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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Benjamin Sadler

Wendy 2 – Freundschaft für immer

Bei Pferdefilmen ist es genauso wie bei Tanzfilmen: Die Bausteine, die für den Plot notwendig sind, sind immer die gleichen: Nur die Schauspieler werden ausgetauscht und die Bewegungen sind minimal verändert.
Hat man sich daher einmal in dieses Genre verkuckt, braucht man eigentlich nur noch nach Sympathie und Aussehen werten und damit festlegen, wer der oder diejenige sein soll. Alles andere ist dann Geschichte.
Mir geht seit geraumer Zeit der Satz nicht mehr aus dem Kopf, dass Deutschland nicht dazu in der Lage ist, vernünftige Dialoge zu schreiben. Diese – ich möchte fast sagen – Wahrheit findet bei Wendy 2 – Freundschaft für immer erneut einen Höhepunkt ihrer Karriere: Man spürt deutlich, dass in Sachen Technik, Ton, Kameraführung, Einstellung und dem ganzen Drumrum gute bis sehr gute Arbeit geleistet wurde – alles ist wunderbar – bis einer den Mund aufmacht und redet.
Die Dialoge sind zum Schreien schlecht. Dazu kommt (und das ist persönlicher Geschmack), dass mir Wendy als Darstellerin unglaublich unsympathisch erscheint, was es mehr als schwierig macht, dass ich dann noch irgendwie mein Herz für einen derartigen Film öffnen kann.
Positiv anzumerken ist aber dennoch, dass man zumindest im Plot diesmal versucht, ein klein wenig über den Tellerrand hinauszuschauen und nicht alle Charaktere in ihren eigenen Stereotypen ersaufen lassen, sondern hier und da erfrischend viel Normalität walten lassen hat.
Man kommt ungezwungen zum Vergleich – und da lässt Wendy 2 – Freundschaft für immer – gleich wie schon beim ersten Teil – unfassbar viele Punkte liegen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich die ungeschlagene Nr. 1 dieser Branche ist und bleibt fürs erste Ostwind – Aufbruch nach Ora.
Hier stimmt für mich persönlich die Sympathie und das Zugehörigkeitsgefühl nicht so und es gab zu viel schlechte Dialoge und zu viel Charakterschwächen. Dass man wenigstens angefangen hat, an den Stereotypen-Stellschrauben zu drehen ist erfreulich, rettet für mich aber dennoch nicht den kompletten Film.
Wer aber drauf steht, darf auch hier gerne wieder beherzt zugreifen: Das Genre ist eh immer das gleiche, nur die Darsteller ändern sich.

 
Nachspann
Sitzen bleiben – Ihr werdet für deutsche Verhältnisse mit einem der coolsten Abspänne und jeder Menge Outtakes belohnt.
Kinostart: 22. Februar 2018

Luna

Wer das Wörtchen “Luna” hört, denkt wohl erst mal an den leuchtenden Himmelskörper, der des Nachts die Strahlen der Sonne widerspiegelt.
Khaled Kaissar hat sich dieses Wort zu eigen gemacht und erzählt die kinotauglich gemachte Geschichte einer Familie, die 2012 hier in Deutschland tatsächlich existierte und auf deren Erfahrungen und Handlungen die ganze Story aufgebaut ist.
Und um dem ganzen noch etwas drauf zu setzen, hat man nicht etwa in Serbien oder sonstwo gedreht, sondern im naturschönen Oberstdorf, München und Dachau. Durch und durch einheimisch – und es schrillen keine Alarmglocken?
Nein. Ich sage es nicht zum ersten Mal: Drama kann Deutschland. Und das immer besser. Mit Luna erlebt ihr ab 15. Februar ein weiteres Beispiel in den Kinos, das bezeugt, dass man sich hierzulande immer besser aufs Filmemachen versteht und die altbackene Humorschiene langsam abgelegt hat.
Und dieser Entwicklung stehe ich sehr positiv entgegen, auch wenn wir noch längst nicht am meisterlichen Himmel angekommen sind und uns auf den begangenen Taten ausruhen dürfen. Es liegt noch sehr viel Arbeit vor uns, um international auf das Niveau anderer Filmschmieden zu kommen, aber man merkt, dass man ernsthaft mit einer Art “Selbstfindung” beschäftigt ist, deren positive Resonanzprodukte Filme wie dieser sind.
Die idyllische Trauer, das farblose Spektrum der Seele, die liebevolle Hingabe zur Dekonstruktion, das zarte Suchen nach neuer Identität und dem eigenen ich: Man könnte meinen, die Inhalte dieses Films treffen genauso auf die Filmhistorie zu, mit der man sich zukünftig befassen muss.
Und ich sage dazu nur: Macht weiter – die Richtung stimmt definitiv.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ernstzunehmendes deutsches Kino, dass sich mit einem Fall aus den eigenen Reihen auseinandersetzt und diesen kinotauglich präsentiert.
Der Weg zum richtig großen Filmfeldzug ist zwar noch lang, aber die Weichen dafür sind längst gestellt und alles weitere ist nur eine Frage der Zeit. Luna liefert hier einen weiteren Beweis, dass man auch hierzulande fähige Leute hat, die etwas zu erzählen haben und dieses Handwerk auch verstehen.

 
Nachspann
Rausgehen …. erlaubt! 🙂 Hier kommt nichts weiter.
Kinostart: 15. Februar 2018

Wendy – Der Film

Fast jedes Kind hat im Laufe seines Erwachsenwerdens mindestens einen der Klischeewünsche gehabt. Lokführer, Pilot, Prinzessin oder aber Pferde.
Die Ursache solcher Wünsche rührt meist aus diversen Promotions, die aus der Erwachsenenwelt überschwappen und die Kinder manipulativ beeinflussen. Nicht umsonst buhlen so viele Konzerne um die Aufmerksamkeit der Kleinsten. Mit dazu gehört die bekannte Pferdezeitschrift Wendy, die sogar an mir nicht ungesehen vorbeigekommen ist.
Mit Wendy – Der Film projiziert man nun die Kindheitswünsche in einen gut verträglichen Kinofilm und widmet sich ganz im Sinne der Kleinsten dem Thema erneut, nur dass diesmal eben nicht irgendwelche Comics zur Fantasieanregung parat stehen, sondern man die Gestaltung und das Umfeld im Film klar deklariert und daraus einen für Kinder interessanten Plot zimmert, der meine Erwartungen weit übertroffen hat.
Ganz ehrlich? Fast die komplette Erwachsenen-Riege hat mir viel Kraft für die Vorstellung gewünscht und gemeint, dass ich da drin sowieso keinen Spaß haben werde, weil sich das für sie eher nach Qual als Vergnügen anhört – und das muss ich leicht dementieren.
So übel ist das alles nämlich gar nicht und auch die übliche Kinderkrankheiten solcher Filme, wie man sie z.B. in Ostwind 2 hatte, kommen hier nicht wirklich zum Tragen. Man verhält sich sehr normal und spricht auch nicht übermäßig verblödend, sondern konzentriert sich wirklich auf schöne Pferdeaufnahmen, einen interessanten Plot und akzeptable Charaktere, die das Gesamtbild des Films ausschmücken und so zu einem Gesamterlebnis verhelfen, das durchaus positiv ist.
Und Fetischisten von extrem geilen Kamerapositionen haben hier auch das ein oder andere Schmankerl drin.
 

.kinoticket-Empfehlung: Besser als die Erwartungen, die man als Erwachsener an so einen Film stellt.
Geschichte, Darsteller, Kamera und Aufnahmen überzeugen und liefern hier Stoff für einen unterhaltsamen Nachmittag mit den kleinen Geschwistern. Darüber hinaus sollte man aber keine allzu hohen Forderungen stellen, denn der Film möchte nicht auf internationalem Niveau irgendwelche Preise absahnen, sondern verhält sich in meinen Augen hier völlig bodenständig und richtig.

 
Nachspann
Im Nachspann wird man dann wieder an alte Zeiten erinnert, zu schnelles Abwandern sollte man also vermeiden.

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