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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Beziehung Page 1 of 2

Die Wunderübung

Ich müsste jetzt selbst rätseln, wann ich damit begonnen habe, meinen Kollegen in der Presse zu beweisen, dass auch in Zukunft immer öfters Theaterkonzipierungen auf die Leinwand geboxt werden, vielleicht, um dort neue Kundschaft anzulocken und Theater als solches interessanter zu gestalten, vielleicht auch, weil die Stoffe teilweise einfach zu gut sind, um nur in einer Form des Kunstauslebens zelebriert zu werden – ich weiß es nicht.
Fakt ist: Das Ding ist ewig her, dass ich es schon gesehen habe – und genauso lang brennt meine innere Glut, endlich offen und zeitnah darüber berichten zu dürfen!
Jungs? Streift eure Jeans über, schlüpft in eure coolen Sneakers, tragt euren Ghettoschmuck oder geht im Blaumann: Im Kino gilt kein Dresscode und euren Damen dürft ihr trotz allem die teuren Kleider überstreifen (glaubt mir, die lieben sowas!) – und dann Abmarsch ins nächste Lichtspielhaus, dass euch brühwarm Die Wunderübung präsentiert.
Selten so gelacht!
Wirklich jetzt. Kein Witz! Was tut man, wenn einem in bestimmten Bereichen die Fähigkeiten zur Perfektion und Volksliebe fehlen? Man sourct sie aus. Dass Deutschland ein großartiges Problem mit Dialogschreibern hat, wissen wir ja inzwischen alle. Also? Man sourct es aus – und holt sich die Dialoge einfach aus dem Theater!
Monströs, was Devid Striesow (sag mir mal einer, warum ich den immer als Hape Kerkeling im Kopf habe) und Aglaia Szyszkowitz hier auf dem Kasten haben und in diesem kleinen Kammerspiel zum Besten geben! Diese Dialogschärfe, die einem hier 92 Minuten lang um die Ohren gehauen wird, strotzt nur so vor Können und Brillanz! Die beiden MÜSSEN einfach gemeinsam auf der Bühne gestanden und dieses Ding hunderttausendmal miteinander gespielt haben, sonst würden sie nicht so grandios miteinander harmonieren und diese Show abziehen können!
Und ich wiederhole mich: Ich bin kein Typ, der sich selbst im Theater wiederfindet oder diese Form der geistigen Nahrungskette je ernsthaft ausprobiert hätte. Sollte das also der Plan gewesen sein: Euer Ziel ist erreicht: Ich interessiere mich für eure Stücke! Auch wenn ich mich in Zukunft wohl auch weniger aus dem Kino raus bewegen werde (das ist immer so, als würde der Sprit aus dem Tank laufen und nicht in ihn hinein – es fühlt sich falsch an) – aber bringt mir bitte einfach in Zukunft mehr von dieser Art auf die Leinwand… eines Tages werde ich mich mit einem Theaterticket dafür revanchieren. Versprochen!
Und so lange gilt:
 

.kinoticket-Empfehlung: Rein rein rein!
Die Dialoge sind zum Schreien komisch und auch der Plot ist sagenhaft genial aufgebaut, man spürt einfach, dass hier Inhalte zählen und keine Zeit an Nebensächlichkeiten verschwendet wurde, obwohl auch die allesamt matchen. Daniel Glattauer hat’s einfach drauf und beweist dies jetzt nicht nur in Kolumnen oder Theaterstücken, sondern eben auch auf dem Big Screen.
Was hält euch auf, ihn dort zu bewundern? Los jetzt!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 28. Juni 2018

