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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Elizabeth Banks

The Happytime Murders

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© 2018 TOBIS Film GmbH

 
Brian Henson – da klingeln ansatzweise bei einigen tatsächlich die Glocken – und ja, ihr habt Recht: Es ist der Sohn des legendären Jim Henson, dem wir alle die Sesamstraße zu verdanken haben.
Nur dass der Sesam inzwischen verschimmelt und die Kulissen rund um Anstand, Ehrlichkeit und Moral eingerissen wurden und man sich auf das besinnt, was zwischen den Drehpausen veranstaltet und von den auf dem Set rumspringenden Kindern aufgefasst wurde: Die puren Sexwitze.
Hier gib’s also kein Niveau, es geht auch nicht um Niveau, es geht um äh … Wixxe. 😀
Ja, das ist tatsächlich der erste Film, den ich mir ansehe und bei dem ich bedauere, dass man dennoch versucht hat, irgendwie ein wenig “Story” in das Ganze zu bringen: Man hätte einfach dabei bleiben und diesem stupiden Schwachsinn 100% Sendezeit geben sollen, dann wär’s ein mega Deal geworden.
So flattern nur ansatzweise echt geile Jokes rüber und man bekommt am Anfang die volle Dröhnung in den Arsch geblasen, versucht dann aber, dem noch irgendeinen dummen Tiefsinn abzugewinnen und fährt dabei das Teil marode an die Wand.
Ernsthaftigkeit ist hier sowas von fehl am Platze und die an Sieben erinnernde Unterschwelligkeit hätte man sich sonst wo hin stecken müssen. Dieses Teil lebt vom Doof sein und fordert dabei auch die Lachmuskeln heraus, das ganze “Da muss jetzt aber auch noch mehr kommen, als irgendwelche versauten Anspielungen” macht eben dieses Leben aber kaputt und zerstört somit auch die Oberflächenspannung, auf der das Teil dahinschwimmt.
Selbst Melissa McCarthy passt gut in diesen Film und liefert hervorragende Sprachduelle, die die “miese Stimmung” immer wieder mal aus der Versenkung hieven, allein das reicht am Schluss aber nicht mehr, um wirklich begeistert von dem Streifen zu sein, auch wenn die Idee gar nicht schlecht ist und man quasi das “Quatsch machen und Rumblödeln” zwischen den Drehs zur Hauptattraktion erklärt hat.
Was ich jedoch begrüße, ist die Tatsache, dass man einen “Puppenfilm” nur für Erwachsene kredenzt hat, der zwar auch eine niedrige Freigabe genießt (klar, kein Blut, eher Plüsch!), seine Zielgruppe aber eindeutig im späten Rotlicht-Milieu sucht und nicht in den Kindervorstellungen.
Somit kümmert man sich um das fast ausgetrocknet-halbtote Nischenvolk und liefert endlich wieder einen Streifen ab, der nicht nach Mainstream-Breite sucht, sondern ein spezielles Publikum hat, dieses aber hervorragend bedient. Diese Richtung ist superlöblich und sollte von vielen anderen Genres genauso wieder angegangen werden, dann haben wir bald wieder Vielfalt auf den Leinwänden und müssen uns nur noch darum kümmern, dass die richtigen Leute in den richtigen Vorstellungen landen – und das Glück explodiert.
 

.kinoticket-Empfehlung: Befriedigt 😉 eine ganz spezielle Truppe und bietet anfänglich ein enormes Lachpotenzial, dass mega Lust auf den Film macht, die der dann aber aufgrund einer Sinnsuche nicht wirklich liefert.
Man hätte einfach doof bleiben sollen und sich nicht um irgendwelche Erzählstränge reißen müssen: Komplett unter der Gürtellinie hätte daraus etwas fast schon Heiliges gemacht . Setzen, Sex – und nächster Versuch bitte .

