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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Absturz

Venom (3D)

Dieser Film wird die Welt heilen. Er saugt all die Boshaftigkeit in sich auf, bringt die zerstörerische Wut unserer Generation in ein passendes Gefäß, lässt dieses explodieren und verteilt die genüssliche Wirkung von Rache, Feindseligkeit und Hass auf unsere Generation.

Diese Krankhaftigkeit, mit der unsere Zeit verseucht ist, bekommt hier ein Symbolbild und wird für Sehende verständlich auf die Leinwand gemalt.

Wer nicht mit Waffen draußen rumspazieren und seinem Ärger durch den Trigger Luft verschaffen will, kann dies völlig unschädlich jetzt auf der Leinwand auch einfach erleben: .kinoticket lösen, 3D Brille aufsetzen und dabei zusehen, wie Venom mit allem aufräumt.

Krieger dieser Welt, schnappt euch ein Pausenbrot, senkt eure Waffen, legt euch auf den Boden und lasst das Blut aus euren Wunden fließen: Ihr braucht vorerst nicht weiter kämpfen: Venom ist da!

Dieses Gefühl ist unbeschreiblich: Pause! Zeit für sich. Zeit, seinen eigenen Schmerz zu erleben, weil man nicht ständig für andere stark sein muss. Da drin … steckt mehr, als Sony oder Marvel weiß.

Ich hab stundenlang danach immer noch Gänsehaut gehabt und ich bin mir ziemlich sicher: Die Welt wird diesen Film nicht verstehen. David, this is for you. Only.

Es klingen überall Befürchtungen an, dieses Werk sei scheiße. Okay, Sony hat in der Vergangenheit nicht immer nur Brüller rausgehauen und Marvel ist dieses Mal nur “in association with” dabei, aber selbst das reicht, um endlich alles richtig zu machen, was vorher mit Spider-Man in die Scheiße geritten wurde.

Es ist das erste Mal, dass Marvel einen Charakter “einkauft”, den sie nicht selbst erfunden und auf die Leinwand gebracht haben. Und die Vorgeschichte ist durch alle, die vorher mit ihren Dreckhänden dran gepackt haben, im Arsch. Marvel muss diesen Charakter also nicht nur retten, sondern auch viele Lügen und Betrug bereinigen, der inzwischen in den Köpfen der Menschen rumgeistert.

Die .trailer zum neuen Spider-Man leisten da schon großartige Vorarbeit und die zerstrittenen Comic-Seelen dürften nun langsam beginnen, ihren Frieden mit dem Major-Label zu schließen und ihre Augen weiter öffnen für alles, was da kommen möge.

Vor dem Wiederaufbau die Zerstörung. Erst alles kaputtschlagen, dann schauen, was überlebt und neu hinstellen. Great American Spirit. Venom ist für’s Kaputtschlagen da und ich hoffe und bete immer noch, dass wir davon eine Trilogy bekommen werden, denn: Dieser Film wird unsere Welt heilen.

P.S: Schaut ihn euch in OV oder OmU an, die deutsche Synchronisation ist zwar ganz passabel, der Voice-Cast für Venom erfreulich düster und auch Tom Hardy‘s geile Performance wurde toll gemastered, allerdings sind einige Jokes im Englischen mit wesentlich mehr Profil gesegnet.

.kinoticket-Empfehlung: Das 3D ist nicht zwingend notwendig, den Film anzusehen dafür um so mehr: Es ist ein perfektes Spiegelbild unserer zerstörten Generation und vollbringt das, wozu alle Regierenden dieser Erde gerade scheinbar nicht in der Lage sind: Er haut mit riesigen Pranken auf den Tisch und beendet einfach alles und räumt auf.

Gebündelter Hass, vollzogene Zerstörung und dabei eine tiefschwarze Liebe, die einzigartig ist: Venom übernimmt den Kampf aller kämpfenden Helden und portraitiert damit auf der Leinwand, was außerhalb der Kinos gerade abgeht.

Nationen, zieht euch warm an, Venom ist da und ihr wollt ihn nicht als Feind.

Nachspann
✅ Die Presse wurde bereits vor der Weltpremiere bestraft, die Vorpremierenzuschauer haben sich selbst gegeißelt und die Kinogänger werden es wohl auch kaum lernen: Bei einem Marvel bleibt man bis zum Schluss sitzen.

Ja, der Abspann ist lang. Elends lang.

Ja, es kommt eine Zwischensequenz.

Ja, danach kommen noch 10 Minuten Abspann.

Ja, danach kommt noch ein Film, der den Vorfilm von Coco locker in der Zeit toppt. Nicht nur eine Sequenz … ein Film!!! Wer ihn verpassen möchte => Die Kinotüren sind die ganze Zeit offen.

Achja, und Venom steht draußen und prügelt euch wieder zurück in den Saal.

BLEIBT. ALSO. VERDAMMTNOCHMAL. BIS. ZUM. BITTEREN. ENDE. SITZEN!
Danke. 

Kinostart: 04. Oktober 2018

Original Title: Venom
Length: 112 Min.
Rate: FSK 12 (halte ich für wesentlich zu gering!)

xXx: Die Rückkehr des Xander Cage (3D)

Wir sind in einem Kinozeitalter angekommen, in dem die Technik das Bewusstsein des Menschen längst überholt hat. Smartphones, die weit über den Standards dessen sind, was damals angeblich zur Mondlandung verwendet wurde, und CGI-Animationen sowie technische Täuschungen, die erst auf Nachfrage hin enttarnt werden, gehören heute fast schon zum guten Ton.
In so einem Zeitalter ist xXx: Die Rückkehr des Xander Cage entstanden und triumphiert mit einem 3D, das nicht nur sensationelle Raumtiefe aufweist, sondern durchaus wieder Maßstäbe setzt respektive beweist, dass wir tatsächlich in dieser Moderne leben.
Vin Diesels Auftritte gehören aber nicht zur abgeflacht-mauen Form dieses Jahrzehnts, sondern er brilliert hier mit imposanten Stunts und lässt das Action-Kino des Millennium wieder aufleben, aus dessen Jahrzehnt auch die Vorgängerteile von Triple X stammen.
Eben jene, die damals richtig Spaß dabei hatten, ihren Titelhelden dabei zuzusehen, wie sie die Welt um sich herum für irgendeinen simplen Sinn in Schutt und Asche gelegt haben, werden mit der aktuellen Fortsetzung erneut in den Kinosessel gefesselt und nicht nur mit altbewährter Action überhäuft, sondern auch mit Stunt-Szenen, die Maßstäbe in Detail, Dreidimensionalität sowie Ästhetik setzen und sich damit fast schon zur Kunstform emporheben.
Ganz im Ernst: Die Dialoge, die “Bösewichte” im Film gehören zurück in die 90er, ihre stupiden und teilweise lächerlichen Darstellungen passen genau in das gewollte Actionkino dieses Jahrzehnts, was auch einen sehr genauen Eindruck des Zielpublikums vermittelt – die Actionmomente selbst jedoch steigen in eine ganz andere Liga auf.
Man spürt deutlich, dass man hier mehr als stumpfes Rumballern zeigen wollte und mit Kamera-Choreografien um sich wirft, die mich tatsächlich an liebevolle Kunstszenen erinnern statt an stupide Gewehrsalven und Haudrauf-Szenen.
Damit trifft man den Kern der Aussage und holt tatsächlich all jene, die ihre einstigen Helden wieder im Kino erleben möchten und liefert ihnen alte Geschichten in modernster Form auf der Leinwand.
Zur Jahrhundert-Umwälzung wird diese Fortsetzung wohl kaum mutieren, und sich extrem lange im Kino halten wohl auch nicht, allerdings reicht das Aufgebot bei weitem aus, um wieder mal einen so richtig abgefahrenen Action-Abend zu genießen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Also: Popcorneimer voll machen, Hirn leer, hinsetzen und die Show genießen.
Die Sinnhaftigkeit gleicht derselben aus vergangenen Jahrzehnten aus diesem Genre, hier wird nicht viel modernisiert, die Grafik hat sich aber abartig verbessert und die Choreografien der ästethischen Kameraführung sind ein Augenschmauß sondersgleichen.
Und noch ein Pluspunkt zum Schluss: Diesel ist nicht austauschbar und sympathisiert hier wieder als ein Unikat vergangener Jahrzehnte.

 
Nachspann
Abgesehen vom Soundtrack passiert hier nichts sehenswertes mehr.

