.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Entführung

Was werden die Leute sagen

Leute, mir fehlen die Worte. Ich bin in diesen Film rein, in der Erwartung, etwas zu sehen, dass sich ein wenig mit Scham, Heimlichtuerei oder kulturellen Unterschieden in der Gesellschaft auseinandersetzt … und geliefert hat man eine Explosion, die mich sprachlos gemacht und zutiefst schockiert hat!
Aber der Reihe nach.
Ich weiß, mein Label steht für Spoilerfreiheit, und ich glaube, dass ich nicht zu viel verrate, wenn ich sage: Beginnt einfach damit, euch noch einmal Der Stern von Indien anzusehen, um die Erschaffung und Gründung dieses Staates zu verstehen. Um ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, woraus das alles entstanden ist und welche moralischen, emotionalen und religiösen Fundamente hier Grundstein waren, auf denen sich diese Kultur entwickelt hat.
Dann legt euch selbst die Halterungen im Schädel an, holt euch ein .kinoticket und begebt euch auf eine grausame, unfassbare Reise durch einen Film, der für mich bis jetzt absolut der Film des Jahres ist!
Iram Haq hat etwas erschaffen, dass ich als “Meilenstein internationaler, kultureller Verständigung und Aufklärung” bezeichnen würde, dass nicht nur Einblicke in ein Leben gewährt, sondern hier zu einem tieferen Grundverständnis führt und verschiedene Kulturen (hoffentlich) zusammenbringt.
Wir leben in einer Welt kultureller Diversität, in der längst nicht mehr einheitlich durch Landesgrenzen abgeschirmt ist, was woanders passiert. Nicht nur moderne Technik hat die Abgrenzungen zu fremden Nationen, fremden Gepflogenheiten längst verwischen lassen, sondern politische und marktwirtschaftliche Entscheidungen fordern unlängst ihre überfälligen Konsequenzen ein und verändern aktiv das Bild einer Welt, die in sich zusammenzubrechen droht.
Geht man von Deutschland aus – einem Land, dass vergleichsweise zu anderen Nationen in Reichtum und Wohlstand lebt – hört man vielerorts Beschwerden über Zugereiste, Flüchtende aus Nationen und Ländern, in denen andere Regeln herrschen und man spürt den Unmut unserer Landesbürger über die ungewollte Konfrontation mit anderen Gewohnheiten.
Die Medien haben daraus eine inzwischen lächerliche Dauerdiskussion gemacht, in der die immergleichen Fragen nicht beantwortet und zumindest wohlgemeinte Absichten nicht mehr erkennbar sind, was zusätzlich den Hass auf diese Menschen schürt und den Aufgebrachten zusätzlichen Nährboden liefert, was dann in Aktionen wie Hausbränden und anderen Verwerflichkeiten endet.
All dies entsprungen aus einem grundsätzlichen Unverständnis heraus, da keiner von uns ernstlich den Willen und Mut aufgebracht hat, sich diesen Fremdartigkeiten zu stellen und sie zumindest ansatzweise verstehen zu wollen.
Okay, bevor ihr hier gleich alle Sturm lauft: Es geht nicht darum, alle Grenzen zu öffnen und die ganze Welt in unser Land spazieren zu lassen, ihnen Geld in den Rachen zu werfen und dabei nichts zu hinterfragen. Falsch. Es geht um etwas viel größeres.
Wozu Politiker nicht in der Lage waren, was viele sogenannte “Experten” in unzähligen Talk-Diskussionen und Polit-Shows nicht auf die Reihe gebracht haben, hat nun ein Paradebeispiel geschafft auf einer Plattform, auf der ordentliches Reden und das Aufzeigen einer komplexeren Sache unglaublich einfach ist: Kino.
Iram Haq erzählt eine Geschichte, von Schauspielern inszeniert, die mit großartiger Sorgfalt gecastet wurden, um die entsprechend psychische Belastung auch korrekt darstellen zu können. Wer den Film besieht und im Abspann genau hinschaut, wird feststellen, dass die Handlungen “frei erfunden” sind. Im Interview verrät die Regisseurin aber, dass dies ihre persönliche Geschichte ist, die sie durch diesen Film zu interpretieren versucht und für die sie Jahre ihres Lebens gebraucht hat, um sie auch richtig erzählen zu können.
Ihr ging es nicht um kulturelles Bashing, ihr ging es auch nicht um die Darstellung einer Opfer-Täter-Rolle, sondern ihr Ziel war, beide Kulturen so in einem Film zu präsentieren, der zwar ganz klar aus Sicht des Kindes, das sie damals war, gezeigt wird und den Zuschauer sehr einfühlsam an ihrer Welt teilhaben lässt, jedoch auch zumindest versucht, diese verschrobenen und hier verurteilten Werte und Ängste einer ganzen Nation widerzuspiegeln.
Die Grundelemente dieses Films hat sie in ihrer Kindheit persönlich durchlitten und ist damit selbst Leidtragende dieser hasszerfressenen Kluft, die zwischen verschiedenen Völkern unterschiedlichen Glaubens entstehen können, den Film selbst hat sie aber mit einigen Details ausgeschmückt, weil sich dies so im Kino besser darstellen ließ.
Im Film selbst kommt man zu einem Punkt, wo man sich fragt: “Wieso bringst du dich nicht einfach um? Wie kann ein Mensch so etwas aushalten?”
Wenn man diese Gedanken dann weiter verfolgt und z.B. einfach mal ein Gedankenexperiment durchführt, in dem alle Deutschen nun den Platz mit Bürgern dieser Nation austauschen und für den Rest ihres Lebens unter diesen Bedingungen leben müssen, dann wären wohl ziemlich viele deutsche Selbstmorde an der Tagesordnung, da diese Belastungen einfach unvorstellbar sind.
Wie hält ein Mensch so etwas aus?
Diesen Film zu machen und der Welt einen offenen, ungeschönten Blick auf alle Seiten solcher Religionen und Länder zu verschaffen, ist das Beste, das diese Frau machen konnte – und sie bereichert uns alle dadurch mit einer unbezahlbar großen Portion Grundverständnis für Menschen, die das unbeschreibliche Glück haben, in unserer westlichen Welt leben und aufwachsen zu dürfen und all die Freiheiten zu genießen, derer wir, die wir hier geboren sind, gar nicht mehr gedenken noch sie zu schätzen wissen.
Ich wage sogar zu behaupten: Wenn jeder dazu verpflichtet wäre, diesen Film zu schauen, um die komplexe Verstrickung kultureller Unterschiede endlich in seiner Gänze zu begreifen, hätten wir weltweit kein Rassismusproblem mehr.
Dir als Europäer geht es während der Laufzeit wahrscheinlich permanent durch die Muskeln, du zuckst und würdest gewissen Parteien permanent ins Gesicht schlagen, damit sie diese Ungerechtigkeiten und qualvollen Misshandlungen junger Menschen endlich unterlassen, aber du verstehst genauso, dass dies dort einfach so ist und man das nicht durch Verantwortungszuweisung und eine simple Schuldfrage klären kann, sondern da viel mehr dahinter steht, dass so einfach nicht zu lösen ist, dass diese psychischen “Vergewaltiger” selbst Opfer ihrer eigenen Kultur geworden sind und man dies nicht durch billiges Gewäsch als eigene Verantwortung verurteilen kann.
Ich weiß, meine Worte sind schäbig im Vergleich zu der bildhaften und verständlichen Darstellung Iram Haqs durch den Film, aber ihr merkt schon, welch ein gigantisches Konstrukt interkultureller Aufklärung und Harmoniefindung dieses Projekt innehat, dass zu klaren Schlüssen kommt, dessen Befreiungsschlag sich aber nicht wie eine Erlösung anfühlt, was uns alle noch vor große Aufgaben für die Zukunft stellt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn der Titel ins Schwarze trifft: Gegen die Mega-Giganten derzeitiger Kinopublikationen stirbt dieser Film elende Tode und die Presseabteilungen haben genügend Schwierigkeiten, Kinos zu finden, die Raum zum Screenen zur Verfügung stellen.
Dabei ist dieser Film die wohl wichtigste Errungenschaft des heutigen Jahrhunderts, weil er einen unbezahlbaren Beitrag dazu liefert, dass ganze Nationen zu einem besseren Ich aufsteigen können, indem er ungeschönt und konsequent die Geschichte eines jungen Mädchens erzählt, das Opfer einer Welt geworden ist, die heute immer noch traurig-aktuell ist.
Wenn man sich als Zuschauer bereits den erlösenden Freitod der Hauptdarstellerin wünscht, um sie endlich von den unsäglichen Qualen zu befreien, weil diese Torturen unvorstellbar sind, dann zeigt dies, mit welch geballter Macht hier Dinge verarbeitet werden, die man als Europäer zwar kennt, sie aber immer mit “Geht mich nichts an” zur Seite geschoben hat, ohne zu verstehen, was dies wirklich bedeutet.
Dieser Film schafft es, den Bann des Hasses durch simple Aufklärung zu brechen und verhilft jedem, der es möchte, zu einem tieferen Grundverständnis für diese schwierige Situation – und ich wünsche jedem von euch, diesen Film gesehen zu haben, um diesen Planeten durch anderes Handeln zu einer gesünderen Lebensweise zu verhelfen.
Lasst alles andere links liegen und helft aktiv dabei, dass dieser Film nicht in einer Versenkung verschwindet und unter sinnfreien Blockbustern begraben wird – er hat alles verdient, nur nicht das.

