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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Brian Cox

Super Troopers 2

Seit 2001 musste die Fanbasis von Super Troopers – Die Superbullen darauf warten, dass ihr damals so erfolgreich im Kino gestarteter Film endlich eine Fortsetzung spendiert bekam. Die Machern haben sich dazu entschlossen, 15 Jahre darauf zu warten, um nicht ausschließlich für diesen Filmgaudi bekannt zu sein – und meine Frage ist: Warum?
Scheinbar kam der erste Teil damals so immens gut an, auch wenn der Regisseur davon spricht, dass dies die Zeit gewesen sei, in der er die meisten Anfeindungen und bösen Kritiken bekommen hätte – aber da kann ich nur sagen: Who cares?
Fakt ist: Genau diesen Schmarren wollen Kinder, die in den 90ern aufgewachsen sind, doch sehen! Das ist das gute alte, traditionsreiche Klamauk-Kino, mit dem wir großgeworden sind und dass diesen ganzen banalen, stumpfsinnigen und zum Schreien komischen Scheiß verzapft, der auf der Leinwand und im Kino einfach unglaublich viel Spaß macht!
Die Gags sind teilweise so doof, dass man darüber lachen muss und allem Rumblödeln fehlt niemals der Style und die Courage, zu seinen Dummheiten zu stehen. Damit macht man biedere Vorbilder zu ikonischen Figuren auf der Leinwand und präpariert sie als Steilvorlage für Lachsalven sondergleichen.
Ich kann verstehen, wenn die Feuilleton-Elite sich nicht damit auseinandersetzen mag und es als “Unfug” abtut. Ich kann verstehen, wenn man ernsthaftes Kino erwartet und so einen (positiven) Scheiß serviert bekommt, man leicht angepisst ist oder irgendwas boshaftes darüber schreibt.
Tatsache ist aber: Ich habe mich selten so vergnüglich im Kino amüsiert und hatte so viel Spaß in einem Film, dessen Vorläufer ich bis dahin noch nicht kannte. Danach schaut man dreimal im Kalender nach, ob wirklich 2018 ist, denn man fühlt sich gezeitreist und denkt tatsächlich, die Hochblüte der 90er ist gerade am Gedeihen!
Auf diesen Schmarren muss man sich vorher einlassen oder einfach völlig unbefangen und lockerflockig ins Kino spazieren und der Dinge harren, die da kommen mögen. Es dauert nicht lange, bis man unfreiwillig zu lachen beginnt und der Rest kommt dann ganz von selbst. Vertraut mir.
Allein die Gag-Ideen gehören teilweise ausgezeichnet, denn hier wird mal kein Unterhosen-Humor en masse produziert, sondern man hat sich wirklich etwas einfallen lassen. Und dass nicht nur ich so denke, davon zeugt der Umstand, dass dieses Projekt mit einer Crowdfunding-Aktion begonnen wurde, die als die zweiterfolgreichste aller Zeiten im Bereich “Film” gilt. Die Fans wollen es. Und was sie geliefert bekommen, entspringt 37 Drehbuchentwürfen, die man sich zusammengestückelt hat, um möglichst viele Gags zu schreiben und auf einen reichen Fundus an Lachsalven-Granaten zurückgreifen zu können.
Und glaubt mir eins: Das Ding zündet. Und zwar sowas von.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn sich unsere herrschaftlichen Kinos damit zurückhalten sollten, in die Kapitalbresche zu springen und den Film ordentlich ans Publikum auszuliefern, stürmt die Säle, die sich diesen Coup getraut haben: Es lohnt sich!
Selten habe ich über so viel Blödsinn gelacht und einige Szenen sind derart zum Schreien, da kommt unsere moderne Millennium-Welt längst nicht mehr mit. Dies ist genau das klassisch-traditionelle Comedy-Kino, von dem ich mir so viel mehr wünsche, als es heute existiert.
Danke Broken Lizard, danke FOX und danke an alle, die daran beteiligt waren. In 15 Jahren wollen wir Teil 3! 😀

 
Nachspann
✅ Ja, und bitte bleibt bis ganz nach dem Abspann sitzen. Das Ding hört wirklich erst ganz zum Schluss auf. Und das ist keine billige Blabla-Szene, sondern noch richtig viel Film am Schluss.
Kinostart: 12. Juli 2018

Das Etruskische Lächeln

Die Zeit der mageren Filmauswahl scheint vorüber zu sein – ein spektakuläres Werk jagt das nächste. Und dabei bleiben auch großartige Überraschungen nicht aus: Constantin Film verblüfft mit einer Herzensangelegenheit, die ich diesem Label aufgrund seiner sonstigen Humor-Eskapaden ganz ehrlich niemals zugetraut hätte!
 

