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Tag: Bryce Dallas Howard

Jurassic World: Das gefallene Königreich (3D)

Testfrage: Gehst du in Jurassic World: Das gefallene Königreich – evtl. sogar in eine 3D-Vorstellung?
Menschen, die unlängst bei der Vorbestellung zugeschlagen haben, dürften hier schon eine feststehende Antwort parat haben. Und alle anderen? Hand aufs Herz? Ja oder nein?
Daran seht ihr, dass die Entscheidungen eigentlich schon längst gefallen sind und man daran auch als Kritiker womöglich nicht mehr wirklich etwas ändern könnte.
Und darum wird der Film auch funktionieren.
Logisch. Der alte hat ja auch funktioniert. Jurassic World gehört immerhin zu den weltweit (!) erfolgreichsten Filmen aller Zeiten nach Einspielergebnis (da ist das böse Wort) und belegt dort gleich Platz 5 im Ranking. Sein Urvater Jurassic Park schafft es im Jahr 1993 sogar auf den historischen Platz 1 auf der Toplist der weltweit erfolgreichsten Einspielergebnisse.
Als erfolgreichstes Franchise räkelt sich die Filmreihe derzeit auf Platz 12, was sich demnächst dann ändern dürfte. Franchise?
Das ist dieses Ding, wo jemand eine – zugegebenermaßen – grandiose Idee hat, sich dann hinsetzt und ein Papier aufsetzt, in dem steht, was andere mit dieser Idee im Rahmen der Freigaben anstellen dürfen und fortan damit nur noch Geld verdient. Und hier fangen die Probleme an. Ja, Entschuldigung, ich jammere …
Jurassic Park war damals einzigartig. Was gab es drumrum an Filmen? Wie sah der Markt aus? Was wurde dem Zuschauer an Gros aus Filmen geboten, wenn er sich für ein Lichtspielhaus entschied? Welche Alternativen gab es? Alles war gleich. Mehr oder weniger. Normale Menschen, normale Größen, mal lustig, mal traurig, aber alles auf ein und demselben Level.
Und es gab Jurassic Park. Dinosaurier! Egal, ob man sich vorher dafür interessiert hat oder nicht, danach tat man es. Diese unfassbare Vorstellung, dass diese Viecher, von denen keiner von uns je eines lebend gesehen hatte, jetzt lebendig auf der Leinwand rumtobten und dort jede Menge Krawall anrichteten – ein Traum! Allein die Faszination des Lebens ganz neu bestaunen zu dürfen und von den Protagonisten mitgerissen zu werden – das Dinofieber war ausgebrochen und ein Wort bekam neue Dimensionen: Superlative!
Die Dinos waren vor allem eins: Groß und mächtig. Wir Zuschauer fühlten uns unterlegen, klein, voller Begeisterung und Bewunderung – gefesselt von der Magie und Faszination, fast schon demütig vor ihnen und zuckten alle in unseren Sesseln zusammen, wenn das schwere Trappen der übergigantischen Monster zu vernehmen war. Es gab nichts, was ihnen den Rang ablief. Sie waren die absoluten Götter der Giga-Dimension mit einer vernichtenden Kraft, vor der man ganz automatisch in die Knie ging.
Heute?
Gibt es Godzilla, Kong: Skull Island, Transformers, Transformers – Die Rache, Transformers – Die dunkle Seite des Mondes, Transformers – Ära des Untergangs, Transformers – The Last Knight, Pacific Rim, Pacific Rim: Uprising, Cloverfield, 10 Cloverfield Lane, Monsters, Rampage: Big meets Bigger … und? Jurassic Park, Jurassic Park II, Jurassic Park III, Jurassic World und nun eben auch Jurassic World: Das gefallene Königreich. Um mal nur ein paar zu nennen.
Die Einzigartigkeit, die Jurassic Park damals ausgemacht hat, das “riesige” was uns über den Kopf gewachsen ist und seit jeher in den historischen Gedanken der Menschheit verankert existierte, wieder neu zum Leben erweckt, fristet heute ein Dasein in einer dunklen Nische und ist umgeben von Superlativen, in denen wir alle in den letzten Jahren längst ersoffen sind.
Geben wir es doch zu: Keiner will mehr was von diesen monströsen “immer noch größer und noch besser und noch schlechter animiert, aber dafür 2489 Billiarden teurer”-Filmen mehr sehen, denen jedweder Geist und Seele fehlt und denen es allen nur ums Geld geht, aber nicht mehr um eine grandiose, und vor allem funktionierende Geschichte.
