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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Apokalypse

mother!

Phew – jetzt wird’s selbst für Wortakrobaten schwierig. Darren Aronofsky ist ja sowieso kein unbeschriebenes Blatt mehr und für seine zweifellos verstörenden Filme bekannt.
Mit mother! beschreitet nun selbst er neues Terrain, dass im Vorfeld bereits in Venedig für mächtig verstörende Sequenzen in der Weltgeschichte gesorgt hat, was wiederum in vielen Köpfen nun für Unsicherheit und Zurückhaltung verantwortlich ist, der man auf keinen Fall nachgeben, sondern sich eines ganz klar und indiskutabel auf die Fahnen schreiben sollte: Den Film auf jeden Fall im Kino zu besehen, und zwar völlig unabhängig von dem, was jedweder Kritiker – also auch ich – dazu zu sagen haben.
Dass ich dem Mainstream sowieso nicht so sehr zugeneigt bin, hat sich ja inzwischen unmissverständlich herauskristallisiert. Damit ist mother! für alltagshassende Menschen wie mich gefundenes Fressen – und zwar nicht nur, weil ich den Punch in die Fresse der Normalität über alles liebe, sondern es einfach krass ist, wie sehr man die wackelpuddingartigen Persönlichkeiten in ihren Grundfesten erschüttern und mit wenigen Minuten auf der Leinwand völlig aus ihrem Alltagsweltbild herausreißen kann, so dass im Kinosaal nicht nur massenhaft offene Münder, sondern auch jede Menge erschreckte und angstvolle Fuck-Laute zu hören waren.
Und ja – hier bricht das Chaos aus, dass aus einem für mich wieder mal hervorragend inszenierten .teaser nun den dazu passenden Film liefert, bei dem man einfach mal so absolut gar nichts weiß. Auch nicht, wenn man ihn gesehen hat. Auch nicht, wenn man sich hinterher versucht, mit anderen darüber auszutauschen. Und damit ist Aronofsky für mich weiterhin das Genie, das er auch vorher schon war, nur eben jetzt in unglaublich viel besser.
Was genau jeder Einzelne nun in die immer eskalierenderen Szenen hineininterpretieren möchte und wie man sich den Plot hinterher selbst zurechtlegt, um daraus ein funktionelles Konstrukt zu machen, dass irgendwie in die Gedankengänge eines jeden passt, bleibt dem Zuschauer für sich überlassen.
Diese Abartigkeit (und ja, ich weiß, dass dieses Wort bei mir inflationär oft benutzt wird) bekommt mit mother! eine völlig neue Dimension, die anfangs verstörend, im Mittelteil verstörender und am Ende wortlos und unbeschreiblich wird, sich aber dennoch irgendwie zum Großen Ganzen zusammenstückelt.
Die Phasen der emotionalen Durchleuchtung einer Sache gereichen hier in Höhen, in denen normalerweise auch die Gedanken von Genies nichts mehr zu suchen haben – und überschreiten damit keine Grenzen mehr, sondern dringen in verbotene Zonen vor, die sich auch nicht mit FSK-16 Freigabe rechtfertigen lassen.
Ihr spürt so ein wenig meine unfassbare Begeisterung für dieses absurde Werk? Ich liebe es und werde mir wohl immer wieder davon ein Bild machen können. Wer weiß – vielleicht schaffe ich es noch in diesem Jahrhundert, mir einen passenden Reim darauf zu bilden und mich so tief in die Kaninchenlöcher vorzubeißen, dass ich irgendwann in den tiefsten Wurzellöchern den Anfang dessen finde und alles verstehe – und wenn es mein Leben kostet.
Genau das gehört für mich in die Kinosäle, die aus Gründen schwarz und nicht weiß sind. Genau das gehört für mich in jedes Wochenprogramm jeden Kinos, weil da eben mal nicht die Masse bedient und der familienfreundliche Schwulst übellaunig zusammengepresster Standard-Mainstreamscheiße mit einem passenden Namen versehen in die Scheinproduktionsmaschine geworfen wurde.
Hier offenbart sich eine völlig neue Interpretation von was auch immer, dass ohne Gnade und Erbarmen seine Schläge in die Gedankengänge normaler Menschen austeilt und damit auf Eskalation setzt, die ich liebe und vergöttere.
Und während am Markt geschlossene Unentschlossenheit darüber herrscht, ob man dem Werk nun Genialität oder Unfähigkeit attestieren soll, treibe ich mich wieder und wieder in die dunklen Höhlen der Glückseligkeit, um mir dieses Schauspiel wieder und wieder einzuverleiben.
Es ist der Gnadenschuss für die tödliche Allgegenwärtigkeit, die immer unerträglicher in den Lungen der Gesellschaft für den Erstickungstod sorgt und somit sogar den Standard-Zombies das Sterben neu beibringt.
Und da stehe ich daneben und man hört in den apokalyptischen Rängen am Ende der Welt das einsame Applaudieren eines glückseligen Jungen, der Kino über alles liebt: Meins.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn ein Film dieses Attribut je tatsächlich verdient hat, dann dieser: Abgefuckt!
Aronofsky inszeniert hier mit meiner Lieblingsschauspielerin Jennifer Lawrence einen Reigen von Unverständnis, Desillusion und Normwidrigkeit, dass unterbrechungsfrei mit größter Aufopferung in die Klöten der Natürlichkeit tritt und uns damit das präsentiert, das ich auf dem höchsten Stuhl der Verehrung einmeißeln würde: mother!
Wer behauptet, er habe den Film verstanden, lügt.
Wer nicht ins Kino spaziert, um ihn sich dort mit Gurten am Sessel festgeschnallt anzusehen, ist blöd.
Wer anderen irgendetwas darüber erzählt, sollte besser seine Fresse halten und dafür sorgen, dass sie trotzdem ins Kino gehen.
Und darum vergesst, was ich oben darüber geschrieben habt und geht rein. Bitte!

