.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Domhnall Gleeson

Goodbye Christopher Robin

Was haben wir aus der Vergangenheit gelernt? Twentieth Century Fox kann Filme. Einmal mehr hat sich das Tochterunternehmen des Studios einer Geschichte angenommen, die unverblümte Wahrheiten auspackt und damit ganz neue Einblicke in den Wahnsinn manchen Geschehens ermöglicht. Dass Menschen so sind, wie sie sind, ist ja weithin bekannt und wurde millionenfach von Hollywood besungen.
Was hier allerdings zum Besten gegeben wird, ist nicht nur sensationell überraschend, sondern trumpft mit einer Unglaubwürdigkeit auf, die so manches Weltbild zum Einsturz bringen könnte. Anfangs mutet der Film noch sehr altmodisch an, braucht eine Weile, um in die Gänge zu kommen und richtig an Fahrt aufzunehmen, aber dann entwickelt sich das einerseits zu einem Heidenspaß, andererseits glänzt man hier durch schockierende Tatsachen, die endlich mal die ganze Wahrheit solcher Fälle offenbaren und nicht immer nur die Creme-Seiten auftischen.
Und genau das macht diesen Film so spannend: Inspiriert von der wahren Geschichte, die die Hintergründe zu dem liefert, was Medien und Co. seinerzeit schon zu Tode getrampelt haben, ermöglicht man nun den Zuschauern, sich hier umfänglicher zu informieren und die Reise noch einmal durchzuführen, nur diesmal eben von der anderen Seite der Scheibe aus.
Ganz deutlich muss man hier auch die Hauptakteure des Films hervorheben, die sich durch ihr Schauspiel großartig von der Masse abheben: Margot Robbie, vielen aus Suicide Squad oder I, Tonya bekannt, begleitet von Domhnall Gleeson, den einige wohl zuletzt in Star Wars: Die letzten Jedi auf der Leinwand gesehen haben dürften, und den Kinderstar Will Tilston, dem nach dieser Leinwandoffenbarung alle Türen im Showbusiness offen stehen dürften.
Die großartigen Leistungen – und vor allem auch das großartige Plädoyer der Dialogschreiber zeigt einmal mehr, dass auch in Hollywood die Kunstfertigkeit der Sprache noch nicht gänzlich ausgestorben ist, sondern man durchaus auf hohem Niveau zu entzücken weiß.
Am Schluss versteht man vieles nicht mehr, an das man früher gerne glauben mochte, zieht aber nicht enttäuscht, sondern bestens unterhalten von dannen und hat einen weiteren wunderbaren Film in seinem Sichtungsportfolio.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nehmt euch am Anfang ein wenig Zeit, um in den Film reinzukommen, nach ungefähr 20 Minuten taut der dann wirklich auf und liefert erstklassige Unterhaltung, die u.a. sehr zum Lachen anregt.
Die Story und das Geschehen könnte so manches Weltbild einstürzen lassen, umso wichtiger ist daher, dass genau das auch unters Volk kommt und gesehen wird. Vielleicht versteht man dann einiges ein klein wenig besser.

 
Nachspann
❌ Nach dem Text ist Schluss – hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 7. Juni 2018

