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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Dämonen

Wahrheit oder Pflicht

Okay, Klartext: Im Presseheft ist vom “Meister des Horror-Films Jason Blum” die Rede, von “äußerst wichtig, sein Publikum ständig im rätselhaften Unklaren zu lassen”, von “Geschichte, deren Rahmenbedingungen eine Herausforderung sind”.
Ich blätter wieder zu, schau nochmal auf das Cover: Jap, ist wirklich von Wahrheit oder Pflicht die Rede.
Gut, ich hatte den .trailer im Rahmen der Sneak Preview bereits angeteasert gesehen, und die ist grundsätzlich FSK 18 – also darf alles gezeigt werden, auch im Vorprogramm. Und es hat mich nicht begeistert, sondern eher enttäuscht. Alle anderen so: “Ja, der wird mega geil!” – Ich so: “Ähm, ich hab da so meine Zweifel, denn der .trailer zeigt bereits genügend Macken, die eigentlich voraussagen, dass das Ding einfach scheiße wird.”
Was eignet sich besser, als den Film einfach zu sichten? Nichts. Kein Gelaber mehr – Fakten auf den Tisch.
Hand hoch: Wer will nochmal die Abhandlung über das “Horror”-Konzept von Blum hören? Bausteine? Billiger Plot? Keine Lust, irgendwas explizites zu kreieren? Usw.? Keiner?
Gut, dann erspar ich euch das an der Stelle und rege mich heimlich und leise über was ganz anderes auf: Dieser Schuppen hat mit Get Out unfassbare Summen eingefahren, er hat – und ich meine, mich daran zu erinnern, darüber auch bereits schonmal lautstark rumgenölt zu haben – Herausforderungen wie die The Purge-Reihe auf die Rippen gestellt, Happy Deathday als Überraschung im Kino gebracht und jetzt zu all dem noch Kohle in den Taschen.
Und was kommt?
Wahrheit oder Pflicht.
Ernsthaft jetzt?
Ich mein, nicht dass der Titel nicht vielversprechend wäre und man daraus nicht eine endgeile Story rauskitzeln könnte, so mit “Welt geht unter – alles am Arsch … Raumstation … letzter Funkspruch: Wahrheit oder Pflicht?” – Nein… Achso… ähm … ja, hier war ja was mit “ich spoiler nicht” – äh … stimmt, aber das kommt ja auch nicht. Jason Blum als Leihgabe für miesen Horrorgeschmack ist in seiner Meister-des-Horrorfilms-Genialität ja längst über all unsere Vorstellungen hinaus und hat die grundgeniale Kombination an Überraschung und Grandiosität entdeckt. Nicht.
Es ist nämlich einfach nur billigster Abklatsch von allem bisher dagewesenen, nur in unlustig und langweilig. Der ganze Film hat überhaupt keinen Drive, die einzige Stelle, die wenigstens lustig und langweilig war, war wieder so selten dämlich, dass man sich das auch hätte ersparen können und während der Show haben mir links und rechts ständig Leute reingequasselt, was sie meinen, das als nächstes passieren wird.
Und – ihr dürft raten – sie haben ihren Satz teilweise kaum zu Ende sprechen können, da ist es auch schon passiert.
Scrollen wir noch einmal zurück: “äußerst wichtig, sein Publikum ständig im rätselhaften Unklaren zu lassen” – was zu lassen? Rätselhaft? Was denn? Wenn jede kleinste Handlung bereits schon Stunden im Voraus von jedem Dahergelaufenen vorausgesagt werden kann? Ernsthaft jetzt? MEISTER DES HORRORFILMS?
Mir kommen die Tränen!
Und ich erinnere nochmal daran: Dieser Verein schwimmt mittlerweile im Geld! Sie könnten also … ordentliche Drehbuchschreiber engagieren… äh … der hat ja schon mal einiges geschrieben.
Unter anderem das Drehbuch zum X-Men/Deadpool Spin-Of X-Force, der uns im Herbst beglücken soll.
DAS ist nun wahrhaftiger Horror.
NEEEEEEEIIIIIIIIIIINNNNNNNNNNNNNNNNNNNNN…
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich hab gewonnen: Er ist so, wie ich im .trailer bereits vermutet hab.
Aber andererseits haben Blum-Filme es ja nicht umsonst auf das Treppchen des Erfolgs geschafft, also irgendwelche Geister muss es geben, die dafür .kinotickets ordern und ihn damit erfolgreich machen. Denen wird der Stoff dann sicher auch gefallen.
Ich fands ehrlich gesagt nur zum Kotzen – und das ist allein meine persönliche Meinung, von der ihr euch alle bitte überhaupt nicht beeinfluss… ach vergesst es!

