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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Christopher Walken

Wer ist Daddy?

Was mir zuerst in den Sinn kommt, wenn ich Ed Helms auf der Leinwand sehe, ist Hangover. Und tatsächlich hatte Regie-Debütant Lawrence Sher auch in allen drei Teilen seine Finger mit im Spiel, was die vielverzweigten Anspielungen und Elemente, die man gut und gerne auch in diesen Filmen eingebaut sehen könnte, bei Wer ist Daddy? erklärt.
Aufgebaut auf einen recht ungewöhnlichen Road-Trip erobert man mit jeder Menge Slapstick-Einlagen und urkomischen Momenten des Zuschauers Herz und setzt dabei komplett auf familiäre Elemente, die in einem für diesen Film untypischen Finale münden, was ich auch gleichzeitig als kleinen Kritikpunkt anbringen will.
Natürlich sitzt man im Kino, beschaut sich das Prozedere und ist von vielen liebevollen Gags und spinniger Liebenswürdigkeit umgeben und denkt sich, dass das zwingend so enden muss, andererseits könnte man genau dieses Finale aber auch als Versuch werten, hier wieder mehr sein zu wollen, als man ist und damit eben etwas mehr Publikum abgreifen zu können, was ich – in wirtschaftlichen Interessen begründet – niemals für gut heiße.
Das ändert jedoch nichts daran, dass man während des Films – insbesondere zu Beginn – unglaublich viele tragende, spaßige und vorantreibende Momente erlebt, die für viel Kurzweil und gute Unterhaltung sorgen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Egal, ob mit Freundin oder Familie, allein oder mit Kumpels – dieser Film eignet sich hervorragend, um einen gemütlichen und lustigen Kinoabend zu genießen.
Das Ende fordert einem ein klein wenig was ab, aber davon sollte man sich nicht beirren lassen – als Gesamterlebnis bleibt ein durchweg positiver Eindruck zurück, den man gerne mit nach Hause nimmt. Also auf geht’s und rein da!

 
Nachspann
ist anfangs gesäumt von tollen Aufnahmen und erliegt dann dem schwarzen Stream, man darf also gerne wieder nach draußen.
Kinostart: 15. Februar 2018

The Jungle Book (3D)

Das ich mich gern über Trailer auslasse und die geteaserte Variante davon weit besser finde, als wenn alles schon verraten wird, dürfte den Lesern dieses Blogs nicht entgangen sein.
Mit The Jungle Book hat man wieder eine solche Kombination ins Feld geworfen – ein Trailer, der unsäglich begeistert (gerade in 3D!) und einer, der so la la ist und in mir schon die Ängste hervorgerufen hat, die Deutschen hätten sich der Reinszenierung dieses Klassikers angenommen.
Wenn sowohl das eine als auch das andere auf dem Markt ist, befindet sich das Endprodukt dann irgendwo zwischendrin? Nach dem Lösen eines .kinotickets und der anschließend besuchten Vorstellung kann ich näheres dazu sagen.
Let’s go!
Auf den Plakaten wird mit “atemberaubend und in brillantem 3D” geworben und die Frage des Personals, ob sich der 3D-Aufpreis lohnt, kann ich hier ungeniert mit “Ja” beantworten. Endlich mal wieder ein Film, der Live-Elemente enthält und bei dem das 3D richtig fetzt. Und zwar so wirklich. Die räumliche Dynamik zerteilt das Kino hier in zwei Hälften: Die eine, die nicht im Saal ist und der ganze Rest. Leinwand und Saal verschmelzen miteinander und sorgen dafür, dass man sich als Zuschauer inmitten des Geschehens wiederfindet. Damit liefert man dem Kunden endlich mal genau das, was die Werbung verspricht: Ein brillantes 3D-Erlebnis der Extraklasse.
Die Geschichte um Mowgli mag wohl jeder kennen (ich gehöre wieder zu der Sorte, die in ihrer Kindheit damit verschont wurde), von daher vermag ich nicht zu sagen, ob man das Remake nun gut oder schlecht inszeniert hat und gehe damit als völlig unvoreingenommene Person an die Sache.
Die Tatsache, dass Mowgli hier mit Tieren spricht, mag anfangs etwas befremdlich und unprofessionell wirken, spiegelt schlussendlich aber genau das wider, was man sich heute im Alltag manchmal zu wünschen wagt: Die Sensibilisierung für die Natur und den Odem des Lebens. Damit wirft die Thematik schon fast ein historisches Licht auf das Machwerk, dessen Moral sich eher antiken Werten verschreibt, als in der Moderne als leuchtendes Beispiel für ein gutes Leben zu gelten.
Und vielleicht sollte man sich genau dieser Tatsache annehmen und damit beginnen, zumindest teilweise wieder darauf zu bauen, was die Hauptfiguren dieses Films dem Jungen zu vermitteln versuchen. Als Erwachsener fühlt man sich komplett zurück in seine Kindheit katapultiert, indem man dank 3D mitten in eine Welt gestellt wird, in der alles noch in Ordnung zu sein scheint und Probleme keine solchen mehr sind, vergliche man sie mit den Konfrontationen von heute.
Ob dieser Fakt nun unendlich gut tut, weil man genügend Zeit hat, die Umstände zu genießen und wenigstens für ein paar Minuten aus dem Grauen unserer Zeit gerissen wird, oder es einen eher zu Tränen rührt, weil man daran erinnert wird, was die Welt um uns herum irgendwo verloren hat, mag jeder für sich selbst entscheiden.
Tatsache ist, dass dieser Coup ein unglaubliches 3D-Meisterwerk ist, das sich in Sachen Technik absolut nicht zu verstecken braucht. Manch einer wird wohl auch bedauern, dass in puncto Inhalt etwas “schlendrianig” gearbeitet wurde und man sich ob der vielen Eindrücke und imposanten Szenen nicht so recht entscheiden konnte, in welche Richtung die Story nun fließen soll, aber das finde ich verzeihlich und stemple es eher auf die klassische Simplizität runter, deren Grundkonsens im ganzen Film gewahrt wird.
Schlussendlich sind es die eindrucksvollen Momente, das unglaublich genaue Darstellen großartiger Szenen, die überwältigende Imposanz, mit der die Bilderflut hier von der Leinwand donnert, die das Werk zu einem sehenswerten Stück Kinogeschichte machen. Der durchschlagende Büchererfolg wurde hier gefühlt wieder etwas außen vor gelassen, der dürfte allerdings auch jedem bekannt sein und braucht deshalb im Jahr 2016 nicht erneut erklärt und durchgekaut werden. Stattdessen hat man sich sehr präzise und mit unglaublich großartiger Hingabe zum Detail dazu verschrieben, hier zu beweisen, dass wir in einem neuen Kinojahrhundert angekommen sind, in der mit der Technik zu arbeiten so plastisch möglich ist, dass völlig neue Ebenen der Unterhaltung geschaffen und dem Zuschauer präsentiert werden können.
Insofern verbleibt mir, die eingangs gestellte Frage mit einem eindeutigen “Ja” zu beantworten, das Ergebnis ist irgendwo zwischendrin, bildet damit aber keineswegs Vorlage für einen Kinoflop und nähert sich auch nicht an die “Technik schlägt Inhalt”-Filme an, sondern liefert ein sehr gemütliches und auch soundtechnisch in sich vollkommenes Werk, bei dem sowohl Jung als auch Alt ihren Spaß haben dürften.
 

