Damals, ja damals, als die Welt noch in Ordnung war …
So oder so ähnlich denken und reden heute viele Leute. Und das komische dabei ist: Auch unsere Eltern haben zu ihrer Zeit so geredet. Und deren Eltern. Und deren auch… Das Band zieht sich hin bis in die düstere Vergangenheit, wo die Leute wohl auch noch so geredet haben. Denn niemand fragt danach, was damals wirklich abging, sondern man sieht nur die aktuellen Zustände und fragt sich, wieso nicht alles einfacher ist, so wie früher.
Nur, dass es früher eben nicht einfacher war. Weniger komplex – das vielleicht, aber sicherlich nicht einfacher, was Maudie eindrucksvoll beweist.
Regisseurin Aisling Walsh hat sich daran gemacht, das Lebenswerk und die Geschichte von Maud Dowley zu verfilmen und der Welt eine Künstlerin zurück ins Gedächtnis zu rufen, von der unsereiner garantiert noch nichts gehört haben dürfte.
Und jetzt knallt’s auf einmal auf den Screens und zum Vorschein kommen oscarverdächtige Leistungen von Sally Hawkins und Ethan Hawke, die hier dem Bild dieser Zeit erneut Leben einhauchen und in unvergleichlich guter Schauspielkunst bezeugen, was für interessante und vor Kunstgeist strotzende Persönlichkeit diese Frau war.
Und dabei stehen Farben und Lichtverhältnisse – zwei Elemente, von denen Kino generell lebt – ganz im Vordergrund und lassen den Zuschauer nicht nur symbolisch, sondern tatsächlich in die Welt der Verhältnisse dieser Zeit eintauchen. Man sieht nicht nur, zu welchen Größen sich hier emporgearbeitet wurde, sondern man spürt es förmlich und befindet sich mittendrin.
Und der Film weiß durch seine liebevolle, simple und extrem berührende Art zu begeistern. Wer also seiner Freundin kurz vor Halloween nochmal ein herzensgutes Geschenk machen möchte, besorgt für sie und sich selbst ein .kinoticket und verbringt einfach einen wunderschönen Abend zu zweit im Independent-Kino um die Ecke.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Stille und Behutsamkeit, die aufkeimende Liebe und Berührtheit streichelt hier sanft aus einer grobschlächtigen Welt die Synapsen des Zuschauers und bohrt sich liebevoll ganz tief in sein Herz.
Die schauspielerische Leistung ist erstklassig und tatsächlich anwärtig für zumindest eine Oscar-Nominierung.
Wer berührendes Kino mag, ist hier völlig richtig. Machts euch auf den Sesseln gemütlich und vergießt dabei nicht zu viele Tränen.

 
Nachspann
ist gespickt mit der echten Dame und ihren Kunstwerken. Sehenswert!
Kinostart: 26. Oktober 2017