Peter Hase

Schlagt mich, aber ich muss etwas loswerden: In letzter Zeit tauchen immer mehr Filme auf – und Peter Hase ist ein Paradebeispiel dafür – die kein klassisches Genre mehr bedienen, auf das man sich verlassen kann, sondern es vermischt sich – genauso wie auch schon in der Musik alles immer vielfältiger geworden ist.
Genau das passiert jetzt nicht mehr nur mit den Genres, sondern auch mit den Bewertungskriterien, in die man Filme klassischerweise kategorisieren kann. Was sich früher simpel in “mega”, “mittelmäßig” und “schlecht” einordnen ließ, bewegt sich jetzt immer differenzierter und dabei ist mir kürzlich ein besonderes Neugenre im Einordnungssystem aufgefallen: gutschlecht.
Gemeint sind Filme, die eigentlich schlecht sind und von den Kinogängern auch der Einfachheit halber als schlecht bezeichnet werden, aber gleichzeitig so viele grandiose Szenen, Jokes oder Momente haben, die eigentlich verhindern, den Film als schlecht zu markieren. Das bedeutet aber nicht: So schlecht, dass sie schon wieder gut sind, und auch nicht schlechtschlecht, also grottenschlecht, sondern eben grundsätzlich schlecht mit zu vielen geilen Momenten, die per Definition wieder einen mittelmäßigen Film draus machen würden, aber dafür wäre er zu schlecht.
Kommt ihr noch mit?
Genau da tu ich mich gerade besonders schwer, bei Peter Hase eine ehrliche, würdige und aufrichtige Einschätzung abzugeben, denn der Film ist einfach ein Paradewerk von Schrödingers Katze – gleichzeitig gut und schlecht.
Er hat genügend Momente, die durchaus witzig sind, er ist frisch, er trumpft mit inspirierenden Ideen auf und bereitet gleichzeitig Langeweile, verbreitet Klischees oder zündet an vielen Stellen nicht, so dass man oft darüber nachdenkt, warum das eigentlich alles. Und bevor man in depressive Gedanken abgleitet, kommen wieder Momente, die reich an Gefühlen oder Humor sind und einen aus dem Tal des Aufgebens herausreißen, es aber allgemein nicht schaffen, daraus einen Film zu machen, den man mit Freuden anderen weiterempfehlen würde.
Und genau das ist die Crux: Man kann weder sagen, er wäre schlecht, noch, er wäre gut. Er ist beides. Nur eben nicht mittelmäßig.
Deal with it.
 

.kinoticket-Empfehlung: Animierter Spaß mit Längen, merkwürdigen Momenten, grandiosen Einfällen und gleichzeitig klischeeüberladenen Humoreskapaden, die aus dem Film eine leibhaftige Schrödingerkatze machen: Gleichzeitig gut und schlecht.

 
Nachspann
Mitnehmen, der enthält noch einiges an Szenen.
Kinostart: 22. März 2018

Star Wars – Die letzten Jedi (3D)

14. Dezember 2018 – der Tag, auf den viele Filmfans dieses Jahr hingefiebert haben: Heute ist es endlich soweit – das heiß ersehnte SciFi-Spektakel startet auch hierzulande in den Kinos.

Und dabei reden wir nicht einfach nur von einem Film. Ich meine, seien wir ehrlich: Man kann hinstellen, wen immer man will: Cameron, Nolan, Tarantino oder alle zusammen – kommt Star Wars um die Ecke, spürt jeder Cineast auch auf einmal die Macht, die nicht nur den Filmen innezuwohnen scheint, sondern auch unseren Planeten mächtig im Griff hat. Star Wars hat sich inzwischen zu einer dominierenden Marke etabliert, die nicht nur innerhalb des Kinos das Sagen hat und bestimmt, was um einen herum geschieht.
Wer, was, wieso, weshalb, wo jetzt dazwischen und wie überhaupt?
Fangen wir also mal mit ein klein wenig Erleuchtung für die Nicht-Kenner der Saga (gibt’s die eigentlich?) an und klären ein paar geschichtliche Reihenfolgen:
Alles begann im Jahre 1977 mit Episode IV, die dieses Jahr immerhin ihren 40. Geburtstag feiert und somit selbst schon ein halbes Leben auf dem Buckel hat – gefolgt von Episode V und VI.
Danach (komisch, ich weiß) folgen Episode I, II und III – die innerhalb der Star Wars-Welten allerdings tatsächlich vor Episode IV spielen, gefolgt von dem 2015 erschienenen Star Wars: Das Erwachen der Macht.
Jetzt war irgendwie klar, dass man die Nachfolge-Trilogie auch noch abschließen möchte und dafür braucht man bekanntlich Zeit – ergo schob man noch einen Zwischenfilm (Rogue One) ein, der sich geschichtlich zwischen III und IV bewegt, um jetzt mit Episode VIII zurückzukehren.
Ihr merkt schon: Verwirrung vorprogrammiert. Am einfachsten ist es wohl, sich die Filme in Star Wars-Abfolge anzusehen, dann kann man sich einfach episodenweise vorarbeiten:
Episode I – Die dunkle Bedrohung
Episode II – Angriff der Klonkrieger
Episode III – Die Rache der Sith

