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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Berg

Smallfoot

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© 2018 Warner Bros. Ent.

 
Ganz ohne Spaß: Smallfoot zählt zu den besten Kinderfilmen, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Und das hat viele Gründe.
Ich schaue ja sehr viel und habe mich zuweilen auch sehr tief in die Sphären des Kids-Cinema eingegraben und hier schon sehr viel Blödsinn und Mittelmäßiges vor die Augen gekriegt. Es gibt hier und da ein paar Ausnahmen, aber selbst von Disney gefällt mir vieles überhaupt nicht, was Kinderfilme angeht.
Smallfoot hat schon im .trailer gewissermaßen anklingen lassen, dass hier jetzt einiges anders läuft und der Film selbst ist einfach nur Bombe!
Der Humor ist erstklassig, zügig umgesetzt und triumphiert in vielen Szenen durch so ein Gagbombardement, dass die Kinder sich vor Lachen fast in die Hosen machen – und man selbst als zorniger Erwachsener langsam anfängt, seine Mundwinkel nach oben zu reißen und letztendlich einfach lachen muss. Diese Version, für die man sich hier entschieden hat, die Art Humor, ist megamäßig und geht einem zu keinem Zeitpunkt des Films in irgendeiner Form auf die Nerven oder langweilt durch Wiederholung oder Ausreizen verschiedener Gags. Wirklich erste Sahne!
Die Charakterzeichnung wurde hervorragend gemeistert. Die Männer sind nicht “männlich ohne Gnade” und die weiblichen Figuren nicht überweiblicht, sondern alles hat einen derartig realistischen Zusammenhang, dass man meinen könnte, alles wäre echt so. Hier braucht nicht von Inklusion, Genderneutralität oder dem ganzen Quatsch geredet werden, der Film ist in seiner “Gendersprache” einfach in Ordnung, weil er sich nicht drum schert, sondern einfach völlig normale Figuren nebeneinander stellt und sie ihre Geschichte spielen lässt.
Versteht das also nicht falsch: Der Film ist nicht “politisch korrekt” und achtet penibel auf möglichst unverletzliche Aussprache, im Gegenteil: Er ist einfach völlig normal. Alte Schule. Das ist ein riesiger Unterschied! Er schert sich nicht um diesen Mist, tritt dabei gleichzeitig aber niemandem auf die Schuhe, sondern umwärmt einen mit einer Portion Normalität, dass man sich wünscht, die restliche Welt wäre genauso.
Die Moral – wobei: Moral ist hier das falsche Wort, das hört sich schon wieder so geschichtsbuchmäßig an – also das “Lerneffekt-Dings” tut gut und rührt durch seinen unbescholtenen Defensivismus in der Unterschwelligen-Liga fast schon zu Tränen: Nicht, weil hier rührselige Komponenten in den Plot eingeflochten wurden, sondern weil das Teil so herrlich unterschwellig ist und man auch da – in einem Kinderfilm (!) – zeigt, wie es richtig gehen kann: Damit leistet der Streifen perfekte Erziehungsarbeit und flößt unterschwellig gute Werte, ethisches Verhalten und Normalität in die Kinderköpfe, die sich in 1-2 Generationen dann evtl. wieder zu normalen Menschen entwickeln und dem ganzen Wahnsinn da draußen ein Ende setzen.
Smallfoot ist also gewissermaßen das Venom für Kinder, in natürlicher FSK-Freigabe und ohne irgendjemandem Schaden zuzufügen. Weder visuell, noch sprachlich, noch zeichnerisch, noch irgendwelche Bio-Fanatiker unterstützend – das Ding ist einfach gesund und normal, heil und heilsam und pure Energie und Leben für groß und klein.
Und je länger ich darüber nachdenke, umso fester steht mein Entschluss: Das ist der beste Kinderfilm, den ich je in meinem Leben gesehen habe.
 

.kinoticket-Empfehlung: Einer der besten Kinderfilme, die es gibt – wenn nicht sogar DER beste schlechthin.
Der Humor ist großartig, die Charakterzeichnung perfekt, der ganze kranke Mist wurde außen vor gelassen und trotz seines absurden Themas glänzt dieser Film durch eine natürliche Normalität, die man fast überall da draußen grad nur vermisst.
Dieser stechende Dorn, der einem bei anderen Filmen oftmals begegnet, ist hier einfach nicht zu finden, obwohl ich die ganze Zeit danach gesucht habe: Das Ding hat mich vollkommen überzeugt und vom Hocker gerissen und ich werde sehen, dass ich es noch in die ein oder andere Wiederholungsvorstellung schaffe.

