.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Charlotte Le Bon

The Promise – Die Erinnerung bleibt

Meine Erwartungen an diesen Film habe ich beim Startschuss der .trailer-Kategorie ja hier bereits mitgeteilt und es wird höchste Zeit, dem Film nun seine endgültige Bewertung zu verpassen und euch zu verkünden: Meine Einschätzung war absolut richtig, denn das Werk hat meine Ansprüche weit übertroffen.
Wie dem Plakat bereits ansatzweise zu entnehmen ist, wartet man hier mit absolut eindrucksvollen und einprägsamen Bildern auf, die eine visuelle Gewalt auf den Zuschauer loslassen, die bleibende Eindrücke hinterlässt.
Sich mit einem Thema zu beschäftigen, dass in der Zeit lauten Geschreis in der Welt nahezu unterzugehen scheint und nirgendwo weltweit derartige Aufmerksamkeit zugesprochen bekommt, zeugt von verantwortungsbewusster Hingabe, den Menschen außerhalb von Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen die Möglichkeit zu geben, sich inmitten von Unsicherheit, Krieg und Verwirrung der Dinge habhaft werden zu lassen, die in der Vergangenheit himmelschreiendes Unrecht verursacht haben und bis heute ungesühnt sind.
The Promise unterrichtet hier vielmehr als er unterhält, auch wenn die Spannung teilweise kaum zu ertragen ist. Sicherlich hat man an einigen Stellschrauben für die cineastische Tauglichkeit gedreht, um den Plot soweit zu perfektionieren, dass die unbewussten Erwartungshaltungen der Zuschauer im Stillen befriedigt werden. Was jedoch sehr viel mehr heraussticht, ist der Blick auf eine Sünde, die bis heute nach Gerechtigkeit schreit und der man sich jetzt endlich (wenigstens) im Kino annimmt.
Schon in der Vergangenheit habe ich oft behauptet, dass die Leinwand ein mächtiges Instrument ist, um all die Schäden zu reparieren, die anderswo verursacht wurden und breitgefächerte Veränderungen herbeizurufen. Mit dieser Meisterleistung schafft man damit ein gnadenloses Vorbild für solche Filme.
Was mich ungemein beeindruckt hat, ist die absolut ruhige, zielstrebsame und wirkungsvolle Kraft, die sowohl den Bildern als auch dem Soundtrack inne liegt. Mit Oscar Isaac hat man ebenfalls einen Hauptdarsteller gefunden, der in die Rolle perfekt passt und mit seinem Unverbrauchtsein auch nicht an das gegenseitige Aufmerksamkeits-Bekriegen von VIP-Persönlichkeiten erinnert, sondern der sich integrativ in seine Rolle einfügt und neben Schauspielgrößen wie Christian Bale eine unglaublich gute Verkörperung seines Charakters abliefert. Überhaupt gehört der Casting-Crew ein großes Lob ausgesprochen, denn die Schauspieler wurden tatsächlich erstklassig besetzt.
Schaut man in das herzerweichende Gesicht von Charlotte Le Bon, fühlt man automatisch mit ihr, was die emotional-tiefgreifende Wirkung ihrer Rolle noch viel mehr bekräftigt. Damit distanziert man sich von der üblichen Klischee-Lovestory mit irgendwas drumherum, sondern erschafft eine völlig neue Erzähl-Dimension, die sich zwar auch mit Bindungen beschäftigt, jedoch einer weitaus größeren Sache die Bühne nicht abspricht.
Diese respektvolle Zuwendung an die höhere Sache und die wirklich unglaublich wirksame Darstellung, die sich im Verlauf des Films immer mehr zuspitzt und in einem unfassbaren Finale mündet, hinterlässt beim Zuschauer auf jeden Fall bleibende Eindrücke und verschafft damit durch die Veröffentlichung den Geschädigten dieses historischen Ereignisses nachträglich Gerechtigkeit.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn die Kinos derzeit mit anderen Blockbustern geflutet werden und sich die allgemeine Aufmerksamkeit ganz woanders befindet, so – oder gerade deshalb – ist der Blick in diese Nische um so wichtiger, denn hiermit erhält man eine Perle, die ihre unglaubliche Kraft erst auf der großen Leinwand entwickelt.
Der Weg ins Independent-Kino sollte also dringlich (und vor allem zügig) angetreten werden, denn die Show lohnt sich. Und das nicht nur wegen der beeindruckenden Kameraführung oder dem stilvollen Gabriel Yared-Soundtrack, sondern vor allem wegen dem, was uns die Macher damit erzählen wollen.
Definitiv reingehen, so lange er läuft.

 
Nachspann
Musik – ich liebe Musik und gehöre schon von Kindheit an zu denjenigen, die den Kompositionen im Abspann niemals abgeneigt waren. Wer jedoch neue Szenen oder andere Überraschungen möchte, wird diesmal nicht fündig.
Kinostart: 17. August 2017

Bastille Day

Was den Film ganz von Anfang an prägt, ist seine unglaubliche Liebe zur Natürlichkeit. Alles, was man auf der Leinwand sieht, sprudelt förmlich vor “Das könnte genau so neben meiner Haustüre passieren” und entsagt jeglicher aufgepumpter, amerikanischer Patriotismus-Heldenmanier, die in vielen Blockbustern als Publikumsmagnet genutzt wird. Dieser Titel ist für mich in allen Facetten und Formen ein unglaublich starker Vorbildgeber für jeden Tatort, der mit all seinen Mitteln und Facetten versucht, die Menschen zu unterhalten und neben Bastille Day einfach sang- und klanglos untergeht.
Hier wurde Action-Thriller-Geschichte der besonderen Art geschrieben, die weniger auf die CGI-überladene Zukunft des Kinos als vielmehr in Richtung der 70er ausgerichtet ist, wo den Filmen und Charakteren innerhalb selbiger noch die verschiedensten Eigenschaften zugesprochen wurden, die sich im Laufe des Plots entweder erhärteten oder veränderten.
Hier schickt man gleich drei dieser wichtigen Schlüsselfiguren ins Rennen und bastelt darum eine Geschichte, die nicht nur sensationell unterhält, sondern auch zeitgeschichtlich wahnsinnig aktuell ist und einmal mehr die tief strukturierte Flucht in die Abgründe von Macht und Korruption offenbart. Dieser Coup ähnelt einer Jagd nach der Wahrheit, über die die Öffentlichkeit falsch und unter Anwendung von viralen Hypes bewusst desinformiert wird, so dass der normale Bürger eine gänzlich falsche Auffassung von politischen und kriegerischen Handlungen erhält und entwickelt und darauf basierend der Gefahr von Falschinformationen ausgesetzt ist, die zu völlig surrealen Resultaten in der öffentlichen Wahrnehmung führen.
Dass die Macher alles daran gesetzt haben, immer möglichst nah auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben und nicht durch überzogene CGI-Unterstützung die Plattform der Realität zu verlassen, zeichnet diesen Streifen mehr als deutlich aus.
Was auch im Gespräch mit anderen Kritikern offenbar wurde, ist, dass auch in breiterer Reihe die urtümliche Geschichte eher als etwas “lächerlich” (falsches Wort) wahrgenommen wird, da die Ideen hier zwar toll sind, jedoch etwas unwirklich und aufgesetzt wirkten, die Umsetzung derselben aber auf wahnsinnig hohem Niveau stattfindet und somit das Manko der Überzogenheit an einigen Plot-Stellen sehr wohl vergeben werden kann, weil die Arbeit rundherum einfach kritiklos passt.
Genau so war auch mein Empfinden, denn ich hätte mir diese Art “Jagd” auch lieber in einer abendfüllenden, gigantischen Show im Fernsehen gewünscht, die sämtliche Fernsehfilme in den Schatten stellt und dem Zuschauer einfach wahnsinnig hochwertige Kost in die Wohnzimmer liefert. Dafür ist Bastille Day allerdings viel zu wertig, um es einfach im TV abzuspulen und dann auf verschiedensten Kanälen verkommen zu lassen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer sich in den 70ern gerne Filme mit Esprit und personell-strukturiertem Charme angesehen hat, die nicht nur überragende Bilder, sondern auch hervorragende Entwicklungen parat hatten, der wird sich mit Bastille Day in vergangene Zeiten zurückversetzt fühlen und kann erneut den totalen Charme dieser Kinoepoche wieder ausleben und genießen.
Fernsehproduktionen können sich nicht nur vorbildliche Inspiration abholen, sondern auch gleich lernen, wie richtig gute Unterhaltung funktioniert, bei der auch die Massen an die Stühle gefesselt werden ohne dabei auf den Geist von Profiltiefe und Sinn hinter dem ganzen zu verzichten.
Dass hier dann auch noch extrem wichtige Aspekte unseres gesellschaftlichen Lebens angesprochen werden, ist für mich die Kirsche auf der wahnsinnig wohlschmeckenden Sahnetorte, die den Film zu einem sehenswerten Event macht, das man sich als Kinoliebhaber auf keinen Fall entgehen lassen sollte.
Schnappt eure Partner/innen, ladet die Eltern und Freude ins Auto dazu und macht euch auf den Weg, um euch diesen Film gebührend anzusehen – es lohnt sich!

 
Nachspann
spielt nur die üblichen Infos durch und liefert keine weiterführenden Szenen oder Bilder.
Kinostart: 23. Juni 2016
Social: https://www.facebook.com/StudiocanalGermany

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén