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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Arbeit

Der Klang der Stimme


© 2018 mindjazz pictures

 

Und weiter geht’s im Reigen der Filme “Was gibt es alles, das aus dem Rahmen der Alltäglichkeit rausfällt und womit sich noch nie jemand eingehend beschäftigt hat”. Regisseur Bernard Weber nimmt sich ein Thema vor, mit dem jeder Mensch tagtäglich konfrontiert ist, über das man in diesem Stil und Ausmaß aber gewiss als Normalsterblicher noch nie so eingehend oder überhaupt nachgedacht hat: Die menschliche Stimme.

Nun mag Der Klang der Stimme kein sonderbar begeisterungsfähiges Meisterwerk sein, dass alle Bande sprengt und hier mit erstaunlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen punktet, was mir an dem Streifen aber ungemein gefallen hat, sind die absurden Winkel und Ideen, in die man erzählerisch hineingeführt wird: Dieser Fußtritt ins Labyrinth der Gedanken darüber tut gut und ist ungemein anregend, weitere Ausführungen dazu im Kopf zu entwickeln und sich einfach mal mehr mit diesen Ideen zu beschäftigen.

Tatsächlich gebrauchen wir alle unseren Mund tagtäglich und sind mehr oder weniger wie automatisiert damit beschäftigt, unser Sprechorgan zu beackern, haben uns aber selten die Zeit genommen, darüber nachzudenken, was alles damit geschehen kann und wie diese Stimm(ung)en unser tägliches Leben beeinflussen.

Hier trumpft dieser Film mit jeder Menge Input, gibt Anregungen und entreißt einen aus alten Denkmustern und liefert genügend Ansätze, weiterzudenken und selbst Nachforschungen anzustellen und diese an sich selbst zu testen. Unglaublich, in welch zwanghafte, unbewegliche Lage uns unsere Gesellschaft förmlich getrieben hat, sich einfach mit diversen Begebenheiten abzufinden und diese nicht weiter zu hinterfragen.

Und genau das bedeutet im Normalfall den Tod. Einen Tod, vor dem eigentlich jeder Angst hat und fliehen möchte – den man in diesem Fall aber ungehemmt hinnimmt und sich darin suhlt mit der Ausrede, alles sei doch “normal”.

Dass eigentlich nichts normal ist und was genau damit gemeint ist … findet’s doch einfach raus, indem ihr ein .kinoticket löst und es euch im großen Saal erzählen lasst?

 

.kinoticket-Empfehlung: Eine Entdeckungsreise in die Abgründe von Klängen, Stimmen und der dahinterstehenden psychologischen Wirkung auf einen selbst: Kein Meisterwerk, aber gut genug, um seinen tristen Alltag zu hinterfragen und selbst ein paar Experimente zu starten.

Tatsächlich beinhaltet der Film jede Menge Ansätze, die einen selbst zum Weiterdenken anregen und mit denen man sich einfach mal befassen sollte: Es erweitert vielleicht deinen Horizont und bringt auf jeden Fall ein paar spannende Aufbauten zutage, an die man so wahrscheinlich nie geraten wäre.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgt nichts mehr.

