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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Ben Foster

Leave No Trace

Hinterlasse keine Spuren. Dann könnten Fragen gestellt werden. Und Fragen sind in einer festgefahrenen Gesellschaft immer unerwünscht. Ich erlebe selbst oft, wie häufig Non-Konformität in der aktuellen Gesellschaft angeprangert und angezweifelt wird und es ist schockierend, wie wenig der wohlwissende Bürger eigentlich wirklich darüber weiß.
Dass viele ihre Aussagen nur noch auf eigener Meinung und längst nicht mehr auf überprüfbaren Fakten basierend äußern, erleben wir derzeit aktuell überall auf dem politischen Tagestisch. Dem muss sich das Kino ja nicht gezwungenermaßen gleich anschließend, sondern es darf so herrlich ehrlich über den Tellerrand blicken und dem Zuschauer dabei zeigen: Es gibt noch mehr da draußen. Dinge, von denen du nichts weißt. Dinge, die dir völlig unbekannt sind. Und wir erklären dir auch, warum diese Dinge tatsächlich funktionieren.
Ich habe bereits bei draußen meine helle Freude gehabt und mich in vielen Aussagen der Menschen wiedererkannt, weil ich die Situationen kenne, sie verstehe, sie durchlebt habe und durchlebe und genau weiß, wie sie fühlen und vor allem, warum sie so fühlen.
Diesen Aspekt bringt Leave No Trace auf den Höhepunkt und sondert sich dabei komplett von allen vergleichbaren Filmen ab. Ich finde es an den Haaren herbeigezogen, stumpfsinnige Vergleiche anzustellen, nur weil jemand mal “raus geht”. Nein, ich denke nicht, dass man mit Captain Fantastic und Co. mitzieht, sondern hier sehr viel mehr Einfühlungsvermögen, Vielschichtigkeit und Sorglosigkeit erlebt, und den Zuschauer sehr behutsam, aber konsequent an ein Thema heranführt, über das man mit dem Durchschnitts-Otto noch nicht mal ernsthaft diskutieren kann. Geschweige denn, es mal auszuprobieren.
Und hier liegt die Crux: Man sieht es. Man fühlt sich vielleicht im ersten Moment angewidert und wird von der Andersartigkeit angestoßen, erfährt im Laufe des Films aber immer mehr, wie Verständnis dafür aufgebracht wird, weil er sich nicht erzwungen erklären möchte, oder mit irgendwelchen Stilmitteln auftrumpfen oder episch-dokumentarisch belegen, wie toll so etwas sein kann, sondern der Film lässt einfach zu.
Genau das ist begeisternd. Dieses Zulassen. Dieses Vielleicht-nicht-einer-Meinung-sein-aber-den-anderen-nicht-ändern-wollen. Das, was der heutigen Protzgesellschaft fehlt, die landesweit gegen irgendwelche Andersartigkeiten demonstriert. Frieden basiert nicht im Akzeptieren und Übernehmen von allem und jedem, sondern manchmal einfach nur im Zulassen von Andersartigkeit. Und genau da stolpern sehr viele, die von sich selbst behaupten, fest im Leben zu stehen, schon allein in der Diskussion.
“Du bist nicht so wie ich? Dann hau ab!”
Genau das hab ich schon unzählige Male an den Kopf geworfen bekommen, direkt oder indirekt, weil jeder gleich glaubt, dass man sein Leben auf andere überstülpen und sie allein durchs Erzählen von etwas überzeugen möchte, dass sie vielleicht gar nicht wollen (und auch gar nicht sollen, wo wäre denn dann z.B. die wunderbare Einsamkeit in der Natur, wenn auf einmal jeder da rumtigert?). Und der Glaube, dass ein “Ich teile dir etwas von meinem Leben und meiner Andersartigkeit mit” gleichbedeutend mit “Ich möchte, dass du in Zukunft komplett und immerdar an meiner Seite weilst und genauso lebst wie ich” ist, ist schlichtweg dumm und naiv. Vielleicht bedeutet das einfach nur, dass du der Person wichtig genug bist, dass sie dir ihre Andersartigkeit anvertraut, um Verständnis zu erlangen oder sich mitzuteilen, weil du ihr nicht egal bist. Es ein Freundschaftsbeweis ist, weil du danach nämlich weißt, was diese Person treibt und wo sie sich rumtreibt und alle anderen nur Fragezeichen auf den Köpfen haben. Aber so weit denkt niemand.
Und genau da punktet der Film sondergleichen und führt den Zuschauer tief in ein ungeahntes Verständnis hinein, dass keine Erklärungen mehr braucht und nach dem man tatsächlich eines tut: Man versteht.
Man versteht, warum sie so sind. Warum sie das wollen. Man spürt und sieht es ihnen an. Oder es liegt an mir und den Erfahrungen, die zu diesem Verständnis geführt haben – ich weiß es nicht.
Fakt ist: Dieser Film entlässt einen bewegt wieder aus dem Saal. Und auch wenn die Story nur über drei Ecken wahr ist (ja, den Fall hat es gegeben, der Autor ist an den Originalschauplätzen rumspaziert und hat sich dazu ausgedacht, wie das wohl gewesen sein könnte und darüber ein Buch geschrieben, welches wiederum als Film interpretiert wurde), zeigt es dennoch, dass eben nicht nur dieses eine Lebensmodell lebensfähig ist, sondern man auch anders ohne zu verwahrlosen durchkommen kann und ein gutes Leben führen.
Und diese Lebenserfahrung sollte jedem von euch ein .kinoticket wert sein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Feinsinnige, abgestimmte und völlig natürliche Erzählung über ein völlig anderes Leben abseits jeder Norm.
Der Film leistet dabei keine Überzeugungsarbeit oder drängt sich unbequem auf, sondern lässt den Dingen einfach ihren Lauf und hält sich dabei sehr dezent zurück, ohne jedoch dem Zuschauer dabei den forcierten Blick auf diese Andersartigkeit zu verwehren. Eine sehr ertragreiche Erfahrung, die man dank Debra Granik demnächst im Kino machen kann.

