahrung sucht, sollte hier zupacken.
Die Inhalte des Theaters ins Kino zu bringen ist eine Sache, wenn man aber dann etwas, dass selbst den Bühnen Schwierigkeiten bereitet hat, so aufarbeitet, dass die Vorhänge dabei zerrissen werden und man in völlig neue Dimensionen eintauchen kann, dann wird’s erst richtig spannend.
Ein so aufgewühltes, hassdurchdrungenes und künstlerisch wertvolles Werk hat es selten gegeben. Es ist in jeder Hinsicht einzigartig und besticht durch Optik, inhaltliche Brillanz und intellektuelle Forderungen, die der Zuschauer selbst unwissentlich erfüllen kann.

 
Nachspann
✅ Den Anfang darf man noch mitnehmen, sobald dann auf schwarz geblendet wird, ist es rum.
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm
Length: 135 Min.
Rate: FSK 6

Goodbye Christopher Robin

Was haben wir aus der Vergangenheit gelernt? Twentieth Century Fox kann Filme. Einmal mehr hat sich das Tochterunternehmen des Studios einer Geschichte angenommen, die unverblümte Wahrheiten auspackt und damit ganz neue Einblicke in den Wahnsinn manchen Geschehens ermöglicht. Dass Menschen so sind, wie sie sind, ist ja weithin bekannt und wurde millionenfach von Hollywood besungen.
Was hier allerdings zum Besten gegeben wird, ist nicht nur sensationell überraschend, sondern trumpft mit einer Unglaubwürdigkeit auf, die so manches Weltbild zum Einsturz bringen könnte. Anfangs mutet der Film noch sehr altmodisch an, braucht eine Weile, um in die Gänge zu kommen und richtig an Fahrt aufzunehmen, aber dann entwickelt sich das einerseits zu einem Heidenspaß, andererseits glänzt man hier durch schockierende Tatsachen, die endlich mal die ganze Wahrheit solcher Fälle offenbaren und nicht immer nur die Creme-Seiten auftischen.
Und genau das macht diesen Film so spannend: Inspiriert von der wahren Geschichte, die die Hintergründe zu dem liefert, was Medien und Co. seinerzeit schon zu Tode getrampelt haben, ermöglicht man nun den Zuschauern, sich hier umfänglicher zu informieren und die Reise noch einmal durchzuführen, nur diesmal eben von der anderen Seite der Scheibe aus.
Ganz deutlich muss man hier auch die Hauptakteure des Films hervorheben, die sich durch ihr Schauspiel großartig von der Masse abheben: Margot Robbie, vielen aus Suicide Squad oder I, Tonya bekannt, begleitet von Domhnall Gleeson, den einige wohl zuletzt in Star Wars: Die letzten Jedi auf der Leinwand gesehen haben dürften, und den Kinderstar Will Tilston, dem nach dieser Leinwandoffenbarung alle Türen im Showbusiness offen stehen dürften.
Die großartigen Leistungen – und vor allem auch das großartige Plädoyer der Dialogschreiber zeigt einmal mehr, dass auch in Hollywood die Kunstfertigkeit der Sprache noch nicht gänzlich ausgestorben ist, sondern man durchaus auf hohem Niveau zu entzücken weiß.
Am Schluss versteht man vieles nicht mehr, an das man früher gerne glauben mochte, zieht aber nicht enttäuscht, sondern bestens unterhalten von dannen und hat einen weiteren wunderbaren Film in seinem Sichtungsportfolio.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nehmt euch am Anfang ein wenig Zeit, um in den Film reinzukommen, nach ungefähr 20 Minuten taut der dann wirklich auf und liefert erstklassige Unterhaltung, die u.a. sehr zum Lachen anregt.
Die Story und das Geschehen könnte so manches Weltbild einstürzen lassen, umso wichtiger ist daher, dass genau das auch unters Volk kommt und gesehen wird. Vielleicht versteht man dann einiges ein klein wenig besser.

