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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Emily Ratajkowski

I Feel Pretty

Amy Schumer hat bei mir schon längst tiefe, schmerzende Spuren hinterlassen, die sie für mich persönlich als Subjekt filmischer Überzeugungskraft durchfallen lassen haben. Ein Film mit Amy Schumer ist für mich gleichbedeutend mit Langeweile, Fremdscham, niveaulosen Jokes, abwesender Tiefgründigkeit … sowas eben.
Wenn ich also in einen Saal voller Frauen spaziere und mir einen Film mit Amy Schumer anschaue, dann mit entsprechend abwesenden Erwartungen.
Und dafür hat mich I Feel Pretty wahnsinnig positiv überrascht!
Manche erinnern sich vielleicht noch an Embrace – ich würde sagen, das hier ist dasselbe, nur in Spielfilmform. Die Botschaft und Idee gehört vielleicht ein paar Dekaden weiter in die Vergangenheit, aber – sind wir mal ehrlich – waren es nicht diese Filme, die damals unser Herz erobert haben und damit restlos funktionieren? Genau dafür ist Kino doch wie geschaffen: Um auf der Leinwand etwas zu zeigen, dass unser Kindsein weiterhin am Leben erhält. Dass uns dabei unterstützt, weiter zu träumen und sich von dem Realismus, den man als Erwachsener in der Welt erlebt, seelisch nicht vollends umbringen zu lassen.
Genau darin liegt doch unser Problem: Sobald das Erwachsensein auf den Plan tritt, opfern die Menschen bereitwillig all das, was ihnen vorher dabei geholfen hat, ein unbeschwertes Leben zu leben, nur um anschließend darüber zu jammern, wie schwer doch alles geworden ist.
I Feel Pretty überredet einen dazu, erneut über solche Dinge nachzudenken und sich einfach mal wieder in eine Geschichte entführen zu lassen, die nichts mit ihren bösen Schwestern gleichen Genres’ zu tun hat: Man wird nicht mit dieser übertriebenen Peinlichkeit überschüttet, sondern alles findet in sehr ruhigen, subtilen und fast schon ernstzunehmenden Situationen statt, die das Augenmerk wirklich auf das Wesentliche lenken, ohne dabei hier und da den Humor zu vergessen.
Das Publikum im Saal hatte auch sichtlich Spaß dabei und sogar ich selbst habe mich an vielen Stellen erwischt, wie ich einfach lachen musste, nicht weil’s peinlich war, sondern Schumer hier tatsächlich zu Höchstformen aufläuft und ihr altes Film-Selbst damit mehr als in den Schatten stellt.
Und das, was dieser Film transportieren möchte, ist ungemein wichtig und ich glaube fest daran, dass die Message auch die entsprechenden Personen erreichen wird und ihnen zu neuen Höhen aufhilft.
Ist es nicht das, wofür Kino einst gedacht war? Den Menschen weiterhin träumen zu lassen? Ihm weiterhin Hoffnung zu schenken und ihn glauben zu lassen, dass er alles schaffen kann, wenn er nur will?
Abseits all dieser “Niveaulosigkeit”, den viele Kritiker diesem Film attestieren, empfand ich die eigentliche Botschaft hervorragend rübergebracht und auf einem völlig glaubhaften Fundament begründet, dass hieraus nicht nur einen wunderbar erzählten Filmabend macht, sondern eben auch eine Grundsatzfrage meisterhaft beantwortet.
Mögen sich viele nach diesen Weisungen richten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Überraschend gut gelungen und in meinen Augen der perfekte Film, um in der Ladies Night zu laufen.
Egal, was andere darüber schreiben: Ich finde, der Film gehört in die Kinos und sollte gesehen werden, denn diese ruhigen Töne, das zur Abwechslung mal richtig bereichernd Normale, birgt eine ernstzunehmende Weisheit, über die manche mal diskutieren sollten.
Embrace hat damals eine grundsätzliche Sache klargestellt und dieser Film liefert den nötigen Realismus dazu, um mehr Menschen dazu zu verhelfen, ein einfaches, wunderbares – ja fast traumhaftes Leben zu führen ohne sich von den ganzen Irrgedanken runterziehen zu lassen.
Deshalb ist I Feel Pretty in meinen Augen mehr als gelungen und zählt als die positive Überraschung der Woche!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 10. Mai 2018

We Are Your Friends

“Wie wird Musik gemacht?”
Das könnte man sich fragen, bevor man in diesen Film geht. Max Josephs Filmdebüt spricht nicht nur über die Menschen, deren Probleme und das Leben, das einen verfolgt, wenn man sich und seine Freizeit der Musik verschrieben hat, sondern weist die Zuschauer auch ganz klar in die Kunst des Musikmachens ein.
Und hierbei steht mal nicht einfach jemand da, der über Nacht zum absolut unangefochtenen Star gemacht wurde, dem fortan alle zujubeln und mit Applaus huldigen, sondern die Technik und das “Innenleben” eines Musikers wird auseinandergenommen und analytisch erforscht.
Was mich als jemand, der ebenfalls nicht ganz unbedarft in Sachen Musik ist, ganz besonders erfreut hat, war die Anklage, die man als Electronic Music-Film gegenüber den toten Klängen gezeigt hat und das stückweise dahinführen, wie man aus platter, elektronischer Totmusik etwas Lebendiges erschaffen kann.
Die Sätze, die der DJ von seinem Mentor zu hören kriegt, zeigen nicht das erbarmungslose zu Füßen liegen der Gesellschaft, die wie auf Drogen reagiert, wenn jemand mit irgendwas Klänge erschafft, sondern zeugt hier eindeutig davon, dass auch die Macher wussten, wie man die Meute zum Tanzen bringt.
Erfreulich, erlebt man auf diese Weise nicht nur das “fertige Produkt DJ”, sondern wächst ein Stück weit mit den Jungs zusammen auf und kennt auch ihre Niederlagen und Tiefpunkte, durch die sie gegangen sind. Der Bezug zum Menschlichen wurde hier einfühlsam und elegant geschmiedet.
Gemeinsam mit den Erlebnissen, den Wandlungen, den Entscheidungen und der gewonnenen Kreativität wird hier ein Werk erschaffen, dass ein finales Emotionsfeuerwerk lostritt, das fast zu Tränen rührt.
Großartiger Einstieg ins Filmbusiness, dem hoffentlich noch weitere Meisterwerke folgen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer für musikalische Klänge und etwas künstlerisches Unterfangen einen Hauch übrig hat, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen. Gerade die teils straffen Beats kommen im richtigen Kinosaal ordentlich zur Geltung und nehmen nicht nur die Protagonisten mit auf eine körperliche Entdeckungsfahrt, die ungewollt in seinen Bann zieht.
Die Story überrascht jetzt nicht unbedingt mit nie gesehenem Material, Joseph liefert hier aber einen weiteren Musikfilm ab, der das Genre des Electronic Beats mehr als würdig vertritt und die Generation DJ-Music vollends befriedigen dürfte.

 
Nachspann
kommt ohne Bilder und Clips aus, liefert aber weiterhin coole, musikalische Unterhaltung.

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