 
Nachspann
❌ überrascht mit nichts mehr, voreiliges Rausrennen ist also erlaubt. Aber bitte ganz raus … also in den Wald!
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Leave No Trace
Length: 109 Min.
Rate: FSK 6 | PG

Feinde – Hostiles

Schaut euch das Poster zum Film mal ein paar Minuten genau an: Was seht ihr?
Ich weiß, man sollte sich einen Job suchen, wenn man Zeit hat, über solche Dinge nachzudenken … Aber: Hey – es weiß doch keiner – also who cares … denken wir doch einfach mal darüber nach! Also: Was seht ihr?
Wir sind in einer Zeit, in der es noch Dinge zu erobern gab. Ländereien. Machtgebiete. Neuland. Dinge, die die “Welt” vorher nicht kannte. Quasi den Ursprungsgedanken Amerikas. Glaubt ihr nicht auch, dass es Trump am meisten ärgert, dass quasi die ganze Welt schon erschlossen ist und er einfach nicht mehr mit Waffengewalt erobern kann? Nun muss man hingehen und umständlich politisch verhandeln… Diplomatie kannte man mal, Drohgebärden sind doch viel geiler, man begibt sich wieder zurück zu der guten alten “Wenn du nicht machst, was ich dir sage, schlag ich dir den Schädel ein”-Zeit, in der alles noch ganz einfach war.
Ja, es gibt solche Leute auch heute noch. Die ärgern sich maßlos über alles mögliche. Fernsehen. Rundfunkgebühren. Ausländer. Rente. Den Nachbarn, der es in der Früh wagt, lautstark durchs Haus zu trappeln und die Tür hinter sich ins Schloss fallen zu lassen, um der Arbeit nachzugehen, mit der er meine Rente finanziert, damit ich mich im Haus über ihn aufregen kann.
Solche Dinge waren damals genauso unnötig wie sie es heute sind. Und dennoch: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und er hat sich daran gewöhnt, über alles und jeden zu meckern und bei Nichtgefallen die Hölle auf Erden hereinbrechen zu lassen.
Nur, dass das damals eben noch sehr viel einfacher war.
Wisst ihr was? Es gibt eine Lösung – und die heißt: Kino!
Zwei Stunden Zeit, ein paar Piepen im Gegenwert von 2-3 Kaffees mitbringen und schon kann man sich exzellent aus dieser “beschissenen Welt” entziehen und zurück zu den “guten alten Tagen”, wo “die Welt noch in Ordnung war”.
Dass sie’s nicht war, seht ihr z.B. in Feinde – Hostiles. Und was daran so exzellent ist: Filme bieten gewaltiges Potenzial für Künstler, Filmschaffende, Menschen, denen das dumpfe Rumjammern nicht reicht, einfach neue Gedanken, Inspirationen, Lösungen zu finden und den Zuschauern quasi “für lau” zu präsentieren.
“Ja – aber Kino kostet doch ungemein viel Geld” … nicht für lau auf den Eintrittspreis bezogen, sondern “für lau” in Form dessen, dass man selbst keine Arbeit mehr hat und keine eigene Denkleistung mehr erbringen muss, sondern sich am Festmahl durchdachter Philosophien bedienen kann. Und das quasi – bedenkt man, was Wissen einst wert war und dass Wissen heute dank Datensammelei zur weltweiten Währung geworden ist – für ‘n Appel und ‘n Ei.