 
Nachspann
✅ Hier finden sich im Wallpaper-Background noch ziemlich lustige “Cover”-Parodien wieder. Sitzenbleiben lohnt also.
Kinostart: 11. Oktober 2018
Original Title: The Happytime Murders
Length: 91 Min.
Rate: FSK 12

Pitch Perfect 3

Obwohl ich eigentlich nicht dafür bin: .trailer anschauen und für sich entscheiden, ob man darin aufgeht oder nicht.
Pitch Perfect geht in die dritte und letzte Runde und an dieser Aussage scheiden sich die Geister: Fans und Liebhaber dieser Reihe beweinen den Abgang der Girls-Crew, die sich singend durchs Leben schlängelt, während Kerle wie ich ihre lieben Schwierigkeiten mit Filmen wie diesem haben: Und das liegt ganz eindeutig am Humor.
An die Grenzen des Witz-Niveaus vor unserer Zeit reicht man ja sowieso schon seit Ewigkeiten nicht mehr ran. Lachen findet heute kaum noch statt, sondern alles ist dieser banalen, unfertigen und einfallslosen Social-Media-Witzigkeit zum Opfer gefallen: Irgendwelche besoffenen Hirnkranken stellen Dinge ins Netz, die sie im Suff vielleicht witzig finden und der Zuschauer wendet sich entnervt ab, hat aber bereits geklickt.
In letzter Zeit häufen sich immer mehr Schinken, die diese Form des Humors als gesellschaftserwünscht interpretieren und sich dieser platten Zugkraft anschließen, um für ihre Generation einzustehen und zu proklamieren: Das sind wir – das ist unser Leben. Darüber lachen wir.
Mag sein – dann möchte ich an dieser Stelle mit der Menschheit nichts weiter zu tun haben. Tiefgründige Witze oder gehobenes Lach-Niveau sind nämlich etwas völlig anderes. Und nur, weil das bei YouTube und Facebook so gut funktioniert, bedeutet das noch lange nicht, dass ich diese Flachheiten auch im Kino bestaunen möchte. Genau das bekommt man aber immer häufiger vorgesetzt – und das treibt mir die Tränen in die Augen.
Übersieht man jetzt einfach mal, dass diese Songs eher ins letzte Jahrhundert gehören und klammert den musischen Teil mal vollständig aus, bleibt ein ziemlich depperter Film, der kaum Höhen und Profil aufweist. Und nur, weil jetzt jede altbackene Frau mit ihrer Clique über die Leinwand zieht und der ganzen Welt präsentiert, wie pseudogeil es doch ist, wenn man feiert und nochmal so richtig alles rausholt, bedeutet das noch lange nicht, dass das jetzt jeder machen muss. Im Ernst: Wo führt das hin?
“Hey, meine kleine Schwester trifft sich nachher mit ihrer Freundin und sie feiern ab und kotzen danach – lass schnell Kinofilm machen, Alta”!?
Beim Schauen erwischt man sich oft, wie man auf die Uhr schaut, hofft, dass es bald vorbei ist und ärgert sich über den Werteverfall und die Belanglosigkeiten, die heutzutage Anlass für Kinofilme geworden sind.
Und freut sich insgeheim, dass dies nun die letzte Runde ist. Bevor irgendwer auf die Idee kommt, deren Kinder erneut zu einer Gruppe zu formieren ….
 

.kinoticket-Empfehlung: Das vergangene Zeitalter an Musik wurde gut eingespielt, darüber gibt’s nichts zu klagen – der Rest des Films siedelt allerdings eher im untersten Niveau an und macht keinen Hehl daraus, dass Fremdschämen heute zum Alltag der Welt gehört.
Schade eigentlich, hier hätte ich wesentlich mehr erwartet.

 
Nachspann
Sitzen bleiben – es folgen noch einige Szenen und Spinnereien.
Kinostart: 21. Dezember 2017

