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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Ehrlichkeit

How to be Single

Rebel Wilson in einem Film zu sehen kann eigentlich nur psychologischer Terror und jede Menge verbale und körperliche Ausartung in jedwede Richtung bedeuten. Das zumindest dachte ich, als mir der Trailer vorgesetzt und ich auf den neuen Film How to be Single eingestimmt werden sollte.
Wir erinnern uns, dass kürzlich bereits schon mal so ein Streifen existierte, in dem zwei gealterte Sisters mächtig auf den Putz hauen wollten und das dann in einer desaströsen Unterhaltungskatastrophe endete, die mehr Peinlichkeit als sinnvolle Abendunterhaltung lieferte.
Wir haben hier wieder zwei “draufgängerische Frauen”, die mächtig auf den Putz hauen wollen, in einer abendfüllenden RomCom für weibliche Zuschauer … und eben jene Tatsache rief das eiskalte Grauen in mir hervor. Aber was tut man nicht alles für dieses Blog.
.kinoticket gelöst und rein da. Das restliche Publikum war tatsächlich komplett weiblich und der Film ist auch ganz klar auf die Damenwelt konzipiert. Nur, dass der eben sehr viel mehr Inhalt aufwies, als ich ihm laut Trailer zugemutet hätte.
Ja, Wilson kriegt ihre Momente, in denen sie draufhauen und ausflippen darf, jedoch ist der Film sehr viel “ruhiger” als der Trailer einen glauben lassen mag. Und diese Verrücktheit, mit der man an das Thema rangeht, ist so viel eleganter als vermutet und wartet mit einer ganz großen Portion Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit auf, von der sich viele der Ausgeflippten unserer Nation eine große Scheibe abschneiden dürfen.
Der Umgang der einzelnen Personen miteinander, die triviale Reise der Selbstfindung, das Ausbrechen, Ausprobieren, Scheitern und Siegen wurden hier ganz neu eingemischt und stellt die bisherigen Liebestöterfilme ganz weit nach hinten.
In gewisser Weise ist man auch hier ein Stück weit erwachsen geworden. Man darf zwar immer noch Spaß haben, sich seines Lebens erfreuen und aus den scheiß Situationen, die einem das Leben vor die Füße wirft, das beste daraus machen, jedoch hat man klassische Werte hier mal völlig außen vor gelassen und den “Suchenden” eine ganz neue Art der Liebe präsentiert, die viele Konzepte der Gegenwart ehrlich durchleuchtet und aufbereitet.
Und genau das hat mir an diesem Film im Nachhinein so richtig gut gefallen: Neben all der Spinnerei und dem lauten Sex and the City-Gehabe waren sehr ernste, tiefgründige und aufrichtige Momente, die dem Film das gewisse Etwas verleihen und ihn somit zu einer wichtigen Inhaltsperle machen, den man sich durchaus anschauen kann.
Allerdings hätte ich hier an einigen Stellen noch die Schnittschere angesetzt, um einige Längen des Films zu beseitigen, die an vielen Stellen immer wieder auftauchen und somit für angehende Langeweile sorgen. 20 Minuten weniger und das Teil wäre ein richtig toller Aufguss altbekannter Probleme in neuem Gewand.
 

.kinoticket-Empfehlung: Als Mann wird man es wahrscheinlich schwieriger haben, mit den Thematiken dieses Films umzugehen, es sei denn, man ist auf der Suche nach mehr Hintergrund, weshalb Frauen so ticken, wie sie ticken.
Diese Problematik wird im Film nämlich unterschwellig deutlich gemacht und offenbart neben Unterhaltung mit teilweise zu vielen Längen auch eine wunderbar ehrliche Sichtweise auf die Dinge, die jeder schon kennt, sich aber bisher keiner so richtig auszusprechen gewagt hat.
Coolste Person meiner Meinung: Der Barkeeper. Sollte man weiblich sein, darf man sich den Film ungeschoren anschauen, alle männlichen Kinobesucher sollten sich darüber im Klaren sein, dass hier ganz klar auf die weibliche Klientel abgezielt wurde und man “männliche Logik” in diesem Film nicht zur Sprache kommen lässt.

