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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: DDR

Ballon (inkl. Gewinnspiel)

Unter dem Beitrag gibt’s Freikarten für den Film zu gewinnen!
Michael Bully Herbig wird ernst – und viele kaufen ihm das schon im Vorfeld seines ersten Films in diesem Metier nicht ab. Warum?
Vielleicht, weil ein Großteil der Presse schon immer nicht genau hingeschaut hat. Wie oft ist es damals passiert, dass man beim Zappen hängen geblieben ist, wenn die Bullyparade auf ProSieben gelaufen ist? Wie sehr hab ich bedauert, als diese Sendung schlussendlich abgesetzt wurde, einfach nur, weil Bully etwas ganz eigenes war. Klar gab es viele Showoriginale, die aber in vielen Fällen eine pragmatische Weichgespültheit besaßen, um die für Allgemeinheit tauglich zu bleiben und dem Tod aller Shows – zu wenig Einschaltquoten – nicht anheim zu fallen.
Mein Gefühl war immer: Bully interessiert sich nicht für so etwas. Und tatsächlich habe ich ihn als Person gegenüber der Presse und dem ganzen Medienrummel schon ganz abgeneigt erlebt und hatte das Gefühl, er selbst fühlt sich von den Vertretern der Presse gänzlich missverstanden. Diese Sprache haben auch schon seine früheren Filme gesprochen: Was grade “in” ist, interessiert ihn nicht, er macht einfach sein eigenes Ding und versucht so, seinen Blick auf die Welt an andere weiterzugeben. Seine Filme sind Originale, die sich nicht dem Zeitgeist angepasst haben und jeder – egal, ob Freund oder Feind – kennt sie.
Nun hat er nach dem abschließenden Bullyparade – Der Film einen Schlussstrich unter den Komödienstadl gezogen und möchte fortan nur noch ernste Geschichten drehen. Der erste Fakt: Er hält sich dran: Ballon ist durch und durch ernst und zeigt so gar nichts von dem früheren Filmemacher, den damals schon sehr viele total unterschätzt haben.
Eine Sache fällt den Kritikern nämlich immer nicht ganz so blühend ins Auge: Er hat unfassbar viel Können und Filmwissen, er weiß mit und vor der Kamera umzugehen und kennt daher Schachzüge, die man als Regisseur tätigen kann, aus dem FF. Ich glaube, viele Leute unterschätzen ihn vollkommen als Filmtalent, weil viele ihn salopp als “Spinner” abtun – und das ist in meinen Augen ein großer Fehler.
Diese Tatsache bekräftigt sich schon allein dadurch, dass sein Erstlingswerk im neuen Genrebereich kein Alleingängerfilm ist, sondern er sich an bereits gezeigtem Material orientiert und es auf seine Weise neu interpretiert, einfach, um sich in der Richtung auszutesten und damit anzufangen, neue Wege zu beschreiten. Man merkt an vielen Stellen des Films, wie er vor Potenzial und Schöpferkraft strotzt und dass da noch einiges kommen wird, was aus ihm rausplatzen möchte – und ehrlich gesagt freue ich mich riesig darauf.
Ballon als solches ist bereits eine Geschichte, der durch ihn als Berühmtheit zu Aufmerksamkeit verholfen wird, denn ehrlich gesagt kenne ich kein einziges dieser vorher schon “zig mal verfilmten” Werke über diese Story, und ich komme aus dem Reich der DDR und sollte es daher eigentlich wissen.
Was hier an geballter Spannung, unfassbar gutem Schauspiel und Filmästhetik auf der Leinwand zu sehen ist, erinnert mit gar nichts an das, was man von ihm als Person vorher kannte: Ballon macht riesigen Spaß anzuschauen und unterhält auf bestem Wege.
 