 
Nachspann
❌ Nach dem Text ist Schluss – hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 7. Juni 2018

Eddie The Eagle

Ja, ihr habt richtig gelesen: Pressevorführung. Ich hab keine Ahnung, was ich richtig (oder falsch) gemacht habe, um an so ein Event zu kommen, aber es ist passiert und ich darf euch von nun an schon weit vor Kinostart über den ein oder anderen Streifen berichten.
Vielen Dank an dieser Stelle mal an all jene, die mit darin involviert waren, dass mein kleines Blog die Chance dazu bekommen hat, all das zu erleben. Dabei hab ich noch nicht mal mein 1jähriges Jubiläum gefeiert …
Ein zusätzliches Dankeschön geht an 20th Century Fox, die so eine unproblematische Pressevorführung ermöglicht haben und obendrein keinerlei Einschränkungen Publikationen betreffend eingestellt haben. Here we go!
Vorab wieder etwas Sprachunterricht: OV bedeutet Originalversion, was heißt, dass der Film exakt in der Sprache bzw. den Sprachteilen gezeigt wurde, wie ihn die Macher schlussendlich freigegeben haben.
Unsere Synchronstudios übersetzen das Ding dann meistens komplett in die Landessprache, wobei halt einige coole Sprachgegebenheiten flöten gehen, die in der OV-Version logischerweise enthalten sind. Ich bin gespannt, wie es in diesem Fall endet, denn in der Originalversion gab es da einige richtig liebevolle Verbalkonfrontationen.
Mit Eddie The Eagle setzt 20th Century Fox einen Spielfilm auf die Landebahn, der sich nicht an den realitätsuntypischen Eventcharakteren orientiert, die Marvel und DC derzeit am laufenden Band ins Rennen schicken, sondern etabliert hier ein Movie, das nicht nur mit der Geschichte, sondern auch seiner Machart ganz nah beim Zuschauer ist und sich dort gemütlich einrichtet.
Man bringt ganz viel Charme, Natürlichkeit und Bodenständigkeit mit, indem man die wahre Geschichte von Michael Edwards erzählt, der sich allen Widrigkeiten zum Trotz von seinem Ziel niemals abwendete und bis zum bitteren Ende darum kämpfte, seine Träume Wirklichkeit werden zu lassen.
Klingt nach klischeetriefender Hollywoodmoral mit schlechtem Ende? Vielleicht. Ist aber etwas völlig anderes.
Eddie ist jemand wie du und ich, der ein kleines bisschen durchgeknallt ist und den Absprung zum erwachsenen Menschen nicht so recht geschafft hat. Meint man. Jeder hatte als Kind seine Träume, über die Erwachsene in der Regel lachen und sie mit den Worten “Werd du mal erwachsen, dann sehen wir weiter.” abtun. Und an dieser eigentlich höchst verwerflichen Grundvoreingenommenheit rüttelt Taron Egerton mit seiner leicht zurückgeblieben wirkenden Trotzeinstellung ganz gewaltig.
Was sich daraus dann aufbaut, wie man – nicht nur symbolisch – in immer höhere Sphären abdriftet, ohne dabei vom Boden abzuheben, ist gelinge gesagt fantastisch.
