.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Chris Tall

Smallfoot

SMLFT_Teaser_4c.indd
© 2018 Warner Bros. Ent.

 
Ganz ohne Spaß: Smallfoot zählt zu den besten Kinderfilmen, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Und das hat viele Gründe.
Ich schaue ja sehr viel und habe mich zuweilen auch sehr tief in die Sphären des Kids-Cinema eingegraben und hier schon sehr viel Blödsinn und Mittelmäßiges vor die Augen gekriegt. Es gibt hier und da ein paar Ausnahmen, aber selbst von Disney gefällt mir vieles überhaupt nicht, was Kinderfilme angeht.
Smallfoot hat schon im .trailer gewissermaßen anklingen lassen, dass hier jetzt einiges anders läuft und der Film selbst ist einfach nur Bombe!
Der Humor ist erstklassig, zügig umgesetzt und triumphiert in vielen Szenen durch so ein Gagbombardement, dass die Kinder sich vor Lachen fast in die Hosen machen – und man selbst als zorniger Erwachsener langsam anfängt, seine Mundwinkel nach oben zu reißen und letztendlich einfach lachen muss. Diese Version, für die man sich hier entschieden hat, die Art Humor, ist megamäßig und geht einem zu keinem Zeitpunkt des Films in irgendeiner Form auf die Nerven oder langweilt durch Wiederholung oder Ausreizen verschiedener Gags. Wirklich erste Sahne!
Die Charakterzeichnung wurde hervorragend gemeistert. Die Männer sind nicht “männlich ohne Gnade” und die weiblichen Figuren nicht überweiblicht, sondern alles hat einen derartig realistischen Zusammenhang, dass man meinen könnte, alles wäre echt so. Hier braucht nicht von Inklusion, Genderneutralität oder dem ganzen Quatsch geredet werden, der Film ist in seiner “Gendersprache” einfach in Ordnung, weil er sich nicht drum schert, sondern einfach völlig normale Figuren nebeneinander stellt und sie ihre Geschichte spielen lässt.
Versteht das also nicht falsch: Der Film ist nicht “politisch korrekt” und achtet penibel auf möglichst unverletzliche Aussprache, im Gegenteil: Er ist einfach völlig normal. Alte Schule. Das ist ein riesiger Unterschied! Er schert sich nicht um diesen Mist, tritt dabei gleichzeitig aber niemandem auf die Schuhe, sondern umwärmt einen mit einer Portion Normalität, dass man sich wünscht, die restliche Welt wäre genauso.
Die Moral – wobei: Moral ist hier das falsche Wort, das hört sich schon wieder so geschichtsbuchmäßig an – also das “Lerneffekt-Dings” tut gut und rührt durch seinen unbescholtenen Defensivismus in der Unterschwelligen-Liga fast schon zu Tränen: Nicht, weil hier rührselige Komponenten in den Plot eingeflochten wurden, sondern weil das Teil so herrlich unterschwellig ist und man auch da – in einem Kinderfilm (!) – zeigt, wie es richtig gehen kann: Damit leistet der Streifen perfekte Erziehungsarbeit und flößt unterschwellig gute Werte, ethisches Verhalten und Normalität in die Kinderköpfe, die sich in 1-2 Generationen dann evtl. wieder zu normalen Menschen entwickeln und dem ganzen Wahnsinn da draußen ein Ende setzen.
Smallfoot ist also gewissermaßen das Venom für Kinder, in natürlicher FSK-Freigabe und ohne irgendjemandem Schaden zuzufügen. Weder visuell, noch sprachlich, noch zeichnerisch, noch irgendwelche Bio-Fanatiker unterstützend – das Ding ist einfach gesund und normal, heil und heilsam und pure Energie und Leben für groß und klein.
Und je länger ich darüber nachdenke, umso fester steht mein Entschluss: Das ist der beste Kinderfilm, den ich je in meinem Leben gesehen habe.
 

.kinoticket-Empfehlung: Einer der besten Kinderfilme, die es gibt – wenn nicht sogar DER beste schlechthin.
Der Humor ist großartig, die Charakterzeichnung perfekt, der ganze kranke Mist wurde außen vor gelassen und trotz seines absurden Themas glänzt dieser Film durch eine natürliche Normalität, die man fast überall da draußen grad nur vermisst.
Dieser stechende Dorn, der einem bei anderen Filmen oftmals begegnet, ist hier einfach nicht zu finden, obwohl ich die ganze Zeit danach gesucht habe: Das Ding hat mich vollkommen überzeugt und vom Hocker gerissen und ich werde sehen, dass ich es noch in die ein oder andere Wiederholungsvorstellung schaffe.

 
Nachspann
✅ voll süß gemacht und schön bis zum Ende hin durchanimiert, man braucht also nicht gleich aufspringen.
Kinostart: 11. Oktober 2018
Original Title: Smallfoot
Length: 96 Min.
Rate: FSK 0

Verpiss dich, Schneewittchen!

Bülent Ceylan ist mir noch bekannt aus den Zeiten, wo ihn noch niemand so richtig kannte, er völlig frisch war und durch etwas Originelles frischen Wind in die ermüdete deutsche Fernsehlandschaft gesprüht hat. Damals hab ich ihn wirklich gemocht und seine Sendungen und Auftritte extra eingeschalten.
Und wie es mit dem Erfolg so ist: Kaum wird man bekannter, kommen die Bosse aus ihren Sesseln hervorgekrochen und werfen mit Verträgen um sich, aus Hobby wird Verpflichtung, aus Genialität wird Wiederholung und irgendwann ächzt der größte Meister unter der Belastung, die der kommerzielle Erfolg mit sich im Handgepäck trägt.
Damals hat RTL ihn unter seine Fittiche genommen und als ich dann Jahre später beim Zappen mal wieder auf ihn gestoßen bin, war ich leicht schockiert. Nicht weiter schlimm, denn als Zuschauer hat man ja immer die Chance, einfach abzuschalten und jeden seiner Wege gehen zu lassen. Genau das hab ich vorerst auch getan.
Inzwischen enttäuscht von der fehlenden Informations- und Unterhaltungsstärke vom TV abgewendet ist mein neues Hobby bekanntermaßen auf die große Leinwand umgeschwungen und da begegnete mir doch kürzlich ein alter Bekannter mit seinem Kinodebüt wieder: Bülent Ceylan.
Mein Humorgeschmack ist das längst nicht mehr und obwohl Ceylan im Interview gesagt hat: “Wir wollen auch später noch mit Stolz auf unsere Arbeit zurückblicken”, ändert das meiner Meinung nach nichts an der Veränderung, die er als (Schauspiel)-Charakter hingelegt hat.
Wie ich immer so schön sage: Kein Film ist schlecht, nur das Publikum ist manchmal das falsche. Es gibt immer Abnehmer für diese Art von Humor und Unterhaltung und deshalb wäre es anmaßend von mir, zu behaupten, dass dieser Film Dreck ist. Da haben andere (Schein)Größen schon wesentlich schlechteres abgeliefert und sind damit richtig auf die Fresse geflogen. Ich denke, Ceylan hat schon recht mit dem, was er sagt: Er ist authentisch er selbst und lebt genau das, was er zu dieser Zeit jetzt verkörpert. Und ich persönlich glaube, dass auch seine Fans in ein paar Jahren noch mit Stolz auf das zurückblicken, was er in diesem Film geleistet hat – nur mein Geschmack ist es eben einfach absolut gar nicht.
Die Songs allerdings – das erkenne ich neidlos an – sind toll gemacht!
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer seine TV-Sendungen liebt, wird an diesem Film genauso Gefallen finden und seinen Spaß haben.
Die Gags sind halt nicht immer der Brüller, sondern befriedigen ein ganz spezielles Publikum, zu dem ich mich diesmal so überhaupt nicht zähle, es aber niemandem absprechen möchte, diese Art des Entertainments zu genießen. Man sollte sich vorher eben einfach nur darüber im Klaren sein, dass dies hier gewollt nicht zum elitären Kreis gehört, sondern man sich ganz gezielt das Publikum vorausgewählt hat. Und denen liefert man genau das, was sie dann auch gerne sehen möchten.

 
Nachspann
Ist mit Outtakes gespickt, bleibt also ruhig bis ganz zum Schluss sitzen. 🙂
Kinostart: 29. März 2018

Männertag

Was freuen wir uns alle, endlich sind wieder echte deutsche Männer auf der Leinwand und sie trinken Bier! Yeah – ein Grund, um ins Kino zu rennen und so richtig zu … kotzen!
Wenn das eine großangelegte Kampagne für diese typischen Bierhelme sein soll, dann mag ich der Aktion noch ihren Segen absprechen, für einen Kinofilm war mir aber der Fremdschämfaktor um einiges zu groß, als dass ich hier auch nur eine Blüte Gutes an dem Titel lassen könnte.
Entschuldigung – die Charaktere entspringen wieder mal gefühlt der Feder eines zweitklassigen Praktikanten, dem in seiner Vorlesung langweilig war und der irgendwas mit Bier machen wollte. Und genauso ergreifend sind auch die Auswüchse der Charakterprofile, die man im Film umgehend beleuchtet…. äh … einfach zeigt und da ist er. Yoah, das war’s dann auch. Achso, jetzt passiert dann noch irgendwas … egal, trinken wir erstmal ein wenig Bier.
Ich spreche hier nicht von Vorhersehbarkeit – das ganze Teil ist vorhersehbar. Ich spreche auch nicht davon, dass man nicht allzu ausführlich ins Detail abdriften muss, um eine Person näher zu beleuchten und ihr einen Rahmen und eine Seele zu verpflanzen. Ich spreche davon, den Leuten überhaupt Geist einzuhauchen, um sie fit für die Leinwand zu machen und etwas zu liefern, das dem Zuschauer auch Anreiz bietet, um überhaupt ins Kino zu gehen, wenn man nicht besoffen ist.
Denn nur in besoffenem Zustand kann der Film vielleicht Spaß machen, wenn man nichts mehr von Logiklücken merkt, die idiotische Spielweise der Darsteller billigt und sich nicht über die völlige Realitätsferne aufregt, die hier im Film als gegeben hingenommen und toleriert wird.
Anspruch? Fehl am Platze. Stattdessen hat man ein klein wenig Esprit in die Auswahl der Schauplätze investiert und diesen Punkt auch gleich mal klammheimlich zum eigentlichen Star des Films gekürt, denn sehr viel mehr kommt da nicht mehr – abgesehen vom Bier. O_o
Die aufgesetzte Fröhlichkeit ist bald dahin, der siechend-schmelzende Tiegel an Freundlichkeiten und Moralapostelgetue auch schon zur Stelle, dazu noch eine Brise gequirlte Facebook-Funny-Site-Weisheit und fertig ist der Mix an deutscher Unterhaltung, der uns international wieder ein Stück mehr lächerlich macht.
Und Jungs – ich hab nichts dagegen, wenn man hier Randgruppen anspricht, die inzwischen keine Randgruppen mehr sind und auf Dinge eingeht, die in unserer Gesellschaft Einzug halten und daher auf die Gesprächslisten gehören, damit sich die Bevölkerung damit auseinandersetzt und endlich Licht ins Dunkel bringt und Vorurteile ausräumt – aber so?
Das war für mich einer der größten Rückschritte, die man in diesem Fall überhaupt hat machen können, der für mich eher wieder für mehr Intoleranz und Rassismus wirbt, um dieser Peinlichkeit einfach ein Ende zu setzen.
Auch wenn das ein gut gemeinter Versuch gewesen sein soll – sorry, das ist einfach nur peinlich, beschämend und lächerlich, wie gezwungen und unbarmherzig man damit an dieser Stelle umgeht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich versuche immer, das richtige Publikum für den Film zu finden, und da fallen mir an dieser Stelle nur besoffene Kids ein, die etwas professionellere Handyvideos kucken wollen und auf Bier stehen.
Für alle anderen kann sich der Film als ganz tief empfundener Griff ins Klo entpuppen, denn keiner der Schauspieler überzeugt hier mit Leistung und die Story ist auch komplett für die Katz.
Und als jemand, der Horror und Psychospielchen, die weit über den Rand des Üblichen hinausgehen, mehr abgewinnen kann als andere, hab ich zum ersten Mal ein ganz klein wenig Hass für die Pietätlosigkeit empfunden, mit der man hier auf Basis der Emotionen der Zuschauer spielt, auch wenn diese am Schluss dann in die richtige Richtung aufgelöst wird, alles andere hätte man wohl auf den Index geschoben.
Ich würde auf jeden Fall nicht mehr reingehen und kann das auch niemand anderem empfehlen – dafür läuft zur Zeit einfach viel zu viel besseres, mit dem man sich die Zeit im Kino versüßen könnte.

 
Nachspann
darf man abwarten, der ist voll mit Material und das auch bis ganz zum Schluss.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén