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wenn aus filmen leidenschaft wird

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I Feel Pretty

Amy Schumer hat bei mir schon längst tiefe, schmerzende Spuren hinterlassen, die sie für mich persönlich als Subjekt filmischer Überzeugungskraft durchfallen lassen haben. Ein Film mit Amy Schumer ist für mich gleichbedeutend mit Langeweile, Fremdscham, niveaulosen Jokes, abwesender Tiefgründigkeit … sowas eben.
Wenn ich also in einen Saal voller Frauen spaziere und mir einen Film mit Amy Schumer anschaue, dann mit entsprechend abwesenden Erwartungen.
Und dafür hat mich I Feel Pretty wahnsinnig positiv überrascht!
Manche erinnern sich vielleicht noch an Embrace – ich würde sagen, das hier ist dasselbe, nur in Spielfilmform. Die Botschaft und Idee gehört vielleicht ein paar Dekaden weiter in die Vergangenheit, aber – sind wir mal ehrlich – waren es nicht diese Filme, die damals unser Herz erobert haben und damit restlos funktionieren? Genau dafür ist Kino doch wie geschaffen: Um auf der Leinwand etwas zu zeigen, dass unser Kindsein weiterhin am Leben erhält. Dass uns dabei unterstützt, weiter zu träumen und sich von dem Realismus, den man als Erwachsener in der Welt erlebt, seelisch nicht vollends umbringen zu lassen.
Genau darin liegt doch unser Problem: Sobald das Erwachsensein auf den Plan tritt, opfern die Menschen bereitwillig all das, was ihnen vorher dabei geholfen hat, ein unbeschwertes Leben zu leben, nur um anschließend darüber zu jammern, wie schwer doch alles geworden ist.
I Feel Pretty überredet einen dazu, erneut über solche Dinge nachzudenken und sich einfach mal wieder in eine Geschichte entführen zu lassen, die nichts mit ihren bösen Schwestern gleichen Genres’ zu tun hat: Man wird nicht mit dieser übertriebenen Peinlichkeit überschüttet, sondern alles findet in sehr ruhigen, subtilen und fast schon ernstzunehmenden Situationen statt, die das Augenmerk wirklich auf das Wesentliche lenken, ohne dabei hier und da den Humor zu vergessen.
Das Publikum im Saal hatte auch sichtlich Spaß dabei und sogar ich selbst habe mich an vielen Stellen erwischt, wie ich einfach lachen musste, nicht weil’s peinlich war, sondern Schumer hier tatsächlich zu Höchstformen aufläuft und ihr altes Film-Selbst damit mehr als in den Schatten stellt.
Und das, was dieser Film transportieren möchte, ist ungemein wichtig und ich glaube fest daran, dass die Message auch die entsprechenden Personen erreichen wird und ihnen zu neuen Höhen aufhilft.
Ist es nicht das, wofür Kino einst gedacht war? Den Menschen weiterhin träumen zu lassen? Ihm weiterhin Hoffnung zu schenken und ihn glauben zu lassen, dass er alles schaffen kann, wenn er nur will?
Abseits all dieser “Niveaulosigkeit”, den viele Kritiker diesem Film attestieren, empfand ich die eigentliche Botschaft hervorragend rübergebracht und auf einem völlig glaubhaften Fundament begründet, dass hieraus nicht nur einen wunderbar erzählten Filmabend macht, sondern eben auch eine Grundsatzfrage meisterhaft beantwortet.
Mögen sich viele nach diesen Weisungen richten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Überraschend gut gelungen und in meinen Augen der perfekte Film, um in der Ladies Night zu laufen.
Egal, was andere darüber schreiben: Ich finde, der Film gehört in die Kinos und sollte gesehen werden, denn diese ruhigen Töne, das zur Abwechslung mal richtig bereichernd Normale, birgt eine ernstzunehmende Weisheit, über die manche mal diskutieren sollten.
Embrace hat damals eine grundsätzliche Sache klargestellt und dieser Film liefert den nötigen Realismus dazu, um mehr Menschen dazu zu verhelfen, ein einfaches, wunderbares – ja fast traumhaftes Leben zu führen ohne sich von den ganzen Irrgedanken runterziehen zu lassen.
Deshalb ist I Feel Pretty in meinen Augen mehr als gelungen und zählt als die positive Überraschung der Woche!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 10. Mai 2018

The Commuter

Wer erstklassige Action sucht mit grundsoliden Festen, auf denen dieser Erzählspaß fußt, sollte um Liam Neeson einen leichten Bogen machen, denn der äußert sich eher in subversiver Materie, die nicht ganz vorne dran mitspielt, sich aber in den letzten Jahren durchaus seinen Bereich freigekämpft hat.
Dann kam The Secret Man und auf einmal war der Mann riesengroß!
Entsprechend stiegen auch meine Erwartungen und für Übernahme-Dramen hab ich immer etwas übrig, allerdings mittlerweile auch mit sehr gestiegenem Niveau und hohen Ansprüchen.
Der .trailer zu The Commuter (deutsch: Der Pendler) tut sein übriges und teasert wieder eine völlig neue, geile Idee an, für die Neeson wie geschaffen zu sein scheint und der Film dann … naja.
Jüngst hat man darüber diskutiert, wieso Hollywood es so liebt, in Filmen mit Zügen zu arbeiten: Sie bringen Fahrt auf, treiben die Story voran, bringen Geschwindigkeit und Drive in die Sache … und all das findet man in The Commuter eher weniger, ganz im Gegenteil: Es zündet irgendwie nicht so richtig, die Gespräche deuten zwar hochdotierte Kost an, aber das Ergebnis ist dann genauso ernüchternd wie der Blick in den FastFood-Karton eines Burgers.
Und das ist eigentlich traurig, denn das Thema ist spannender denn je und gewinnt in unserer Zeit sogar immer mehr an Bedeutung im Umgang mit dem sozialen Umfeld.
Dass hier dann so enorm mit Effekten, Spannungsbögen, gefühlter Geschwindigkeit und dem durchdringenden Rumms eines unaufhaltsamen Zuges gespart wird, deutet an, dass dieser Film wohl bald wieder aus den Kinos verschwinden wird, obwohl die Zuschauerzahlen noch im angenehmen Bereich sind. Und das Ende ist gelinde gesagt einfach erbärmlich und gnadenlos mit dem Zuschauer, der hier entweder verstört aufspringt und aus dem Saal rennt oder enttäuscht sitzen bleibt und sich fragt, warum das jetzt alles.
Da hätte man den Drehbuchschreibern einfach noch ein paar mehr Nächte aufs Auge drücken müssen, um hier einen etwas glückseligeren Ausgang zu finden, was nicht zwingend bedeuten muss, dass man an der Positiv-Negativ-Waage etwas drehen muss. Nur der Twist ist insofern nicht wirklich da und offeriert eher Lustlosigkeit denn Leidenschaft – sehr zum Leidwesen desjenigen, der sich voller Vorfreude ein .kinoticket für die Show gebucht hat und wieder einmal verblüfft werden will.
 

.kinoticket-Empfehlung: Neeson kehrt zu alter Gewohnheit zurück und überzeugt wieder in seinem bekannten Business ohne großartige Überraschungen oder nennenswerte Elemente.
Der Film ist solide verpackt in unterschwelligem Humor und bringt es die ganze Laufzeit über kein einziges Mal fertig, so richtig Fahrt aufzunehmen. Das Potenzial, dass man anfänglich in den Dialogen noch samenhaft streut, lässt man danach sofort verrotten und wendet sich lieber salonfähiger Action zu, die weder beeindruckend noch nachhaltig ist – in meinen Augen einfach verschenktes Potenzial.

 
Nachspann
braucht man nicht abzuwarten, auch wenn das Design wunderschön gemacht ist. Wer das genießen möchte, darf dies natürlich gerne tun.
Kinostart: 11. Januar 2018

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