Kinostart: 1. November 2018

Original Title: Der Klang der Stimme
Length: 82 Min.
Rate: FSK 0

Alles ist gut

Kennt ihr das, wenn jemand bockwütend im Zimmer steht, schnaubt und ächzt und ihr fragt: “Is was?” und diese Person euch antwortet: “Nö, alles gut.”?
Wenn offensichtlich ist, dass was ist, und man geradewegs ins Gesicht gelogen kriegt, obwohl man einfach die Wahrheit sagen könnte und somit die Probleme aus der Welt schaffen?
Und man dann dasteht und einen unbändigen Hass oder Gleichgültigkeit auf diese Person kriegt, weil sie die Dinge nur unnötig verkompliziert und ins Lächerliche zieht, statt aktiv an dem Problem zu arbeiten und es mit einem Fingerwisch ins Nirvana zu katapultieren?
Genau diesen Hass löst Alles ist gut als Film in mir (und einigen anderen ebenso) aus. Die Idee ist simpel: Ein Team junger Filmschaffender sitzt in einem Raum und fragt sich: Worüber können wir denn mal drehen?
Die Medien brüllen laut aus allen Poren: #metoo, #metoo, #metoo und die Filmschaffenden jubilieren und eröffnen das Feuer auf die moderne, männerhassende Welt, in der Individuen männlichen Geschlechts als Dreck und Abschaum beschimpft werden, einfach nur weil sie männlichen Geschlechts sind.
An dieser Stelle sollte ich wahrscheinlich schon mal vorsorglich zynisch applaudieren und der modernen Frauenbewegung meine herzlichen Glückwünsche aussprechen, ihr habt es tatsächlich geschafft, diese Welt wahnsinnig zu verbessern und zu wesentlich mehr Frieden und Miteinander beigetragen! Großartiges Kino!
Fakt ist nämlich: Dieser Film in seinem Fail-Whale-Verhalten projiziert genau die Probleme, die die moderne Gesellschaft mit Emanzipation, Frauenrechtsbewegungen, #metoo und anderem (mittlerweile) Quatsch hat: Angeblich wurde ja bereits alles vor der großen #metoo-Erleuchtung geschrieben und gedreht. Trotzdem versagt der Film in meinen Augen auf allen nur erdenklichen Ebenen.
Man castet eine junge Frau, die dominant, aufrecht, selbstsicher und charakterstark ist, packt sie in eine klassisch-klischeetriefende Opferrolle hinein und lässt sie jeglichen Seelendummfug anstellen, der einem nur aus den Fingern gesogen werden kann. Ihre Darstellung ist sowas von unlogisch, überzogen, dämlich und unglaubwürdig, dass es einem eigenständig sämtliche Fußnägel auszieht und Fingerkuppen von selbst brechen lässt. Facepalmen ist angesagt – und zwar fast schon sekündlich!
So viel abartige Dummheit, über die man sich wenige Sekunden später dann männeranklagend beschwert, habe ich selten auf einem Haufen gesehen. Ihr werden hunderte, tausende, ja millionenfach immer wieder Angebote vor die Füße geschmissen, um andere Ausgänge dieser Story zu produzieren und sie weigert sich vehement dagegen, ihre offensichtliche Charakterstärke dafür einzusetzen, tatsächlich einfach diese starke Frau zu sein, statt rumzuheulen und zu meinen “Nö, alles gut” und dann medienlastig als ein schwer gebeuteltes Opfertier zur Schlachtbank geführt zu werden und zu “offenbaren”, wie böse die bösen bösen Männer doch alle sind.
Hau ihm halt eine rein? Tritt ihn? Wehr dich? Geh nicht wieder zu ihm zurück? Schmeiß ihn aus deiner Wohnung? Lad ihn gar nicht erst zu dir ein? Geh in die obere Etage, in der du mit der Kamera kürzlich erst durchspaziert bist und lass ihn nicht die Treppe rauf? Hau ihm ins Gesicht? Tritt ihm in den Bauch? Geh selbst auf die Straße und damit aus der Situation raus? Lass es gar nicht erst zu, dass was passiert? Renn weg und stell nicht teilnahmslos irgendwelche dummen Fragen? Nimm das Angebot an, das dir unzählige andere hinterher anbieten und erzähl einfach, was los war und mach daraus eine Sache von Wahrheit und kein Schweigen und hinterher, wenn alles viel zu spät ist, rumheulen und auf völlig blödsinnige Weise nach “Gerechtigkeit” zu schreien, die völlig unangebracht, unrechtens und illegal ist?
