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© 2018 Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

 

Es ist das, wovon jeder bestimmt 1x im Leben träumt – es ist diese Art Welt, die ich mir oft nichts als mehr herbeisehne … keine Ahnung, wieso. Genau aus dem Grund vergöttere ich dieses Filmgenre. Damit packt man mich also schon mal per se in die Tasche.

Trotzdem hält sich meine Begeisterung in Grenzen. Ich weiß nicht, ob ihr euch noch an die Zeit zurückerinnert, als wir uns alle von der ersten Staffel The Walking Dead hinreißen lassen haben und mit welcher Verblüffung man diese Serie in den Himmel heben musste, weil sie einfach so gnadenlos gut war. Inzwischen sind das ja himmelweite Unterschiede im Vergleich zur aggressiven Grandiosität, die uns da zu Beginn serviert wurde.

Ein Planetarium weiter findet man dann wahrscheinlich die Galaxie, die es ein weiteres Mal davon entfernt ist, was uns In My Room bietet: Es fühlt sich an, als hätte sich Deutschland fälschlicherweise daran gemacht, TWD zu beantworten und ist dabei nicht nur gestolpert, sondern auch ins 300-Sparta-Becken gefallen und wurde dort vom Meg zerfleischt.

Die Ansätze sind grandios, die Gedankenexperimente, die damit gestartet werden, ausgezeichnet, das Genre perfekt – und die Umsetzung aufs Ende hin derart stümperhaft und unausgereift, dass man meint, es handele sich um einen zweitklassigen Abschlussfilm der Hochschule.

Tatsächlich bietet dieser Film so viele abartig gute Ansätze, dass ich mich frage, warum man das alles nicht zu Ende gedacht hat. Du siehst Dinge, du denkst dir “Okay, geht klar” – wirst vom Plot und einigen geilen Twists überrascht, siehst dann auf einmal Kameraeinstellungen und Szenen, die obergrandios sind und bist vom Schlussteil des Films so mega enttäuscht, dass quasi alles in goldenem Schein den Bach runter rinnt. Wieso?

Hier steckt so viel Potenzial, so viele geile Ideen drin, so vieles, was man daraus hätte machen können, und gleichzeitig so viel Unüberlegtheit und Unausgereiftheit, was den Story-Strang angeht, dass sich einem zeitweilig die Fußnägel hoch rollen. Damit macht man nicht nur eine grandiose Show-Einlage kaputt, sondern zerstört quasi sagenhaft den kompletten Film.

Und was hinten dran an Produktions-Überraschungen noch den Weg auf die Leinwand geschafft hat, ist eigentlich schon wieder wert, dass man sich doch aufmacht und das Lichtspieltheater besucht: Ich bin echt hin und hergerissen.

 

.kinoticket-Empfehlung: Großartiges Genre, sensationelle Denkansätze, absolute Verschwendung, da nichts zu Ende gedacht wurde.

Damit zerstört der Film das gewaltig beeindruckende Kunstwerk, dass er vorher selbst aufgebaut hat, mit eigenen Händen und schaufelt sich sein eigenes Grab.

Ich würde trotzdem empfehlen, reinzugehen, weil einfach zu viele geile Überraschungen und Ideen verbastelt wurden, die man sich anschauen sollte, weil sie es einfach verdient haben.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht bis zum Schluss auszuharren, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 8. November 2018

Original Title: In My Room
Length: 120 Min.
Rate: FSK 12