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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Affen

Unsere Erde 2

Vor Jahren hatte ich mal einen amerikanischen Mentor, der mir eine neue Sicht auf die Dinge in der Welt geschenkt und damit mein Leben nachhaltig verändert hat. Er brachte mir bei, dass die meisten Menschen einfach nur von Grund auf negativ eingestellt sind und diese Einstellung täglich durch das, was sie geistig konsumieren, neu erschaffen.
Schaut man die Nachrichten, hört man den Menschen beim Saufen zu, lauscht man aufmerksam im Café oder erzählt mit Menschen im Umfeld, wird dieser Negativismus durch immer mehr und konsequente Bestätigung gefüttert und dadurch entsteht ein total einseitiges Bild unserer Welt, die im Großen und Ganzen dazu verdammt ist, auf die Apokalypse zuzurennen – und außerdem ist sowieso alles verloren.
Mein Mentor brachte mir bei, dass es Möglichkeiten gibt, diese geistige “Programmierung” zu verlassen, indem man sich die Welt wieder gerade rückt und einfach mal nach den Dingen Ausschau hält, die schön sind und über die nicht in den 8-Uhr-News berichtet wird.
Dabei hat er mir – witzigerweise – einige Ausschnitte aus Planet Erde gezeigt, die die Schönheit und Vollkommenheit unseres Planeten in seiner schöpferischen Vielfalt und biologisch explodierenden Stärke zeigen – mit Wundern, die die Welt bis heute noch nicht in diesem Ausmaß gesehen hat.
Wer sich mit Dokus einigermaßen auskennt, weiß, dass die BBC hier das Maß aller Dinge ist und quasi im Alleingang die oberste Liga abdeckt und ausmacht. Zudem handelt es sich bei der Planet Erde-Reihe (es gibt ja mittlerweile zwei TV-Serien und – mit diesem – zwei Kinofilme) innerhalb der BBC nochmal mit Abstand um die beste Dokumentationsreihe, die dieser großartige Sender hervorgebracht hat.
Hier steckt Geld drin – richtig Geld. Und nicht nur das: Es ist ein vollkommenes Beispiel für grandiose Recherche und ein Ausmaß an Produktionsarbeit, dass so mit Sicherheit kein weiterer Film genießt! Allein die Zeit, die man mit filmen und suchen, warten und finden verbracht hat, dürfte abendfüllende Lektüre sein.
Und hier ist es nicht so wie mit den von der Stange runter produzierten Blockbustern, wo alle 12 Monate ein neues Werk auf den Füßen stehen muss, sondern man hat sich tatsächlich die Zeit genommen und das Beste daraus gezogen. Die Leidenschaft und Hingabe, mit der das Planet Erde-Team gearbeitet hat, ist nach wie vor die gleiche, nur die Technik hat sich maßgeblich verbessert und ermöglicht nun Einblicke in die Natur, wie sie – auch wenn es sich wie ein dämlicher Werbespruch anhört – die Welt bislang noch nie gesehen hat!
Es zählt also fast schon zur Pflicht eines jeden, sich in das nächste Kino zu setzen und dieses Wunder der Natur zu bestaunen, denn wieder einmal werden euch alle Strapazen dafür von den Schöpfern und unzähligen Tierfilmern abgenommen und ihr braucht nur den Gegenwert von zwei Latte Macchiato auf den Tresen blättern und könnt ein grandioses Werk genießen, dass den Besuch im Kino definitiv lohnenswert macht.
Einziger Kritikpunkt meinerseits: Günther Jauch. Ja, ich liebe den Mann, ich mag seine Sendungen, er ist für mich eine glaubwürdige und beständige Größe im TV und ich mag ihn als Person. Allerdings hat uns nicht nur die BBC in den letzten Jahren dazu erzogen, Dokumentationen mit anderen Stimmen in Verbindung zu bringen – Jauch ist dafür einfach zu “liebenswert” und “lasch” in seiner Stimmlage, die nichts mehr mit majestätischer Präsentation zu tun hat, sondern wahrscheinlich einzig auf seine Bekanntheit abzielt, was letztendlich für die deutsche Version dieses Meisterwerks kein guter Schachzug gewesen ist.
All das ändert aber nichts daran, dass der fast ausverkaufte Saal beständig “Wahnsinn”, “Das gibt’s doch nicht” etc. ausgerufen hat und permanent vor Verblüffung mit dem Kopf geschüttelt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer keine Zeit dazu hat, sich Planet Erde 2 als TV-Staffel anzusehen, sollte die Chance nutzen und quasi die Zusammenfassung als Kinofilm bestaunen.
Zudem wirken diese Bilder auf der großen Leinwand umso beeindruckender, was den Gang ins Lichtspielhaus zusätzlich bedingungslos rechtfertigt.

 
Nachspann
Smoother Abgang, geht also nicht sofort raus, sondern verlasst den Saal gemütlich.
Kinostart: 15. März 2018

Planet der Affen: Survival (3D)

Beginnen wir mal mit der Technik: die Dreidimensionalität lohnt sich auf allen Ebenen und projiziert moderne Technik mitten ins Kino. Brachial und beeindruckend zugleich fördert man hier den Zuschauer auf neue Ebenen und beweist, dass nicht nur Geld, sondern auch Lust da gewesen ist, diesen Film zu drehen.
Der Soundtrack bezeugt gleichermaßen Größe und Unterschwelligkeit und fördert dabei das neu gewonnene Bild einer verkannten Welt, die sich im Laufe seiner bisher acht Verfilmungen den Weg ins Herz der Zuschauer gebahnt hat.
Über die Anfänge, die Idee, ist man längst hinaus. Den Weg zur Empore einer Action-Ikone hat man mit den neuzeitlichen Verfilmungen auch längst beschritten und abgelegt. Was bleibt, ist das fulminante Ende einer Saga, die es im Laufe der Kinogeschichte zu Großem gebracht hat – und genau das liefert Regisseur Matt Reeves in seiner demnächst startenden, finalen Schlacht, die zwischen allem entscheiden soll.
Der Unwissende wird wohl oder übel der teils angstbehafteten PR aufgesessen sein, die Erwartungen schürt, die Planet der Affen: Survival so nicht erfüllen wird. Das Epos einer alles auseinanderberstenden Gewalt findet nicht in dem Rahmen statt, den man sich ursprünglich denkt, sondern manövriert hier auf einer völlig anderen Dimension, die gleichermaßen beeindruckend und vielschichtig wie visuell beeindruckend ist: Man landet schlicht und ergreifend einen finalen Coup, der auch Kritiker der vorherigen Teile wieder gutmütig stimmen dürfte: Denn das Ende ist so völlig anders, als man es erwartet.
Und zwar nicht nur im erzählhistorischen Stil, sondern auch in der Machart und Schwere des Films, die völlig neue Bereiche einnimmt und den Zuschauer so auf eine komplett andere Reise schickt, als dieser vielleicht eingangs gewollt hat.
Funktioniert das? Ich denke schon – sofern man sich als Zuschauer etwas gemütlicher in den Sessel positioniert und den Leuten auf der Leinwand einfach eine Chance gibt, ihre Geschichte erzählen zu dürfen. Die ist nämlich nicht minder beeindruckend als es die Anfänge dieser Saga seinerzeit waren. Nur eben so völlig gereift und gewachsen, dass sie mit der “Kindheit” fast nichts mehr zu tun haben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Diese Erfahrung lohnt sich auf jeden Fall im Kino, auch wenn sie völlig unerwartet und anders ist, als man anfangs vielleicht annimmt.
Reeves weiß es mit Methoden und Elementen umzugehen, die aus dem Werk etwas völlig anderes rausholen, als es die letzten beiden Filme vermuten ließen.
Der finale Paukenschlag ist in meinen Augen definitiv gelungen und entlässt uns aus diesem Abenteuer mit einem völlig überraschenden und gelungenem Ende, das euch hoffentlich nirgendwo verraten wird.