Rogue One – A Star Wars Story
Episode IV – Eine neue Hoffnung
Episode V – Das Imperium schlägt zurück
Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter

Episode VII – Das Erwachen der Macht
Episode VIII – Die letzten Jedi
Episode IX
 (folgt noch)
Außerdem hat Disney-Chef Bob Iger bereits verlauten lassen, dass man nach Abschluss eben jeder dritten Trilogie erneut eine Trilogie in den Ring werfen wird, die das ganze Universum dann völlig neu aufarbeitet und quasi mit neuen Charakteren in neuer Umgebung neue Geschichten erfinden wird: Möge der Kapitalismus beginnen!
Aber keine Angst, das hier wird nicht schon wieder ein Disney-Bashing-Artikel, soll aber eine Sache trotzdem ein klein wenig beleuchten: George Lucas gilt allgemeinhin als Erfinder von Star Wars und wurde für sein Vermächtnis an die Filmwelt ja bereits seit Jahren durch Hyper-Fandom und unsäglichen Erfolg geehrt, den u.a. die für damalige Verhältnisse bahnbrechenden Effekte herbeigeführt haben, die heute eher nur unter nostalgischen Gesichtspunkten im Kino noch funktionieren würden (man erinnere sich an die Einmalvorstellungen von Terminator 2 – Tag der Abrechnung, die dieses 1984er Jahre-Gefühl sehr wohl wieder hervorrufen konnten).
Gleichzeitig besitzen die alten Star Wars-Filme von Lucas (also Episode I bis VI) aber auch einen nicht erklärbaren, mystifizierten Geschichtsteil, der durch unsere Hingespinste genährt am Leben erhalten wird und sich bis heute eine große Fangemeinde erkämpft hat. Dieses Fehlen von SciFi-Stumpfsinn, der eben nicht alles in banalen Gut-gegen-Böse-Schlachten enden lässt, hatte etwas Nichtgreifbares, in das wir alle hineingesogen wurden und wo sich jeder Sympathisant irgendwo wohl drin fühlt.
Und damit führt man das Kino seiner Bestimmung zu: Dem Zuschauer etwas zu bieten, dass ihn aus seinem Alltag entreißt und in eine andere Welt wirft, die ihn von seinen aktuellen Sorgen erlöst oder ihm einfach unfassbar gute Unterhaltung bietet.
Und genau das konnte einem Episode VII nicht mehr in der Fassung liefern. Die Seele bekam Kratzer – das Unantastbare von Star Wars wurde heruntermoderiert und auf einmal salonfähig gemacht, kapitalverschlungen, seltsam. Und dieser Fakt machte mir unglaublich Angst.
Jetzt saß auf einmal nicht mehr Gründer, Erfinder und Genie am Drehbuchross, sondern die ganze Sache wurde an Disney über- und somit irgendwie dem Abschuss freigegeben. Die Tatsache, dass selbst der “Geduldet euch noch ein Weilchen, bis wir endlich mit dem Hauptfilm fertig sind”-Zwischenfilm Rogue One besser als der eigentliche Hauptfilm war, spricht eigentlich für ein erbärmliches Armutszeugnis, dass da veranstaltet wurde. Und tatsächlich erzählen mir so ziemlich alle Befragten in meinen unzähligen Kurzinterviews immer das gleiche: Der siebte Teil war definitiv der schlechteste.
Damit wäre Disney zu wünschen gewesen, sie hätten sich mit dem aktuellen Teil voll auf die Schnauze gelegt und den Verkauf von Lucas rückabgewickelt, um diese Legende in Ehren zu erhalten und nicht weiter dem cineastischen Tod zuzuführen – oder auf deutsch: Meine Erwartungen waren unterirdisch!
Überhaupt sind solche Reboots ein heikles Eisen, das in den meisten Fällen dafür sorgt, dass man sich als Veranstalter gehörig die Finger verbrennt. Selten geht so etwas tatsächlich gut, ohne alte Fans zu verärgern oder etwas Niedagewesenes zu egalisieren. Und obwohl die etablierte Presse die Nähe zu Teil 4 und 1 eher lobend erwähnt, ist eben jene Gleichstellung beim Volk negativ aufgestoßen, die hierin nur eine billige Kopie der einstigen Originale sahen und daher eher gelangweilt waren. Warum auch sollte man sich keinen Film ansehen, der heute (2017) immer noch genauso funktioniert wie 1977? Genau daran bemisst sich die Größe, die dem Urwerk angediehen ist und die es auch niemals verlieren wird.
Aber kommen wir zu den erfreulicheren Tatsachen: Die Tagespresse schreibt Scheiße über den neuen Film, was gleichermaßen bedeutet, dass der neue Teil absolut gelungen ist. Ehrlich gesagt ist er in meinen Augen so hervorragend gelungen, dass man auch als Nicht-Fan und bekennender Von-Star-Wars-Gelangweilter auf einmal mega Bock auf die Filme bekommt und sich schielend in Richtung Blu-ray-Regal bewegt, um doch einmal einen Blick darauf zu werfen: Er unterhält nämlich in einer unvergleichbar lockeren Art und Weise, die zwar hämisch und ironisch sein mag, diese Humorspitzen aber super ausgewogen mit der eigentlich niederdrückenden Atmosphäre vom Star Wars-Universum mischt und dem Zuschauer ein mehr als erträgliches Megaspektakel vor die Füße wirft, dass sich – im Vergleich zum Vorgänger – dann auf einmal doch wieder ernst nimmt und sehr viel Augenmerk auf die inhaltlichen Aspekte wirft.
Fraglich ist allerdings, ob diese Filme dann tatsächlich noch an Kids gerichtet sind oder man sich eher darauf besonnen hat, die Einstigen, die damit aufgewachsen sind, wieder abzuholen und ihnen etwas zu bieten, dass sie an ihre Zeiten erinnert und somit Versöhnung mit den Kindern der 80er schließt.
Hier steckt unfassbares Potenzial drin, dass man sehr austariert und optisch beeindruckend auf die Leinwand bringt und damit wieder zum Tummeln in den Foyers der Kinos einlädt, um seine Filme nicht nur lapidar auf Streaming-Portalen zu schauen, sondern tatsächlich im Kreise von anderen Fans zu feiern. Und diese Kultur ist es doch, die Cineasten das Herz aufblühen lässt und beweist, dass auch 2017 Kino noch zu den benötigten Orten gehört, die kulturelle und gesellschaftliche Relevanz haben – trotz all des Onlinewahns, der sich in den letzten Jahrzehnten unter den Menschen so ausgebreitet hat.


