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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Adam Scott

Krampus

Humor ist so eine Sache. Die einen mögen, was die anderen hassen – und vice versa. Bei schwarzem Humor sieht es da schon ein klein wenig anders aus, mit dem kommt man zurecht – oder eben nicht.
Wenn darum dann noch ein herrlich wüster, irrwitzig schräger Film gebastelt wird, der sich nicht mit den Rühmlichkeiten des zunichte gemachten Weihnachtsfestes abgibt, sondern eher den dunklen Schatten das Feld räumt, dann erhält man einen Film, der in meinen Augen der beste Weihnachtsfilm dieses Jahres überhaupt ist: Krampus.
Schon der Trailer ließ mein Herz vor Freude zucken, denn ich steh auf Horror, bei dem der Spaß nicht zu kurz kommt und man nicht vor billige Tatsachen gestellt wird, mit denen man sich abzufinden hat.
Krampus macht hier den Unterschied, indem man einfach jegliche Normalität wegnimmt und so dermaßen über den Rand hinausschießt, dass es nicht mehr lächerlich, sondern beängstigend real und vor allem fast schon tiefgründig zur Sache geht. Trotz des Irrsinns knistert hier eine ernstzunehmende Authentizität durch den Raum, die sich eben nicht mehr nur um eine Saga aus südlichen Gefilden unserer Breitengrade dreht, sondern ein Stück weit mehr sein will … und auch ist.
Es gab Szenen, bei denen ich mir dachte: “Endlich räumt mal jemand mit dem Verkorkstsein des wirtschaftlich und religiös zunichte gemachten Weihnachtsfests auf und richtet die Dinge wieder gerade.” Keine Einkäufe, kein Geldausgeben, kein Zwangsschenken, keine liebe heile Welt, obwohl man sich das ganze Jahr über nur anschreit und eigentlich alles im Argen liegt – sondern reinen Wein in volle Gläser.
Die Ehrlichkeit, mit der die Thematik hier angegangen wird, ist Balsam für das zerschundene Seelenherz, dass sich tief drin eigentlich sehr nach einer Welt sehnt, die in Ordnung ist. Insofern ist es fast erlösend, wenn die Kacke dann so richtig am Dampfen ist und man mit wunderbar überzogenen Effekten und derartig abstrusen Ideen durch den Kakao gezogen wird und währenddessen weder von Schauspielern noch Machern von einer bitterbös-schwarzen Ironie abgewichen wird. Die Trockenheit, mit der die überdrehten Witze rüberkommen – poetisch!
Die Eskalation, in der die Geschichte schon fast zu Beginn mündet, ist sowas von an den Haaren herbeigezogen und gleichzeitig so ernst, so “echt”, so non-unrealistisch – kein Plan, wie man das auf die Reihe gekriegt hat.
Gefeiert hab ich auch am Schluss, als endlich mal eines der Filmenden auf dem Tisch lag, von dem ich seit Jahren träume. Ein Paukenschlag, ein Finale, das nicht nur wunderbar zu diesem Film passt, sondern fast 1:1 meinen Lebenstraum eines Filmendes widerspiegelt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte viel Toleranz und Handlungsspielraum im Schädel mitbringen und den Film nicht anhand von anderen bewerten wollen, denn das ist nicht möglich.
Krampus liefert schwarzen Humor reinster Güte verbunden mit der Entwirrung des ganzen Christmas-Wahnsinns in einer Geschichte, die ganz zum Schluss einfach nur Sinn ergibt und mit ihrer Botschaft – sofern man sie versteht – ganz tief drinnen ankommt.
Für mich einer der besten Weihnachtsfilme überhaupt, bei dem man allerdings nicht popcornmampfend dasitzen und sich unterhalten lassen kann, sondern ganz genau hinsehen und vor allem zuhören muss.
Wer das tut, der geht hinterher auch gern nochmal rein, denn irgendwie wirkt die “dunkle Magie” auf ihre ganz eigene Weise. Der zynische Charme versprüht allzeit weihnachtliche “Wärme”.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf getrost nach draußen springen.

Black Mass

Johnny Depp hat schon viele unterschiedliche Rollen gespielt und landete damit mal ganz vorn, mal ganz hinten. In Black Mass tritt er erneut mit einem neuen Gesicht an und beweist einmal mehr, dass in ihm kein kleiner, sondern ein herausragender Schauspieler steckt, der durch Mimik, Sprache, Gestik und exzellente Darstellungen zu überzeugen weiß.
Dabei hatte ich oft das Gefühl, dass seine Mitspieler ihm bei weitem nicht gewachsen waren. Was Depp verkörpert, ist phänomenal und sucht grenzüberschreitend seinesgleichen ohne auch nur ansatzweise fündig zu werden. Die Thematik selbst empfand ich mehr lückenhaft als erfüllend, denn hier wird weder auf der einen, noch der anderen Seite hinreichend inhaltlicher Denkstoff gegeben, sondern mehr oder weniger aufgezeigt, was im Stillen sowieso fast jeder vermutet, auch wenn diese Art der Kooperation dann doch reichlich ungewöhnlich zu sein scheint.
Nichtsdestotrotz erfüllt Hollywood auch hier wieder eine neue Tugend: Man verfilmt Realereignisse und füllt die Kinosäle mit Menschen, die vergangene Geschichten zuschauerverträglich aufbereitet im Kino sehen möchten – dieser Trend scheint zu funktionieren.
Die Szenen (sowohl die lustigen, als auch die ernsten) brennen sich definitiv tief unter die Haut ein, die Skrupellosigkeit und Gier, die Unhaltbarkeit, das Verflechten in Systeme, deren Kontrolle man schon am Anfang verloren hatte – all das wird verständlich und visuell hervorragend rübergebracht.
Was mir allerdings fehlte, war ein zufriedenstellender Schluss. Irgendwie hockt man am Ende da und wartet auf eine Aussage, die einfach nicht kommt. Nach dem Abspann findet man sich dann damit ab, dass die Eindrücke und Szenerien, die während des Films gezeigt werden, allein die Essenz des Movies ausmachen wollen und da jetzt tatsächlich nichts mehr kommt – und das war für mich, als jemand, der den großen Endpaukenschlag abgöttisch liebt, tatsächlich etwas verstörend und enttäuschend.
Dennoch wandert man tief beeindruckt und seelisch mitgenommen wieder aus dem Kino auf die Straße und fühlt sich irgendwie kratzbürstig durchgewaschen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer Johnny Depp liebt, sollte sowieso da rein, wer einfach nur mal geniale Schauspielerei erleben möchte, auch.
Die verkörperte Gestalt von Bulger sucht seinesgleichen, was Charakter, Stärke und Profiltiefe angeht. Die Szenerien beeindrucken nicht in gleichem Maße, wie es Urgesteine wie Der Pate tun, allerdings erhält man hier etwas gleich großes, dem nur der epische Schlusspathos fehlt.
Ansonsten erhält man hier überdurchschnittlich rare Kost, die ein Biopic abzeichnet, das den Film zurecht verdient.

 
Nachspann
gibt es keinen, der Soundtrack von Tom Holkenborg überzeugt aber auch hier wieder auf voller Linie.

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