Saban's Power Rangers

Die Marketingabteilung dieser Produktion wird es in den nächsten Monaten schwer haben, zielgerichtete Werbung zu erstellen, mit der man nicht nur die vermeintlich jugendliche Zielgruppe erreicht.
Die ursprüngliche Serie aus Japan, die neu für die USA adaptiert wurde und aus der einige Kinofilme und Spin Offs entstanden sind, erfährt unter der Leitung von Dean Israelite eine Wiederauferstehung, die bei vielen jetzt womöglich Gedanken a la “Großer Gott, nicht noch ein Remake, alles wird ständig wiederholt” hervorrufen könnte.
Ehrlich gesagt erweckt es auch ein wenig den Eindruck, wenn man die Neupublikationen der letzten Wochen und Monate aus Hollywood näher betrachtet hat. Wir befinden uns scheinbar in einem Zeitalter, in dem die Filme aus den vergangenen Jahrzehnten einfach neu abgedreht werden, damit noch mal richtig Geld verdient wird, und man einfach altbekannte Geschichten mit der aktuellen Technik verfeinert.
Dazu dann noch der Markenname, der ja auch schon wie bei anderen Filmen dieser Art (zum Beispiel Transformers oder Avengers) dazu beiträgt, eben jene Kinder anzulocken, die man auch mit dem unzähligen Merchandising erreichen möchte. Und die Erfahrung hat unlängst bewiesen, dass diese Unterfangen aus kinotechnischer Sicht meist in die Hose gehen.
Natürlich verkauft man hinterher wieder mehr Spielfiguren, wenn es derzeit aktuell einen bombastischen Film im Kino dazu gibt und wieder alle Läden und Restaurants auf diesen Zug aufspringen und ihre Variante dazu ausgraben, um vom Erfolg des Films zu profitieren. Spiele- oder Spielzeugverfilmungen sind sowieso oft gefährdet, wenn es um den Erfolg und die Harmonie einer gut erzählten Geschichte geht.
An dieser Stelle erlebt man mit Power Rangers eine Sensation! Dieses Reboot ist mit Dacre Montgomery, Naomi Scott, Elizabeth Banks, Bryan Cranston und Bill Hader nicht nur hervorragend besetzt, sondern der Regisseur hat eine weitere Sache geschafft: Den Menschen inmitten einer von computeranimierten Effekten beherrschen Generation wieder in den Mittelpunkt zu stellen und unersetzbar zu machen. Jeder einzelne Charakter erfährt so viel Liebe, Zeit und Hingabe beim Gestalten seiner Persönlichkeit und den Verwirrungen, die abseits des Superhelden-Mythos entstehen, dass man als Zuschauer direkt von der ersten Minute mit den Darstellern sympathisiert.
Dabei geht es eben nicht um die klischeehafte Auseinandersetzung mit einem Menschen, der im Verlauf der Geschichte über sich selbst hinaus wächst, sondern man implementiert genauso Themen wie Mobbing, Unangepasstheit, Gruppendruck oder familiäre Probleme.
Das Ziel der Macher, hierbei möglichst nahe an der ursprünglichen Serie zu bleiben, was die Action und den Humor der Power Rangers angeht, wurde von allen Beteiligten mit Bravour erreicht. Man wollte den Hauptdarstellern sehr viel mehr Freiraum zur Entfaltung ihrer Emotionen und Persönlichkeit gewähren und gleichzeitig den Film mit sehr viel mehr Humor und spritzigen Szenen aufladen. Dies ist aus meiner Sicht mehr als gelungen.
Man spürt, dass man die Geschichte nicht nur in das Hightech-Zeitalter katapultiert hat und sich hier effektemässig ganz nah an der Schwelle zur Zukunft bewegt, sondern muss an dieser Stelle lobenswert erwähnen, dass man sich im Vergleich zu anderen Filmen dieser Klasse deutlich aus der Masse heraushebt und hier eben mit einer Story punktet, die fast interessanter ist als die dazugehörige Action.
Beide Teile haben in diesem Film ihre Bühne und bekommen ausreichend Spielzeit zugestanden, sodass eben nicht nur die Generation angesprochen wird, die damals mit den Figuren gespielt hat und jetzt im gleichen Alter ist, sondern man erhält einen Film, bei dem sowohl Alt als auch Jung unterhalten werden und der neben granatenmäßiger Action eben auch eine sehr tiefsinnige, unterhaltsame und absolut kurzweilige Geschichte erzählt.
Trotz einer Spielzeit von 124 Minuten gibt es hier nicht einen einzigen Moment der Langeweile. Der Drive, den dieser Film von der ersten Minute an entwickelt, ist sensationell und reißt den Zuschauer sofort mit in seinen Bann.
Die Freigabe ab 12 ist in meinen Augen angesichts des Szenen, die man zu Gesicht bekommt, auch mehr als gerechtfertigt, auch wenn das bedeutet, dass man hier eben nach unten hin weniger Publikum abbekommt, dafür aber erwähnen muss, dass das Potenzial nach oben hin unermesslich ist.
Und genau dieser Generation möchte ich diesen Film schwer ans Herz legen. Ihr bekommt hier nicht nur ein Reboot, das mit allen Wassern gewaschen ist und seine Konkurrenten mit Leichtigkeit in die Tasche steckt, sondern auch einen Kinoabend voller Unterhaltung und Spaß, der augenscheinlich den Jüngsten gewidmet ist, hier aber viel eher die ältere Generation anspricht.
Solltest du also zu denen gehören, die in ihrer Kindheit mit den Figuren gespielt und die Serien im Fernsehen gesehen haben, dann bist du genau derjenige, für den dieses Machwerk erschaffen wurde.
Selten habe ich es erlebt, dass ich eine Neuerschaffung den Originalen vorziehen würde – und genau das ist hier der Fall.
Ich bin absolut begeistert von dem Ergebnis, dass mir gestern auf der Leinwand präsentiert wurde und kann es kaum erwarten, wenn der Film am Donnerstag diese Woche endlich in den Kinos regulär anläuft.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es ist das erste Mal in der Filmgeschichte, dass eine Neuauflage so gelungen und überragend ist, dass sie sein Vorbild locker in die Tasche steckt.
Als Fan der Power Rangers gibt es an dieser Stelle sowieso nichts zu überlegen, und auch als jemand, der genrefremd ist, tut man gut daran, einen Kinobesuch einzuplanen.
Das filigrane Zusammenführen von den Geschichten der einzelnen Hauptdarsteller und dem epischen Machwerk der technischen Animateure ist hier absolut gelungen.
Von daher tut euch selbst den Gefallen und geht auf jeden Fall ins Kino, alle anderen Medienkanäle sind an dieser Stelle ungeeignet, da sich der Film dort nicht zu 100% entfaltet.

