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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Doug Jones

Shape of Water – Das Flüstern des Wassers

Mit 13 Oscar(r)-Nominierungen an der absoluten Spitze der diesjährigen Vorfreude auf die Academy Awards hat dieser Film bereits jetzt etwas völlig richtig gemacht!
Und das kann man von Guillermo del Toro’s Filmen generell behaupten: Er versteht es, den Zuschauer gleichermaßen zu faszinieren und zu schocken. Dafür hat man sich hier ein unglaublich sinnliches Beispiel hergenommen, mit einem exzellenten Cast besetzt und daraus eine Geschichte gemacht, die man so schnell nicht wieder vergisst.
Die Grenzen zwischen unbändiger Liebe und roher Gewalt verschwimmen auch hier wieder zu einer märchenhaften Erzählung, deren Wurzeln viel zu tief im Realismus des Erwachsenseins verankert sind, als dass man sie tatsächlich als Märchen abtun könnte. Shape of Water ist so viel mehr!
Es fällt wieder schwer, über etwas zu reden, ohne zu spoilern, aber ich denke, ich nehme nicht zu viel vorweg, wenn ich sage, dass man hier in allen Facetten mit ausdrucksstarker Bildgewalt gearbeitet hat, die weit über Worte hinausgeht. Um diese schauspielerische Vielfalt erbringen zu können, wurden nicht die Rollen geschrieben und anschließend nach Kompromissen gecastet, sondern jeder Einzelne stand bereits vorher fest und ihre Rollen wurden an die Stärken dieser Schauspieler angepasst.
Daraus erblüht eine Basis, auf der sich jeder Protagonist vollkommen ausleben und “er bzw. sie selbst” sein konnte, was vorzeiglich zu diesem Nominierungsergebnis geführt hat. Daraus lässt sich erkennen, dass der Zuschauer es ungemein schätzt, wenn Charaktere authentisch sind und nicht nur versucht wird, etwas möglichst gut zu spielen.
Aber del Toro hat auch ein unglaubliches Gespür dafür, Menschen zu fesseln und sie in ihren eigenen Emotionen ertrinken zu lassen, indem er Szenerien erschafft, in die man sich einlullt, nur um anschließend von ihm wieder durchs Eck gebeutelt zu werden. Diese unfassbare Erzählstärke und bildgewaltigen Ausdrücke einer tiefsinnigeren Welt mit Elementen, die einen aus dieser hier entreißen, erschafft ein filmisches Monument, dass ich im März einfach ausgezeichnet sehen will – weil es gottverdammtnochmal verdient ist!
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier explodieren Nominierungen und Auszeichnungen aller Art und das hat einen Grund: Dieser Film basht so ziemlich alles vom Thron, was vorher mal daran geglaubt hat, hier Platz nehmen zu dürfen.
Diese Zeiten sind vorbei, denn Shape of Water – Das Flüstern des Wassers eruiert den Meilenstein des Kinos völlig neu und belegt dabei gleich mal das Treppchen ganz oben. Gut gemacht!

 
Nachspann
Braucht man nicht sitzen bleiben – aber genießt das geniale Gefühl, mit dem euch der Film wieder nach draußen schickt einfach noch ein wenig.
Kinostart: 15. Februar 2018

The Bye Bye Man

Carrie-Anne Moss in einem Film auf der Leinwand sehen – lange her. Fast jeder kennt sie aus der Matrix Trilogie und dort hat sie für mich persönlich nicht nur Maßstäbe gesetzt, sondern sich auch zu einer Filmikone aufgeschwungen.
Aufgrund der Pressevorführung zu Fast & Furious 8 habe ich den Anfang des Films nicht gesehen, mir jedoch sagen lassen, dass ich nichts verpasst habe und der Geist des Films sich währenddessen auch nicht geändert hat.
Der große Mankopunkt von Bye Bye Man liegt meiner Meinung nach beim Drehbuch. Alles andere passt nämlich soweit. Die Darsteller machen ihre Sache angesichts der Anweisungen aus dem Drehbuch nämlich richtig gut. Douglas Smith als Hauptdarsteller agiert souverän, nicht dämlich und hebt damit diesen Film aus dem Sumpf zweitklassiger B-Horror-Streifen auf ein Niveau, das ich nicht zu bezeichnen vermag.
Denn genau das kreide ich dem Drehbuchautor an: Sich hier nicht richtig entscheiden zu können, was man eigentlich will. Für Horror passiert entschieden zu wenig Schockendes. Für Suspense ist der Film viel zu kalt, zu leblos, zu vorhersehbar, zu langweilig.
Für eine selbstironische Selbstzerstückelung (die ja durchaus gerne gesehen ist), fehlen einfach die entscheidenden Dialoge und Passagen, die diese unfreiwillige Komik unterstreichen und gewollt machen. Damit driftet man immer zwischen “Meint ihr das wirklich ernst?” und “Nein, das ist ‘ne Verarsche” und das lässt einen als Zuschauer am Schluss ziemlich im Regen dastehen.
Soundtrack – das Fehlen von billiger Synthesizer-Musik aus den 90ern – die Effekte, Kameraführung und einfach alles drumrum, selbst solche billigen Animationen dieser Low-Budget-Produktion, sind für mich hinnehmbar und offenbaren sich eher als eine Studentenproduktion, bei der einer keine Lust hatte, seinen Part mit Hingabe und Fleiß zu erledigen: Der Drehbuchschreiber.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mit dem richtigen Publikum im Saal, dass über die selten dämlichen Momente miteinander lachen kann, macht dieser Film richtig Laune und sorgt sogar für Applaus am Ende.
Der geschulte Kinogänger mit Anspruch oder Erwartungen an einen Horrorfilm wird hier eher enttäuscht und auf das SchleFaZ-Niveau geschmissen, für das mir dann aber auch noch eine Prise mehr Selbstironie fehlte, um tatsächlich sicher zu gehen, dass die das nicht ernst meinen.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, rausgehen und das Tageslicht genießen. Und nicht dran denken oder drüber reden 😉

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