 
Nachspann
Ich saß da und konnte nicht mehr aufstehen. Ich konnte mich nicht mehr bewegen. War einfach nur geschockt.
Kinostart: 10. Mai 2018

Alles Geld der Welt

Alles Geld der Welt hat bereits in den Medien mit jeder Menge internationaler Aufmerksamkeit von sich reden gemacht, die ich jetzt nicht mehr großartig ausführen möchte – allerdings lasse ich mir nicht die Chance entgehen, hier mal einige Spekulationen zu beenden, die in meinen Augen oft nicht richtig im TV wiedergegeben werden:
Wir alle wissen, dass Kevin Spacey wegen diesen Vorwürfen aus der Produktion geschmissen wurde, damit – so die offizielle Pressemitteilung der Filmemacher – “… die bedauernswerten Anschuldigungen gegen einen Nebendarsteller nicht einen Film beschädigen, an dem über 800 Schauspieler, Autoren, Künstler, Handwerker und Crewmitglieder mehrere Jahre lang unermüdlich und unbescholten gearbeitet haben.”
Fakt ist, dass Christopher Plummer schon von Anfang an die erste Wahl von Ridley Scott gewesen ist und sich die Studios im Nachgang für Kevin Spacey entschieden haben, da dieser als Oscar®-Preisträger eine wesentlich höhere Bekanntheit hatte und vermutlich mehr Zuschauer in die Kinos gelockt hätte.
Tatsächlich hat man sich deshalb gegen den Willen der Macher für ihn entschieden, bis dann die Vorwürfe auftauchten, die Scott seinerseits dazu nutzte, den von ihm schon anfangs favorisierten Christopher Plummer einzusetzen, was in meinen Augen definitiv die richtige Wahl gewesen ist.
Dies führt mich zu zwei Punkten: Einerseits erkennt man hier – in einem Film, in dem es perverser Weise um Geld geht – mit welchen Mitteln tagtäglich in Hollywood gearbeitet wird, um eigentlich sensationelle Gedanken und kreative sowie künstlerische Prozesse so niederzubügeln, dass sie an einen kalten, emotionslosen Markt angepasst sind und möglichst viel Geld in die Kassen spülen, was sich als negatives Beispiel an sich selbst rächte, da genau der gewünschte Vorteilseffekt durch die unentschuldbaren Anschuldigungen jetzt ins Gegenteil verkehrt wurde und man jetzt paradoxerweise Angst davor hatte, dass die Zuschauer den Film gerade deshalb boykottieren.
Andererseits ist es ein Paradebeispiel dafür, woran Hollywood schon seit Jahren erkrankt ist: Junge, talentierte, erfahrene und fähige Menschen trumpfen mit tollen Ideen, klasse Erfindungen, filmischen Interventionen und anderen brauchbaren Möglichkeiten auf, die dann allesamt von den Studios in eine massentaugliche, langweilige und von allen Spitzen befreite Lahmarschigkeits-Maschinerie umgewandelt werden, die sich weder am künstlerischen Potenzial, noch an freigeistigen Ideen, sondern einzig und allein an einer perfekt optimierten Vermarktungsstrategie orientiert, der nichts mehr heilig ist: Nischen werden nicht mehr bedient, man möchte niemanden mehr vor den Kopf stoßen und opfert seine prätentiösen Möglichkeiten einer öffentlichen Zurschaustellung, die in einer desaströsen medialen Schlacht endet.
Bei Alles Geld der Welt ist jetzt eher unfreiwillig genau das passiert, was ich so vielen Filmen immer wünsche: Er wurde von den alles beherrschenden Gier-Mentalitäten der Publisher befreit und genießt nun auf einmal wieder ungestört das künstlerische Potenzial, dass sich Scott anfangs genau so ausgemalt hatte, wie es jetzt final auf der Leinwand zu bestaunen ist: Mit einem Christopher Plummer in Höchstform!
Ganz ehrlich: Ich habe den Titel bereits gesehen, als die Anschuldigungsvorwürfe noch ganz am Anfang standen und die Presse sich noch nicht wie die Geier über die Story hergemacht hatte und habe es – da ich Spacey als Schauspieler höchst schätze, weil er einfach verdammt gut spielt – verflucht, dass man jemand so talentierten wegen dieser Scheiße nun von der Leinwand verbannt … obwohl es definitiv gerechtfertigt ist und dieser Schritt absolut richtig war.
Beim Sichten habe ich jede Szene mit Plummer dann gedanklich auf Spacey übertragen und mich gefragt, wie er das gespielt hätte … oder allein, wie es mit seiner Stimme geklungen hätte – und da war ich bereits zu Beginn vollkommen davon überzeugt, dass niemals in der Geschichte jemand anderes als Plummer diese Rolle hätte spielen dürfen, weil Spacey dafür einfach der absolut falsche Mann gewesen wäre.
Man merkt so sehr, dass Plummer die Rolle so sehr auf den Leib geschrieben ist, da er als Person auch viel mehr an den echten Paul Getty rankommt. Ich meine, eine direkte Golden Globe-Nominierung spricht ja auch Bände.
Was ich nun bedenklich fände, wäre, wenn die Öffentlichkeit diesen Film aufgrund seiner medialen Skandal-Ambivalenz ignorieren würde, weil einfach schon zu viel darüber geredet wurde, denn das hat er nicht verdient.
Im Gegenteil: Die Botschaft des Films sollte mehr unters Volk verteilt werden, da man hiermit einen völlig neuen Blickwinkel auf Geld und Reichtum angetreten hat, der meiner Meinung nach absolut sehenswert ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Plummer war von Anfang an gewünscht und ist kein Ersatz, sondern die erste Wahl – er spielt perfekt und macht aus dem Film etwas Großartiges!
Die skandalträchtigen News rund um diesen Film sollte man einfach beiseite schieben und sich wieder auf die wichtigen Dinge konzentrieren: Nämlich, sich diesen Film auf die .kinotickets drucken zu lassen und ihn in einem Kino seiner Wahl zu besehen! Es lohnt sich – versprochen!

