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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Armee

Foxtrot

Foxtrot ist ein glanzvolles Beispiel dafür, wo Gelder aus den Gebühren für arte und ZDF hin fließen und dass der Rundfunkbeitrag eben doch nicht so stumpfsinnig ist, wie es im Programmheft der ARD oft den Anschein hat. Genau dieser Umstand ist mir in den letzten Jahren so oft aufgefallen und ich empfinde es an dieser Stelle mal als wichtig, darauf hinzuweisen, dass hinter dem (ja, ich weiß – es ist wirklich so) blöden Programm des öffentlich-rechtlichen Mediengiganten noch viel mehr steckt, wozu Gebührengelder ebenfalls genutzt werden, wenn auch nur in Teilen davon. Genau das ist aber ein Grund, weshalb man diese Gebühren nicht partout abschaffen sollte. Vielmehr müsste man sich um eine neue Gebührenstruktur bemühen, die eine gerechtere Aufteilung unter allen Anteilhabern ermöglicht und eben solche Projekte wie das hier mehr fördert.

Vielleicht würde es auch reichen, die Öffentlichkeit mehr (und einfacher) darüber aufzuklären, wo alles Gelder aus dem Rundfunkbeitrag in welchen Höhen hin fließen, da oftmals auf den Leinwänden im Kino Projekte und Filme landen, die einen enormen Wichtigkeitsgrad innehaben oder großartige Geschichten erzählen und damit aktiv Kunst und Bildung ermöglichen und leben. Hier werden die Gebühren sozusagen mehr ihrem eigentlichen Zweck zugeführt, als im TV-Programm. Zielgerechteres Zahlen wäre eine mögliche Alternative, den Bürger versöhnlicher auf die oft so verhasste “GEZ-Zwangsgebühr” zu stimmen und Filme wie dieser beweisen, dass der Grund dieses Beitrags durchaus seine Berechtigungen hat.

Israel als Land hätte es niemals auf die Reihe gekriegt, in seiner kinogeschichtlichen Umgebung einen Film wie diesen auf die Füße zu stellen. Hier hat Deutschland unter die Arme greifen müssen, damit die Autoren diese Geschichte erzählen, diese Inhalte an die Weltbevölkerung weitergeben können. Das großartige Zusammenspiel beider Länder zeugt von künstlerischer Annäherung, die die Beziehung zwischen den beiden durch ihre Geschichte so gebeutelten Länder erneut positiv beeinflusst und Hoffnung darauf macht, dass es vielleicht irgendwann doch ein “Vergeben” gibt und man nicht mehr über manche Dinge sprechen muss.

Auch hier hat Kino wieder Vorbildwirkung und es bleibt zu hoffen, dass sich dies in den kommenden Jahren dann auf die restliche Menschheit und Gesellschaft auswirkt.

Und das geht bereits bei den kleinsten Dingen, wie bei einem “t” los: Kurz nach der Vorstellung bemängelte ein Pressevertreter, dass im beigefügten Presseheft zu wenig darauf hingewiesen wird, dass es sich hier nicht um den allgegenwärtig bekannten Tanz “Foxtrott”, sondern das Codewort im Buchstabieralphabet der Army (“Foxtrot”) handelt. Was uns gleich zum nächsten Problem bringt: Schon wer was vong dem neuen Jugendsprache gehört? In Zeiten von Fack Ju Göhte weiß doch sowieso niemand mehr, wie richtig geschrieben wird, und selbst die alten Hasen sind teilweise bei der Einführung der neuen Rechtschreibung dann endgültig ausgestiegen. Auch bei mir wird “Portmonee” immer noch “Portemonnaie” geschrieben und das wohlwarme Gefühl des “Das passt schon so, weil’s gefühlsmäßig richtig ist”, nach dem man sich zu Schulzeiten immer noch richten konnte, findet heute keine Anwendung mehr.

Wem von der jüngeren Kinotruppe sollte also so etwas auffallen? Zumal selbst schon das Plakat augenscheinlich mit eben diesem Grad an Verschwommenheit arbeitet und man sich eben nicht wirklich sicher ist, was genau nun jetzt hier gemeint ist.

Und damit sind wir voll im Thema: Unklarheiten, kleine Absonderlichkeiten, die großartige Wirkungen und Konsequenzen nach sich ziehen und teils verheerende Folgen haben. Dies lässt sich alles wieder metaphysisch auf unser Land anwenden, aber ich möchte euch mal an der Stelle nicht zu sehr überfordern, sondern verweise still und heimlich auf das “Gewinner Großer Preis der Jury Film Festival Venedig”, das man mitten aufs Plakat gedruckt hat und verrate euch, dass dies absolut berechtigt ist.

Tatsächlich punktet der Film gleich in mehreren Ebenen. Fangen wir mal bei etwas weniger wichtigem an: Der Farbgebung, der Kulisse, dem “Geist eines Landes”, den man hier sicherlich nicht alltäglich kennt. Allein schon die Introduktion der verschiedenen Protagonisten erweist sich als reichlich intelligent und zum ersten Mal seit langem hatte man mal nicht das Gefühl, dass hier etwas “aufgesetzt” oder bewusst “künstlerisch wertvoll” begangen wurde, sondern man sich bodenständig auf sehr eigenwilligen und markanten Wegen vorwärts bewegt.

Die verschiedenen Geistes-Meta-Ebenen, in die man sich dann im Verlaufe des Films verstrickt, sind auch allesamt sorgfältig ausgewählt und bereisen eine Welt, die sich dem monotonen Alltag des Durchschnitts-Deutschen sicherlich entzieht. Es ist höchst interessant, die Jungs auf der Leinwand zu verfolgen und sich in dieses Bad an intellektuellen Gefühlen und Sinneseindrücken zu winden.

Und das ging nicht nur mir so: Viele (eigentlich fast alle) meiner Pressekollegen empfanden diesen Film erstmalig wieder als erfrischend positiv und gelungen. Tatsächlich wird man wirklich mit einer Professionalität überwältigt, die einem so selten begegnet ist – auch hier gerne wieder der Verweis auf die besondere Zusammenarbeit verschiedener Länder. Die Jugendlichkeit dieser Beziehungen zahlt sich an dieser Stelle inhaltlich wieder mal voll aus, gleich dem, wie man es von Debüt-Filmen her bereits aus der Vergangenheit kennt.

Und am Schluss sitzt man da und hat für wenig Geld (Arthaus-Kino) ein großartiges Stück Filmgeschichte bekommen, dass noch lange nachhallt und mit Sicherheit niemanden unberührt wieder von dannen ziehen lässt.

 

.kinoticket-Empfehlung: So wird Kino gemacht: Aus Gebührengeldern teilweise finanziert entstand hier ein Projekt, dass die sinnliche Annäherung grober Gewalten portraitiert und dabei auf die behutsamsten Ebenen des Seins vorstößt: Foxtrot erzählt eine unglaubliche Geschichte und berührt mit überwältigenden Bildern und Sinneseindrücken.

Eine visuell-starke Reise in eine entfernte Welt mit Abstecher in die Gefühlsendlosigkeit der menschlichen Existenz.
Hier sollte man zwingend zugreifen und den Abend ganz bewusst genießen, so etwas prächtiges und faszinierend-schönes bekommt man selten “vor die Linse”.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 12. Juli 2018

Original Title: Foxtrot
Length: 113 Min.
Rated: FSK 12

The Promise – Die Erinnerung bleibt

Meine Erwartungen an diesen Film habe ich beim Startschuss der .trailer-Kategorie ja hier bereits mitgeteilt und es wird höchste Zeit, dem Film nun seine endgültige Bewertung zu verpassen und euch zu verkünden: Meine Einschätzung war absolut richtig, denn das Werk hat meine Ansprüche weit übertroffen.
Wie dem Plakat bereits ansatzweise zu entnehmen ist, wartet man hier mit absolut eindrucksvollen und einprägsamen Bildern auf, die eine visuelle Gewalt auf den Zuschauer loslassen, die bleibende Eindrücke hinterlässt.
Sich mit einem Thema zu beschäftigen, dass in der Zeit lauten Geschreis in der Welt nahezu unterzugehen scheint und nirgendwo weltweit derartige Aufmerksamkeit zugesprochen bekommt, zeugt von verantwortungsbewusster Hingabe, den Menschen außerhalb von Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen die Möglichkeit zu geben, sich inmitten von Unsicherheit, Krieg und Verwirrung der Dinge habhaft werden zu lassen, die in der Vergangenheit himmelschreiendes Unrecht verursacht haben und bis heute ungesühnt sind.
The Promise unterrichtet hier vielmehr als er unterhält, auch wenn die Spannung teilweise kaum zu ertragen ist. Sicherlich hat man an einigen Stellschrauben für die cineastische Tauglichkeit gedreht, um den Plot soweit zu perfektionieren, dass die unbewussten Erwartungshaltungen der Zuschauer im Stillen befriedigt werden. Was jedoch sehr viel mehr heraussticht, ist der Blick auf eine Sünde, die bis heute nach Gerechtigkeit schreit und der man sich jetzt endlich (wenigstens) im Kino annimmt.
Schon in der Vergangenheit habe ich oft behauptet, dass die Leinwand ein mächtiges Instrument ist, um all die Schäden zu reparieren, die anderswo verursacht wurden und breitgefächerte Veränderungen herbeizurufen. Mit dieser Meisterleistung schafft man damit ein gnadenloses Vorbild für solche Filme.
Was mich ungemein beeindruckt hat, ist die absolut ruhige, zielstrebsame und wirkungsvolle Kraft, die sowohl den Bildern als auch dem Soundtrack inne liegt. Mit Oscar Isaac hat man ebenfalls einen Hauptdarsteller gefunden, der in die Rolle perfekt passt und mit seinem Unverbrauchtsein auch nicht an das gegenseitige Aufmerksamkeits-Bekriegen von VIP-Persönlichkeiten erinnert, sondern der sich integrativ in seine Rolle einfügt und neben Schauspielgrößen wie Christian Bale eine unglaublich gute Verkörperung seines Charakters abliefert. Überhaupt gehört der Casting-Crew ein großes Lob ausgesprochen, denn die Schauspieler wurden tatsächlich erstklassig besetzt.
Schaut man in das herzerweichende Gesicht von Charlotte Le Bon, fühlt man automatisch mit ihr, was die emotional-tiefgreifende Wirkung ihrer Rolle noch viel mehr bekräftigt. Damit distanziert man sich von der üblichen Klischee-Lovestory mit irgendwas drumherum, sondern erschafft eine völlig neue Erzähl-Dimension, die sich zwar auch mit Bindungen beschäftigt, jedoch einer weitaus größeren Sache die Bühne nicht abspricht.
Diese respektvolle Zuwendung an die höhere Sache und die wirklich unglaublich wirksame Darstellung, die sich im Verlauf des Films immer mehr zuspitzt und in einem unfassbaren Finale mündet, hinterlässt beim Zuschauer auf jeden Fall bleibende Eindrücke und verschafft damit durch die Veröffentlichung den Geschädigten dieses historischen Ereignisses nachträglich Gerechtigkeit.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn die Kinos derzeit mit anderen Blockbustern geflutet werden und sich die allgemeine Aufmerksamkeit ganz woanders befindet, so – oder gerade deshalb – ist der Blick in diese Nische um so wichtiger, denn hiermit erhält man eine Perle, die ihre unglaubliche Kraft erst auf der großen Leinwand entwickelt.
Der Weg ins Independent-Kino sollte also dringlich (und vor allem zügig) angetreten werden, denn die Show lohnt sich. Und das nicht nur wegen der beeindruckenden Kameraführung oder dem stilvollen Gabriel Yared-Soundtrack, sondern vor allem wegen dem, was uns die Macher damit erzählen wollen.
Definitiv reingehen, so lange er läuft.