 
Nachspann
gibt’s nur in Schriftform, wer auf weitere Szenen wartet, tut dies vergeblich.

Spotlight

Was war es für eine Highlight-Auswahl an Filmen, die dieses Jahr in der Nominierten-Liste der Oscar-Anwärter landeten und welchen Sturm der Entrüstung löste der Umstand aus, dass keine farbigen Darsteller nominiert wurden.
Bei all dem Ärgernis über diese fehlende political correctness ist den Wutbürgern wohl entgangen, dass die Presidentin der Academy selbst eine Farbige ist und ebensoviele Farbige im Jurorenstuhl sitzen. Ein Umstand, den man bei der Gleichstellungswutäußerung gerne mal galant unter den Tisch kehrt.
Und dabei scheinen die ach so wissenden Zuschauer der größten und würdevollsten Verleihung eine Tatsache auch gerne zu vergessen: Die Academy Awards sind nicht dafür da, um das verquere Weltbild unserer zerrütteten Gesellschaft widerzuspiegeln, sondern hier werden Leistungen honoriert, die hohe Qualitätsanforderungen bestanden und sich gegen viele Mitbewerber erfolgreich durchgesetzt haben. Bewertet von Personen ihres Fachs, also Leuten, die sich in dem jeweiligen Arbeitsgebiet sehr wohl auskennen und genau wissen, was sie zu bewerten haben.
Und da 2015 nunmal ein Jahr war, in dem keine wirkliche Wucht auf die Leinwand kam, in der diese Bevölkerungsgruppe großartig gewesen ist, können hier logischerweise auch keine Nominierungen oder gar Auszeichnungen ausgesprochen werden – und das finde ich gut so. Nicht, weil ich etwas gegen anders aussehende Menschen habe, sondern weil hier etwas Großartiges ausgezeichnet werden soll und nicht krampfhaft versucht, möglichst eine Balance zwischen allen herzustellen. Hier wird nicht der Stand, das Aussehen oder die Herkunft bewertet, sondern das Erschaffene. Der Präsidentin der Academy hätte man also aufmerksam zuhören müssen, als sie die Bühne betreten und dazu ein paar Worte verloren hat. Am besten im Original, um falsche Übersetzungen zu vermeiden.
Tut aber fast keiner, beschweren kann man sich ja auch so.
Meines Erachtens wurde in dieser Nacht genau den richtigen Filmen die Auszeichnung verliehen. In den niedrigen Kategorien exakt die richtigen Filme, in den großen Kategorien auch. Über meinen Lieblingsstreifen wird jetzt sowieso gesprochen und ich finde es mehr als bezeichnend, dass diese geschichtlich-stupide Action-Ballade derart viel Aufmerksamkeit erreicht und sogar mehr Auszeichnungen tatsächlich bekommen hat, als der weltweit dritterfolgreichste Film überhaupt Nominierungen einsacken konnte: Star Wars – Das Erwachen der Macht.
Und sind wir mal ehrlich: das technischen Schaffen war bei Mad Max: Fury Road auch wesentlich rühmlicher als in der hochdotierten Star Wars-Saga, bei der ich gelinde gesagt mega enttäuscht gewesen bin.
