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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: David Koechner

Krampus

Humor ist so eine Sache. Die einen mögen, was die anderen hassen – und vice versa. Bei schwarzem Humor sieht es da schon ein klein wenig anders aus, mit dem kommt man zurecht – oder eben nicht.
Wenn darum dann noch ein herrlich wüster, irrwitzig schräger Film gebastelt wird, der sich nicht mit den Rühmlichkeiten des zunichte gemachten Weihnachtsfestes abgibt, sondern eher den dunklen Schatten das Feld räumt, dann erhält man einen Film, der in meinen Augen der beste Weihnachtsfilm dieses Jahres überhaupt ist: Krampus.
Schon der Trailer ließ mein Herz vor Freude zucken, denn ich steh auf Horror, bei dem der Spaß nicht zu kurz kommt und man nicht vor billige Tatsachen gestellt wird, mit denen man sich abzufinden hat.
Krampus macht hier den Unterschied, indem man einfach jegliche Normalität wegnimmt und so dermaßen über den Rand hinausschießt, dass es nicht mehr lächerlich, sondern beängstigend real und vor allem fast schon tiefgründig zur Sache geht. Trotz des Irrsinns knistert hier eine ernstzunehmende Authentizität durch den Raum, die sich eben nicht mehr nur um eine Saga aus südlichen Gefilden unserer Breitengrade dreht, sondern ein Stück weit mehr sein will … und auch ist.
Es gab Szenen, bei denen ich mir dachte: “Endlich räumt mal jemand mit dem Verkorkstsein des wirtschaftlich und religiös zunichte gemachten Weihnachtsfests auf und richtet die Dinge wieder gerade.” Keine Einkäufe, kein Geldausgeben, kein Zwangsschenken, keine liebe heile Welt, obwohl man sich das ganze Jahr über nur anschreit und eigentlich alles im Argen liegt – sondern reinen Wein in volle Gläser.
Die Ehrlichkeit, mit der die Thematik hier angegangen wird, ist Balsam für das zerschundene Seelenherz, dass sich tief drin eigentlich sehr nach einer Welt sehnt, die in Ordnung ist. Insofern ist es fast erlösend, wenn die Kacke dann so richtig am Dampfen ist und man mit wunderbar überzogenen Effekten und derartig abstrusen Ideen durch den Kakao gezogen wird und währenddessen weder von Schauspielern noch Machern von einer bitterbös-schwarzen Ironie abgewichen wird. Die Trockenheit, mit der die überdrehten Witze rüberkommen – poetisch!
Die Eskalation, in der die Geschichte schon fast zu Beginn mündet, ist sowas von an den Haaren herbeigezogen und gleichzeitig so ernst, so “echt”, so non-unrealistisch – kein Plan, wie man das auf die Reihe gekriegt hat.
Gefeiert hab ich auch am Schluss, als endlich mal eines der Filmenden auf dem Tisch lag, von dem ich seit Jahren träume. Ein Paukenschlag, ein Finale, das nicht nur wunderbar zu diesem Film passt, sondern fast 1:1 meinen Lebenstraum eines Filmendes widerspiegelt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte viel Toleranz und Handlungsspielraum im Schädel mitbringen und den Film nicht anhand von anderen bewerten wollen, denn das ist nicht möglich.
Krampus liefert schwarzen Humor reinster Güte verbunden mit der Entwirrung des ganzen Christmas-Wahnsinns in einer Geschichte, die ganz zum Schluss einfach nur Sinn ergibt und mit ihrer Botschaft – sofern man sie versteht – ganz tief drinnen ankommt.
Für mich einer der besten Weihnachtsfilme überhaupt, bei dem man allerdings nicht popcornmampfend dasitzen und sich unterhalten lassen kann, sondern ganz genau hinsehen und vor allem zuhören muss.
Wer das tut, der geht hinterher auch gern nochmal rein, denn irgendwie wirkt die “dunkle Magie” auf ihre ganz eigene Weise. Der zynische Charme versprüht allzeit weihnachtliche “Wärme”.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf getrost nach draußen springen.

Scouts vs. Zombies – Handbuch zur Zombie-Apokalypse

Zur Zeit macht ja so eine Art “Schulfilm-Serie” die Runde. Jeder halbwegs bekannte (Möchtegern)-Promi dreht seinen eigenen Film, neue “Stars” aus “ganz normalen Verhältnissen” drehen ihre eigene Show fürs Kino und machen ihre Pseudoberühmtheit dadurch scheinbar zur Realität.
Ich habe das Phänomen YouTube zwar beobachtet, bin aber selbst nie auf den Zug aufgesprungen – nicht mein Ding. Nun rächt sich die Community quasi an mir, indem sie mein geliebtes Kino infiltriert und mit Machwerken, die an die poröse Professionalität ambitionierter Filmproduzenten anschließen, die Massenleinwand erobert.
Daraus resultierend erobert zur Zeit gerade eine Art “Schulhof-Humor” die Säle und fordert so das ein oder andere Opfer guten Geschmacks. Ohne Zweifel zünden die Jokes gewiss innerhalb eines gut gefüllten Saals mit eben jenen Jugendlichen, die den flacheren Witzen und scheincoolen Plattitüden etwas abgewinnen können, um sich hinterher cool auf die Schulter zu klopfen und damit zu brüsten, was sie für tolle Szenen auf ihren Handys haben, jedoch fällt dieses Gerüst unaufhaltsam in sich zusammen, sobald man mit ernsthafteren Menschen oder gar alleine im Saal sitzt – geschweigedenn zu Hause auf der Couch mit Blick gen TV.
Den Unterschied, den Scouts vs. Zombies hier macht, ist die handwerkliche Arbeit, die hinter der Produktion steht und nicht nur Kamerafahrten, sondern auch Bluteinlagen und Animationen gut aussehen lässt. So flachbrüstig die Story dahinplätschert, so gewiss ist der Sprung zur akzeptablen Kinowürdigkeit geschafft. Hier sind es eben nicht mehr nur YouTube-Filmer, die im Learning-by-doing-Prinzip das Drehen von halbwegs anständigen Clips in aneinandergereihter Form auf die Reihe bringen und dabei auch etwas weiter über den Rand der gebotenen Möglichkeiten des häuslichen Camcorders hinaus gehen, sondern man kommt von ganz oben und breitet einer neuen Generation einen Teppich aus, auf dem sie aufsteigen oder fallen kann.
Das hat durchaus seine Daseinsberechtigung, sind es doch gerade diese Filme, die den Zeitgeist einer Generation und damit eines Jahrzehnts widerspiegeln, an denen sich in ein paar Jahren Kritiker und Geschichtsstudenten orientieren. Was jetzt nicht bedeutet, dass man sich dieses Prozedere unbedingt ansehen muss. Es sei denn, man ist Geschichtsstudent.
Die zuvor angewandte Taktik eines geschnittenen (!) Trailers, der in der 23 Uhr-Vorstellung über die Leinwand flimmerte, während man in der 14 Uhr-Vorstellung bereits das volle Blut spritzen ließ, ist in meinen Augen eher PR, um so auf eben jene Drüsen zu drücken, die das junge Publikum ins Kino holen und damit den Streifen zu einem kommerziellen Erfolg machen. Dass es hier nicht unbedingt um das Mitteilen einer wichtigen Message geht, schließt ja schon aus dem bereits im Titel erwähnten Genre, das seit The Walking Dead im Anschluss an den vorherigen Twilight-Vampir-Wahn zur Zeit gerade seine Hochblüte feiert und damit definitiv den Schritt aus der Nische heraus getan hat.
Allerdings bewegt man sich hier nicht im Bereich eines Klassikers à lá George R. Romero noch in ernstzunehmenden Studien, die man mit fantastischen Geschichten auf der Leinwand völlig konsequenzfrei abfeiern kann, sondern bleibt eben innerhalb dieses intellektuellen Schulhofs gefangen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hat man die Volljährigkeit noch nicht erreicht und schafft es trotzdem ins Kino, kriegt man hier den Spaß von spritzendem Blut, völlig unernsten, aber von Profis inszenierten Zombie-Jagden präsentiert, die sich nicht hinter Unprofessionalität verstecken müssen.
Das größte Problem ist wohl: Vorhersehbarkeit hat ein neues zu Hause gefunden => diesen Film. Selbst, dass – und vor allem, was für ein Nach-Nachspann kommen würde, konnte ich bereits vorab erwähnen und lag mit meiner Vermutung goldrichtig.
Die von den Anstalten zensierte Brutalität dieses Films gehört für mich absolut zum Konzept dazu, denn ohne das funktioniert das komplette Gebilde überhaupt nicht. Leider reicht das aber nicht, um im Horrorhimmel neue Sterne entstehen zu lassen, sondern sorgt eher nur für ein müdes Lächeln auf den Gesichtern altbackener Horror-Fans – und darüber hinaus höchstens für coole Sprüche auf dem Schulhof.
Mein Tipp daher: Nicht vom Trailer in die Irre führen lassen, sondern seine Ansprüche niedrig halten und dafür ein paar Klassenkameraden mit ins Kino schleifen, dann kann auch das ganz gut funktionieren.

 
Nachspann
sollte man abwarten, bis der klassische Durchlauf-Nachspann kommt, dann kriegt man auch die letzten Szenen mit.

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