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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Christian Alvart

Abgeschnitten

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© 2018 Warner Bros. Ent.

 

Deutsches Kino, trotzdem steckt Warner Bros. da irgendwie mit drin … also irgendwas muss in Richtung Hollywood deuten und ja: Dieser Film ist hollywoodreif vom Allerfeinsten!

Moritz Bleibtreu ist in den letzten Jahren sowieso schon ein Garant für gelungenes Genre-Kino gewesen. Mit Abgeschnitten fährt man jetzt aber zu Hochtouren auf, die ich deutschen Filmkünstlern sonst nicht zugetraut hätte: Dieser Film fesselt, zerreißt einen förmlich vor Spannung und Härte und lässt einen Sturm auf die Zuschauerschaft los, den ich aus deutschen Landen bislang so nicht vernommen habe.

Das Ensemble ist großartig und es ist wurscht, auf wen der Finger dabei zeigt: Lars Eidinger, Moritz Bleibtreu oder der heimliche Star des Films: Jasna Fritzi Bauer – alle meistern ihre Rollen so abartig glaubhaft und eindrücklich, dass man diesen Film so schnell nicht vergisst.

Und ich erinnere noch mal daran: Wir reden hier vom filmprüden Deutschland, dass sich nichts traut, nicht aus sich raus kommt, kein Geld für Filme in die Hände nimmt und möglichst seriös und gediegen erscheinen will. Pustekuchen => Abgeschnitten ist überragend und sprengt die konservativen Fesseln für ein Thriller-Gewitter, nach dem nichts mehr so ist, wie es vorher war.

Ich verspreche euch, dass euch mit Szenen um die Ohren geflegelt wird, die ihr nicht sehen wollt, nicht sehen könnt, aber trotzdem hinsehen werdet, weil der Film es einfach verlangt und man trotz der komplett angespannten Muskeln im Körper nicht mehr die Kraft hat, wegzusehen: Der Bann, den dieses Härtefondue an einem ausrichtet, ist magisch und von würdig-grausamer Natur!

So etwas düster-faszinierendes hab ich schon lange nicht mehr erlebt. Damit zählt dieses Werk ab sofort zu den empfehlenswerten Stücken deutscher Filmgeschichte, die man bedenkenlos weiterzeigen und auch international auf den Leinwänden spielen kann: Dieses Land braucht sich nicht mehr zu schämen, sondern wirft einen Film in den Ring, der bei allen Zuschauern sehr lange Nachwirkungen haben wird.

 

.kinoticket-Empfehlung: Grausam, brutal und mit einer magischen Anziehung, die einem verbietet, wegzusehen: Abgeschnitten trumpft mit ungekannter Härte und einem fesselnden Plot auf, der das Niveau deutscher Filmkunst weit nach oben hebt.

Nach diesem Film ist man geflasht, geschockt und gleichzeitig fasziniert – und vor allem eines: Mega gut unterhalten! Wenn das so weiter geht, werde ich noch Fan von Christian Alvart.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, der Schock dürfte tief genug sitzen.

Kinostart: 11. Oktober 2018

Original Title: Abgeschnitten
Length: 132 Min.
Rate: FSK 16

Steig. Nicht. Aus.

Erinnert ihr euch noch an den sensationellen Niedergang der Tatort-Folge Tschiller: Off Duty? Der gleiche Regisseur hat erneut zugeschlagen und vernichtet öffentlich-rechtliche Gelder in einem triumphalen Krampf schlecht erzählter Geschichten.
Oder anders gesagt: Der ursprüngliche Plot stammt aus Spanien und hatte gänzlich andere Inhalte und ob der Einfallslosigkeit deutscher Filmemacher breitet man das Nichtkönnen merkwürdiger Regisseure über den Teppich an zwangseingesammelten Gebührengeldern und verbrennt sie in einem belanglosen Plot, der vor Lächerlichkeit und Dämlichkeit nur so glänzt.
Und dabei hat Wotan Wilke Möhring doch längst bewiesen, dass er es besser kann: Es tut einfach nur weh, die hart erkämpfte, filmische Ehrlichkeit Deutschlands mit Volldampf in den Scheißhaufen rasen zu sehen und nichts dagegen unternehmen zu können.
Ja, fürs Fernsehen könnte man diesen Plot sicherlich verwenden, dafür ist er schlechtgut genug, denn die langsam dahinsiechende Dattergreis-Generation wird sich sicherlich oft genug an den Herzschrittmacher greifen, um die Spannung und elendige Actionhast einigermaßen zu ertragen, aber jeder andere hat garantiert damit seine Schwierigkeiten.
Ich meine: Es gibt doch inzwischen eine weit verbreitete Anspruchsmesslatte, die man an Kinofilme anlegt und unter der man sich nicht bewegen sollte, wenn man vom allgemeinen Publikum auch angenommen werden soll.
Warum fabriziert man dann hier so eine – auf Deutsch gesagt – Scheiße? An Unglaubwürdigkeit, Lachhaftigkeit und selten dämlicher Nicht-Eloquenz kaum zu überbieten.
Für wen ist dieser Streifen also gemacht?
In erster Linie für den Autor selbst, der sich damit unfassbar bereichert und etwas auf die Füße stellt, für das jeder von uns grade stehen musste – und dafür sollte man ihn mal gehörig übers Knie legen.
Außerdem noch für diejenigen, die Spaß an Sonntag-Abend-ZDF-Unterhaltung haben und deren Intelligenzanspruch sich mit Alzheimer gemeinsam verbündet hat, denn dann merkt man nicht mehr, was hier eigentlich für ein Plot-Blödsinn gemacht wurde.
Und an alle, die Nick Tschiller als Tatort-Kommissar gut fanden.
Der Rest sollte einen weiten Bogen um dieses … Ding … machen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Schlecht, schlechter, Steig. Nicht. Aus.!
Christian Alvart bemüht sich, möglichst viele Gebührengelder in einem lächerlichen Plot zu verbrennen, der an allen Ecken und Enden einfach nur gnadenlos in die Bodenlosigkeit abstürzt. Dabei ist die Idee so genial, dass man daraus wirklich etwas hätte machen können, aber wer weiß, welchem ZDF-Intendanten das dann wieder nicht gepasst hätte …