Und jetzt kommen wir zu dem, was Kino in meinen Augen wahrhaftig groß macht: Hier werden nicht die Probleme präsentiert und man wird damit alleingelassen, sondern bekommt von vielen anderen Geistesgescheiten verschiedene Situationen und gleichermaßen ein Konzept an die Hand, dass sich dann mit ein klein bisschen Rest-Denk-Energieleistung unfassbar einfach aufs reale Leben des Zuschauers übertragen lässt.
Ich kann also die “Früher war alles besser”-Gegebenheiten aktuell neu erkennen und sie auf meinen Alltag übertragen und damit – auf deutsch gesagt – aus Filmen lernen.
Und wenn dann die Welt so kompliziert geworden ist, dass man der Menschheit das simple, einfache Miteinander leben wieder neu beibringen muss und es zur physischen Arbeit gehört, sich NICHT die Köpfe einzuschlagen, dann entpuppt sich Kino als großartiges Medium, um hier erst in eine fremde Fantasiewelt zu flüchten und anschließend zu erkennen, dass genau diese “einfachen Grundfakten menschlicher Existenz” heute aktueller denn je sind.
Tut euch einen Gefallen und schnuppert währenddessen mal in eine der angebotenen OV-Vorstellungen rein, die im Vergleich zur synchronisierten Fassung unvergleichbar mehr “hasserfüllte Depressiv-Grundstimmung” mitbringen und die Story somit um ein Vielfaches tiefgründiger und ernster erscheinen lassen. Die deutsche Synchronisation ist eher vorsichtig ausgedrückt auf dem “Plastik-Niveau”, weil die Stimmlagen und Höhen eben sehr viel von der Schwere und der Unbereitwilligkeit zur Veränderung, diesem tiefen Seelenabgrund und der Verbitterung einbüßen, indem sie einfach zu “hell” sind – überzogen vorgestellt: Wenn ein mächtiger Kampfbulle mit Heidi Klum-Stimmchen vor dir brüllt, nimmst du ihn einfach weniger ernst, als wenn er mit Bud Spencer-Kampfmaul spricht. Und das zieht sich in der Synchro konsequent durch, während man im Original kaum Luft zum Atmen kriegt und einfach nur “deeply impressed” ist.
So beeindruckt, dass mein erster Gedanke war: Feinde – Hostiles ist DIE Ablösung unserer Generation von Der mit dem Wolf tanzt – genauso episch, genauso tragend, genauso großartig, dass es andere Filme einfach bei weitem in den Schatten stellt.
Christian Bale hat ja schon im Original eine endgeile düstre Stimme, und ich finde, seine Schauspielleistung toppt hier die eines Dark Knight um Längen!
Dann in dem Film zu sitzen und zu begreifen, WAS einem da wirklich gezeigt wird – war für mich ein unvergessliches Erlebnis, das noch sehr lange nachhallt und mich vor einiger Zeit innerhalb der Sneak Preview erneut in seinen Bann gezogen hat.
Und ihr dürft raten: Ich erwarte mit Freuden den Kinostart und werde …….. und ihr hoffentlich auch!
 

