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Meine Welt ist die Musik – Der Komponist Christian Bruhn

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© 2019 Filmperlen

Christian Bruhn – Hand aufs Herz – wer kennt ihn? Eine Persönlichkeit wie ich, deren Haupt-Playlists aus Scores und Original Soundtracks bestehen, kennt Namen wie Hans Zimmer oder Alexandre Desplat aus dem FF, aber auch ich tu mich mit Musikgrößen – und dazu noch deutschen Legenden – schwer, die Christian Bruhn heißen.

Man kennt seine Werke – das durchaus. Stücke wie Timm Thaler, Captain Future, Alice im Wunderland, Heidi oder berühmte Werbejingle wie Milka, Zott, McDonalds, Maggi und Co. und dazu … und da kommt der Haken: Jede Menge Schlager.

“Marmor, Stein und Eisen bricht”, “Liebeskummer lohnt sich nicht”, “Zwei kleine Italiener”, “Wunder gibt es immer wieder”, “Ein bisschen Spaß muss sein”, “Wärst du doch in Düsseldorf geblieben”, “Er ist wieder da” und und und …

Hat’s jetzt geklingelt? Dacht’ ich’s mir. Unterbewusst kennt ihn jeder … und das macht ihn zum heimlichen Star, der selbst niemals Wert auf Presse-Aufmerksamkeit gelegt hat und dennoch so viel Künstlerisches in seinem Leben verbrochen hat, dass ihn wahrscheinlich auch noch 1000 Generationen später jeder kennen wird. Unterschwellig. Versteht sich.

Meine unbewusste “Abneigung” gegen ihn kann ich mir selbst auch erklären: Ich arbeite in der Gastronomie und habe das, was andere 1 Wochenende im Jahr machen – einmal ausgelassen irgendwo in den Bergen feiern – quasi fast jeden Tag um mich rum. Nüchtern. Im Dienst.

Test gefällig?

“Wuuuunnder gibt es immer wieeeeeder ….”
“Wuuunder gibt es immer wieeeder….”
“Wunder gibt es immer wieder …” “Wunder gibt es immer..” “WUUUUNDER gibt es immer WIEEEEDERRRRRR” “Wunder gibt es immer…” “Wun….” “WUNDER gibt es immer wieeeed.” “Wunder gibt es immer wieeeeeder…”

Nervt’s schon? Wir sind erst beim ersten Abend. Geht man mal von durchschnittlichen 20 Tagen im Monat aus und rechnet das hoch auf die Zeit, die ich das schon mache, landen wir irgendwie bei 2400-2500 …

Irgendwann KANNST du den Scheißdreck nicht mehr hören und die ewig gleichen dämlichen Songs kotzen dich einfach nur noch an. Nicht weil sie schlecht sind, sondern weil die 1 Milliardste Wiederholung es eben auch nicht noch besser macht. Und just kündigt sich ein neuer „Musiker“ an und spielt auf: „WUUUUNDER GIBT ES IMMER WIEEEEEEDER….“ 😉

Okay, jetzt vielleicht nicht zwingend mit diesem Song, aber unter den 2500 Schlagern, die Christian Bruhn verbrochen hat, sind genügend dabei, mit denen es mir da so geht.

Erstaunlicherweise ist die Dokumentation über sein Leben deshalb aber nicht minder unspannend: Sehr viel mehr braucht es einfach seine Zeit, bis dich der Film in seinen Bann zieht. Und ein klein wenig Nachwirkzeit ebenfalls. Mit seinen 80 Minuten gehört der jetzt nicht zwingend zum mittlerweile überbotenen 120-Minuten-Standard, was einerseits ziemlich erfrischend ist, andererseits dennoch Phasen auftauchen, wo man meint: „Okay, was willst du eigentlich sagen?“

Man sieht minutenlang dabei zu, wie sie durch irgendwelche Gegenden spazieren, Dinge erzählen, dass sie hier früher mal gewesen sind oder uns ein „alter Mann“ einfach sein Dasein zeigt. Der Clou kommt eigentlich erst mit der Musik: Hier wird‘s spannend … und zwar trotz dass du die Titel einfach nicht mehr hören kannst.

Wer was wann wie wo und warum löst tatsächlich irgendwie Hysterie aus. Dazwischen merkt man aber auch leichte Unbeholfenheit und Figuren, die in dem Film einfach nichts zu suchen hätten. Und einen großartigen Höhepunkt hat der Film auch, mit dem ich viel mehr Sendezeit gefüllt hätte… da wir hier aber vom Metier Hofer Filmtage und somit absoluten Beginnern sprechen, sei euch verziehen 🙂

.kinoticket-Empfehlung: Am Ende macht‘s alles Sinn, dass man diesem Mann ein filmisches Porträt gespendet und ihn ein wenig vor die Kamera geholt hat: Nicht zuletzt deshalb, weil man dann eine Vielzahl an Titeln wesentlich besser versteht und ihre Entstehungshintergründe kennt.