Am Strand

Passend zum Sommer schickt PROKINO den Titel Am Strand in die Kinos, was einerseits als Aufforderung verstanden werden darf, andererseits geht es – wie man dem englischen Original On Chesil Beach entnehmen kann – um einen ganz bestimmten Strand. Saoirse Ronan als Hauptdarstellerin passt ebenso perfekt in die Rolle, wie ihr gegenüber Billy Howle, die sich gemeinsam an einem Thema zu schaffen machen, über das unsereiner heutzutage vielleicht nur noch lächeln mag.
Eben dies veranlasste mich dazu, die dargebotene Jahreszahl als etwas zu “jung” zu erachten. Aber meine Recherchen und einige Interviewgespräche haben ergeben, dass zu dieser Zeit damals tatsächlich nicht nur in England oder anderen Ländern solche noblen Sitten an der Tagesordnung waren, sondern selbst ein paar Straßenzüge von dem Kino, wo ich den Film gesehen habe, weiter derartiges Alltag war.
Wie schnell sich die Welt doch ändert. Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb gerade solch ein Thema, exerziert aus einer Buchvorlage, heute auf der Leinwand so viel Spaß machen kann, weil man sich so köstlich über die Unbeholfenheit und teilweise Hilflosigkeit der beiden amüsiert und es wirklich herzallerliebst anzuschauen ist, wie sie sich stückweise nach vorne quälen und dabei immer wieder in verschiedene Fettnäpfchen treten.
Unterlegt mit wunderbaren Bildern ergibt dies einen herrlichen Film, der einem den Kinoabend vollends versüßen kann. Und macht es anschließend bitte besser als die beiden 😉
 

.kinoticket-Empfehlung: Kultiviert, konservativ und herrlich schräg dabei: Am Strand ist herrliche Lektüre, die sowohl als Buch, als auch auf der Leinwand wunderbar funktioniert.
Die Rollen sind hervorragend gecastet und das Thema ist heutzutage so herrlich altmodisch, dass eine durchaus ernste Angelegenheit hier die Basis für viel Schmunzeln und Lachen bildet. Wer sich einfach mal gut unterhalten lassen möchte, ist hier genau richtig.

 
Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, hier kommt nichts mehr.
Kinostart: 21. Juni 2018

Zwei im falschen Film

Zwei im falschen Film verlangt dem Zuschauer tatsächlich einiges ab, da man zu mancher Zeit der Meinung ist, man wäre wahrhaftig im falschen Film. Idee und Script mögen zwar interessante Ansätze verfolgen, allerdings ist das Umfeld und die Umsetzung derart laienhaft, dass der Sehspaß schon bald genervter Langeweile und endlosen Szenen ohne wirkliches Weiterkommen weicht. Würde man die Laufzeit nochmals drastisch kürzen, käme man wesentlich schneller auf den Punkt und die Ausfallzeiten würden wegfallen, was daraus dann tatsächlich ein künstlerisches Werk mit Augenmerkverdienst generieren würde.
So aber bewegt man sich stellenweise überhaupt nicht, sondern braucht einfach nur gefühlte Ewigkeiten, um an die Stelle des Plots zu gelangen, die man sich im Verlaufe der Erzählung schon bald denken kann, was hieraus ziemlich zähe Masse werden lässt und nichts mehr von florierender Erzählwirkung beinhaltet.
Wer allerdings einen wirklich schrägen Film sehen will und auch vor unorthodoxen Methoden nicht zurückschreckt, der ist hiermit bestens bedient: Man befreit sich wirklich von allen Konventionen und macht komplett sein eigenes Ding, was eine Vergleichbarkeit nahezu ausschließt. Nur ob dieses Potpourri dann auch jedem schmeckt, sei dahingestellt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sehr sehr langatmig, aber auch sehr eigen und stellenweise kreativ: Man spürt einfach, dass hier keine Profis am Werk waren, sondern man es mit Laien zu tun hat, wenn man so möchte.
Grundideen sind toll, Dialogansätze spitze, jedoch zieht sich alles nur durch teilweise Verirrtheit derart in die Länge, dass der Sehspaß dadurch sehr getrübt wird.
Wer auf richtig schräge Dinge steht, ist hier genau richtig.

 
Nachspann
✅ wenn auch nicht optischer Natur, die Kommentare beim Abspann sind mir lustigerweise schon oft im Kopf rumgegeistert.
Kinostart: 31. Mai 2018