.kinoticket-Empfehlung: Feinde – Hostiles löst Der mit dem Wolf tanzt in unserer Generation ab: Es ist ein Werk epischen Ausmaßes mit einer Botschaft, wichtiger denn je, die garantiert niemanden gefühlskalt zurück lässt.
Ich persönlich bevorzuge absolut die OV/OmU-Varianten, die die drückende Situation sehr viel glaubwürdiger und nachhaltiger rüberbringen, aber auch die deutsche Fassung tut ihr übriges, um als ernsthafter Film wahrgenommen zu werden und den Zuschauer mehr als zu beeindrucken.

 
Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, man darf das Gesehene aber gerne noch sacken lassen – dafür ist der Abspann sehr gut zu gebrauchen.
Kinostart: 31. Mai 2018

Inferno

Dan Brown gehört genauso zu diesem Ensemble wie Tom Hanks und Ron Howard, der jetzt schon zum dritten Mal eine Bestsellerverfilmung dieses Stoffes zum Besten gibt. Dementsprechend groß sind auch die Erwartungen, denn hier handelt es sich nicht mal eben um eine lieblose Buchverfilmung, sondern der selbst gesetzte Anspruch an Niveau, Intellektuellenehre und künstlerische Ambitionen wurde vom ersten Teil bereits sehr weit nach oben gedrängt.
Der Trailer selbst entbehrte ja schon ein bisschen dieser in der Kunstszene integrierten In-sich-Geschlossenheit, die sich per se vom restlichen Unfug abgrenzt und durch ihre Mitarbeitsaufrufe an den Zuschauer ein filmisches Niveau etablierten, dass die beiden Vorgänger vom Prädikat eines B-Movies abgrenzte.
Wenn also die oben genannten Namen auf der Bildfläche auftauchen, erwartet man, dass dem Anspruch Genüge getan wird – und genau dies passiert in einem Punkt nicht: Dem Plot.
Der nämlich ragt meilenweit unter die Erwartungsgrenze und ähnelt eher einer lieblosen 0815-Erzählung als der wirklich durchdachten, ausgeklügelten Erzählweise, die man aus dem ersten Teil kennt. Ohne Frage ist das Schaffen rund um den Plot herum durchaus professionell und erhaben, die Effekte dürfen sich sehen lassen, die Leinwandmomente sind groß und auch der Stil der Darbietungen lässt wissen, dass hinter dem Projekt durchaus der ein oder andere Dollar geflossen sind, allerdings durchbricht die Storyline so dermaßen den angesetzten Anspruch, dass man manchmal nicht weiß, ob hier nicht eventuell doch zu viel Kohle in einen zweitklassigen Streifen investiert wurde.
Das lässt auch das Schauspiel eines Tom Hanks zur würdevollen Neige driften, der sich neben Felicity Jones wirklich wacker durch die Laufzeit kämpft und auch nichts weiter dafür kann, dass sich der Charakter nicht in die Richtungen weiter entwickelt, die man sich als Zuschauer gerne gewünscht hätte.
Ein großes Plus sind die Drehorte, mit denen man hier nicht nur ein Loblied auf architektonische Meisterleistungen singt, sondern auch das ein oder andere romantische Herz zum Schlagen bringt. Die tragen unbewusst stark dazu bei, diesen Film dennoch als empfehlenswert durch die Medien hallen zu lassen, denn falsch macht man mit einem Kinobesuch an dieser Stelle nicht wirklich etwas, jedoch sollte man seine Erwartungen entweder komplett zu Hause lassen und sich einfach auf seichte Berieselung einstellen, wenn es um die findigen Einfälle geht, die wir an den Vorgängerteilen alle so geliebt haben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wirklich unglücklich ist mit der dritten Verfilmung des Buchbestsellers tatsächlich nur die Storyline, der Rest prangt genauso großartig über die Bildfläche und lädt zum munteren Staunen ein.
Die Momente sind groß, die Effekte erhaben, der Score phänomenal, der Plot jedoch reißt hier tiefe Enttäuschungen in das eingefleischte Dan Brown-Herz und lässt hoffen, dass künftige Verfilmungen nicht noch weiter an Stil verlieren.
Kinobesuch ja – jedoch mit runtergeschraubten Erwartungen.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, hier kommt nichts weiter.

