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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Amerika Page 1 of 2

The First Purge

Wenn “Purge” im Titel vorkommt, darf bei den Producern so viel Blumhouse Productions stehen, wie will: Dann hab ich mit diesem Label meinen absoluten Frieden. The First Purge ist nach The Purge – Die Säuberung, The Purge: Anarchy und The Purge: Election Year bereits das vierte Filmchen dieser grandiosen Spielfilmreihe und begeistert ein weiteres Mal mit unerwartetem Tiefgang und grandiosen Horrorfilmeinlagen.
Inzwischen hat Blumhouse Productions als Probier-Label von sich reden gemacht, die Dinge testen, die sich sonst keiner der großen Studios mehr traut. Die Produktionskosten sind in fast allen Fällen überschaubar gering und somit ist ein möglicher Flop durchaus verschmerzbar, zumal sich kommerziell gesehen in letzter Zeit öfters ausgezahlt hat, dass man sich solch neuer Filmversuche angenommen hat.
The First Purge ist kein Filmversuch mehr, sondern bereits die dritte Fortsetzung einer großartigen Filmidee, die eben nicht auf stupides Blutgeplänkel und billige Gore-Effekte setzt, sondern sich psychologisch als auch politisch mit möglichen Szenarien einer absurden Welt auseinandersetzt und diese einfach mal durchexerziert. Entertainment at it’s best: Man nutzt gekonnt die Leinwand für psychologische Spielchen, die in der realen Welt undenkbar wären und sorgt so für großartige Unterhaltung in ihrer vollen Blüte! Es macht einfach nur Spaß.
Nun könnte man meinen, dass man im vierten Teil nun endlich allen Saft aus dem Wollmilchkuhschwein herausgepresst hätte und nicht mehr viel Neues hinzukommen kann: Es wurde alles gesagt, es wurde alles gezeigt und nun geht’s in immer wiederkehrende Wiederholungen rasant in Richtung Langeweile? Nein! Genau diese Erwartungen mag man vielleicht als unvoreingenommener Kinobesucher anfangs haben, aber genau da erlebt man, weshalb ich diese Filmreihe so sehr schätze: Man trumpft mit Inhalten und gibt sich nicht mit billigen Wiederholungen zufrieden.
Es sind eben nicht die sonst bekannten Splatter-Erfahrungen, die abseits jedweder Vernunft und Größe den Geist dieser Horrorlandschaft ausfüllen, es sind wohl durchdachte, provokante und tiefgründige Gedankenexperimente, denen man Leben einhaucht und ihnen Bilder und Töne angedeihen lässt, damit sich der Zuschauer gänzlich darauf einlassen und die Folgen dessen genießen kann. Selten hab ich so viel Menschlichkeit in einem Film gesehen, dessen Aufgabe es ist, das Leben in jeder Form zu verachten und den niederträchtigsten Gelüsten Freiraum zu verschaffen!
So mag vielleicht der ein oder andere enttäuscht sein, weil die Werbung, .trailer und Poster andere Töne angezeigt haben, der Film selbst überrascht aber mit einer großartigen Portion Seligkeit und türmt dabei die professionellen Erwartungen an diese Filmreihe weiter nach oben auf: The First Purge zeigt Größe und beweist einmal mehr, dass Horror nicht gleich Stumpfsinn sein muss: So wird’s eben richtig gemacht!
 

.kinoticket-Empfehlung: Anders, als so manch einer vielleicht erwarten würde, aber dafür umso reichhaltiger und bewundernswerter: The First Purge opfert seine Liebe dieser ausgefallenen Idee und steht als Prequel ganz oben auf dem Treppchen der gelungenen Fortsetzungen.
Soundtrack, Kulisse, Dramaturgie und Tiefgang als auch Kostüme und Masken: Hier hat man richtig investiert und sorgt einmal mehr für offenes Staunen und Verwunderung, wenn auch aus völlig anderen Beweggründen als anfangs angenommen. Diesen Film darf man sich als wahrer Purge-Fan sowieso nicht entgehen lassen!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, es sei denn, man steht auf den Soundtrack 😉
Kinostart: 5. Juli 2018

Rampage – Big meets Bigger (3D)

