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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Alexandra Maria Lara

25 km/h


© 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

 

Viele können sich unter dem Titel schwer was vorstellen und meine Prognose war: Sämtliche Autofahrer werden mit diesem Film anfangs ihre lieben Schwierigkeiten haben.

25 km/h – mancher Fahrradfahrer ist schneller, denn das ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Mofas, die auf der Straße allerorts gehasst sind und die deshalb kaum jemand fährt. Ich zähle zu den “kaums”, weil diese Kategorie für mich nicht in die Abzocker-Vereinigung gehört, zu denen ich überteuerte Führerscheine und noch überteuertere Fahrzeuge zähle. Wie viele Menschen leben und arbeiten, rein um ihre Wohnung und ihr Gefährt zu unterhalten, für mich ist dieser Spaß mit 50 € im Jahr gegessen und ich komme – dank Öffis – trotzdem voran und bin auch auf dem Land die paar Kilometer zum nächsten Bahnhof nicht aufgeschmissen.

Was die Touren angeht, die weit über das “Ja, das ist noch machbar” hinausreichen, habe ich auch schon genügend Erfahrungen gesammelt, indem ich z.B. mehrfach mit dem Mofa von Kempten nach Augsburg oder München und zurück gefahren bin und daher weiß, was es heißt, wenn man mal 8 Stunden am Stück auf so einem Teil sitzt und durch strömenden Regen bei Nacht und Gewitter fährt.

Eben jene Personen, die das gemacht haben, haben während dem ganzen Film schon ein Grund-Schmunzeln im Gesicht, weil all diese Dinge, die man als ambitionierter Mofa-Fahrer so erlebt, genau in diesem Film vorkommen und man sich sowas von verstanden damit fühlt.

Alle anderen haben erstmal extreme Schwierigkeiten, auf dieses “langsame Niveau” zu steigen, weil es erstmal ein wenig dauert, bis man damit klar kommt, dass alles eben etwas gemütlicher und sinnlicher von statten geht und man nicht wie die gehetzten Schweine mal eben quer durch Deutschland kommt.

Auch hier hat man meiner Meinung nach vieles richtig gemacht: Man lässt sich Zeit, man übt sich in tollen Dialogen, man spricht Dinge aus, die andere Filme eloquent wegcutten, man spricht Wahrheiten, die sich sonst nie jemand zu sagen gewagt hätte. Überhaupt ist dieser Film unfassbar dialoglastig und unglaublich ernst, was man einem Ernie-gebrandeten Bjarne Mädel sofort abkauft, womit der aber auch unglaublich erstaunt. Überhaupt wartet der Film mit einigen toll besetzten Rollen auf und wer es geschafft hat, bisher den .trailern zu entgehen, dürfte die ein oder andere Überraschung im Film erleben.

Was auch unglaublich gelungen ist, sind die Takes und Kameraeinstellungen: Für deutsches Kino absolutes Hochniveau! Man fährt hier zu Taten auf, die fast an oscarverdächtige Hollywood-Produktionen grenzen mit unglaublich beeindruckenden Bildern, Settings, Takes und Silhouetten, die dir schlichtweg den Atem rauben! Chapeau an den Macher, der dafür verantwortlich war!

Das Ende ist dann etwas in die Art, wie es im ZDF-Buche steht, all das tut dem Gesamtwerk aber keinerlei Abbruch, weil die gute Stimmung dadurch weder verloren geht, noch der Film an sich schlechter wird. Vielmehr vermisst man eigentlich nur den Oscar-Paukenschlag, der aus diesem Ding dann ein Ultimativum macht und es zur Allzeit-Koryphäe erhebt. Die bleibt aus, der Rest des Films ist aber sehr wohl brauchbar und erinnert auch in vielen Punkten an andere große Filme.

 

.kinoticket-Empfehlung: Wunderschönes, deutsches Kino mit Bildern und Kamerafahrten, die oscarreif sind!

Dialoge, Ernsthaftigkeit, Plot, Selbstfindungstrip und alles drumherum ist großartig gestaltet und lässt die Zuschauer mitlachen, emotional werden und liefert ihnen einen tollen Film, der bis zum Schluss großartig unterhält und viel Comedy bereithält.

Der Schluss sackt durch die “typisch ZDF“-Plotenden etwas ab, zerstört den Film aber dadurch nicht, sondern hinterlässt trotzdem ein wahnsinnig gutes Gefühl beim Wieder-aus-dem-Saal-spazieren.

Daumen hoch – davon dürft ihr gern mehr bringen!

 

Nachspann
❌ folgt ohne weitere Szenen oder Boni. Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 31. Oktober 2018

Original Title: 25 km/h
Length: 116 Min.
Rate: FSK 6

 

25 km/h ist auf großer Kinotour in Deutschland unterwegs!

Die Tour ist inzwischen in vollem Gange und kann von euch noch bei folgenden Events besucht werden:

30. Oktober 2018 – Köln
18:00 Uhr – Filmpalast (mit Lars Eidinger, Bjarne Mädel, Oliver Ziegenbalg)
20:00 Uhr – Residenz (mit Lars Eidinger, Bjarne Mädel, Oliver Ziegenbalg, Wotan Wilke Möhring und evtl. Sandra Hüller)

31. Oktober 2018 – München
19:30 Uhr – Mathäser Filmpalast (mit Bjarne Mädel, Markus Goller, Oliver Ziegenbalg)

01. November 2018 – Ingolstadt / Nürnberg
17:15 Uhr – Cinestar /
20:30 Uhr – Cinecitta (mit Markus Goller, Oliver Ziegenbalg)

02. November 2018 – Stuttgart / Leonberg
18:00 Uhr – Metropol /
20:15 Uhr – Traumpalast (mit Markus Goller, Oliver Ziegenbalg)

03. November 2018 – Frankfurt am Main
18:00 Uhr – Harmonie Kino
20:30 Uhr – CineStar Metropolis (mit Bjarne Mädel, Markus Goller, Oliver Ziegenbalg)

04. November 2018 – Leipzig
18:00 Uhr – CineStar (mit Sandra Hüller, Markus Goller, Oliver Ziegenbalg)

Geostorm (3D)