Feierabendbier

Ich glaube, das nächste Mal poltere ich sofort gegen den deutschen Film, schreib es online und lasse mich gehen in meiner Wortwahl … es ist ja fast unglaublich!
Okay okay, es ist schon wieder ein Debütfilm von einem Regisseur, der dann auch gleich noch einen verdammt coolen Namen hat 😉 – aber dennoch unfassbar, mit welcher Eloquenz, Einfallsreichtum und realistischer Akkuratheit man sich hier über Männerthemen auslässt: Ich hab’s im wahrsten Sinne des Wortes gefeiert!
Anfangs endlich wieder einmal die wunderbare Frage: Was soll das alles? Und da ich selbst in der Branche tätig bin und mir zu späterer Stunde bei so manchem Gast manchmal die gleiche Frage stelle, war’s für mich dann um so erheiternder, die Auflösung zu sehen.
Und Tramitz! Christian Tramitz, den Typen, der auch für ein gewisses Bild bekannt ist und die deutsche Filmgeschichte maßgeblich geprägt hat und den manch einer auch nicht mehr sehen kann … so eine geile Rolle O_o Mega!
Wie schon bei Vielmachglas mit Matthias Schweighöfer (Eigentlich unfassbar oder? Erst wettere ich ständig und dann gleich 2x nacheinander bei deutschen Produktionen dieser Wunsch?) ist es hier bei Christian Tramitz: Warum gebt ihr ihm so wenig Spielzeit? Wahnsinn!
Das Setting im Film, die Kamera, der Schnitt, der Look, das tiefe Eintauchen in die – für manche – schönste Sache der Welt … man glaubt, diese Kreativbombe namens Ben Brummer ist bereits an der Spitze seiner Karriere angelangt und offenbart eines seiner besten Werke überhaupt – dabei ist es gerade einmal sein Einstand!
Und so etwas ist großartig! Manch einer mag nun darüber schimpfen, dass man sich hier nicht sonderbar verbogen hat, was neue Einfälle im Drehbuch angeht oder zu wenig Inspiration mitgebracht und damit das Thema verfehlt hätte – ich würde so etwas an dieser Stelle aber nie unterschreiben.
Es gab schon so viele Filme, die sich seltsam verbogen haben, um cooler zu wirken, als sie tatsächlich sind, und jedesmal ging dieser Versuch in die Hose, weil keiner dieser Titel es geschafft hätte, eine vergleichbare Ehrlichkeit und Ungezwungenheit an den Tag zu legen, wie Feierabendbier das tut!
 

.kinoticket-Empfehlung: Einer der großartigsten deutschen Filme reiht sich zu seinen Brüdern und macht das Kino dieses Landes endlich lebendig: Man könnte fast meinen, Theater hätte erneut zugeschlagen und eine Adaption für’s Kino freigegeben, aber es ist genau umgekehrt!
Fantastische Schauspieler, eine der besten Rollen von Christian Tramitz, coole Running Jokes und sympatisch-ehrliches Sinnieren über Männerthemen, was bislang noch nie so erfrischend echt und unterhaltsam war!
Bitte bitte mehr davon!

 
Nachspann
Auch hier hat man wieder unfassbar viel Kreativität bewiesen, was durch Aussitzen belohnt werden sollte! Ich fand’s klasse!
Kinostart: Demnächst …
wurde auf der Berlinale gezeigt und kommt hoffentlich bald in viele deutsche Kinos!

Loveless

Loveless ging dieses Jahr sogar in die Nominierungslisten der Academy Awards als Russlands Beitrag für den besten fremdsprachigen Film ein. Den Preis hat er (neben vielen anderen) dann auf den französischen Oscars (César) auch bekommen. Na gut, irgendwas mit Liebe verkauft sich auf der Leinwand ja immer. Meint man.
Der Titel hat aber nichts mit Liebe zu tun, sondern heißt wörtlich übersetzt “Lieblos” bzw. aus dem Russischen “Nichtliebe”. Mir persönlich ist noch niemals ein Film begegnet, der so leer war, was Liebe betrifft: Der Titel trifft vollkommen ins Schwarze.
Depression, Trauer, Hass, Wut, Angst, Entzweiung, Zwiespalt, Gleichgültigkeit, Enttäuschung, Ärger, was immer man für negative Assoziationen in der Gefühlswelt findet, dieser Film macht sich über sie her und zerpflückt sie in seine metaphorischen Einzelteile: Willkommen in einer Studie über Beziehungen und deren Auswirkung auf die Familie.
Die Konsequenz, mit der man hier die Abschlachtung jedweder Positivität vollzieht, ist erschreckend boshaft und öffnet die Tür für eine grandiose Hölle, die ich so ausgeprägt und durchexerziert noch niemals auf der Leinwand erlebt habe: Vielleicht macht das diesen Film zu einem preisverdächtigen Stück.
Großartig sind sehr wohl die technischen Einstellungen, die unrühmlichen Bilder eines trostlosen Winters, das stille Schweigen und die Abwesenheit jeden Lebens, der stille Schrei zum Himmel und was alles dahinter verborgen ist – das Setting ist in der Tat bewundernswert und kracht alles bisher dagewesene im Zuschauer zu Boden. Man schafft es, eine Welt zu vermitteln, die unerträglich ist – und vielleicht findet der ein oder andere seine Freude daran, in einer derartig ausgeprägten Depression zu versinken.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier von “Spaß” oder “Unterhaltung” zu sprechen, wäre absurd: Loveless ist der Inbegriff von filmisch gelungener Depression und der Abwesenheit all dessen, was das Leben zu einem solchen macht.
Das Schauen dieses Titel gilt als Herausforderung – wer keinen guten Tag hatte, sollte diese Vorstellung tunlichst vermeiden. Alle anderen gehen definitiv betrübt wieder aus den Sälen hinaus.