Du bist sowas von blöd und dämlich und das hat auch überhaupt nichts mit Hilflosigkeit oder falschem Verständnis in der Gesellschaft zu tun, sondern ist schlichtweg einfach nur dumm und dumm und dumm!
Und sowas regt mich maßlos auf! Und dass dann irgendwelche Heinis noch daherkommen und erzählen, dass dieser Film die #metoo-Debatte auf den Punkt bringt, zeigt eigentlich nur, dass keiner dieser modernen Bioanbeter verstanden hat, worum es eigentlich gehen sollte. Sorry, sowas gehört fast schon verboten!
Dieser Film bringt überhaupt nichts auf den Punkt, sondern zeigt offen und für jeden erkennbar, welches Problem diese ganze Frauenrechtsdebatte hat: Sie führt sich selbst ad absurdum, indem eben nicht echte Vergewaltigungsszenen beleuchtet oder tatsächliche Opfer zu Wort gebeten werden, sondern irgendwelche Möchtegerne eine Plattform bekommen, auf der sie ungestraft über alles und jeden herziehen können, der ihnen gerade nicht in den Kram passt und das dann unter dem Deckmantel des #metoos verstecken und Menschen für Dinge büßen lassen, die an sich überhaupt keine Straftat sind.
Dass dabei den echten Opfern die Brisanz und grandiosen Möglichkeiten zur Findung wahrer Gerechtigkeit ganz nebenbei mit entzogen werden und diese nach Gerechtigkeit schreienden Monster dafür verantwortlich sind, dass wahre Opfer im tosenden Sturm der Entrüstung sang- und klanglos untergehen, dafür wird a) niemand zur Rechenschaft gezogen und b) interessiert’s auch keinen weiter, hauptsache, man dreht den Spieß jetzt einfach um und wehrt sich mit Unterdrückung und wüster Beschimpfung und Hasstiraden und Beil und brennender Fackel gegen das männliche Geschlecht um am Ende die selben Probleme wieder zu haben: nur umgekehrt.
Rache. Blutrünstige Rache war schon immer DAS Mittel der Wahl, um hier auf Erden das Himmelreich entstehen zu lassen. Man nehme: Gleichgültigkeit, forciertes Fehlverhalten und lehne jede Möglichkeit zur vernunftbasierten Klärung offensichtlicher Tatbestände vehement ab. Dann hat man wenigstens einen selbst herbeigezauberten Grund, sich zu beschweren.
Und weil grad alle so wahnsinnig toll mitwolfheulen, passt’s doch wunderbar in diese Zeit mit rein und mit dem Thema hat man sogleich einen “Nerv der Zeit getroffen”, der nur mit Filmförderung und Subvention unterstützt werden kann – immerhin geht’s um Frauenrechte!!!
Wer Zynismus in meinen Worten findet, darf ihn behalten oder auf Internetplattformen versteigern. Sorry – bei aller Liebe, aber so nicht!
Wenn man schon in so eine Schiene möchte, dann bitte auf glaubwürdige Art und Weise und nicht mit einer Darstellerin, die genau das Gegenteil von dem verkörpert, was sie in ihrer Rolle eigentlich aussagen möchte und ohne die dämlichen forcierten Anti-Möglichkeiten, die sie mit Leichtigkeit hätte ergreifen können, um aus der Situation eine gänzlich andere zu machen: Das ist nichts weiter als pure Verarsche, die im Wahnsinn des Gerechtigkeitsaufschreis einfach nicht zur Kenntnis genommen wird, aber alle verarscht ihr damit eben nicht automatisch.
Und die Gesellschaft täte gut daran, eben dies auch zu erkennen. Das heißt nicht, dass ich hier eine Lanze für Männer breche, das heißt nur, dass in diesem Film das dümmste anzunehmende Beispiel gewählt und ausgebrütet wurde, dass man auf diesem Planeten finden konnte und dass mich dieser Schwachsinn so überhaupt nicht überzeugt hat.
Und wie schon erwähnt: Ich steh damit nicht alleine da. Dieser Film hat unbändige Diskussionen ausgelöst und noch ein paar Pressevorführungen weiter wurde immer noch hitzig darüber diskutiert – wenn das das Ziel war: Erreicht. Etwas für die Frauen zu unternehmen: Kläglich versagt!
Also Finger weg von diesem Mist und lieber selber vorher das Hirn einschalten, dann wird’s auch was mit der besseren Welt, von der alle träumen.
 

