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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Alec Baldwin

A Star is Born

A Star is Born: einer der Filme, auf den mein Umfeld zur Zeit gerade sehnsüchtig wartet. Viele sehen den .trailer und zerschmelzen, sobald Lady Gaga ihren Mund aufmacht und singt.

Cool. Und ja, auch ich hatte zeitweise dabei Gänsehaut, auch wenn ich dem medialen Hype, der um diese Frau gemacht wurde, unlängst nichts abgewinnen kann.

Als Kinokenner hat man natürlich so seine lieben Bedenken, wenn der Hauptdarsteller gleichzeitig auch Regisseur eins Films ist: Ungeschriebenes Gesetz Nr. X: Sowas geht in der Regel komplett in die Hose.

Fakt 1: Bradley Cooper ist ne unglaublich coole Socke, der schauspielern einfach drauf hat.

Fakt 2: Lady Gaga kann singen.

Fakt 3: Die beiden sind ein unglaublich gutes Team, was diesen Plot angeht.
Und die Bedenken werden … wahr :/ – was allerdings weniger schlecht ist, als ihr jetzt vielleicht denkt.

Der Punkt ist: Der Film ist da. Er hat alle Komponenten, die ein Film braucht und schmeißt sie alle in einen Topf. Sprich: Nichts davon ist wirklich schlecht. Nur die Komposition, das “Umrühren beim Kochen” und zusammenstellen der einzelnen Single-Parts, wie ein Koch es tut, wie ein Dirigent es tut … oder eben: wie ein Regisseur es tut – das fehlt. Da geht Cooper ein wenig der Arsch auf Grundeis.

Sprich: Das Ding hat keinen richtigen Plot, erzählt aber trotzdem eine Geschichte und alle Bausteine, die da so auf dem Boden liegen, sind für sich allein total schön und gemütlich, herzerweichend und geil. Und darum hat man beim Film absolut kein schlechtes Gefühl, fühlt sich verlassen oder ähnliches, sondern der Sound umspült trotzdem die Herzen und: Wenn beide (!!!) den Mund aufmachen und singen, dann löst sich der Boden unter euch allen auf und ihr schwebt in Sphären, von denen ihr vorher nichts wusstet! Die Songs sind alle !!! unfassbar geil und berühren die Herzen!
Allein dafür: .kinoticket lohnt!

.kinoticket-Empfehlung: Die Songs!!!!!!!!!!!!!!

Kurz gefasst: Bradley Cooper ist kein Regisseur, sondern Schauspieler, der Film beinhaltet aber trotzdem alles, um die Menschen mit den unglaublich geilen Songs wegzubashen. Der übliche “Weg” des Plots fehlt einfach ein wenig, die einzelnen Bausteine sind unsortiert aber dennoch unfassbar schön und den Besuch im Kino wert!

Achja: Sucht euch große Säle mit guten Boxen aus – davon lebt der Film!

Nachspann
✅ Ihr seid in einem Musikfilm. Und Nachspänne sind die Heimat von Musiksongs!

Kinostart: 4. Oktober 2018

Original Title: A Star is Born
Length: 136 Min.
Rated: FSK 12

Blackkklansman (mit Gewinnspiel)

Man meint immer, das Leben böte einem unzählige Möglichkeiten und wenn man dann die Geschichte der Menschheit bestaunt, stellt man fest, dass sich irgendwie alles in einer sich immer wiederholenden Zeitschleife verheddert hat. So zumindest macht es mal den Anschein. Nichts aus der Geschichte gelernt, wie man so schön sagt.
Umso erschreckender, dass diese Ereignisse, die in den frühen 1970er Jahren in Amerika tatsächlich so passiert sind, heute immer noch brandaktueller denn je sind und von gefährlicher Brisanz zeugen. Dieses heiß diskutierte Thema jetzt aber unterhaltsam, urkomisch und mit einer Entertainment-Wirkung auf die Leinwand zu bannen, gehört zu den Mammutaufgaben, denen sich Spike Lee gestellt hat, was ihm in meinen Augen auch hervorragend gelungen ist.
Mein Problem damit ist folgendes: Ich habe selbst bei Facebook schon oft bemängelt, dass man mit dem Kritisieren und Zeigen von miserablen Zuständen in sozialen Netzwerken eben jene Zustände unterschwellig auch fördert, weil ihnen Plattformen geboten werden und diese Krankheiten öffentlich zur Schau gestellt werden. Wer also Bilder von Tierquälerei teilt, sorgt gleichzeitig auch dafür, dass der Pool solcher Grausamkeiten niemals aufhört, weil er sich selbst damit verantwortlich macht, diese Dinge zu verbreiten und ihnen Gehör zu schenken und damit eben auch zu “unterstützen”.
Geht man jetzt von der beschränkten Denkweise solcher Fanatiker aus, denen es scheißegal ist, in welchem Zusammenhang Dinge veröffentlicht werden, hat man hier ein wunderbares Werk, dass die Abarten dieses Klans öffentlich zur Schau stellt und man sich sabbernd davorstellen und “goiiiillll” lallen könnte.
Die denkende Bevölkerung wird dem zwar absolut nicht zustimmen, die Plastizität der dargestellten Weltanschauungen brennt sich allerdings extrem ins Hirn und sorgt hier für übermäßig viel Öffentlichkeit, auch wenn der Film dazu die richtigen Zusammenhänge herstellt und das Prädikat “besonders wertvoll” redlich verdient hat.
Manch einer bemängelte ebenfalls die Länge des Werks, die ich zwar auch leicht am oberen Limit reizend, jedoch nicht übertrieben fand, da die Menschen, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen möchten, auch gerne darin eintauchen und deshalb für sie der Film gerade lang genug ist.
BlacKkKlansman ist definitiv taugliches Unterrichtsmaterial, was den Verlauf der Geschichte unserer Welt angeht und sollte von vielen gesehen und diskutiert werden, damit derartige Abartigkeiten endlich verstanden und folglich ausgemerzt werden können. Und seinen Spaß hat man dabei auch noch, wenn auch etwas anders, als beim .trailer angenommen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Erwartet keine Komödie, sondern einen bierernsten Film über eine wahre Begebenheit, der topaktuell ist.
Dann passt die Sache und macht auch im Kino richtig Spaß. Der .trailer verleitet ein wenig zu falschen Erwartungen und führt daher eher zu Enttäuschung, der Film an sich ist spitze gemacht und ob seiner Wahrheit auch erschreckend und offenbar.
Reingehen erwünscht, und darüber nachdenken natürlich auch.

 
Nachspann
❌ bietet keine weiteren Extras, das vorzeitige Verlassen des Saals wird also nicht bestraft.
Kinostart: 23. August 2018
 
G E W I N N S P I E L
Universal Pictures International hat für meine Leser ein kleines Giveaway zum Kinostart bereitgestellt, das ich nun unter allen Kommentatoren dieses Beitrags verlosen darf.
Es handelt sich dabei um zwei großartige DIN-A1-Plakate des Films.
Blackkklansman-1
Wer daran Interesse hat, darf bis einschließlich Mittwoch, den 29. August 2018 hier im Beitrag kommentieren. Die Plakate werden anschließend unter allen Kommentatoren per Zufallsauswahl via random.org verlost.
Gebt bitte hierzu eine gültige E-Mail Adresse an, damit ich euch zum Zweck der Adressabfrage erreichen kann, um euch im Gewinnfall die Plakate zuschicken zu können. Alle erhobenen Daten werden nur zur Auswertung des Gewinnspiels von mir persönlich genutzt und anschließend gelöscht.
Ich drück euch die Daumen und wünsche natürlich viel Spaß im Kino bei dieser unglaublichen Geschichte!

Mission: Impossible – Fallout (3D)

Derzeit stehen sie wieder in allen Läden zum Verkauf bereit – optisch schön aufbereitet in einer glänzenden Edition: 2,8 Millionen Dollar hat das Franchise rund um Mission: Impossible bereits eingebracht und mit Rogue Nation vollführte man damals einen Schachzug, der die Filmreihe mit Tom Cruise wieder mächtig nach vorne katapultieren sollte.
2018 wartet man mit einem neuen Teil dieser Reihe auf und vollzieht damit etwas, dass ich dem alternden Hollywood der Moderne kaum mehr zugetraut hätte. Ich meine: Wir leben in einem CGI-Zeitalter, in dem fast alle Schwierigkeiten mit “das machen wir eben mit PC – kostet Geld, ist aber machbar” wegdiskutiert werden können und man sich keine Gedanken mehr um schwierige Kamerafahrten oder ähnliche Stunts zu machen braucht.
Mittlerweile weiß aber fast jeder, dass Cruise dafür bekannt ist, all seine Stunts selbst zu machen und keine Stuntmen dafür anheuern zu lassen. Mit dieser Echtheit hat man bei Mad Max: Fury Road schon mal dem Zuschauer gegenüber Ehrlichkeit bewiesen und es hagelte goldene Oscars ohne Ende.
Mission: Impossible – Fallout vollzieht die Konsequenz dessen und führt erneut eine Stunt-Ballade in den Ring, die sich gewaschen hat. Selbst als langjähriger Kinogänger sitzt man vor der Leinwand und weiß innerlich, was eigentlich kommt, kennt so ziemlich jeden Ablauf eines Actionfilms in und auswendig und hat so ziemlich jede technische Raffinesse bereits 100.000x vorher gesehen. Warum hockt man dann im Kino und kriegt die Fresse vor Staunen nicht mehr zu und fragt sich: Wie zur Hölle haben die das gemacht?
Mission: Impossible – Fallout ist seit langem endlich wieder mal ein Blockbuster im Mainstreamkino, der sich selbstbewusst so nennen muss und der neben zwei anderen Titel derzeit zeigt, dass Hollywood wohl doch verstanden hat, was es anders machen muss, um weiterhin erfolgreich zu bleiben?
In dem Teil ist einfach alles perfekt! Jurassic World: The Fallen Kingdom kann einpacken und die Leinwände für diesen Film freigeben: Es ist das beste in diesem Genre, was ich seit langem gesehen habe!!!
Man macht’s einfach richtig! Spricht, wenn gesprochen werden muss. Hält den Schnabel, wenn die Fresse gehalten werden soll, vollführt Stuntaction der Meisterklasse und liefert unglaubliche Bilder, die einen voller Staunen und Ehrfurcht vor dem Filmbusiness zurücklassen und einfach nur zutiefst niederwuchten!
Der Soundtrack – ein glanzvolles Meisterstück eleganter Kunst, der wieder das altbekannte Theme aufgreift, daraus aber kein modernes Miststück werden lässt oder mit irgendwelchen Popgören überrumpelt, sondern einmal mehr Größe und Anmut zeigt und den Besucher hier in voller Montur akustisch verwöhnt.
Man ist wieder man selbst und orientiert sich hierbei – wie auch schon bei Rogue Nation – nicht an der Konkurrenz, sondern macht einfach sein Ding! Wenn nur jeder Film so wäre…
Dazu kommen eine gigantische Portion Humor, Witz, Lachsalven und trockene Ironie, Ernsthaftigkeit, Pflege von Individuen und Charaktertiefe und der Beweis, dass nicht jeder 3D-Schinken gleich inhaltslos sein muss. Okay, zugegeben, auf das 3D hätte man an vielen Stellen verzichten können, aber was spricht es denn bitte für eine Sprache, wenn man eben jenes Konstrukt, mit dem sich so viele halbgaren Mainstreambrecher rühmen wollen, lieber verzichtet und dafür auf Eleganz und Inhalte setzt, statt auf stupide Action?
Hier ertappt man sich fast schon dabei, dass man bei den extrem seltenen Szenen, wo dann tatsächlich mal CGI eingesetzt wurde, Vergebung nach vorne sendet und es dem Film verzeiht, wenn er nicht perfekt aussieht. Was ist das schon im Hinblick darauf, dass unter den Schöpfern Einigkeit darüber herrschte, dass der größte Feind dieses Films der Greenscreen sein sollte?
Ich war über alle Maßen beeindruckt von dem Geschehen und bekam hinterher kaum Worte genug raus, um ehrfürchtig und gebührend das wiederzugeben, was mir da grade auf der Leinwand serviert worden war.
 

.kinoticket-Empfehlung: Legt eure Arbeit nieder, cancelt eure Termine und organisiert euch .kinotickets für den größten Blockbuster aller Zeiten, der euch endlich wieder richtig in Staunen versetzt!
So – und nur so – wird Mainstreamkino gemacht, dass für sich absolut neue, bislang unerreichte Maßstäbe setzt und als Orientierung für das nächste Jahrzehnt herhalten sollte – es ist gigantisch, mit welcher Inbrunst und krassen Originalität man sich hier ins Zeug wirft und dem Zuschauer gegenüber einfach ehrlich und authentisch auftritt.
Belohnt es mit einem durchschlagenden Erfolg, damit der Regisseur noch einen weiteren Coup fahren darf, denn dafür wurden Kinos geschaffen!

 
Nachspann
✅ Anfangs kommen noch Sequenzen, die man definitiv mitnehmen sollte, nach dem Ende des 3D darf man dann auch den Saal verlassen.
Kinostart: 2. August 2018
Wer nicht mehr warten kann oder will, darf sich gerne z.B. in München im Rahmen von After Work am 31. Juli 2018 mit DJ und Vorprogramm respektive in der Vorpremiere am 1. August 2018 den Streifen in einem Sonderevent im CinemaxX zu Gemüte führen und weiß dann schon vorab, worauf er sich ab Donnerstag erneut einlassen kann: Denn in diesen Film willst du nicht nur 1x reingehen!

The King – Mit Elvis durch Amerika

Was soll ich dazu sagen?
Manch einer erwartet jetzt vielleicht wieder eine Musikdoku. Manch einer erkennt Elvis und fühlt sich zurückerinnert an das schräge Zeitalter, wo es scheinbar nichts anderes gab – und denkt sich, darüber wurde jetzt wohl ein Film gedreht.
Andere schauen sich das Plakat an und fragen sich: Was hat Ethan Hawke, Ashton Kutcher oder Alec Baldwin mit Elvis zu tun?
Na vielleicht reisen sie. Immerhin heißt es ja “Mit Elvis durch Amerika”, es kann also nur …
Leute? Vergesst es!
Es ist viel besser!
Richtig, richtig abgefuckt geil!
Ich habe noch niemals – wirklich noch niemals – eine so verschachtelte, anspruchsvolle, ineinander verwobene und abstrus konstruierte Dokumentation im Kino gesehen, die ein so scheinbar plattes Thema hat.
Der Anspruch, den man sich hier selbst gesetzt hat, zur elitären Elite der Eliten zu gehören und etwas abzufeiern, das weit entfernt von dem ist, was damals passierte, ist mehr als gelungen.
Dieser Trip ist außergewöhnlich – und es lohnt sich definitiv, den Gang ins Kino auf sich zu nehmen! Man ist nämlich keine Elite, sondern einfach nur verdammt gut! Was hier gemeistert wurde, muss gesehen werden – und die Botschaft ist höllisch geil! Glaubt mir, auch wenn es anfangs vielleicht schwer fällt, in die Sache einzusteigen – am Ende werdet ihr es nicht bereuen. Zumindest nicht, wenn ihr auf Filme mit Köpfchen, Sinn und Verstand steht.
Im Leben wäre ich nicht auf die Idee gekommen, genau das in dieser Art und Weise zu erzählen … und schon gar nicht hätte ich es geschafft, das so gelungen rüberzubringen … ich meine: Am Ende geht man echt mit Plausibilität vollgefrühstückt wieder aus dem Saal und denkt sich einfach nur: Wie geil war das denn bitte jetzt?
 

.kinoticket-Empfehlung: Tut euch selbst den Gefallen und sucht das Kino, das diesen Titel definitiv im Programm hat.
Ich habe noch niemals eine großartigere Dokumentation über so etwas gesehen, geschweigedenn diese geniale Verkettung von ineinander verwobenen Verflechtungen darin exhumiert. Dieser Trip ist Adrenalin für das Gehirn – holt euch eure Dosis und feiert dieses Werk genauso ab wie ich!

 
Nachspann
endet smooth, ihr müsst also nicht sofort aufspringen – lasst euch ein wenig Zeit.
Kinostart: 19. April 2018

Paris kann warten

Wenn der Name Coppola fällt, und damit nicht Francis Ford oder seine Tochter Sofia gemeint ist, dann wird es für mich ebenfalls außerordentlich interessant. Dass diese Familie im Filmemachen bereits eine gesegnete Grundeinstellung hat, dürfte ja hinreichend bekannt sein.
Diesmal macht sich Eleanor daran, ihren ersten Spielfilm zu inszenieren und betritt damit für sie völlig neues, ungewohntes Terrain. Dass sie sich dabei völlig anderen Herausforderungen stellen musste (zum Beispiel buchte sich ein arabischer Scheich mit 1000 Gästen in das gewünschte Hotel ein, weswegen der Drehort geändert werden musste), ist dabei nur eine Aufgabe, die sie im Verlauf des Drehs gemeistert hat.
Eleanor schrieb und filmte aus eigener Erfahrung heraus und machte so eine eigentlich persönliche Anekdote zu einer grandiosen Filmidee, die sie mit Paris kann warten hervorragend umgesetzt hat. Ihr Fokus auf die kunstvoll inszenierten Meisterwerke, die sich gerade im französischen Milieu verbergen, ist unverkennbar. Die Liebe zum Detailreichtum, die Hommage an die alten Baumeister und kreativen Schaffensprozesse in punkto Architektur, Kultur und Kulinarik ist eindeutig. Damit generiert sie ein Werk, das nicht von dem Prunk ihres Namens oder durch irgendwelche überdimensionierten Kritiken an Hollywood und der Filmindustrie lebt, sondern etabliert ein wunderschön-mümmeliges Stück, das anzusehen mehr als Pflicht ist.
Der französische Charme von Land und Leute erweist sich hier als absoluter Glücksgriff. Die teils immer morbider werdenden komisch anmutenden Präferenzen des diesländischen Kinos werden hier galant umschifft und sorgfältig neu erfunden.
Dabei bedient sie sich als Regisseurin nicht nur beispielloser Bilder und Impressionen, sondern gleichermaßen wunderschöner Charaktereigenschaften, die in einem sanften Stück über die Bildfläche schweben und der Zeichnung ihrer Darsteller immer mehr Profil verschaffen, bis es zum endgültigen Showdown kommt.
Gerade ihre Versessenheit darauf, der Kunst hier freie Bühne zu bieten, hat mich während der Vorstellung im Innersten getroffen und abgeholt.
Der spritzig-bunte Sommerflair eines verträumt-romantischen Teils dieser Erde gepaart mit der untypischen Geschichte erweckt nicht nur das Fernweh und Urlaubsfieber, sondern auch den emotionalen Part im Menschen und sorgt hier im Kino (und später hoffentlich auf arte) für jede Menge begeisterte Zuschauer, die sich an dem Können einer erfahrenen Frau laben dürfen, die hier eine ganz besondere Geschichte zu erzählen hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mit 92 Minuten Laufzeit ist diese Show viel zu schnell vorbei.
Die gekonnte, fein austarierte und liebevoll designte Hommage an Land, Kultur und Leute wird hier von einer Meisterin inszeniert, die sich damit auf dem Spielfilmmarkt ebenfalls ihre Lorbeeren abholen darf.
Paris kann warten besticht nicht nur durch seine immens verträumten Bilder, sondern vor allem auch durch den überaus charmanten Geist seiner Darsteller/innen. Ein Stück, dass man definitiv im Kino gesehen haben sollte.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden. Wer die Musik liebt (oder nicht will, dass es schon vorbei ist), der bleibt einfach bis zum Ende sitzen.
Kinostart: 13. Juli 2017

Regeln spielen keine Rolle

Der Geschichte dieses Mannes ist man im Laufe seiner Filmlaufbahn sicherlich schon hier und da begegnet, nicht zuletzt deshalb, weil u.a. Großmeister Martin Scorsese sich deren Verfilmung bereits in der Vergangenheit angenommen hat. Warum also alten Stoff erneut hervorkramen und schon wieder verfilmen?
Ganz einfach: Weil es sich gelohnt hat. Nicht nur Lily Collins, sondern auch Alden Ehrenreich kauft man die Rolle dank seines süffisanten Charmes sofort ab und erliegt nicht nur seinem smarten Lächeln, sondern auch der Atmosphäre, die die beiden um sich herum aufbauen.
Dass man etwas Dagewesenes so verfilmen kann, dass man dennoch spannungsgeladen im Stuhl hockt und die Weiterführung der Geschehnisse herbeisehnt, verbuche ich mal als dramaturgischen Erfolg und ziehe hier in aller Demut meinen Hut vor den Machern.
Was mir zudem außerordentlich gut gefallen hat, war der Stil, in dem man die Räumlichkeiten und die damalige Zeit eingefangen hat: Die Authentizität schleicht auch hier aus allen Ritzen und formt erneut eine historische Epoche, in die sich auch heute noch viele zurückwünschen. Das ganze Trara um die eigentliche Hauptperson umgarnt hier eine völlig neue Sichtweise und offenbart einmal mehr die Chronologie der Ereignisse von vor über einem Jahrhundert. Dabei wurde nicht nur stilistisch, sondern auch mit Worten und Handlungen sehr sensibel agiert und dem Zuschauer eine wohlwollende Plattform für weiterführende Fantasien geboten, die sich mit den Regeln einer Gesellschaft auseinandersetzt, wie sie vor langer Zeit existierten.
Die Schwierigkeit und Komplexität im Gefühlschaos zu entschlüsseln und einen gemeinsamen Konsens zu finden, der alle Seiten glücklich macht, ist hier nicht nur Aufgabe der Darsteller, sondern auch Thema des Films und führt zu einer für mich befriedigenden Konklusion.
 

.kinoticket-Empfehlung: Allein das Schauspiel der oben genannten Hauptdarsteller ist es wert, ein .kinoticket zu lösen und sich auf den Weg zu machen, um diese Interpretation der Story erzählt zu bekommen.
Die Designer haben hier großartige Arbeit geleistet, die Spannung ist zum knistern und am Schluss wird man zufrieden aus dem Kino entlassen – mit einer großartigen Geschichte im Gepäck, die man ab sofort zu seinem Wissensschatz hinzuzählen darf.
Der Besuch im Lichtspielhaus seiner Wahl ist hier also durchaus angebracht.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, man darf also frühzeitig rausspringen, sofern man nicht an der Abschlussmusik interessiert ist.

