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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Anton Yelchin

Rememory

Rememory

© 2018 Kinostar

 

Rememory – ein Wort, dass in den Ungetümen monströser Marvel-Blockbuster unterzugehen scheint und sich eher rücksichtsvoll auf kleineren Leinwänden ausbreiten wird … wenn überhaupt … ich hoffe es.

Allein Peter Dinklage ist es wert, dass man diesen Film sieht! Dieser Mann spielt unglaublich präsent und mit so einer dystopischen Hingabe an seine Rolle, dass er allein dem ganzen Film schon genügend Seele einhaucht und ihn zu einem sehenswerten Stück macht.

Wer sich an dem Wörtchen “Science Fiction” stört, der darf beruhigt ein- und ausatmen: Zwar spielen die technischen Errungenschaften in diesem Film in einer zukünftigen Vision unserer Welt, allerdings ist das kein Grund, deshalb Angst vor diesen illustren Techno-Drugtrip-Shows zu haben, in die SciFi gerne mal abdriftet: So ist es nicht. Viel mehr bekommt man hier ein sehr eigenständig gezeichnetes, abgedunkeltes Bild einer Welt präsentiert, die sich vollends in ihrer Nische ausbreitet und mit ihrer gänzlich durchstrukturierten Ästhetik beeindruckt.

Dass der Plot dann vielleicht hier und da ein paar kleine Logiklücken haben könnte, sei dem Film verziehen, Überraschungsmomente und eine durchweg plausible Story bietet er bei nicht ganz exzentrischem Hinsehen nämlich trotzdem.

Und einen Besuch im Kino ist Rememory auf jeden Fall wert.

 

.kinoticket-Empfehlung: Peter Dinklage allein rechtfertigt bereits den Film, der sich in ruhiger Manierlichkeit um zukunftsvisionäre Probleme menschlichen Seins bemüht und hierin auch relativ plausibel aufgeht.

Dabei bringt der Film so viel Eigenatmosphäre mit, die ihn in einer eigenen Nische als hellen Stern erstrahlen und zu einem Insidertipp mutieren lassen. Am SciFi-Thema sollte man sich nicht abschrecken lassen, vielmehr punktet man hier mit Inhalt und geistreichen Gedanken, die einen wundervollen Kinoabend fast schon garantieren. Definitiv lohnenswert!

 

Nachspann
❌ braucht man nicht auszusitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 8. November 2018

Original Title: Rememory
Length: 113 Min.
Rate: FSK 12 | PG-13

Vollblüter

Mein Lieblingswort in letzter Zeit: Debütfilm! Cory Finley hat das Unfassbare geschafft und eine Geschichte ins Leben gerufen, die Kino wieder einmal interessant macht: Nicht die üblichen Verdächtigen in Sachen Charaktere, sondern völlig einzigartige und moderne Schöpfungen, die in einer komplett desaströsen, mentalen Welt umherirren und sich dabei völlig ungehindert entfalten können: Klar, so etwas hat’s ja noch nie bisher gegeben, warum also sollten hier irgendwelche Grenzen existieren?
Allein diese erfrischende, neuartige und mutige Variante, mit der man auf menschliche Interna zugeht und sie gegeneinander ausspielt, ist faszinierend. Dabei erhält der Zuschauer so vielfältige Möglichkeiten der Interpretation, die ihrer selbst wieder in eine neue Dimension vorstoßen und somit nicht an Altbekanntem kratzen, sondern völlig jungfräuliche Wege beschreiten.
Und mal ganz ehrlich: Was gibt’s geileres als das? Gedankliches Frischfleisch, dass noch nie in den Fängen einer Kapitalismuskralle oder angstüberbordenden Entscheidungen festgesessen und die zwanghafte Entmannung nischengläubiger Gedanken durchleiden musste?
Der Geist ist frei … und auf einmal sind alle emotionalen und moralischen Zwänge und Grenzen entfesselt und man kann damit beginnen, zu spielen. Dafür wurden Leinwände erschaffen!
Und das fasziniert mich immer wieder an Debüts: Man macht einfach mal, denn es gibt ja nichts, woran man das Erstlingswerk messen könnte. Und somit gibt es nur einen Verlierer: Die Einschränkungen. Und darauf verzichten wir alle gerne.
 

.kinoticket-Empfehlung: Macht euch gefasst auf ein neues, psychodramatisches Spiel, in dem es keine Grenzen mehr gibt: Dieser Film erweist unfreiwillig dem 2016 verstorbenen Anton Yelchin alle Ehre und setzt ihm ein würdiges Denkmal.
Die Faszination, aus moralischen und ethischen Grenzen ausbrechen zu dürfen, schöpft dieser Titel vollständig aus und nutzt daher das leinwandgegebene Recht, Experimente der abartigsten Sorte durchzuführen, ohne dabei auch nur einer Menschenseele zu schaden.
Einer der Gründe, weshalb ich Kino generell liebe und einer der Gründe, weshalb ihr euch den Titel ansehen solltet: Es macht nämlich unheimlich viel Spaß!