.kinoticket-Empfehlung: So einen unfassbaren Schwachsinn hab ich selten erlebt: Man forciert genau wie in der Gesellschaft auf stupide Weise eine charakterstarke Lady in eine herbeigezauberte Situationen, aus der sie sich angeblich nicht selbst befreien kann und am Ende leider leider das großartige Opfertierchen wird, vor dem sich alle Welt verneigen sollte.
Wenn das der Versuch für mehr Gleichberechtigung und härtere Bestrafung für männlichen Trash sein soll, dann ist’s leider tierisch in die Hose gegangen. Und diese Windel wird euch niemand freiwillig wechseln, aus der Scheiße müsst ihr euch schon selbst wieder rauskämpfen.
Also lasst die Finger davon, überlegt selbst und stellt fest: Alles, was im Film passiert, hätte einfach nicht sein müssen, wenn an winzigen Stellschrauben gedreht worden wäre, was keinerlei Anstrengung und Aufwand bedeutet hätte, sondern einfach nur eines gewesen wäre: Vernünftig. Und nein, sie hätte dafür auch nicht ihren Charakter eingebüßt, sondern alles wäre am Ende tatsächlich einfach “gut” gewesen.
Aber mit Debatten lebt sich’s ja einfacher, gell?

 
Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, der macht’s auch nicht besser.
Kinostart: 27. September 2018
Original Title: Alles ist gut
Length: 93 Min.
Rate: FSK 12

Tully

Über Tully gibt es nicht sonderlich viel zu verraten, wenn ich meiner “Absolut keine Spoiler”-Regel treu bleiben will, denn: Jeder gesagte Satz ist im Prinzip ein Satz zu viel. Menschen, die den Twist bereits im Voraus kennen, dürften beim Anschauen dann wesentlich gelangweilter und unfreudiger sein, was sich teilweise bei den Previews geäußert hat: Fast alle, die den .trailer bereits kannten, fanden den Film schlechter als die, die völlig unvoreingenommen reingegangen sind.
Das Thema empfand ich allerdings sehr anschaulich präsentiert und gerade als Nicht-Betroffener außerordentlich einprägsam und plastisch dargestellt. Auch Charlize Theron zeigt einmal mehr, was für schauspielerische Fähigkeiten in ihr stecken. Bei einem so heiklen Thema, zu dem schon oft wütende Diskussionen entbrannt sind, einmal so ehrlich und aufgeschlossen auf der Leinwand zu sein und damit einige Tabus zu brechen und für diese Menschen zu sprechen, ist in meinen Augen das, was Tully am besten gelungen ist. Von dieser einfühlsamen, hingebungsvollen und absolut nachvollziehbaren Annäherung an diesen Konflikt war ich sehr angetan.
Am Ende ist man zwar vom Twist überrascht, jedoch nicht sonderlich begeistert, weil mir dafür einfach die Pointenschwere fehlt, wenn man so möchte. Der Knall kommt zwar, schlägt aber nicht wie gewünscht ein, sondern hinterlässt eher Fragezeichen auf den Augen und hat damit in meinen … Augen … das Ziel verfehlt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Charlize Theron spielt großartig und mimt einmal mehr den Fürsprecher einer ganzen Nation zu einem diskussionsfreudigen Thema.
Umsetzung, Darstellung und Verträglichkeit sind garantiert und funktionieren auch, das gewisse Etwas, dass diesen Ballon dann auch wirksam platzen lässt, bleibt aber – trotz hervorragendem Twist – irgendwie aus. Für einen gemütlichen Abend mit den Freunden und Freundinnen aber nicht die schlechteste Wahl.

 
Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, es folgen keine weiteren Szenen.
Kinostart: 31. Mai 2018

Im Zweifel glücklich

Ben Stiller – früher eher als Comedy-Krawalltante bekannt – übt sich seit neuestem ja in ernsthafterem Kino und hat bereits in dem wunderbaren Das erstaunliche Leben des Walter Mitty bewiesen, dass er auch ernsthaftere Kost glaubhaft und wohldosiert rüberbringen kann.
An der Seite seiner Schauspielkollegen brilliert er einmal mehr in einem Stück, dass sich essentielle Fragen des Lebens zu Gemüte führt und sie in einem fantastischen Tanz erörtert, der zu einem grandiosen Finale führt.
Dabei irrt er nicht mehr auf alten Pfaden und versucht, durch halbherzig komödiantische Einlagen das Publikum für sich zu gewinnen (oder nicht ganz so arg zu verärgern), sondern seine zweifelhafte Stimmung und die permanent kippende Laune ist begleitet von einer fast legendär-empathischen Erfahrung, auf die man sich als Zuschauer einfach einlassen muss – auch wenn es gefühlsmäßig manchmal echt schwer ist.
Doch der harte Kampf lohnt, bis zum bitteren Ende ausgefochten zu werden – denn dieses Finale ist einfach traumhaft in herrliche Szenen eingepackt und geleitet den Zuschauer in wohlige Wärme gebettet wieder durchs Foyer in die eiskalte Welt hinaus.
Dass diese Erkenntnis so manchem morgens aufs Smartphone gebrannt werden müsste, damit der- bzw. diejenige endlich begreift, dass vieles im Leben so viel einfacher wäre, wenn man die Prozedur Stillers gedanklich bis zum Ende durchläuft und sie auf sein eigenes Leben projiziert, bezeugt, dass genau dieser Film eine Wahrheit birgt, die sofort von euch entdeckt werden sollte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Also fackelt nicht lange, organisiert euch .kinotickets und belebt die dunklen Gemächer des Lichts – hier gibt es etwas zu lernen und obendrauf noch eine Frischzellenkur für Geist und Herz – die Investition zahlt sich in jedem Fall aus.
Ben Stiller ist großartig und seine Mitprotagonisten vervollkommnen ein Gesamtprojekt, dass den Gang auf für Kinomuffel endlich wieder einmal begründbar macht.