The Boss Baby

Meine Erwartungen waren groß, der Trailer herausragend und der Film einer der Filme, auf die man schon lange hinfiebert.
Dass das 3D genial werden würde, ließ der 3D-Trailer bereits erahnen. Wie tiefgründig die Geschichte am Schluss tatsächlich sein wird, konnte aber niemand vorhersehen. Im Prinzip war der gesamte Saal positiv überrascht.
Und dabei spreche ich jetzt nicht von den eingefleischten Literatur-Kritikern aus der einschlägigen Presse, sondern von Menschen wie dir und mir und jeder Menge Kindern. Dieser Film birgt so viele Herzensgüte, Familiensinn, beleuchtet die Beziehungskomplikationen verschiedener Generationen und arbeitet sie in witziger, familientauglicher und lehrreicher Form auf.
Dabei besinnen sich die Macher auf eine Sache, für die eine Kinoleinwand quasi wie geschaffen ist: das Geschichten erzählen. Als Zuschauer bekommt man hier so eine wunderbare Story vorgelegt, der es prinzipiell an nichts mangelt. Vielleicht hat der ein oder andere zu Beginn noch 5-10 Minuten Schwierigkeiten damit, sich in die Charaktere hineinzuversetzen, danach packt einen die Story und man ist komplett in dieser Welt gefangen, in der einem (wieder) beigebracht wird, zu träumen. Genau diese Fähigkeit haben viele Erwachsene ja mit zunehmendem Alter verloren.
Hier spielt der Film eine seiner größten Stärken aus: er ist nicht nur für das jüngste Publikum, was man anhand des Kinoplakats vielleicht vermuten würde, sondern er spricht alle Altersgenerationen an und vermittelt hier nicht nur Unterhaltung für die Kids, sondern birgt neben unzähligen Anspielungen auf weitere Filme noch so viel Tiefgründigkeit und philosophisches Potenzial, dass auch erwachsenen Zuschauern jede Menge mit auf den Weg ins Leben gegeben wird.
Man hat extrem viel zu lachen, feiert eine Form von trockenem Humor, dem ich sehr viel abgewinnen kann und trumpft mit Gag-Salven auf, die die Vorschau aus dem Trailer klein aussehen lassen.
Dabei beschränkt man sich aber nicht auf eine erzwungene Witzigkeit, wie es bei vielen Comedyfilmen der Fall ist, sondern liefert ehrliche Gags und ein breites Potpourri großartiger Emotionen. In Verbindung mit der herrlichen Inszenierung verschiedenster Gedanken und Träume ergibt The Boss Baby einen Film, der sich den Weg direkt ins Herz des Kinogängers spielend leicht erobert.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer also mal wieder ungeniert und völlig frei lachen möchte und dabei vielen Emotionen freien Lauf lassen, für den ist dieser Film genau das richtige.
Er packt sowohl Jung als auch Alt am Schopf und überbringt neben vielen gelungenen Gags auch mega viele eindrückliche Botschaften, die bei allen Anwesenden reine Begeisterung auslösten.
Ein Film, für den sich der Gang ins Kino definitiv lohnt!

 
Nachspann
Sitzen bleiben. Hier wird nicht nur der komplette Abspann durchanimiert, sondern dazwischen und auch nach dem Ende kommen noch weitere lustige Szenen.