 
Nachspann
Nö. Also einfach nein.
Kinostart: 10. Mai 2018

Der dunkle Turm

Nun sind wir an der Stelle angelangt, an der mein berühmtes “Lies niemals ein Buch, wenn du vor hast, den Film dazu zu sehen” seinen galaktischen Höhepunkt einnimmt. Und tatsächlich: Ich habe nie einen King gelesen. Wirklich. Nie.
Nach diesem Film habe ich es vor.
In der .trailer-Vorschau habe ich bereits durchblicken lassen, dass ich mich tierisch auf diese neuartige King-Verfilmung freue und der Film hat sein übriges getan, um mich verwirrt und zwiegespalten zurückzulassen.
Meine Vermutung war gar nicht so schlecht, dass die Elemente eines typischen King-Films tatsächlich auch hier wieder einen Stellenwert einnehmen werden, jedoch habe ich mir anhand der gezeigten Vorab-Bilder etwas mehr Style-Tiefgang gewünscht, die die brettharte Ummantelung eines von den Kritikern hochgelobten, mehrdimensionalen Fantasy-Konstrukts würdig auf eine Ebene heben, die zumindest die Zuschauer mental fordert und ihnen keine B-Movie-würdige Soße vorsetzt.
Der dunkle Turm erhebt nun aber keinen großartigen Anspruch darauf, hier großen Filmschmieden den Rang durch überdimensional-gute Special Effekts abzulaufen, sondern konsterniert eher mit bruchstückhafter Zusammensetzung inhaltlosen Gemetzels, das schon als Nicht-Kenner gefühlt mit dem Buch nichts mehr gemein haben kann.
Der sprachliche Durchbruch, der von den Fans oft so hochgelobt wird, bleibt im Film auf jeden Fall aus und auch schauspielerisch setzt man keine neuen Messlatten. Selbst Schauspielikone Idris Elba, dessen Fehlbesetzung von der Fangemeinde ja hinreichend bejammert wurde, hat mich in diesem Film so absolut gar nicht überzeugt.
Wollte man in Sachen Düsternis punkten, hat man allenfalls eine warmweiche Brühe a la Suicide Squad fabriziert, die dem Namen in keinem Fall gerecht wurde und somit auch den Großteil aller Fans eher enttäuscht hat, als hier wirklich mal über die Strenge zu schlagen und etwas ganz großes abzuliefern.
Der Name Steven King scheint dann aber dennoch genügend Publikum ins Kino zu ziehen, denn die Säle sind voll und die Menschen um mich herum fiebern tatsächlich mit.
Mir war die Action etwas zu fad, die Ideen zwar gut angerissen, aber für so ein Konstrukt viel zu lieblos aufgearbeitet. Hier hätte man mit etwas mehr Leidenschaft und Hingabe (und Zeit und Geld) durchaus viel besseres produzieren können, dass dann förmlich nach einer Fortsetzung geschrieen hätte.
So bleibt nur ein mittelmäßiger Durchschnittsfilm, der Nicht-Buch-Kennern sicherlich gefallen dürfte und allen anderen gnadenlos ins Gesicht schlägt.
Das ändert nun – wieder – nichts an der Maxime: Vertraue niemals der Verfilmung eines Kings. Schade.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hat man im .trailer noch richtig mit Stil und Raffinesse überzeugt, landet man im Hauptfilm dann doch wieder in der Pfütze der zweiten Liga, in der sich eigentlich alle Verfilmungen dieses Autors wiederfinden.
Zum ersten Mal bedauert man die durchschnittlich kurze Laufzeit und das fehlende Verlangen danach, der Tiefgründigkeit dieser Werke tatsächlich gerecht werden zu wollen. So produziert man in der Tat für die Masse und entledigt sich allem Nachdenkenswertem und vergisst wieder einmal, dass auch die Zuschauer mit Hirn gesegnet sind, denen man selbst in heutiger Zeit gerne mehr zumuten darf.
Verschenktes Potenzial.

 
Nachspann
läuft ohne weitere Bild- und weiterführenden Momente ab, der Tritt ins nächste Kinoabenteuer wird also nur vermutlich angerissen und daher eher völlig offen gelassen. Rausgehen erlaubt.
Kinostart: 10. August 2017

Ouija 2: Ursprung des Bösen

Ohne jetzt böse klingen zu wollen: Wo Blumhouse seine Finger im Spiel hat, existiert irgendwo ein Horrorfilmsetzbaukasten, aus dem immer wieder Teile entnommen werden, um daraus dann eine Geschichte zu basteln, die sich irgendwo vermarkten lässt.
Das könnte man meinen, wenn man den Titel in seiner Gänze im Kino sieht und sich dann überlegt, was die Macher dazu getrieben hat, diesen Firlefanz hier ans Volk zu verhökern.
Die Idee aus dem Trailer ist nämlich übergenial und hinterlässt Hoffnungen beim Zuschauer, endlich mal wieder in die Welt des Absurdums geführt zu werden und mit Dingen konfrontiert zu sein, die gleichermaßen unwirklich als auch unterhaltsam sind. Dieses ausgespielte As wird gleich zu Beginn auf ein Niveau heruntergezogen, das nur allzudeutlich die Ernüchterung kommen lässt, denn nicht der ausweglose Kampf aus etwas, dessen man nicht mehr Herr wird, ziert hier die Unterhaltungslinie, sondern eine rühmliche Langsamkeit, die eine Story um etwas spinnt, dass es vor Jahren schonmal gegeben hat.
Der Clou: Den Bogen spannt man erst dann, wenn das Publikum zum Großteil schon längst wieder aus dem Saal gerannt ist, womit die eigentliche Pointe geradezu den Bach runterschwimmt.
Der genial vertrackte Coup, hier Betrügerei und Echtheit miteinander zu verschmelzen, gelingt den Machern in meinen Augen nur halbherzig, das Herzblut eines echten Horrormoments fehlt gänzlich. Stattdessen spult man eine 0815-Story runter, die teils vorhersehbar, teils unwillig, teils lächerlich wirkt und keinerlei Stimmung erzeugt, die einen unbedingt mitfiebern lässt oder auch nur ansatzweise das gemeinsame Gruseln im Kinosaal ermöglicht.
Stattdessen hätte man sich hier lieber auf eine Direkt-to-DVD-Produktion beschränken sollen, denn im nischenhaften Dachboden mit eingeschworenen Freunden und ein paar Flaschen Bier kann auch dieses Unterfangen durchaus unterhaltsam sein.
Wer jedoch mit Ernsthaftigkeit und gutem Willen den Kinosaal betritt um hier mal wieder mächtig eins auf die Zwölf zu kriegen, der wird nicht nur enttäuscht, sondern auch irgendwo gelangweilt und geistig unterfordert.
Zwei Eigenschaften, die kein gutes Bild auf jemand werfen, der mittlerweile durchaus die Mittel haben dürfte, weitaus größere Erfolge zu erzielen.
Schade eigentlich, denn ich hatte mich auf diesen Titel wirklich gefreut.
 

.kinoticket-Empfehlung: Seichte Kost, die eine Idee verramscht, aus der so viel hätte werden können.
Das Potenzial ist definitiv gegeben und die Welt ist unerschöpflich, in der man diese ausleben und erblühen lassen hätte können, jedoch hat man sich hier für die langsame, vorhersehbare und willenlose Version entschieden, die mit wenig Mitteln möglichst viel Geld in die Kassen spülen soll.
Das mag im heimischen Kino mit ein paar Freunden, Bier und illegalen Substanzen wohlweislich funktionieren, endet im Kino aber eher in einer kollektiven Enttäuschung, bei der man auch niemandem übel nehmen kann, das eigentliche Ende zu verpassen, weil man schon frühzeitig den Saal verlassen hat.

 
Nachspann
Sitzenbleiben. Ohne die allerletzten Szenen nach dem Abspann macht der ganze Film überhaupt keinen Sinn.