 
Nachspann
Verhältnismäßig kurz, aber ohne weitere Szenen oder Bilder.
Kinostart: 3. August 2017

Legend of Tarzan (3D)

Ja, ich weiß: Zur Zeit wird alles, was nicht niet- und nagelfest ist, neu verfilmt. Der gemeine Kinogänger kann es nicht mehr sehen, alles quillt angeblich neu aus den Macherpistolen und wird uns aufgewärmt und irgendwie “schlechter” wieder vorgesetzt, weil die Ideologie des neuen Einfalls fehlt und Hollywood irgendwie die Ideen auszugehen scheinen.
Stopp! Oben gesagtes mag in vielen Fällen stimmen und das Computerisiert-Überreizte mag die Genialität einer guten Story überholt und vom Thron der Filmseele gestoßen haben, was in vielen Fällen zu einer miesen Überarbeitung eines ursprünglich tollen Films führt, der einfach nochmal Geld in die Kassen spülen und die Zeit bis zum nächsten schlechten Einfall überbrücken soll.
Pustekuchen! Legend of Tarzan schleudert hier eine Form von Film auf den Tresen, der endlich wieder einmal das Attribut “episch” verdient. Und ich mein das Ernst: Nicht nur optisch überzeugt man hier auf einem Niveau, bei dem Farben, Look und Stimmung derart aufeinander abgestimmt sind, sondern auch der Sound prügelt dir um die Ohren, dass es nach langer Zeit mal wieder erwähnenswert ist, die Augen nach dem Score aufzuhalten, denn der vermittelt hier eine Schwere, die nicht in Worte zu fassen ist.
Genauso beschreibungsunwürdig ist die Form der Kommunikation, die man in diesem Film anwendet. Wer seine lieben Schwierigkeiten mit The Jungle Book (3D) hatte, weil der zu kindisch, zu abgehoben, zu unrealistisch war, der wird nun mit einer Erwachsenenversion belohnt, die sich nicht nur in punkto Erzählweise, sondern auch bei allen anderen Rafinessen würdig erwiesen hat und hier mit einer Form von Genialität glänzt, die man sehr sehr lange Zeit im Kino nicht gesehen hat.
Dank Christoph Waltz könnte man fast auf die Idee kommen, Quentin Tarantino hätte sich neu erfunden und würde als Jüngling ein weiteres Mal die Herzen der Kinosüchtigen begeistern, jedoch ist die Mitarbeit von selbigen hier nicht vorhanden. Stattdessen überrascht man mit einer gekonnten non-verbalen Kommunikation, die alles bisher dagewesene mal eben in den Schatten stellt und in meinen Augen ganz großes Kino produziert: Epische Momente, die vor Coolness, angedeuteter Brutalität und überbordender Größe nur so glänzen und dabei zu keinem Zeitpunkt auch nur den Anschein erwecken, hier nicht noch mehr PS unter dem Arsch zu haben, als ohnehin schon über die Leinwand kracht.
Und genau dieser Fakt hat mich rückwärts mit offenem Mund wieder aus dem Kino fliegen und sprachlos werden lassen: Das einzige Wort, das hier klar ausdrückt, was ich in diesem Film empfunden habe, ist: EPISCH!
 

.kinoticket-Empfehlung: Nein, es ist keine brühwarme Auffrischung oder Reinszenierung alten Materials, sondern eine völlig berechtigte, überzeugende und wuchtige Story, die hier mit enorm viel Kraft, Ausdrucksstärke und Bildgewalt über die Bühne rollt und jeden Zuschauer auf seine Weise erreicht.
Der Look, der Sound, die Brachialität und Urgewalt, die man hiermit auf den Zuschauer loslässt, sucht seinesgleichen und liefert endlich wieder einen Film, der die Langeweile des Sommerlochs eiligst verschwinden lässt.
Und wenn man sich nur für diesen Film aufmacht und ins Kino bewegt: DAS lohnt sich definitiv!

 
Nachspann
beinhaltet keine nachfolgenden Momente, Szenen oder Bilder.