 
Nachspann
Bleibt sitzen, er ist großartig!
Kinostart: 29. März 2018

Die Grundschullehrerin

Seit ein paar Wochen schwärme ich schon davon, dass es demnächst jede Menge Filme geben wird, die euer Herz fordern werden – ohne dabei Namen zu nennen – dies hier ist einer davon.
Mit so viel Liebe, Inbrunst, Herzblut und pädagogischem Vorbild geht man die zwischenmenschlichen Beziehungen im frühen Kindesalter an und entdeckt die Welt einmal völlig neu und von vorne. Dabei ist die Herausarbeitung der verschiedenen Persönlichkeiten enorm! Das Meckern über mangelnde Profiltiefe bei zu oberflächlich dargestellten Charakteren trifft spätestens hier auf seine Grenzen, denn die Ineinanderverflechtung der verschiedensten Ausgangssituationen erlebt in einem völlig herzlichen und absolut empfehlenswerten Film seinen Höhepunkt.
Dabei wurden die Darsteller sowas von sorgfältig ausgewählt, dass einem selbst als Kinderhasser das Herz aufgehen muss, denn die Kleinen leisten Umwerfendes! Das rührt fast schon zu Tränen!
Man mag kaum glauben, dass es sich diesmal nicht um eine wahre Geschichte handelt, sondern alles nur fiktiv ist und spürt die zweijährige Recherche an allen Ecken und Enden. Das Ergebnis ist mehr als authentisch und zeugt von so viel Vorbildcharakter, dass ich diesen Titel fast schon als Lehrstudie im Unterrichtsplan von angehenden Lehrkräften sehen möchte. Als absoluten Pluspunkt muss man an dieser Stelle ebenfalls erwähnen, dass die Menschen hier nicht auf ihre Berufe reduziert oder süffisant auf ihre Stereotypen runtergebrochen wurden, sondern man tatsächlich das Kunststück (was eigentlich keins sein sollte) geschafft hat, ein ganzheitliches Bild zu zeichnen, das keinen Aspekt des Lebens außen vor lässt und Menschen gedanklich Unmögliches abverlangt.
Gerade das Umgehen mit Schwächen, das Lernen in allen Perspektiven und die spielerische Auseinandersetzung mit todernsten Themen machen aus diesem Film eine Perle, die man definitiv gesehen haben muss.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ob ihr den Titel nun im Kino, Heimkino oder irgendwo unterwegs schaut, sei dahingestellt – wichtig ist nur, dass er auf eurer To-Do-Watchlist steht und ihr keinesfalls versäumt, die Inhalte dieses französischen Peaks zu konsumieren.
Natürlich würde ich immer die gemütliche Abendrunde mit Freunden im Independent-Kino eurer Wahl bevorzugen, für mich verbirgt sich hinter dem fast unscheinbaren Titel aber eine ganz große Story, die es wert ist, der Welt gezeigt zu werden.
Also schaut sie euch an.