 
Nachspann
Nicht sitzen bleiben, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 15. Februar 2018

Fifty Shades of Grey – Befreite Lust

Die Uhren schlagen zwölf – es ist soweit: Der finale Teil der Fifty Shades of Grey-Saga kommt (haha) offiziell in die Kinos und löst weltweit wieder einen Superhype aus, den niemand versteht und in den nur die Doofen reingehen. Genau wie die BILD: Kauft keiner, liest keiner, hat aber nen riesigen Absatz.
Dieses Jahr hab ich mich bewusst und sehnsüchtig für die Pressevorführung vorab entschieden, weil ich mich jetzt gerne und liebevoll für ein paar Wochen aus dem regulären Kino zurückziehe, bis diese Seuche wieder vorbei oder zumindest abgeflacht ist. Aber der Reihe nach:
Meine Äußerungen zu den Vorgängerfilmen sind in diesem Zusammenhang vielleicht nicht ganz uninteressant, um meine jetzige Einstellung besser zu verstehen:
Fifty Shades of Grey
Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe
Man merkt also, dass Fifty Shades of Grey insgesamt ein gewollt sadomasochistisches Peitschen-Image mit Sexverdunkelung und Abgründen erotischer Natur aufgebaut hat, um seinem Ursprungsideal der SM-Fanfiction-Variante von Edward und Bella aus Twilight zu entsprechen.
Und an alle Zweifler, die mir das immer noch nicht glauben: https://de.wikipedia.org/wiki/Shades_of_Grey#Entstehung << tatsächlich als Fanfiction von Twilight entstanden und später umgeschrieben. Voilà!
Ich meine: An sich ist die Idee ja gar nicht schlecht, immerhin gibt es von vielen Filmen mittlerweile die “(Soft)Pornovariante” auf Sport1 im Spätprogramm, auch wenn ich (ehrlich) noch nie eine davon gesehen habe. Sollte ich vielleicht mal nachholen, weil ich anschließend von dem hier begeistert sein werde … wer weiß 😉
Allein schon die Idee, so einen Jugend-Kitsch-Schmalzi-Girlie-Fanschrei-Film (Twilight) aus der pubertären Verniedlichung in die (ernstgemeinte) SM-Tiefe zu schicken, sollte eigentlich Freudensprünge beim von Einfallslosigkeit geprügelten Zuschauer auslösen. Dass daraus dann aber ein Konstrukt erwächst, dass den Zuschauern jedwede Relation zu seinem eigentlichen Ursprung abspricht – obwohl teils schon fast szenengenaue Parallelen zum Vorbild vorhanden sind und eigentlich deutlicher nicht mehr sein könnten – trotzdem einschlägt wie eine Bombe, wirft für mich zwei Thesen auf:
Entweder ist die ganze Welt vollkommen krank und ich bin geistig soweit zurückgeblieben, dass ich den Erfolg und das Verlangen nach solchem Stoff erst verstehen werde, wenn mir jemand an meinem Sterbebett erklärt, warum…
oder:
Diese Einfallslosigkeit ist so weit verbreitet und ich bin zu behämmert, um zu kapieren, dass das tatsächlich Alltag da draußen ist und sollte wirklich öfters aus dem Kino und mehr in die Realität wechseln.
Fakt ist: Man sollte vor dem PR-Coup seinen Hut ziehen, denn hier wurde wahrhaftig aus Scheiße Gold gemacht – und das nicht zu knapp. Allein der .trailer hat bereits Weltrekorde aufgestellt und sogar Star Wars geschlagen … mit einer Fanfiction eines behämmerten Films auf SM-Niveau! * kopfgreif * – in was für einer gestörten Welt leben wir denn?
Über die Vorteile davon hab ich mich bereits damals schon ausgelassen – den Chancen, sexuelle Aufklärung zu betreiben, Sex-Nischen salonfähig zu machen, Plattformen zum öffentlichen Diskurs zu bieten und den Menschen die Chance zu ermöglichen, auch über Tabuthemen gemeinsam zu sprechen, um so Unerfahrenheit oder ungewollte Versteckspiele endlich beenden zu können.
Ich meine: Die Welt sieht zu, die Aufmerksamkeit ist vollends vorhanden und alle starren gebannt auf die Leinwand – und was macht man daraus?
Fifty Shades of Grey – Befreite Lust!
Für mich wirkt das alles so, als wäre ein Großteil meiner Mitmenschen in einer irren Blase gefangen, die einer unbefriedigten Hausfrau der frühen Neuzeit entspringt, die vom großen Geld, dem traumhaften Prinzen und jeder Menge anderem Kitsch träumt und diesen mit unfassbar viel Kohle und einer vollkommen wahnsinnig gewordenen Kultur subventioniert bekommt.
Kürzlich meinte mal einer zu mir: Deutschland hat keine Fähigkeiten darin, Dialoge zu schreiben. Fifty Shades of Grey ist das beste Beispiel dafür – nur, dass es nicht aus Deutschland kommt. Die Dialoge sind dermaßen zum Schreien, dass es nicht mehr komisch ist. Auf Stumpfsinn folgt Plätte und danach kommt Fifty Shades.
Es fällt schwer, hier tatsächlich ernst zu bleiben und diese “unerreichbare Größe”, die dem Edward im ersten Teil zumindest noch teilweise innewohnte, hat man nun vollends aufgegeben. Ich meine, es ist okay, von dem wahnsinnig gut gebauten, knackigen, Superduperhypermilliardär zu träumen, für den alles fern jeglicher Realität absolut kein Problem ist und der sich alle Sorgen einfach mit sündhaft viel Geld wegkauft. Es ist okay, darüber Bücher zu schreiben und sich darauf einen zu schrubben, es ist auch okay, das dann ins Kino zu bringen und dem Rest der Welt zu ermöglichen, sich ebenfalls einen darauf zu schrubben.
Aber zumindest im dritten Teil erwarte ich als Kinogänger doch, dass man zumindest ansatzweise anfängt, mich als Zuschauer wahrzunehmen und aufhört, mir irgendwelche Märchen auftischen zu wollen. Ich sehe also nicht mehr in eine Girlie-Fan-Blase, sondern erwarte einen ernsthaften Film, der mich dann tatsächlich in die Welt der Superreichen einführt – was zumindest wieder Spannungsbogen-Potenzial aufweist und auch hier wieder Chancen bietet, daraus etwas durchaus Sehenswertes zu machen.
Und genau da krankt der aktuelle Film nicht nur, sondern stirbt tausend unrühmliche Tode: Christian wirkt in die wahl- und lieblos zusammengestellten Kulissen wie reingeschneidert, man kauft ihm die Rolle als Mega-Milliardär schon längst nicht mehr ab, sondern seine Stellung wirkt unbeholfen, lächerlich und hat längst nichts mehr von dem mysteriösen, verdorbenen Charme, für den Anastacia ihn im ersten Teil noch abgöttisch anhimmelte.
Statt hier den Weg einfach konsequent weiter zu gehen (Teil 1 anteasern, Teil 2 langsam bodenständig werden und Teil 3 nun vollends in die SM-Unterwelt abzutauchen und einfach Peitschen und Devotsein, Machtspiele, Erhabenheit und Unterwerfung und all die tausend Gefühle sprechen zu lassen) ergießt man sich hier in eine unzählbare Fülle von dümmlichen Dialogen, die himmelschreiende Realitätsferne aufweisen und von dem subtilen Witz und der unberührbaren Unkenntnis über dieses Genre aus Teil 1 absolut nichts mehr innehaben.