Ich persönlich kenne kaum eine Filmreihe, die derlei Reaktionen beim Publikum auslöst, zumindest in regulären Kinos nicht. Das Feeling ist einfach gleich ein ganz anderes, wenn man umgeben von Filmfans ist, die nicht nur zum Schauen, sondern zum Zelebrieren ins Kino kommen und einem dann hinterher auch mitteilen, dass dies nicht die einzige Vorstellung gewesen sein wird, die sie besuchen werden.
In den hastig abgefragten Querschnittsmeinungen heute Nacht ergab sich ein deutliches Bild davon, dass der Film bei diesem Publikum (erste öffentliche Vorführung) sehr deutlich an Sympathien dazugewonnen hat und auch die immense Laufzeit von geschlagenen 152 Minuten wurde von keinem als zu lang empfunden. Im Gegenteil: Man will ja Star Wars und kriegt es auch – und dafür braucht es bekanntlich sehr viel Zeit.
Beim Humoranteil scheiden sich ein klein wenig die Geister: Einige sind der Meinung, man setzt damit zu früh ein, andere meinen, es ist zu viel und typisch Disney, würden sich den Film aber trotzdem nochmal anschauen und das höchstwahrscheinlich sogar gleich dieses Wochenende.
Man spürt deutlich, dass Disney damit das Unfassbare gelungen ist und das Publikum durchaus positiv auf den Streifen reagiert. Man weiß zu überraschen, hat unvorhersehbare Spannungsmomente und führt die Erzählung in Richtungen, die vielversprechend sind und damit Lust auf Kommendes säen. Das Mysterium ist wieder da und ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Saat aufgehen wird und man den Bann erneut erweckt, der die Fans ins Kino zieht und damit über den Erfolg dieses Teils entscheiden lässt. Das kommende Wochenende wird genau das zeigen.
Und bevor ich’s vergesse: Laserschwert-Schlachten nicht in 3D anzuschauen ist ein Frevel!
 