Ich hoffe, dass in der Finalfassung der schmale Grat zwischen Erfolg und seelischer Niederlage, der sich den ganzen Film über hindurchzieht, ausreichend zur Geltung kommt. Seien wir ehrlich: Keiner von uns wäre so weit gegangen, hätte so oft dagegen gehalten, so stark an seinen Träumen festgehalten, so intensiv und allgegenwärtig gegen die Anfeindungen gekämpft, die sich einem in den Weg stellen, wenn man solche Vorhaben an andere verkündet.
Ich für meinen Teil habe gelernt, dass es immer Menschen geben wird – viele Menschen – die einem solche “Flausen” ausreden wollen und dass diese Tatsache daran liegt, weil man anfängt, sich zu bewegen und somit automatisch auf “Widerstand” stößt, da die anderen immer noch in ihren alten Positionen verharren. Also eine ganz natürliche Reaktion auf etwas Außergewöhnliches, dass Michael Edwards in der Vergangenheit erschaffen hat.
Doch mit diesem Film verbinde ich nicht nur eine wunderbar gemütliche, charming-erfüllte Message, die dir ein Bürger deiner Klasse vermittelt, sondern noch etwas anderes: Drehorte fast vor meiner Haustür: Seefeld in Österreich, Garmisch und nicht zuletzt Oberstdorf am unteren Ende von Deutschland.
Doch nicht nur mit der Auswahl der Schauplätze, sondern auch beim Rüberbringen der Story ist den Machern das Kunststück gelungen, hier etwas zu erzählen, das jemanden von ganz unten nach ganz oben bringen kann ohne dabei diese unerreichbaren Höhen zu erschaffen, die das ganze wieder utopisch wirken lassen. Als Zuschauer sitzt man davor und glaubt daran – und dieser Glaube lässt die Träume wahr werden.
Dabei wirken hochdotierte Schauspieler wie Taron Egerton, Hugh Jackman oder Christopher Walken fast schon als nette Beigabe, auch wenn alle drei im Film hervorragende Schauspielarbeit leisten und mit ihrem Tun überzeugen. Doch keiner von ihnen vermittelt hier das Gefühl des Unerreichbaren, sondern sie sind Menschen wie du und ich. Genau das macht diesen Film so herzlich, lässt ihn so nah an einen ran, denn wenn die das können, kann ich das auch.
Wer also im Leben stagniert, wer sich etwas vorgenommen und niemals zu Ende gebracht hat, wer sich nicht motivieren kann und den süßen Arschtritt zum Erfolg sucht, der macht mit dem Kauf eines .kinotickets bei diesem Film absolut nichts falsch.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wunderbar herzliche Komödie über das strebsame Verhalten eines Olympia-Anwärters, dessen Wille zum Erfolg genauso vehement wie vorbildhaft ist.
In charmant-komödiantischer Manier erzählt erlebt der Zuschauer hier die bodenständige und außergewöhnliche Geschichte des Skispringers Michael Edwards, hervorragend gespielt durch Taron Egerton, dessen Wandlungsfähigkeit und Schauspielkunst der eines Hugh Jackman in nichts nachsteht.
Der Soundtrack im Film bekommt zusätzlich noch eine gesonderte Erwähnung, denn der beflügelt nicht nur durch seine Beschwingtheit und unterschwellige Klasse, sondern sorgt zudem dafür, dass sich der Zuschauer geborgen und aufgehoben fühlt.
Wer bei diesem Film keine innere Freude empfindet, der hat für das Glück im Leben wohl auch nicht viel übrig.
.kinoticket lösen und reingehen, sobald er auf der Leinwand erscheint.