“Ich bin stolz auf meine neueste Produktion, die manchen Zuschauer mit einem Lächeln für all das, was Leben bedeutet, aus dem Kino zu begleiten verspricht” – sagt Arthur Cohn (Produzent) zu diesem Werk.

 
Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine Buchverfilmung, die jedoch kein schmalztriefendes Klischeekompott serviert, sondern die Zuschauer mit einer grandiosen Prise schwarzem Humor, der verbissenen, zynisch-sarkastischen und gleichsam super sympathischen Charakterart versorgt, die man sich gerne vorstellt und die einen aus der Langeweile des sonstigen Lebens entreißt.
Die Ironie, mit der so mancher Alltag der Menschen gesegnet ist, gipfelt in Das Etruskische Lächeln in einer höheren Erkenntnis, die nicht nur unterhaltsam ist, sondern vielversprechend lustig und gleichermaßen ernst, ohne jedoch die bekannten Roman-Erwartungen zu erfüllen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Macher dieses Werks haben es geschafft, eine Geschichte auf die Leinwand zu schmeißen, die völlig anders, völlig frei und absolut sehenswert ist und darum diese Woche von euch unbedingt in den Kinos angesehen werden sollte!
Keine Vorurteile, kein emotionales Gejammere, sondern eine spritzige, ironische Komödie, die vollkommen anders ist und dabei dennoch die Herzen erreicht: Das Etruskische Lächeln ist jetzt schon ein Hit!

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 12. April 2018

Bob der Baumeister – Das Mega Team – Der Kinofilm

Ich glaube, man braucht hier nicht zu erwähnen, dass die Zielgruppe eindeutig das Vorschulalter ist und hier schon auf Profi-Niveau mit “Schleichwerbung” für handwerkliche Tätigkeiten im Berufsleben geworben wird, um bereits die Allerjüngsten für Berufe dieses Zweigs zu begeistern und unbewusst darauf einzustimmen.
Diese Form von wirtschaftlicher “Manipulation” (wenn ich das mal provokativ so nennen darf) funktioniert auch hervorragend und hat auf perfide Weise sogar Bildungscharakter, denn so kriegen bereits die Kids erklärt, wie welche Instrumente funktionieren und was es wo überall braucht.
Dabei wurde bei den Animationen darauf geachtet, dass sie frei von jedweder Ablenkung sind und die kleinen Gehirne nicht überfordert mit zu viel Plemplem, denn man will sich ja auf das Wesentliche konzentrieren und neue Bauarbeiter mit unterhaltsamen Mitteln heran züchten.
Und das scheint zu funktionieren. Das unaufmerksame Kleinkind bekommt hier eine wunderbar liebevoll animierte Story vorgelegt, die den Handlungsstrang von Transformers – The Last Knight beinahe dramaturgisch übertrifft.*
Hat sich eigentlich schonmal jemand vorgestellt, wie es wäre, wenn Bumblebee und Optimus die Probleme von Bob der Baumeister lösen müssten? Kinoidee für 2018 … – ich schweife ab.
Genau die oben benannte Ablenkungsfreiheit gehört aber eindeutig zu den Schwächen, wenns darum geht, dass man als Erwachsener mit ins Kino muss und seine Kleinen da nicht einfach nur abladen kann. Denn hier zieht mordsmäßige Langeweile und unglaubliche Anstrengung auf, da eben genau ein Zielpublikum erreicht werden will und nicht die ganze Familie.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nichtsdestotrotz erhalten die Vorschulkids hier hervorragende Unterhaltung mit Bildungscharakter und einer möglichen Vorauswahl in Sachen Berufsleben.
Wer sich dafür begeistern kann, hat später schon mal ein gewisses Vorwissen und fliegt nicht mehr ganz so ahnungslos durch das Tal der Hoffnungslosigkeit.
Für die Kids sicher unterhaltsam – ich persönlich hab mir meine Auslachsalven im Kino extra dafür abgeholt. War trotzdem “schön” 😉

 
Nachspann
birgt keine Easter-Eggs oder sonstige Weiterführungen an, also rausgehen durchaus erlaubt.
*Danke, Dominic 😉

Churchill

Die heranwachsenden Generationen gehören nun langsam vollständig zu denjenigen, die weder den Krieg persönlich miterlebt, noch sich mit deren Thematiken auseinandergesetzt haben, um hernach in Gedenken an vergangene Fehler Vorwürfe und andere Unschönheiten zu Gehör zu bekommen, die von verschiedenen Seiten aus immer wieder gestreut und – zu Recht oder Unrecht – dem heute lebenden Volke vorgeworfen werden.
Ich finde, dieses Thema gehört zu denjenigen, die man am besten überhaupt nicht diskutieren sollte, weil daraus meist nur Streit, erboster Hass und Unverständnis bzw. Missverständnisse geboren werden, die den heutigen Frieden, der – zumindest in Deutschland – herrscht, maßgeblich stören.
Andererseits ist es zwingend erforderlich, sich mit solchen Gegebenheiten auseinanderzusetzen, um Dinge, wie sie damals passiert sind, zu verhindern und dafür Vorsorge zu betreiben, dass eben jene Fehler, in die man sich in der Historie unmissverständlich hineinmanövriert hat, nicht wiederholt werden.
Und wer in Geschichte im Unterricht aufgepasst hat, weiß, dass sich Geschichte immer wieder wiederholt. Leider.
Weshalb dafür also nicht mal einen Film nehmen, der sich nicht mit Hitler auseinandersetzt, sondern geschichtliche Ereignisse aufgreift, die uns Deutschen aus einer Perspektive heraus erzählt werden, die keiner von uns in diesem Maße je gesehen oder vorgelesen bekommen hat? Gerade die Generation YouTube, der es egal geworden ist, was vor 50 Jahren war und die heute ihren Spaß haben und Bonuscoupons bei Billig-Massenwarenartikelverkäuferläden einlösen wollen, interessiert doch reichlich wenig, welche Gewissensbisse damals ein Mensch gehabt hat, hunderte von Menschen in den Tod zu schicken oder nicht.
Ginge es also um diese Themen – und wären diese historisch mehr als relevant – würde sich der Großteil doch längst abwenden und sich lieber mit der neuesten Folge aus Bibi’s Beauty Palace beschäftigen. Right?
Irgendwo schon. Es ist uncool, seine Freunde zu fragen, ob sie Bock hätten, mit in Churchill zu gehen. Wer sollte sich so etwas denn je anschauen, der auch nur ansatzweise Coolness und Style vorzuweisen hat?
Tja – mir ging es anfangs ähnlich und ich dachte auch: “Meine Güte, was da wohl auf mich zukommen würde, irgend ein Alter-Leute-Film, der sich wieder maßregelnd um den Krieg schert und Dinge erzählt, die eh jeder längst weiß und keiner mehr hören will.”
Macht nicht den Fehler wie ich und wendet euch von den Plakaten und Anzeigetafeln ab, die die Spielzeiten bekannt geben und für diesen Film werben. Mich hatte der Film ziemlich am Anfang bereits in der Tasche und auch, wenn man hier die britischen Wesenszüge sehr stark spürt und dafür empfänglich sein muss (was ich ebenfalls nicht sonderlich bin), so erhält man doch ein Werk, dass für mich hochgradig preiswürdig ist.
Teplitzky schafft es nicht nur, die Figur des Filmnamensgebers authentisch darzustellen und den seelischen Zwist auseinander zu flechten, sondern er erzählt auch von den ganzen Verstrickungen, Schwierigkeiten und Problemen, denen sich diese starken Persönlichkeiten seinerzeit stellen mussten. Dieser tiefe, emotionale Einblick in die Geschichte eines Krieges, den wir nur von der anderen Seite aus kennen, offenbart völlig neue Sichtweisen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Churchill ist also nicht nur das hervorragend ausgearbeitete Porträt eines Krieges, sondern auch das eines Menschen, dessen Inspiration, Stärke, Willenskraft und Zweifel, aber auch Mut, Courage, Antriebskraft und Schwäche deutliche Zeichen setzt, an denen man sich auch in unserer Zeit noch ein Beispiel nehmen kann.
Was für viele Briten bis heute ein leuchtendes Monument von Menschlichkeit ist, ist dieser Film im Wust der heutigen Filme: Ein glanzvolles Beispiel von sehenswertem Inhalt, das überall hingehört, außer in die Vergessenheit.