 
Nachspann
Wer die Erlösung bis jetzt nicht gefunden hat, findet sie hier auch nicht mehr.
Kinostart: 15. März 2018

Bad Moms 2

Wer an Bad Moms denkt, dem tanzen doch sofort Bilder der neuartigen Möchtegern-Power-Party-People im Kopf rum, also die Sorte Film, die brutal hart auf feier-jugendlich macht, obwohl der Hauptanteil der Darsteller-Charaktere längst den Zenit von “Party” überschritten hat.
Solcher Art “Gute Laune-Unterhaltung” ist bei mir in der Vergangenheit immer unten durch gewesen und ein zweiter Teil macht sowas nicht sonderlich besser.
Dazu kommt das unübersehbare Thema Weihnachten, das schon in Office Christmas Party einen mega schlechten Eindruck hinterlassen hat und schon ist die Kinolaune tiefer als der Keller.
Und weil’s alles Frauen sind noch ein bisschen Gender-Wahnsinn dazu und fertig ist die schlechteste Komödie des Jahres.
Soweit mal zu meiner Vorstimmung. Erwartungen also unter aller Sau und der Kinosaal gespickt mit Kindern jenseits der 14 – abwärts.
Und dafür muss ich sagen, war der Film verdammt gut. Die Grundbotschaft aller dieses Jahr erschienenen Christmas-Filme war ja irgendwie immer, dass man genug von der Scheiße hat, die jedes Jahr zu dieser Feierzeit veranstaltet wird – und bereits der .trailer ließ ja anmerken, dass man auch hier keine Ausnahme von dieser Message machen würde.
Was aber vorher nicht so offensichtlich mitgeteilt wurde: Teil zwei basiert nur auf den Charakteren aus dem ersten Film und stellt somit keine wirkliche Fortsetzung dar, sondern ist viel viel besser als erwartet. Dieser Zinnober mit “Wir müssen jetzt zwingend witzig sein und cool noch oben drauf” findet überhaupt nicht statt, sondern die Damen waren erfrischend sympathisch und viel freier von solchen Allüren als vorerst angenommen.
Klar braucht man an dieser Stelle nun auch kein übermäßig anspruchsvolles Stück erwarten, dass in jederlei Hinsicht punktet und der Renner des Jahres wird, aber für die Erwartungen und Vorraussetzungen, unter denen man Bad Moms 2 bekannt gemacht hat, war die Show überraschend angenehm.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für Erwachsene wohl eher zu anspruchslose Kost, auch wenn der Film insgesamt wesentlich sympathischer und angenehmer rüberkommt, als man vorerst glauben mag.
Die grundsätzliche Moral ist wohl vertretbar, dafür hinkt Bad Moms 2 aber noch zu sehr an seinen Klischees und bietet zu wenig Überraschendes oder Neues. Halt einfach “just another christmas movie”.