 
Nachspann
enthält keine weiterführenden Szenen mehr, man darf den Saal also wieder verlassen.
Kinostart: 31. März 2016 in den deutschen Kinos.

Daddy's Home – Ein Vater zu viel

Will Ferrell ist bekannt dafür, Rollen zu spielen, die vom Versagen und Gewinnen erzählen. Der Trailer von Daddy’s Home – Ein Vater zu viel zeugte bereits davon, sich den Gepflogenheiten der Schüchternheit und des Trimpfes zu widmen und einen Film zu erzählen, der sich in familiärer Atmosphäre seinen Charme zu verdienen versucht.
Ein Kumpel gab mir vorab den Tipp, hier nicht mit zu viel Erwartungen reinzugehen und das wohl passendste Publikum ever (die kringelten sich noch 10 Minuten nachdem der Trailer von Zoomania gelaufen war) sorgte zusätzlich für jede Menge positive Stimmung im Saal.
Vielleicht funktioniert die Komödie deshalb doch einigermaßen, weil hier zwar arg mit destruktivem Humor gearbeitet wird, der eher ins Macho-Proll-Klischee Amerikas passt als auf die gute Kunstbühne internationaler Filmgeschichte. Die eigenwillige und selbstironische Art von Wahlberg und Ferrell sorgt irgendwo für Unterhaltung, auch wenn man sich dieser Art von Witzigkeit erst ein klein wenig anpassen muss.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass so mancher hier seine lieben Schwierigkeiten hat und sich das Werk für jene stark in die Länge zieht. Genau wie bei Alle Jahre wieder – Weihnachten mit den Coopers ist auch dieser Film auf einer Säule, die nicht so recht ins Geschehen der Mitte der Gesellschaft passt, sondern sich seinen eigenen Zweig aussucht und da drin punktet. Das Problem dabei: Wer sich geistig nicht in der Nähe dieser Säule befindet, der findet das alles schlichtweg nicht witzig. Und dabei hilft auch kein Toleranzgefühl oder irgendeine Form von Zufriedenheit.
Hat man sich einmal mit dem Humor abgefunden, schmiert sich der Film doch recht ansehlich durch die Gefilde der Zeit und hinterlässt auch hier und da komische Spuren.
Das Ende kommt mehr oder weniger wirklich verdient, zeugt hier aber wieder stark davon, dass der amerikanische Prollgehabe-Gedanke vielleicht doch nicht der verkehrteste war.
Auffallend: Wer bisher nicht wusste, was product placement ist, hat spätestens nach diesem Film einen eindeutigen Eindruck davon.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier sollte man nur reingehen, wenn man den Trailer argwöhnisch begutachtet und für sehenswert empfunden hat.
Wer auf der Suche nach einer lustigen Story ist, die gut ins Allgemeinbild des durchschnittlichen Films passt, der sollte sich eher vorsichtig an diese Geschichte wagen, denn das hier ist zeitweise kein Zuckerschlecken, sondern zähfließender Kruscht, durch den man sich durcharbeiten muss.
Schlussendlich überzeugte der Film meines Erachtens sehr stark durch das lachbehaftete Publikum, das in diesem Fall aber auch nicht als Standard hergenommen werden dürfte, sondern eher zu giggelig den Saal mit überdurchschnittlich starker Lache anfüllte.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf sich also getrost nach dem Abblenden verdrücken.

Umrika

Anhand der aktuellen Flüchtlingssituation schon fast ein wenig paradox, jetzt einen Film dieses Themas auf die Leinwand zu bringen und den Zuschauer damit unterhaltend zum Denken anzuregen.
Richtig ausgesprochen bezeichnet der Titel das Land der freien Möglichkeiten – aus Sicht einer Familie eines Dorfes in Indien. Die träumen vom großen Erfolg im Westen und begeben sich auf eine interessante Reise, die im Verlauf des Films nicht nur spannend bleibt, sondern auch weitreichende Wendungen aufweist, so dass dem Zuschauer bis ganz zum Schluss nicht langweilig wird.
Die Stars – bekannt aus Werken wie Life of Pi oder Best Marigold Hotel – liefern auch hier wieder fantastische Leistungen ab und überzeugen durch authentisches Spiel und gelungene Wortwahl. Dass dabei nicht auf die Tränendrüsen gedrückt oder der Zuschauer mit intellektuell-schwerlastigen Phrasen in den Abgrund des Mitleids gedrückt wird, kommt dem Film mit seiner komödienhaft anmutenden Leichtigkeit zusätzlich zugute.
Zwischendrin tut es mal richtig gut, nicht immer von vorn mit dem Finger konfrontiert zu werden, der uns aufzeigen will, was wir falsch machen, wo Verbesserungspotenzial liegt oder welche üblen Missstände auf der Welt herrschen. Hier wird man einfach mal in ein Wasserbad spaßiger Gefühle geworfen und darf konsequenzlos planschen ohne dabei Schaden anzurichten. Und genau diese Leichtigkeit ist es, die Umrika zu einem sehenswerten Stück Kinogeschichte macht, das zwischen Blockbustern wie James Bond 007: Spectre oder Die Tribute von Panem – Mockingjay (Teil 2) gänzlich untergeht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Aus eben jenem Grund ist jedweder Hinweis auf den Film mehr als angebracht, denn hier waren Künstler am Werk, die die guten Seiten des Menschen ansprechen und aufzeigen.
Und das, obwohl in dem Film selbst genügend Schreckensmomente umschifft werden, die den Intellekt des Normalsterblichen auf keinen Fall überlasten.
Wer etwas sinnvolles sehen möchte, wobei man sich richtig gut fühlen kann und soll, der darf bei Umrika getrost zugreifen. Ein leichter, lustiger Kinoabend mit garantiert guter Unterhaltung sind vorprogrammiert.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, nach der Schwarzblende ist tatsächlich Schluss.

Man lernt nie aus

In diesem Film wird man als Zuschauer wunderbar in die Welt älterer Menschen integriert, in ihren Alltagsablauf involviert und gerade als jüngerer Zuschauer bekommt man sehr wertvolle und intime Einblicke in das Leben nach der Arbeit.
Gerade diese Art von einfühlsamem Näherbringen einer Generation, die man als Jugendlicher vielleicht nicht ganz so versteht, empfand ich bei diesem Film mehr als erfrischend.
Der Spaßfaktor mag wohl zeitweise etwas auf der Strecke bleiben, da hier zwar schon anspruchsvolle Komik eingebaut wurde, jedoch hatte ich oft das Empfinden, de Niro möchte, darf aber nicht wirklich. Keine Ahnung, ob diese Rolle nun eine Fehlbesetzung ist oder das Drehbuch anders hätte geschrieben werden müssen, jedoch kam er meiner Meinung nach nicht so zum Schuss wie man es von seinen älteren Filmen gewöhnt ist.
Das gleiche gilt umgekehrt für Anne Hathaway, die den meisten in Verbindung mit diesem Film wohl contentbezogen als “Dienerin” von Meryl Streep in Der Teufel trägt Prada bekannt sein dürfte – eine Rolle, die ihr Auftreten in Hollywood bezeichnend geprägt hat. Hier versucht man wohl, sie nun in die Fußstapfen Streep’s treten zu lassen. So nobel dieser Versuch erscheint, so elegant versinkt man damit im Abgrund, denn ihre Persönlichkeit kommt an die Stärke und Unerreichbarkeit einer Meryl Streep niemals heran.
Wenn es diese jugendliche Unbeholfenheit ist, die man hier hat zeigen wollen, so kam die nicht so ausdrucksstark und berührend rüber, wie es umgekehrt in Der Teufel trägt Prada der Fall gewesen ist. Interessanter wäre hier wohl gewesen, Robert De Niro auf Meryl Streep loszulassen und dabei zuzusehen, was passiert.
So blieb in meinem Fall ein fader Beigeschmack in einem Film, der an sich nicht schlecht ist, aber eben auch nicht so richtig aus sich raus kommt und die Katze komplett aus dem Sack lässt. Schade eigentlich, denn das Potenzial dazu hätte man auf jeden Fall gehabt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine oscargeprägte Besetzung bedient hier ein Drehbuch-Klischee, das mit frischen Ideen aufwartet und dabei nicht so richtig aus sich rauskommt.
Hätte man Robert De Niro etwas mehr freie Hand beim Agieren und Schauspielern gelassen, wäre daraus wohl etwas sehr viel bedeutsameres geworden.
So bleibt es ein Film, der in der oberen Liga angesiedelt ist, aber kaum über den Rand anderer guter Filme hinausragt.

 
Nachspann
gibt es keinen, man darf also fröhlich aus dem Saal spazieren.

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