Dann schauen wir mal, wie gut ihr alle mit Vorurteilen umgehen könnt 😀 – und beginnen gleich mal mit einem Schauspieler, der sich in letzter Zeit irgendwie sein eigenes “Genre” aufgebaut hat: Dwayne Johnson.
Gebt zu, wenn ihr seinen Namen lest, denkt ihr alle an die Art Film, in der er gefühlt permanent vertreten ist – und schaut man sich seine Filmografie mal näher an, ist deutlich erkennbar: Dieser Typ hat seinen Style, Filme zu machen, gefunden und lebt ihn:
The Scorpion King
Welcome to the Jungle
San Andreas
Central Intelligence
Baywatch
Jumanji – Willkommen im Dschungel
Es ist irgendwie immer die gleiche Variante von “billigem Humor”, gepaart mit einer Unzahl an übermenschlichen Kräften und Muskelspielchen, bei denen er prollhaft seine Männlichkeit demonstrieren und über den Normalo obsiegen kann. Alles jenseits der realen Möglichkeiten physischer und psychischer Konstellationen.
Stellt euch das Szenenbild doch einfach mal mit Orlando Bloom in der Hauptrolle vor: Funktioniert?
Nicht wirklich. Hier fehlt nämlich die protzende Stärke, mit der er u.a. auch in der The Fast and the Furious-Reihe vertreten ist und dort innerhalb der Fangemeinde für einigen Unmut sorgt, da er angeblich nicht dort reinpasst und zu der scharfen Antiheld-Coolness eines Vin Diesel einfach einen zu proletenhaften Gegenpol bildet.
Und genau deshalb ist er für Rampage – Big meets Bigger perfekt: Es ist ein Film, der zu ihm passt, der ihm genügend Nährboden für seine Ausflüchte bietet und ihm das Wasser reicht.
Achja: Rampage ist ein Computerspiel und daher zählt dieser Film auch zu den Spieleverfilmungen, die … Fluch … und so … ihr wisst schon.
Mit über 335 Mio. Einnahmen bislang kann sich dieser Film aber bereits in der Top 10 Liste der erfolgreichsten Filme des Jahres 2018 wähnen und ist dabei noch nicht mal in Deutschland angelaufen … und das hat einen Grund: Er funktioniert.
Wenn man mit den Vorurteilen klar kommt.
Ich glaube, Dwayne Johnson-Fans wissen bei seinen Titeln genau, worauf sie sich einlassen und schrauben daher keine widernatürlichen Erwartungen in absurde Höhen, sondern gehen mit einem gemächlichen, Popcornentertainment-Gefühl ins Kino, um sich einfach gut unterhalten zu lassen. Ohne Anspruch, ohne Tiefgang, einfach nur gute Action und mittelmäßige Jokes.
Dem entgegen steht der anfängliche Start des Films, wo durchaus andere Erwartungen geweckt werden könnten, jedoch wird sehr schnell klar, in welche Richtung sich das alles bewegen wird und als Zuschauer gelangt man schnell an den Punkt, wo es einfach heißt: Actiondauerfeuer und CGI-Explosion. Mass-Destruction und abartige Zelebration einer übermäßigen Devastation.
Nichts verstanden? Macht nichts. Auf die Story oder andere tiefgreifende Elemente kommt es nämlich überhaupt nicht an, im Gegenteil: Die hätte gern auch noch etwas platter ausfallen dürfen, hauptsache das Maß an Action stimmt.
Und hier fährt man gewaltige Geschütze auf und verbreitet so viel Spaß in den Räumen, dass einem die Laufzeit von 108 Minuten viel zu kurz vorkommt. Für den nächsten Männerabend im Kino absolut perfekt. Für Action-Liebhaber und Freunde von brachialer Zerstörungswut ein gefundenes Fressen.
Für Bierchen, Popcorn, Hirn aus und eine grandiose Filmschlacht ohne Anspruch feiern: Perfekt!
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Streifen zeigt nirgendwo Andeutungen auf, dass er gern mehr sein möchte: Er ist ehrlich und damit liebenswürdig und funktionierend: Man bekommt gewaltiges Action-Gewitter mit Szenen, die optisch und klanglich überwältigend sind und dem Zuschauer einmal mehr einen guten Grund bieten, sich in ein Kino zu setzen und ihn nicht irgendwo anders zu schauen.
Dann – und nur dann – macht er richtig Spaß!

 
Nachspann
Macht in 3D sicher auch richtig Spaß – allerdings funktioniert der Streifen genauso in 2D – also überlegt es euch. Sitzenbleiben, wenn ihr mögt – muss aber nicht.
Kinostart: 10. Mai 2018
Wer ihn gerne vor Kinostart schon sehen möchte, kann dies im Rahmen des Männerabends z.B. im CinemaxX München bereits am 9. Mai 2018 um 20:15 Uhr tun.

The King – Mit Elvis durch Amerika

Was soll ich dazu sagen?
Manch einer erwartet jetzt vielleicht wieder eine Musikdoku. Manch einer erkennt Elvis und fühlt sich zurückerinnert an das schräge Zeitalter, wo es scheinbar nichts anderes gab – und denkt sich, darüber wurde jetzt wohl ein Film gedreht.
Andere schauen sich das Plakat an und fragen sich: Was hat Ethan Hawke, Ashton Kutcher oder Alec Baldwin mit Elvis zu tun?
Na vielleicht reisen sie. Immerhin heißt es ja “Mit Elvis durch Amerika”, es kann also nur …
Leute? Vergesst es!
Es ist viel besser!
Richtig, richtig abgefuckt geil!
Ich habe noch niemals – wirklich noch niemals – eine so verschachtelte, anspruchsvolle, ineinander verwobene und abstrus konstruierte Dokumentation im Kino gesehen, die ein so scheinbar plattes Thema hat.
Der Anspruch, den man sich hier selbst gesetzt hat, zur elitären Elite der Eliten zu gehören und etwas abzufeiern, das weit entfernt von dem ist, was damals passierte, ist mehr als gelungen.
Dieser Trip ist außergewöhnlich – und es lohnt sich definitiv, den Gang ins Kino auf sich zu nehmen! Man ist nämlich keine Elite, sondern einfach nur verdammt gut! Was hier gemeistert wurde, muss gesehen werden – und die Botschaft ist höllisch geil! Glaubt mir, auch wenn es anfangs vielleicht schwer fällt, in die Sache einzusteigen – am Ende werdet ihr es nicht bereuen. Zumindest nicht, wenn ihr auf Filme mit Köpfchen, Sinn und Verstand steht.
Im Leben wäre ich nicht auf die Idee gekommen, genau das in dieser Art und Weise zu erzählen … und schon gar nicht hätte ich es geschafft, das so gelungen rüberzubringen … ich meine: Am Ende geht man echt mit Plausibilität vollgefrühstückt wieder aus dem Saal und denkt sich einfach nur: Wie geil war das denn bitte jetzt?
 