Willkommen in Jurassic World. Verdammte hacke!
Und jetzt fang ich wirklich das Kotzen an! Warum?
Ihr erinnert euch an meine jüngsten Hasstiraden gegen den Megakonzern Disney, der das weltweit unrühmliche Beispiel geliefert hat, wie man aus etwas Wunderschönem eine karambolagierende Untergangsmaschinerie gestaltet und damit zahlungsunfähige und filmliebende Kinos ausblutet, die fortan mit schlechteren Filmen die großen Blockbuster subventionieren müssen, um über Wasser zu bleiben?
Universal Pictures folgt ihrem diabolischen Beispiel. Sie wollen Geld. Sie werden raffgierig. Sie kriegen nicht genug. Die Zeiten der Dankbarkeit und des “Hey, Wow, wir haben es weltweit zu Bekanntheit und Ruhm geschafft” sind vorbei und machen dem Mammon Platz. Irgendjemand hat zwischen seinen Trilliarden immer noch Lücken im Portmonee und die müssen dringend auf Kosten von kleinen Kinos gestopft werden!!! Da werden harte Verhandlungen im Hintergrund geführt, die sogar Multiplex-Kinoketten wie CinemaxX in die Knie zwingen und bis ganz zum Schluss die Entscheidungen offen stehen lassen, ob Jurassic World 2 dort überhaupt anlaufen wird oder nicht. Warum? Weil der Konzern so immens hohe Gebühren fordert, dass die Kinokette daran nichts mehr verdienen würde.
Ernsthaft jetzt?
Und was machen dann die kleinen, die nicht so solvent und zahlungsstark sind wie solche Megaketten?
Ist das wirklich euer Ernst? Ist das der Respekt vor dem Leben und die Aufrichtigkeit, die uns Jurassic Park gelehrt hat?
Ihr – die ihr die Macht in euren Händen haltet, hättet mit beispielhaftem Vorbild vorangehen müssen und sagen: Wir geben ihn euch. Wir machen damit sowieso Kohle. Unfassbar viel Kohle! Wir verdienen so viel, wie wir niemals tragen oder ausgeben können. Hier ist ein Bruchteil dessen für euch, damit keiner sich zu Tode schuften und irgendwas subventionieren muss, um unseren Film zu zeigen.
Ihr habt nämlich vergessen, dass Kinos die Plattform sind, wo eure Filme gezeigt werden und ihr auf diese Häuser angewiesen seid. Ohne ihre Leinwände seid ihr … nichts! Eure ganze verdammte Großkotzigkeit ist NICHTS ohne eine Leinwand! Ihr verachtet mit solch einer Aktion eure eigene Familie und blutet die aus, die dafür sorgen, dass ihr euch hinterher stolzierend brüsten und selbst feiern könnt, weil nur die Kinos die Menschen anlocken und dort eure Werke gefeiert werden. Oder eben nicht.
Ich warte bis heute auf den Konzern, der das einsieht und der endlich ein markantes Beispiel setzt und sich erkenntlich zeigt. Der es begreift, wenn man große Macht hat, dass darauf große Verantwortung folgt. Habt ihr denn alle nicht euren eigenen Worten zugehört? Habt ihr nichts von den Superhelden der Vergangenheit gelernt? Scheinbar nicht.
Und dieser Umstand kotzt mich an! Recherchiert man ein wenig, findet man ruckzuck Kinos, in denen ein (1!!!) Ticket für einen Film in 3D knappe 30 € – also 60 DM – kostet. Warum DM? Weil ich an die Zeit erinnern wollte, wo man für 50 Pfennig durch die Tür gelassen wurde. Aus 0,25 € wurden 30,00 €. Findet ihr nicht auch, dass ihr durch diesen Wahnsinn den Kinogängern eh das Geld aus der Tasche zieht? Und dass immer genügend Gewinne da sein werden, in denen ihr euch suhlen könnt?
Okay okay … wenn ihr auch etwas dafür bietet. Dann schauen wir doch mal.
Jurassic World: Das gefallene Königreich – gefallen … gehört das zur Selbsterkenntnis oder ist euch nichts besseres eingefallen? Selbst der grottenschlecht abschneidende Solo: A Star Wars Story hatte Momente, die an seinen Schöpfer erinnerten und bei jedem die Gänsehaut aufflammen ließen, z.B. als die beiden erstmalig im Millennium Falcon sitzen und der Beat von Star Wars erklingt. Redet den Film schlecht. Kritisiert seine Unzugehörigkeit zum Rest von Star Wars, aber die Szene hat funktioniert. Und davon hättet ihr in Jurassic Park genügend Ansatzmöglichkeiten gehabt, um genau das wieder hervorzurufen.
Und was tut ihr stattdessen? Weiß jemand, was Killcounts sind? Diese Counter, die am Bildschirmrand mitzählen, wieviele Leute abgemetzelt werden? So etwas hätte ich gerne im Eck gehabt, und zwar für Logikfehler.
Ein Dino rammt mit seinem Schädel gegen Wände und bringt massive Betonsteinmauern zum Einsturz und scheitert anschließend an einer kleinen Holzdiele? Läuft.
Dino rennt eine Treppe hoch und hinterlässt Zerstörung und das absolute Chaos, erklimmt das Dach und die zerbrechlichen, sensiblen kleinen Dachziegelchen bleiben allesamt heile? Läuft.
Oder euer Einfallsreichtum. Ich kann mir das so vorstellen: “Was hat denn schon mal funktioniert?” “Hm… keine Ahnung? Dinos?” “Ahh … ja. Welche denn?” “Ähm, wir könnten … irgendwas mit Raptoren. Ach und T-Rex vielleicht.” “Ja, machen wir das doch. Wie halten wir das Budget gering?” … das könnt ihr im Film selbst anschauen.
Euer Film erstickt an seiner eigenen Vorhersehbarkeit. Ausnahmslos jede einzelne verdammte Szene ist vorhersehbar. “Jetzt passiert das.” … und es passiert. “Und jetzt müsste das passieren” und es passiert. “Und jetzt müsste sie eigentlich dahin rennen.” … und sie rennt dahin. So geht das den ganzen Film über. Es gibt absolut keine Überraschungen oder Momente, die einen wirklich vom Hocker reißen und auch nur ansatzweise das Staunen, die Mystik und Faszination zurückkehren lassen, die uns Jurassic Park einst lieferte. Statt dessen presst sich aus allen Poren etwas völlig anderes: Scheinheilige Kompromisse, um ja niemanden auf der ganzen Erdkugel vor den Kopf zu stoßen. Jurassic World 2 ist alles: heilig, halal, vegan, bio, glutenfrei, koscher und laktoseintolerant. Diese Kompromissbereitschaft und das Daniederliegen in Angst, auch nur einen einzigen Cent zu verlieren, weil IRGENDJEMAND sich vor den Kopf gestoßen fühlen könnte, ist zum Erbrechen!
Ich meine: Überlegt euch das mal… wir haben hier einen Film mit der wohl gewaltigsten Schöpfung und Kraft, die es auf diesem Planeten jemals gegeben hat. Eingepackt in einen Film, der vor Symbolträchtigkeit und Schwere von niemandem anzuheben ist und eigentlich Unvergleichbar sein sollte. Und seine Schöpfer haben Angst? Angst davor, Geld zu verlieren? Stattdessen verlieren sie sich selbst in einer Kompromissbereitschaft, die zum Himmel stinkt und in einer öden, langweiligen und lahmarschigen Variante seiner selbst untergeht und aus etwas Meisterwerk-Unangreifbarem einen Schundfilm gemacht hat, der wie ein billiges, hässliches Kind wirkt, dass mit nichts zufrieden ist, was man ihm gibt.
Die Dialoge sind so dermaßen öde und langweilig, uninspirierend und langsam, überhaupt nimmt der Film keinerlei Fahrt auf. Alles ist einfach da. Dinos rennen. Juhu. Ach nein, auf einmal stehen wieder alle einfach nur rum. Obwohl im Hintergrund …. egal. Spoiler ich? Tschuldigung. Da … eine offene Autotür. Ach Mist, der Dino ist noch nicht da. Warten … Warten …. bloß nicht einsteigen … nicht reingehen und einfach abhauen und wegfahren. Kucken! Warten und Kucken! Noch mal kucken! Und warten. Jetzt ist der Dino da. Ein Schritt. Es wäre nur ein Schritt. Aber ich gehe ihn nicht. Sondern warte lieber. Und kucke den Dino an. Der bewegt sich. Auf mich zu. Ich bewege mich aber nicht, denn ich muss kucken. Und warten. Und zack – ist meine zehnstündige Chance, im Auto mit offener Tür direkt vor meiner Fresse auf einmal unwiderbringlich verloren.