Und umso weniger erstaunlich war es für mich, als es zum finalen Paukenschlag genau den Film getroffen hat, der die Aufmerksamkeit von 80 Millionen Zuschauern braucht, um gesehen und weltweit gehört zu werden: Spotlight. An dieser Stelle hat die Academy in meinen Augen also auch wieder alles richtig gemacht, denn dieser Film hat geschichtlich bedeutsame Relevanz und muss von einem breiten Publikum gesehen werden, um nicht in den Senken der übersättigten Medienberichterstattung unterzugehen. Dieses Versinken fand nämlich vor der Verleihung mehr oder weniger dadurch statt, dass er a) spät in den Kinos anlief und b) selten irgendwo auf den Titelseiten kommuniziert wurde, was relativ wenig Publikum in die Säle lockt. Und genau da gehört es hin.
Schaut euch an, in welcher Welt ihr lebt. Schaut euch an, wie es hinter den Kulissen aussieht. Prüft, ob euer Glaube an das System tatsächlich Bestand hat oder ihr auch nur einer weiteren, riesigen Lüge aufgesessen seid. Macht aus den kalten, stoisch vorgetragenen Nachrichten fühlbare, erlebbare Emotionen und versetzt euch in die Lage der tausenden Menschen, die von diesen Geschehnissen direkt betroffen sind. Ist es wichtig, darüber informiert zu sein? Ist es wichtig, eine großangelegte Plattform zu schaffen, die Leidtragenden die Möglichkeit bietet, mit derartigen Konfrontationen umgehen zu können und zu wissen, dass sie damit an die Öffentlichkeit treten können, um andere vor eben diesen Schäden zu bewahren?
Ja. Ja, Ja, und nochmals Ja.
Und dabei leistet dieser Film nicht nur hervorragende Arbeit, sondern beschert Verletzten die Form von innerlicher Genugtuung, während man dabei zusehen kann, wie wildfremde Starqualitäten vor einem für Gerechtigkeit kämpfen und die Dinge publik machen.
Es tut gut, dass es eben doch interessiert und nicht nur als verkaufsförderndes Publikationsprodukt missbraucht wird. Und am Ende des Films sitzt man in Schockstarre mit offenem Mund da und realisiert, welches Ausmaß die ganze Geschichte hatte. Dabei werden Zahlen auf einmal knallharte Ohrfeigen ins Gesicht und repräsentieren ein System, das dringend revolutioniert gehört – was bis heute aber nicht geschehen ist.
Also kauft euch ein .kinoticket, rafft eure geistige Willenskraft zusammen und hockt euch in diesen Film – jetzt, wo auch die Academy ihren Segen zu diesem fantastisch aufrüttelnden Werk gegeben hat, erst recht: Er ist es wert. Für jede einzelne Seele, die daran in der Vergangenheit zerbrochen ist, gerade zerbricht oder in Zukunft zerbrechen wird.
Macht diesem Wahnsinn endlich ein Ende!
 