 
Nachspann
❌ Nicht hocken bleiben, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 09. August 2018

Star Trek Beyond

In der Vergangenheit haben sich zwei extrem große Welten jeweils miteinander bekriegt: Die als extern handelnde, vielschichtigere Charaktere aufweisende und coolere Star Wars-Generation vs. die introvertierte, Handlung auf der Brücke stattfindende und vergleichsweise langweilige Star Trek-Mannschaft. Beide haben nun einen gemeinsamen Nenner: Produzent J.J. Abrams, der nun beide Lager in seiner Person vereint.
Was ich beim großen Vorbild noch mangelhaft und fehlend empfand, hat man in Zusammenarbeit mit Fast & Furious-Genie Justin Lin nun in Star Trek Beyond zu seiner Vollkommenheit geführt, denn die Langeweile bei dem dritten Teil des Reboots des vormals 10 Filme umfassenden Movie-Ensembles der Sternencrew gehört nun endgültig der Vergangenheit an.
Man mag sich über die neue Besetzung der Truppe aufregen oder sie als gegeben hinnehmen, ich für meinen Teil gehöre zu denen, die langsam kapieren, dass vergangene Zeitalter abgeschlossen werden und definitiv neue Gesichter die Bildflächen bevölkern, die der nächsten Generation als Vorbild dienen und somit meinereiner zum alten Eisen abstempeln. Ob dies nun bedauerlich oder erfrischend ist, vermag jeder für sich selbst beantworten.
Fakt ist, dass mit dem Reboot der Star Trek-Reihe auch eine völlig neue Machart konzipiert wurde, die hier wieder ganz klassische Akzente setzt und nicht nur Gesagtes erneut über den Filmtisch spulen will, sondern auch an bekannten Traditionen anknüpft, die beispielsweise seinerzeit wegweisend für die kulturelle Entwicklung der Gesellschaft waren und deutliche Akzente im Umgang bezüglich Toleranz und Harmonie gesetzt haben.
Dieser unterschwelligen Kritik bedient man sich auch weiterhin und führt somit ein großes filmisches Vermächtnis in die Hände jugendlicher Menschen, die auf ihre Art und Weise neu erkennen dürfen, wieviel Potenzial in unserer Rasse steckt und was man alles so aus sich rausholen kann.
In punkto Action und Abholwucht nimmt man sich hier ein deutliches Beispiel an dem soliden Fundament von Justin Lin, der seine Übertreibungsfehler aus dem Auto-Franchise bereut und diesmal – obgleich die Handlung sehr viel größer angelegt und das Spielfeld um Welten erweitert wurde – durchaus auf dem Boden der Glaubwürdigkeit bleibt und keine Lächerlichkeiten zur Schau stellt, die am Image des Films Schaden hervorrufen könnten.
Man wird als Zuschauer abgeholt, man genießt den trockenen Humor zwischen Captain Kirk und Spock und erfreut sich sowohl an grandiosen Action-Spektakeln alswie genauso an verbalen Diskursen, die an dieser Stelle nicht eingefleischten Englisch-Könnern durchaus zu schaffen machen könnten. Die dialoglastige Tiefe ist definitiv erreicht und füllt die Zeit erholsam auf, die man nach dem großartigen Abholen und Auf Trab bringen am Anfang des Films hat.
Die neue Crew erledigt ihre Dinge in meinen Augen genauso gewissenhaft und wohlüberlegt, auch wenn manch einer wohl nicht mit der etwas flachsigen Art von Chris Pine zurecht kommt, der hier wieder eine Nachfolgegeneration repräsentiert, von der sich ältere Semester per se angegriffen fühlen dürften, da hier keinerlei Bezug zum nachdenkenden Vorläufer hergestellt wird, sondern die Schauspieler ihre Rollen hervorragend kopieren und auf ihre Weise mit Leben füllen.
Ebenfalls erwähnenswert und vollständig ins Bild passend ist der neue Look der Filme, der hier in kühl gehaltenen Farben eine moderne, aber dennoch simple Welt konstruiert, die nichts von der ehemaligen Einfachheit gegenüber Star Wars einbüßt, aber dennoch vollständig modernisiert wurde und somit altes hinter sich lässt und neue Wege beschreitet, was wiederum proklamiert, dass man tatsächlich Neues schaffen möchte und keine ausgeleierten Kopien herstellt.
Und zu meiner allergrößten Freude war der endgültige Schritt nach draußen, der die Handlung nun in eine Welt wirft, die in Beyond einfach nur tierisch Spaß macht und Ängste wohl eher bei den Überlegungen aufkommen lässt, wie das nun weitergehen soll. Toppen sie sich im nächsten Teil selbst, läuft man wieder Gefahr an Übertreibung zu kranken, fahren sie zurück, mag man das als Blockade im Erzählfluss empfinden – der Grat ist auf jeden Fall schmal, auf dem man sich jetzt bewegt und in meinen Augen genau richtig austariert, um zwischen technischer Größe und schauspielerischem Talent eine Ausgewogenheit auf die Leinwand zu produzieren, die im Herz des Cineasten pure Freude aufkommen lässt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kurzum: Das hier ist der beste Star Trek dieses Jahrzehnts, den die Reihe seit dem Reboot erlebt hat.
Man läuft in genau die richtige Richtung, man hat filmisch den Zenit der Wohlgeborgenheit erreicht und konfrontiert die Zuschauer nicht nur mit ausgewogener Story, sondern auch mit satten Effekten und trächtigem Dialogreichtum.
Und genau diese Art von Film wünscht man sich doch, wenn man von Popcorn begleitet den Saal betritt und einfach nur einen verdammt geilen Kinoabend erleben will.
Also nutzt die Gunst der Stunde und abonniert euch den Männerabend im CinemaxX morgen bzw. kauft eure .kinotickets ab Donnerstag, wenn das Teil offiziell in den Kinos anläuft. Es lohnt sich endlich wieder einmal!

