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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: britisches Königshaus

Love, Cecil

Bei dem Titel ist der Vergleich zu Love, Simon nicht weit hergeholt und tatsächlich gibt es hier auch einige Parallelen. Allerdings ist Love, Cecil kein Spielfilm, sondern gehört dem Dokumentargenre an und portraitiert das Leben des legendären Fotografen Cecil Beaton. Womit alles, was auf dem Plakat zu sehen ist, einmal abgefrühstückt wäre.

Für mich ist die Zuordnung mancher Kinos teilweise fragwürdig, da dieser Film keine spezifische Zielgruppe befriedigt, sondern viel mehr Einblicke in eine Zeit und das Leben gewährt, über das die heutige Gesellschaft scheinbar schon vollständig hinausgewachsen ist. Somit hat man die Chance, nostalgische Avancen zu entwickeln und gleichzeitig in Ränge des Lebens vorzuschreiten, die sicherlich keiner von uns so schnell betreten haben dürfte.

Und das war extrem spannend und zielführend. Die Einblicke zum einen in das Leben eines echt berühmten Fotografen (wer sich nicht damit beschäftigt hat, wird ihn wahrscheinlich nicht kennen) und zum anderen in die Schwierigkeiten, die zum Leben dieses Menschen und dem einer ganzen Generation gehörten und die er meiner Meinung nach exzellent verarbeitet und ausgelebt hat.

Menschen wie er gelten für mich zu Vorreitern ihrer Schicht und dürfen gerne als Orientierungs-Vorbilder genutzt werden, an denen sich heutige Gleichgesinnte ein Beispiel nehmen dürfen, um dem Leben den dazugehörigen Sinn zu verleihen und ihm die Freude abzugewinnen, die es wert ist. Und damit zählt dieses Machwerk für mich zu den Stücken, die zwar weit in der Nische des Kinos vergraben werden und dort nochmal an den Rand gestellt werden, die allerdings eine Sichtungsberechtigung haben und die der Zuschauer aus eben jenen Ecken wieder hervorkaufen sollte, um den Publishern zu zeigen, dass hier mehr Interesse besteht, die ihm inneliegenden Weisheiten zu erforschen und zu ergründen.

Meine Prognose ist, dass dieses Ding deshalb schlechtere Sichtungszahlen bekommen wird, weil es teilweise so stiefmütterlich behandelt wird, obwohl sich dieser Film in seiner Gänze keineswegs verstecken bräuchte. Quasi eine Bypass-Schlechtbehandlung durch schlecht organisierte Publicity oder andere Faktoren, die dem Werk nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken und viele daher einfach nichts von dessen Existenz wissen und deshalb nicht in die Kinos stürmen.

 

.kinoticket-Empfehlung: Müsste ich es in einem Satz beschreiben, würde ich sagen: Love, Simon aus dem echten Leben gegriffen.

Zwar sollte man keine 1:1-Vergleiche hier anstellen, da es tatsächlich eine Dokumentation ist und kein Spielfilm, aber die Einblicke in Zeit und Leben, die Love, Cecil gewährt, sind es wert, auf der Leinwand wiedererlebt zu werden. Die Nische, in die man das Ding steckt, ist meiner Meinung nach viel zu vergraben und wird den Inhalten nicht gerecht.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten. Hier kommt nur der üblichen Name-Roll und sonst nichts weiter.

Kinostart: 12. Juli 2018

Original Title: Love, Cecil
Length: 99 Min.
Rated: FSK 0

BFG – Big Friendly Giant (3D)

Steven Spielberg ist einer vom alten Schlag, den die jüngsten Generationen vielleicht schon nicht mehr in den schillernden Farben kennen, die man als Alteingesessener bezüglich seiner bisherigen Machwerke sofort in den Augen hat.
Spielberg – der Name steht für eine Größe in Hollywood, die seinesgleichen sucht und unverwechselbar ist. Der Name steht für Konsequenz. Für Können. Ein Vorantreiber, der sein Ding macht und dabei seine unverwechselbare Handschrift auf seinen Werken hinterlässt, die ganz eindeutig zu der Sorte Film zählen, die man im modernen Zeitalter durchaus als “klassisch” gelten lassen darf. Ohne dabei den leicht negativen Hauch dieses Wortes miteinzubeziehen, könnte man fast meinen, er ist einer der wenigen, die in der zerrütteten Moderne ein gesundes und dieses Mal auch wohltuendes Stück Konservativismus und somit ein Fundament an Bodenständigkeit und gewissermaßen Normalität auf die Leinwand bringen, die in einer ansonsten krankenden Welt für ein großes Stück Wohlfühlen sorgt, weil sich selbst Erwachsene zurück in eine Zeit versetzt fühlen, wo “alles noch besser war”.
Auch bei der Wahl seiner Geschichte treffen viele Punkte diesbezüglich voll ins Schwarze und proklamieren wieder einmal ganz klassisches Kino im alten Stil, das sich nichts von der Moderne abschaut, sondern einfach es selbst sein will und Inhalte rüberbringen, die eben jene Werte vermitteln.
So ungefähr könnte man meine Erwartungen ausdrücken, mit denen ich mir diesen Film angeschaut habe, obgleich die Folge-Trailer auch bei mir ein relativ ungutes Gefühl hinterlassen haben … an dieser Stelle wäre auch wieder mal weniger mehr gewesen.
Wie auch schon in Bridge of Spies erkennt man hier ganz klar die konservative Handschrift des Kultregisseurs und wundert sich dann auch weniger über die Kostüme und den altertümlichen Flair, den man in dieser Geschichte ganz nebenbei kompromisslos auslebt.
Auch an den technischen Errungenschaften gibt es rein gar nichts zu mäkeln – 3D können sie mittlerweile eigentlich alle ganz vernünftig, auch wenn’s vom Gros des Publikums nicht so angenommen wird, wie es so mancher Filmemacher vielleicht gerne hätte, und auch die Farbgebung und CGI-Sparte hat in diesem Fall nichts verkehrt gemacht, sondern fügt sich nahtlos in die aktuelle Zeitleiste ein und hinterlässt hier keine faden, abgehalfterten Eindrücke.
Der andere Punkt ist die Geschichte – und die ist – um es seicht zu sagen – relativ merkwürdig. Ich weiß nicht, wie es meinen Mitzuschauern ging, eins stand auf jeden Fall fest: Normal war bei denen auch nicht alles. Dass hier in erster Linie Kinder angesprochen werden wollen, konnte man sich anhand der vorab gezeigten Werbetrailer vielleicht noch herleiten, jedoch wandelte die Geschichte dann in Sphären ab, die sich vollends aus dem üblichen Geschehen und den Erwartungen freikämpften, um hier eine Story zu liefern, die man bestenfalls mit “Spielberg auf Drogen” bezeichnen kann.
Soll nicht heißen, dass das unbedingt schlecht ist, allerdings springt man hier schon sehr weit von der Straße ins Feld und lebt etwas aus, das sich ausschließlich in der Fantasie der Zuschauer abspielt und mit dem echten Leben rein gar nichts mehr zu schaffen hat.
Die Komik, die diese Art Film zwangsweise mit sich bringt, ist an und für sich dann auch wieder unterhaltsam, jedoch verträgt sich irgendwie die Urgesteins-Erwartung nicht ganz mit dem Loslösen aus der Realität und ist – ganz anders als beispielsweise bei Transformers – Ära des Untergangs – etwas schwerer verdaulich, da auf der anderen Seite immer noch genügend Komponenten im Raum schweben, die die Realitätszugehörigkeit dann doch wieder extrem unterstützen und einfordern.
Und mit diesem Paket hat wohl manch einer seine lieben Schwierigkeiten, was zu mangelnder Mundpropaganda führen könnte.
Meiner Meinung nach braucht dieser Film enorm lange Nachwirkzeit und man muss sich als Zuschauer auch wirklich darauf einlassen, um hier gigantische Momente der Erkenntnis herauszukitzeln, die letztendlich doch wieder sehenswert sind, um hernach mit einer guten Portion kindlicher Unvernunft zu verstehen, welch magische Botschaft dieser Film am Ende vermitteln will.
Vielleicht ist es dieses mal auch einfach gut, wenn man die Buchvorlage intus hat und sich somit schon länger mit der Materie beschäftigen konnte als diejenigen, die blindlings in den Saal stolpern und dann auf einmal mit derartigen Phänomenen betraut werden.
Eins steht auf jeden Fall fest: Kids haben an dieser Stelle enorm viel Spaß und die ganzen störenden, verstörenden und wahnsinnig machenden Elemente, die man aus Nickelodeon– oder KiKa-Produktionen kennt, fallen hier der Schere zum Opfer. BFG ist ein Werk, bei dem man subversiv gegen den hirnzerstörenden Mist aus dem Fernsehen vorgeht und Kindern wieder etwas vorsetzt, das sie wohlweislich konsumieren können, ohne hinterher einen an der Waffel zu haben. Und allein dafür hat sich die Produktion doch schon gelohnt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Großartiges Kino für Kids mit einer Botschaft, die direkt der Fantasiewelt entspringt und hier auch hyperprofessionell zutage gefördert wurde.
Manch Erwachsener mag Probleme damit haben, die konservative Ader Spielbergs mit dieser Versessenheit auf Irrationalität zu kombinieren, diesbezüglich wirkt vielleicht der Plot leicht abgehoben und untypisch und verlangt vom Zuschauer, dass er sich auf seine Kindertage zurückbesinnt und mit kindlichem Verstand an die Dinge rangeht – dann klappt es am Ende auch mit dem “toll finden”.

 
Nachspann
gibt’s nur als Text und ohne weiteren Hinweise, Szenen oder Bilder.

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