Warcraft: The Beginning (3D)

Warcraft ist wieder eines der digitalen Technikwunder, das breite Lücken in die Welt von Fans und Kritikern reißt. Die einen lieben es, die anderen hassen es. Viele finden es zu konstruiert-langweilig, wieder andere feiern frenetisch die Verfilmung ihrer Kindheitsspiel-Erinnerungen ab. Ich bewege mich wohl etwas zwischen beiden Welten.
 
Erzählt wird die Geschichte aus dem Computerspiel von 1994, was an sich ja schon mal fürs Kino eine Hammeraufgabe ist, da sich Computerspiele meist aus anderen Mitteln und Erzählstrukturen zusammensetzen und somit für den Mensch vor dem Display ganz andere Optionen an Nervenkitzel bieten, als man es im Kino erlangt, wo man stoisch auf die Leinwand blickend einfach nur konsumieren kann, was einem da vorgesetzt wird. Dies wird wohl einer der Hauptgründe sein, weshalb mediale Pressevertreter den Film anders bewerten als die spielende Generation, die ihre Helden abgefilmt auf der Leinwand wiedererkennt und dementsprechend glücklich darüber ist, dass dem Computerspielwahnsinn jetzt noch eine weitere digitale Schublade zugeordnet wird, in dem das Genre ausgeweitet und erneut belebt wird.
Dem Trailer in 2D entnahm ich ein ziemlich fades, fast schon erdrückendes Beispiel eines Films, der keine großartigen Überraschungen bereithält und seicht vor sich dahinfließend eines der großen Hypes der 90er wieder aufleben lässt, das an sich eher als “Nischenfilm” zu betrachten wäre und keineswegs als der große Sommerblockbuster an den Start geht.
Interessant wurde es, als ich zum ersten Mal den Trailer in 3D sah und erkannte, welch detailverliebte Wucht hier in den Klingen der Technik steckte und mit welcher Hingabe man sich der Verfilmung eines Computerspiels widmete, das an sich ja mit genau diesen Effekten arbeitet und ein optisch-illusorisches Wunderwerk projizieren möchte, in dem sich der Gamer/Filmschauer verliert.
Und genau dieser Punkt kommt im Film ganz groß raus. Man spürt förmlich die Mitwirkung von Blizzard, wenn es um die digitalen Effekte und das Darstellen der Zauberformeln geht, die förmlich dem Spiel entspringen und aus dem Werk keinen Kinofilm, sondern eine mörderisch-lange Zwischenspiel-Sequenz auf einer überdimensionierten Leinwand machen, die jedem Spielliebhaber das Herz schneller schlagen lässt.
Das Transformieren eines Geschichtsbruchstückes aus einem Computerspiel in die lineare Erzählform des Films ist hiermit mehr oder weniger gelungen, denn die Knallereffekte gehören eindeutig eher der visuellen Instruktion und dem gigantischen Aufeinandertreffen von Kräften, die jenseits unseres Vorstellungsvermögens sind und daher wieder den virtuellen Welten zuzuordnen sind, in denen sich so viel Spielsüchtige schon verloren haben.
Dass dem Kinozuschauer dann der Kauf seines .kinotickets vergoldet werden soll, ist in diesem Zusammenhang eben eher schwierig, da hier oftmals mehr Augenmerk auf die inhaltliche Komponente gelegt wird, die meiner Meinung nach eben nicht gerade ein Aushängeschild für die Öffentlichkeit ist, sondern mehr oder weniger zwangsweise eingebaut wurde, und somit etwas von dem Spielcharme verloren geht, den man auf dem heimischen Computer wiederfindet.
Ich suche verkrampft seit Wochen nach dem Wort, mit dem ich dieses fehlende Stückchen betiteln soll, das mir den Gesamteindruck des Films etwas schwer gemacht hat, aber ich finde bis heute keins.
Man ist sehr schön tief in die Spielewelt abgetaucht, man hat sehr viel originalen Blizzard-Charme eingebaut, man hat der Welt gezeigt, dass man es locker mit Herr der Ringe oder anderen Fantasy-Epochal-Schlachten aufnehmen wird, weil hinter dem Namen eben eine unglaublich starke Fangemeinde steht, für die der Film weit mehr ist als für jemand, der ohne Vorkenntnisse in die Geschichte plumpst und sich streckenweise dann etwas schwer mit dem Verständnis der ganzen Spielelemente tut, die hier eben nicht für dumme inszeniert wurden, sondern quasi als Vorabwissen vorausgesetzt werden.
Und darauf basierend, dass man hier ein Milliardenprojekt erschaffen hat, das eine ganze Fangemeinde bedient und für die Spieler höchst erfreulich ist, ist man meines Erachtens dann zu wenig in die Nische abgetaucht und hat den Spielfaktor zu sehr vermainstreamt, um die restlichen Kinozuschauer auch abzuholen und nicht mit völliger Verständnislosigkeit vor den Kopf zu stoßen. Und dafür fällt mir kein Wort ein, was bezeichnet, was ich an Warcraft: The Beginning vermisse.
Sollte sich das Ganze jetzt finanziell zu einer melkbaren Kuh entwickeln, ist ja geplant, aus der Geschichte wieder einen der üblichen 3-Teiler zu machen (wer wettet mit mir, dass es 4 werden?), wo dann das Spektrum, das der Film nach oben bietet, reichlich ausgefüllt und der intellektuelle Anspruch, den man als Quereinsteiger beim Film entwickelt, bedient werden kann.
Wünschenswert wäre dies allemal, denn die Geschichte hat viel Potenzial für ein paar wunderbare Stunden im Kino – und die Effekte sind hier wirklich einzigartig und große Klasse.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer die Spiele schon in den 90ern gespielt hat, für den ist der Besuch im Kino sowieso längst Pflicht und mit Sicherheit auch schon lange auf der ToDo-Liste abgehakt.
Wer noch mit sich hadert, darf bei diesem Film auf gigantische Effekte gespannt sein, eine etwas seichtere Erzählung über einen Zwist, der sich im Laufe der Zeit zu einem mörderisch-großen Spiele-Epos herauskristallisiert hat und den man nun versucht, fürs Kinopublikum verdaulich einzufangen, dabei aber eher an herausragender Technik hängenbleibt, die den Kinobesuch letztendlich aber locker wett macht.

