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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Amputation

Stronger

Wir bleiben im echten Leben und befassen uns mit einer weiteren Persönlichkeit, die es international zu einiger Berühmtheit geschafft hat, auch wenn die Ereignisse dazu höchst tragisch sind.
Letztens gab es schon einmal so einen Film dazu (klickt nicht, wenn ihr euch nicht spoilern lassen wollt), den ich nicht wirklich gelungen fand und der auch hierzulande allgemein nicht sonderlich gut ankam.
Stronger schildert nun eben jene Ereignisse erneut, nur aus einer völlig anderen Sichtweise, der es meiner Meinung nach wesentlich besser gelingt, die menschliche Komponente zu behalten und tatsächlich direkt in das Leben der Betroffenen einzusteigen.
Natürlich wird man auch hier wieder erschlagen von amerikanischem Patriotismus und es braucht jede Menge Kulanz gegenüber dieser kulturellen Eigenart, die man sich in Deutschland oft weg wünscht. Ohne diese Dinge würde der Streifen aber – zumindest in Amerika – gar nicht funktionieren.
Das Pathos, das man bei solchen Filmen in der Moral erwartet, wirkt längst nicht so übertrieben und abgedreht, sondern erstaunlich bodenständig und unaufgeregt, was mir persönlich den Film sehr sympathisch machte.
 

.kinoticket-Empfehlung: So umwerfend, dass man ihn unbedingt gesehen haben muss, fand ich ihn jetzt nicht.
Wer sich allerdings mit den Ereignissen von 2013 erneut auseinandersetzen und diesmal nicht von der Leinwand herab enttäuscht werden will, dem sei dieser Streifen wärmstens empfohlen.
Gyllenhaal und Maslany liefern beide tolle Shows ab und mit dem überbordenden Patriotismus, der diesen Dingen folgt, muss man sich halt einfach abfinden.

 
Nachspann
braucht nicht ausgesessen zu werden, es folgt nichts mehr.
Kinostart: 19. April 2018

Die Verführten

Sofia Coppola auf dem Regiestuhl ist meist ein Garant dafür, dass ein Film einschlägt. Die Frau hat nicht nur einen anbetungswürdigen Vater als Regie-Vorbild, sondern ihren ganz eigenen Stil entwickelt, den sie mit Herzblut, Liebe und Hingabe jedes Mal auf die Leinwand zeichnet, ohne sich dabei von anderen beirren zu lassen.
Und so etwas ist selten. Schon in The Virgin Suicides habe ich ihre Arbeit bewundert und die Liebe zu ihrem Stil entdeckt. Umso erfreuter war ich, dass im Kino demnächst wieder ein Stück von ihr zu sehen sein wird und habe mit Freuden darauf hingefiebert.
Die Verführten lockt ja im Trailer schon mit einer außergewöhnlichen Story und kitzelt die Zuschauer bereits ein wenig in punkto Horroranflüge. Der Film selbst packt die Sache dann allerdings völlig anders an und löste nicht nur bei mir die Reaktion aus, etwas völlig anderes bekommen als erwartet zu haben. Sei’s drum.
Der prägende Stil, den sie sich für ihre neueste Schöpfung ausgesucht hat, orientiert sich natürlich auch wieder pedantisch an der gewählten Zeit und sorgt mit viel Detailreichtum und Aufmerksamkeit für ein authentisches Bild dieser Epoche. Die dadurch erzeugte Sphäre wird zusätzlich aufgeladen, da alle Schauspieler sich gemeinsam auch zwischen den Drehs in ihrer Rolle beschäftigten um somit mehr Glaubwürdigkeit zu erzielen.
Nicht nur beim Design der Klamotten und dem Ausschmücken der Szenen, sondern auch in den Erzählsträngen spürt man sofort, dass hier sehr viel Detailverliebtheit am Start war. Auch die Darsteller berichten darüber, dass die Arbeit mit Sofia sehr angenehm, verspielt und fachlich sicher gewesen ist. Das für die heutige Zeit eher ungewöhnliche Format des Films zeigt, dass ihre Entscheidungen wohl durchdacht und mit Sinn getroffen worden sind, denn sie wollte durch das 1:1,66 Bildformat mehr Ausdrucksmöglichkeiten für die Körpersprache erreichen.
Sich dann mit Thematiken zu beschäftigen, die in heutiger Zeit wohl kaum noch eine Rolle in der Öffentlichkeit spielen, diese aber so immens beeindruckend und von allen Dingen unterstützt auf die Leinwand zu konzipieren, ist großartige Regiearbeit, die sonst keiner so innig ausführt.
Der Film lebt quasi mehr oder weniger von der Kulisse, den Regeln, den Gemeinsamkeiten und Entwicklungen, die jede Generation für sich mit der Situation macht. Dadurch erzählt sie in ihrer Buchverfilmung eine Story, die nicht nur absolut realistisch wirkt, sondern auch dieses verlorene Bild der Protagonisten mitsamt ihren Schwierigkeiten vermittelt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Definitiv ein Stück sehenswerte Kinogeschichte, dass sich mit einer Zeit beschäftigt, die unsere heutigen Probleme um ein Vielfaches unterwandert.
Die Details, die Vorarbeit und das wohldurchdachte Konzept sprühen aus jeder Szene und vermitteln ein authentisches und beklemmendes Bild einer mehr als eigensinnigen Situation. Dies dann in 89 Minuten fesselnd auf die Leinwand zu bringen und etwas völlig Abstruses zu erzählen, schafft nur jemand in 26 Drehtagen, der sein Handwerk wirklich versteht.
Freunde alter Filme, die ganze “Damenkleider”-Fraktion und Menschen mit Liebe für eine außergewöhnliche Story finden hier sicherlich Gefallen dran.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden. Nach der letzten Klappe ist wirklich Schluss.
Kinostart: 29. Juni 2017

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