The Forest

Es ist manchmal schon unglaublich: Da wartet man Jahre lang auf guten Horror, bei dem der eigene Intellekt nicht verarscht wird, dann kommt die Faschingszeit und mit ihr ein Streifen ins Kino, der den Beititel “Horror” durchaus verdient und dabei so richtig gut umgesetzt wird, und die Presse zieht los und zerreißt das Teil in der Luft.
Das geht schon mit dem Anfang los. Die “Einführung” ist so trächtig geschwängert ohne den ganzen üblichen Blabla-Mist, bei dem man in allen anderen Fällen schon Todeszeitpunkt und -ursache vorhersagen kann, sondern man lässt sich hier Zeit, bleibt bodenständig und hält eine subtile Schwere am Start, die zweierlei verheißen kann: Entweder wird das hier gar nichts oder wir kriegen so einen richtig geilen Horrorstreifen danach.
Letzteres bewahrheitet sich.
Effektetechnisch verlässt man sich nicht auf die zeremoniell hochgeschraubte Splatterorgie (wahrscheinlich ist dies ein Grund für die Presse, das Teil nieder zu machen), sondern baut einen durchaus sinnvollen Plot auf, der gar nicht mal so weit hergeholt ist und nur ansatzweise an Fiktion erinnert. Dabei kommen dann visuelle Eindrücke zum Einsatz, die den Zuschauer nicht vor vollendet-blöde Tatsachen stellen, sondern vieles nur optisch anreißen, um so genügend Spielraum für kreative Ideen innerhalb des Kopfes zu lassen, in denen der eigentliche Wahnsinn vergraben ist, der sich beim Zuschauen abspielt.
Man sieht eben nicht, man vermutet, und das in Verbindung mit einem ernstzunehmenden Soundtrack, der diesmal eher vom Wiener Staatsorchester als von Winnibald von nebenan eingespielt wurde, hinterlässt bei mir respektvolle Eindrücke, die den Anschein erwecken, dass hier tatsächlich Geld dahinter steckt und kein Hobbyprodukt.
Selbst bei der “Auflösung” hat man mit Vorurteilen gespart und überlässt dem Zuschauer ebenfalls einen kleinen Interpretationsspielraum, was genügend Potenzial zum Nachdenken und Quatschen danach bietet und somit wiederum prächtig dafür sorgt, dass der Film eben im Gedächtnis bleibt und nicht im Sinnlosigkeits-Nirvana verschwindet.
Mir hat es nach langer Zeit mal wieder richtig Spaß gemacht, nicht für vollkommen bekloppt gehalten, sondern in eine Story geschickt zu werden, die anders ist und dennoch bekannte Stilmittel anderer Horrorfilme aufgreift und anreißt. Und das so sehr, dass ich mir den Titel sogar in die heimische Blu-ray-Sammlung holen würde, weil sich ein zweites und drittes Mal ansehen durchaus lohnen würde.
 

.kinoticket-Empfehlung: Das Genre ist an dieser Stelle vielleicht schwer zu beschreiben, da weder Gore noch klassischer Horror sein Unwesen hier treiben.
Dafür bekommt man beim Plot nicht eins aufs Dach und regt sich über so viel Unfähigkeit und senile Dummheit auf, die sonst in anderen Horrorfilmen an der Tagesordnung stehen, im Gegenteil: Hier wurde wirklich intelligent geschrieben und von den Darstellern überzeugend rübergebracht.
Wer sich danach ein Zelt schnappt und im Wald übernachten will, darf sich gerne bei mir melden – ich wäre nämlich sofort dabei!

 
Nachspann
ist anfangs ziemlich cool ins Theme des Films eingebunden, liefert aber dann keine weiteren Szenen oder Teaser für einen zweiten Teil. Ist vielleicht auch ganz gut so.