 
Nachspann
✅ voll süß gemacht und schön bis zum Ende hin durchanimiert, man braucht also nicht gleich aufspringen.
Kinostart: 11. Oktober 2018
Original Title: Smallfoot
Length: 96 Min.
Rate: FSK 0

Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs

Bam: Na, wen umschleicht hier auch das ungute Gefühl, in einen Kleinkinderfilm gerutscht zu sein und nach dem Titel gar nicht weiter lesen zu wollen? Dazu noch die unpassend platzierten Bilder, die überall auf den einschlägigen Seiten dazu postiert wurden … und fertig ist das Vorurteil zu diesem Film, der weit über das hinausgereicht, was man eingangs denkt.
Ganz ehrlich? Ich wollte mich sogar vor der Pressevorführung drücken, weil mich der Titel einfach mal so gar nicht angesprochen hat. Aber wenn man nun schon einmal da ist …
… zum Glück! Denn was hier von den Deutschen rausgehauen wurde, grenzt fast schon an die Bullidität eines Jason Bourne-Klassikers. Ja – richtig gelesen! Tauscht einfach mal ein paar Szenen aus den Ursprungsfilmen des Agentenepos’ mit denen aus diesem Film aus und ich wette, ein Großteil der Leute merkt kaum etwas.
Und genau so kann man sich dieses Werk vorstellen: Einfach unglaublich hochwertig produziert mit Kamerafahrten und Kulissen, die jeden gnadenlos umhauen. Dafür, dass hier ARD und NDR mitverantwortlich sind, ziehe ich meinen riesengroßen Hut und sage: Respekt!
Der produzierte Soundtrack gleicht wirklich einem unfassbaren Blockbuster aus Amerikas Filmschmiede und die dazu gezeigten Szenen passen sich kompromisslos an das Drumherum an. Einfach gesagt könnte man behaupten, Die Pfefferkörner sind Jason Bourne mit 20 Jahre jüngeren Darstellern.
Und auch im weiteren Verlauf des Films wurde unfassbar authentisch, realistisch und überzeugend gearbeitet, was die Freigabe Ohne Altersbeschränkung definitiv in vielen Szenen anzweifelbar macht. Denn kleine Kinder könnten ob der zu professionellen Darstellung der Effekte und auch von der Geschwindigkeit der Schnitte, als auch von der in diesem Alter zu lange auf sich wartenden Erklärung definitiv hier und da von Verwirrung und Verängstigung geplagt werden.
Ich für meinen Teil würde behaupten, dass es sich hierbei um einen fortgeschrittenen Jugendfilm handelt, der ein maßgebliches Thema hervorragend aufbereitet präsentiert und dabei auf so viel Professionalität zurückgreift, wie es hierzulande noch nicht gesehen wurde.
Natürlich muss man auch hier wieder .kinotickets im Rotlicht-Milieu-Style kaufen und seine Klassenkameraden einfach ungefragt rein schleppen, was aber dann folgt, grenzt filmisch gesehen an die Oberliga und überzeugt auf allen Ebenen – sogar beim Kinderschauspiel.
Ich – als 33jähriger – werde definitiv nochmal rein gehen und hoffe, dass diesem Beispiel viele folgen werden, denn dieser Film hat internationale Aufmerksamkeit verdient.
 

.kinoticket-Empfehlung: Unfassbar professionell gefilmt und produziert mit viel Humor, Vergnüglichkeit und einem politisch immens wichtigem Thema.
An dieser Umsetzung passt einfach alles: Der Cast, die Kamerafahrten, der Soundtrack, die Ineinanderflechtung der einzelnen Charaktere, der Spannungsbogen, die Effekte und über die leichten Sprachschwierigkeiten der Hauptclique sieht man ob des jungen Alters gerne hinweg.
Definitiv auch für Erwachsene ein riesiger Hit, der ob seines komischen Titels wohl leider zu wenig Aufmerksamkeit in der Bevölkerung finden wird.
Also rafft eure kleinen Geschwister aus ihren Spielzimmern, dann habt ihr an der Kinokasse plausible Ausreden und gemeinsam einen super Kinonachmittag.

