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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Autounfall

Müslüm

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© 2018 Kinostar Filmverleih GmbH

Lang lang ist’s her, dass ich mal wieder einen türkischen Film auf dem Teller serviert bekommen habe und ehrlich gesagt war mir zwischendrin zwar sehr wohl die Chance gegeben, hier und da mal wieder in diesen Kulturkreis zu schauen, allerdings hat mich die überdrehte und oftmals doch sehr ungewöhnliche Art, “Humor” zu betreiben, abgeschreckt und lieber etwas anderes schauen lassen.

Müslüm war auf einmal dann doch interessant für mich, weil ich den .trailer gesehen und festgestellt habe, dass hier absolut rein gar nichts witzig ist, sondern man sich ernsthaft um ein Drama (wenn man so möchte) bemüht, das die reale Geschichte eines türkischen Stars aufzeichnet, der durch einige Höllen gegangen ist, die ich besser niemandem wünsche.

Zwar braucht man jetzt als Westeuropäer nicht zwingend von der Form Kunst sprechen, die hierzulande alltäglich ist und in irgendeinem Maße überjubelnd begeistern würde, jedoch zählt der Film, nachdem ich ihn gesehen habe, sehr wohl zu den Dingen, die man nicht ungesehen an sich vorbeistreifen lassen sollte, da nicht nur dramaturgisch, sondern auch inhaltlich harter Tobak auf den Tisch kommt, der einen eben doch ungeniert bei den Eiern packt.

Und dafür ist Kino ja da: Um Geschichten zu erzählen, die spannend, mitreißend, unterhaltsam und allgemein tauglich sind und nicht nur eine ganz spezielle Klientel ansprechen.

Was mich ebenso fasziniert hat, war, dass ich hier eine völlig neue Seite türkischen Kinos bewundern konnte, die wirklich absolut gar nichts mit allem, was mir je aus diesem Land schon unter die Füße gekommen ist, zu tun hat oder in irgendeiner Weise vergleichbar wäre. Diese schwermütige Ernsthaftigkeit und krasse Drama-Tiefe sitzt einem hinterher tatsächlich noch in den Knochen und wirft ein völlig neues Licht auf dieses Land.

.kinoticket-Empfehlung: Unvergleichlich, was sonstige türkische Filme angeht – man erzählt eben eine wahre Geschichte eines Menschen, der ziemlich viel krassen Mist hinter sich gebracht hat und damit einen völlig neuen Weg beschreitet, der es bisher noch nicht in unsere Kinos geschafft hat.

Die dramatische Schwere, die diesem Werk beihaftet, packt einen sehr und liefert eben nicht nur völlig andere Einblicke in diese Kultur, sondern berichtet auch über ein Phänomen, der ein ganzes Land begeistert hat. Auch, wenn der Kinostart schon etwas her ist: Wer noch die Chance hat, nehmt ihn ruhig mit, bevor er wieder verschwindet.

Nachspann
✅ zeigt Fotos von dem echten Müslüm, ist also gar nicht unspannend.

Kinostart: 15. November 2018

Original Title: Müslüm
Length: 132 Min.
Rate: FSK 12

Don't Worry – Weglaufen geht nicht

Endlich wieder ein Titel, der von amazon studios produziert wurde und trotzdem das Licht der Leinwand erblicken darf: Dieses Werk braucht sich überhaupt nicht hinter aktuellen Kinoblockbustern verstecken, sondern zeigt einmal mehr, wozu das ehemalige Buchverkäufer-Label in der Lage ist. Und ich finde es großartig, dass man diesem Stück die Kinoauswertung nicht vorenthält, sondern den Zuschauern die Möglichkeit gibt, das Werk auf dem Big Screen zu besehen.
Die Story basiert auf dem wahren Cartoonisten und wird von Joaquin Phoenix hervorragend gespielt. Hat der überhaupt je einen Flop produziert? Mit flapsigem Humor bestückt schlängelt sich das bewegende Drama über alle Ebenen hinweg und portraitiert den Aufstieg und Fall eines Menschen in unterhaltsamer und einprägender Weise.
Die Portion Ruhe, die der Film dabei mitbringt, wirkt wie eine solide Basis, die es einem seelisch nicht ermöglicht, in irgendwelche Abgründe zu fallen, sondern garantiert, dass man trotz der ernsten Phasen dennoch seinen Spaß hat und nicht selbst in irgendwelche Depressionen rutscht. Zeitweilig wirkt es fast wie eine Doku, allerdings ohne das Stundenplan-Gefühl. Man hat einfach seine Freude beim Schauen, darf sich dabei auch gerne ein Popcorn genehmigen und erfährt vielleicht ein wenig Unterstützung dabei, wenn es darum geht, wieder “zurück ins Leben” zu finden.
Die Story ist definitiv spannend und es ist interessant, welche – und vor allem, woher – er seine Inspirationen nimmt. Ein spannender Fakt ist zudem: Obwohl ich mit dem Großteil des Casts bislang nicht so wirklich grün geworden bin, stört die Besetzung hier absolut nicht, sondern man wundert sich eher, dass wirklich diese Personen auf der Leinwand zu sehen sind: Sie fügen sich so wunderbar in den Plot ein, ohne Personenverherrlichung, die es auf Plakaten und in der PR bei Hollywood sonst übermäßig viel gibt.
Und mit dieser fast schon einzigartigen Genügsamkeit erobert sich der Film den Weg in die Herzen der Zuschauer ganz von allein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Einprägsames Erzählerlebnis über das Leben eines vom Leben gezeichneten Menschen.
Die Story hinter ihm ist bezeichnend. Das Werk zeigt einmal mehr, dass Streaming-Giganten auch am Kino nicht vorbei müssen, sondern beide Optionen Hand in Hand miteinander kooperieren können. Die aufgelockerte und ruhig-fundierte Erzählweise sorgt für ein nachhaltiges Erlebnis beim Zuschauer und öffnet die Möglichkeiten für suchende Menschen, indem man viel Inspiration und Vorbildverhalten liefert. Und das ohne großartiges Helden-Rumgepose, sondern mit einer genügsamen und defensiven Einstellung.
Großartig!

 
Nachspann
✅ zeigt den wahren “Wegläufer” und zertifiziert damit die Geschichte als wahre Begebenheit.
Kinostart: 16. August 2018

The Other Side of the Door

Freunde der gepflegten Grusel-Unterhaltung, die noch nicht zugegriffen haben und im Einzugsbereich eines Kinos leben, das diesen Film noch ausstrahlt, dürfen sich gerne von ihrer Couch erheben und sich den Titel auf ihr zukünftiges .kinoticket drucken lassen, denn endlich lohnt sich der Griff ins Horror-Regal mal wieder.
 

Wo wir in letzter Zeit desöfteren mit massentauglichen Schockern abgespeist wurden, die für Hartgesottene eher ins Kinderregal gehören, treibt dieser Streifen endlich mal wieder den körnigen Geist an und sorgt für gruselige Momente in einer Geschichte, die nicht auf Blut und Schulkindhorror aufbaut, sondern ihren ganz eigenen Charme mitbringt, den ich lange Zeit im Kino schmerzlich vermisst habe.

Allein der Aufbau und die Einführung der Mitglieder dieses Spiels zeugen hier von Können und der seelig-ruhige Müßiggang des morgenländischen Flairs schaffen einen Raum, der nicht von Offensichtlichem heimgesucht wird, sondern seine ganz eigene Vision von Unnatürlichem ins Feld wirft und die Zuschauer damit konfrontiert.

Dass ein Plot immer Introduktion, Problematik und Auflösung mit sich bringt und diese Form der Erzählung in abertausenden von Filmen wieder und wieder umgesetzt wird, ist hier vielleicht nicht optimal durchdacht, die Art, wie man sich durch diese systemische Erzählung hindurchwringt, hat mich allerdings sehr begeistert.

Nicht nur die Einführung und Momente zwischen den Höhepunkten des Films, sondern gerade der Schluss mit seinem überraschenden Paukenschlag war für mich ein Festhighlight der Filmgeschichte.

Positiv aufgefallen ist auch, dass hinter den Kameras keine Laien ihre Finger im Spiel hatten, sondern man auf schön subtile Weise eine Grundstimmung schafft, die nicht auf immerwährenden Wettstreit ausgelegt ist, sondern hier einfach solide und stark ihr eigenes Ding auf den Weg bringt und sich aus diesem Selbstbewusstsein heraus speist.

Zum Schluss bleibt ein Film, der eine wahnsinnig gute Geschichte bereit hält, dessen Effekte und Gruselmomente durchaus erwähnenswert sind und der sich mit einem Abgang verabschiedet, den man sich in vielen anderen Filmen bislang immer nur wünschen konnte aber nicht geliefert bekam.

 

.kinoticket-Empfehlung: Freunde des gepflegten Horrors haben endlich wieder einen Grund, ins Kino zu gehen.

Die Show ist gigantisch, die Stimmung herrlich düster und furchterregend und das Ende einfach nur geil!

 

Nachspann
kommt nichts mehr, nach der Schwarzblende darf man wieder ans Tageslicht.

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