.kinoticket-Empfehlung: Als Nicht-Fan empfiehlt es sich spätestens jetzt, in den Film zu gehen, denn der hat enormes Bekehrungspotenzial und kann einen mit der Saga wirklich anstecken: Meine unterirdischen Erwartungen wurden rigoros übertroffen und exorbitant getoppt.
Die nostalgische Note zur historischen Vergangenheit ist genauso gegeben wie der Schritt in neue Zeitalter, die früher oder später angetreten werden müssen. Man ist endlich wieder locker, offenbart sich in erzählerischen Stärken und liefert so endlich das, was Teil VII bisher nicht bieten konnte.
Star Wars: Die letzten Jedi macht Spaß und schürt unstillbare Gier nach weiteren Teilen. Weiter so!

 
Nachspann
bleibt After-Credits-Scene-frei, als Fan gehört es sich aber nicht, bei der Ausklangsmusik schon aus dem Saal zu rennen.
Kinostart: 14. Dezember 2017

mother!

Phew – jetzt wird’s selbst für Wortakrobaten schwierig. Darren Aronofsky ist ja sowieso kein unbeschriebenes Blatt mehr und für seine zweifellos verstörenden Filme bekannt.
Mit mother! beschreitet nun selbst er neues Terrain, dass im Vorfeld bereits in Venedig für mächtig verstörende Sequenzen in der Weltgeschichte gesorgt hat, was wiederum in vielen Köpfen nun für Unsicherheit und Zurückhaltung verantwortlich ist, der man auf keinen Fall nachgeben, sondern sich eines ganz klar und indiskutabel auf die Fahnen schreiben sollte: Den Film auf jeden Fall im Kino zu besehen, und zwar völlig unabhängig von dem, was jedweder Kritiker – also auch ich – dazu zu sagen haben.
Dass ich dem Mainstream sowieso nicht so sehr zugeneigt bin, hat sich ja inzwischen unmissverständlich herauskristallisiert. Damit ist mother! für alltagshassende Menschen wie mich gefundenes Fressen – und zwar nicht nur, weil ich den Punch in die Fresse der Normalität über alles liebe, sondern es einfach krass ist, wie sehr man die wackelpuddingartigen Persönlichkeiten in ihren Grundfesten erschüttern und mit wenigen Minuten auf der Leinwand völlig aus ihrem Alltagsweltbild herausreißen kann, so dass im Kinosaal nicht nur massenhaft offene Münder, sondern auch jede Menge erschreckte und angstvolle Fuck-Laute zu hören waren.
Und ja – hier bricht das Chaos aus, dass aus einem für mich wieder mal hervorragend inszenierten .teaser nun den dazu passenden Film liefert, bei dem man einfach mal so absolut gar nichts weiß. Auch nicht, wenn man ihn gesehen hat. Auch nicht, wenn man sich hinterher versucht, mit anderen darüber auszutauschen. Und damit ist Aronofsky für mich weiterhin das Genie, das er auch vorher schon war, nur eben jetzt in unglaublich viel besser.
Was genau jeder Einzelne nun in die immer eskalierenderen Szenen hineininterpretieren möchte und wie man sich den Plot hinterher selbst zurechtlegt, um daraus ein funktionelles Konstrukt zu machen, dass irgendwie in die Gedankengänge eines jeden passt, bleibt dem Zuschauer für sich überlassen.
Diese Abartigkeit (und ja, ich weiß, dass dieses Wort bei mir inflationär oft benutzt wird) bekommt mit mother! eine völlig neue Dimension, die anfangs verstörend, im Mittelteil verstörender und am Ende wortlos und unbeschreiblich wird, sich aber dennoch irgendwie zum Großen Ganzen zusammenstückelt.
Die Phasen der emotionalen Durchleuchtung einer Sache gereichen hier in Höhen, in denen normalerweise auch die Gedanken von Genies nichts mehr zu suchen haben – und überschreiten damit keine Grenzen mehr, sondern dringen in verbotene Zonen vor, die sich auch nicht mit FSK-16 Freigabe rechtfertigen lassen.
Ihr spürt so ein wenig meine unfassbare Begeisterung für dieses absurde Werk? Ich liebe es und werde mir wohl immer wieder davon ein Bild machen können. Wer weiß – vielleicht schaffe ich es noch in diesem Jahrhundert, mir einen passenden Reim darauf zu bilden und mich so tief in die Kaninchenlöcher vorzubeißen, dass ich irgendwann in den tiefsten Wurzellöchern den Anfang dessen finde und alles verstehe – und wenn es mein Leben kostet.
Genau das gehört für mich in die Kinosäle, die aus Gründen schwarz und nicht weiß sind. Genau das gehört für mich in jedes Wochenprogramm jeden Kinos, weil da eben mal nicht die Masse bedient und der familienfreundliche Schwulst übellaunig zusammengepresster Standard-Mainstreamscheiße mit einem passenden Namen versehen in die Scheinproduktionsmaschine geworfen wurde.
Hier offenbart sich eine völlig neue Interpretation von was auch immer, dass ohne Gnade und Erbarmen seine Schläge in die Gedankengänge normaler Menschen austeilt und damit auf Eskalation setzt, die ich liebe und vergöttere.
Und während am Markt geschlossene Unentschlossenheit darüber herrscht, ob man dem Werk nun Genialität oder Unfähigkeit attestieren soll, treibe ich mich wieder und wieder in die dunklen Höhlen der Glückseligkeit, um mir dieses Schauspiel wieder und wieder einzuverleiben.
Es ist der Gnadenschuss für die tödliche Allgegenwärtigkeit, die immer unerträglicher in den Lungen der Gesellschaft für den Erstickungstod sorgt und somit sogar den Standard-Zombies das Sterben neu beibringt.
Und da stehe ich daneben und man hört in den apokalyptischen Rängen am Ende der Welt das einsame Applaudieren eines glückseligen Jungen, der Kino über alles liebt: Meins.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn ein Film dieses Attribut je tatsächlich verdient hat, dann dieser: Abgefuckt!
Aronofsky inszeniert hier mit meiner Lieblingsschauspielerin Jennifer Lawrence einen Reigen von Unverständnis, Desillusion und Normwidrigkeit, dass unterbrechungsfrei mit größter Aufopferung in die Klöten der Natürlichkeit tritt und uns damit das präsentiert, das ich auf dem höchsten Stuhl der Verehrung einmeißeln würde: mother!
Wer behauptet, er habe den Film verstanden, lügt.
Wer nicht ins Kino spaziert, um ihn sich dort mit Gurten am Sessel festgeschnallt anzusehen, ist blöd.
Wer anderen irgendetwas darüber erzählt, sollte besser seine Fresse halten und dafür sorgen, dass sie trotzdem ins Kino gehen.
Und darum vergesst, was ich oben darüber geschrieben habt und geht rein. Bitte!

 
Nachspann
sollte man bis zum Schluss anschauen und mir dann eine E-Mail schicken und erklären, was das alles soll. Im Ernst – kann damit jemand was anfangen?
Kinostart: 14. September 2017

Barry Seal – Only in America (mit Gewinnspiel)

Gleich zum Gewinnspiel? Dann einmal bitte ganz nach unten scrollen … 😉
Nachdem uns in Die Mumie Tom Cruise alle so wahnsinnig negativ begeisterte, wird es Barry Seal – Only in America unglaublich schwer haben, mit ihm als Frontmann wieder Punkte beim Publikum abzugreifen oder generell die Säle gefüllt zu kriegen. So zumindest mal meine Vermutung.
Und das ist schade, denn dieser Film hätte ausgebuchte Vorstellungen unglaublich verdient. Der Hype um diesen kontroversen Darsteller wird im Film nämlich absolut beiseite geschoben und einer Erzählung Platz gemacht, die es wert ist, von den Menschen gehört zu werden.
Dem Zuschauer hierzulande bleibt wohl nur der Vorschuss an Vertrauen, wenn man erklärt kriegt, dass diese Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht, die von Produzent Doug Davison und Drehbuchautor Gary Spinelli aus den Akten hervorgekramt wurden. Ich möchte nicht mal abschlagen, dass es sich hier tatsächlich um Tatsachen handelt, denn – wie jeder so schön aus dem Filmregelwerk weiß – ist eine Geschichte dermaßen bizarr, kann sie nur wahr sein.
Und dazu gesellt sich dann ein unglaublich frischer, spaßig aufgelegter und gute Laune verbreitender Tom Cruise, der wie aus einem anderen Holz geschnitzt zu sein scheint und hier mit Frohsinn und Leichtigkeit seine Rolle spielt, die den Patzer aus seinen vorherigen Werken leicht vergessen lässt.
Und obwohl es eigentlich um seine Person geht, steht er als Persönlichkeit vollständig im Hintergrund und überlässt wieder dem Charakter, den er darstellen soll, das Spielfeld. Die Selbstbeweihräucherung fehlt und genau das gibt Barry Seal so unglaublich viel Auftrieb.
Man hat als Zuschauer enorm viel zu lachen, zu staunen, zu bewundern und zu sehen, dass die die Laufzeit von 115 Minuten wie im Flug vergeht. Und das Prädikat “Besonders wertvoll” wurde auch zu recht verliehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Cruise ist wie ausgewechselt und verbreitet auf einmal ganz andere Stimmung im Kino.
Der Film ist intelligent, unglaublich, wahnsinnig unterhaltsam und unfassbar und damit ein Garant für einen gelungenen Kinoabend mit der Freundesclique.
Also .kinoticket gekauft und ab in die Kinos!

 
Nachspann
bringt keine weiteren Überraschungen mit, wer also unbedingt raus muss, darf dies konsequenzlos tun.
Kinostart: 7. September 2017

* * GEWINNSPIEL * *

Universal Pictures hat euch fünf Plakate zur Verfügung gestellt, die euch den Kinostart von Barry Seal versüßen. Wie kommt ihr dran?
Ganz einfach unter diesen Beitrag oder auf Facebook im Post euren Lieblingsfilm kommentieren, in dem Tom Cruise mitgespielt hat. Die Auswahl ist ja groß.
Hier mal eine kleine Auswahl:

Es zählen alle Kommentare, die bis einschließlich 10. September 2017 unter einer der beiden Beiträge eingegangen sind. Kommentieren mehr als 5 Personen, entscheidet das Los. Ein Anspruch auf Barauszahlung des Gewinns besteht nicht.
Facebook oder andere Seiten / Firmen sind nicht in das Gewinnspiel involviert. Die Verlosung wird ausschließlich durch www.kinoticket-blog.de ausgeführt und die zu verlosenden Plakate von Universal Pictures International gestellt.
Ich wünsche jedem von euch viel Glück und natürlich mega viel Spaß und beste Unterhaltung im Kino bei Barry Seal – Only in America.
Ben

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén