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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Duschen

Touch Me Not


© 2018 Alamodefilm

 

Touch Me Not – Fass mich nicht an … hinter diesem unscheinbaren Titel steckt ein Meisterwerk, das man kaum zu fassen vermag: Man sitzt im Kino, erwartet nichts großes und wird damit konfrontiert: Mir stand der Kinnladen offen und ich war zutiefst berührt und bewegt, als ich den Saal wieder verlassen habe.

Denkt man anschließend darüber nach? Yes! Ist man irgendwie intellektuell geohrfeigt und wird mit unfassbarer Intelligenz-Blöße und der Entfaltung eines Themas, über das keiner reden kann, überstülpt, so dass anschließend irgendwie überhaupt nichts mehr ein Problem darstellt und man selbst wie aus einer gelungenen Therapiestunde wieder von dannen zieht und insgeheim ein besserer Mensch ist? Yes!

Es ist unglaublich, wie die Regisseurin, Darstellerin und Leidensgenossin selbst es schafft, diese unglaubliche Ehrlichkeit, Offenheit und Zurschaustellung so zu verkaufen, dass man ganz nebenbei seine eigenen Hemmschwellen überwindet, fallen lässt und sie hinterher überhaupt keine Rolle mehr spielen, ohne dabei auf etwas zu verzichten, das man vorher als Schutzwall um sich herum aufgebaut hat!

Wenn es vorher eine #metoo-Diskussion gab, dann ist das hier die Auflösung, Heilung und gleichsam ein Konstrukt, dass viele Menschen zu einer Lösung führt, für die es danach immer noch keine Worte gibt, die aber einprägsam und unvergessen in einem nachwirkt und etwas bereinigt, über das bisher noch nie jemand ein Wort verloren hat.

Diese gewaltige Größe, dieses Spielen mit Worten, zeichnen mit Bildern, ausdrücken mit Wut, Emotionen und Gefühlen, diese Art und Weise, wie man hier an die Sache rangeht und den Zuschauer quasi zwangstherapiert – unfassbar!

Sollte man sich den Film anschauen? Yes!

Am besten gleich mehrfach. Denn irgendetwas tut der mit einem, ich weiß nicht was, ich weiß nicht wie, ich weiß nur, dass es genial ist und dass so etwas kaum jemand probiert, geschweige denn geschafft hätte. Adina Pintilie schon. Und das auf eine Weise, über die ich immer noch staune. Und die Vorführung ist bereits Monate her …

 

.kinoticket-Empfehlung: Wer etwas außergewöhnliches sucht, über das man hinterher sagen kann “Wow, selten so etwas erlebt” – hier ist es.

Sucht euch ein ruhiges Plätzchen, versinkt im Kinosessel und lasst auf euch wirken, was da vorne gezeigt wird: Es ist unglaublich, welche Wirkung ein Film nach sich ziehen kann, ohne dass man hinterher Worte dafür findet.

Hier geht’s quasi nicht um Entertainment, sondern um das Durchputzen psychischer Konstellationen: Der Mensch an sich wird in seiner Seele und Psyche gereinigt, geheilt und von vielen unerschütterlichen Ängsten, Sorgen und Problemen befreit. Während dem Zuschauen erlebt man selbst eine “Therapie”, die großartiger nicht sein könnte – schaut euch das Teil unbedingt an!

 

Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 1. November 2018

Original Title: Touch Me Not
Length: 125 Min.
Rate: FSK 16

Asphaltgorillas

Buck, dem wir u.a. die Bibi und Tina-Filme zu verdanken haben, hat sich auf die Straße gewagt und einen Rennfilm gemacht. Dachte ich. Als ich auf Facebook die Titelabfrage gelesen habe und mitentschieden, wie der Film nun endgültig heißen soll.
Asphaltgorillas war auch meine finale Entscheidung gewesen, was ich allerdings, seit ich diesen Film gesehen habe, nun doch bereue. Nicht, weil der Filminhalt schlecht ist, sondern weil der Titel nun eben doch nicht so optimal passt und ein anderer Vorschlag besser gewesen wäre. Der Inhalt ist nämlich völlig entgegengesetzten Erwartungen gerecht geworden.
Aber mal der Reihe nach. Film kann Deutschland ja erst seit neuestem, nicht zuletzt das Teenie-Machwerk Das Schönste Mädchen der Welt überzeugt mit einer technischen und vor allem inhaltlich- und sprachlichen Eleganz, wie man sie von deutschen Filmschaffenden eigentlich sonst nicht kennt. In etwas älterer Vergangenheit gab es schon einmal “Frankfurter Milieu”-Filme, die ebenfalls ganz brauchbar sind – Nur Gott kann mich richten ist da nur ein Beispiel davon.
Man arbeitet sich also langsam nach oben und merkt, dass ernsthaftes Kino durchaus seine Abnehmerschaft findet und man sich gerne auch ohne auf zwanghaften Humor setzen zu müssen hinter die Kamera stellen und Filme drehen darf.
Hat Buck gemacht. Und irgendwie packt einen der Film ob seiner technischen Raffinesse und Eigenart doch relativ schnell. Auf eine seltsame Art und Weise. Natürlich muss man konform gehen mit den schon im Vorfeld plakativ präsentierten Darstellern, muss eine gewisse Vorliebe für solche Filme mitbringen und sich dann im Kino auch willentlich darauf einlassen, meine vorurteilenden Zweifel habe ich jedenfalls relativ schnell abgelegt.
Das Problem bleibt meiner Meinung nach eher beim Titel hängen, der – so ganz ohne Vorwissen und .trailer nun eben doch etwas völlig anderes verspricht, als der Film schlussendlich liefert. Enttäuscht ist man deswegen aber trotzdem nicht, vor allem die Moves und Kämpfe im Film sind sehr durchgestylt und lassen viel Erfahrung und ästhetisches Geschick vermuten. Und dass in diese Richtung aus dem deutschen Filmeareal noch einiges auf euch zukommen wird, brauch ich ja nicht groß ankündigen, oder?
 

.kinoticket-Empfehlung: Ist kein Rennfilm im klassischen Sinne, sondern ein technisch durchgestylter und plakativer Film, der das deutsche Kino wieder sehr stark aufwertet.
Lässt man sich auf die Schauspieler ein, kann dem “Frankfurter Film” einiges abgewinnen, findet man hier sehr schnell Freude. Und Kida Khodr Ramadan, mach bitte immer so weiter!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, es sei denn, man steht auf den Sound 😉
Kinostart: 30. August 2018

Captive

Diesmal tu ich mich wirklich recht schwer damit, ein paar Worte über diesen Film zu verlieren, ohne anderen dabei den Sehspaß zu verderben. Die Story entstammt nämlich nicht einer fiktiven Feder, sondern basiert auf wahren Begebenheiten und reißt daher doppelt in ihren Bann.
Die Erzählweise und gekonnte Kameraführung macht so richtig Lust auf mehr, zumal auf die üblichen Verdächtigen diesmal verzichtet wurde. Das Gefühlschaos, das man als Zuschauer durchleben muss, der Zwist zwischen Gut und Böse, sucht seinesgleichen.
Die “Auflösung”, die auch im Trailer schon angedeutet wurde, fand ich persönlich zeitweise etwas lächerlich und peinlich, den Film als solches jedoch sehr spannend und unterhaltsam. Was ich mir gut vorstellen kann, ist, dass sich hierzulande einige schwer damit tun, den amerikanischen Alltag, der hier zelebriert wird, als gegeben hinzunehmen, weshalb dieser Film wohl auch nicht in jedem Kino gespielt wird und auf die hinteren Ränge verschoben wurde.
Nichtsdestotrotz hat man mit diesem Werk einen Film geschaffen, der einmal völlig entspannt eine “harte Geschichte” erzählt und dabei auf großartige Action gänzlich verzichtet. Gerade diese nischenhafte Art zu Unterhalten punktet in meinem Fall sehr.
 

.kinoticket-Empfehlung: Findet man sich mit den amerikanischen Eigenarten ab, erhält man hier eine Geschichte, die einmal in einem völlig stilfremden Genre erzählt wird.
Die charakteristische Tiefe sowie die Erzählweise beeindrucken völlig, während die Auflösung leicht enttäuschend daher kam – aber nahe am Original bleibt.
Wer hier mit Freunden zuschlagen möchte, sollte sich vorher evtl. etwas näher über den Film informieren, bevor es eine Enttäuschung für einige gibt.

 
Nachspann
gibt es keinen. Nach der Abblende darf man den Saal getrost verlassen.

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