 
Nachspann
kommt keiner, man darf den Saal also mit der Schwarzblende verlassen.
Kinostart: 9. November 2017

Bigfoot Junior (3D)

“Kinderfilm!!!” schreit es aus den Mündern der kleinen Götter, die für die Vorurteile in den Köpfen Erwachsener zuständig sind und insgeheim die Weltherrschaft längst an sich gerissen haben. Und ja, der Trailer vermittelt genau dies, das Plakat dementiert davon nichts und rein geht wirklich nur, wer selbst auch welche von den kleinen Schreihälsen dabei hat (und insgeheim hofft, dass die jetzt wenigstens mal 2 Stunden die Klappe halten).
Tja, weit gefehlt. Bigfoot Junior hat mich in vielerlei Hinsicht tatsächlich richtig vom Hocker gehauen. Ich mein: Nimm die Maske der Animation beiseite, schieb das Programm in die 20 Uhr Schiene und James Bond bekommt auf einmal Konkurrenz. Nicht, weil es sich hier auch um Agentenscheiß handelt, sondern einfach, weil der Film durch seine Machart dieser Größe und dem professionellen Erwachsenen in absolut nichts mehr nachsteht.
Woran ich das genau festnageln soll, weiß ich nicht – der Kameraführung? Der Zeichnung? Dem absolut gehaltvollen Plot? Dem “Action-Momentum”, dass sich aus der Tiefe der Kreativität erhebt und gemeinsam mit dem Soundtrack und der gekonnten Blickführung etwas vollkommen Großartiges erschafft, das dem Zuschauer als Kino-Highlight vorgesetzt wird?
Dazu das unfassbar (!) räumliche 3D, das auf mich so krass wirkte, dass ich ernsthaft am Überlegen bin, ob ich euch nicht lieber davor warnen statt davon schwärmen soll, weil die ganzen “Epilepsie”-Warnungen, die man von Spielepackungen so kennt (sollte man tatsächlich – wie ich – die Einleger mal durchlesen), auf einmal doch Sinn ergeben und es absolut ratsam ist, sich nicht in die Vorstellung zu hocken, wenn man eh schon einen flauen Magen hat?
Auf jeden Fall haut’s rein – so sehr, dass sich auch ungezwungen jeder Erwachsene zu jeder Tageszeit in eine dieser Vorstellungen setzen kann und nicht enttäuscht wird.
Hut ab vor dem, was da geschaffen wurde. Entertainment für die Kinder, Technik und Background-Können für die Erwachsenen und einfach Spannung und Abenteuer, dass so sehr aus allen Nähten platzt, dass man es ohne zu Überlegen und ohne viel Zutun ohne Schwierigkeiten als Megablockbuster auf ProSieben präsentieren könnte und niemand erahnen würde, dass dieses Stück einst aus der Feder für Kinderunterhaltung entschlüpfte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Würde ich wieder reingehen?
Auf jeden Fall. Aber nur in Begleitung, denn der Film geht zu sehr in seinem voreingestellten Klischee unter und ist dabei um so vieles Größer als man ihm zutraut.
Was auch immer die Plakateure dazu getrieben hat, hier nur Kinder ansprechen zu wollen: Die Schaffenskunst, die hinter diesem Projekt steckt, ist absolut ausgereift und spricht daher auch alle anderen Altersklassen an, ohne dabei in irgendeiner Form zu hinken.
Rein gehen!

 
Nachspann
Braucht man nicht abwarten, hier kommt nichts mehr.
Kinostart: 17. August 2017