 
Nachspann
muss nicht abgebrochen werden, man wird hier endlich wieder mal “sanft entlassen”.
Kinostart: 15. Februar 2018

Das Leben ist ein Fest

Frankreich. Ziemlich beste Freunde. Damit ist eigentlich alles schon gesagt.
Nur, dass der Humor hier noch viel zynischer, sarkastischer, witziger und greifbarer ist. Es macht so viel Spaß, sich mit dem Protagonisten von einem Fettnäpfchen ins nächste zu bewegen, der einen Tag erlebt, den sicher niemand – auch kein Kinozuschauer – mehr so schnell vergessen wird.
Lachen ist vorprogrammiert. Aber sowas von!
Dass sich die beiden Regisseure Eric Toledano und Olivier Nakache auf spaßige Unterhaltung verstehen, haben sie mit ihrem Welterfolg bei Ziemlich beste Freunde ja schon längst bewiesen. Allerdings zäumt man das Pferd jetzt nicht wieder von der gleichen Seite auf (“Ah, die, dann muss es ja gut sein!”), sondern generiert einen Plot, der dem Zuschauer die Chance bietet, sehr tief blicken zu lassen und ein Profil zu ergründen, dass in unkontrollierbaren Lachkrämpfen endet.
Und die Situationskomik schreit tatsächlich mit großartigen Tönen in die Welt. Vielleicht braucht man hier und da ein wenig Verweildauer, aber man hat es definitiv geschafft, die Zuschauer mitten ins Geschehen zu katapultieren, die sich nicht mehr als fremde Betrachter, sondern Teil des Geschehens erleben und damit Kino in seiner größten Vollendung genießen dürfen.
Und wahrlich: Das Leben ist ein Fest ist hier wörtlich gemeint: Es ist ein seelischer Gaumenschmaus, diesem Possenspiel beizuwohnen und man wackelt vergnügt wieder zurück ins Leben und hat definitiv keine schlechte Laune mehr, egal, was vorher gewesen ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Darum: Reingehen!
Auch wenn dieser Titel sicher nicht in jedem Kino zu finden sein wird: Die Suche danach lohnt sich!
Die üblichen Verdächtigen wie “Frankreich kann Comedy” hier runterzuplätschern, fühlt sich fast schon verräterisch an, denn Das Leben ist ein Fest ist so viel mehr: Herzallerliebst, urkomisch, zum Schreien, herrlich, lustig und in vielen Facetten mit Gefühlen verbunden, die jeder Mensch gerne um sich herum hat.
Also gönnt euch mal wieder etwas und besucht diesen Film – es lohnt sich!

 
Nachspann
nicht sitzenbleiben, geht den Saal zum Reinigen frei 🙂
Kinostart: 1. Februar 2018

Der seidene Faden

Dass Phantom Thread (Ja, ihr würdet niemals drauf kommen, dass Der seidene Faden tatsächlich so übersetzt klingt) Oscar®-Anwärter geworden ist, war mir glaube ich schon von Anfang an völlig klar.
Die Methodik, mit der man hier Kamera, Szenerie, Kostüme und Kulisse präsentiert, schreit förmlich danach, ausgezeichnet zu werden. Als geneigter Kinogänger hat man wohl auch ein wenig seine Schwierigkeiten damit, in die Zeit dieses Films abzutauchen, da es insofern keine wirkliche Einführung gibt, sondern man direkt in dieser Epoche landet und keine filmische Begleitung hat, um dort auch wirklich anzukommen.
Aber es funktioniert. Nach ein paar Minuten hat man sich damit abgefunden, die Art und Präsentation wirkt familiär und man erkennt, mit welch professioneller Natur man sich hier hinter die Kulissen einer Welt begibt, die vielen Normalsterblichen eher verborgen bleibt, da wir deren Ergebnisse sehr wohl bestaunen, das Schaffen dahinter und die präzise Kunst aber kaum verstehen geschweigedenn nachvollziehen können.
Daniel Day-Lewis hat ja bereits verlautbaren lassen, dass dies der letzte Auftritt seiner Karriere sein wird – und auch das mag PR-strategisch klug angelegt sein, da sich nun keiner die Chance entgehen lassen wird, um ihn noch ein letztes Mal in seiner großartigen Schauspielkunst zu erleben und zumindest sein letztes Werk noch gesehen zu haben – was dem Film auch unglaublich zuträglich ist.
Und ich kann neidlos anerkennen, dass seine Leistungen in diesem Stück hervorragend sind. Ebenso die von Vicky Krieps und seinen Mitspielerinnen.
Womit ich jedoch meine Schwierigkeiten habe, ist das vergleichsweise belanglose Finale, auf das man hier alles zulaufen lässt. Hat man sich hier und da schon ein paar Filmchen angesehen, hat man längst ein Gespür dafür entwickelt, was nun passieren könnte und was nicht – und es ist Aufgabe der Regisseure und Filmcrew, genau diese Erwartungen zu brechen und mit Überraschungen und anderen Situationen zu bestücken, um den Zuschauer zu flashen und eben keine einfallslose TV-Spielkost auf die Bühne zu zerren, sondern darüber hinaus zu wachsen.
Und das lässt mich zwiegespalten zurück: Die Schauspielkunst ist großartig, die Kostüme klasse, das Bühnenbild und die teils beklemmende Stimmung hervorragend, die politische Message beachtenswert und Inszenierung erstaunlich, jedoch gelangt man gegen Ende an einen Punkt, an dem man sich tatsächlich fragt, was nun jetzt wirklich der Sinn des Ganzen ist, da die meiner Meinung nach langweiligste Alternative und erste Vorahnung einfach konsequent durchgeboxt wird und am Ende als DIE Botschaft präsentiert wird – und das, obwohl man als gebildeter Zuschauer ab der Mitte des Films längst weiß, worauf das alles hinauslaufen wird.
Hier hätte ich mir einen spektakuläreren Twist gewünscht, der am Schluss eben nochmal die Stufe des Intellekts betritt und nicht einfach die erstbeste Schlussfolgerung als die Offenbarung präsentiert, aber genau das ist geschehen – und war für mich eine einzige Enttäuschung.
 

.kinoticket-Empfehlung: Daniel Day-Lewis spielt hervorragend und auch seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter vor und hinter der Kamera liefern hier erstklassige Arbeit ab, die zu Recht mit einer Oscar®-Nominierung bedacht wurde, jedoch das Ende wirkt etwas einfallslos und banal und lässt Enttäuschung bei mir aufkommen, weil es dem Film als solches irgendwo seinen Sinn raubt bzw. man als Zuschauer die großartige Veränderung viel zu früh vorausahnen kann.
Dass das den Sehspaß etwas trübt, brauch ich ja niemandem zu erzählen. Wer aber für Dinge, die mit “Fäden” zu tun haben, etwas übrig hat, sollte sich diesen Film unbedingt ansehen, da er diese Branche erstklassig durchleuchtet und hervorragende Einblicke in die Arbeit(sweise) liefert.

 
Nachspann
Keine After-Credits-Szenen und auch sonst nichts weiter. Man darf den Kinosaal also vorzeitig verlassen.
Kinostart: 1. Februar 2018

Genius – Die tausend Seiten einer Freundschaft

Nach ich glaube 100 Jahren verfliegt ja die Rechtebesessenheit von Werken, die dem Urheberrechtsschutz unterliegen. Böse Zungen könnten behaupten, dass Hollywood sich nun aufrafft und kontinuierlich die Geschichte von vor 100 Jahren konsequent verfilmt und dabei kein Detail auslässt.
Mit Genius, wie der Titel im Original treffenderweise heißt, kommt erneut ein Stück Zeitgeschichte auf die Leinwand, dass sich diesmal einem Thema widmet, das nicht sehr viel Krach erzeugt und somit in meinen Augen sehr schwer verfilmbar ist, um die actiongesättigte Gesellschaft tatsächlich zu erfreuen.
Der Film war anfangs sehr anstrengend und erzeugte auch sehr viel Unruhe im Saal. Man hat seine lieben Schwierigkeiten, in die Art der beiden Hauptdarsteller reinzukommen und mit ihnen warm zu werden, obwohl beide schauspielerische Höchstleistungen bieten.
Salopp gesagt muss man die ersten 20 Minuten des Films überleben, bevor der dann richtig anzieht und verdammt gut wird. Künstler und Menschen, die sich nicht von der Allgemeinheit nähren, sondern ihre eigenen Wege gehen, finden sich ein Stück weit selbst in dem Geschehen wieder.
Die Schwierigkeit besteht tatsächlich darin, dass es hier um ein Medium geht, dem normalerweise sehr viel Zeit gewidmet ist und wir in einer Gesellschaft leben, wo man genau dies so absolut nicht mehr hat. Dann ein Publikum zu fangen, was mit Vollkaracho in den Saal stürmt, es abzubremsen und zur Ruhe kommen zu lassen, damit es sich dem Wesen dieses Mediums näher widmen kann und sich auch tatsächlich auf die Geschichte einlässt, ist schwierig und sorgt eben in der ersten halben Stunde auch für regen Unmut in den Gesichtern unserer rasenden Gesellschaft.
Den Bogen kriegt man aber raus und holt den Zuschauer dann auch mit neuen Thematiken ab, die hier etwas ganz besonderes erzählen und zudem auch Einblicke in eine Welt geben, die man als Normalsterblicher auf diese Art sicher weniger kennen dürfte – und allein das ist bereits spannend.
Lobenswert zu erwähnen ist hier auch die Musik, mit der man im Film spielt und sie als eigene Persönlichkeit innerhalb des Geschehens etabliert. Die Aufnahmen sind nicht nur herausragend, sondern fördern eine neue Art von Wesenszug, bei dem man sehr viel mehr Kunstverständnis entwickelt, als so manch einer erwarten würde.
 