G E W I N N S P I E L
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© 2018 StudioCanal

Und wer sich diesen Film gerne auf Kosten von StudioCanal ansehen möchte, für den ist vielleicht folgendes interessant: Mir wurden vom Verleiher zwei Freikarten für den Film zur Verfügung gestellt, die ich hiermit an euch als meine Leserschaft verlosen darf.
Kommentiert unter diesem Beitrag, welcher Film euch von Bully bislang am meisten oder am schlechtesten gefallen hat und ihr landet im Lostopf. Unter allen Kommentatoren bis einschließlich 30. September 2018 wird anschließend per Zufall der Gewinner oder die Gewinnerin ausgelost und von mir via E-Mail benachrichtigt. Bitte gebt dazu also eine gültige E-Mail Adresse an, unter der ich euch schnell erreichen kann, damit euch die Freikarten zugeschickt werden können.
Und nun wünsche ich allen viel Glück und natürlich viel Spaß im Kino – dieser Film ist es wert, ihn dort anzuschauen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Bully beschreitet neue Wege und zeigt, dass wesentlich mehr in ihm steckt, als manch einer ihm vorher zugetraut hätte.
Dieser Film erzählt eine unglaublich spannende Story und wartet mit filmischem Potenzial auf, das vor Energie und Stärke nur so strotzt: Es lohnt sich, diese bereits erzählte Story neu interpretiert im Kino zu besehen, allein schon, weil die Impressionen gewaltig beeindrucken.
Diese neu gefundene Ernsthaftigkeit, der sich ein ehemaliger Comedy-Garant verschrieben hat, ist grandios und ich wünsche Ballon einen wahnsinnig erfolgreichen Kinostart, den ihr alle ihm durch einen Besuch in den Lichtspielhäusern verschaffen könnt.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht zwingend aussitzen, hier folgen keine weiteren Sequenzen mehr.
Kinostart: 27. September 2018
Original Title: Ballon
Length: 120 Min.
Rate: FSK 12

Gundermann

Gundermann – selbst als Geborener in dieser Region ist mir dieser Name niemals aufgefallen. Ja, es gibt diejenigen, die sich dem nachhallenden Hype der Nostalgie hinterherwerfen und der Meinung sind, damals war alles perfekt. Wer dort leben musste, wird wissen, dass zwar einige Dinge ganz okay waren, vieles aber auch sehr fragwürdig bzw. beängstigend. So zumindest habe ich es in meiner Kindheit erlebt, die ich zum Großteil in der DDR verbracht habe.
Nimmt man jetzt mal Augenschein auf die unzähligen Dokumentationen, die zum Teil in schwarz/weiß bereits hunderte Male in den TV-Stationen rauf und runtergespielt wurden, wird man sehr schnell merken, dass diese Themen unlängst alle einmal behandelt wurden und eigentlich nur noch nervig sind. Das ewige Schwelgen in den immergleichen Lobeshymnen auf die “gute alte Zeit” oder das dramatische Panikmachen in wüster “Aufklärung” über die Ära und die ach so bösen Politiker … ich kann und will es nicht mehr sehen. Es nervt. Ausschließlich. Kommt sowas, zappt meine Fernbedienung fast schon von alleine weg, weil sie weiß, dass mich derlei einfach nur noch ankotzt.
Und dann findest du dich eines Tages im Kino wieder und betrachtest einen Film, über den du vorher noch nie was gehört hast und der sich mit genau dieser Ära beschäftigt.
Und fühlst dich immens unterhalten. Lachst, bangst, siehst die Dinge in einer verspielten Leichtigkeit und Ruhe, empfindest Sympathie und Empathie und freust dich über die kleinen Erfolge, betrauerst die Misserfolge und denkst am Schluss: Wann läuft der endlich an, damit ich ihn direkt nochmal sehen kann?
Gundermann ist ein Biopic von einem DDR-Bürger, der von Alexander Scheer so glaubwürdig und authentisch gespielt wurde, dass viele, die das Original nicht kannten, dachten, er wäre es wirklich. Die Performance ist unglaublich! Und dieser Film so vielschichtig, dass man sich wünschte, er würde in allen Ecken und Enden der TV-Landschaft über den Äther fließen und das Volk endlich mal vernünftig über das aufklären, was dort gang und gebe war.
Denn die Verflechtungen mit den verschiedenen Bereichen, mit denen ein Mensch im Laufe seines Lebens in Berührung kommt, wurden hier so wunderbar zusammengeführt, dass es einfach Spaß macht, ihm zuzusehen, wie er mehr oder weniger durch sein eigenes Leben stolpert und dabei trotzdem weiß, was er will. Seine schillernde Persönlichkeit wurde so grandios eingefangen, dass allein dafür schon ein Ticket lohnenswert wäre.
Dazu kommt, dass dies die erste Dokumentation über das Leben in der DDR ist, die ich mit Freuden aufgesogen habe und mir jederzeit wieder anschauen würde, auch wenn sie recht lang ist. Und das sage ich als jemand, der seiner “Heimat” (wie viele den Geburtsort nennen) schon lange den Rücken gekehrt hat und der es nirgendwo lang genug aushält, um die Wurzeln zu schlagen, die ihn an diesen Boden binden würden. Ich liebe das Reisen, ich liebe die Bayern, ich fühle mich hier viel mehr zu Hause als in Sachsen und wenn ich auf meiner Arbeit erzähle, dass ich gebürtiger Sachse bin, glaubt mir keiner ein einziges Wort.
Meine Bindung zum Sächsischen ist quasi nicht vorhanden und ich vermisse überhaupt nichts, sondern liebe das, wo ich jetzt lebe und bin und mir sind die Leute immer peinlich gewesen, die dem Hype um die DDR nachrennen, dennoch bitte ich euch inständig darum: Schaut euch diesen einen Film an und genießt ihn, denn er hat rein gar nichts von dieser abstoßenden Materie, die andere Dokus über diese Zeit schon im Vorfeld versprühen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Entfesselt die Einblicke in ein verborgenes Reich aus anderen Perspektiven und beleuchtet Dinge, die nicht in der allgemeinen Öffentlichkeitswahrnehmung vorhanden waren.
Alexander Scheer spielt so glaubwürdig, das man meinen könnte, er wäre “der Echte” und der Film bietet Unterhaltungspotenzial, das einen vergessen lässt, dass dies eigentlich nur eine “langweilige Biografie” sein sollte. Selbst als DDR-Hasser empfindet man Sympathie mit den Handlungen und fühlt sich auf höchstem Niveau entertaint. Also geht rein und genießt es… noch niemals wurde Geschichte so wunderbar aufgearbeitet und erzählt.

 
Nachspann
❔Der finale Nachspann stand zur Pressevorführung noch nicht fest, daher können dazu keine Aussagen gemacht werden.
Kinostart: 13. August 2018

Das schweigende Klassenzimmer

Ich glaube, viele wissen heute gar nicht mehr, wie gut es ihnen eigentlich geht. Ich lese immer wieder auf Facebook über die “geile alte Zeit” in der DDR, wie toll damals doch alles gewesen ist, was es für einen fantastischen Zusammenhalt gab und wie gesellschaftlich-sozial jeder eingestellt war.
Spätestens seit Das Leben der Anderen sollte jedem klar sein, dass all das nur eine betrügerische Kulisse des Lebens war, der viele Unwissende heute aufgesessen sind und die sich tatsächlich vollkommen anders abgespielt hat.
Das Schweigende Klassenzimmer gehört zu den Filmen, die mein Herz im Sturm erobert haben… aufgrund ihrer unmaskierten Ehrlichkeit der Geschichte und dem Zuschauer gegenüber.
Tatsächlich haben sich die Ereignisse nämlich genau so im echten Leben abgespielt – lediglich die Namen und der Handlungsort wurden für den Film abgeändert. Und das sollte jedem, der sich die Mühe macht, diesen absolut unterhaltsamen und erschreckenden Film anzusehen, die Augen weit öffnen.
Ich kann den Kinostart kaum erwarten und freue mich schon, ihn wieder auf die Liste meiner Wiederholungstäter-Filme zu setzen, denn ich werde ihn mir definitiv noch ein paar Mal ansehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich kann jedem nur empfehlen, sich diesen außerordentlichen Film im Kino seiner Wahl anzusehen.
Die geschichtlichen Ereignisse sind unverändert wahr und gleichermaßen faszinierend wie erschreckend!
Wer wissen will, was damals wirklich passiert ist: Das Schweigende Klassenzimmer erzählt davon. Selten so einen guten Film über diese Zeit gesehen wie diesen hier!

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden – rausgehen erlaubt!
Kinostart: 1. März 2018

Bridge of Spies

Steven Spielberg gehört zu den Altmeistern des Kinos, die die Filmbranche nicht nur mit rühmlichen Werken bereichert, sondern den Zeitgeist der Filmgeschichte durch ihre Beiträge stark geprägt haben.
Gleichzeitig gehört er zu den Regisseuren, die man heute durchaus als konservativ bezeichnen könnte, was sich auch in der gesetzten Drehweise von Bridge of Spies konsequent abzeichnet.
Wo andere Movies ihre Stärken in Bereichen wie 3D oder Gigantismus der Technik setzen, steckt hier das Potenzial definitiv in der Erzählweise und Bodenständigkeit, die nicht nur emotional zurück in die Zeit des kalten Krieges versetzt. Eben drum ist Tom Hanks auch als Hauptdarsteller dieser Nacherzählung der richtig ausgewählte Schauspieler, denn zu ihm passt dieses Geerdet sein von allen derzeit aktiven Schauspielern am besten.
Politisch gesehen springt man zwar wieder ein bisschen auf den “Wir sind die Guten”-Zug auf, der von Amerika so gerne zelebriert wird und auch gefeiert werden darf, denn immerhin machen die ihre Filme ja in erster Linie für sich selbst und erst danach für den Rest der Welt. Anderenfalls – so zumindest empfanden es auch meine Kinonachbarn – würden Leute wie wir nicht ins Kino rennen, wenn Geschichten so trocken erzählt werden, wie sie es manchmal sind.
Die Größe dieses Streifens liegt definitiv im Tun des Hauptprotagonisten, der sich – Erfahrungsberichten nach – tatsächlich so verhalten hat und damals groß durch die Medien gegeistert ist. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal für die netten Gespräche und die tolle geschichtliche Aufklärung, die ich während des Abspanns von meinen Nachbarn in München genießen durfte.
Ich finde es bereichernd, sich mit der Generation zu unterhalten, die diese Taten damals noch “live” miterlebt haben und quasi Informationen aus erster Hand weitergeben können. Ihren Angaben zufolge wurde im Film auch nicht unbedingt viel dazu gedichtet, sondern allenfalls etwas “schmackhaft” gemacht, im groben Kern blieb man aber tatsächlich bei den wahren Begebenheiten, was die ganze Sache noch viel unglaublicher macht.
Wenn Politik und Länder versagen, wenn Gesetze anderes verlangen, wenn Menschen unglaubliches vollbringen und dazwischen einzelne Personen sind, die nennenswerte Taten vollbringen und denen einzelne Personen nicht scheißegal sind, dann sollte man auch darüber berichten.
Und da Generation Blöd eher zum Handy greift oder eben allenfalls ins Kino rennt, statt sich mit wichtigen politischen Dingen auseinanderzusetzen und den Ernst der Lage zu begreifen, der sich schon seit Monaten wieder unterschwellig in unseren Alltag einschleicht, ist es auch der absolut richtige Schritt zur richtigen Zeit, diesen Film auf die Leinwände zu bringen und hoffentlich wieder eine Handvoll Menschen aufzuwecken und dazu anzustacheln, sich eben nicht mit dem allgemeinen Denkergeist zufriedenzugeben und wieder sinnentleert TV zu schauen.
Wie schnell so etwas gehen kann, hat Er ist wieder da furios bewiesen. Bridge of Spies erzählt eine genauso wichtige Geschichte mit einem ebenso fatalen und wichtigen Inhalt, nur dass hier eben die andere Seite beleuchtet und “von links” aufgeweckt wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine historische Dokumentation, über die man in irgendeiner Form informiert sein sollte.
Ob das nun Bücher, Informationen im Internet oder eben dieser wunderbar aufbereitete Film ist, sei jedem selbst überlassen. Hanks brilliert in seiner Rolle und das Drumherum stimmt ebenfalls.
Bravourös: Man hat sich im großen Ganzen wirklich an die wahren Begebenheiten gehalten und damit einen Mann geehrt, der viel riskiert hat um noch mehr zu erreichen.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf also getrost nach draußen verschwinden.

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