Viele teils unwichtige Belanglosigkeiten hätte ich aber weggelassen: Hier kommt oft das Gefühl auf, man hat nichts zu sagen und muss es künstlich auf VIP bügeln, um irgendwie Relevanz zu erlangen. Der Schuss geht nach hinten los, der Film – mit etwas Bedenkzeit danach – bleibt aber in Erinnerung.

Nachspann
✅ Ihr seid in einem musikalischen Film, dann nehmt auch die Musik am Ende mit – auch wenn keine weiteren Bilder mehr folgen.

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Meine Welt ist die Musik – Der Komponist Christian Bruhn
Length: 80 Min.
Rated: FSK 0

Auf der Suche nach Ingmar Bergmann

Auf der Suche nach … Margarethe von Trotta könnte dieser Titel auch heißen, zumindest, wenn man sich die 50% des Films ansieht, die sich nicht mit Ingmar Bergman beschäftigen, sondern mit der Regisseurin Margarethe von Trotta. Damit keine Missverständnisse entstehen: Ich habe nichts gegen diese Frau. Ich finde nur, wenn man einen Film so nennt wie diesen, sollte man sich dann auch mit Ingmar Bergman und seinen Gepflogenheiten beschäftigen und nicht ständig ellenlange Szenen einbasteln, die sie in ihrer Schönheit durch Paris spazierend zeigen oder sich sonst in einer Form mit ihr beschäftigen.

Auf mich wirkte das stellenweise wie das Insta-Video einer Girl-Clique, die sich selbst feiert und ihren Idolen auf der Spur ist. Als wäre es kein Film von … sondern eine Selbstinszenierung von … und das machte das eigentlich ansonsten hervorragende Werk doch ein ganz klein groß wenig viel kaputt. Die Passagen, die sich tatsächlich mit Ingmar Bergman beschäftigen, sind nämlich spannend und verfolgen einmal den Gang des Films in die Epoche des Kinos und zeigen hier die Anfänge allen Seins, was selbst für unsere Generation heute interessant wäre. Auch, wenn man sich deshalb jetzt nicht zwingend seinen Filmen zuwenden möge (Geschmackssache), so ist doch der Ursprung allen Seins aus kinotechnischer Sicht definitiv einen Einblick wert.

Die andauernden Narzissmus-Phasen stören dabei halt gewaltig. “Uh, yeah, dort haben wir das, und da haben wir das … und geil war’s” – so etwas kennt man heute tatsächlich von Best Buddies, die zum Tomorrowland-Festival reisen und sich selbst dabei aufnehmen. Ganz nett, wenn man so etwas sehen möchte, dann ist aber der Titel gewaltig irreführend und diese Selbstdarstellung ist nicht nur mir negativ aufgefallen.

Sollte man sich beim Kauf des .kinotickets also für diesen Titel entscheiden, dann mit dem Wissen, dass hier zwei Persönlichkeiten großartig im Vordergrund stehen. Wer’s positiv sehen will, bekommt eben gleich zwei zum Preis von einem – dafür dann jeweils nur halb so lang.

 

.kinoticket-Empfehlung: Selbstinszenierung meets hervorragende Recherche über Ingmar Bergman.

Das Werk liefert spannende Einblicke in die anfänglichen Entwicklungen des Films hin zum Kino und durchmischt sich mit girliehaftem Erinnerungsgeplänkel über alte Zeiten, die ein Massenpublikum kaum interessieren dürften. Aber wer weiß, vielleicht releast Frau von Trotta das Ding ja nicht auf Blu-ray, sondern in ihrem Instagram-Kanal, da wäre sie dann der absolute King mit ihrem Werk. Wir werden sehen.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgen keine Szenen oder Bilder mehr.