The Last Witch Hunter

Schon als ich den Trailer gesehen habe, wusste ich: Das Ding hier wird ganz groß! Und ehrlich gesagt habe ich an meinem Kinotag eigentlich nur auf diesen Höhepunkt hingefiebert.
Vin Diesel steht ja nicht erst seit Fast and Furious für großartiges Kino. Schon in seinen älteren Filmen merkt man ihm an, dass er nicht nur Geld verdient, sondern sein Schauspiel lebt und voll bei der Sache ist. Das gilt auch zu 100% für The Last Witch Hunter. In all den Jahren, in denen mir als Geister-/Hexen-/Übernatürliches-Liebhaber immer wieder Filme dieses Genres vorgesetzt wurden, habe ich noch nie einen derart ernstzunehmenden, vorbildhaften und großartigen Film mit derart viel Liebe zum Detail, Leidenschaft und Hingezogenheit zur Epik erlebt wie hier.
Allein so manche Szenen, in denen das Drift-Spiel zwischen den jeweiligen Welten vollzogen wird, grenzen nahezu an echte Magie. Und oben drauf: Man erlebt hier nicht nur die uns an Halloween wieder überschüttende Liebe für Grauen erregenden Kitsch, sondern wird vor bösartige Tatsachen gestellt, dass sich vor Freude die Nackenhaare aufstellen: Die Hexen sind endlich wieder böse, das Genre erfindet sich durch Ernsthaftigkeit und dunkle Vollkommenheit herrlich neu – das Fadenspiel zwischen übertriebener Brutalität und spinnerhafter Hokus-Pokus-Witzigkeit wurde sagenhaft gemeistert und derart brillant ausbalanciert, dass man vor Freude schreien möchte.
Kurzum: The Last Witch Hunter ist bis dato der beste Hexenfilm, den ich je gesehen habe. Und gleichzeitig kein Massenprodukt, denn die Tatsache, dass man die Vorstellungen auf spät abends verlagert, hat ihre Gründe. Und genau hier sehe ich nur Vorteile: Man ist endlich bereit dazu, mit Millionen von Dollars in Nischen zu springen und diese gebührend auszufüllen. Man verzichtet auf die allgegenwärtige Weichzeichnerei bei Charakteren und Darstellung und befriedigt eben endlich mal nicht die Masse, sondern die Randgruppen und respektiert somit, dass nicht jeder automatisch die gleiche Gemeinsame-Teilmenge-Meinung besitzt wie irgend ein Trend es vorzugeben versucht.
Hut ab!
 

.kinoticket-Empfehlung: Als Fan von Mysteriösem auf der Leinwand sollte man sich diesen Film unbedingt ansehen.
Die Twilight-Massenphänomen-Weichzeichnerei ist vorbei. Endlich ist das Böse wieder böse, das Gute wieder menschlich und die fantastische Darstellung so, dass auch Menschen mit unterschiedlichen Geschmäckern daran Gefallen finden.
Ein Film, von dem gerne mehr kommen darf – und laut Diesel demnächst auch werden wird.

 
Nachspann
gibt es keinen, dafür aber saftige Bilder, wahnsinnige Animationen und jede Menge diffuse Welten, durch die es zu spazieren mächtig Spaß macht.

Sinister 2

Was kommt dabei raus, wenn man das Genre “Horror” mit “FSK 16” und “mainstreamtaugliches Kino” mischt? Richtig: Meistens nichts gutes.
Warum mir der Film trotzdem gefallen hat?
Die Charaktere nehmen sich selbst ernst.
Wie oft begegnet man der manifestierten Dummheit, wenn man die Charakterausbildung in diversen Horrorfilmen ein wenig näher betrachtet. Hier macht man da ein klein wenig den Unterschied und setzt weniger auf ironisch-komische Einlagen, sondern vielmehr auf Ernsthaftigkeit und damit auch ein Stück weit Glaubwürdigkeit. Zwar beißt sich dies mit der Insgesamt-Aussage des Films zeitweise ein bisschen, jedoch gehen die Schauspieler in ihren Rollen authentisch auf und überzeugen so mit ihrem Tun.
Der Gruselfaktor stimmt.
Nichts ist schlimmer, als ein Horrorfilm, bei dem man ausschließlich lachen muss oder sich gar langweilt. Wenn die Tiefe der menschlichen Ängste nicht mal ansatzweise angekratzt wird, sondern nur oberflächlich peinlich versucht wird, durch altbekannte Tricks ein klein bisschen Panik zu schüren. Hier wurden jedoch Szenen eingebaut, die bei mir tatsächlich Gänsehaut auf dem Rücken spazieren schickten. Nicht viele, aber immerhin genug, um als Horrorfilm respektiert zu werden. Das Ungreifbare ist stets präsent, wenn klar ist, dass wieder ein wenig mehr ins Dunkel des Unwissens hervorgedrungen werden soll – und Psychoschocks sind sowieso wesentlich wirksamer als jedes noch so liebevoll angerichtete Blutbad im Bilderwald.
Die übliche Schlächterzählung fehlt.
Das systematische Abschlachten der anfangs lieblos eingeführten, oberflächlichen Darsteller fehlt hier gänzlich. Im Gegenteil: Es ist faszinierend, mit welcher Hingabe man sich hier an die Familie annähert und mit ihnen gemeinsam etwas erlebt, von dem anfangs gar nichts klar ist. Auch wenn der Clou der Geschichte eher fragwürdig und teils verstörend bis hin zu lächerlich ist, so hat der Weg in den finalen Abgrund durchaus seine Reize. Man springt zwar auf den Zug der bekannten Horrorfilm-Mache auf, reist aber nicht im Inneren des Waggons mit, sondern ist allenfalls S-Bahn-Surfer des Ganzen.
Der Soundtrack ist eigenwürdig genug, um hervorzustechen.
Es ist selten, dass man einen musikalisch so tief in die Verzerrtheit führen kann, dass selbst Disharmonien in sich vollkommen klingen und auf ihre perfide Art schon wieder eine völlig neue Harmonie ausmachen. Musikalisch betrachtet durchaus ein sehenswertes Stück, das irgendwie funktioniert und auch hier ein klein wenig aus der Masse ausbricht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht wirklich was für hartgesottene Fans von gruselnder Unterhaltung mit Sinn und Verstand, durch die Bodenständigkeit und andeutungsweise Andersartigkeit aber dennoch ein sehenswertes Stück, das in verschiedenen Punkten durchaus zu überzeugen weiß.
Die große Überraschung bleibt genauso aus, wie die totale Enttäuschung. Antipathien zu dem Film wurden bei mir keine geweckt und davor warnen würde ich auch zu keinem Zeitpunkt. Wer mal etwas anderes sehen will, darf hier getrost zuschlagen.

 
Nachspann
spart euch das Warten, hier kommt nichts weiter.

Horns

Daniel Radcliffe, besser unter dem Namen Harry Potter bekannt, hat sich ja schon in jüngster Vergangenheit mit dem Spielen von Hauptrollen in Horrorfilmen einen Namen gemacht. Sein letzter Horror-Coup war mit Die Frau in Schwarz in meinen Augen ein voller Erfolg.
Da ich mir persönlich ja mittlerweile so ziemlich alles im Kino anschaue (soweit es der Zeitplan hergibt ;-)), war ich anfangs gar nicht so sonderlich informiert über den Film, der auf einmal im “Nachtprogramm” meines Kinos auftauchte. Also rein und sichten.
Dass Radcliffe hier die Hauptrolle übernimmt, überraschte und erfreut mich zusätzlich. Diese – wieder einmal – Literaturverfilmung erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, dem auf einmal Hörner auf dem Kopf wachsen und der damit die absonderlichsten Dinge erlebt.
Die skurrile Idee des Films zieht ihre Bahnen durch das undurchsichtbare Geflecht menschlicher Empfindungen und offenbart einmal mehr die dunklen Seiten unserer Spezies. Das Schauspiel von Radcliffe überzeugt auf ganzer Linie, so dass man im Zuge der Anschuldigungen bis zum Schluss nicht zu sagen vermag, was nun Wahrheit ist und was nicht.
Die Idee und Umsetzung sind durchaus gelungen. Die teils komisch angehauchten Momente versprühen ihren Charme und gleichen das für Extrem-Horror-Fanatiker fehlende Gruselgefühl meines Erachtens durch gut dotierte Showeinlagen wieder aus. Die Musik versetzt einen zusätzlich in eine Art Trance, die hier weniger auf Schock, sondern eher auf Entrüstung und Perversion wert legt und damit neue Akzente im Showgeschäft setzt.
Was deutlich zu spüren ist: An den Effekten und Animationen war ein Liebhaber am Werk, der viel Arbeit ins Detail gesteckt und somit die Surrealität des Gezeigten hingebungsvoll umgesetzt und überraschend gut auf die Leinwand gebracht hat. Was hier gezeigt wird, soll nicht brutal schocken, sondern eher verblüffen und ent-realisieren, da es vordergründig nicht darum geht, dass jemandem Hörner auf dem Schädel wachsen, sondern viel mehr die Tatsache beleuchtet wird, wie Mensch reagiert, wenn er vor unliebsame und nicht alltägliche Situationen gestellt wird und mit ihnen fertig werden muss.
Transportiert man die unterschwellige Botschaft jetzt auf das “echte Leben da draußen”, kann man selbst aus so einem nischigen Film eine große Lehre mit nach Hause nehmen, die sich – portiert auf die persönlichen Herausforderungen – wunderbar in den eigenen Alltag integrieren lässt und aus den Zitronen, die einem das Leben hin und wieder vor die Füße wirft, wunderbaren Zitronensaft pressen lässt.
Somit ist den Machern etwas seltenes gelungen: Aus einer genialen Idee einen Film zu machen, der nicht auf Größe und historisches Erschlagen durch Superlativen setzt, sondern sich selbst filigran in das Denken einschleicht und versteckt etwas transportiert, dass sich besser umsetzen lässt als jeder Gedanke, den man zu anderen Blockbustern haben könnte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn man die Altersvorgaben erfüllt und zu später Stunde gerne mal mit ein paar eingefleischten Kinogängern gemeinsam Unterhaltung sucht, sollte man dieses Stück auf jeden Fall mitnehmen.
Die Story verblüfft auf ihre ganz eigene Weise und das Gezeigte erfindet die Kategorie “Thriller” ein wenig neu.
Ganz nebenbei hat man noch ein wenig Spaß, erinnert sich vielleicht zurück an die eigene Kindheit und geht mit einer unterschwelligen Botschaft nach Hause, die auch nach dem Film noch Früchte trägt.

 
Nachspann
anfangs noch super animiert, später dann der übliche Durchlauf an Namen und Taten. Man darf also getrost nach Hause gehen.

Insidious – Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang

Zugegeben: Ich hab mich um die ersten beiden Teile von Saw-Macher Leigh Whannell gedrückt und war der Meinung, ich starte “von hinten” und sattel den Gaul von der falschen Seite auf, weil man dann mit “steigenden Teilen” nicht enttäuscht, sondern eher positiv überrascht wird.

Im Kino wurde mir versprochen, dass ich bei diesem Film garantiert wach werde und ich muss sagen, dass die ängstlichen Erwartungen, die ich aufgrund von diversen anderen Horrorfilmen dieses Jahres hatte, nicht eintrafen.

Die Story ist zwar in ihrer Basis fantastisch, hat jedoch den riesigen Vorteil, dass sie sich selbst sehr ernst nimmt und sich damit der Zuschauer auch nicht unbedingt verblödet vorkommt, sondern eher authentisch unterhalten wird.

Spannend war auch, dass diesmal der erste Teil des Films für mehr Gänsehautfeeling sorgte und es zum Ende hin unspannender wurde, nachdem es quasi “aufgelöst” ist. Das Ende fand ich persönlich etwas zu weit ab von der sonstigen Ernstheit des Films, aber ich nehme an – da es sich hier um das Prequel der beiden vorherigen Teile geht – dass da einfach der Bogen zur Startgeschichte gespannt werden musste.

Mit ein paar Szenen konnte man mich während der Spielzeit durchaus kurz zusammenzucken lassen, den ganz großen Wurf, dass eine Angst-Szene die andere jagt und man so kaum zur Ruhe kommt, bleibt aber aus. Alles in allem aber ein sehr hochwertiger, ernstzunehmender Horrorschocker, der weniger auf Gore- und Blutszenen setzt sondern vielmehr die Angst im Kopf ansprechen will – und das auch an vielen Stellen durchaus schafft.

.kinoticket-Empfehlung: Freunde der Insidious-Reihe dürften hier sicherlich wieder Spaß haben, wer sich einfach mal einen an Angst-Zucker grenzenden Film anschauen will, ist hiermit auch super bedient.

Für dieses Jahr definitiv der beste Horrorfilm, der im Vergleich zu anderen Gruselfilmen der bislang authentischste und professionellste ist.
Durchaus einen Besuch im Kino wert.

Nachspann
❌ Musikalisch der bislang seltsamste Abspann, den ich je gesichtet habe. Zusätzliche Szenen gibt es keine.

Kinostart: 2. Juli 2015

Original Title: Insidious: Chapter 3
Length: 98 Min.
Rated: FSK 16

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