Erschütternde Wahrheit

Auch wenn ich dafür in der Vergangenheit oft ausgelacht wurde: Ich vertrete die Ansicht, dass Hollywood eine der wenigen Institutionen ist, wo man dir die Wahrheit aufs Brot schmiert und eiskalt serviert. Warum auch nicht? Es ist ein perfektes Versteckspiel, nach dem sich die Gesellschaft sehnt, um eben solche Wahrheiten zu konsumieren. Echte Wahrheit tut weh. Und die will keiner hören, geschweigedenn spüren. Also packt man die Tatsachen einfach in einen Film und überlässt dem Publikum dann die Wahl, sagen zu können, dass das “ja nur ein Film ist”.
Super bequem. Wer sehen will, der sieht. Wen’s nicht interessiert, der spielt weiter darauf, dass es ja “nur” ein Film ist. Klappte bisher hervorragend und wird es in 100 Jahren vermutlich noch genauso tun.
Erinnern wir uns daran zurück, was in den vergangenen Jahrzehnten auf den Bildschirmen als “Science Fiction” über den Äther geschwemmt wurde (meine Eltern fanden es z.B. wahnsinnig cool, dass sich Türen von selbst öffnen, wenn man hindurchgehen will) und schauen uns unsere gegenwärtige Zeit an, stellen wir schnell fest, dass sich die Dinge aus Filmen meistens in ein paar Jahr(zehnten) bewahrheitet haben. Unsereiner ist enttäuscht, wenn sich die Türen nicht von selbst öffnen, wir empfinden es mittlerweile als so normal, dass es fast schon unfreundlich wirkt, wenn man als Kunde die Tür zu einem Laden selbst öffnen muss.
Für mich ist dies schon seit Jahrzehnten ein Grund, bei Filmen genau hinzuschauen. Und zwar nicht nur Unterhaltungsstreifen, in denen solche Wahrheiten versteckt sein könnten, sondern gerade jetzt in unserer Zeit, wo man viele Fakten offen auf die Tisch legt und das Publikum unverfroren mit der Wahrheit konfrontiert. The Big Short war einer dieser Filme, den sich jeder angesehen haben sollte (!), Erschütternde Wahrheit hat etwas völlig anderes zum Ziel, richtet aber genauso den Fokus auf das öffentliche Leben einer Gesellschaft, die seit Jahrhunderten existiert und sich im Hintergrund scheinbar in die völlig falsche Richtung zu entwickeln scheint.
Was mir in diesem Film absolut wie Öl die Seele runtergegangen ist: Wie man den Menschen hier behandelt. So viel Respekt vor dem Leben, dem Menschen selbst, egal, ob tot oder lebendig, hat man lange nicht gesehen. Unsere Zeit ist darauf ausgerichtet, jedem lebenden Wesen eine Nummer zu verpassen und somit alles Leben zu verbürokratisieren, um jegliche Emotion und Menschlichkeit auszurotten und nur noch steif nach Vorschrift vorzugehen.
Erschütternde Wahrheit macht hier den absoluten Unterschied und achtet das Leben wieder aus einer Warte heraus, die fast schon gottgleich ist. Es geht nicht um amerikanischen Patriotismus (und ich finde es wunderbar, wie der am Rande auch noch abgehandelt wird), es geht auch nicht um gut oder böse, sondern einfach mal darum, innezuhalten und sich zu überlegen, was sich vor unseren Augen eigentlich seit Jahren abspielt.
Und was dort zu Tage getragen wird, schreit tatsächlich zum Himmel. Und zeigt mir, dass selbst das Kino eine Institution ist, die dazu beitragen kann, dass geschehenes Unrecht am Ende doch aufgedeckt wird und niemand auf diesem Planeten einfach so rumlaufen und anderen schaden kann, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Zumindest denjenigen, die von den Skandalen damals betroffen waren, ist dieser Film eine warmherzige Entschuldigung und Wiedergutmachung dessen, das man ihren Liebsten angetan hat. Es wird öffentlich, die Welt erfährt davon und wer weiß, vielleicht ändert eine ganze Gesellschaft ja in ein paar Jahrzehnten dann auch ihre Meinung und richtet ihr Dasein auf Dinge, die weniger mit Geld und mehr mit dem Menschen zu tun haben. Wünschenswert wäre es allemal.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Saal war absolut voll … und absolut ruhig! Jeder war irgendwo ergriffen von dem, was er gesehen hat.
Ich finde es gut, dass Filme dafür genutzt werden, um Unrecht aufzuzeigen und der breiten Masse vor Augen zu halten, das auch in den Medien nicht immer alles das ist, als was es hingestellt wird.
Ja, man darf Dinge anzweifeln. Ja, man darf in Frage stellen. Ja, man sollte hinschauen und sich nicht auf das Geplapper aus irgendwelcher Münder verlassen und unreflektiert hinnehmen, was man vorgesetzt kriegt.
Erschütternde Wahrheit ist einer der Filme, die man gesehen haben sollte, um sein Bild von ganz alltäglichen Dingen ein kleines bisschen korrigieren zu können und zu wissen, dass hinter all dem Trubel und der Gewohnheit noch andere Dinge verborgen sind, die dann nicht in den Medien ausgeschlachtet werden, weil sie nicht ins kapitalistische Grundbild der Wirtschaft passen und eben kein Geld einbringen, sondern eher kosten.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf also in Gedanken nach Hause wanken und darüber nachdenken, was hier grade publiziert wurde.