.kinoticket-Empfehlung: Freunde von Disney werden sowieso eine Vorstellung besuchen und auch der Rest ist dazu eingeladen, sich die Geschichte optisch und technisch aufbereitet neu anzusehen.
Der große Griff ins Klo, den man bei dem schlechteren Trailer vermutet hatte, blieb Gottseidank aus und die überragende Begeisterung schlug bei mir auch nicht mit der Gewalt ein, die ich dem Teil zugetraut hätte. Dennoch bekommt man hier einen Film, der seine Botschaft ganz anders verteilen möchte und daher meines Erachtens auch nicht mit anderen verglichen werden sollte.
Als Kinofilm der Woche durchaus tauglich und im Rahmen der FSK-Empfehlung auch uneingeschränkt sehenswert!

 
Nachspann
ist wunderbar gestaltet und liefert auch hier wieder unbeschreiblich geile 3D-Szenen. Also sitzen bleiben, bis der erste Akt durch ist, danach darf man sich wieder der heutigen Zeit zuwenden und nimmt hoffentlich ein paar der angesprochenen Werte mit ins echte Leben rüber.

Eddie The Eagle

Ja, ihr habt richtig gelesen: Pressevorführung. Ich hab keine Ahnung, was ich richtig (oder falsch) gemacht habe, um an so ein Event zu kommen, aber es ist passiert und ich darf euch von nun an schon weit vor Kinostart über den ein oder anderen Streifen berichten.
Vielen Dank an dieser Stelle mal an all jene, die mit darin involviert waren, dass mein kleines Blog die Chance dazu bekommen hat, all das zu erleben. Dabei hab ich noch nicht mal mein 1jähriges Jubiläum gefeiert …
Ein zusätzliches Dankeschön geht an 20th Century Fox, die so eine unproblematische Pressevorführung ermöglicht haben und obendrein keinerlei Einschränkungen Publikationen betreffend eingestellt haben. Here we go!
Vorab wieder etwas Sprachunterricht: OV bedeutet Originalversion, was heißt, dass der Film exakt in der Sprache bzw. den Sprachteilen gezeigt wurde, wie ihn die Macher schlussendlich freigegeben haben.
Unsere Synchronstudios übersetzen das Ding dann meistens komplett in die Landessprache, wobei halt einige coole Sprachgegebenheiten flöten gehen, die in der OV-Version logischerweise enthalten sind. Ich bin gespannt, wie es in diesem Fall endet, denn in der Originalversion gab es da einige richtig liebevolle Verbalkonfrontationen.
Mit Eddie The Eagle setzt 20th Century Fox einen Spielfilm auf die Landebahn, der sich nicht an den realitätsuntypischen Eventcharakteren orientiert, die Marvel und DC derzeit am laufenden Band ins Rennen schicken, sondern etabliert hier ein Movie, das nicht nur mit der Geschichte, sondern auch seiner Machart ganz nah beim Zuschauer ist und sich dort gemütlich einrichtet.
Man bringt ganz viel Charme, Natürlichkeit und Bodenständigkeit mit, indem man die wahre Geschichte von Michael Edwards erzählt, der sich allen Widrigkeiten zum Trotz von seinem Ziel niemals abwendete und bis zum bitteren Ende darum kämpfte, seine Träume Wirklichkeit werden zu lassen.
Klingt nach klischeetriefender Hollywoodmoral mit schlechtem Ende? Vielleicht. Ist aber etwas völlig anderes.
Eddie ist jemand wie du und ich, der ein kleines bisschen durchgeknallt ist und den Absprung zum erwachsenen Menschen nicht so recht geschafft hat. Meint man. Jeder hatte als Kind seine Träume, über die Erwachsene in der Regel lachen und sie mit den Worten “Werd du mal erwachsen, dann sehen wir weiter.” abtun. Und an dieser eigentlich höchst verwerflichen Grundvoreingenommenheit rüttelt Taron Egerton mit seiner leicht zurückgeblieben wirkenden Trotzeinstellung ganz gewaltig.
Was sich daraus dann aufbaut, wie man – nicht nur symbolisch – in immer höhere Sphären abdriftet, ohne dabei vom Boden abzuheben, ist gelinge gesagt fantastisch.
Ich hoffe, dass in der Finalfassung der schmale Grat zwischen Erfolg und seelischer Niederlage, der sich den ganzen Film über hindurchzieht, ausreichend zur Geltung kommt. Seien wir ehrlich: Keiner von uns wäre so weit gegangen, hätte so oft dagegen gehalten, so stark an seinen Träumen festgehalten, so intensiv und allgegenwärtig gegen die Anfeindungen gekämpft, die sich einem in den Weg stellen, wenn man solche Vorhaben an andere verkündet.
Ich für meinen Teil habe gelernt, dass es immer Menschen geben wird – viele Menschen – die einem solche “Flausen” ausreden wollen und dass diese Tatsache daran liegt, weil man anfängt, sich zu bewegen und somit automatisch auf “Widerstand” stößt, da die anderen immer noch in ihren alten Positionen verharren. Also eine ganz natürliche Reaktion auf etwas Außergewöhnliches, dass Michael Edwards in der Vergangenheit erschaffen hat.
Doch mit diesem Film verbinde ich nicht nur eine wunderbar gemütliche, charming-erfüllte Message, die dir ein Bürger deiner Klasse vermittelt, sondern noch etwas anderes: Drehorte fast vor meiner Haustür: Seefeld in Österreich, Garmisch und nicht zuletzt Oberstdorf am unteren Ende von Deutschland.
Doch nicht nur mit der Auswahl der Schauplätze, sondern auch beim Rüberbringen der Story ist den Machern das Kunststück gelungen, hier etwas zu erzählen, das jemanden von ganz unten nach ganz oben bringen kann ohne dabei diese unerreichbaren Höhen zu erschaffen, die das ganze wieder utopisch wirken lassen. Als Zuschauer sitzt man davor und glaubt daran – und dieser Glaube lässt die Träume wahr werden.
Dabei wirken hochdotierte Schauspieler wie Taron Egerton, Hugh Jackman oder Christopher Walken fast schon als nette Beigabe, auch wenn alle drei im Film hervorragende Schauspielarbeit leisten und mit ihrem Tun überzeugen. Doch keiner von ihnen vermittelt hier das Gefühl des Unerreichbaren, sondern sie sind Menschen wie du und ich. Genau das macht diesen Film so herzlich, lässt ihn so nah an einen ran, denn wenn die das können, kann ich das auch.
Wer also im Leben stagniert, wer sich etwas vorgenommen und niemals zu Ende gebracht hat, wer sich nicht motivieren kann und den süßen Arschtritt zum Erfolg sucht, der macht mit dem Kauf eines .kinotickets bei diesem Film absolut nichts falsch.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wunderbar herzliche Komödie über das strebsame Verhalten eines Olympia-Anwärters, dessen Wille zum Erfolg genauso vehement wie vorbildhaft ist.
In charmant-komödiantischer Manier erzählt erlebt der Zuschauer hier die bodenständige und außergewöhnliche Geschichte des Skispringers Michael Edwards, hervorragend gespielt durch Taron Egerton, dessen Wandlungsfähigkeit und Schauspielkunst der eines Hugh Jackman in nichts nachsteht.
Der Soundtrack im Film bekommt zusätzlich noch eine gesonderte Erwähnung, denn der beflügelt nicht nur durch seine Beschwingtheit und unterschwellige Klasse, sondern sorgt zudem dafür, dass sich der Zuschauer geborgen und aufgehoben fühlt.
Wer bei diesem Film keine innere Freude empfindet, der hat für das Glück im Leben wohl auch nicht viel übrig.
.kinoticket lösen und reingehen, sobald er auf der Leinwand erscheint.

 
Nachspann
enthält keine weiterführenden Szenen mehr, man darf den Saal also wieder verlassen.
Kinostart: 31. März 2016 in den deutschen Kinos.

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