 
Nachspann
enthält keine weiterführenden Szenen, allerdings dürfte das Ende der Story noch lange nicht erreicht sein.

Green Room

Begriffserklärung: Als Green Room wird der Raum bezeichnet, in dem die Künstler und Musiker sich aufhalten, bevor oder nachdem sie ihren Auftritt auf der Bühne gehabt haben.
Besuchern der Vorstellung wird alsbald klar, weshalb sich der Autor zu diesem Titel entschieden hat, wobei Leser der Filmbeschreibung an der Kinokasse wohl eher weniger diesen Titel wählen dürften, da sich die kurze Inhaltsangabe eher nach einem billigen C-Movie als nach guter Unterhaltung anhört und somit wohl eher weniger die Massen in die Säle locken dürfte.
Gefundenes Fressen für einen gelungenen Sneak-Abend, an dem erfahrungsgemäß bevorzugt genau solche Nischenfilme gezeigt werden, die nicht die Bedürfnisse der breiten Masse befriedigen, aber dennoch künstlerisch wertvolles Schauspiel beinhalten.
Was hier unangefochten in alleroberster Liga mitspielt, ist die düstere, knisternde und allzeit unheimliche Stimmung verbreitende Atmosphäre, in die man von Anfang an hineingeworfen wird und aus der es kein Entrinnen gibt. Statt sich – durch Schmutz, Dreck oder anderweitige Plagen – langsam wieder nach oben zu kämpfen, rutscht man im Verlauf des Films immer tiefer in das Unheilvolle, bis es schließlich zum fulminanten Showdown kommt, bei dem man die Stärken des gewählten Genres plausibel ausspielt und die Zuschauer somit mit tiefen Erinnerungsfurchen wieder zurück in den Alltag entlässt.
Dass Schauspiel hier als “Musikfilm” zu bezeichnen, wäre ziemlich gewagt, zumal es ein sehr düsteres Kapitel der melodischen Kulisse anspricht, in dem sich mit Sicherheit die wenigsten aus den Reihen der üblichen Kinogänger zu Hause fühlen dürften. Jedoch gehört auch diese Art von Kunst zu der Geschichte der Musik und äußert sich hier in einem Fall von zerstörerischer Idylle, die so selten auf der Leinwand erlebt wurde und eben in meinen Augen gar nicht ins Regal der C-Movies gehört.
Gerade Schauspieltalente wie Anton Yelchin, dessen unvergessene Darstellung in Alpha Dog – Tödlichen Freundschaften ich nie vergessen werde und der vielen vielleicht eher als Kyle Reese aus dem vierten Terminator-Film bekannt sein dürfte oder der seinerseits eher bekannte Patrick Stewart, der mit X-Men und Star Trek bereits jetzt Filmgeschichte geschrieben hat, erheitern hier die Leinwand mit ihrer erfrischend neuartigen Darstellung in einem Genre, das man keinem von beiden in dieser Form zutraut.
Und der düstere Mix aus geschundener Abgeschiedenheit und der allzeit pulsierenden, teils vorausschaubaren, aber dennoch unglaublich gänsehautproduzierenden Atmosphäre lockt hier die Fans des Genrekinos in die Lichtspielhäuser und bietet eine Show, über die man auch nach dem Abspann noch einige Gedanken verlieren kann.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mainstreamkino sind anders aus, was einem hier blüht, steht bisher in keinem Lehrbuch und erfreute sich bei mir allergrößter Beliebtheit: Die pure Angst, die durch die Anwesenheit der Personen im Film produziert wird, lässt hier ein tiefschwarzes Schauspiel auf den Zuschauer los, das nicht nur die Seele an seiner dunkelsten Stelle ankratzt, sondern tiefe Wunden hinterlässt und einen froh darüber sein lässt, dass das Licht brennt, wenn man den Saal nach gesehener Vorstellung wieder verlässt.
FSK 18 wurde hier zurecht vergeben und die späten Spielzeiten deuten auch darauf hin, dass man endlich wieder begriffen hat, welches Zielpublikum der Film ansprechen darf. Zurecht ausgezeichnet, zurecht auf die späte Uhrzeit verbannt, ein Film, der ein düsteres Kapitel der Menschheit ausnutzt, um eine krasse Unterhaltungsstory daraus zu schöpfen.
Freunde dieses Genres dürften auf ihre Kosten kommen.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, der weitere Inhalte zum Besten geben würde – man darf den Saal also getrost verlassen.

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