 
Nachspann
enthält keine weiteren Szenen.
Kinostart: 25. Mai 2017

Pixels (3D)

“Welcher Idiot gibt denn für so einen Schwachsinn Geld aus? Und dann noch so viel?” – um mal einen Kinozuschauer zu zitieren, der in einer der vergangenen Vorstellungen den Trailer zu Pixels mit diesen Worten kommentierte.
Man braucht sich tatsächlich auch rein gar nichts vormachen: Die Story und das Trara drumrum sind bei diesem Versuch einer Unterhaltung tatsächlich unterirdisch bis gar nicht vorhanden. Das konnte man den verschiedenen Trailern durchaus mit ein bisschen Gespür bereits entnehmen.
Ich denke auch weniger, dass man hier die Absicht verfolgte, einen genial durchdachten Film zu exerzieren, der mit Überraschungsmomenten und brillanten Einfällen die Zuschauer an die Stühle bindet, sondern vielmehr eine kleine Hommage an die Anfangsjahre der Computerspielezeit herstellen wollte.
In einem Zeitalter der sich verfolgenden Superlativen in jedweder Hinsicht, wo Kinder es als normal empfinden, handgroße Computer ihr eigen zu nennen, die früher unbezahlbar – ja, sogar undenkbar – waren, kommt hier ein Film, der an die bittere Anfangszeit erinnert und so ein wenig Nostalgie aufkommen lassen möchte.
Asteroids, Pacman, Donkey Kong – welcher ambitionierte Technikfreak erinnert sich nicht an die Zeit, in der man in den ATARI sein notizblockgroßes Plastikdingens einschob, um eine halbe Stunde später, als das Spiel dann endlich in den RAM geladen war, ein paar Level zu spielen, bis die Kiste schließlich abrauchte, und man den Ladeprozess von Neuem begann.
Heute undenkbar, damals sensationell. Auf diesen Zug springt man hier auf und lässt erneut eine Welt aufleben, die sich all der erwachsen gewordenen Technik entsagt und ihr Augenmerk kompromisslos auf die Vergangenheit und deren Möglichkeiten richtet.
Die Charaktere besetzen hierbei scheinbar wahllos Positionen innerhalb der Geschichte, die zu den Special Effects gerade gut passen, so dass man eine halbwegs unglaubwürdige Story als Rahmenhandlung für die verschiedenen Spiele im Mega-Modus hat, die durch pixelige 3D-Animationen ins Leben gerufen werden. Die in der Gesellschaft akzeptierte Vorliebe für Minecraft hat man sich hier zunutze gemacht, die dem Pixelwahn ja eher zuträglich als abgeneigt ist. Der Schrei nach vollkommener Grafik wird also gar nicht erst ausgestoßen und die Erwartungen an intelligente Unterhaltung wacht auch gar nicht erst auf.
Ehrlich gesagt war mein eigenes Bestreben auch nur, das 3D zu sichten, denn in 3D war der Trailer durchaus überzeugend, wenn auch die Story als solches unentschuldbar ist.
Und was soll ich sagen: Das 3D ist gigantisch, es hagelt vor räumlicher Tiefe und überzeugt auf voller Breite, die prähistorischen Spielideen wurden exzellent in den 3D Modus übertragen und alles andere drumrum kann man getrost vergessen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Große Erwartungen sind hier völlig fehl am Platze und unterhaltsamen Kinospaß mit treffsicheren Lachern sucht man vergebens.
Die Idee, alte Computerspiele erneut aufleben zu lassen, mag ganz nett sein, die Verpackung darum ist allerdings alles andere als glaubwürdig und überzeugend.
Einzig der Nachspann überzeugte in seiner liebevoll pixelig animierten Kurzvariante des Films, der leider beweist, dass man die Handlung auf wenige Minuten hätte runterbrechen und damit dann auch ein akzeptables Shortmovie hätte gestalten können.
So bleibt ein großer Haufen nichtssagender Handlung, die das Zitat am Anfang dieses Eintrags gar nicht so weit hergeholt sein lassen, denn das einzige, was hier tatsächlich zelebriert wird, sind vergangene Spieleklassiker in Mega-Version. Hier hätte man aber sehr viel mehr Potenzial ausschöpfen können.

 
Nachspann
Anfangs gibt es eine wunderschöne Animation, die den Film in wenigen Minuten komplett zusammenfasst. Danach darf man sich gerne dem Ausgang und somit wieder besseren Filmen zuwenden 😉

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