.kinoticket-Empfehlung: Menschen mit Stil, einem gewissen Anspruch, aber auch Leute, die sich einfach mal für ein paar Stunden aus ihrer Welt entführen lassen wollen, finden hier einen Ort der Ruhe und Geborgenheit, der eine ganz besondere Geschichte birgt, die neben viel Stress auch ein neues Verständnis für Dinge hervorruft, die an Normalsterblichen ungesehen vorüberziehen.
Der Film portraitiert in faszinierenden Bildern eine Form von Leben, das nicht alltäglich ist und bietet den Schauspielern eine hervorragende Möglichkeit, mit Worten, Gestiken und Mimik zu arbeiten – und dass das den beiden nicht nur sichtlich Spaß bereitet, sondern auch tatsächlich gelungen ist, beweist Genius demnächst auf den Leinwänden eurer Kinos. Reingehen!

 
Nachspann
beherbergt keine weiteren Überraschungen, man darf also nach draußen.

Seitenwechsel

Das Thema ist lange nicht neu und einer der Klassiker, wenn es um Frau-Mann-Filme geht. Unzählige Beispiele haben vorher schon Wege für diese Art von Unterhaltung geebnet und nun folgen Wotan Wilke-Möhring und Mina Tander eben diesem Beispiel und beleben aktuell im Kino erneut eine dieser Geschichten, die folglich mit schwerwiegenden Vorhersehbarkeiten zu kämpfen haben.
Warum lohnt sich trotzdem der Gang ins Kino?
Klar fehlt mir an dieser Stelle wieder etwas die seelische Spieltiefe, die man bei amerikanischen Schauspielern oder fremdländischen Darstellern eher entdeckt, jedoch mausert sich das deutsche Kino mit kleinen Schritten und entdeckt seine ganz eigenen Talente, die zwar meines Erachtens noch lange nicht mit internationalen Schauspielgrößen mithalten können, jedoch auf eine andere Art eine Form des Kinos entwickeln, die ihrerseits auch eine Daseinsberechtigung hat.
Tatsache ist: Die Klischees, die man hier ausgräbt, werden nicht nur erwartet, sondern auch bedient, jedoch machen die beiden Hauptdarsteller ihre Sache wirklich gut. Gerade, wenn der Seitenwechsel stattgefunden hat, erlebt man hier teilweise wirklich komische Momente, die nicht nur die Lachmuskeln anstrengen, sondern so dermaßen übertrieben sind, dass es schon wieder gute Unterhaltung ist.
Und das aus meinem Munde, wo ich den deutschen Darstellern und Darstellerinnen doch immer nichts abgewinnen kann …
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Überflieger ist es nicht, das absolute Überraschungsmoment bleibt auch aus, es kochen viele Klischees hoch und vorhersehbar ist das Ganze insofern auch irgendwie, jedoch überzeugen die Hauptdarsteller mit einer unglaublich guten Performance und daher lohnt sich der Gang ins Kino doch: Man sollte einfach nur wissen, worauf man sich einlässt und sich von Anfang an damit abfinden.
Und dann wird es auch ein unterhaltsamer Kinoabend.

 
Nachspann
kommt keiner, auch wenn hier farblich wirklich cool gespielt wurde.

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