 
Nachspann
sollte man bis zum Schluss anschauen und mir dann eine E-Mail schicken und erklären, was das alles soll. Im Ernst – kann damit jemand was anfangen?
Kinostart: 14. September 2017

X-Men: Apocalypse (3D)

Angesehen habe ich ihn mir mittlerweile zwei Mal. Geteilter Meinung bin ich immer noch. Mit X-Men: Apocalpyse haben wir bereits den 9. X-Men-Film am Start, der auf eine langjährige Filmgeschichte zurückblicken darf und dementsprechend Potenzial mit nach vorne bringen sollte.
Klar, man wird hier als Zuschauer nicht in einen Kinderfilm gesetzt, sondern von der Wucht der immensen, unüberschaubaren Größe Hollywoods überrumpelt. Hier steckt jede Menge Geld, Macht & Einfluss drin und das nimmt man dem Werk von Anfang an ab.

Die Effekte allein reichen aus, um ein .kinoticket zu lösen und sich die Show anzusehen, denn die haben es in sich und tragen auch den einst gekannten Charme der X-Men aus dem ersten Teil in sich. Die Klassik der genialen Comicverfilmungen, wie es die X-Men-Filme tatsächlich sind, kommt auch hier schwer zum Tragen.

Jedoch obliegt dem Schöpfer dieses Meisterwerks auch wieder die höchst schwierige Aufgabe anheim, sich mit einer Vielzahl großartiger Charaktere auseinandersetzen zu müssen und diese gebührend zum Zuge kommen zu lassen – und das misslingt anhand der Anzahl unglaublicher Persönlichkeiten mit noch unglaublicheren Fähigkeiten. Ein Problem, mit dem auch schon Batman v Superman: Dawn of Justice zu kämpfen hatte. Hier spürt man dann eben die Nachteile dieser übergroßen Dimensionen, in denen sich dieser Film definitiv bewegt.

Dabei verkommt die Story dann zeitweise zum notwendigen Übel und wird überflügelt von immer immenser werdenden Effekten, die seinerseits zwar genügend Stoff mitbringen, um später für Erzählungen Inhalte zu bieten, als Film-Alleinstellungsmerkmal jedoch nicht ausreichen, dass man hier von einem absoluten Must-See sprechen kann. Schaut man sich derzeit das laufende Programm der meisten Kinos an, sind hier viel zu große Konkurrenten aus dem Hause Marvel am Start, denen ich persönlich zur Zeit den Vorzug geben würde.

Nichtsdestotrotz ist die Bildgewalt dieses Epos’ immer noch erhaben genug, dass sich der Gang ins Großbildwohnzimmer durchaus lohnt und man es sehr gerne dort mit den Übeltätern dieser Geschichte aufnehmen darf.

Der Film hat beim zweiten Mal immer noch genauso Spaß gemacht, wie beim ersten, gejammert wird hier auf sehr hohem Niveau. Dennoch war auch beim Re-Anschauen das bittersüße Lächeln der Plot-Angekratztheit nicht aus meinem Gesicht wegzukriegen.

 

.kinoticket-Empfehlung: Durchaus sehenswerte Kost, die die Geschichte rund um die X-Men weiterspinnt.