.kinoticket-Empfehlung: Tut euch selbst den Gefallen und sucht das Kino, das diesen Titel definitiv im Programm hat.
Ich habe noch niemals eine großartigere Dokumentation über so etwas gesehen, geschweigedenn diese geniale Verkettung von ineinander verwobenen Verflechtungen darin exhumiert. Dieser Trip ist Adrenalin für das Gehirn – holt euch eure Dosis und feiert dieses Werk genauso ab wie ich!

 
Nachspann
endet smooth, ihr müsst also nicht sofort aufspringen – lasst euch ein wenig Zeit.
Kinostart: 19. April 2018

Shape of Water – Das Flüstern des Wassers

Mit 13 Oscar(r)-Nominierungen an der absoluten Spitze der diesjährigen Vorfreude auf die Academy Awards hat dieser Film bereits jetzt etwas völlig richtig gemacht!
Und das kann man von Guillermo del Toro’s Filmen generell behaupten: Er versteht es, den Zuschauer gleichermaßen zu faszinieren und zu schocken. Dafür hat man sich hier ein unglaublich sinnliches Beispiel hergenommen, mit einem exzellenten Cast besetzt und daraus eine Geschichte gemacht, die man so schnell nicht wieder vergisst.
Die Grenzen zwischen unbändiger Liebe und roher Gewalt verschwimmen auch hier wieder zu einer märchenhaften Erzählung, deren Wurzeln viel zu tief im Realismus des Erwachsenseins verankert sind, als dass man sie tatsächlich als Märchen abtun könnte. Shape of Water ist so viel mehr!
Es fällt wieder schwer, über etwas zu reden, ohne zu spoilern, aber ich denke, ich nehme nicht zu viel vorweg, wenn ich sage, dass man hier in allen Facetten mit ausdrucksstarker Bildgewalt gearbeitet hat, die weit über Worte hinausgeht. Um diese schauspielerische Vielfalt erbringen zu können, wurden nicht die Rollen geschrieben und anschließend nach Kompromissen gecastet, sondern jeder Einzelne stand bereits vorher fest und ihre Rollen wurden an die Stärken dieser Schauspieler angepasst.
Daraus erblüht eine Basis, auf der sich jeder Protagonist vollkommen ausleben und “er bzw. sie selbst” sein konnte, was vorzeiglich zu diesem Nominierungsergebnis geführt hat. Daraus lässt sich erkennen, dass der Zuschauer es ungemein schätzt, wenn Charaktere authentisch sind und nicht nur versucht wird, etwas möglichst gut zu spielen.
Aber del Toro hat auch ein unglaubliches Gespür dafür, Menschen zu fesseln und sie in ihren eigenen Emotionen ertrinken zu lassen, indem er Szenerien erschafft, in die man sich einlullt, nur um anschließend von ihm wieder durchs Eck gebeutelt zu werden. Diese unfassbare Erzählstärke und bildgewaltigen Ausdrücke einer tiefsinnigeren Welt mit Elementen, die einen aus dieser hier entreißen, erschafft ein filmisches Monument, dass ich im März einfach ausgezeichnet sehen will – weil es gottverdammtnochmal verdient ist!
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier explodieren Nominierungen und Auszeichnungen aller Art und das hat einen Grund: Dieser Film basht so ziemlich alles vom Thron, was vorher mal daran geglaubt hat, hier Platz nehmen zu dürfen.
Diese Zeiten sind vorbei, denn Shape of Water – Das Flüstern des Wassers eruiert den Meilenstein des Kinos völlig neu und belegt dabei gleich mal das Treppchen ganz oben. Gut gemacht!

 
Nachspann
Braucht man nicht sitzen bleiben – aber genießt das geniale Gefühl, mit dem euch der Film wieder nach draußen schickt einfach noch ein wenig.
Kinostart: 15. Februar 2018

Barry Seal – Only in America (mit Gewinnspiel)

Gleich zum Gewinnspiel? Dann einmal bitte ganz nach unten scrollen … 😉
Nachdem uns in Die Mumie Tom Cruise alle so wahnsinnig negativ begeisterte, wird es Barry Seal – Only in America unglaublich schwer haben, mit ihm als Frontmann wieder Punkte beim Publikum abzugreifen oder generell die Säle gefüllt zu kriegen. So zumindest mal meine Vermutung.
Und das ist schade, denn dieser Film hätte ausgebuchte Vorstellungen unglaublich verdient. Der Hype um diesen kontroversen Darsteller wird im Film nämlich absolut beiseite geschoben und einer Erzählung Platz gemacht, die es wert ist, von den Menschen gehört zu werden.
Dem Zuschauer hierzulande bleibt wohl nur der Vorschuss an Vertrauen, wenn man erklärt kriegt, dass diese Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht, die von Produzent Doug Davison und Drehbuchautor Gary Spinelli aus den Akten hervorgekramt wurden. Ich möchte nicht mal abschlagen, dass es sich hier tatsächlich um Tatsachen handelt, denn – wie jeder so schön aus dem Filmregelwerk weiß – ist eine Geschichte dermaßen bizarr, kann sie nur wahr sein.
Und dazu gesellt sich dann ein unglaublich frischer, spaßig aufgelegter und gute Laune verbreitender Tom Cruise, der wie aus einem anderen Holz geschnitzt zu sein scheint und hier mit Frohsinn und Leichtigkeit seine Rolle spielt, die den Patzer aus seinen vorherigen Werken leicht vergessen lässt.
Und obwohl es eigentlich um seine Person geht, steht er als Persönlichkeit vollständig im Hintergrund und überlässt wieder dem Charakter, den er darstellen soll, das Spielfeld. Die Selbstbeweihräucherung fehlt und genau das gibt Barry Seal so unglaublich viel Auftrieb.
Man hat als Zuschauer enorm viel zu lachen, zu staunen, zu bewundern und zu sehen, dass die die Laufzeit von 115 Minuten wie im Flug vergeht. Und das Prädikat “Besonders wertvoll” wurde auch zu recht verliehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Cruise ist wie ausgewechselt und verbreitet auf einmal ganz andere Stimmung im Kino.
Der Film ist intelligent, unglaublich, wahnsinnig unterhaltsam und unfassbar und damit ein Garant für einen gelungenen Kinoabend mit der Freundesclique.
Also .kinoticket gekauft und ab in die Kinos!

 
Nachspann
bringt keine weiteren Überraschungen mit, wer also unbedingt raus muss, darf dies konsequenzlos tun.
Kinostart: 7. September 2017

* * GEWINNSPIEL * *

Universal Pictures hat euch fünf Plakate zur Verfügung gestellt, die euch den Kinostart von Barry Seal versüßen. Wie kommt ihr dran?
Ganz einfach unter diesen Beitrag oder auf Facebook im Post euren Lieblingsfilm kommentieren, in dem Tom Cruise mitgespielt hat. Die Auswahl ist ja groß.
Hier mal eine kleine Auswahl:

Es zählen alle Kommentare, die bis einschließlich 10. September 2017 unter einer der beiden Beiträge eingegangen sind. Kommentieren mehr als 5 Personen, entscheidet das Los. Ein Anspruch auf Barauszahlung des Gewinns besteht nicht.
Facebook oder andere Seiten / Firmen sind nicht in das Gewinnspiel involviert. Die Verlosung wird ausschließlich durch www.kinoticket-blog.de ausgeführt und die zu verlosenden Plakate von Universal Pictures International gestellt.
Ich wünsche jedem von euch viel Glück und natürlich mega viel Spaß und beste Unterhaltung im Kino bei Barry Seal – Only in America.
Ben

The Promise – Die Erinnerung bleibt

Meine Erwartungen an diesen Film habe ich beim Startschuss der .trailer-Kategorie ja hier bereits mitgeteilt und es wird höchste Zeit, dem Film nun seine endgültige Bewertung zu verpassen und euch zu verkünden: Meine Einschätzung war absolut richtig, denn das Werk hat meine Ansprüche weit übertroffen.
Wie dem Plakat bereits ansatzweise zu entnehmen ist, wartet man hier mit absolut eindrucksvollen und einprägsamen Bildern auf, die eine visuelle Gewalt auf den Zuschauer loslassen, die bleibende Eindrücke hinterlässt.
Sich mit einem Thema zu beschäftigen, dass in der Zeit lauten Geschreis in der Welt nahezu unterzugehen scheint und nirgendwo weltweit derartige Aufmerksamkeit zugesprochen bekommt, zeugt von verantwortungsbewusster Hingabe, den Menschen außerhalb von Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen die Möglichkeit zu geben, sich inmitten von Unsicherheit, Krieg und Verwirrung der Dinge habhaft werden zu lassen, die in der Vergangenheit himmelschreiendes Unrecht verursacht haben und bis heute ungesühnt sind.
The Promise unterrichtet hier vielmehr als er unterhält, auch wenn die Spannung teilweise kaum zu ertragen ist. Sicherlich hat man an einigen Stellschrauben für die cineastische Tauglichkeit gedreht, um den Plot soweit zu perfektionieren, dass die unbewussten Erwartungshaltungen der Zuschauer im Stillen befriedigt werden. Was jedoch sehr viel mehr heraussticht, ist der Blick auf eine Sünde, die bis heute nach Gerechtigkeit schreit und der man sich jetzt endlich (wenigstens) im Kino annimmt.
Schon in der Vergangenheit habe ich oft behauptet, dass die Leinwand ein mächtiges Instrument ist, um all die Schäden zu reparieren, die anderswo verursacht wurden und breitgefächerte Veränderungen herbeizurufen. Mit dieser Meisterleistung schafft man damit ein gnadenloses Vorbild für solche Filme.
Was mich ungemein beeindruckt hat, ist die absolut ruhige, zielstrebsame und wirkungsvolle Kraft, die sowohl den Bildern als auch dem Soundtrack inne liegt. Mit Oscar Isaac hat man ebenfalls einen Hauptdarsteller gefunden, der in die Rolle perfekt passt und mit seinem Unverbrauchtsein auch nicht an das gegenseitige Aufmerksamkeits-Bekriegen von VIP-Persönlichkeiten erinnert, sondern der sich integrativ in seine Rolle einfügt und neben Schauspielgrößen wie Christian Bale eine unglaublich gute Verkörperung seines Charakters abliefert. Überhaupt gehört der Casting-Crew ein großes Lob ausgesprochen, denn die Schauspieler wurden tatsächlich erstklassig besetzt.
Schaut man in das herzerweichende Gesicht von Charlotte Le Bon, fühlt man automatisch mit ihr, was die emotional-tiefgreifende Wirkung ihrer Rolle noch viel mehr bekräftigt. Damit distanziert man sich von der üblichen Klischee-Lovestory mit irgendwas drumherum, sondern erschafft eine völlig neue Erzähl-Dimension, die sich zwar auch mit Bindungen beschäftigt, jedoch einer weitaus größeren Sache die Bühne nicht abspricht.
Diese respektvolle Zuwendung an die höhere Sache und die wirklich unglaublich wirksame Darstellung, die sich im Verlauf des Films immer mehr zuspitzt und in einem unfassbaren Finale mündet, hinterlässt beim Zuschauer auf jeden Fall bleibende Eindrücke und verschafft damit durch die Veröffentlichung den Geschädigten dieses historischen Ereignisses nachträglich Gerechtigkeit.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn die Kinos derzeit mit anderen Blockbustern geflutet werden und sich die allgemeine Aufmerksamkeit ganz woanders befindet, so – oder gerade deshalb – ist der Blick in diese Nische um so wichtiger, denn hiermit erhält man eine Perle, die ihre unglaubliche Kraft erst auf der großen Leinwand entwickelt.
Der Weg ins Independent-Kino sollte also dringlich (und vor allem zügig) angetreten werden, denn die Show lohnt sich. Und das nicht nur wegen der beeindruckenden Kameraführung oder dem stilvollen Gabriel Yared-Soundtrack, sondern vor allem wegen dem, was uns die Macher damit erzählen wollen.
Definitiv reingehen, so lange er läuft.