 
Nachspann
Musik – ich liebe Musik und gehöre schon von Kindheit an zu denjenigen, die den Kompositionen im Abspann niemals abgeneigt waren. Wer jedoch neue Szenen oder andere Überraschungen möchte, wird diesmal nicht fündig.
Kinostart: 17. August 2017

Hitman: Agent 47

Mit spektakulären Szenen im Trailer kündigte sich der Nachfolger zu Hitman an, eine Computerspielverfilmung, in der es durchaus etwas rabiater zugeht.
Waren die Gegebenheiten im ersten Teil noch sehr elegant, neu und durchaus überraschend, trumpft man im zweiten Teil mit … so rein gar nichts auf. Es ist professionell verfilmt, die Effekte sind unangefochten, die Ästhetik gleichbleibend mit dem Vorgänger, nur die Story hängt sowas von tierisch hinterher, dass einem teilweise schlecht vor Augen wird.
Waren Stellen der Erzählung schon durch die vielleicht ungewollte Spoiler-Aktivität im Trailer bereits vorhersehbar, trifft man im Film selbst dann auf so viel Undurchdachtheit, dass man hier nicht mehr von einem Meisterwerk reden kann, sondern allemal von lieblos zusammengestückelten Spiel-Partikeln, die irgendwie einen Film ergeben, der seinen Sinn in den Untiefen des Nichts sucht.
Andere Filme, die ebenfalls im fiktiven Bereich angesiedelt sind, begründen ihren skurrilen Charakter wenigstens mit mehr oder weniger plausiblen Gründen, hier jedoch wird man knallhart vor Fakten gestellt und hat gefälligst darüber keine Fragen zu stellen.
Es ist, wie es ist, weil es ist, wie es ist. Und dieser Zustand ist extrem unbefriedigend. Kein Mitfiebern, kein Charme, keine Empathie mit den Darstellern, sondern eher das Gefühl steriler Charaktere, die stumm ihren Dienst tun und brav bis zum Ende des Films funktionieren. Ironischerweise ist der Hauptcharakter ja genau darauf ausgelegt, jedoch fehlt mir dabei so sehr das Leben innerhalb des Films, das selbigen erst atmen lässt.
Als Zuschauer für mich war’s fast schon eine Qual, die Laufzeit hindurch bei der Stange zu bleiben, da gibt es wesentlich bessere Alternativen, die tatsächlich unterhalten und charmant mitreißen. Schade, denn auf diesen Film hatte ich mich wirklich gefreut.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn der erste Teil wieder eine tolle Idee in die Landschaft der Filmemacher katapultierte, Agent 47 enttäuschte mich auf ganzer Linie durch Sterilität, dem Fehlen von Charme und Herz sowie einer plausiblen Geschichte.
Das hier gezeigte setzt Regeln, von denen keiner weiß, woher sie stammen sollen und verlangt von einem ab, dass man das Vorgesetzte brav schluckt. Und das fällt teilweise eben sehr schwer.

 
Nachspann
liefert eine Szene, die wohl den Ausblick auf weitere Teile freischaufelt. Hoffen wir, dass hier dann wieder richtig angezogen wird, damit auch Hitman zu einem Film-Epos wird, bei dem man sich auf die folgenden Teile freut.

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