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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Balance

Mantra – Sounds into Silence

Meldungen über Religionen in der Presse sind meist begleitet von Worten wie “Krieg”, “Anschlag”, “Terrorismus”, “Extremismus” und haben in der breiten Bevölkerung längst ein negatives Bild abgezeichnet, das sich gerne von solchen Leuten und Machenschaften abwendet und der Allgemeinheit suggeriert, Religion wäre etwas furchtbares.
In der Tat kann dieser Zustand auch erreicht werden, indem man selbstverloren und völlig ohne Plan an die falschen Leute gerät und damit beginnt, sein Hirn und damit die Denkfähigkeit an Statuten abzugeben und die Fähigkeit der Selbstkritik und des Hinterfragens aufgibt und damit ein überaus wichtiges Prinzip gut funktionierender Religion in den Schrank stellt: Zweifel.
Man muss zweifeln, und das immer wieder, um die Echtheit einer Lehre zu hinterfragen und immer wieder neu auf den Prüfstand zu stellen, weil “Religion” als solches nicht “anfassbar” ist, und damit zu den Geisteskonstrukten gehört, in denen man sich nicht nur verrennen, sondern auch verlieren kann.
Zu gerne wurde die Leichtgläubigkeit oder die Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und Gemeinschaft von religiösen Führern dahingehend ausgenutzt, dass ihre Machtspielchen auf dem Rücken einer riesigen Gemeinde ausgetragen wurden und den Preis am Ende die Ärmsten der Armen bezahlt haben.
Hier toben gleich wieder die Gemüter nach oben und Vertreter und “Gläubige” brausen in rasender Wut auf und entfachen feurige Diskussionen, dass ihr Glaube doch dies … und das … und Andersdenkende werden …………… merkt ihr was?
Sprich niemals über Religion, Politik oder Wer ist der bessere James Bond, wenn du nicht streiten willst.
Dass Religion aber auch gute Seiten haben kann und es im Speziellen eine Religion gibt, die sehr defensiv und weiträumig friedlich abläuft, hat in der Vergangenheit bereits der Buddhismus gezeigt. Man kann Elemente der Religionen durchaus für sich nutzen, um zu innerem Frieden zu finden, sich selbst zu verbessern oder einfach daran zu arbeiten, die Welt ein Stück besser zu machen, indem man sich selbst ein Stück besser macht.
Dass daran noch ganz andere Wirkungen hängen, zeigt Mantra – Sounds into Silence, der sich mit Elementen dieser Religion befasst und offenbart, dass auch solche Themen immer zwei Seiten haben.
Abgesehen von der Musik (die im übrigen wunderschön und beruhigend ist und die ich mir stundenlang anhören könnte – davon sind u.a. meine Playlists angereichert und ich greife gerne zu solchen Klängen zurück – nutzt dafür einfach die Namen auf dem Plakat und sucht bei Apple Music oder Amazon Prime bzw. dem Streaminganbieter eures Vertrauens) bildet sich hier eine ganz neue Lebensweise heraus, die – entreligiöisiert – eigentlich von jedem Menschen angewendet und genutzt werden kann, denn sie zeichnet etwas ganz wunderbares, dass dieser Film in seinen 85 Minuten zu vermitteln versucht.
Klar bleibt bei einer solchen Spielzeit kaum Zeit, eine uralte Tradition so tiefgründig und umfassend zu untergraben und hinterfragen, um hier ein journalistisch-einwandfreies Ergebnis zu präsentieren und das Verlangen nach einem systemkritischen Stück speziell den Buddhismus betreffend, gedeiht immer noch in mir, allerdings bewirkt der Film mit seinen Darstellungen UND eingeschaltetem Hirn auch so schon ungemein viel Frieden und innere Harmonie.
Und wenn das mal kein .kinoticket wert ist, was ist es dann?
 

.kinoticket-Empfehlung: Unkritische, aber interessante Berichterstattung über eine Praxis, die sich jeder zu eigen machen kann, um sich selbst – und anderen – etwas Gutes zu tun.
Die musikalische Untermalung und das Gesprochene darf und soll angezweifelt, die Wirkung kann aber dennoch von jedem uneingeschränkt ausgeschöpft werden.

 
Nachspann
❌ gehört der Musik, muss aber nicht unbedingt ausgesessen werden.
Kinostart: 07. Juni 2018

The Walk (3D)

Wer seine Freunde mal in eine 3D-Welt entführen möchte, die es so bisher noch nicht gegeben hat, der sollte sich The Walk auf jeden Fall auf seine Liste schreiben.
Der Film erzählt eine wahre Geschichte, die nicht auf digitaler Effekthascherei basiert, sondern die gewöhnlichen Erfahrungen eines ideologischen Menschen wiedergibt, der sich einen Traum in den Kopf gesetzt hat und diesen unbedingt durchführen will. Klar, dass da der amerikanische Optimismus nicht weit um die Ecke ist, jedoch finde ich, dass hier extrem gut auf etwas hingewiesen wurde, das wohl vielen Europäern fehlt: Der Mut, etwas unerreichbares zu tun.
Spätestens an dieser Stelle hörte der letzte im Saal dann damit auf, die zugegebenermaßen stückweise oberflächliche Vorgeschichte zu belächeln und sich über die lächerliche Synchronisation aufzuregen. Scheinbar wurde beim Dreh auf andere Dinge wesentlich mehr Wert gelegt: Das 3D.
Denn das ist nicht nur spektakulär, sondern spiegelt eine derartige Realität wider, dass sich der Körper selbst auf eine Reise begibt und man beim Zuschauen nicht nur die Augenmuskeln anspannt. Gepaart mit der fast schon rehkitzhaften Annäherung an die Tiefe und Kunst, die mit so einem Akt einhergeht, geht ersteres im Rausch von überwältigenden Bildern fast schon ein wenig unter.
Nichtsdestotrotz schafft es The Walk spätestens im letzten Drittel, wirklich jeden Kinobesucher zu fesseln und derart gewaltig zu unterhalten, dass man hinterher froh ist, nicht selbst mitten im Geschehen gewesen zu sein, obwohl es unbewusst den Anschein hatte.
Man hat beim Zuschauen oft dieses Gefühl, als würde eine Nadel ins Auge stechen und man zuckt im ganzen Körper zusammen, weil man diesen Anblick nicht erträgt – nur eben im positiven Sinne und permanent. Genau das lässt einen völlig berauscht wieder aus dem Kinosaal wanken und hinterlässt beeindruckende Spuren beim Konsument.
Ich weiß nicht, wie ich es umgesetzt hätte, hätte man mich ans Mischpult der einzelnen Szenen gelassen, jedoch finde ich, dass hier ruhig noch ein wenig mehr in punkto Sinnlichkeit und Gefühle investiert hätte werden können, damit eben nicht nur die Show selbst, sondern auch die künstlerischen Ambitionen dahinter etwas mehr zur Geltung gebracht würden.
Sei es drum: Der Film mutet mit Bildern an, wie sie Kino braucht: Das bringt kein Fernseher derart realistisch auf die Bildfläche, egal, wie groß das Display ist. Reingehen, anschauen, sich vor Anspannung den Schmerz aus den Muskeln massieren und ein 3D-Erlebnis genießen, dass sicherlich noch einige Zeit seinesgleichen suchen wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Noch nie war es schöner, 3D im Kino zu genießen.
Die Geschichte ist nicht unbedingt der Brüller, die Umsetzung derselben in ihrer Präzision und Zielorientiertheit der Hammer.
Und was einen wirklich den Boden unter den Füßen verlieren lässt, ist ein 3D, dass sich nicht nur gewaschen hat, sondern mit blinkenden neuen Chromfelgen glänzt: Dieser Film wurde eindeutig ausschließlich fürs Kino erschaffen. Also gönnt ihn euch, solange es die großen Leinwände noch hergeben.

 
Nachspann
weiterführende Szenen oder neue Impressionen gibt es seit dem Abspann keine – man darf den Saal also getrost räumen.

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