.kinoticket-Empfehlung: Auf der Oscarverleihung zu recht für den besten Film ausgezeichnet.
Macht euch die Mühe, besucht dieses Werk und richtet eure inneren Antennen bezüglich dieses Vereins komplett neu aus. Begreift, was hier stattgefunden hat und schaut, ob es in euren Gegenden genauso zugeht. Ihr schützt nicht nur euch selbst vor intelligent aufgetischten Lügen, sondern bewahrt die heranwachsende Generation vor Schäden, die irreparabel sind.
Pro Gerechtigkeit. Denn die bringt der Film nicht nur sagenhaft plastisch auf der Leinwand rüber, sondern sorgt mit seiner neu gewonnenen Auszeichnung jetzt zusätzlich hoffentlich nochmals für einen irren Zustrom an Zuschauern, um diese Sache niemals vergessen zu lassen.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, allerdings sollte man zum Ende des Films sehr aufmerksam hinschauen und verstehen, dass jede einzelne Zeile hier ein komplett weiterer Film dieses Kalibers ist. Versteht das Ausmaß dieser Katastrophe und horcht auf, was euch hier gezeigt wird.

Die Peanuts – Der Film (3D)

Charlie Brown – wieder so ein Massenphänomen, das jeder kennen sollte. Neuer Stoff für neue Geschichten sind in Hollywood immer gerne gesehen – und wenn man dabei dann auf Altbewährtes zurückgreifen kann, das den Erfolg quasi schon per Definition vorgibt, umso besser.
Demnach ist es in einer Zeit, wo so ziemlich alles, was irgendwo irgendwie existiert, zu einem Film gemacht wird, nicht verwunderlich, dass nun auch Die Peanuts das Kino erobern.
Ich spare mir an dieser Stelle die übliche “Buch-besser-Film-schlechter”-Diskussion und verweise erneut auf das Nichtvorhandensein diverser Vorkenntnisse, da – man mag es kaum glauben – ich auch an den Peanuts in meiner Kindheit vorbeigeschlichen bin. Ergebnis: Vorurteilsfreie Rezension zu einem Kinofilm, dessen Besuch sich durchaus lohnt.
Was definitiv positiv auffällt, ist das Fehlen von bösen Elementen. Blue Sky Studios schlagen hier nicht mit Disney-Tönen an, bei denen immer ein Gegensatz existiert, der in beide Richtungen extravagant ausgedehnt ist und in stereotypischer Weise jeweils nach oben oder unten verkommt. Bei der Sippe von Charlie Brown hat man tatsächlich mal vollends auf niedliche, kindgerechte, ordentliche und erzählerische Art gesetzt und den Zuschauern bewiesen, dass man Comics und Animation nicht zwingend mit Blödsinn oder absolutem Übertreiben in Verbindung bringen muss.
Die Charaktere zeichnen sich durch vergleichsweise hohe Profiltiefe gegenüber der Konkurrenz markant ab und erzählen hier aus einer Welt, der man deutlich anmerkt, dass sie nicht erst seit gestern existiert. Vielleicht auch ein Grund, weshalb das Gros der Figuren nicht groß erklärt wird, sondern man einfach loslegt.
Das funktioniert selbst bei Menschen wie mir, die zwar schon davon gehört und das ein oder andere Comicbildchen gesehen, sich jedoch nie tiefer in die Materie eingegraben haben und somit völlig ahnungslos vor der Leinwand hocken.
Was mir ein wenig gefehlt hat, war, dass man unterschwellig doch gespürt hat, dass das Medium “Film” begrenzte Mittel hat und kaum eine derartige Tiefe erreicht werden kann, wenn man Ideen und Spinnereien, die sich im Kopf beim Lesen abspielen, dann materialisieren und somit begrenzen muss. Schließlich ist Fantasie immer noch der größte Inspirationsmotor und dem mussten sich die Macher des Films irgendwo beugen.
Somit landet man hier für die junge Generation definitiv einen Volltreffer, der einfach nur putzig ist, mit Liebe und kindlicher Geborgenheit punktet und neben wahnsinnig überzeugendem 3D auch mit inhaltlichem Intellekt überzeugt und sogar die Erwachsenenriege in ihren Bann ziehen kann.
An dieser Stelle muss ich allerdings auch erwähnen, dass dieser Film nicht mehr “für die ganze Familie” gedacht ist, sondern man mit den Peanuts auch etwas anfangen können muss, um hier wirklich Spaß zu haben. Geht man völlig vorurteilsfrei an die Sache, findet man sich nämlich irgendwo im Kinderzimmer wieder, auch wenn hier interessante Werdegänge und Überlegungen eingearbeitet werden und man sich so von anderen Animationen deutlich abhebt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer sich in Nostalgie baden, mit seinen Kindern einen tollen Nachmittag erleben oder einfach mal etwas ausschließlich Gutes in sein Hirn brennen möchte, der macht mit den Peanuts sicher keinen Fehler.
Jedoch sollte man sich dessen bewusst sein, dass das Zielpublikum hier eindeutig die jüngeren Zuschauer sind und man sich als Erwachsener in die Welt von Charlie Brown reinfinden muss. Hat man diesen Schritt hinter sich, macht der Rest dann richtig Spaß und hinterlässt ein wärmendes Gefühl von Liebe und Geborgenheit in einem drin.
Und nicht zuletzt bietet der Film ein 3D, dass so richtig reinhaut und allein für sich schon den Kinobesuch wett macht. Dieses Feature sollte man in diesem Fall auf jeden Fall mitbuchen.

 
Nachspann
Gibt es … und der hat es sogar richtig in sich. Ich sag mal so viel: Die Kinder rannten nach vorne und tanzten alle auf der Bühne vor der Leinwand. Hier wird Stimmung gemacht, Bilder gezeigt und der Song ist hammergeil. Drin bleiben!

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