Technisch arbeitet man hier auf ganz hohen Rössern und lässt keine Minute aus, dies auch gebührend zu zeigen und zu feiern. Der Inhalt leidet etwas unter der Charaktervielfalt, der man hier gerecht werden muss, jedoch ist das Werk an und für sich trotzdem sehenswert und als gute Abendunterhaltung durchaus zu gebrauchen.

 

Nachspann
Marvel Leute. Filme aus diesem Studio haben immer einen Nachspann – so auch dieser hier.

San Andreas (3D)

Der aufmerksame Blog-Leser wird an dieser Stelle heute wieder eine Sneak Preview erwarten. Da in der Sneak letzte Woche jedoch erneut Spy – Susan Cooper Undercover vorgestellt wurde, den ich im Rahmen der Fun2Night bereits kannte, trumpfen wir heute mit einem neuen Event auf: Dem Männerabend.
Für Katastrophenfilme hab ich ja sowieso was übrig. Klar, dass man mich schon beim ersten Trailer zu San Andreas in der Tasche hatte.
Wieder und wieder mit neuem Material angefixt und schlussendlich auch mit 3D-Trailern war klar, dass ich mir diesen Streifen unbedingt anschauen muss.
Also die Gunst der Stunde genutzt und im Männerabend bereits vor Kinostart zugeschlagen um mir dieses Katastrophen-Epos zu geben.
Erster Eindruck: Wow!
In Sachen Effekte mit Zerstörungswut kann mittlerweile Hollywood keiner mehr das Wasser reichen. Was hier abgeliefert wird, grenzt an Wahnsinn und beeindruckt bereits ganz zu Beginn des Films, als hätten wir hier das superlative Ende eines schlechteren Werks bereits in den ersten zehn Minuten abgefrühstückt.
Ganz im Stile von Katastrophengeschichten gibt es auch hier wieder eine füllend-wirkend-wollende Familienhandlung, die sich durch die gesamte Laufzeit zieht und irgendwie die spektakulären Zerstörungsszenen miteinander verbinden will. Dies gelingt anfangs auch noch sehr gut, driftet dann aber ganz schnell in böse Klischees ab, die zum Ende hin fast schon störend zwischen den sonst absolut beeindruckenden massiv-imposanten Szenen wirken.
Fest steht: Möchtegernkonkurrenten wie The Day after Tomorrow oder 2012 können getrost nach Hause gehen, denn San Andreas setzt hier ganz neue Maßstäbe. Nicht nur in Sachen 3D alles absolut richtig gemacht, sondern auch in punkto “Wir knallen dich bis tief unter die Erde und lassen selbige dann auch noch erschüttern”.
Ja, das war das erste Mal, dass ich zeitweise das Gefühl hatte, im Kino wäre es zu laut. Und dafür braucht es bei mir einiges. Zumal das letzte Drittel des Films quasi mehr oder weniger konsequent aus einer Wucht besteht, für die ich nach Tagen immer noch keine richtigen Worte gefunden habe.
Wäre hier noch eine anständige Story dazu gepackt worden, die sich beispielsweise im politischen Sektor abspielt und zeigt, wie schwierig und problembehaftet die Regulierung einer Katastrophe solchen Ausmaßes ist, würde sogar ich mich auf die Straße stellen und Passanten dieses Werk verkaufen.
So bleibt ein Film, der durch seine abartige Wucht in Sachen Zerstörung und Naturgewalten alles bisher dagewesene in sich vereint und als superlativiertes Machtepos wieder auf die Leinwand spuckt.

.kinoticket-Empfehlung: Nicht nur für harte Kerle ein gefundenes Fressen für die Seele, sondern auch für Liebhaber von Naturgewalten und Interessierte an beeindruckenden Zerstörungsszenen ein Film, der hier ganz neue Maßstäbe setzt.
Die Handlung ist zwar verbesserungswürdig, den Film sollte man ob seiner noch nie dagewesenen, epischen Zerstörungswut auf jeden Fall einmal in 3D erlebt haben.
Also löst euer .kinoticket und lasst euch davon beeindrucken, welche Kraft die Natur hat und wie armselig die Menschheit dagegen abstinkt.

Nachspann
ist interessanterweise komplett in 3D gehalten.