 
Nachspann
verrät nichts über kommende Teile oder hält im Nachgang noch ein Gimmick bereit, man darf also ruhig wieder nach draußen wandeln und den Saal verlassen.

The Finest Hours (3D)

Als die 3D-Brillen in den Sneak-Saal getragen wurden, schränkte sich die Vielfalt möglicher gezeigter Filme auf einmal nur auf diesen einen einzigen ein: Was sonst hätte in 3D gezeigt werden können, das demnächst irgendwann anläuft?
Das Disney-Logo am Anfang verwirrte mich zwar ein wenig, da ich diesen Film dem Trailer nach eher anderen Studios zugemutet hätte und die Studiofrage wohl verdrängt habe, das Ergebnis wankt dann aber genau an diesem Faktor.
Was genau verbinden wir denn alle mit Disney? Märchen, Sagen, Piraten und die liebreizende Welt gemütlicher Familienstunden mit massentauglicher Unterhaltung.
The Finest Hours versucht anfänglich, genau so etwas aufzubauen. Die Kostüme, das Kulissenbild, die Stimmung und Zeit befördert einen geradewegs in ein Disney-Märchen und will hier die konstruiert aufgesetzte Geschichte erzählen, die die beiden Hauptdarsteller umrankt. Dass es vordergründig um etwas ganz anderes gehen sollte, wird in der ersten halben Stunde so gut wie kaum klar.
Ein Punkt, an dem ich innerlich die ganze letzte Woche haderte, war, zu erklären, dass ich hier die filmische Umsetzung dieser Geschichte kritisiere und nicht das Geschehen der echten Personen bewerten möchte. Sollte dies in dem gezeigten Ausmaß und Umfang tatsächlich so stattgefunden haben, genießen die Originalpersonen meinen tiefsten Respekt und ich möchte ihren Heldentaten keinen einzigen Funken absprechen oder abwertend darüber urteilen.
Da sich der Film jedoch an einem Buch orientiert, das wiederum “nur” auf wahren Begebenheiten beruht, spricht dafür, dass so manch überzogener Zufall im Film doch eher hollywoodeske Liebäugelei mit unrealistischen Tatsachen zur Steigerung des Unterhaltungswertes darstellt und keinesfalls in seiner Gänze als “wahr” wahrgenommen werden sollte. Sollten die Dinge tatsächlich so passiert sein, dann sind die wahren Helden wohl die unzähligen Schutzengel, die so eine wahnsinnige Aktion überhaupt ermöglicht haben und dafür sorgten, dass jemand exakt an dem Punkt aufkreuzt, wo er zu sein hat.
Auch in Sachen Emotion, mitfiebern und “Panik” bei den Zuschauern füllt man den Saal hier eher mit Dunkelheit. Wäre ich gemein, würde ich sagen, dass 80% der Schauspieler 80% der Zeit nur mit Kucken beschäftigt sind und dies aus den immer gleichen Kameraperspektiven aufgenommen wurde. Dialogträchtigkeit mit inhaltlichem Tiefgang sucht man auf dieser See vergebens. Stattdessen wird dem Sturm von angeblichen Fakten nachgegangen, die irgendwie abgespult und währenddessen noch die obligatorisch-konstruierte Liebesgeschichte obendrein zum Besten gegeben werden.
Glaubt man dem Abspann, ist diese den Bildern nach zu urteilen dann tatsächlich vorhanden, jedoch fühlte ich mich in keinster Weise unterhalten oder erschlagen, sondern eher vehement lange gequält.
Als Kinogänger ist man mittlerweile verwöhnt mit episch-tragischen Heldentaten, mit sinnigen Geschichten und Profil, mit tränenangereicherter Moral und Umständen, die den Saal zum Beben bringen. Während der Vorstellung hab ich auf all das die ganze Zeit gewartet und war mir irgendwann dessen bewusst, dass der Seegang des Niveaus sein Endziel bereits erreicht hatte und ich auf nichts weiter zu hoffen brauchte.
Geht man völlig vorbehaltlos an die Sache ran, verbleibt einem dennoch das ungute Gefühl im Magen, dass hier in gewisser Weise nichts gesagt wurde und die Darsteller sowie der Plot den inhaltlichen Ansprüchen der “spektakulärsten Rettungsaktion” aller Zeiten wohl eher der Strom ausgegangen ist, als erfüllend zu unterhalten.
Und man fragt sich zum Schluss: “Was haben die denn jetzt im Ernst überhaupt gemacht?”
 

.kinoticket-Empfehlung: Sollte das tatsächlich die größte Rettungsaktion überhaupt gewesen sein, dann muss man von den Erzählungen noch ein ganzes Stück weiter abweichen, um sie als Geschichte fürs Kino glaubhaft und tauglich zu machen.
Die Personen und der Plot kommen derart träge und fast lieblos rüber, die Dialoge entbehren jedwedem tieferen Sinn und die eigentliche Heldentat besteht gewiss nicht aus den Grundlagen einer gut erzählten Geschichte.
Vielmehr versucht man hier, Disneys Image einem Film aufzudrücken, der aufgrund von Tatsachenberichten nicht in die Welt der Fantasie ausbrechen darf und somit an sich selbst zugrunde geht. Gutes Essen genießt man auch entweder heiß oder kalt und niemals lauwarm.
Darüber oder darunter kommt dieser Film aber nicht – und genau das macht ihn für mich ungenießbar.

 
Nachspann
bleibt von weiteren Enthüllungen verschont. Wer sich dafür interessiert, kann sich am Anfang noch mit Bildmaterial begnügen, das wohl die echten Personen dieses Dramas zeigt, danach folgen aber keine weiteren visuellen Eindrücke mehr.

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