Mission: Impossible – Rogue Nation

Sprechen wir mal von Macht. Wir leben in einem Zeitalter, in dem alles solch überdimensionale Maße angenommen hat, dass kleine Dinge im Sumpf der sich immer wieder überbietenden Superlativen einfach sang- und klanglos untergehen.
Man wird erschlagen von Großkonzernen. Strafen werden nicht mehr in 1000ern oder 10.000ern gezahlt, sondern in Billiardenhöhe. Mediale Macht hat einen neuen Höhepunkt erreicht und die öffentlichen Personen bestimmen die Gesprächsthemen mehr denn je.
Manche Dinge gibt es, die damit zusätzlich noch maßlos übertreiben und sozusagen sprichwörtlich laut löwe-brüllen, um möglichst gesellschaftsfähig zu proklamieren, dass auch sie zu der Übergröße gehören, die man uns vor Augen setzt. Dabei liegt wahre Größe schon seit jeher in den leisen Tönen.
Neben all dem Größenwahnsinn gibt es dann Filmreihen wie Mission: Impossible. Seinerzeit bereits ein Kinomeilenstein, der nicht versuchte, mit anderen das Kopf-an-Kopf-Rennen durch immer stupidere, sinnfreiere Aufplusterungen zu gewinnen, sondern der sich solide und “nebenspurig” durch die Filmwelt kämpfte und einfach sein eigenes Ding machte.
Wenn man bedenkt, dass der erste Teil im Jahr 1996 auf den Leinwänden zu sehen war und sich mal ausrechnet, wie viele Filmjahre dieses Franchise nun schon auf dem Buckel hat, ist es erstaunlich, dass man dabei so bodenständig geblieben und keineswegs auf irgendeine Art von seiner fundierten Erzählweise abgewichen ist.
Genau das sorgt in Rogue Nation einfach nur für gute Laune und innere Freude. Man sieht eine Geschichte, die nichts kopiert. Es wird weder von den neuen Errungenschaften aus Batman oder von anderen, mächtigen Filmriesen kopiert, sondern man fährt treu seine eigene Schiene und erzählt einfach etwas eigenes, ohne sich selbst vergleichen zu wollen.
Man koexistiert in friedlicher Absicht. Das zu erleben ist für mich tiefgreifende, seelische Befriedigung. Während du im Kino sitzt und die Geschichte zum vielgezeigten Trailer siehst, zu spüren, dass zu keinem Zeitpunkt dieses so gehasste Neider-Konkurrenzverhalten auftaucht – ein wahrhafter Traum!
Man kann über Tom Cruise und seine Verbindungen zu Scientology denken, was man will. In meinem Bekanntenkreis sind viele, die seine Filme aufgrund dieser Tatsache vehement ablehnen und schon von vornherein komplett blockieren, wenn es auch nur den Anschein hat, dass dieser Kerl mit von der Partie ist. Und genau das empfinde ich an dieser Stelle mehr als unpassend, denn: Was auch immer da für ein Mist im Leben dieses Mannes stattfindet: Filme machen kann er!
Sehr erfrischend war auch der fast schon introvertierte Soundtrack, der die bekannten Melodien, die sicher jeder im Leben schon einmal gehört hat, diesmal nicht posaunend nach draußen schrie, sondern nur – und darum habe ich am Anfang über Macht geschrieben – machtvoll andeutet und mit der richtigen Anlage im richtigen Kino so richtig fundiert und brutal gefestigt zur Geltung bringt. Was dich hier tief im Herzen trifft, sind nicht mehr eine unglaubliche Menge spitzer Pfeile, die – jeder für sich – einen tiefen Riss hinterlassen, sondern hier walzt eine gewaltige, undurchdringbare, solide Mauer an Tonkunst auf dich zu und rattert über deine Gedanken, als wären sie Staub.
Verbunden mit den Szenen, die teils schon in den Trailern offenbart wurden, die als Film um so mächtiger, aber nicht aufgeplustert und schreiend von der Leinwand runterpoltern, ergibt Mission: Impossible – Rogue Nation ein Werk, dass Cineasten in seiner Gänze erfreuen und sowohl Kritiker als auch Liebhaber der Reihe endlich zusammenfinden lassen.
Und das – Ladies und Gentlemen – empfinde ich als wahre Regisseurskunst, denn daran unterscheidet sich, ob man in einem Blockbuster oder einem Möchtegernfilm sitzt. Hier haben wir es definitiv mit ersterem zu tun.
 

.kinoticket-Empfehlung: Was man bei anderen Showgrößen der Kinowelt schmerzlich vermissen lies, wurde in Mission: Impossible – Rogue Nation nun endlich richtig gemacht: Eigene Ideen, stilvolle Action, die Liebe zur Kunst und eine Authentizität, die weder kopiert, noch übertrumpft oder anderweitig laut schreit.
Das hier Gezeigte offenbart eine Ehrlichkeit, die die Seele runtergleitet wie Öl. Die Konkurrenzlosigkeit, mit der man sein eigenes Ding hier schafft, tut einfach nur gut und lässt einen Film auf die Menschheit los, der es sowas von Wert ist, gesehen zu werden.
Also Abmarsch bei diesen Temperaturen und ab ins klimatisierte Kino, um mit einer mächtigen Erfahrung mehr nach Hause zurückzukehren. Es lohnt sich!

 
Nachspann
Einen bebilderten, animierten, szenenerweiterten Nachspann gibt es hier nicht. Hoffen wir, dass dafür noch weitere Teile folgen, die auf den neuen Zug aufspringen und in der gleichen Weise für Filmspaß sorgen, der es in sich hat.

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