Kinostart: 12. Juli 2018

Original Title: Searching for Ingmar Bergman
Length: 99 Min.
Rated: FSK 12

The King – Mit Elvis durch Amerika

Was soll ich dazu sagen?
Manch einer erwartet jetzt vielleicht wieder eine Musikdoku. Manch einer erkennt Elvis und fühlt sich zurückerinnert an das schräge Zeitalter, wo es scheinbar nichts anderes gab – und denkt sich, darüber wurde jetzt wohl ein Film gedreht.
Andere schauen sich das Plakat an und fragen sich: Was hat Ethan Hawke, Ashton Kutcher oder Alec Baldwin mit Elvis zu tun?
Na vielleicht reisen sie. Immerhin heißt es ja “Mit Elvis durch Amerika”, es kann also nur …
Leute? Vergesst es!
Es ist viel besser!
Richtig, richtig abgefuckt geil!
Ich habe noch niemals – wirklich noch niemals – eine so verschachtelte, anspruchsvolle, ineinander verwobene und abstrus konstruierte Dokumentation im Kino gesehen, die ein so scheinbar plattes Thema hat.
Der Anspruch, den man sich hier selbst gesetzt hat, zur elitären Elite der Eliten zu gehören und etwas abzufeiern, das weit entfernt von dem ist, was damals passierte, ist mehr als gelungen.
Dieser Trip ist außergewöhnlich – und es lohnt sich definitiv, den Gang ins Kino auf sich zu nehmen! Man ist nämlich keine Elite, sondern einfach nur verdammt gut! Was hier gemeistert wurde, muss gesehen werden – und die Botschaft ist höllisch geil! Glaubt mir, auch wenn es anfangs vielleicht schwer fällt, in die Sache einzusteigen – am Ende werdet ihr es nicht bereuen. Zumindest nicht, wenn ihr auf Filme mit Köpfchen, Sinn und Verstand steht.
Im Leben wäre ich nicht auf die Idee gekommen, genau das in dieser Art und Weise zu erzählen … und schon gar nicht hätte ich es geschafft, das so gelungen rüberzubringen … ich meine: Am Ende geht man echt mit Plausibilität vollgefrühstückt wieder aus dem Saal und denkt sich einfach nur: Wie geil war das denn bitte jetzt?
 

.kinoticket-Empfehlung: Tut euch selbst den Gefallen und sucht das Kino, das diesen Titel definitiv im Programm hat.
Ich habe noch niemals eine großartigere Dokumentation über so etwas gesehen, geschweigedenn diese geniale Verkettung von ineinander verwobenen Verflechtungen darin exhumiert. Dieser Trip ist Adrenalin für das Gehirn – holt euch eure Dosis und feiert dieses Werk genauso ab wie ich!

 
Nachspann
endet smooth, ihr müsst also nicht sofort aufspringen – lasst euch ein wenig Zeit.
Kinostart: 19. April 2018

Unsere Erde 2

Vor Jahren hatte ich mal einen amerikanischen Mentor, der mir eine neue Sicht auf die Dinge in der Welt geschenkt und damit mein Leben nachhaltig verändert hat. Er brachte mir bei, dass die meisten Menschen einfach nur von Grund auf negativ eingestellt sind und diese Einstellung täglich durch das, was sie geistig konsumieren, neu erschaffen.
Schaut man die Nachrichten, hört man den Menschen beim Saufen zu, lauscht man aufmerksam im Café oder erzählt mit Menschen im Umfeld, wird dieser Negativismus durch immer mehr und konsequente Bestätigung gefüttert und dadurch entsteht ein total einseitiges Bild unserer Welt, die im Großen und Ganzen dazu verdammt ist, auf die Apokalypse zuzurennen – und außerdem ist sowieso alles verloren.
Mein Mentor brachte mir bei, dass es Möglichkeiten gibt, diese geistige “Programmierung” zu verlassen, indem man sich die Welt wieder gerade rückt und einfach mal nach den Dingen Ausschau hält, die schön sind und über die nicht in den 8-Uhr-News berichtet wird.
Dabei hat er mir – witzigerweise – einige Ausschnitte aus Planet Erde gezeigt, die die Schönheit und Vollkommenheit unseres Planeten in seiner schöpferischen Vielfalt und biologisch explodierenden Stärke zeigen – mit Wundern, die die Welt bis heute noch nicht in diesem Ausmaß gesehen hat.
Wer sich mit Dokus einigermaßen auskennt, weiß, dass die BBC hier das Maß aller Dinge ist und quasi im Alleingang die oberste Liga abdeckt und ausmacht. Zudem handelt es sich bei der Planet Erde-Reihe (es gibt ja mittlerweile zwei TV-Serien und – mit diesem – zwei Kinofilme) innerhalb der BBC nochmal mit Abstand um die beste Dokumentationsreihe, die dieser großartige Sender hervorgebracht hat.
Hier steckt Geld drin – richtig Geld. Und nicht nur das: Es ist ein vollkommenes Beispiel für grandiose Recherche und ein Ausmaß an Produktionsarbeit, dass so mit Sicherheit kein weiterer Film genießt! Allein die Zeit, die man mit filmen und suchen, warten und finden verbracht hat, dürfte abendfüllende Lektüre sein.
Und hier ist es nicht so wie mit den von der Stange runter produzierten Blockbustern, wo alle 12 Monate ein neues Werk auf den Füßen stehen muss, sondern man hat sich tatsächlich die Zeit genommen und das Beste daraus gezogen. Die Leidenschaft und Hingabe, mit der das Planet Erde-Team gearbeitet hat, ist nach wie vor die gleiche, nur die Technik hat sich maßgeblich verbessert und ermöglicht nun Einblicke in die Natur, wie sie – auch wenn es sich wie ein dämlicher Werbespruch anhört – die Welt bislang noch nie gesehen hat!
Es zählt also fast schon zur Pflicht eines jeden, sich in das nächste Kino zu setzen und dieses Wunder der Natur zu bestaunen, denn wieder einmal werden euch alle Strapazen dafür von den Schöpfern und unzähligen Tierfilmern abgenommen und ihr braucht nur den Gegenwert von zwei Latte Macchiato auf den Tresen blättern und könnt ein grandioses Werk genießen, dass den Besuch im Kino definitiv lohnenswert macht.
Einziger Kritikpunkt meinerseits: Günther Jauch. Ja, ich liebe den Mann, ich mag seine Sendungen, er ist für mich eine glaubwürdige und beständige Größe im TV und ich mag ihn als Person. Allerdings hat uns nicht nur die BBC in den letzten Jahren dazu erzogen, Dokumentationen mit anderen Stimmen in Verbindung zu bringen – Jauch ist dafür einfach zu “liebenswert” und “lasch” in seiner Stimmlage, die nichts mehr mit majestätischer Präsentation zu tun hat, sondern wahrscheinlich einzig auf seine Bekanntheit abzielt, was letztendlich für die deutsche Version dieses Meisterwerks kein guter Schachzug gewesen ist.
All das ändert aber nichts daran, dass der fast ausverkaufte Saal beständig “Wahnsinn”, “Das gibt’s doch nicht” etc. ausgerufen hat und permanent vor Verblüffung mit dem Kopf geschüttelt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer keine Zeit dazu hat, sich Planet Erde 2 als TV-Staffel anzusehen, sollte die Chance nutzen und quasi die Zusammenfassung als Kinofilm bestaunen.
Zudem wirken diese Bilder auf der großen Leinwand umso beeindruckender, was den Gang ins Lichtspielhaus zusätzlich bedingungslos rechtfertigt.

 
Nachspann
Smoother Abgang, geht also nicht sofort raus, sondern verlasst den Saal gemütlich.
Kinostart: 15. März 2018

Hannah

Kürzlich habe ich einen Ausspruch gehört, der sich darauf bezog, dass man die Religionen auf der Welt einfach verbieten sollte, denn es hat noch niemals Anschläge im Namen des Atheismus gegeben, noch wurden im Namen dessen Menschen verletzt oder irgendjemandem Schaden zugefügt.
Je länger man darüber nachdenkt, umso wahrer wird für einen dieser Ausspruch, so man sich die existierenden Welt-Religionen einmal ansieht und deren Geschichte hinterfragt. Die einzigen, die da ein klein wenig hervorstechen, sind die Buddhisten, deren Lebensweise meiner Aussage nach noch am Defensivsten ist, sprich: Sie kümmern sich sehr wohl um die Ausübung ihrer Religion und Verbreitung ihres Gedankenguts, die missionarischen Attitüden bleiben hier aber auf der Strecke.
Wo Moslems, Christen, Islamisten und andere Religionen durchaus provozieren, bekehren oder sogar mit Tod wegen Unglauben drohen, hört man vom Buddhismus… nichts. Und genau dieser Defensivismus machte mir den Glauben schon seit jeher sympathisch, auch wenn ich seinen Lehren selbst wenig abgewinnen kann.
Hier dürfte man jetzt eine Grundsatzdiskussion über das Hilfreich-Sein vs. die dekonstruktive Realität von Religionen starten, aber das will ich an dieser Stelle gar nicht.
Fakt ist: Buddhismus existiert und wir im Westen wissen reichlich wenig über die Hintergründe und Zusammenhänge – ganz zu schweigen über die Probleme und kritischen Auseinandersetzungen mit dieser Religion, die lobenswerterweise auch in dieser Dokumentation nicht zu kurz kommen.
Nun bin ich ein kleines, leicht geschädigtes Kind, was Buddhismus betrifft, da ich früher in der Schule eine Religionslehrerin hatte, deren Ziel es scheinbar war, möglichst viele Schüler zum Zen-Buddhismus zu bekehren und die sich aus Objektivität nicht viel gemacht hat. Als generell kritischer Beobachter solcher Bewegungen bin ich deshalb Informationen aus allen Ecken und Enden der Welt immer aufgeschlossen, weil ich finde, dass man niemals über etwas urteilen sollte, so man es nicht wirklich von “innen heraus” kennt.
Und genau da leistet Hannah unglaubliches: Eine Geschichte über die Frau, die maßgeblich dazu beigetragen hat, den Buddhismus verständlich zu machen und in der Welt zu verbreiten – und zwar aus “erster Hand”. Also keine Gerüchte oder Vorurteile, sondern reale Erlebnisse dokumentarisch aufgearbeitet und nicht heilig präsentiert, sondern durchaus mit provokanten Konfrontationen ausgestattet als Komplettpaket serviert, nach denen man zwar kein Buddhist ist, aber definitiv mehr Verständnis für diese Religion hat.
Was mir positiv aufgefallen ist: Der Friede, der hier oft an erster Stelle steht, verankert in den historischen Bewegungen dieser Zeit, wird auch im Film gut transportiert und auch als Religionskritiker ist man hinterher nicht angepisst, sondern fühlt sich erstaunlich gut informiert, weil eben auch die negativen Seiten dieser Religion nicht zu kurz kommen und schlussendlich alles Menschen sind, die überall ihre Probleme haben.
Damit erzählt man zwar über eine Frau, die dem Buddhismus ihr Leben gewidmet hat, behält aber trotz der religionslastigen Thematik eine wunderbare Objektivität, die aus Hannah meiner Meinung nach ein sehenswertes Stück Filmgeschichte macht, dass für mehr Verständnis und Liebe untereinander sorgt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn man sich nicht großartig für Religionen und deren Ursprünge interessiert, ist diese Dokumentation in meinen Augen ungeheuer wichtig, da sie viel zur Völkerverständigung und dem friedlichen Miteinander-Auskommen beiträgt, in dem sie Vorurteile und Halbwissen durch Tatsachenberichte und Wissensschaffung beseitigt.
Besser kann man nicht an die Glaubens-Diversität herangehen, was Hannah zur sehens- und lobenswerten Dokumentation macht, die gerne viele Zuschauer in Empfang nehmen darf.

 
Nachspann
Sitzenbleiben zwecklos, gebt den Kinosaal zum Reinigen frei und nehmt euren Müll selbst mit raus.
Kinostart: 18. Januar 2018
Kinotermine: http://wfilm.de/hannah/kinotermine/

Julian Schnabel

Wer hier schon eine Weile mitliest, wird bemerkt haben, dass ich persönlich ein klitzekleinwenigviel für Kunst, Farben, Formen und sowas übrig habe – es nahezu vergöttere, da meiner Meinung nach in diesem spielerischen Ausdruck des Lebens die wahren Werte verborgen sind, die die Menschen unterschwellig – oder ganz offensichtlich – berühren und Emotionen in ihnen auslösen, die das Leben einfach ausmachen.
Wer in der Kunstszene unterwegs ist, wird seinen Namen womöglich auch kennen, für mich war er durch die Entdeckung in den Kinos völlig neu – und ich bin von Beginn an mega begeistert über ihn gewesen: Julian Schnabel.
Dieser Film ist – wie der Titel bereits sagt – ein persönliches Portrait über ihn, seine Schaffensweise und seine Ideen – eine Form der Dokumentation, die ich persönlich niemals so nennen würde, denn man taucht förmlich in seine Gedanken ab und bekommt einen sehr intimen Einblick in seine Schaffensweise und Welt und darf teilhaben an den verschiedenen Stationen und Kunstwerken seines Lebens.
Und da dieser Mann sehr vielseitig talentiert ist, wird es auch niemals langweilig – allein das Betrachten der verschiedenen Szenen löst vieles in einem aus und man fühlt sich nach dem Film unglaublich inspiriert, umsorgt und kunstvoll geborgen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch für Nicht-Kunst-Interessierte ein Film, den man sehr wohl ausprobieren sollte, wer weiß, vielleicht entdeckt man ja neue Vorlieben darin.
Allein seine Kunstwerke sind es wert, gesehen zu werden und der staubige Beigeschmack einer seltsamen Doku über Kunst und Museen bleibt hier vollkommen aus: Spannend bis zum Schluss und unfassbar inspirierend.
Definitive Sichtungsempfehlung!

 
Nachspann
Klassisch ohne After-Show. Rausgehen erlaubt.
Kinostart: 11. Januar 2018

LUX – Krieger des Lichts

Ich werfe mal zwei Aussagen in den Raum:

  1. Debütfilm
  2. Gewinner des Heinz-Badewitz-Preises der Internationalen Hofer Filmtage 2017

Spitz drauf gemacht?
Okay, noch eine: Superheldenfilm.
Und damit sind wir schon voll bei der Sache. LUX – Krieger des Lichts behandelt Identität, Alltag, Menschsein, Sozialsein, Verdrängung, Suche und Realität und lässt dabei den typischen Marvel-Klassiker ins Kiez münden, was bei mir gleich mal folgende Fragen aufwarf:

  1. Ist der Typ echt? Gibt’s den wirklich?
  2. Handelt es sich hier um Dokumentation? Fiktion? Beides?
  3. Sollte das nicht echt sein, warum macht sich jemand Gedanken um so etwas?

Tatsache ist: Wir haben es hier mit einem unfassbar genialen Projekt zu tun, das sich Filmemacher Daniel Wild auf die Fahnen geschrieben und als fertiges Produkt ans Publikum ausgeliefert hat, was viele Fragen aufwirft und zugleich durch Eigenvorbild beantwortet.
In einer Zeit, in der die Suche nach der eigenen Identität, dem Selbstbestimmtsein, dem Individuellen ganz oben auf der Tagesordnung steht, vergisst man oft, dass genau das jeder andere um einen herum auch tut und man damit per Massendefinition wieder in einem Pfuhl aus Gleichheiten landet, die eben nicht individuell bestimmt, sondern fremdgesteuert sind.
Was ist wichtig in unserer Zeit? Welche Komponenten braucht das Leben, um der Menschlichkeit genügend Raum zu bieten, sich zu entfalten?
Wie weit kann man dabei gehen?
Welche Konsequenzen hat es, wenn man Menschen in ihren Gefühlen an den Rand ihrer Existenz bringt und sie dann gnadenlos schlachtet?
Fragen, denen sich LUX – Krieger des Lichts in seiner unverblümt ehrlichen, schroffen und authentischen Erzählstrategie widmet und sie dem Zuschauer unverdaut in die Hand legt. Dabei werden moderne Elemente genauso beachtet und gleichwohl Augenmerk auf den Status und die Einflussnahme von Medien und moderner Kommunikationskultur gelegt.
Wieviel also ist ein Mensch wert? Was macht ihn zum Menschen und nicht nur zu einer Marionette innerhalb eines Systems unübersichtlicher Ignoranz und Selbstverliebtheit?
Diesen Dingen geht Wild mit leidenschaftlichem Ehrgeiz und einer völlig neuen Herangehensweise auf den Grund. Was anfangs noch als “merkwürdig” rüberkommt, erschließt sich im Laufe des Films automatisch und findet seine Erklärung in einem völlig absurden und damit realistischen Ende, was sowohl Anprangerung als auch Appell an jeden einzelnen ist, seine Verhaltensweisen zu hinterfragen und sich in seinem Denken ggfs. neu auszurichten.
Und damit landet man einen Coup, der einerseits lachhaft, andererseits todernst ist und – Fiktion oder nicht (ich löse es bewusst mal nicht auf) – jeden einzelnen auf seine Weise erreicht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieses illustre Stück startet diese Woche in ausgewählten Kinos und sollte zahlreich von euch besucht werden, denn die anfangs anmutende Unfähigkeit eines überbordenden Superhelden mündet alsgleich in Sympathie und Zuneigung.
Erst im Verlaufe des Films merkt man, wie eigentlich charaktergleich LUX im Vergleich zu Marvel’s Superhelden ist, was ihn nicht nur sofort ins Herz schließen lässt, sondern vielfältige Fragen aufwirft, für die man sich ruhig in einem Kino Zeit nehmen sollte.
Als Debütfilm wirklich gelungen und zu recht mit einem Preis ausgezeichnet.

 
Nachspann
lohnt nicht abzuwarten, hier kommt nichts weiter.
Kinostart: 4. Januar 2018
Kinofinder: Deutschlandweit in diesen Kinos*

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Die Reise der Pinguine 2

Zwölf Jahre ist es nun her, dass sich Regisseur Luc Jacquet an die Antarktis aufgemacht und das Leben der Pinguine dort filmisch dokumentiert hat.
Mit 25 Millionen Zuschauern weltweit, davon 1,4 Millionen allein in Deutschland gehörte diese Aktion zu den erfolgreichsten in der Geschichte der Dokumentation. Fasziniert vom Leben und dem Anmut dieser Tierchen packte ihn 2015 erneut die Reiselust und er machte sich mit Team und 4K-Kameras sowie Drohnen und Unterwasserequipment auf, um seinen tierischen Freunden erneut zu begegnen und faszinierende Aufnahmen von ihnen für die Nachwelt festzuhalten.
Ich mein: Man muss sich mal auf der Zunge zergehen lassen, was dafür notwendig ist: Filmisches Equipment, dass dazu in der Lage ist, mehrere Tauchgänge an der Antarktis – dem so ziemlich feindlichsten Lebensraum überhaupt – zu überstehen und dabei noch hochwertige Bilder in gestochen scharfem 4K zu liefern, damit unsereiner gelangweilt ins Kino rennen kann, um sich davon berieseln zu lassen.
Was mir da auf der Leinwand begegnet ist, war ein sehr angenehmes, narratives Erlebnis, dass die Enttäuschungen, die einige beim ersten Teil empfanden, sanft dahinwehen ließ und sich nunmehr aufs Beobachten konzentrierte, so dass man tatsächlich die Wunder des Lebens weit entfernt auf unserem Planeten bestaunen und ihnen so nah sein kann, wie sonst nie.
Es ist nicht nur eine herzerwärmende Geschichte, sondern sie ist auch frei von jedwedem “Ach, ist der süß”-Kitsch, den viele an dieser Stelle vielleicht erwarten würden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wem das Geplänkel mit Vorschauen und Werbetrailern im Fernsehen zu viel ist und wer sich einfach mal ungemein viel Zeit für etwas Wunderschönes nehmen will – oder sogar durch den Kauf eines .kinotickets folgende Filme dieser Art supporten möchte, der sollte genau dies tun und auch beim zweiten Teil zeigen, dass die Lust auf derartige Momente immer noch vorhanden ist.

 
Nachspann
hält keine weiteren Momente bereit.
Kinostart: 2. November 2017

(Trailer) WEIT. Die Geschichte von einem Weg um die Welt

Willkommen zurück zum Trailer-Sonntag auf .kinoticket-blog.de – heute mit einem außergewöhnlichen Kinostück, dass mich nicht nur persönlich mehr als fasziniert und bewegt hat, sondern auch gefühlt die komplette Gegend meiner Heimat in seinen Bann gezogen hat (der Saal war restlos ausverkauft + Warteschlange hinten dran!).
Darum auch diesmal ein .trailer, dessen Wartezeit kürzer ist denn je, denn die Screenings sind bereits in vollem Gange und sollten von euch so oft und viel genutzt werden wie nur irgend möglich.
 
[vimeo 211668510 w=640 h=360]

WEIT. Trailer präsentiert von © weit on Vimeo

 
Warum man den Film gesehen haben sollte:
Ich spreche aus eigener Erfahrung, da auch ich schon viele Länder bereist und viel von der Welt und anderen Kulturen gesehen habe und so manche Aussage durchaus mit eigener Erfahrung bestätigen kann:
Die Welt ist längst nicht so, wie sie uns hier in Europa in den Medien präsentiert wird, sondern man entdeckt sehr viel – nicht nur über andere Menschen, sondern vor allem über sich selbst, wenn man reist.
Reisen verändert dich – du kommst als anderer Mensch wieder zurück und bist in vielen Dingen gewachsen.
Reisen zeigt dir, was wirklich Schwierigkeiten und Probleme sind und lässt deinen Alltag ganz anders aussehen, als du ihn vorher vielleicht in Erinnerung hattest.
Diese beiden nehmen dich mit auf ihren ganz persönlichen Trip und erzählen dir Dinge, die du ganz sicher nicht auf dem Schulhof mitkriegst oder dir auf Arbeit erzählt werden.
Du bekommst die Chance, Einblicke in fremde Länder zu erhalten, fremde Kulturen, fremde Strapazen ohne dabei selbst die langen Wartezeiten und harten Schwierigkeiten durchmachen zu müssen, sondern du darfst währenddessen ganz entspannt im Kinosessel liegen und dein Popcorn futtern.
Viele Menschen haben regelrecht Angst vor der Veränderung, die es bedeuten würde, aufzubrechen und eine Weltreise anzutreten, viele haben Schiss vor der scheinbaren Unsicherheit, wenn man seinen Job kündigt oder die Wohnung aufgibt und auf einmal “nichts mehr hat” – und schrecken vor solch einer Erfahrung zurück und verwehren sich den dadurch gewonnenen Erkenntnissen vollends.
Mit WEIT. Die Geschichte von einem Weg um die Welt bekommt jeder für kleines Geld die Chance, dennoch um die Welt zu reisen und diese beeindruckenden Faszinationen und Momente zu erleben, ohne dabei seine (Schein)Sicherheit aufgeben zu müssen und selbst den Arsch hochzuhieven.
Und wer weiß, vielleicht entdeckt dadurch ja jemand seine Reisefreudigkeit ganz neu oder gräbt sie wieder aus …
 

.kinoticket-Empfehlung: Definitiv sehenswert mit höchst anspruchsvollem Inspirationsgeist, der nicht nur den inneren Schweinehund beflügelt, sondern frischen Wind und neue Lebenskraft einhaucht.
Die gezeigten Momente und Orte sind atemberaubend und ermöglichen den Zugang zu völlig anderen Teilen dieser Erde, von der wir – sind wir ehrlich – so gut wie kaum Ahnung haben.
Nutzt diese Gelegenheit und besucht die Kinos.

 
Nachspann
Enthält kein weiterführendes Material, listet aber spannende Facts und Menschen auf, denen die zwei auf der Reise begegnet sind. Liest sich für jemanden wie mich durchaus spannend!
 
Weitere Videos auf Vimeo.comhttps://vimeo.com/weitumdiewelt
(Hier erhält man schon mal einen kleinen Einblick, wie der Kinofilm ungefähr sein wird…)
Website: http://www.weitumdiewelt.de

Chasing Niagara

Ich hoffe, ihr kriegt noch eine der raren Vorstellungen ab, wenn Chasing Niagara in den deutschen Kinos gezeigt wird. Das Sportevent ist vielleicht nicht unbedingt das passende Stichwort, um bei der breiten Bevölkerung zu punkten, denn die, die Sport machen, sind bei dem Wetter sowieso draußen im Freien und bewegen sich mittendrin statt nur dabei, während diejenigen, die sich ins Kino verkrümeln auch nicht unbedingt sportliche Events feiern möchten, sondern eher zähfließende Unterhaltung bevorzugen, bei der man den Geist nicht zu sehr anstrengen muss.
So zumindest machen für mich die Erfolgsmeldungen erst Sinn, wenn man das breite Spektrum an Kinofilmen betrachtet und sich die allgemein gegenwärtigen Meinungen dazu anhört.
Chasing Niagara nimmt einen hier mit in eine völlig andere Welt, die nicht in der ARD breitgetreten wird und vom Publikum so frenetisch abgefeiert, wie der mit den 11 Leuten und dem runden Ding.
Was man überdeutlich spürt: Die Menschheit ist erwachsen geworden, wenn es um Dokus geht und liefert hier nicht mehr nur wackelige Handkamera-Shots ab, sondern begeistert mit nahezu unglaublichen Bildern in abgefuckter 4K-Qualität, die jeden Blockbuster in ästhetischer Hinsicht vom Platz verweisen. Was dabei in sensationellen Bildern über die Bildfläche rauscht, nimmt einem nicht nur die Luft zum Atmen, sondern lässt die Zeit für einen Moment kurz stillstehen.
Zu erleben, wie sich die Menschen aus ihrem Trott freikämpfen und dem Sinn des Lebens auf der Spur sind, zu spüren, wie sich das Leben in ihnen ausbreitet, fruchtet und sie zu euphorischem Jubel führt – wer dabei keine Gänsehaut kriegt, der hat nie gelebt.
Die Marke Red Bull hat sich in jüngster Vergangenheit ja zu größeren Sportereignissen bekannt und trumpft auch hier wieder neben jeder Menge Marketing auf, was aber angesichts der freien Bühne für die wirklichen Stars des Films keinerlei Abbruch tut, denn die Botschaft kommt an und die Impressionen überwältigen.
Allein schon das virtuelle Bereisen der verschiedensten versteckten Winkel dieser Erde lockt dazu, sich aus seinen vier Wänden zu bewegen und endlich freie Luft zu atmen, auch wenn man dabei keine so halsbrecherischen Aktionen bewältigen muss, wie im Film gezeigt.
Also auf die müden Füße, raus und sofort ins Kino, wenn irgendwo draußen das Plakat dazu hängt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ganz ehrlich? Mein 4K-TV und das passende 4K-Equipment locken nicht mehr nur, sondern greifen mit 5000 Armen nach der schwarzen Scheibe, wenn die denn endlich auf dem Markt erhältlich sein wird – und spätestens dann werde ich höchstpersönlich jeden am Schlawittchen packen und vor die Glotze nageln …
oder ihr geht einfach freiwillig rein und schaut euch an, was einem da geboten wird – es ist … unbeschreiblich!

 
Nachspann
Sitzenbleiben. Der ist zwar nicht lang, aber voll mit betörenden Bildern und gehört bei diesem Kunststück einfach mit dazu.

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