Paris kann warten

Wenn der Name Coppola fällt, und damit nicht Francis Ford oder seine Tochter Sofia gemeint ist, dann wird es für mich ebenfalls außerordentlich interessant. Dass diese Familie im Filmemachen bereits eine gesegnete Grundeinstellung hat, dürfte ja hinreichend bekannt sein.
Diesmal macht sich Eleanor daran, ihren ersten Spielfilm zu inszenieren und betritt damit für sie völlig neues, ungewohntes Terrain. Dass sie sich dabei völlig anderen Herausforderungen stellen musste (zum Beispiel buchte sich ein arabischer Scheich mit 1000 Gästen in das gewünschte Hotel ein, weswegen der Drehort geändert werden musste), ist dabei nur eine Aufgabe, die sie im Verlauf des Drehs gemeistert hat.
Eleanor schrieb und filmte aus eigener Erfahrung heraus und machte so eine eigentlich persönliche Anekdote zu einer grandiosen Filmidee, die sie mit Paris kann warten hervorragend umgesetzt hat. Ihr Fokus auf die kunstvoll inszenierten Meisterwerke, die sich gerade im französischen Milieu verbergen, ist unverkennbar. Die Liebe zum Detailreichtum, die Hommage an die alten Baumeister und kreativen Schaffensprozesse in punkto Architektur, Kultur und Kulinarik ist eindeutig. Damit generiert sie ein Werk, das nicht von dem Prunk ihres Namens oder durch irgendwelche überdimensionierten Kritiken an Hollywood und der Filmindustrie lebt, sondern etabliert ein wunderschön-mümmeliges Stück, das anzusehen mehr als Pflicht ist.
Der französische Charme von Land und Leute erweist sich hier als absoluter Glücksgriff. Die teils immer morbider werdenden komisch anmutenden Präferenzen des diesländischen Kinos werden hier galant umschifft und sorgfältig neu erfunden.
Dabei bedient sie sich als Regisseurin nicht nur beispielloser Bilder und Impressionen, sondern gleichermaßen wunderschöner Charaktereigenschaften, die in einem sanften Stück über die Bildfläche schweben und der Zeichnung ihrer Darsteller immer mehr Profil verschaffen, bis es zum endgültigen Showdown kommt.
Gerade ihre Versessenheit darauf, der Kunst hier freie Bühne zu bieten, hat mich während der Vorstellung im Innersten getroffen und abgeholt.
Der spritzig-bunte Sommerflair eines verträumt-romantischen Teils dieser Erde gepaart mit der untypischen Geschichte erweckt nicht nur das Fernweh und Urlaubsfieber, sondern auch den emotionalen Part im Menschen und sorgt hier im Kino (und später hoffentlich auf arte) für jede Menge begeisterte Zuschauer, die sich an dem Können einer erfahrenen Frau laben dürfen, die hier eine ganz besondere Geschichte zu erzählen hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mit 92 Minuten Laufzeit ist diese Show viel zu schnell vorbei.
Die gekonnte, fein austarierte und liebevoll designte Hommage an Land, Kultur und Leute wird hier von einer Meisterin inszeniert, die sich damit auf dem Spielfilmmarkt ebenfalls ihre Lorbeeren abholen darf.
Paris kann warten besticht nicht nur durch seine immens verträumten Bilder, sondern vor allem auch durch den überaus charmanten Geist seiner Darsteller/innen. Ein Stück, dass man definitiv im Kino gesehen haben sollte.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden. Wer die Musik liebt (oder nicht will, dass es schon vorbei ist), der bleibt einfach bis zum Ende sitzen.
Kinostart: 13. Juli 2017

Maria Mafiosi

Mit den Eberhofer-Krimis ist zumindest in Bayern ein neuer Kinokult aus dem Boden gestampft worden, der hierzulande auch wahnsinnig positiv aufgenommen und von den Kritikern hoch gelobt wird.
Kein Wunder also, dass man sich jetzt auch anderweitig in dieser Nische versucht und mit Maria Mafiosi erneut ein Mundart-Werk in die Kinos bringt, das genau diese Zielgruppe befriedigen soll: Bayerische Fans, die Krimi-Komödien lieben und ihre bekannten Stars aus den Eberhofer-Verfilmungen auch zwischen den Publikationen auf den Leinwänden erleben wollen.
Dieser Aufgabe hat sich Jule Ronstedt angenommen und einen abtrünnigen Bruder der großartigen Filme erschaffen, der eine eigene Gangstergeschichte erzählt, die nicht weniger lustig ist und vor lauter Klischees nur so trieft.
Ob dies nun positiv oder negativ aufgenommen wird, überlasse ich den Zuschauern. Offensichtlich versucht man sich hier kaum an politischer Korrektheit noch daran, der Gleichberechtigung oder anderen neuartigen Phänomenen hinterherzurennen, sondern bedient sich ganz altbackener, klassischer Stereotype, um den Kinozuschauer in seiner Lust nach lokalsprachlicher Komik-Unterhaltung zu befriedigen. Und das gelingt meiner Meinung nach auch ganz gut, sofern man sich nicht den vergleichsweise hohen Ansprüchen der Rita Falk-Verfilmungen stellen möchte.
Maria Mafiosi bedient hier sozusagen die gleiche Klientel auf hohem Fan-Art-Niveau und lockt mit dem Regiedebüt der aus Wer früher stirbt ist länger tot bekannten Schauspielerin in die Kinos.
 