Verdammt! Ich meine, unsere Zeit ist doch aufgeklärt genug, dass man sich durchaus sexueller Themen auf der Leinwand annehmen könnte, die nicht bei Knutsch-Kuss-Wegblende aufhören, sondern man durchaus mal richtig vögeln darf und dabei auch über die Missionarsstellung hinaus gehen könnte … und was kommt?
“Hi.”
“Hey.”
“Kommst du ins Bett?”
“Später vielleicht.”
Ähm … es gibt Leute, unglaublich viele Leute, die für diese – sorry – Scheiße echtes Geld hinblättern und erwarten, dass ihr ihnen etwas dafür liefert. Und zwar nicht so einen geistigen Dünnschiss, sondern zumindest ein bisschen Humor und Ernsthaftigkeit – aber doch nicht so was?
Und was ist aus der eleganten Kulisse aus dem ersten Teil geworden? Aus dem Monster-Immobilien-Ding, dass man technisch gerne erkundet hat? Aus den Farbenspielen und den professionellen Versuchen, der Farbe Grau ein wenig Leben abzuringen?
Eine Anhäufung verschiedenster, nicht zueinander passender Stile, die stümperhaft zusammengewürfelt in eckige Szenen geschnitten wurden, in denen die beiden Hauptdarsteller jederzeit vollkommen verloren und deplatziert wirkten, was im Presseheft dann mit “sommerlicher Frische” und “farblicher Befreitheit” entschuldigt wurde. Hat bei mir nicht funktioniert.
Überhaupt wirkte dieser Film eher wirklich wie ein Softporno mit profaner Entschuldigung, für den man sich nicht mehr zu schämen braucht, weil ihn ja hunderttausend andere Menschen ebenfalls ganz offen schauen.
Von Sado oder Maso oder anderen themenrelevanten Dingen einfach überhaupt keine Spur mehr. Na gut, immerhin sieht man zumindest 2-3 Minuten mal ein paar Handschellen, aber dann?
Seid ihr wirklich so einfallslos und langweilig, ein – eigentlich so spannendes – Thema auf diese billigen Klischees zu begrenzen? Hier kommt mir wieder die untervögelte Hausfrau in den Sinn, die sich nichts mehr wünscht, als mal so richtig von Edward durchgebumst zu werden und die ihren fickrigen Sehnsüchten nun in Form einer Milliardenproduktion Ausdruck verleiht … oh mein Gott, wo sind wir da alle rein geraten? Mommy porn im Kino? Ernsthaft?
Sorry, wenn ich hier im Niveau etwas absinke und mich nicht mehr gewählt auszudrücken vermag, aber ich war gestern echt sauer. Sauer auf das, was man daraus gemacht hat. Sauer darauf, dass man jetzt ein Leben lang mit der Message leben darf, dass genau das ja “Sadomaso” ist.
Um mal Vergleiche zu ziehen: Es gibt schwule Kerle, denen man kein “Tuff Tuff Baby ich zieh mir Frauenkleider an und schmink mich” ansieht, die sich aber trotzdem inniglich lieben und definitiv schwul sind. Und dann kommt Frau Mama und erzählt: “Ich hab letztens so einen Film gesehen, in dem sich ein Typ schminkt und als Diva rumläuft, bist du auch so, weil du ja auch schwul bist?”
Und wisst ihr, was das Problem ist? Die Medien haben bis heute keine gegenteilige Ansicht geliefert, die der breiten Bevölkerung eindrücklich ins Hirn hämmert, dass sie sich ihre bekloppten Vorurteile sonstwohin stecken und anfangen sollten, einfach mal ernsthaft mit anderen zu reden.
Und dank Fifty Shades of Grey ist das jetzt nicht nur bei Schwulen und Lesben so, sondern auch bei Liebhabern dieser sexuellen Branche, die sich sowieso schon in der Öffentlichkeit immer unverstanden gefühlt haben.
Und wisst ihr was? Wir alle sollten uns auf die Schultern für diesen misslungenen Integrationsversuch klopfen und weiterhin in Ruhm und Schande ertränken, die wir uns selbst zufügen, indem wir tagsüber aller Welt von Gleichberechtigung und Integration, Toleranz und Selbstverständlichkeit predigen und uns nachts dann von Fifty Shades mit Gegenteiligkeit verarschen lassen, die uns auf den kommenden Tag und die Hexenjagd vorbereiten.
Wundert es da noch jemanden, dass es Parteien wie AfD und Co. an die Spitze der medialen Berichterstattung geschafft haben? Ich bin echt gespannt, was die hiesige Presse auf diesen Titel zu schreiben weiß, denn im Kino haben sich viele vor Lächerlichkeit kaum zurückhalten können.
Merkt eigentlich keiner von den Schaffenden, was hier allgemein für ein Bullshit produziert wurde? Die ertrinken fast in ihren Argumentationen, wie unglaublich professionell und ausgewählt, subtil und emotional hier aufeinander eingegangen wird und dass der Film sich selbst quasi nicht mehr parodiert, sondern beschämend in den Mülleimer wirft, hat dabei keiner gemerkt?
Abschließend sollte man noch erwähnen, dass man sich technisch nun auf absolut perfektem Niveau befindet, sowohl bei Kameraführung als auch in Sachen Soundauswahl! Ohne Witz: Der Soundtrack im aktuellen Shades-Film ist derart berauschend und für mich wohl das beste, das man der Welt damit schenken konnte.
Mir ist die Gänsehaut über den kompletten Körper gerauscht, als man – endlich wieder – Ellie Gouldings “Love Me Like You Do” in einem grandiosen Remix anstimmte und das Kino davon erfüllt war!
Und nicht nur da, sondern auch bei anderen Titeln hat man unglaubliches Gespür bewiesen – z.B. mit Hailee Steinfeld & BloodPop’s “Capital Letters” – einfach mal rein hören. Einige Titel, die man ruhig im Radio zu Tode spielen darf – vollkommen mein Geschmack! Dafür ein herzliches Dankeschön!
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich ist Fifty Shades of Grey – Befreite Lust der erste Film über Liebe, der selbst überhaupt nichts mehr mit Liebe zu tun hat.
Ich meine, es gibt mittlerweile so viele unzählige, berührende, zu Tränen führende Filme, die sich dieser Thematik annehmen und so tief in die Materie eintauchen. Das hier ist einfach nur noch ein billiger Witz, der selbst seine Einzigartigkeiten – und waren sie noch so verrückt – aufgegeben hat, um sich schlussendlich selbst zu verraten.
Und dabei war da bevor man mal begonnen hat, eigentlich unglaublich hohes Potenzial vorhanden.
Aber um mit was positivem zu schließen: Als Jugendlicher hat man nun definitiv ein schlagfestes Argument, um sich völlig ungeniert in der Öffentlichkeit billige Softpornos anzuschauen, die auch die gleiche inhaltliche Tiefe aufweisen, wie es Softpornos eben tun.
Yeah Baby!

 
Nachspann
Abwarten. Zum einen bis ganz zum Nachspann, weil da noch die Happy-End-Sequenzen kommen, von denen man im Film ja bekanntlich nichts sehen wollte. Zumindest laut Autoren. Zum anderen hat sich das Team “fürs Erste” von Fifty verabschiedet. Um was wetten wir, dass das in ein paar Jahren wieder ausgegraben wird?
Kinostart: 8. Februar 2018

Mädelstrip

Laut Titel bin ich schon mal per Definition das falsche Publikum. Dazu kommt, dass ich mich alkoholfrei durchs Leben bewege und damit den Sinn für Humor an manchen Stellen wohl nicht so sehr aufbringen kann, wie manch einer das gerne öfters mal hätte.
Böse Zungen könnten behaupten, dass Mädelstrip nur auf Stoff zu ertragen ist, ich denke jedoch, dass ich wirklich eher das ungeeignete Zielpublikum darstelle, weil’s nicht nur da hakt, sondern ich auch meine lieben Schwierigkeiten mit Amy Schumer habe. Keine Ahnung, ich werde nicht warm mit ihr, der Humor ist mir zu platt, ihre Art finde ich absolut unsympathisch.
Dann eine neutrale Kritik über einen Film zu schreiben… unmöglich. Aber Gottseidank ist .kinoticket-blog.de ja keineswegs neutral, sondern absolut parteiergreifend subjektiv, was mir die Chance eröffnet, hier ehrliche Worte zu sprechen – was meine Person angeht.
Ich hätte den Film gerne in einer Ladies Night gesehen, wenn der Saal mit unzähligen Damen voll ist, und dabei die Reaktionen und Feedbacks der Damen konsumiert. Und das dann gerne in die Bewertung mit aufgenommen. Aber da die erst am Mittwoch starten und ich an dem Tag anderweitig beschäftigt bin (seid gespannt!), verzichten wir eben darauf und begnügen uns mit der Meinung, die mir nach der Pressevorführung geblieben ist.
Ich war im höchsten Maße verwirrt. Der Film startet genretypisch in Erfüllung der Erwartungen, die man an eben einen solchen Streifen setzt und erhält dann im Laufe der Zeit ein paar ziemlich untypische Wendungen, die daraus etwas… verwirrendes gestalten.
Zugegeben, ich hatte zwischendrin wirklich meinen Spaß und einige Szenen sind tatsächlich zum Brüllen komisch, jedoch erschließt sich mir die Gesamthandlung nicht wirklich, woran das auch immer liegen mag. Fehlenden, weiblichen Genen? Falsche Zielgruppe? Zu blöd? Zu anders gestrickt? Zu wenig im befreiten Mainstream zu Hause?
Keine Ahnung. Die Idee ist auf jeden Fall super und wird auch an vielen Stellen ordentlich ausgeschmückt, jedoch empfand ich das Ende als unbefriedigend und zu wenig aufschlussreich. Wie oben schon erwähnt: Auf Stoff und mit den richtigen Mädels zu Hause könnte das durchaus Spaß machen, aber dafür bin ich absolut nicht der Typ ^^.
Ich würde sagen, man sollte sich einfach den Trailer zu Gemüte führen und danach entscheiden, denn der bringt die Seele des Films ziemlich gut rüber. Überraschungen und trickreiche Wendungen bleiben danach noch genügend übrig, um auch während dem Film seinen Spaß zu haben, wenn man in die Zielgruppe dieser Art Humor passt. Ich persönlich tu genau das nicht und hake es damit als Erfahrung ab.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte Amy Schumer lieben und dem Trailer gegenüber absolut aufgeschlossen sein, dann wird’s ein super Filmabend mit den Freundinnen.
Ansonsten bleibt eine trickreiche Verwirrungsaktion, zu der ich keine richtigen Worte finde, da ich mit dieser Art Film persönlich einfach überhaupt nichts anfangen kann.
Ihn deshalb jetzt aber schlecht zu bewerten, halte ich genauso für falsch, da mit Sicherheit seine Abnehmerschaft existiert und die hier auch gnadenlos bedient werden.

 
Nachspann
gibt’s keinen, man darf also vorzeitig abbrechen und rausrennen.
Kinostart: 15. Juni 2017

Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott

Ich weiß, das Plakat schreit förmlich nach Kirche … “Gott” bereits im Titel und wenn man dann auf Apple Music nach dem Soundtrack sucht und gleich den ersten Titel hört, fühlt man sich an sakrale Freikirchen erinnert und denkt sich “Oh my godness…” – entspannt euch!