MEINE FRESSE! Und sowas verkauft ihr uns als erfolgreichsten Dinofilm aller Zeiten, der so verhandelbar stark ist, dass ihr sogar Monster-Kinoketten in die Knie zwingen wollt, so dass sie daran nichts mehr verdienen?
Go, fuck yourself.
Das einzige, das an diesem Film gigantisch ist, ist der gigantische Schlag in die Fresse eines jeden, der im Leben schon mehr als 5 Filme gesehen hat, den ihr nach Strich und Faden verarscht und ihn perverserweise noch dafür bezahlen lasst. Und zwar teuer. Teuer mit Zeit und teuer mit Geld, über das ihr dann auf der Leinwand wieder scheinheilig rumlamentiert und es aufs höchste verurteilt. Erkannt? Das, was Jurassic World 2 am Wesen des Menschen anprangert, erfüllt ihr mit eurem eigenen Film parademäßig selbst. Wie pervers bitteschön ist das denn?
Und das eigentlich traurige daran kommt jetzt: Es wird funktionieren. Der Film wird sensationelle Einspielzahlen einfahren, denn wer will denn nicht Dinos auf der Leinwand hüpfen sehen? Wir alle lieben es doch abgöttisch, wenn diese Monster vor uns die Welt in Schutt und Asche legen und wir dabei zuschauen dürfen.
Nur, dass das leider in dem Film hier nicht passiert.
Wisst ihr, was mir an dem Film gefallen hat?
Das, was die meisten meiner Pressevorführungsmitglieder alle schon nicht mehr mitgekriegt haben, weil der Saal grottenleer war: Die After-Credits-Szenen. Ganz zum Schluss – nachdem alles abgelaufen ist, kommt nämlich noch ein saftiger Nachspann. Und bei der Sequenz hatte ich Lust auf einen neuen Film. Der war da aber dann endgültig vorbei. Verdammt!
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieses Werk ist auf allen Ebenen des Seins eine grandiose Enttäuschung.
Auf der Leinwand, in Sachen Logik, in Sachen “baut Geschwindigkeit auf”, in Sachen Dialoge, in Sachen Animation, in Sachen Einfälle.
Hinter der Leinwand in Sachen Verhandlungen, in Sachen Geldgier, in Sachen Ausbluten kleinerer Kinos, in Sachen Ausbluten großer Kinos, in einem verachtungswürdigen Verhalten der Betreiber in jederlei Hinsicht.
Und aus diesem Grund sollte man dieses Werk konsequent boykottieren, um hier als zahlender Kunde ein Zeichen zu setzen und zu sagen: So nicht! Denn eines haben die Studios auch vergessen: Ihr braucht nicht nur die Kinos, um selbst reich zu werden. Ihr braucht in allererster Linie uns zahlende Kundschaft. Und wenn die auf mein Nachfragen nicht wie aus der Pistole geschossen antwortet “Geil!!!”, sondern Sätze fallen wie “Da muss ich erst nochmal eine Nacht drüber schlafen, ob der wirklich gut war oder nicht”, dann gibt es in meinen Augen kein besseres Zeugnis eures Versagens.
Geht, haut ab und kommt einfach nicht wieder.
P.S: Jurassic World 3 ist bereits für 2021 angekündigt.

 
Nachspann
✅ Hocken bleiben – und zwar ganz bis zum Schluss, sonst verpasst ihr das Beste des Films! Hier kommt noch eine mörderische Szene!
Kinostart: 06. Juni 2018

Gold

‘Gier hat eine neue Farbe’ – dieser Untertitel lässt vermuten, dass dieser Film ganz im klassischen Sinne die Jagd auf das große Gold lostritt und dabei den klischeehaften amerikanischen Traum auskostet.
Tatsächlich haben sich die Ereignisse allerdings in Kanada abgespielt und nicht, wie im Film, in den USA. Hier haben die Macher ein wahres Ereignis umgeschrieben, um dem Kinozuschauer einen plausiblen Plot präsentieren zu können. Oftmals wird dieser Titel mit The Wolf of Wall Street verglichen, der interessanterweise die gleichen Filmfarben hat, jedoch nur entfernt mit dem hier vorliegenden Werk etwas zu tun hat.