 
Nachspann
Musik – ich liebe Musik und gehöre schon von Kindheit an zu denjenigen, die den Kompositionen im Abspann niemals abgeneigt waren. Wer jedoch neue Szenen oder andere Überraschungen möchte, wird diesmal nicht fündig.
Kinostart: 17. August 2017

Nebel im August

Das Wetter ist herrlich, die Sonne scheint – also sucht euch schleunigst ein Arthouse-Kino und verzieht euch dort rein, bevor es zu regnen anfängt, denn: Nebel im August läuft sicher nur noch in ausgewählten Kinos und bevor auch das völlig zu spät ist, weise ich euch lieber schnell darauf hin, diesen Film noch zu sehen.
Warum?
Weil. Deshalb. Darum.
Ich hab keine Ahnung, welche Gründe man anführen sollte, um Menschen in dieses eher triste Schauspiel reindrücken zu wollen, das auf den ersten Moment eher einer zweitklassigen Fernsehproduktion gleichkommt als einem herausragenden Kinofilm. Aber seid euch gewiss: Letzteres ist der Fall.
Der Cast wurde mit Persönlichkeiten bestückt, die nicht nur weit über sich selbst hinauswachsen, sondern durch ihr Schauspiel so immens viel Sympathie aufbauen, dass man allein schon aus “Oh mein Gott, ist der zum Knuddeln”-Gründen mit den Darstellern mitfiebert und hofft, dass alles gut ausgeht.
Und so beschwingt-langsam und behände unspektakulär wie der Film anfängt, so zermürbend-überragend ist das, wohin es sich entwickelt: Wem hiernach nicht der Schock tief in den Gliedern festsitzt (und diese verdammte Geschichte ist wahr !!!), der hat absolut keine Gefühle!
Während der Vorstellung hab ich ernsthaft überlegt, wie man es hinkriegt, dass sämtliche AfD-Wähler diese Vorstellung sehen und gleichzeitig kapieren, was da passiert ist, aber die fänden das wohl eher noch zum Schreien und würden sich an den Eskapaden erfreuen, also lassen wir das lieber.
Wer jedoch ernsthaftes Interesse an menschlicher Existenz hegt, wem soziales und vor allem ethisches Verhalten nicht vollends scheißegal ist, und wer dazu noch etwas Herz in seinem Inneren hat, der darf gerne den Schritt wagen und diesen Titel in den Kinos betrachten. Glaubt mir, der Abend wird sehr sehr emotional werden!
 

.kinoticket-Empfehlung: Unglaublich, wie überzeugend und perfekt man hier diese abartige Geschichte erzählt hat und noch viel unglaublicher, dass es diese Menschen tatsächlich gegeben hat.
Wer Vorbilder braucht und nicht mehr weiß, an welchen Werten man sich heutzutage noch orientieren kann, der findet hier beides.
Nebel im August gehört für mich seit gestern Abend absolut zu den Filmen, die jeder Cineast und Filmliebhaber auf jeden Fall gesehen haben muss, um Dinge zu verstehen, die es bereits gab und die so nie wieder passieren dürfen.
Daumen hoch (was den Film angeht) und absolut entsetztes Geschockt sein was die Geschichte angeht!

 
Nachspann
folgt keiner, man darf also langsam wieder nach draußen, sofern einem die Knie von dem Gesehenen nicht immer noch brutal zittern …

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (3D)

Wir alle kennen Harry Potter und haben die Filme bis zum Erbrechen gezeigt bekommen. Alljährlich im Free-TV, ständig im Kino, in den DVD- und Blu-ray-Regalen… man kann es bald nicht mehr sehen.
Ja, das Universum, dass Rowling da erschaffen hat, hat durchaus seinen Reiz und definitiv ein Alleinstellungsmerkmal, jedoch habe ich es – Achtung: Blogbeichte! – immer noch nicht geschafft, mir tatsächlich alle bisher acht Harry Potter-Filme anzusehen.
Warum? Ich finde es irgendwie … kindisch. Klar, mag es Spaß machen, sich in diese Welt zu begeben, allerdings empfinde ich das “Gehabe” von Potter und seiner Hermine etwas zu laienhaft, schulisch, unprofessionell – wie auch immer. Warm geworden bin ich damit genauso wenig wie mit der Der Herr der Ringe-Trilogie, die als solches genauso ein Alleinstellungsmerkmal aufweist, mich jedoch in ihrer Weise genauso wenig abgeholt hat.
Ich weiß, dass ich mich filmisch damit etwas zu einem Außenseiter degradiere und hoffe inbrünstig, dass ich euch trotzdem die Message rüberbringen kann, die mir bei diesem Spin-Of extrem am Herzen liegt.
Aufgrund meiner extraordinären Abneigung gegen diesen ganzen Kinderhexen-Quatsch bin ich nämlich mit reichlich angefüllten Vorurteilen und höchst niedrigen Erwartungen in den Saal spaziert und dachte mir: Gleich die Vorpremiere abgreifen, bevor der ganze Pöbel dann ins Kino rennt und man wieder die Hype-Kinder um sich rum hat.
Hat sich’s gelohnt?
Äh … ich würde ohne Umschweife sämtliche Harry Potter-Filme ohne zu zögern für die Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind-Filmreihe opfern.
Filmreihe? Yes! Geplant sind fünf Teile, die die neuen Handlungsstränge miteinander verweben und innerhalb des Potter-Universums ausleben, ohne dabei zu sehr an die Original-Geschichte angehaftet zu sein.
Und damit kommen wir zu dem, was mich bei Phantastische Tierwesen extrem vom Hocker gehauen hat.
Die Magie ist endlich erwachsen geworden. Der Witz, dieser humorvolle, umspielende Charme ist geblieben und auf einer wundersamen Art in Eddie Redmaynes Schüchternheit verpflanzt, der sich als Hauptdarsteller hier nicht nur extrem nach oben spielt, sondern seine in meinen Augen beste Leistung überhaupt abgeliefert hat.
Dazu gesellen sich die neuen “Teammitglieder”, die nicht nur extreme Frische zurück in die magische Filmwelt katapultieren, sondern zwischen denen die Chemie derart stimmt, dass man sie allesamt direkt ins Herz schließt und sich mit ihnen auf Lebenszeit anfreunden möchte.
Gespickt mit kreativen Einfällen, die dann doch wieder etwas ans Potter-Universum anknüpfen, hier jedoch keinerlei Wettbewerbsvorteile herauskitzeln wollen, wird eine (neue) magische Welt geschaffen, in der man sich als Zuschauer nicht nur zu Hause fühlt, sondern die man sich sehnlichst in immer mehr Filme hineinwünscht.
Geplant sind derzeit fünf … sorgt dafür, dass es mehr werden, indem die Vorstellungen überrannt werden und ihr den Schöpfern damit zeigt, dass ihr genau so etwas sehen wollt.
Denn diese Welt macht nun nicht mehr nur 6jährigen Spaß, sondern erhebt sich fast schon zur Märchenerzählung, die ausschließlich an Erwachsene gerichtet ist und nur am Rande zulässt, dass auch Kinder in die Vorstellung dürfen. Und es geht nicht nur mir so, sondern auch anderen, die Potter in und auswendig kennen, die mir ebenfalls mitgeteilt haben, dass sie von diesem Einschlag als Bystander-Filmserie zutiefst beeindruckt sind und sie fast besser finden als das Original.
Und die Ideen sind grandios. Die Einführung neuer Figuren, die Eröffnung neuer Möglichkeiten, das sanfte Umweben verschiedener Erzählstränge, die allesamt in einem großen Ganzen münden wollen, eröffnen hier so viel Handlungsspielraum, dass es kaum auszuhalten ist, bis Ende 2018 dann Teil 2 auf die Bühne kommt…
…was mich schon wieder begeistert, denn dieser 1-Jahres-Zyklus, mit der die Filmreihen konzipiert und aus dem Fließband gezerrt werden, empfinde ich angesichts der Zeit, die man braucht, um etwas anständiges zu produzieren, als zu kurz. Phantastische Tierwesen gibt auch hier schon von Anfang an bekannt, dass im 2-Jahres-Zyklus veröffentlicht werden soll, wo dann genügend Zeit ist, um nicht nur irgendwas Geldbringendes zu verwursten, sondern man sich tatsächlich den Tiefen der Story annehmen und sie bis ins Exil hinaus zu einer erzählenswerten Story transformieren kann, die den Kinozuschauer nicht nur abholt und tief in eine andere Welt hineinreißt, sondern auch dafür sorgt, dass man sich im Alltag immer wieder zurück in diese Ebenen der Erzählung wünscht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kurzum: Der Text wird zu lang, wenn ich hier ins Schwärmen gerate, aber genau das sprießt nur so aus meiner Empfindung für diesen Titel in die Welt hinaus.
Geht rein! Flutet die Säle, kuckt euch den Film wieder und wieder an und beweist damit den Studios, dass ihr genau das wollt – wieder und wieder – immer mehr. So werden gute Geschichten erzählt. So geht man mit Effekten um. So produziert man sagenhaftes 3D. So vereint man unsägliche Raumtiefe mit tiefgründiger Story und unterhaltsamem Witz.
Und noch etwas: Dieser Film wurde für’s Kino erschaffen. Keine Heimkinoanlage kann diese Power aufbringen, die benötigt wird, um die zerberstenden Eindrücke so wiederzugeben, wie sie gedacht sind. Devise: Je größer der Saal, je lauter die Boxen, je näher an der Leinwand, desto größer das brachiale Filmerlebnis, in das man hier eingeladen wird.
Also würdigt den Film mit einem .kinoticket und besucht ihn an dem Ort, für den er geschaffen wurde: im Kino.
Rein! REIN REIN REIN REIN!

 
Nachspann
Endlich bricht der Song hervor, den man den ganzen Film über immer wieder im Ohr hat … aber auch sonst ist der Soundtrack einfach gelungen und meines Erachtens neben vielen Dingen einen Oscar wert. Wem das egal ist, der darf den Raum vorzeitig verlassen, denn weitere Szenen folgen keine mehr.

Vor der Morgenröte – Stefan Zweig in Amerika

Blödest gewählter Titel ever … Oder würdet ihr freiwillig in einen Film gehen, der so heißt? Die Marketingspezialisten dürften es zumindest schwer haben, den Film an die breite Masse heranzutragen um damit ein möglichst breit gestreutes Publikum zu erreichen, für das die Message des Films unerlässlich wichtig ist.
Dass das Ganze nicht so funktioniert, wie es vielleicht könnte, zeigte schon die Pressevorführung an sich, bei der reichlich wenig Vertreter der Medien zugegen waren als bei anderen, trächtigeren Titeln.
Vor der Morgenröte suhlt sich hier in einem fast verlassenen Bereich des Kinos, in dem viel Platz für Ideen, Kreativität, Geistreichhaltigkeit und andere künstlerisch ambitionierte Leidenschaft ist – und man startet genau so. Mit visuellen Eindrücken, die so gigantisch sind, dass das Herz eines jeden Liebhabers von bildhafter Schönheit zugleich schneller schlagen muss.
Dieses Werk gehört wieder zu jenen, bei denen man nicht von Anfang an klar deuten kann, worauf man sich hier eingelassen hat, sondern wo die Macher es noch verstehen, das Publikum zu überraschen, mitzureißen und zu unterhalten.
Stefan Zweig, seinerzeit ein Künstler und Autor von bedeutender Größe, bereist hier mit einem Teilstücke seines Lebens und erzählt dabei die Geschichte von eigentlich etwas völlig anderem, größerem, furchtbarerem.
Auch hier betritt man für meine Verhältnisse Neuland, indem man über geschichtliche Dinge berichtet, ohne sie jedoch maßgeblich zu bebildern oder voyeuristisch auszuschöpfen. Dass die Klage, der Wehmut, der Schrecken, die Zerstörungskraft und all die mächtigen Elemente allesamt durch die Gesichtsmimik eines einzelnen Darstellers wiedergegeben werden, grenzt für mich nahezu an ein schauspielerisches Wunder.
Hand aufs Herz: Habt ihr von Josef Hader vorher schon mal etwas gehört oder gesehen? Ich nicht. Und dieser Mann ist genial! Den Äußerungen anderer Pressevertreter kann ich nur beipflichten, dass er für seine Darstellung in Vor der Morgenröte durchaus preisverdächtig ist und eine Auszeichnung nicht nur verdient hätte, sondern erhalten muss!
Es blutet einem das Herz, diesen Mann dabei zu beobachten, wie er mit sich selbst kämpft, mit den Umständen der Welt nicht mehr zurecht kommt, immer tiefer in Dimensionen vordringt, derer er längst nicht mehr Herr ist und wie er durch seine wunderbare Art versucht, das Beste aus allem zu machen.
Gerade die perverse Diversität zwischen Horror und Schönheit, die hier so aussagekräftig über die Leinwand ergossen wird, die Dinge aus einem völlig anderen Blickwinkel aus betrachtet, schafft hier ein völlig neues, cineastisches Erlebnis, dem man sich als Zuschauer allein schon aufgrund der Genialität solchen Schaffens stellen sollte – und nicht zuletzt natürlich des Inhalts wegen, der – im Vergleich zu fast allen anderen Filmen dieses “Genres” (das Wort ist eher falsch in diesem Zusammenhang, aber mir fällt nichts besseres ein) hier ein musterhaftes Beispiel darstellt, dem die Geschichtsbücher und historischen Aufarbeiter gerne folgen dürften.
Genau das ist auch das Problem: Der Titel ist genauso grausam gewählt, dass das Werk letztendlich tatsächlich eher als Schulunterhaltungsfilm endet und nicht als ernstzunehmende Kost für den gemeinen Kinobesucher gesehen wird – und diese Entwicklung wäre das worst case scenario überhaupt. Denn der Inhalt gehört nicht nur ins Kino, sondern in die Wohnzimmer, in die Köpfe, in das Denken unserer Nation.
Hier werden unglaublich detaillierte, einfühlsame und wahrhaft meisterlich recherchierte Fakten auf den Tisch gelegt, deren Interpretation dem Zuschauer überlassen wird – Berichterstattung, die man sich von allen Medien heute nur noch wünschen kann.
Wer nach diesem Film nicht mit zittrigen Knien im Foyer steht und erstmal nichts mit sich anzufangen weiß, der hat ihn nicht gesehen. Allein wenn ich an die Szenen denke, rührt es mich fast erneut zu Tränen vor Erschütterung und Mitgefühl. Und ja, ich bin ein Kerl.
Ich weiß, dass ich euch in der Vergangenheit auch schon Filme ans Herz gelegt habe, die bewusst dämlich sind, einfach weil sie mal einen Abstecher aus dem Brei an anderer Dämlichkeit heraus getan haben und eben auf ihre Weise erfrischend waren. Das hier ist etwas völlig anderes, das man aus jeglicher vergleichender Bewertung mit gleichzeitig laufenden Filmen herauslösen und für sich selbst bewerten und anschauen sollte. Und zwar konkurrenzlos.
Vor der Morgenröte ist ein unglaublich ehrenhaftes Werk über Menschlichkeit in einer Welt voller Grausamkeit und unglaublicher Schönheit. Hader ist unglaublich in seiner Überzeugung. Die innere Verzweiflung Zweigs portraitiert das grausame Zusammenbrechen und die Dunkelheit eines Krieges, der auf der anderen Seite der Welt stattfindet, von dessen emotionalen Folgen sich Zweig nicht erholt. Der Film beinhaltet die unerträgliche Harmonie zwischen Krieg & Frieden.
Stellt euch vor, ihr habt RTL II, Sat.1 und das Gottseidank nicht mehr existente 9Live. Und ihr habt Arte. Der geistige Anspruch von letzterem ist vielen fast schon zu heftig, aus dem Grund existieren Hartz-IV-Sender und erfreuen sich großartigen Zuschauerquoten. Alles gut und recht. Doch zwischendrin kommt auf Arte mal ein Film, wo man sich denkt: WOW.
Nun nimmst du 500 solcher WOW-Filme und setzt sie mit 9Live gleich. Und innerhalb dieser 500 Filme ist dann einer, der wieder so ein Arte-WOW-Gefühl auslöst: Vor der Morgenröte – Stefan Zweig in Amerika.
Verstanden?
 

.kinoticket-Empfehlung: Nein? Also nochmal zum Mitschreiben: REIN!!! Da gibt es keine Diskussion, keine Ausreden, kein ich habe, ich will, ich finde …. REIN!
Jetzt klar?
REIN GEHEN!
Nein, auch das gilt als Ausrede nicht – geh rein! Geh einfach rein! Was hast du zu verlieren? Facebook läuft dir nicht weg, deine Timeline wartet auch zwei Stunden auf dich und ist hinterher immer noch einsehbar.
Also – geh – einfach – rein!
Jetzt klar?
Gut.

 
Nachspann
nach so einem Film? Bleibt einfach noch etwas sitzen und lasst das, was zu hören ist, auf euch wirken. Hilft besser, um hinterher im Foyer die zitternden Knie zu überspielen. Vertraut mir.
Kinostart: 02. Juni 2016
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Umrika

Anhand der aktuellen Flüchtlingssituation schon fast ein wenig paradox, jetzt einen Film dieses Themas auf die Leinwand zu bringen und den Zuschauer damit unterhaltend zum Denken anzuregen.
Richtig ausgesprochen bezeichnet der Titel das Land der freien Möglichkeiten – aus Sicht einer Familie eines Dorfes in Indien. Die träumen vom großen Erfolg im Westen und begeben sich auf eine interessante Reise, die im Verlauf des Films nicht nur spannend bleibt, sondern auch weitreichende Wendungen aufweist, so dass dem Zuschauer bis ganz zum Schluss nicht langweilig wird.
Die Stars – bekannt aus Werken wie Life of Pi oder Best Marigold Hotel – liefern auch hier wieder fantastische Leistungen ab und überzeugen durch authentisches Spiel und gelungene Wortwahl. Dass dabei nicht auf die Tränendrüsen gedrückt oder der Zuschauer mit intellektuell-schwerlastigen Phrasen in den Abgrund des Mitleids gedrückt wird, kommt dem Film mit seiner komödienhaft anmutenden Leichtigkeit zusätzlich zugute.
Zwischendrin tut es mal richtig gut, nicht immer von vorn mit dem Finger konfrontiert zu werden, der uns aufzeigen will, was wir falsch machen, wo Verbesserungspotenzial liegt oder welche üblen Missstände auf der Welt herrschen. Hier wird man einfach mal in ein Wasserbad spaßiger Gefühle geworfen und darf konsequenzlos planschen ohne dabei Schaden anzurichten. Und genau diese Leichtigkeit ist es, die Umrika zu einem sehenswerten Stück Kinogeschichte macht, das zwischen Blockbustern wie James Bond 007: Spectre oder Die Tribute von Panem – Mockingjay (Teil 2) gänzlich untergeht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Aus eben jenem Grund ist jedweder Hinweis auf den Film mehr als angebracht, denn hier waren Künstler am Werk, die die guten Seiten des Menschen ansprechen und aufzeigen.
Und das, obwohl in dem Film selbst genügend Schreckensmomente umschifft werden, die den Intellekt des Normalsterblichen auf keinen Fall überlasten.
Wer etwas sinnvolles sehen möchte, wobei man sich richtig gut fühlen kann und soll, der darf bei Umrika getrost zugreifen. Ein leichter, lustiger Kinoabend mit garantiert guter Unterhaltung sind vorprogrammiert.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, nach der Schwarzblende ist tatsächlich Schluss.

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