Ich hol euch gleich mal mit ein paar Anmerkungen in den Kinohimmel zurück: Octavia Spencer! Filme mit ihr sind quasi schon ein Garant dafür, dass es ein voller Erfolg wird, denn all ihre Werke haben bisher reingehauen.

Sam Worthington – der Kerl aus Avatar – Aufbruch nach Pandora – was hat der mit kirchlicher Moral und Gottgequatsche zu tun? Seht ihr?

Wenn man sich jetzt im Saal die ersten paar Minuten anhört, gruselt es einen vielleicht immer noch ein wenig, sofern man mit Kirche nicht wirklich viel anfangen kann, aber dann entwickelt sich die ganze Show zu einem unvergesslichen Erlebnis, nach dem man tief bewegt wieder in den Alltag schwebt und sich vielleicht doch die ein oder andere Frage ganz anders stellt.

Gibt es Filme, die ein religiöses Thema behandeln und gleichzeitig keine missionarischen Verschwörungen ausleben und auf Teufel komm raus jeden zu etwas bekehren möchten?

Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott ist so einer. Gerade im christlichen Bereich habe ich eine derartig sensible, hochehrbare und defensive Betrachtungsweise in meinem bis dato 33jährigen Leben noch niemals erlebt! Das Kalkül, hier jemandem Überzeugungen aufquatschen zu wollen, ist tot – es lebe die Geschichte.

Dass das Buch ein Bestseller geworden ist, kann ich nach dem Sichten dieser Story definitiv verstehen. Und die Art und Weise, wie ruhig und gefühlvoll man hier an die Aufarbeitung rangegangen ist, spricht dafür, dass ich sogar strenggläubige Atheisten guten Gewissens mit in diesen Film schleppen würde, denn selbst die dürften sich bei dieser Form von Diskussionseröffnung auf keinen Fall auf den Schlips getreten fühlen, denn es findet keine Diskussion statt.

Auf deutsch gesagt: es tut einfach gut, in den Spuren von Worthington durch die Erzählung zu strudeln und dabei immer mehr merkwürdige Fragen zu stellen, die im Laufe der Zeit beantwortet (oder nicht) werden – ich will hier ja mal nichts vorweg nehmen. Und das war wie eine großartige Umarmung von einem übermenschlichen Wesen, welches sich sanft im Saal ausbreitet und allesamt in seine/ihre Arme schließt und einfach nur liebt.

Kann man in einem Film Frieden finden? Befindet sich Gott tatsächlich auf der Leinwand und spricht zu dir? Kann eine Seele gesund werden, wenn sie diesen Film sieht?

Fragen, die ich definitiv nicht mehr mit “auf gar keinen Fall” beantworten will, denn unzufriedener und wütend oder anderweitig negativ eingestellt war niemand, der mit mir aus dem überfüllten Saal wieder rausspaziert ist.

 

.kinoticket-Empfehlung: Bevor die Vorstellung komplett aus den Kinos verschwindet, packt ein paar Freunde und eure Kinder ein, bestellt euch Popcorn und ein Bierchen und dann lehnt euch vergnüglich auf den Sitzen zurück und genießt die Show.

Familientauglich? Yep. Religiös? Nicht wirklich. Dumm und intellektverstoßend? Absolut nicht.

Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott erzählt eine wunderbare Geschichte und gleitet dabei sanft wie Federn über ein Thema, dass in der Geschichte unseres Planeten schon mehrfach zu brutalen Kriegen geführt und viele Menschenleben gekostet hat.

Vielleicht ist das hier die liebevolle Entschuldigung dafür, die deine Seele wieder zur Ruhe kommen und dich zu jemand finden lässt, den es bisher nicht für dich gab?

Finde es heraus – in einem Kino deiner Wahl.

 

Nachspann
gibt’s keinen, der gemütliche Walk out of the cinema ist also eröffnet.

Calgi Cengi Ikimiz

Es ist schon eine Weile her, dass dieser Film in den Kinos lief und ich entschuldige mich an dieser Stelle gleich mal vorweg für die späte Rezension, die allerdings genauso gut für den DVD-Markt hergenommen werden kann.
Mit Calgi Cengi Ikimiz tritt man ins Musikbusiness, vermischt deren Elemente mit fremden Genres und publiziert damit wieder einen Mix, der in die typische Verrücktheit des türkischen Kinos passt. Das absonderliche Verhalten der beiden Hauptprotagonisten ordnet sich dabei in die Reihe anderer türkischer Filme ein und unterstreicht einmal mehr die kongruente Linie, derer sich die landestypische Machart dieser kulturellen Einzigartigkeit in bisher schon vielen Beispielen unterworfen hat.
Thematisch geht es dieses Mal erfreulicherweise nicht um Liebe oder die Beziehung zwischen Mann und Frau, sondern man führt die Emotionen in völlig andere Richtungen. Dass der Film sich dabei – wie seine kulturellen Geschwister auch – absolut nicht ernst nimmt, sondern den Zuschauer zu unterhalten versucht, indem sich ein paar Männer vor der Masse zum Affen machen, gehört hier scheinbar einfach zur alltäglichen Ordnung und wird auch von mir mittlerweile fast schon erwartet.
Durch seine Lockerheit und die charmante Durchgeknalltheit überzeugt die Idee und weiß tatsächlich einen Abend lang zu unterhalten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer seine Freundin beeindrucken möchte, wählt hier nicht unbedingt das treffendste Werk aus.
Komik, Kurzweil und funktionierende Unterhaltung bekommt man trotzdem auf dem Leinwandtablett serviert und es braucht nicht mehr viel, um danach glücklich von dannen zu ziehen.
Der Genremix ist mal etwas völlig Neues und der Besuch im Kino nicht unbedingt erforderlich, da durch die heimelig wirkende Atmosphäre dieser Film viel eher ins Wohnzimmer passt.

 
Nachspann
folgt keiner, man darf sich also wieder ans Sonnenlicht trauen.

Split

M. Night Shyamalan ist und bleibt Streitpunkt, was die Hingezogenheit zu seinen Darbietungen regisseurhafter Art angeht. Wir alle haben irgendwo sein Debüt geliebt und er wurde von Hollywood danach auch hoch gehandelt, feierte jedoch einen Absturz nach dem anderen und erfreute sich großartiger Verrisse über seine Filmkünste.

Wikipedia lässt mich glauben, er habe sein Comeback mit dem letztjährig erschienenen The Visit gemacht, den ich persönlich aber alles andere als gut fand und der mich eher wissen ließ, dass ich Mr. Shyamalan trotz meiner anfänglichen Liebe nun vollends abschreiben kann und mit Split führt er diesen Weg konsequent fort. Nur, dass diesmal ein Schauspieler mit von der Party ist, den die meisten aus der X-Men-Saga kennen und der sich dort auch schon reger Beliebtheit erfreute.

James McAvoy, seines Zeichens Hauptdarsteller in Wanted, ist mir seit diesem Film auch ans Herz gewachsen, was die Bewertung dieser Sneak nicht unbedingt einfacher machte.

Der Film ist schlecht. Grottenschlecht. Der Plot besteht quasi aus einer Aneinanderreihung von Logiklücken, Filmfehlern, irrationalen Dummheiten, schlechten Schauspielern und: James McAvoy. Letzterer driftet hier mit Hochgeschwindigkeit auf seine Paraderolle zu und beweist einmal mehr die Wandlungsfähigkeit, derer er in seinem Beruf tatsächlich Herr geworden zu sein scheint und liefert ein beispielloses Vergnügen auf der Leinwand, dass scheinbar auch die Massen begeistert.

Jeden, den ich frage, nennt ihn als Grund dafür, dass der Film positiv bewertet wird, was ich anhand der ansonsten für Aufschrei sorgenden Spinnereien, die bei jedem anderen Film als Grund für den totalen Verriss hergenommen werden würden, absolut nicht verstehe.

Was mich daran am meisten gestört hat, war, dass der Film sich quasi von Anfang an permanent selbst spoilert. Die Auflösung kommt viel zu früh, man erfährt durch Andeutungen und direkte Besprechungen, was in der nächsten halben Stunde passieren wird und zeigt das dann einfach der Reihe nach ohne Abweichungen oder sonstige überraschende Wendungen. Der Umgang mit den Charakteren ist auch nicht wohldurchdacht, sondern eher stümperhaft umgesetzt, da die große Pointe sich auch bereits in der zweiten Minute des Films erschließt und somit der Spannung direkt zu Beginn der Kampf angesagt wird.

Aber die Zuschauer werten positiv. Würde ich das Beispiel mal auf Titanic anwenden, käme am Anfang eine Texttafel, auf der stünde:

Die Titanic ist ein großes Kreuzfahrtschiff, dass bei ihrer Jungfernfahrt einen Eisberg rammt, in zwei Hälften bricht und anschließend vollends untergeht. Ein junger Mann aus der unteren Klasse lernt auf ihr ein Mädchen der Upper-Class kennen, verliebt sich in sie und stirbt am Schluss bei dem Versuch, sie zu retten.

Dies ist ihre Geschichte.

Hand aufs Herz: Wieviel Spaß würde der Film dann noch machen? Wenn dann alle 10 Minuten irgend ein Schiffsmitarbeiter sagt: “Hey, ich habe gehört, der Kapitän ordnet gleich an, dass die Titanic auf volle Kraft gefahren wird” – und man anschließend den Kapitän sieht, der anordnet, dass auf volle Kraft gegangen wird.

Genau so praktiziert man es bei Split und gibt dazwischen noch genügend Hinweise auf die Auflösung und das Ende, damit es quasi auch der letzte Depp garantiert kapiert.

Und so etwas finde ich nicht gut. Auch nicht sehr gut, sondern erbärmlich schlecht. Damit möchte ich James McAvoy‘s darstellerische Leistungen auch nicht schlecht reden oder klein machen, ihm sei der Erfolg durch diesen Film auch mega vergönnt. Besser wird der Streifen in meinen Augen damit aber trotzdem nicht.

.kinoticket-Empfehlung: Die auf dem Plakat angespoilerten 23 Persönlichkeiten werden von James McAvoy hervorragend umgesetzt und meisterhaft dargestellt.

Der Rest des Films ist ein einziges Desaster, wenn man von so kleinen Gimmicks wie im Nachspann mal absieht. Da ich hier nicht spoilern möchte, kann ich schlecht über die kompletten Dummheiten offen reden (vielleicht in den Kommentaren), jedoch war ich von der Gesamtleistung des Films einfach nur enttäuscht.

Nachspann
❌ Enthält keine weiteren Szenen oder Überraschungen. Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 26. Januar 2017

Original Title: Split
Length: 117 Min.
Rated: FSK 16

Pets (3D)

Nach dem riesigen Welterfolg der Minions wird es Zeit, dass Illumination Entertainment ein neues Werk an die Öffentlichkeit trägt, mit dem man den wirtschaftlichen Nutzen dieses Unterfangens neu aufflammen lässt, auch wenn das bei dem Run und immer noch andauernden Hype um die kleinen gelben Viecher längst nicht mehr nötig ist, da die Gelder durchaus fließen dürften.
Auch marketingstrategisch hat man hier auf die richtigen Pferde gesetzt und die Öffentlichkeit erstmal mit rein gar nichts angefixt außer dem Wunsch, den neuen Film unbedingt sehen zu wollen.
Als dann Trailer Nr. 2 und 3 nachgeschoben und mit ihnen die Story etwas erweitert wurde, kamen mir persönlich die ersten Zweifel, ob das hier wirklich etwas werden würde, oder man rein auf die Bekannt- und Beliebtheit des Publishers setzt und hofft, dass der Coup nach vorne losgeht.
Die Bedenken sind unnötig. Pets überzeugt mit einer familiengeeigneten Story rund um die namensgebenden Tierchen, die allerhand Erlebnisse zu verzeichnen haben, deren Umfang man jetzt nicht unbedingt zu den stilvollsten und tiefgründigsten zählen braucht, die aber auch nicht dermaßen aufgeplustert daherkommen, dass man sich als Zuschauer dafür fremdschämt.
Die kleinen Racker erobern durchaus die Herzen der Kinogänger, wenn auch nicht ganz so im Sturm wie die gelben Vorläufer, allerdings finde ich genau diesen Umstand extrem gut gelöst, da man sich hier nicht auf die überbordende Wirkung der Vorläuferfilme verlässt, sondern durchaus einkalkuliert, dass es jetzt “ruhiger” zugehen wird.
Dass der Plot selbst etwas altbacken daherkommt, mag verzeihlich sein, die Animation, das 3D und die Synchronisation des Films überragen und liefern hier genügend Ausgleich, dass man zufrieden den Eintrittspreis zahlt und durchaus etwas dafür geboten bekommt.
Mir persönlich hat der Schluss mit am besten gefallen, der nicht nur versöhnlich, sondern nahezu herzallerliebst die Kehle hinuntergleitet und bei manchen wohl auch die ein oder andere emotionale Regung durchfließen lässt. Schön, die Welt mal aus dieser Perspektive zu sehen und dabei ganz nebenbei noch wunderbar unterhalten zu werden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der große Ansturm und die mediale Begeisterung wie bei den Minions hat man hier nicht, allerdings wurde das Unternehmen souverän gelöst und dem Kinozuschauer wird hier nichts halbgares vorgesetzt.
Der Film hält trotz vorheriger Traileroffensive genügend Überraschungen vor und beinhaltet durchaus unterhaltsame, lustige und auch sehr rührende Szenen, die im Gesamtpaket einen Film abgeben, der sich das Prädikat “sehenswert” durchaus verdient.

