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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Adoption

Wer ist Daddy?

Was mir zuerst in den Sinn kommt, wenn ich Ed Helms auf der Leinwand sehe, ist Hangover. Und tatsächlich hatte Regie-Debütant Lawrence Sher auch in allen drei Teilen seine Finger mit im Spiel, was die vielverzweigten Anspielungen und Elemente, die man gut und gerne auch in diesen Filmen eingebaut sehen könnte, bei Wer ist Daddy? erklärt.
Aufgebaut auf einen recht ungewöhnlichen Road-Trip erobert man mit jeder Menge Slapstick-Einlagen und urkomischen Momenten des Zuschauers Herz und setzt dabei komplett auf familiäre Elemente, die in einem für diesen Film untypischen Finale münden, was ich auch gleichzeitig als kleinen Kritikpunkt anbringen will.
Natürlich sitzt man im Kino, beschaut sich das Prozedere und ist von vielen liebevollen Gags und spinniger Liebenswürdigkeit umgeben und denkt sich, dass das zwingend so enden muss, andererseits könnte man genau dieses Finale aber auch als Versuch werten, hier wieder mehr sein zu wollen, als man ist und damit eben etwas mehr Publikum abgreifen zu können, was ich – in wirtschaftlichen Interessen begründet – niemals für gut heiße.
Das ändert jedoch nichts daran, dass man während des Films – insbesondere zu Beginn – unglaublich viele tragende, spaßige und vorantreibende Momente erlebt, die für viel Kurzweil und gute Unterhaltung sorgen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Egal, ob mit Freundin oder Familie, allein oder mit Kumpels – dieser Film eignet sich hervorragend, um einen gemütlichen und lustigen Kinoabend zu genießen.
Das Ende fordert einem ein klein wenig was ab, aber davon sollte man sich nicht beirren lassen – als Gesamterlebnis bleibt ein durchweg positiver Eindruck zurück, den man gerne mit nach Hause nimmt. Also auf geht’s und rein da!

 
Nachspann
ist anfangs gesäumt von tollen Aufnahmen und erliegt dann dem schwarzen Stream, man darf also gerne wieder nach draußen.
Kinostart: 15. Februar 2018

Zum Verwechseln ähnlich

Eigentlich bin ich ja nicht so der Freund von Trailern, da hier meist schon viel zu viel vorab verraten wird. Bei Zum Verwechseln ähnlich bin ich mir unsicher, da einerseits auch wieder Schlüsselmomente auftauchen (wer bewilligt eigentlich so etwas?) und zum anderen aber ein übermäßig gutes Bild vom Film selbst vermittelt wird, das einem auch ohne ihn gesehen zu haben, einen tollen Überblick gibt, ohne dabei zu viel zu verraten.
Der Sommer wird ja meistens von französischen Komödien begleitet und da macht 2017 auch keine Ausnahme. Sobald man den Film (oder Trailer) sieht, weiß man, dass der Titel förmlich nach Ironie schreit und man sich bei dem Werk guten Gewissens auf viele Lacher einlassen kann, die eingangs auch für ordentlich Stimmung sorgen und den Lachspaß nach vorne treiben.
Diese Erzählgeschwindigkeit behält man auch lange bei und sorgt mit immer mehr Culture-Clash-Klamauk für Abwechslung und Unterhaltung.
Was mir persönlich nicht so gepasst hat, war das vergleichsweise lahmarschige Ende, das hier irgendwie keinerlei Aussage beinhaltet und den Eindruck vermittelt, man hätte kurz vor Schluss einfach keine Lust mehr gehabt und nur noch mit Hängen und Würgen einen Abschluss kreiert, weil sonst das Allgemeinwerk nicht verkauft worden wäre. Schade eigentlich. Eine kurze After-Credits-Szene oder ein x-sekündiger Ausstand, der hier nochmal irgendeine Krone oben drauf gepackt hätte, hätte aus dem Film einen richtig hochwertigen Comedy-Kracher gemacht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Enthält viele Szenen zum Lachen, in denen mit Haudrauf-Comedy nicht gespart wird.
Das Dabeisein innerhalb dieser Familie macht Spaß, solange man immer sicher sein kann, dass eine schützende Trennmauer zwischen der Leinwand und deinem eigenen Leben vorhanden ist.
Die Schrägheit der Figuren findet sich bei dem ein oder anderen sicherlich auch im echten Leben wieder, dadurch erhält man viel mehr Nähe zu den Personen und kann die Verschiedenheit vielleicht noch besser verstehen. Spaß gemacht hat’s auf jeden Fall.

 
Nachspann
braucht man wieder einmal nicht abwarten, auch hier folgen keine Abschlussszenen mehr.
Kinostart: 13. Juli 2017

Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper

Ein Freund meinte zu mir: “Es ist nicht schlimm, wenn du ihn nicht gesehen hast, es ist aber auch nicht schlimm, wenn du ihn gesehen hast.” und sprach damit dem Film einen studentisch-professionellen Auftritt zu.
Und in der Tat: Es ist endlich mal nicht das samtweiche 3D-Rendering, welches man sonst aus animierten Filmen so kennt, sondern man hat sich anderer Technik bedient und damit wieder mehr dem Independent-Kino zugewandt. Dieser Schritt macht sich auch im Drehbuch und bei den darin befindlichen Problematiken bemerkbar. Man wollte sich wieder auf den Inhalt konzentrieren und ließ die Technik (aus Kosten- oder anderen Gründen) mal außen vor, um ein liebenswürdiges Stück Kinderfilmgeschichte zu schreiben, dass sich durchaus sehen lassen darf.
Dabei erleben die kleinen Tierchen im Laufe ihres Jahres einiges an Erlebnissen, die zwar typische Merkmale aufweisen, jedoch genauso Parallelen zum Leben eines Kindes ziehen und damit Hilfestellung für Entscheidungen im jungen Alter geben. Die unterschwellige Moral, die hier im Hinblick auf Freundschaft, Ziele erreichen und Über sich hinauswachsen gegeben wird, ist löblich und wurde überzeugend dargestellt und umgesetzt.
Dass man es als Erwachsener eher schwer hat, die ganze Laufzeit über voll bei der Stange zu bleiben, geht in der Aufmerksamkeit und Begeisterung der jüngsten Kinozuschauer gänzlich unter, denn man ist genügend damit beschäftigt, die Kleinsten zu beruhigen und in diversen Szenen über das Geschehene aufzuklären.
 

.kinoticket-Empfehlung: Damit hat man einen Film, den man Kids auf jeden Fall bedenkenlos vorsetzen kann, aus der man nicht nur eine positive Moral, sondern auch löbliche Grundsteinlegung fürs weitere Leben ziehen kann.
Die Independent-anmutende Animation ist erfrischend anders und sorgt auch hier wieder für ein Stück Abwechslung im Pfuhl der sonstigen Animationsfilme.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten.

Before I Wake

Mike Flanagan kennen viele eher von Filmen wie Oculus oder Ouija 2: Ursprung des Bösen, der bekanntlich in meinen Augen nicht so der Brüller war.
Selbiger Regisseur fährt hier zur Höchstform auf und klatscht einfach mal so eben einen Streifen auf die Scheibe, die mich in allen Maßen einfach nur begeistert hat.
Zum einen: Die Schärfe. Gibt’s schon 8K oder wird das erst in ein paar Wochen angekündigt und dann großspurig verbreitet, dass Before I Wake bereits diese Schärfe besitzt? Gestern im Kino ging’s mir zumindest so, denn die kristallklare, messerscharfe Feinheit, die hier überall ins Spiel kommt, ist einfach nur beeindruckend.
Zum anderen: Der Plot. Ja, man sieht sich anfangs mit den typischen Bausteinen konfrontiert, aus denen man sich einen Horrorfilm basteln kann, angefangen mit den Charakteren, die in eine solche Geschichte gehören und passend dazu gecastet wurden.
Doch bevor es anfängt, langweilig zu werden, bewirft man den angestachelten Zuschauer mit kreativen Ideen, die sich ins Grundthema des Films eingliedern und hier einer Basis Platz machen, die ich so sehr liebe: Ruhe.
Der ganze Film tänzelt um den Frieden und bereichert die Welt mit einer völlig anderen, irrsinnig einfallsreichen Form dessen, was jeder kennt und keiner bislang so ausgemalt hat, wie Flanagan das in diesem Titel macht.
Die Wendungen, der Überraschungsmoment kommt zwar nicht mit einem derartigen Knall, dass man an dieser Stelle mit euphorischer Begeisterung von einer umwälzenden Erfahrung sprechen könnte, die Story als Ganzes funktioniert aber und liefert hier einen Kinoabend, den man am besten zu zweit in einer kalten Winternacht genießt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kreativität, Einfallsreichtum, spannende Wendungen und ein trickreicher Plot, gekonnte Inszenierung und dazu eine fantastisch umgängliche Ruhe – machen aus diesem Streifen eine Erfahrung, die man nicht neben sich herschieben sollte.
Mich hat der Film immens beeindruckt, so sehr, dass ich einen Tag später direkt wieder im Kino saß und mir die Vorstellung nochmal anschauen musste.
Man verändert ein bestehendes Konzept so ab, dass aus der Show wieder etwas Inspiratives geworden ist, dass die Ausgewogenheit zwischen Schönheit und Grusel galant umschwärmt.
Fans von Gruselkino dürfen hier gerne zuschlagen.

 
Nachspann
Nix, sobald es schwarz wird, kommt entweder eine spannende Wendung oder der Nachspann – spätestens dann darf man wieder ins Licht flüchten ^^.
 

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