.kinoticket-Empfehlung: Natürlich muss man sich damit abfinden, dass hier keine großartigen Hollywoodbudgets im Hintergrund dümpeln oder sich die Macher auf ihre jahrelange Erfahrung stützen können, sondern man es mit einem vergleichsweise “jungen” Film zu tun kriegt, der die Zuschauer einfach auf seine Weise begeistern will – und kann.
Die Darsteller sind teilweise bekannt und liefern allesamt glaubwürdige Szenarien ab, die für sich zwar kein Meilenstein in der Kinogeschichte darstellen, allerdings auch nicht zum Lückenbüßer verkommen, sondern durchaus ihre Existenzberechtigung vorweisen.
Wer sich darauf einlässt, hat hier durchaus seinen Spaß im Kino – solange der Streifen noch auf den Screens gezeigt wird.

 
Nachspann
gibt’s ohne weiterführende Szenen oder zusätzliche Gimmicks – man darf also getrost nach draußen spazieren.

Allied

Robert Zemeckis, dem wir Filmlegenden wie Zurück in die Zukunft I-III, Der Tod steht ihr gut, Forrest Gump und Contact zu verdanken haben, wirft einmal mehr den Scheinwerfer über dem Regiestuhl an und widmet sich diesmal einem Drama, das ich in einer derart sensiblen, zärtlichen und einfühlsamen Verbaljonglage so noch nicht erlebt habe.
Da ich diesen Film im Rahmen der Sneak Preview Tage später erneut im deutschen Synchronton erleben durfte, muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass sich meine Rezension tatsächlich auf die Originalversion bezieht, die man (wahlweise mit deutschen Untertiteln) der Deutschen auf jeden Fall vorziehen sollte.
Warum?
Brad Pitt und Marion Cotillage machen hier einen derart feinfühligen Sprachwettbewerb auf, der mit dieser extrem anmutigen Darstellungsweise von ihr beispielsweise eine abartige Gänsehaut erzeugt, wenn sie an vielen Stellen des Films elegant durchs Bild tanzt und sich in ihrer ruhigen, sensiblen Art und Weise nicht nur durch die Gegend, sondern auch den Plot bewegt.
Pitt reagiert darauf nicht weniger professionell und erhebt die Kunst des Krieges damit auf ein neues Niveau: Der Überraschungsmoment im Film ist nicht etwa der, den man als Zuschauer tatsächlich im Stillen erwarten würde, sondern erhebt sich auf völlig neue Ebenen, die sich einem erst dann erschließen, wenn man wirklich im Film sitzt und alles andere um sich rum langsam ausblendet.
Das Ganze gipfelt in einem Finale, bei dem ich in der OV-Vorstellung wahrhaftig Tränen in den Augen hatte. Die stille Verzweiflung, das erhebende Gefühl von Liebe und Geborgenheit, die Sehnsucht und inneren Wünsche wurden von Cotillard hier so dermaßen eindrücklich in die Kamera gesendet, dass der deutsche Zuschauer nur davon träumen kann, dieses Momentum in gleichem Ausmaß zu erleben.
Tatsächlich ist nämlich in der Synchronisierung jeglicher Charme dieser eleganten Darstellungsweise durch plumpes “Ablesen” verloren gegangen, was den Film zwar auf bildhafter Ebene großartig erscheinen lässt, mit dem stumpfen Dahinplappern der Dialoge dann aber eher zu einer ungewollt-komischen Vorstellung erscheinen lässt, die den tieferen Sinn dieses Dialogs völlig ins Abstruse verkehren.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nichtsdestotrotz sollte man sich aufmachen, denn Allied – Vertraute Fremde schafft auch hier wieder Raum für großartig erzähltes Kino und präsentiert eine wunderbare Geschichte mit herzergreifendem Ende.
Wer immer die Chance dazu hat, sollte sich nach den OV-Vorstellungen umsehen oder später in den VOD-Portalen nach eben jener suchen, denn nur hier kommt wirklich rüber, was Zemeckis uns in seiner Geschichte sagen wollte.

 
Nachspann
enthält Cast & Crew nach üblicher Manier, wartet aber nicht mit Bild- oder Videomaterial auf. Der Sturm zum Ausgang ist also gerechtfertigt.

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