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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Ängste

Was uns nicht umbringt (inkl. Gewinnspiel)

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© 2018 Alamodefilm

 

Was uns nicht umbringt manövriert den Zuschauer an den Rand des seelischen Todes. Eine Begleiterscheinung dieser Area sind meist Therapeuten, die in der Regel selbst so viele Probleme am Start haben, dass sie ihre besten eigenen Kunden wären und lieber sich als anderen helfen müssten.

Dennoch hört das Komplott verwegener, zum Teil skurriler Psychoeinfälle nicht auf und man sieht sich alltäglich mit Dingen konfrontiert, die es irgendwie zu verarbeiten gilt.

Sandra Nettelbeck inszeniert ihr eigenes Film-“Spin-Of”, wenn man so möchte und gibt einem ihrer vorherigen Nebendarsteller somit genügend Bühne, um ein wunderbar melancholisches, durch Situationskomik und Andersartigkeit aufgehelltes Filmchen auf die Leinwand zu bringen.

Die Charaktere sind so schräg und gleichzeitig so vielfältig dargestellt, dass man garantiert Ecken entdeckt, die man auch von sich kennt. Doch die liebenswerten Momente sind nicht nur protagonistischer Art, sondern finden sich z.B. auch in der Erzählweise wieder, die mit intelligenten Kameraausflügen und Moment-Ausbrüchen eine unglaublich wohltuende Wahrhaftigkeit proklamieren, die ich persönlich sehr hoch schätze.

Dass ich mit deutschem Kino sonst recht wenig anfangen kann, ist ja allgemeinhin bekannt. Dass dieser Film es trotzdem geschafft hat, mich auf einer tieferen Ebene anzusprechen und nicht mit den üblichen Verdächtigen aufkreuzt, die ich an dieser Stelle so gern kritisiere, zeugt davon, dass ihr euch schleunigst ein .kinoticket schnappen und das Ding auf der großen Leinwand anschauen solltet.

 

G E W I N N S P I E L

Und damit das besonders gut funktioniert, hat mir Alamodefilm für euch 1×2 Freikarten für diesen Film überlassen, die ich hiermit an euch weiter verlosen möchte. Schreibt mir einfach in die Kommentare, was euch an diesem Film interessiert und warum gerade ihr die Freikarten gewinnen möchtet.

Unter allen Kommentaren, die bis einschließlich Mittwoch, 21. November 2018 eingegangen sind, werden die Freikarten dann verlost. Gebt bitte zwingend eine gültige E-Mail Adresse an, unter der ich euch erreichen kann, um euch im Gewinnfalle benachrichtigen zu können. Nach Abfrage eurer Adresse gehen die Karten postwendend an den oder die Gewinner/in.

 

.kinoticket-Empfehlung: Ein dramatisches, melancholisches, zuweilen trauriges aber auch heiteres Stück über die Abgründe der menschlichen Psyche.

Sandra Nettelbeck portraitiert die Vielfältigkeit des menschlichen Seins und lädt dazu ein, die Menschen von ihrer verletzlichsten Seite aus kennenzulernen. Ein Film, bei dem man sich entspannt zurücklehnen und ihn einfach großartig genießen darf.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 15. November 2018

Original Title: Was uns nicht umbringt
Length: 129 Min.
Rate: FSK 6

Touch Me Not


© 2018 Alamodefilm

 

Touch Me Not – Fass mich nicht an … hinter diesem unscheinbaren Titel steckt ein Meisterwerk, das man kaum zu fassen vermag: Man sitzt im Kino, erwartet nichts großes und wird damit konfrontiert: Mir stand der Kinnladen offen und ich war zutiefst berührt und bewegt, als ich den Saal wieder verlassen habe.

Denkt man anschließend darüber nach? Yes! Ist man irgendwie intellektuell geohrfeigt und wird mit unfassbarer Intelligenz-Blöße und der Entfaltung eines Themas, über das keiner reden kann, überstülpt, so dass anschließend irgendwie überhaupt nichts mehr ein Problem darstellt und man selbst wie aus einer gelungenen Therapiestunde wieder von dannen zieht und insgeheim ein besserer Mensch ist? Yes!

Es ist unglaublich, wie die Regisseurin, Darstellerin und Leidensgenossin selbst es schafft, diese unglaubliche Ehrlichkeit, Offenheit und Zurschaustellung so zu verkaufen, dass man ganz nebenbei seine eigenen Hemmschwellen überwindet, fallen lässt und sie hinterher überhaupt keine Rolle mehr spielen, ohne dabei auf etwas zu verzichten, das man vorher als Schutzwall um sich herum aufgebaut hat!

Wenn es vorher eine #metoo-Diskussion gab, dann ist das hier die Auflösung, Heilung und gleichsam ein Konstrukt, dass viele Menschen zu einer Lösung führt, für die es danach immer noch keine Worte gibt, die aber einprägsam und unvergessen in einem nachwirkt und etwas bereinigt, über das bisher noch nie jemand ein Wort verloren hat.

Diese gewaltige Größe, dieses Spielen mit Worten, zeichnen mit Bildern, ausdrücken mit Wut, Emotionen und Gefühlen, diese Art und Weise, wie man hier an die Sache rangeht und den Zuschauer quasi zwangstherapiert – unfassbar!

Sollte man sich den Film anschauen? Yes!

Am besten gleich mehrfach. Denn irgendetwas tut der mit einem, ich weiß nicht was, ich weiß nicht wie, ich weiß nur, dass es genial ist und dass so etwas kaum jemand probiert, geschweige denn geschafft hätte. Adina Pintilie schon. Und das auf eine Weise, über die ich immer noch staune. Und die Vorführung ist bereits Monate her …

 

.kinoticket-Empfehlung: Wer etwas außergewöhnliches sucht, über das man hinterher sagen kann “Wow, selten so etwas erlebt” – hier ist es.

Sucht euch ein ruhiges Plätzchen, versinkt im Kinosessel und lasst auf euch wirken, was da vorne gezeigt wird: Es ist unglaublich, welche Wirkung ein Film nach sich ziehen kann, ohne dass man hinterher Worte dafür findet.

Hier geht’s quasi nicht um Entertainment, sondern um das Durchputzen psychischer Konstellationen: Der Mensch an sich wird in seiner Seele und Psyche gereinigt, geheilt und von vielen unerschütterlichen Ängsten, Sorgen und Problemen befreit. Während dem Zuschauen erlebt man selbst eine “Therapie”, die großartiger nicht sein könnte – schaut euch das Teil unbedingt an!

 

Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 1. November 2018

Original Title: Touch Me Not
Length: 125 Min.
Rate: FSK 16

ES

Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie es mir vor zwei Jahren mit Mad Max: Fury Road ergangen ist?
Dieser durchschlagende Film war für mich der absolut unerreichbare und Oscar-gekrönte Höhepunkt des Jahres. Bereits im Mai!
2017 geht es mir genauso – und der Titel diesmal lautet: ES.
Ich habe den Film bereits im Rahmen des Fantasy Film Fest auf der Pressevorführung sehen können und danach fieberhaft die ersten Reaktionen aus den USA abgewartet, die ja bekanntermaßen durchschlagend sind. Und das zu Recht!
ES in der Neuverfilmung ist das erste Mal ein Film, der die Bezeichnung “Horror” wirklich verdient! Und ich schaue viel Horror und rege mich schon gar nicht mehr über die weichgespülte Seichtheits-Scheiße auf, die uns in den Kinos ständig als “Horror” verkauft werden will. Man hat sich irgendwann einfach daran gewöhnt, dass man eben nicht mehr zusammenschreckt, keine Angst mehr hat, alles in üblichen Mustern abläuft. Von Anmut und Stil ganz zu schweigen.
Andy Muschietti ändert einfach alles! Dieses Mal landest du nicht in einem Film, bei dem die ganzen “Na, wer hat Angst vorm bösen schwarzen Mann”-Versprechen auf den Plakaten und in den Facebook-Posts eher wie zerplatzende Luftballons auf einem Kinderspielplatz wirken, sondern das Grauen kommt von ganz unten, setzt sich nistend in dein Gehirn und spielt da frei und fröhlich einfach mal extrem mit dir rum.
Und du zitterst im Kino – als absolut ausgetrockneter Horrorfilmfetischist – und hast Angst. Und zwar richtig.
Dieses Mal läuft die Gänsehaut nicht den Rücken runter, sondern schüttelt dich komplett konstant durch – und zwar nicht durch aufregende Szenen, die an Spannungsmoment kaum zu überbieten sind, sondern vor allem mit dem, was sich in deinem Kopf manifestiert und eigentlich der wahre Horror ist: Das nicht Sichtbare, das Unerwartete, das Unvorhersehbare. Und da werden keine billigen C-Movie-Tricks mit aufklappenden Spiegeln oder sonstigen billigen Taschenspieler-Filmtricks verwendet, sondern man fährt eine grausame Würde auf, die im Zuge der ganzen grausamen Rahmenbedingung das eigentlich Furchtbare ist: Wenn diese eine Erkenntnis sich langsam, unnahbar und unaufhörlich in dein Gewissen gräbt und kein Entrinnen mehr zulässt. Du mit Dingen konfrontiert wirst, die du nicht sehen willst. Die du nicht erträgst.
Und gleichzeitig kannst du nicht wegsehen. Du musst. Weil du mit ihnen sympathisierst. Sie sind dir wichtig. Du magst sie. Und hasst sie. Und hast eigentlich gar keine Ahnung.
Hinter all dem steckt eine technische Meisterarbeit, die an Professionalität und Können kaum zu überbieten ist. Allein schon die Kameraführung an den Anfängen des Films spricht hier deutlich davon, dass ES keineswegs mit früheren King-Verfilmungen verglichen werden kann und darf. Und auch das Budget der Effekte, der ganze Look, die kristallscharfe und unfassbar durchcolorierte Variante dieser Coming-of-Age-Welt zeugt deutlich davon, dass dieser Film seine Konkurrenz weit abgeschlagen hinter sich lässt – egal, aus welchem Genre.
Und dabei zittern die Gemüter bereits allein bei der Vorstellung davon, sich diesen Film im Kino zu besehen – zu recht!
Was wir hier vor uns haben, ist ein grandioses Meisterwerk, dass es endlich wieder einmal versteht, der Angst einen Namen zu geben und ihn ungezähmt auf die Besucher loszulassen. Diese erhalten seit langem wieder einen nennenswerten Gegenwert für ihr .kinoticket und erleben etwas im Kino, das lebensverändernde Auswirkungen hat! Danach im Wald übernachten ist einfach erstmal ein paar Wochen lang nicht mehr!
Und um nochmal auf die Klischee-Sparte “King-Verfilmung” sprechen zu kommen:
Man kann ES absolut nicht vergleichen. Nicht mit dem “Horror”, den man aus alten King-Filmen gewohnt ist. Nicht mit dem Maß an Technik, dass man hier aufgeboten hat, um den Zuschauer nicht zu unterfordern. Nicht mit der Professionalität, die man in Specials und Effekte gesteckt hat, um über die Borden des Blockbuster-Movies der Generation A hinauszuklettern.
Generell haben King-Filme einen unfassbar schlechten Ruf, weil es bislang noch nie jemand geschafft hat, eines seiner Werke auch nur annähernd ansehnlich in ein Bewegtbild-Kunstwerk zu stecken und den Leuten als das zu präsentieren, das die Bücher in den Köpfen der Menschen hervorrufen.
Der generelle Buch-Film-Buch-Vergleich sollte also auch hier nicht angestrebt werden. Ein Autor schreibt SEINE Welt. Der Leser interpretiert seine eigene und somit ist jeder zu 100% zufrieden.
Der Film beschneidet dieses Recht der Eigeninterpretation und bricht 1 Million Varianten und Vorstellungen auf die einzige des Regisseurs runter und muss daher Milliarden enttäuschen.
Und jetzt geht ins Internet und lest Rezensionen zu ES aus Amerika, aus demnächst Deutschland, aus aller Welt. Wie krass gut muss ein Werk sein, wenn es trotz dieser fatalen Tatsache, dass eine Buchverfilmung eigentlich nur in die Hose gehen kann, dennoch so unfassbare Kritiken bekommt? Wenn man es trotzdem schafft völlig unabhängig von Vorkenntnissen sowohl Lesern des Buches als auch absoluten Neueinsteigern ein Werk vorzusetzen, dass weltweit bereits jetzt applaudierend gefeiert wird und schon jetzt auf einige Rekorde blicken darf? Und das mit einer quasi “Neuverfilmung”, die in meinen Augen das Original sang- und klanglos absaufen lässt?
Die Fortsetzung mit der im Buch vermischen Ko-Relation zur fortgeschritteneren Variante ist bereits für 2019 angekündigt und ich kann es derzeit kaum erwarten, dieses Werk möglichst bald in meinen Händen zu halten, weil ich sonst in irgendeinem Kino einziehen und die Theaterleitung bestechen müsste, damit dieser Film auch noch nach Betriebsschluss weitergezeigt wird, denn:
 

.kinoticket-Empfehlung: Es ist das krasseste, härteste, ernsthafteste, erbarmungsloseste, Seelen zerfetzendste, brachialste und furchterregendste Werk, dass ich jemals in diesem Genre gesehen habe!
King-Fan oder nicht: Das hier ist ein epischer Meilenstein, der alles andere konkurrenzlos hinter sich lässt und Maßstäbe etabliert, die nicht von dieser Welt sind!
Grandioses Meisterkino, zurecht von aller Welt gefeiert – und seit gestern auch bei uns in den Kinos zu bestaunen. Also zieht euch warm an und dann ab in die Dunkelheit!

 
Nachspann
Sitzenbleiben! Draußen ist es eh dunkel.
Kinostart: 28. September 2017

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