 
Nachspann
nicht sitzen bleiben, hier kommt nichts weiter.
Kinostart: 12. April 2018

Tschiller: Off Duty

Ich habe noch nie einen Tatort gesehen. Warum? Ich mag das deutsche Kino nicht sonderlich. Anscheinend machen die Synchronsprecher internationaler Filme einen besseren Job als die originalen deutschen Schauspieler, denn mir fehlt in den Kinowerken aus heimischer Abstammung schlichtweg fast immer die Authentizität in punkto Sprache und Klangbild.
Til Schweiger macht hier scheinbar mit seiner oft als leidlich bezeichneten Stimme den großen Unterschied, obwohl das für manche auch kein Genuss ist. Doch wenigstens spielt er sich selbst und tut nicht so, als wäre er auf einer Theaterhochschule geboren worden, in der er niemals natürliches Sprechen gelernt hat.
Punkt zwei, weshalb gerade dieser Tatort mein erster war: Er lief im Kino. Angesichts der Schlagzahl meiner Beiträge hier und der bis dato 246 besuchten Vorstellungen innerhalb meines noch bis 24. April 2016 andauernden Kinojahrs dürfte ersichtlich sein, dass ich der großen Leinwand ein Fünkchen mehr abgewinnen kann, als dem heimischen Fernseher.
Wenn also jetzt ein deutscher Tatort mit “Spitzenbesetzung” ins Kino flattert, dann schaue auch ich mir das Teil an. Schon zu Bond-Zeiten war ersichtlich, dass hier mit ganz kalter Milch gekocht wird, denn der Tschiller-Trailer war der einzige, der so gar nicht in das Übermaß an Qualität bei der Vorschau zum Agenten des MI:6 gepasst hat. Und dennoch bin ich reingegangen. Obwohl andere bereits zur Premiere frühzeitig das Kino verlassen haben.
Das größte Problem, dem ich mich hier gegenüberstehen sehe, ist folgendes: Der Tatort ist ein Phänomen, das auf den öffentlich-rechtlichen Fernsehkanälen ausgelebt und zelebriert wird. Logisch habe ich hier und da mal ein zwei Ausschnitte beim Zappen mitbekommen, jedoch immer weitergeschaltet, weil mir die Größe zum Kinofilm einfach gefehlt hat. Diese Form von Unterhaltung gehört für mich schlichtweg ins TV und nicht auf die Kinoleinwand.
Und genau daran leidet die Story, die Aufmachung, das gesamte Werk: Für einen Fernsehfilm wurde hier richtig gute Arbeit geleistet. Dinge vollbracht, die sicherlich einige Münzen über den Tresen springen ließen und auch in punkto Kulisse hat man sich einige Mühe gemacht, um über den Tellerrand üblicher Fernsehproduktionen hinaus zu gehen und ein wenig Mehrwert zu bieten.
Dennoch reicht dieser Mehrwert eben nicht, um im Wettstreit mit anderen Kinoproduktionen mitzuziehen. Dafür ist es eben doch “nur” ein Tatort und kein Film internationaler Größe, der sich mit anderen Produktionen messen kann und dabei auch nur annähernd die Chance hat, in irgendeinem Feld zu punkten.
Klar, mit Fahri Yardim im Schlepptau erhält man hier wenigstens einen Darsteller, der mit etwas Ironie und Selbstwitz punkten und somit zumindest unterhaltungstechnisch einiges zu bieten hat, Til selbst war eher enttäuschend und auch das Gesamtkonzept der beiden Ermittler war für meine Erwartungen einfach viel zu unausgereift. Der ganze Plot wirkte so, als hätte man jetzt von irgendwem Geld bekommen, um irgendwas fürs Kino zu produzieren und dann einfach mal losgelegt ohne Ziel, Plan und Strategie im Hintergrund.
Und diesem Tenor schließen sich sogar die wenigen Medien an, die über das Spektakel berichten: Zu selbstjustizorientiert, zu viel Action für zu wenig Grips im Hintergrund und das im Vergleich zu anderen Action-Hirn-aus-Thrillern dann eben noch in mittelmäßig statt überragend.
Hätte man dieses Werk um 20:15 in der ARD gezeigt, hätte ich vielleicht meinen Hut gezogen und ihnen mit auf den Weg gegeben, dass die Richtung jetzt zumindest langsam anfängt zu stimmen. Der Sprung über bekannte Schauspieler hin ins Kino ist meines Erachtens aber nicht wirklich richtig gewesen, denn hier hat das Werk selbst gegen schlechte andere Kinofilme leidlich versagt.
Lediglich ein einziger Zuschauer applaudierte nach der Vorstellung und grinste über beide Backen. Älteren Semesters lässt dieser Mann mich weiterhin darüber grübeln, was genau am Tatort so packend ist, dass die ganze Welt ihn immer wieder einschaltet und damit für derart sensationelle Quoten sorgt. Ich für meinen Teil werde lieber weiter ins Kino gehen und darauf hoffen, dass die Fernsehmacher dort bleiben, wo sie hingehören: Im Fernsehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer auf den Tatort steht und sich den vierten Teil der Reihe auch besehen möchte, darf hier getrost ins Kino gehen und ihn auf der großen Leinwand bestaunen.
Für TV-Verhältnisse wurde hier übermäßig gut gearbeitet, als Konkurrenz für andere Kinofilme suckt dieses Teil einfach nur derbe ab. Weder ausgeklügelte Charakterprofile noch das sinngemäße Handeln der beiden Ermittler sind im Film zu finden. Alles konzentriert sich auf einige wenige gute Action-Momente, die allerdings im Fernsehen besser aufgehoben wären als im Kino.
Für mich war diese Show eher der Beweis dafür, dass ich mit meiner Tatort-Abstinenz bis jetzt alles goldrichtig gemacht habe und mich auch weiterhin eher auf Kino statt Fernsehen konzentriere.

 
Nachspann
wirkte relativ altbacken und erinnerte stark an die ARD, führt jedoch einige offene Fragen zu Ende und darf bis zum Schluss gesehen werden.

Halbe Brüder

Halbe Brüder ist für mich die Kinoüberraschung des Jahres. Eigentlich war mir nur langweilig und ich wollte die Zeit zwischen Wunschfilm 1 und Wunschfilm 2 über die Runden bringen und habe mir daher lückenfüllend noch ein .kinoticket für diesen Kinospaß gegönnt.
Hier haben wir eine brandgefährliche Kombination:

  • Sido
  • ein Türke
  • ein dunkelhäutiger Möchtegernrapper
  • deutsches Kino

Sind für mich vier durchschlagende Gründe, mir diesen Schwachsinn nicht zu Gemüte führen zu müssen. Aber was tut man nicht alles, wenn die Eintrittskarten nichts mehr kosten … Gott sei Dank.
Denn gelacht haben wir von Anfang an – und auch bis ganz zum Schluss, denn hier endet das Zwerchfelltraining keine Sekunde früher als nach dem kompletten Abspann.
Irgendwie funktioniert diese Combo hier so wunderbar, das hätte ich niemandem der involvierten Hauptdarsteller zugetraut. Gerade Tedros Teclebrhan führt mit seiner supercharmanten Art ganz viel Wohlfühlfaktor ein und sorgt permanent für gute Stimmung im Saal. Und weder Sido noch Fahri Yardim machen an dieser Seelengeborgenheit etwas kaputt.
Im Gegenteil: Die drei Halbbrüder teilen sich mit ihren unterschiedlichen Lebensweisen eine Geschichte, die dich sofort in seinen Bann reißt und weder blöd, noch dümmlich, noch überdreht oder gehypt-cool daher kommen möchte, sondern die authentisch und ehrlich sein will und darum auch vollständig überzeugt.
Selbst die Cameo-Auftritte überzeugen mit mächtig viel Spaß und sorgen für noch mehr Lacher, wenn ihre Zeit gekommen ist.
In einem deutschen Kinofilm habe ich noch nie in meinem Leben derart viel Vergnügen und Freude empfunden – und ich habe mir bislang auch noch keinen deutschen Film 2x im Kino angeschaut. Diesen hier schon.
 

.kinoticket-Empfehlung: Vorurteile an der Kinokasse abgeben und richtig lustige, deutsche Unterhaltung erleben, die dich in allen Belangen einfach nur positiv überrascht.
Vergesst, wie die Typen heißen, die hier spielen und vergesst für zwei Stunden ihre Vergangenheit – das hier macht einfach nur Spaß und ist es wert, gesehen zu werden.
Gerne mehr davon!

 
Nachspann
sollte man zwingend anschauen – hier wartet man nochmal mit richtig vielen Lachern auf – und das bis ganz zum Schluss! Sitzen bleiben!

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