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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: digital

Searching

Eines der überraschendsten Filmbeginne. Und eines der Machwerke, dem man seine Brillanz erst ansieht, wenn man sich ein wenig in der Materie auskennt.

IT-Leute tun das. Menschen des alltäglichen Lebens, die sich der Technik und fortschreitenden Entwicklung der Industrie nicht verschlossen haben. Was da für eine Arbeit und Produktplanung im Hintergrund vollzogen und durchorganisiert wurde, ist der helle Wahnsinn.

Das Prinzip solcher Filme hat es schon mal gegeben, aber noch niemals hat man es so perfekt, so alltagstauglich, so realistisch durchgezogen. Bis dahin, dass selbst im Hintergrund alles komplett stimmt. Und was da alles dazu notwendig war, um tatsächlich eine Umgebung zu schaffen, in der man das Geschehen des Films platzieren kann mit allen Eventualitäten und Dingen, an die selbst erfahrene Nutzer nicht denken, wenn sie über solche Gepflogenheiten nachdenken – mega!

Und jetzt kommt der Knaller: Ich hab das Ding schon lange vor Kinostart im Original gesehen und anschließend nochmal im Rahmen der Sneak Preview auf deutsch, und: Es wurde alles – wirklich alles (!!!) – perfekt übersetzt. Nicht nur die Screens und Inhalte, auf die der Film augenscheinlich Wert legt, sondern selbst irgendwelche Banner und Meldungen im Hintergrund hat man eingedeutscht.

Dieses digitale Biotop aufzubauen und durchzuorganisieren ist ein Heldenwerk, dass so sicher kaum einer wirklich zu schätzen weiß und es fasziniert mich heute noch immer.

Der nächste Punkt: Ich erlebte zum ersten Mal in der Filmgeschichte, dass Technik tatsächlich authentisch und wahr dargestellt und nicht komplett verteufelt wurde. Man zeigt, was möglich ist – und wo Grenzen liegen, an die auch erfahrene User nicht herankommen. Keine dummen Hacks, keine dämlichen “Tipp Tipp grüne Schrift auf schwarzem Bildschirm” und ein “Das haben wir gleich” tippel tippel und er ist drin, sondern die wahren, authentischen und realen Meldungen von Walls, die man ohne das richtige Passwort nicht durchbrechen kann. Monstermäßig!

Wo bitte hat man so fähige ITler auf einmal her, die dem Film eine Authentizität angedeihen lassen, dass jedes Technikerherz höher schlägt?

Dieser Realismus ist Granate! Und das sage nicht nur ich, sondern auch andere, deren täglich Brot durch Tastendrücken verdient wird.

Wer jetzt noch Kritik üben will, darf sich gern ein wenig über das vergleichsweise einfallslose “Ende” des Films aufregen, sollte dabei aber das Wörtchen “vergleichsweise” nicht übersehen, denn hier spielt sich alles auf enorm hohem Niveau ab, dem ich jeden Respekt zolle.

Und wer – ausnahmsweise, ich weiß, es kostet euch unfassbar viel Überwindung und Einsatz ^^ – einfach nur erstaunt sein möchte, dem bietet Searching allen Grund dafür.

.kinoticket-Empfehlung: ENDLICH hat es mal jemand in Hollywood geschafft, technische Revolutionen wahrheitsgetreu wiederzugeben und einzusetzen und dabei gleichzeitig noch den richtigen Wert dieser Technik zu offenbaren und sie nicht per se zu verteufeln.

Was man hier an Projektplanung und Hintergrundarbeit geleistet hat – bis ins allerkleinste Detail – ist verblüffend und sorgt für mächtig Furore in den Kennerkreisen. Man darf mit Fug und Recht behaupten: So einen Film wie diesen hat es noch nie gegeben!

Und ich würde es begrüßen, wenn man sich derlei Ehrlichkeiten technischer Güte auch in Zukunft annehmen würde.

Nachspann
❌ liefert genügend Zeit, um über seine eigenen Onlinegewohnheiten nachzudenken, wartet aber nicht mehr mit Material auf.

Kinostart: 20. September 2018

Original Title: Searching
Length: 102 Min.
Rated: FSK 12 | PG-13

Emoji – Der Film (3D)

Vor einigen Jahren hätte man sich noch darüber gewundert, dass Handys im Kinoleben mal eine so große Rolle spielen würden.
Mittlerweile bekommen nicht nur diverse Applikationen ganze Filme spendiert, sondern man treibt es langsam auf die Spitze und sondiert immer mehr "Inhalte", die zu einem Film umgemünzt werden. Böse Zungen könnten den Machern nun vorwerfen, es handele sich hierbei nur um strategische Schachzüge, um diverse Marken sichern und so nebenbei noch Geld einstreichen zu können. Die Frage stellt sich mir jedoch ernsthaft, welchen Nutzwert es hat, nun einen vollwertigen Titel über Emojis zu machen und wo das hinführt, wenn jemand darin Konsequenz sieht.
Kriegen wir dann demnächst einen ganzen Spielfilm über die Texteingabezeile in iMessage? Und was kommt danach? Die arabischen Textzeichen greifen die spanische Tastatureingabe an? 😀
Ich frag ja nur …
Auf jeden Fall positiv aufgefallen ist die Dimensionalität, die sich innerhalb solcher Kisten versteckt und irgendwo schon einen Mehrwert darstellt, sofern man nichts über die Smartphones weiß und bisher einfach nur damit gespielt hat. Die ganzen Zusammenhänge ein wenig besser zu begreifen und im Kindesalter zu verstehen, was z.B. eine Cloud ist, ist einerseits löblich erklärt, andererseits fragwürdig, ob man in solch jungen Jahren bereits solche Probleme im Kopf bewegen sollte. Das gleiche gilt übrigens für die Emojis selbst, da diese ja nur fortführen, was Kritiker der "neuen Kommunikation" generell schon bejammern: Dass man sich einfach nicht mehr unterhält und der andere einem noch nicht mal mehr einen ganzen Satz wert ist.
Ihr seht schon: Ich stehe der Sache sehr sehr kritisch gegenüber und bin daher grundsätzlich nicht sonderlich positiv voreingestellt – und meine Erwartungen wurden weder untergraben, noch dementiert.
Von der Aufmachung und der Animationstechnik braucht keiner schwätzen, hier gilt der aktuelle Standard, der nichts Weltbewegendes erfindet, jedoch auch nicht unter Niveau verkauft wird. Fragwürdig ist einzig und allein das Gesamtprojekt, was an und für sich keinen tatsächlichen Mehrwert bietet und somit auch für mich keinerlei Unterhaltungsfaktor darstellte, dafür waren die Jokes einfach zu platt und die Story an sich zu uninteressant und vorhersehbar.
Vielmehr etabliert sich hier eine angstmachende Praktik, die Werbetreibende ganz offensichtlich auf die Hauptleinwand lässt und man noch nicht mal mehr deklarieren braucht, dass hier grundsätzlich für verschiedene Apps geworben wird, indem man sie einfach bunt und niedlich darstellt. Daran könnten sich einige stören und grundsätzlich hebelt man damit die eigentliche Intention des Kinos ein wenig ins Abseits, indem man "Beigaben" (für den Zuschauer) zum Hauptgeschäft macht und damit dem Entertainment komplett den Todesstoß versetzt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer damit glücklich wird, darf gerne rein – an dieser Stelle sei dann auch das 3D empfohlen, da der Film durch die Animation dafür wie geschaffen ist – alle anderen dürfen gerne einen Bogen darum machen, weil die Vorüberlegungen für mich definitiv in die falsche Richtung laufen und man mit solchen Filmen Kino eher tot macht, als es zu beleben.
Aber das ist meine persönliche Meinung, die euch zu nichts überreden soll. Schaut einfach den .trailer und macht euch am besten vorab selbst ein Bild.

 
Nachspann
Nicht gleich wegspringen, ihr werdet noch mit einem Nachschlag belohnt.
Kinostart: 3. August 2017

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