A World Beyond

Zuallererst einmal: Herzliches Dankeschön an Disney, dass sie beim Titel nicht den verhudelten Deutschversuch gelassen haben, sondern bei der englischen Bezeichnung geblieben sind. Im Rausche meiner Kinoextase sind mir nämlich durchaus hier und da Trailer vor die Augen gekommen, in denen für “Projekt: Neuland” geworben wurde, was schon vor Beginn für ein mieses Gefühl gesorgt hätte. A World Beyond ist da doch um so vieles tiefgründig- und zweideutiger … und in meinen Augen einfach der bessere Titel. Also: Danke!
Desweiteren hatte ich beim ersten Trailer, der in die Kinos kam, anfangs noch so ein wenig Bedenken, ob das nicht wieder irgendein Disney-Abklatsch wird, der Altbackenes neu aufwärmt und als frische Idee verkaufen will. Bisschen Animation hier, bisschen Schabernack da und fertig ist das neue Gewinsel, mit dem wieder viel Geld gemacht werden kann. Die Häufigkeit, mit der dieser Film beworben wurde, tat ihr übriges, um mich erneut mächtig zittern zu lassen.
Dann: Ein kurzer Exklusiv-Clip im Rahmen einer Sneak Preview, der den Spieß sofort umgedreht hat und offenbarte, dass hier tatsächlich mehr dahinter steckt als anfänglich vermutet. Die Neugier war geweckt, der Platz auf der Liste wieder ganz weit oben.
Kürzlich war’s dann so weit: .kinoticket gelöst und angeschaut.
Leute? Reingehen!
Hier treffen Schauspielgrößen aufeinander, die sich nicht gegenseitig die Show stehlen, sondern gemeinsam eine viel größere erschaffen. George Clooney ist bekannt dafür, Filme zu generieren, die ein wenig zum Nachdenken anregen und Hugh Laurie dürfte als Dr. House vielen ein Begriff sein. Beide gemeinsam kreieren ein Verbalfeuerwerk, das nicht nur den Gaumen aufheizt.
Und nicht nur die Großen vollziehen Profiarbeit, sondern gerade die Newcomer begeistern von Anfang an mit Charme und einer schnippisch-freudigen Lebensgier, die einfach nur Spaß macht und mehr als nett anzuschauen ist. Hier wurde nicht blind gefrühstückt, sondern mit Liebe zum Detail gekocht und unter Applaus des ganzen Saales aufgetischt.
Ganz ehrlich? Geht rein und hört auf das, was Hugh Laurie euch zu sagen hat! Es ist so wahr, so tief, so begehrenswert ehrlich – das tut einfach nur gut.
Manche der Effekte mögen an Kinderfilme erinnern (und als solches mag man ihn wohl auch vermarkten), aber von kindisch kann hier absolut keine Rede sein, denn Unerfahrenheit oder Halbherzigkeit findet man hier nirgends. Im Gegenteil: Gerade die Kleinsten begeistern mit einer schauspielerischen Reife, die nicht nur nicht enttäuscht, sondern in großem Maße begeistert.
Und das wichtigste: Disneys Botschaft mag seit Jahren die gleiche sein, so gut, so einprägsam und nachhaltig rübergebracht haben sie die bisher aber noch nie. Und das – Ladies und Gentlemen – haut einen echt um!
Dieser Film ist ein Weckruf an die eingeschlafene Welt, die langsam aber sicher im Sumpf der Negativ-Schlagzeilen erstickt und daran zu zerbrechen droht. Er fordert jeden dazu auf, durchzuatmen und die Komplettheit einmal ganz anders zu betrachten, um weit weit über sich hinauszuwachsen.
Und das zu zeigen – ohne dabei in Klischees abzudriften oder gar darin zu versinken – ist Kino der Meisterklasse. Und als solches geht der Film auch in meinem Schädel ein: Ganz ganz großes Kino, das man unbedingt gesehen haben sollte! Dieser Film lebt beim Vorstellen seiner Idee bereits vor, was er zu sagen hat. Anschauen!
 

.kinoticket-Empfehlung: Witzig, unterhaltsam, spannend, einfallsreich, kreativ, erstaunlich, fordernd, fördernd – das sind nur ein paar der vielen Eigenschaften, die A World Beyond mitbringt. Dieser Film gehört zu den ganz Großen und sollte definitiv von jedem einmal gesehen werden.
Nicht nur die völlig neue Ideenschöpfung überzeugt im Film wieder und wieder, sondern auch das schauspielerische Talent von Jung und Alt begeistern von der ersten Sekunde an.
Und die Botschaft – in dieser Form präsentiert – frisst sich direkt in dein Herz und züchtet dort drin Nachwuchs. Wer hier nicht zugreift, für den ist Kino nicht interessant. Definitive Kino-Empfehlung!

 
Nachspann
dürft ihr genießen, denn auch der wartet mit netten Animationen auf.

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