 
Nachspann
sollte man nicht ganz so flink verschwinden, denn hier kommt noch ein paar mal etwas.

Legend of Tarzan (3D)

Ja, ich weiß: Zur Zeit wird alles, was nicht niet- und nagelfest ist, neu verfilmt. Der gemeine Kinogänger kann es nicht mehr sehen, alles quillt angeblich neu aus den Macherpistolen und wird uns aufgewärmt und irgendwie “schlechter” wieder vorgesetzt, weil die Ideologie des neuen Einfalls fehlt und Hollywood irgendwie die Ideen auszugehen scheinen.
Stopp! Oben gesagtes mag in vielen Fällen stimmen und das Computerisiert-Überreizte mag die Genialität einer guten Story überholt und vom Thron der Filmseele gestoßen haben, was in vielen Fällen zu einer miesen Überarbeitung eines ursprünglich tollen Films führt, der einfach nochmal Geld in die Kassen spülen und die Zeit bis zum nächsten schlechten Einfall überbrücken soll.
Pustekuchen! Legend of Tarzan schleudert hier eine Form von Film auf den Tresen, der endlich wieder einmal das Attribut “episch” verdient. Und ich mein das Ernst: Nicht nur optisch überzeugt man hier auf einem Niveau, bei dem Farben, Look und Stimmung derart aufeinander abgestimmt sind, sondern auch der Sound prügelt dir um die Ohren, dass es nach langer Zeit mal wieder erwähnenswert ist, die Augen nach dem Score aufzuhalten, denn der vermittelt hier eine Schwere, die nicht in Worte zu fassen ist.
Genauso beschreibungsunwürdig ist die Form der Kommunikation, die man in diesem Film anwendet. Wer seine lieben Schwierigkeiten mit The Jungle Book (3D) hatte, weil der zu kindisch, zu abgehoben, zu unrealistisch war, der wird nun mit einer Erwachsenenversion belohnt, die sich nicht nur in punkto Erzählweise, sondern auch bei allen anderen Rafinessen würdig erwiesen hat und hier mit einer Form von Genialität glänzt, die man sehr sehr lange Zeit im Kino nicht gesehen hat.
Dank Christoph Waltz könnte man fast auf die Idee kommen, Quentin Tarantino hätte sich neu erfunden und würde als Jüngling ein weiteres Mal die Herzen der Kinosüchtigen begeistern, jedoch ist die Mitarbeit von selbigen hier nicht vorhanden. Stattdessen überrascht man mit einer gekonnten non-verbalen Kommunikation, die alles bisher dagewesene mal eben in den Schatten stellt und in meinen Augen ganz großes Kino produziert: Epische Momente, die vor Coolness, angedeuteter Brutalität und überbordender Größe nur so glänzen und dabei zu keinem Zeitpunkt auch nur den Anschein erwecken, hier nicht noch mehr PS unter dem Arsch zu haben, als ohnehin schon über die Leinwand kracht.
Und genau dieser Fakt hat mich rückwärts mit offenem Mund wieder aus dem Kino fliegen und sprachlos werden lassen: Das einzige Wort, das hier klar ausdrückt, was ich in diesem Film empfunden habe, ist: EPISCH!
 

.kinoticket-Empfehlung: Nein, es ist keine brühwarme Auffrischung oder Reinszenierung alten Materials, sondern eine völlig berechtigte, überzeugende und wuchtige Story, die hier mit enorm viel Kraft, Ausdrucksstärke und Bildgewalt über die Bühne rollt und jeden Zuschauer auf seine Weise erreicht.
Der Look, der Sound, die Brachialität und Urgewalt, die man hiermit auf den Zuschauer loslässt, sucht seinesgleichen und liefert endlich wieder einen Film, der die Langeweile des Sommerlochs eiligst verschwinden lässt.
Und wenn man sich nur für diesen Film aufmacht und ins Kino bewegt: DAS lohnt sich definitiv!

 
Nachspann
beinhaltet keine nachfolgenden Momente, Szenen oder Bilder.

Criminal Activities

Ich höre schon wieder Zähneknirschen, wenn einige den Namen John Travolta lesen. In seiner Karrierelaufbahn hat dieser Kerl nicht nur einmal mit seinen Machwerken direkt ins Klo gegriffen.
Wenn sein Name im Vorspann auftaucht und man sich so besieht, was gezeigt wird, dann ist es tatsächlich auch richtig schwer, erstmal damit klar zu kommen. Man könnte fast sagen: Man wird mit einem festen Arschtritt ins kalte Becken geschmissen und muss tierisch rudern, um irgendwie an der Wasseroberfläche zu bleiben – und wenn man einmal die Balance gefunden hat, dann ist es im Becken auf einmal richtig geil.
Criminal Activities gehört definitiv nicht zu den Massenunterhaltungsfilmen, sondern breitet sich hier in einer Nische aus, die man lange nicht mehr im Kino gesehen hat. Es stehen außer Travolta keine unbedingt bekannten Schauspieler auf der Bildfläche und die Art ihrer Präsentationsweise ist – as said – sehr gewöhnungsbedürftig.
Was es meines Erachtens nach aber absolut rausreißt, ist die Pointe des Films, die sich über den kompletten Schluss erstreckt und die Gegebenheiten nochmal so richtig durchmischt und somit beweist, dass hier jemand die Finger im Spiel hatte, der definitiv etwas von guten Geschichten versteht – auch wenn sie zeitweise etwas Hirnakrobatik erfordert und nicht nur visuell manchmal Magenschmerzen hervorrufen kann.
Die gezeigten Szenen sind hier und da mal nichts für schwache Gemüter, wer sich aber von dem Anfangs erwähnten Arschtritt erholt hat, darf hier nun schlussendlich ein Fest des neuartigen Geschmacks zelebrieren und geht nicht enttäuscht wieder aus dem Saal.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn man Travolta nicht mag, darf man trotzdem sein .kinoticket für diesen Film lösen, denn es erwartet einen fast schon anspruchsvolle Unterhaltung auf einem völlig nischenhaften Niveau.
Es braucht Zeit, um sich auf die ungewohnten Gegebenheiten einzustellen, wer dann aber den Absprung in die Geschichte schafft, geht in ihr völlig auf und hat auch durchaus seinen Spaß daran.
Der Mainstream dürfte so seine lieben Schwierigkeiten mit diesem Werk haben – und das ist auch gut so, denn Filme wie dieser beweisen, dass Kino auch salonfähig für andere Dinge als stupide Ballerei ist und Anspruch nicht unbedingt sofort ein Garant für einen Flop darstellt. Hoffe ich.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf also nach der Schwarzblende wieder nach draußen rennen.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén