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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Dimension

No Game, No Life: Zero

Ich selbst bin ja nicht “offiziell als Kind” aufgewachsen, sondern hatte wegen einiger externer Eigenarten das Problem, vieles, das normale Kinder einfach während ihrer Kindheit tun, später “nachholen” zu müssen. Dazu gehören auch Comics. Ich hatte nie welche, war wohl genauso interessiert daran, sie zu lesen, aber es sollte halt nicht sein.
Den Umweg über Japan und japanische Mangas hätte ich mir als Kind sicherlich auch extrem gewünscht, aber auch hier hat mir das Leben einen Riegel vorgeschoben. Meinen Einstieg in die Anime-Welt habe ich mit der Serie Neon Genesis Evangelion gefeiert, die ich heute noch extrem liebe und verehre und an deren Großartigkeit bis jetzt noch nichts rangekommen ist. Alles, was man später so im TV mitbekommen hat, war mir entweder zu quirlig, zu extrem kindisch oder einfach “unter meinem Niveau”. Ich konnte Serien wie Sailor Moon oder Pokémon nichts abgewinnen und ich habe auch bis heute noch kein Interesse an Dragon Ball oder anderen Dauerbrennern aus dem deutschen Fernsehen.
Neuerdings ist allerdings die Eigenart in unsere Kinos eingezogen, die Welt der Animes nach Filmperlen abzusuchen und diese in Form von Events auf die deutschen Leinwände zu bringen. Auch hier habe ich mir bereits den ein oder anderen Streifen angeschaut und war von manchen Dingen recht positiv angetan. Aber so richtig gepackt hat’s mich eben nicht.
Doch jüngst flammten dann Filmchen wie Your Name. – Gestern, heute und für immer auf, der sich auch gleich mal zum erfolgreichsten Anime aller Zeiten emporhob und den ich mir tatsächlich sogar 2x auf dem Big Screen angeschaut habe, obwohl er in Deutschland nur 2x über die Leinwand ging. Meine Liebe zum japanischen Anime ist geboren und ich frage mich immer öfters, weshalb man es hierzulande nicht schafft, solche Filme einfach dauerhaft ins Kinoprogramm einfließen zu lassen respektive ganze Kinos eröffnet, die ausschließlich animierte Filme aus der Kultur Japans zeigen. Interesse dürfte ja eigentlich reichlich vorhanden sein.
So ließ ich es mir also auch nicht nehmen, jüngst in das Event von No Game, No Life: Zero zu gehen, von dem ich vorher absolut rein gar nichts gehört hatte. Sei’s drum, die Dinger werden immer besser, also geh einfach rein und lass dich überraschen.
Gesagt, getan. Und es hat mich weggebombt.
Was ich grundsätzlich an Animes mag: Die Stimmen. Sie spielen so echt, so verzweifelt, so laut, so brüllend, so emotional, so glaubwürdig: All das, was man in deutschen Produktionen oft anprangert, nämlich, dass sie keine realistische und anständige Sprache sprechen, sondern sich in ihrem Theater-Hochdeutsch selbst die Füße brechen, findet hier nicht statt, sondern man wird hineingerissen in die Gefühle der Charaktere und kann einfach nicht anders, als mit ihnen mitzufühlen, weil sie ihre Emotionen wahrlich rauslassen.
Was mich genauso begeistert: Der Zeichenstil. Wenn er eben nicht so “kindisch” wie in Sailor Moon und Konsorten ist. No Game, No Life: Zero bringt hier zwar ziemlich viel pink mit ins Spiel und wirkt daher anfänglich für die Boy-Generation etwas abschreckend, allerdings wird man so schnell und intensiv in die Situation hineingezerrt und mit Momenten überströmt, dass es gar kein Entrinnen mehr gibt und man einfach nur gefesselt der Story folgt und hofft, dass alles gut ausgeht.
Was ich ebenfalls grundsätzlich an Animes mag: Der Humor. Die Situationen können noch so deprimierend und niederschlagend sein, man findet immer wieder eine Möglichkeit, um diesen super süßen, sexy Humor auf die Bildfläche zu wedeln und damit für Auflockerung und unfassbar viel Sympathie zu sorgen, ganz egal, wer da grade auf der Leinwand rumspringt.
Und von beidem hat No Game, No Life: Zero mehr als reichlich! Dass ich heute meinem Geldverdien-Job nachgehe und nicht nochmal ins Kino gehen kann, bedauere ich jetzt schon, denn wäre ich im Frei, würde ich sofort wieder Kohle in die Hand nehmen und mir den Titel einfach nochmal anschauen!
Und ich lege euch dringend ans Herz, genau dies zu tun! Diese “Belanglosigkeit”, die man als Erwachsener desöfteren bei Animes aus dem deutschen TV verspüren könnte, passt hier gar nicht rein. Der Streifen wirkt sehr “erwachsen” und “ernst” und bringt einen dabei dennoch ständig zum Lachen und tobt in verschiedenen Szenen vor sich hin.
Fakt ist: Die Laufzeit ist eigentlich relativ kurz – und da die Kinos bei solchen Events in der Regel auch keine Werbung zeigen, kommt es einem noch viel kürzer vor – und das allein hat schon ausgereicht, dass ich mich jetzt nun ernsthaft nach der “Fortsetzung” umsehe: Der Serie.
Diese kommt mit 287 Minuten daher und nennt sich No Game, No Life: Episode 1-12 – dreimal dürft ihr raten, was der Filmtitel dazu ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Also nutzt heute die Chance und geht ins Kino, denn der Titel wird wirklich nur noch heute in den Kinos gezeigt.
Nutzt den Kinofinder oder das Portal https://deinkinoticket.de/filme/ – und gebt dort Titel und euren Wohnort ein, um das nächstgelegene Kino zu finden, dass diesen Anime bringt.
Danach hoffe ich nur, dass möglichst viele Events oder Freilichtbühnen diesen Titel aufnehmen und ihn auch in Zukunft noch zum Schauen bereithalten, denn gesehen zu werden hat sich dieses Werk definitiv verdient!

 
Nachspann
Ist sehenswert, hörenswert und sollte definitiv bis zum Schluss abgewartet werden.
Kinostart: 7. Juni 2018

The Other Side of the Door

Freunde der gepflegten Grusel-Unterhaltung, die noch nicht zugegriffen haben und im Einzugsbereich eines Kinos leben, das diesen Film noch ausstrahlt, dürfen sich gerne von ihrer Couch erheben und sich den Titel auf ihr zukünftiges .kinoticket drucken lassen, denn endlich lohnt sich der Griff ins Horror-Regal mal wieder.
 

Wo wir in letzter Zeit desöfteren mit massentauglichen Schockern abgespeist wurden, die für Hartgesottene eher ins Kinderregal gehören, treibt dieser Streifen endlich mal wieder den körnigen Geist an und sorgt für gruselige Momente in einer Geschichte, die nicht auf Blut und Schulkindhorror aufbaut, sondern ihren ganz eigenen Charme mitbringt, den ich lange Zeit im Kino schmerzlich vermisst habe.

Allein der Aufbau und die Einführung der Mitglieder dieses Spiels zeugen hier von Können und der seelig-ruhige Müßiggang des morgenländischen Flairs schaffen einen Raum, der nicht von Offensichtlichem heimgesucht wird, sondern seine ganz eigene Vision von Unnatürlichem ins Feld wirft und die Zuschauer damit konfrontiert.

Dass ein Plot immer Introduktion, Problematik und Auflösung mit sich bringt und diese Form der Erzählung in abertausenden von Filmen wieder und wieder umgesetzt wird, ist hier vielleicht nicht optimal durchdacht, die Art, wie man sich durch diese systemische Erzählung hindurchwringt, hat mich allerdings sehr begeistert.

Nicht nur die Einführung und Momente zwischen den Höhepunkten des Films, sondern gerade der Schluss mit seinem überraschenden Paukenschlag war für mich ein Festhighlight der Filmgeschichte.

Positiv aufgefallen ist auch, dass hinter den Kameras keine Laien ihre Finger im Spiel hatten, sondern man auf schön subtile Weise eine Grundstimmung schafft, die nicht auf immerwährenden Wettstreit ausgelegt ist, sondern hier einfach solide und stark ihr eigenes Ding auf den Weg bringt und sich aus diesem Selbstbewusstsein heraus speist.

Zum Schluss bleibt ein Film, der eine wahnsinnig gute Geschichte bereit hält, dessen Effekte und Gruselmomente durchaus erwähnenswert sind und der sich mit einem Abgang verabschiedet, den man sich in vielen anderen Filmen bislang immer nur wünschen konnte aber nicht geliefert bekam.

 

.kinoticket-Empfehlung: Freunde des gepflegten Horrors haben endlich wieder einen Grund, ins Kino zu gehen.

Die Show ist gigantisch, die Stimmung herrlich düster und furchterregend und das Ende einfach nur geil!

 

Nachspann
kommt nichts mehr, nach der Schwarzblende darf man wieder ans Tageslicht.

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