Bibi & Tina – Mädchen gegen Jungs

Mutprobe: Schnapp dir deine zwei besten Freunde, geht ins Kino und sagt den magischen Satz: “3x Bibi & Tina bitte“.
Ja, ich hab mir den Film angeschaut und ja, er ist überraschend gut gelungen. Und zwar nicht nur, weil die PR-Giganten im Vorfeld gute Arbeit geleistet und das Werk entsprechend promoted haben, sondern gerade wegen seines Inhalts.
Bibi & Tina – Mädchen gegen Jungs bringt nun endlich das auf die Leinwand, was ich bei vielen vergangenen Kinderfilmen immer etwas vermisst habe. Hier wird eben nicht nur die Geschichte um Bibi Blocksberg erzählt, sondern den Kindern und Zuschauern sehr viele Werte mit auf den Weg gegeben.
So schrill und farbenprächtig das Werk in den ersten Spielminuten startet, so facettenreich und ehrlich häufen sich die bemerkenswerten Aussagen, die sich nicht nur in Liedform ihren Weg in den Verstand graben. Wer nun glaubt, es handele sich hier um eine zweite Art Eisprinzessin, der irrt gewaltig. Was dort noch verspielt, kindisch und zuweilen einfach nervig von der Leinwand schrillt, entpuppt sich hier fast schon als kompakte Form von Kunst, die spielerisch verschiedene und vor allem wichtige Aspekte diverser Gegensätzlichkeiten auf den Tisch legt und gerade im Genderstreit eine Lösung präsentiert, die eben nichts mit zurückhaltender Emanzipation zu tun hat.
Schluss mit dem ewigen Gleichgemache der verschiedenen Geschlechter. Schluss mit der elenden Rücksichtnahme auf alles und jeden. Bühne frei für eigenständiges Denken, gegenseitigen Respekt und das miteinander Wetteifern. Gerade diese gesunde und positiv-altertümliche Ansicht tut einem beim Zuschauen so richtig gut.
Und damit wird erneut ein Stück Normalität eingeführt, die eher auf das Miteinander setzt als auf das irrsinnige Gerangel, verschiedene Voraussetzungen in der gleichen Weise bewerten zu wollen. Eben diese gesunde Einstellung und der Hinweis auf das Miteinander machen aus diesem Film ein wertvolles Lehrstück für all jene, denen man etwas mit auf den Weg des Lebens geben will. Der Krampf, zu dem sich der Kampf um Emanzipation mittlerweile längst entwickelt hat, der längst nichts mehr mit der eigentlich guten Grundidee zu tun hat, sondern eher zu einer Farce mutiert ist, wird hier zurück auf das kindliche Verständnis des Einfachen gebrochen und somit wieder in gesunde und verstandesreiche Bahnen gelenkt.
Und nicht nur das, sondern vor allem der Soundtrack mit seinen Inhalten überzeugt in einer Weise, die erwachsenen Filmen in absolut gar nichts nachsteht. Die Texte sind derart tiefgründig, dass man auch nach dem Soundtrack Ausschau halten sollte, statt sich nur den Film anzusehen. So merkwürdig es sich anhört, so wichtig ist die Botschaft, die Charakter-Spinner wie Charly Hübner in ihrer Figur hier an den Tag legen.
Genau dieser Aspekt hat mich davon überzeugt, diesen Film als sehenswert weiterzuempfehlen, denn hier wird in einer absurden Welt gezeigt, wo wir einmal herkamen, als noch nicht alles derart verdreht und überspannt in der Öffentlichkeit ausgelebt wurde.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Trailer mag vorwiegend Kinder ansprechen, die Message ist aber eher für die Großen gedacht.
Auch die älteren Herrschaften werden hier eine wohltuende Form von Normalität wiederfinden, die sich nicht nur auf respektvolle, gesellschaftliche Werte beruft, sondern aus dem stümperhaften Einheitsbrei etwas hervorbringt, das in Zeiten wie diesen längst verloren geglaubt schien: das Individuum.
Die tolle Art, wie man das Miteinander in einer Gesellschaft voller Unterschiede hier zu lösen sucht, ist meines Erachtens nicht nur mutig, sondern vorbildgebend. Daher zählt dieser Film für mich zu den besten Errungenschaften dieses Jahres.

 
Nachspann
ist ziemlich cool gemacht, man sollte also sitzen bleiben und der Dinge harren, die auf einen warten.

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