 
Nachspann
Man sollte nicht gleich rausrennen, kurz nach Anfang des Abspanns kommt noch eine Szene.

Die Tribute von Panem – Mockingjay (Teil 2) (3D)

Es war ein Gedicht, im Kino zu sitzen und diese zeitliche Herausforderung zu meistern. Mit Tribute von Panem ist nun endlich eine Filmreihe vollendet, die nicht mit stupiden Einfällen oder mieser Schauspielerei auffällt, sondern durch überzeugende Darstellungen und vor allem ein exzellentes Drehbuch den Zuschauer auf einer intellektuellen Ebene erreicht, die im Vergleich seinesgleichen sucht.
Hat man im Trailer schon bewiesen, dass man Die Bestimmung und sogar Maze Runner weit abgeschlagen hinter sich lassen will, hat dieser Schachzug nun im finalen Produkt definitiv seine Wirkung entfaltet, denn die gezeigten Szenen schlagen ein wie eine Bombe.
Nicht etwa, weil man auf Action, viel Krach und bombastisches Getöse setzt, sondern vielmehr den Zuschauer dem glorreichen Fall einer Dynastie zuschauen lässt, die viel größere Kreise zieht, als einfach nur eine Geschichte weiterzuspinnen.
Was ich bei Die Bestimmung – Insurgent noch als bitter enttäuschend fand, das Schauspielercharaktere sich zwischen den Teilen als absolut unwürdig entwickelten und in den Folgeteilen nur noch bitter enttäuschten, ist hier völlig gegenteilig: Die Tendenz zum Wahnsinn ist einfach unglaublich!
Gott – wieso nicht einfach immer so? Wo bei Maze Runner die Darsteller irgendwie kindlich waren – man kaufte ihnen ihre Rolle zwar ab, wusste jedoch manchmal nicht wirklich, welches Zielpublikum man damit nun erreichen will – setzt man nun hier auf echte Schauspielgröße, auch wenn die Protagonisten kaum älter als ihre Konkurrenz sind.
Das Element des Schweigens, das des Verstehens, das Reden miteinander, die Suche nach Wahrheit, die offene Aussprache, der Rückhalt, die sinnliche Aneinanderreihung der anfangs fast ertränkten Elemente guten Verhaltens wurden hier auf ihren Höhepunkt getrieben und dem Zuschauer als ethischer Lebensweg präsentiert, dass Menschen wie ich schlichtweg einfach nur am Feiern waren.
Positiv empfand ich auch, dass man diese brachiale Gewalt, die man im Trailer ankündigte, nicht in dieser Form ins Rennen schickte, sondern völlig anders – düsterer – eine entspanntere Form gigantischen Untergangs präsentierte, die weder an die vorherigen Teile mit ihren klassischen Spielen erinnerte, sondern vielmehr zeigt, dass die Bürger Panems erwachsen geworden sind und sich den Herausforderungen stellen, mit denen sie die Unterdrücker konfrontieren.
Das Schauspiel von Snow, Katniss und Peeta muss immer wieder lobend herausgehoben werden. Keine Übertreibungen, kein Möchtegern, keine Absurditäten, man merkt diese drückende Last auf den Schultern der Darsteller, die sich in ihre Rolle tatsächlich reinversetzt und ihre Aufgaben überzeugend auf die Leinwand gebracht haben ohne dabei etwas zu spielen, sondern zu sein.
Die düsterne Beklemmnis zeigt sich nicht nur in den ruhigen, bodenständigen Aktionen der Crew im Film, sondern wird zusätzlich unterstützt von einem sagenhaften 3D, das mit anderen Großwerken dieses Genre locker mithalten kann. Auch hier wieder keine Eile, keine schnellen Schnitte oder irgendwelche panischen Aktionen, sondern eine kontinuierliche Fahrt ins finale Grauen, das mit ruhiger Kameraführung und eindrucksvoller Tiefe zu überzeugen weiß.
Am Schluss geht man tief befriedigt und über alle Maßen beeindruckt mit einer absolut stillen Ehrfurcht wieder aus dem Kino und ist froh darüber, dass wenigstens da Menschen existieren, die “Wahrheit oder nicht?” ehrlich beantworten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Werde ich mir den Film noch ein paar weitere Male ansehen? Absolut!
Und genau das solltet ihr auch tun. Ich weiß, dass für sporadische Kinogänger das Jahresende zur cineastischen Mega-Aufgabe mutiert, da mit Bond und Star Wars noch zwei weitere Blockbuster in den Rängen postieren, die man als Massenkonsument gesehen haben muss, das sollte jedoch keinen einzelnen davon abhalten, sich den ruhmreichen Schluss einer Filmsaga zu geben, die nicht nur eines hervorragend meistert: Authentisch zu überzeugen.
Alles, was ich an sämtlichen anderen Filmreihen der letzten Jahre kritisch bemängelt habe, wurde hier richtig gemacht: PR, Story, Darstellung, Ernsthaftigkeit – Mockingjay Teil 2 ist nicht nur ein Fest für die Sinne, sondern auch für jeden, der ernsthafte und bahnbrechende Unterhaltung sucht.