 
Nachspann
folgt keiner, nach der Schwarzblende ruhig aufstehen und den Müll mit nach draußen nehmen.
Kinostart: 7. September 2017

A Cure for Wellness

Gore Verbinski ist ein Genie!
Ich lese Beiträge, höre Meinungen, sehe Witzbilder über die Reaktionen zu diesem Film und erkenne mich kein Stück darin wieder.
Ich habe der Vorstellung entgegengefiebert, hatte dabei aber keine Ahnung, wie sehr dieser Visionär damit den Punkt auf den Kopf treffen würde.
Ich vermute an dieser Stelle einfach mal wieder und behaupte, dass ein Großteil der Menschheit die Ambitionen des Regisseurs nicht versteht und daher völlig falsch an die Sache rangeht.
Verbinski drückt in so einprägsamen, visionären, ausdrucksstarken und treffenden Bildern eine Symphonie der Obskurheit unserer heutigen Welt aus, die keinerlei Ansatz dafür bietet, als Unterhaltungsprogramm vergewaltigt zu werden, und genau jenen Ansatz haben wohl die vielen Meinungsäußerer, die sich negativ über das Werk äußern. Sie wollen unterhalten werden – und das hier ist alles, außer Unterhaltung.
Wir stehen vor einem vor Genialität triefenden Werk philosophischer Größe, dass den Menschen so abartig gelungen vermittelt, wie es mit den meisten Individuen unseres Planeten zur Zeit aussieht. Allein schon der Titel … hat sich mal jemand die Mühe gemacht und den ins Deutsche übersetzt und danach gefragt, warum man so etwas als Titel wählt? Die meisten Kritiker können ihn noch nicht mal aus dem Kopf heraus richtig aussprechen.
Solch eine übermäßige Oberflächlichkeit kann nur in Enttäuschung münden, denn das Erzählte erfordert absolute Denkarbeit, das Fehlen von Popcorn und jedweden Anspruchs an Unterhaltung. Und das hab ich gefeiert.
Hier geht es nicht um leicht verdauliche Kost einer mittelmäßigen Geschichte, hier geht es um Bilder, die einen Zustand ausdrücken, um Kritik, um Aufklärung, um das harmonische Zusammensetzen psychologischer Puzzlesteine, die als Ganzes ein Bild von wahnhaftem Genialitätskern entblößen, das nicht nur in seiner Gänze voll ins Schwarze trifft, sondern einen beim Nachdenken so von den Hockern haut, dass später die Spucke im Mund immer noch ausbleibt.
Allein die Zusammenfügung verschiedenster Szenerien, in denen wohlumschmeichelnd mit Farben, Mustern, Formen, Symmetrien, Disharmonien und anderen Ansätzen seelischer Bausteine gespielt wird, zeugt von einer orchestralen Größe, die hier nicht nur Töne, sondern auch Charaktere und Bilder aus den Instrumenten der Filmemacher pustet, die in einer anbetungswürdigen Art und Weise vollführt werden, dass jedes Künstlerherz jubilierend aufatmet und sich darüber freut, dass so etwas in einem niederen Ort wie Kino endlich wieder gelebt wird.
Allein die Auswahl der Schauplätze und das einstreichen in die farblose Colorierung, die nur gelegentlich Akzente setzt, ist für mich auszeichnungswürdig.
Die Zeiten von billigen Klischees sind vorbei. Die Zeiten von oberflächlichen Superhelden und tollem CGI sind Geschichte. Hier lebt höchster Anspruch in einer audiovisuellen Kraft, die sich Zeit für alles nimmt und dafür sorgt, dass ein Organ wieder vollständig genutzt werden muss: Das Gehirn eines jeden Zuschauers.
Und diesen Umstand – umklungen vom Reigen der Bilder, Musik und den Fügungen dieser Maschinerie als solches – feiere ich immer noch und freue mich darauf, mir diesen Film heute erneut anzusehen!
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.kinoticket-Empfehlung: Dieser Film ist alles, außer Unterhaltung.
Wer meint, hier eine Geschichte erzählt zu kriegen, irrt. Man wird gefüttert mit philosophischen Bausteinen, die in einer so galant-genialen Machart mit dem kommerzialisierten System unseres Planeten aufräumen und offenbaren, was eigentlich offensichtlich sein sollte, aber dennoch nicht ist.
Ich LIEBE Verbinski für diesen Schachzug und kann jedem nur empfehlen, sich für diesen Film ein wenig mehr Zeit als die Laufzeit zu nehmen, denn das hier ist einfach nur großartig!

 
Nachspann
kommt keiner weiter, nach der Abblende darf man nach draußen.

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