Wenn wir bei diesem Vergleich bleiben, dann weist Gold eine sehr viel ruhigere und auch düsterere Stimmung auf, da es hier nicht in erster Linie um das große Geld, sondern viel mehr um die Persönlichkeit geht, die von Matthew McConaughey hervorragend gespielt wird.
Die einzelnen Szenarien, durch die sich die Hauptakteure durchkämpfen müssen, sind sehr sehr spannend und bereiten jede Menge Kurzweil und abwechslungsreiche Unterhaltung. Dabei lässt man es sich nicht nehmen, diverse Elemente in diesen Film einzubauen, die man mit etwas Hirn auch in unserer Realität wiederfindet.
Das Highlight ist in meinen Augen das fulminante Ende. Hier wird noch einmal richtig aufgetragen und der Zuschauer mit einem gigantischen Knall entlassen.
Die gesetzte Stimmung, die unterschwellige Düsternis und das Fehlen des ekstatischen Ausuferns macht Gold zu einem Film, den man sehr viel ernster nehmen kann und der eine Geschichte erzählt, die abgewandelt so stattgefunden hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer einmal den Goldrausch erleben möchte, ohne dabei auf Western zurückgreifen zu müssen, der ist mit diesem modernen Werk sehr gut bedient.
Die herausragende Darstellung von Matthew McConaughey und die durchaus realistische Aufarbeitung dieser Geschichte zeugen von sehr viel Liebe zu Leinwand und machen aus diesem Plot einen sehenswerten Kinoabend. Der Besuch im Saal lohnt sich also.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, hier kommen keine weiteren Szenen.

Elliot, der Drache (3D)

Frage Nr. 1: Schon mal etwas davon gehört?
Frage Nr. 2: Auch vom Trailer derart angefixt gewesen, dass man direkt entschlossen hat, sich etwas anderes anzuschauen, weil die üblichen Klischeekeulen wieder tief durch die Lüfte fliegen und man so gar keine Überraschungen in dem Film vorhält?
Mir zumindest ging es so und nach der ersten Testvorstellung entpuppte sich dieser Film als überraschend positiv. Disney ist bekannt dafür, die Magie in die Welt zu verströmen und versucht dies seit nunmehr schon unzähligen Jahren in immer wiederkehrenden Filmen, die uns erzählen, dass Dinge existieren, die es nicht gibt und man sie sehen kann, wenn man einfach nur daran glaubt.
Zugegeben: Es ist schwer, in der heutigen Zeit mit dem umfassenden Filmwissen noch einen Plot zu kreieren, der tatsächlich Überraschungen parat hält und die Zuschauer wirklich verzaubert, aber diesen Part braucht mittlerweile wohl nicht mehr die Storyline übernehmen, sondern die Magie findet ganz woanders statt.
Und genau das hat mich zutiefst beeindruckt. Man erfindet hier eine Umgebung, lockt aus einer völlig neuen Perspektive eine dermaßen überwältigende kindliche Unschuld heraus, die im Einklang mit sich selbst ist und tiefsten Frieden und Zufriedenheit ausstrahlt. Man lässt sich Zeit und genießt diese unterschwellige Ordnung und gibt dieser völlig surrealen Wirklichkeit Zeit, sich zu entfalten und zu beweisen, dass diese Form von Leben nicht nur möglich, sondern fantastisch ist.
Dieser Film verzichtet dabei auf sämtliche schnulzigen Eigenschaften, die man dem Kinderkino andichten kann und erhebt sich selbst zu völlig neuer Größe. Schon die Introduktion erstrahlt in einer neuen Art des Friedens, die nicht nur vollkommen familiengeeignet ist, sondern auch in epischer Stärke aufspielt, die nichts mehr mit dem unwirklichen Comic-Charakter gemein hat, der in letzter Zeit als Ausweg für die immer mehr explodierenden Superlativen Hollywoods geworden ist. Und genau da – zwischen den Zeilen – erlebt man auch als Erwachsener einen Film, den man sich trotz des schlechten Marketings und uneinladenden Trailers dennoch unbedingt ansehen sollte.
Ob nun das Herz ergriffen, man vielleicht hier und da doch vom Plot erwischt wird, oder man einfach nur die selige Natürlichkeit dieser wahrhaft fantastischen Story in seiner wohlbehüteten Atmosphäre genießen darf – dieser Film ist es wert, ein .kinoticket dafür zu lösen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es war nicht nur ein fulminanter Start in einen Reigen von herrlichen Filmen, sondern auch ein krönender Abschluss mit einer neuen Art Kino, das wieder an einem Punkt angekommen ist, der die Auswüchse und Verirrungen der letzten Jahre hinter sich lässt und erneut etwas Traditionelles liefert: Richtig gutes Kino mit Geschichte, Emotionen und einer ungekannten Stärke, die nichts Böses braucht, um auf der Leinwand zu überleben und in den Herzen der Menschen zu funktionieren.
Traut euch – dieser Film ist es wert.

 
Nachspann
berührt mit seiner anfänglichen Animation im Detail und blendet danach ins übliche ab. Geht also langsam raus.

Jurassic World (3D)

Mittlerweile hat der Nachfolger der Jurassic Park-Reihe ja sozusagen fast alle Rekorde gebrochen, die es gibt – zumindest fühlt es sich so an, wenn man die einschlägigen Presseberichte dazu liest.
Klar ist also, dass auch ich als fanatischer Kinogänger mir den Streifen längst bei meiner Lieblingskinokette zu Gemüte geführt habe, um mir – wieder einmal – ein Bild von einem Film zu machen, in den sowieso jeder rennt und den man keinem mehr zu empfehlen braucht.
Ich kann mich dem Tenor der “Hat überzeugt“-Kritiker auch nur anschließen, denn ein Reboot zu meistern, das auf einem derart alteingesessenen Film basiert, den wirklich jeder lebende Mensch mindestens einmal gesehen hat, ist nicht unbedingt eine leichte Aufgabe. Gepaart mit den Anforderungen und Erwartungen der nostalgischen Dino-Fans dann ein Endprodukt auf die Leinwand zu werfen, das weder überrascht, noch enttäuscht und damit die Elemente von längst vergangenen Zeiten (22 Jahre sind nicht ganz ohne) gekonnt mit modernen Neukreationen zu verbinden, die beide gleichermaßen in einer Geschichte münden, die es irgendwie schafft, auch das Herz eines kritischen Zuschauers zu erobern, ist wahrlich ein Stück, dass mit Verlaub das Präfix “Meister” verdient.
Genau hier sehe ich nämlich bei anderen Reboots immer das Problem: Man versucht, eine alte Geschichte, dessen Ursprung, Entwicklung und Ende jeder kennt, nochmal zu vermarkten und vergisst dabei, dass ausbleibende Überraschungsmomente dafür sorgen, dass die Neuauflage so gar nicht zündet und man eher gelangweilt und müde wieder von dannen zieht.
Nicht so bei Jurassic World: Hier hat man die Story mit den prähistorischen Tierchen und deren Liebhabern mitaltern lassen und die ganze Sache dadurch liebevoll in die Moderne transferiert, in der auf einmal alles so läuft, wie es hätte laufen können, hätte man “verdeckt” an der Stelle weitergemacht, wo Jurassic Park III endet.
Die älteren Zuschauer entdecken sehr wohl die Elemente aus den ursprünglichen Filmen wieder, denen Jurassic World nicht nur mit der Besetzung der Charaktere, sondern auch an vielen anderen Stellen demütig Respekt zollt. Die Casting-Agenturen haben meiner Meinung nach beste Arbeit geleistet, denn so richtig über eine Besetzung aufregen kann man sich hier auf keinen Fall. Alle meistern ihre zugeschanzte Rolle super und liefern letztendlich überzeugende und authentische Arbeit ab, die sicherlich mit dazu beiträgt, dass dieser Film so ein internationaler Erfolg wurde.
Über die neue Art des “Supermonsters” kann man sich streiten, ich gebe zu: Auch ich hatte beim Sichten des Trailers so meine Bedenken, ob diese Art des “neuen Bösen” so richtig ankommt. Der Film beweist aber, dass auch hier die Macher den richtigen Riecher hatten, denn die Ideen sind weder überspitzt, noch übertrieben oder in anderer Weise extremisiert worden, als dass das Gezeigte keinen Spaß machen würde. Gerade diese seichte Nuance zwischen zu heavy und glaubwürdig ist es, die meiner Meinung nach so viele Menschen nicht vor ihren Intellekt stößt und sie somit unterbewusst verärgert. Könnte auch mit ein entscheidender Grund sein, weshalb die Einspielergebnisse selbst Massenphänomene wie Transformers 4: Ära des Untergangs in den Schatten stellen.
Die teils etwas banalen Dialoge, in deren Kielwasser oft ein kleines Stück Vorhersehbarkeit mitschwimmt, gehen im Reich der Urzeitgiganten fast schon ein wenig unter und sind meines Erachtens dadurch eher vernachlässigbar. Jurassic World erhebt zu keinem Zeitpunkt den Anspruch, ein verbalträchtiger Film mit Tiefgang zu sein, sondern möchte – laut Aussagen der Macher – selbst Erwachsene wieder zurück ins Kindesalter verfrachten und mit dem Gezeigten die Zuschauer einfach erstaunen und zu mehr Demut gegenüber dem Leben aufrufen.
Und das funktioniert hervorragend.
Die Größenwahnsinnigkeit wird hier nicht offiziell kritisiert, sondern ganz beiläufig durch immer neue Wendungen aus dem Weg geräumt mit dem Ziel, zu beweisen, dass der Mensch letztendlich nur das kleinste Glied einer Kette in einer Welt ist, die er nur scheinbar unter Kontrolle hat.
Als Zuschauer fühlt man sich mit auf eine Reise genommen, die im wahrsten Sinne des Wortes erstaunt und wieder einmal die Superlativen von guten Kinos bis aufs Ende ausreizt. Bei wem die Einrichtungsgegenstände mitsamt den darauf sitzenden Menschen nicht vibrierten, wenn einer der Dinos seine Pratzen irgendwo aufsetzt oder zu einem Schrei ausholt, der sollte schleunigst sein Kino wechseln und sich den Film einfach nochmal ansehen. Hier wurden Superlativen präsentiert, ohne welche sein zu wollen – getreu dem Motto: Es sind Dinos, jeder weiß, dass die Viecher weit über allem stehen, was man kennt, also brauchen wir darauf nicht extra hinweisen.
Genau diese “Zurückhaltung” erlebt man teilweise auch in der Charakterzeichnung der Parkleiter und -inhaber und trifft hierbei eben auch nicht auf mögliche Stupiditäten, die man durchaus stattdessen erwartet hätte, sondern beweist einmal mehr, dass auch Reboots erneut begeistern können und es eben doch geht, Fortsetzungen zu drehen, die die Geschichte teils neu erfinden, teils wieder hervorholen.
Diesen Spagat hat man wunderbar vollzogen und so ist es am Ende auch entschuldbar, dass sich weiß gekleidete Protagonisten erfolgreich auf Stöckelschuhen vor überdimensionalen Dinos davonschleichen können und ihre Klamotten hinterher maximal einer Handwäsche bedürfen.
Ansonsten bleibt mir nicht mehr zu sagen, als:
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Film tut sein übriges, um fast schon eine Art Volkszählung anzustiften. Jeder sollte ihn sich mindestens einmal anschauen und wer nicht selbst Kinobesitzer ist, sollte den Weg ins Kino auf sich nehmen.
Die Effekte sind akzeptabel, die darum gebastelte Welt phänomenal und der Sound dinomäßig gigantisch, gleichauf mit dem 3D, dem man hier auch jede Menge saubere Szenen gewidmet hat, die sich nicht mehr in den Kinderschuhen befinden, sondern mit der Geschichte erwachsen geworden sind.
Die eingebauten Szenen, mit denen man den Vorgängern Tribut zollt, lassen einen nicht wehmütig auf bessere Zeiten zurückblicken, sondern erwärmen eher nochmals das Herz. Von Enttäuschung weit und breit keine Spur.
Wer sowieso vor hatte, sich den Film anzuschauen, der wird ganz sicher nicht enttäuscht und wer bis heute noch zweifelt, der darf getrost zu Popcorn und Cola greifen, denn hier wartet großartige Unterhaltung und jede Menge Surrealität, die in heutiger Zeit so kaum vorstellbar, aber dennoch nahe an möglichen Wirklichkeiten angesiedelt ist.

 
Nachspann
Wozu noch etwas nachliefern, wenn eh klar ist, dass hier wieder ein vierteiliger Dreiteiler folgen wird? Nach diesem phänomenalen Kinostart und den jetzt schon unglaublichen Einspielergebnissen hab ich da absolut keine Bedenken, dass uns die reißerischen Dino-Zähne demnächst noch öfters im Kino begegnen werden.

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