 
Nachspann
gibt’s keinen, dafür ein definitiv befriedendes Ende mit wunderschönen Bildern und einem würdigen Abgang.

Magic Mike XXL

Channing Tatum gilt nicht erst seit Das Leuchten der Stille als Frauenmagnet. Das Grinsen, als ich – leicht verspätet – als einziger Kerl den Saal bei bereits laufender Werbung betrat – unbezahlbar ^^. Filmschauen im Dienste der Wissenschaft, oder so ähnlich 😉
Magic Mike (also Teil 1) war ja auch schon ein Film, der nicht unbedingt die klassische Erzählweise vorzeigen konnte, sondern sich eher an in sich geschlossenen Showblöcken orientierte, die – aneinandergereiht – dann doch eine Art Geschichte ergaben. Getragen wurde das seinerzeit von der rühmlich-unantastbaren Art von Matthew McConaughey, der als Showmaster die Truppe bei Laune hielt und mit seinem ungesehenen Inspirationsgeist und der imperialen Geldmacht das Wesen des Films als Ganzes trug. Klar hatte Tatum als sein No. 1 Laufbursche auch eine tragende Rolle, jedoch führte meiner Meinung nach erst das Zusammenspiel beider Elemente zu dem Erfolg, den Magic Mike in der Filmgeschichte zu verbuchen hatte.
Das führt zu dem Schluss, dass mit XXL hier zwar wieder die Truppe an Board ist, die McConaughey geschichtlich-folgerichtig außen vor lässt und somit zwar wieder die ursprünglichen Showblöcke gezeigt werden, der große Durchbruch in Form der erwarteten XXL-Superlative aber ausbleibt.
Klar, es bedarf jeder Menge Körperbeherrschung und Bewegungskunst, um solche Kunststücke zu vollführen, jedoch haben mich die Animationen in Teil 1 eher begeistert. Hier hatte ich viel mehr das Gefühl, man möchte nochmal, kann aber nicht so richtig und legt mehr schlecht als recht eine Vorstellung hin, die sich eher auf Masse denn auf Klasse konzentriert.
Der andere Punkt ist: Die Geilheits-Ausseh-Show gehört seit eh und je den Jungen. Vielleicht ist also schon der komplette Ansatz falsch, die ursprüngliche Crew hier wieder antreten zu lassen, wenngleich man damit die gleichsam gealterte Zielgruppe erneut anspricht – getreu dem Motto: “Was ist eigentlich aus xxx geworden?”
Man spürt eben dieses allgegenwärtige Gealtertsein, diesmal fast noch schlimmer als in Terminator: Genisys (3D). Und das macht in meinen Augen viel von dem ursprünglich lebensbejahenden, saft-strotzenden Flair aus, der in Magic Mike XXL eben nicht so recht zum Tragen kommen will. Die Blüte der Jugend ist verblasst und beginnt langsam zu verwelken.
Und das macht den Film eher zu einer nostalgischen Erinnerung als zu einem erneuten Wunder der Körperbeherrschung.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Zeit heilt nicht nur alle Wunden, sondern reißt auch neue auf.
Zumindest könnte man das glauben, wenn man sich die “fertige” Group anschaut, die es sich selbst nochmal beweisen will und erneut in den Ring der Kritiker tritt, um die Fantasien von tausenden Fans anzuregen.
Das mag zwar für heutige Verhältnisse auch irgendwo funktionieren, die Showgröße der Kunst, die man an Teil 1 so mochte, ist aber verblasst.

 
Nachspann
ist anfangs bebildert und läuft dann ins Schwarze aus. Also nicht gleich rausrennen.

Love & Mercy

Kommen wir – mit etwas Urlaubspause dazwischen – zur nächsten Sneak Preview. Diesmal geht es wieder um einen Film, dessen Genre derzeit irgendwo aus allen Löchern gekrochen kommt und so alle Sparten abzudecken versucht.
Es geht um Töne. Musik. Empfindungen. Leidenschaft. Zerstörtheit und Zerissenheit.
Anfangs hatte ich tierische Bauchschmerzen dabei, am Schluss saß ich da und wusste, dass dieser Film definitiv den Weg in meine Sammlung finden muss.
Love & Mercy, benannt nach einem Stück von Brian Wilson, erzählt die Geschichte des selben und portraitiert hier einmal mehr die Vergangenheit großartiger Künstler vergangener Epochen. Erzählt wird der Werdegang des Jungen aus längst vergangenen Tagen, die Aufbereitung seines Lebens in filmischer Form, dessen Tragweite weit über die Normalität gebührlicher Biografien hinausragt und neue Maßstäbe zu setzen versucht. Nur dass es sich diesmal eben wirklich um Menschen handelt, die mit Talent gesegnet sind und nicht nur den RTL-DSDS-Abdruck ihrer T-Shirts in die Kamera heben durften.
Allein das Arthaus-Logo am Anfang verschreckte den ein oder anderen Kinosesselbesetzer und ließ so manches aufseufzende Mädchen vorzeitig den Saal verlassen. Ich für meinen Teil empfand es als höchst angenehm, mit den teils inhaltsschweren Stoffen dieser Kunstwerke konfrontiert zu werden und mich durch die doch etwas ungewöhnliche Geschichte des Beach Boys-Mitglieds zu kämpfen.
Elizabeth Banks, die auch hier wieder eine tragende Rolle übernimmt, glänzt einmal mehr und beweist, dass sie eine feine Ader für zärtliche Linien und musikalische Formen besitzt und in Kunst- und Kulturfilmen sicherlich desöfteren als richtige Besetzung gewählt werden wird.
Auch John Cusack als alternder Brian Wilson oder Paul Giamatti als dessen Psychologe Dr. Eugene Landy liefern hervorragende Schauspielarbeit und überzeugen mit hervorragenden Leistungen, die keine Sekunde an deren Authentizität zweifeln lassen.
Was andere Musik-Filme eher hupfdohlerisch und bespringflügelt abliefern wollen, flaniert hier in sanft-ruhigen Bahnen, die die Bühne viel mehr der großartigen Musik bereiten, die The Beach Boys in ihrer Zeit ablieferten. Das Genie Wilson wurde hier mehr als gekonnt in Szene gesetzt und dem Erfindungsgeist und bahnbrechenden Tönen der Truppe sehr viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt als dem ganzen Trara drumrum. Und das tat einfach nur wahnsinnig gut.
Es tat gut, dass man sich Zeit gelassen hat, um die Musik nicht zum Nebenprodukt verkommen zu lassen.
Es tat gut zu sehen, wie Wilson darum kämpft, neue Innovationen aufs Papier und letztendlich in die Herzen der Zuhörerschaft zu bringen, wie er verzweifelt darum ringt, sein inneres Schreien zu vertonen und der Welt mitzuteilen, was er fühlt.
Als jemand, der selbst mit 3 Jahren schon auf den Klavierhocker gekrochen und somit dem Thema Musik nicht unbedingt abgeneigt ist, empfand ich den Film als eine herrliche Hommage an die Kunstform “Musik” selbst und es war einfach schön zu erleben, wie liebevoll hier mit all den emotionalen Werten umgegangen wird, die selbige vor- und nachher in einem auslösen.
Beeindruckend war auch: Nachdem sich die Reihen gelichtet hatten, blieb der Rest bis zum Schluss sitzen und die obligatorische Filmbewertung fiel sowohl vor als auch nach mir durchweg absolut positiv aus.
Das lässt mich darauf hoffen, dass wir auch in Kinos, die sich eher mit Blockbustern über Wasser halten, in Zukunft wohl hin und wieder mal mit tiefgründigem Arthaus beglückt werden.
Wünschenswert wäre es allemal und ich denke, dass ich nicht der einzige bin, der dies durchaus begrüßen würde.
 

.kinoticket-Empfehlung: Fans von The Beach Boys und Liebhaber guter Musik sollten sich diese Biografie auf keinen Fall entgehen lassen.
Menschen, die gut gemachte Filme im Fernsehen vermissen, sollten ihre Sachen packen und sich diesen Streifen im Kino anschauen. Allein der Klang der Musik ist den Spaziergang in den großen Saal auf jeden Fall Wert.
Im Nachhinein zwar nicht der leichteste Stoff, aber durchaus bewegend, berührend und zutiefst emotional.

 
Nachspann
Sitzenbleiben lohnt sich. Es folgen einige Konzertausschnitte, die den üblichen Textkram am Schluss mit wunderbaren Bildern und Melodien versüßen.

Pitch Perfect 2

Zu einer guten Show gehört gutes Aussehen, eine gute Performance und frische Ideen.
Drei Dinge, für die Elizabeth Banks durchaus steht. Es hat eine Weile gedauert, bis ich ihr Gesicht richtig zuordnen konnte, hatte sie doch in Die Tribute von Panem die Rolle einer Show-Größe übernommen, aus deren Feder ein Werk wie dieses durchaus stammen könnte.
Der Film passt total zu ihrer schillernden Persönlichkeit und liefert hier einen Orgasmus an musikalischem Können und durchaus bewundernswerten Performances ab, die sonstige musikalische Bashing-Filme ruhig mal nebenan stellen können. Es wird gesungen, es wird getanzt, es werden Shows zelebriert, es folgen Abstiege und Aufstiege und auch die Art von Humor erinnerte mich immer wieder an Effie Trinket, die sie in den Hungerspielen darstellt.
Ein wenig verrückt, ein wenig neben der Spur, ein wenig lächerlich und dennoch nicht unverzichtbar – all das stellt Effie in Tribute von Panem – The Hunger Games dar und genau diese Charakterzüge macht sich Pitch Perfect 2 zu eigen.
Wer hier Spaß haben will, der sollte schon vorher für Bühnenfilme etwas übrig gehabt haben, auch wenn sich hier nicht das klassische Vorbild in uninspirierter Art kategorisch auf der Bühne abspielt. All zu ernst sollte man den Film aber dennoch nicht nehmen, denn hier wird kein monströses Mega-Kino geschaffen, sondern einer Form von Musik Stimme verliehen, die sonst keiner so wirklich aufgreifen und fördern möchte.
Und genau das reißt einen dann doch in die Geschichte rein. Wäre die Musik nicht so verdammt gut, könnte der Film nicht existieren und würde eher die jüngere Klientel unterhalten, die hier mit billigen Jokes und merkwürdigen Pointen durchaus zu Lachern gezwungen werden, für die erwachsenere Menschen weniger übrig haben dürften.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer akzeptiert, dass hier Musik die Schnauze vorne hat, der wird dadurch gut unterhalten.
Liebhaber von gut ineinander verflochtenen Geschichten oder sinnigen Plots sollten eher zu was anderem greifen, denn dieser Punkt geht hier eindeutig an die Konkurrenz. Alle anderen erleben musikalisches Können, das auf der Leinwand durchaus richtig Spaß macht.

 
Nachspann
sollte man abwarten, hier wird’s nochmal richtig lustig.

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