Wenn man verhalten mit Pressevorführungen umgeht, verheißt das im Normalfall nichts gutes. Wenn man sich vergangene Werke mit Gerard Butler ansieht, auch nicht. Zumindest keine, in denen irgendwelche amerikanisch-patriotischen Flaggen wehen, die den simplen Geist der Nationalität ansprechen und auf konservativ-patriotische Reaktionen hoffen.
Zumindest funktioniert diese Art von Film auf dieser Seite des Teichs nicht. Für mich. Man fühlt sich eher unwohl an das stumpfe Verhalten designierter AfD-Wähler erinnert, in deren Konversationen keine fundierten und begründbaren Argumente mehr zu finden sind.
Genau diese Klientel versucht man mit Geostorm wohl auch anzusprechen. Alles funktioniert nach Schema F. Man hat den Zwist in der Familie, den Hund, das Kind, die alten Erinnerungen, irgendwelche Codes, internationale Krisen, die heroisch von den USA bewältigt werden und irgendwas mit dem Präsidenten zu tun haben.
Würden hier weder Titel noch Filmplakat zu sehen sein, könnte man auch meinen, ich schreibe über London has fallen. Oder San Andreas, bei dem zwar kein Gerard Butler mitspielt, dafür aber eine andere Action-Ikone, die sich an Chuck Norris messen will, aber den Absprung dahin nicht schafft, sondern bereits im Flug zu Boden stürzt.
Es ist zwar okay, wenn man sich nicht oberster Stilmittel bedient, sondern einfach mal ein Schlachtgewitter und CGI-Explosionen zeigen will, wenn dafür dann aber auch nicht genügend Kohle vorhanden ist, dann mündet es in einer Enttäuschung beim Zuschauer – und genau das ist Geostorm: eine bittere Enttäuschung, für die wahrscheinlich viel zu viel Kohle rausgeworfen wurde.
Als Macher hätte ich mich erstmal gefragt, wieso es Filme dieser Art gibt, die funktionieren und bis heute Begeisterung bei ihren Liebhabern auslösen, und solche, die jämmerlich versagt haben. Und hätte dann die Unterschiede zwischen ihnen gesucht, mir die positiven Rosinen davon gepickt und daraus einen neuen Film gemacht.
Warum funktioniert beispielsweise Armageddon so hervorragend? Auch hier hat man mit Heroismus und patriotischem Gedankengut zu tun gehabt, auch hier hat man versucht, die Welt in Schutt und Asche zu betten und effekttechnisch das Beste daraus gezogen. Und es hat funktioniert. Und der Grund dafür dürften weniger Aerosmith mit ihrem legendären Hit gewesen sein.
In meinen Augen liegt der Erfolg eher im Justieren der Intension – dem Maß der Zerstörung und dessen Glaubwürdigkeit. Ich kann Häuser in die Luft fliegen lassen oder Häuser in die Luft fliegen lassen. Ganz gefährlich wird’s dann mit lieblos zusammengestückeltem Halbwissen aus .trailern und Vorabsequenzen, die dem Zuschauer vielleicht sogar bewusst ein völlig falsches Bild vermitteln und Erwartungen schüren, die nicht erfüllt werden.
Und an diesem Punkt versagt Geostorm in voller Montur: Es gibt nicht nur unzählige Logiklücken und Stumpfsinnigkeiten, sondern es ist auch offensichtlich, dass hier die niedersten Instinkte angesprochen werden sollen, die den IQ von Bier und BILD-Zeitung nicht übersteigen. Eben genau wie bei London has fallen – nur dass jetzt eben die ganze Welt dran glauben soll.
Und dabei hätte man so vieles ganz anders machen können – meinetwegen daraus auch ein neues Monsterstück in Guiness-Rekord-Überlänge, hätte man die einzelnen Sequenzen huldigend eingeleitet und nicht einfach nur so dahingerotzt, weil sie eben einfach da sind. Die Feinfühligkeit ist komplett raus und Intelligenz ist überhaupt nicht gefragt, wird noch nicht mal ansatzweise mit 0,1% angefragt, sondern eher schmählich aus dem Saal vertrieben.
Es wirkt, als hätte man zu keinem Zeitpunkt darauf Lust gehabt, Sinn und Logik in den Film zu integrieren, sondern sich einfach nur mit Monstereffekten brüsten wollen, die sich letztendlich als schlechte Qualität entpuppen.
Die virtuose Bildschlacht, die einem die kristallscharfen Klingen von Optimus Prime und Kameradschaft noch bieten, wechselt hier eher in den Slang von Skyline und seinen stümperhaften Dialogen, an denen auch Kinderstimmen oder lachhafte Rahmenhandlungen nichts mehr ändern.
Dazu die unfassbar schlechten Versteckversuche von faszinierenden Wendungen und nochmals erwähnten, grausam offensichtlichen Logiklücken, die keineswegs verzeihlich sind.
Lacher publiziert der Film auch, aber nicht durch Genialität, sondern eher, weil die Show als solches eher lachhaft wirkt und hier nicht mit Komikspitzen, sondern grandiosen Tiefpunkten trumpft, die so schlecht sind, dass man es einfach nicht mehr aushält.
Dann hätte man lieber konsequent auf stumpfsinnige Action gesetzt und die dann aber ins Extrem getrieben, denn Ansätze davon tauchen auch hier auf, der ganz große Wurf, den u.a. der Titel verspricht, bleibt aber komplett aus.
 

.kinoticket-Empfehlung: Grundsätzlich eine herbe Enttäuschung auf jedwede Erwartung hin, die entweder der Titel oder der .trailer ausgelöst haben.
Die Dialoge sind unter aller Sau, Spannung kommt kaum auf, es schreit förmlich vor Drehbuch-Dummheit und klaffenden Logiklücken und an Action spart man auch durch günstigere Effekte und nicht sensibel ausgeführte Dekonstruktionsphasen.
Für mich ist man mit diesem Projekt grandios gescheitert.

 
Nachspann
Hier kommt nichts mehr, man darf also wieder zurück in die echte Welt.
Kinostart: 19. Oktober 2017

Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt

Von den offiziellen Stellen regnet es mal wieder Auszeichnungen, und ja, der Film ist für Kinder tatsächlich zu gebrauchen, allerdings reicht für mich da nicht nur der Umstand, dass hier kein kindergefährdendes Material gezeigt wird.
Die Story mag ihr Potenzial haben und die geheimen Sehnsüchte und Wünsche von Kindern ansprechen. Filmisch wurde das Ganze auch brauchbar umgesetzt. Was mich persönlich allerdings tierisch gestört hat, war die durchaus dämliche Art und Weise, wie die erwachsenen Darsteller in diesem Streifen auftreten.
Man hätte da durchaus etwas mehr Seriösität in die Profileigenschaften der Charaktere packen können, statt sie wie die hinterletzten Idioten rumspazieren zu lassen, die sich einfach in irgendeinen Plot integrieren und denen scheißegal ist, was man dabei über sie denkt.
Somit wird den Kindern ein Weltbild vermittelt, das mit Sicherheit nicht den Normen entspricht und damit auf den Lehrauftrag oder gute Unterhaltung komplett verzichtet.
Man hockt im Film und schämt sich eher für die dämlichen Reaktionen und das unterirdische Rumgehabe. Stattdessen hätte man sich viel mehr auf die Ideen, den kreativen Erfindergeist oder andere Spezialitäten konzentrieren können, die der Story das gewisse Etwas verleihen und hier tatsächlich vor Potenzial nur so sprudeln.
Das wurde im Gesamteindruck halt gänzlich getrübt und somit ein eigentlich toller Film zunichte gemacht. Wer ist eigentlich für derartige Entscheidungen verantwortlich?
 

.kinoticket-Empfehlung: Als Weihnachtsfilm im Kino (als das er beworben wurde) nur bedingt zu gebrauchen, dafür reagieren mir die Erwachsenen zu affig und kindisch.
Die Story hat ihr Potenzial, das wird stellenweise ausgeschöpft, durch die Blödelei der Großen aber in großen Teilen wieder zunichte gemacht. Schade, denn das hätte durchaus etwas werden können.

 
Nachspann
unbedingt sitzen bleiben, hier kommen extrem interessante Szenen über die Entstehung des Films!

Der geilste Tag

Ein Matthias Schweighöfer-Trailer und ich muss lachen: Verheißt nichts gutes? Oh doch. Meine Vermutung war: Das hier wird der erste Schweighöfer-Film, mit dem ich tatsächlich warm werde.
Mit der Vermutung lag ich leicht daneben, denn Regie hat ein gewisser Florian David Fitz, der erstgenannten nur in seinem Kielwasser mitschleppt und damit dafür sorgt, dass diese Komödie tatsächlich funktioniert und bei Leuten wie mir punktet.
Hier wurde wirklich mal lustig agiert und neben all der sonst grottig-schlechten deutschen Komik eine Form von Humor verwendet, die ich Fitz hoch anrechne, denn dieser Film macht wirklich Spaß. Man hat zu lachen, man hat zu kämpfen, man fiebert mit und wird auf Wattewölkchen durch die endgültige Welt der beiden getragen, die nicht nur eine Überraschung in sich birgt.
Könnt ihr solche Regie-Konstellationen nicht einfach öfters aufstellen und somit dem deutschen Kino doch zu mehr internationalem Ruhm verhelfen? Denn wenngleich am Ende immer die Sympathie darüber entscheidet, ob wir einen Film gut finden oder nicht, so wurde hier doch etwas mehr Abstand von der obskuren Gedankenwelt Schweighöfers genommen und damit wieder ein gemeinsames Vielfaches in Sachen Schaufreudigkeit geschaffen.
Der Film ist immer noch deutsch, trägt deutsche Wurzeln und bandelt hier und da auch ein kleines wenig mit der Filmmentalität unseres Landes an, lässt dabei aber erfreulich viele negative Seiten dieser Filmweise hinter sich und eröffnet den Weg zu neuen Welten.
Ich hatte durchaus meinen Spaß und war nicht enttäuscht darüber, mir diesen Titel angesehen zu haben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Lasst euch nicht davon abschrecken, dass Schweighöfer hier mitspielt: Die Zügel hat Florian David Fitz in der Hand und das ist gut so.
Denn nun schippert die Story wieder ordentlich durch die Zeit. Der Spannungsverlauf ist völlig in Ordnung, die Jokes sind teilweise echt richtig gut und auch das emotionale Gefühl, das jeder Film in einem auslösen möchte, gehört hier nicht zu schlechten Eltern.
Gerne weitermachen und mehr in diese Richtung produzieren. Reingehen lohnt sich auf jeden Fall.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, man darf also aufspringen und sich wieder der Normalität widmen.

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