Money Monster

In letzter Zeit dreht sich in Hollywood viel um Geld. Doch nicht nur hinter den Kulissen wird vermeintlich Kohle gescheffelt, sondern man bringt das Thema in jüngster Vergangenheit erstaunlich oft vor die Kamera.
Neben The Big Short reiht sich nun ein weiterer Film in die Liste genialer Geld-Filme ein: Money Monster.
Regie führt keine geringere als Jodie Foster, deren filmische Machwerke sowieso ein Garant für solide Spannung und gute Unterhaltung sind. Klar kann man so immensen und für das gemeine Volk fast schon zu komplizierten Vorgängern wie oben erwähntem The Big Short nicht das Wasser reichen, dafür ist der Plot zu niedrig, das Ausmaß zu klein, die Lehrstunde zu selbsterklärend – jedoch wurde die Geschichte wahnsinnig spannend und wohl durchdacht inszeniert und somit hier ein Kinofilm geschaffen, der den Kauf eines .kinotickets mehr als Wert ist.
Es macht schon zu Beginn des Films Spaß, Julia Roberts und George Clooney dabei zuzusehen, wie sie voller Elan in die Story einsteigen – das Zusammenspiel beider Schauspielgrößen war für mich allergrößte Genugtuung. Beide machen ihre Sache mehr als perfekt und Jack O’Connell als eher unbekannterer Hauptdarsteller zieht mit beiden nahtlos mit.
Diese Schauspielprofessionalität, die man hier auftischt, macht aus dem Film etwas ganz großes, auch wenn im Verlauf der Story dann hin und wieder kleine Wartezeiten entstehen, die nicht so recht gefüllt werden wollen, so braucht man vom Gesamteindruck trotz allem keine Abstriche geltend machen, denn die Story stimmt und erzählt hier einmal mehr etwas wahnsinnig wichtiges, das in den Köpfen aller Menschen langsam Fuß fassen sollte.
War der Vorbildfilm eher etwas für die studierte Oberliga der Banker-Intellektuellen, bringt dieser Film nun das Thema artgerecht in die “Schulen” und liefert hier wunderbare Ansätze auf kleinerem Nährboden, der eher dazu einlädt, in die Materie einzusteigen und sich auch in Zukunft mit solchen Eskapaden zu beschäftigen.
Dazu jede Menge spannende Unterhaltung, keine dämlichen Reaktionen und eine wunderbare Stimme aus Hollywood, die hier für Millionen kleiner Menschen spricht – ergibt dieses Stück ein wohlschmeckendes Stück Kino-Kuchen, von dem sich sicher viele verstanden fühlen dürften.
Mir hat es wahnsinnig gefallen und ich würde diesen Film definitiv in die “Kann man jedem zeigen und sofort hernehmen, wenn man nicht weiß, was man im Kino schauen soll”-Schublade packen – und ich würde jederzeit wieder mit rein gehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hollywoods ausgewachsene Schauspiel-Ikonen werfen sich hier so gekonnt die Bälle zu, dass es wahnsinnig erstaunt, wenn ein relativ unbekannter Jack O’Connell sich dabei nahtlos in die Oberliga einreiht und hier einfach hypercool im ganzen Spiel mitmischt.
Die Thematik ist hervorragend, die Ausarbeitungen sind zwar nicht allerbeste Oberklasse, aber definitiv gut verdaulich und laden dazu ein, sich mehr auf solche Problematiken einzulassen.
Spannung, Wendungen und Ende setzen hier keine neuen Maßstäbe, die Gesamtpackung funktioniert aber als hervorragender Kinoabend und liefert hier wieder mal einen Film mit Sinn und Verstand, den gerne viele sehen sollten.

 
Nachspann
Nach der Schwarzblende darf man gehen, hier folgen keine weiteren Informationen mehr.

Der kleine Prinz (3D)

Schlagt mich tot – aber hier ist ein Buch, das ich als Kind unwissentlich umschifft habe, von dem ich zwar den berühmten Ausspruch kenne, aber keinerlei Ahnung im Zusammenhang der Geschichte vorweisen kann.
Demzufolge gibt’s an dieser Stelle eine vorurteilsfreie Rezension über eine Geschichte, der ich in dieser Form zum ersten Mal im Leben begegnet bin.
Die Rede ist vom Kleinen Prinz. Mein Vorwissen beschränkt sich auf die Aussage eines guten Freundes, der mir mit auf den Weg gab, dass das Buch sehr anstrengend geschrieben sei und er es deshalb vorab zur Seite gelegt und nicht fertig gelesen habe. Mein Gegenbeispiel bei der Filmvariante ist ein etwa 5jähriges Mädchen, das zwei Stühle weiter in meiner Reihe saß und anfangs zwar noch etwas interessiert rumgesprungen ist (wahnsinnig gutes 3D by the way!), dann aber ruhig auf seinem Stuhl saß und die Story nicht nur bis zum Schluss aufmerksam verfolgt, sondern – anhand der Tränen zu urteilen – wohl auch irgendwo verstanden hat.
Was ich als übermäßig gelungen empfand, war die dreiteilige Weise, mit der man die teils schwere Kost, die sich im Hintergrund vermuten lässt, auf die Leinwand gebracht hat. Du kannst den Formen und Farben folgen, die Bilder hernehmen und dich von ihnen tragen lassen, du kannst das Gesagte verstehen und so der Erzählung an sich folgen oder dein eigenes Hirn berappen und anfangen, das Gezeigte in Verbindung mit den Worten zu interpretieren und dir damit die Mega-Variante des Ganzen zusammendichten, worin ich beim Schreiben dann auch eher die Schwierigkeiten sehen würde, da hier das audiovisuelle Verständnis fehlt.
Es war, als schwirrte dein Geist durch die teils großartigen Bahnen, die umflügelt von einer fantasiereichen Einfallsvielfalt getragen doch eine Erzählrichtung aufwiesen, und je nachdem, auf welcher der drei Bahnen du dich bewegst, du trotzdem immer wieder sanft am Rande des Abgrunds aufgefangen und in die richtige Richtung gelenkt wirst. Dieses Kunststück zu vollziehen ist für mich große Filmkunst, weswegen ich Der kleine Prinz in punkto Genialität weit über bisher bekannte Disney-Welten einsortieren würde.
In punkto Verständlichkeit also ein volles Plus, was sich gegebenenfalls negativ auf die Buchliebhaber niederschlagen wird (wo ist das denn eigentlich bitte mal nicht so?), in Sachen filmisches Können von mir eine Eins Plus, da die Art der Generationenzusammenführung vor solch ein Thema gigantisch gelöst wurde.
Wo sich die Kiddies an niedlichen Tieren und toll animierten Figuren in einer wirklich herzerwärmenden Welt erfreuen können, dürfen Erwachsene weit über den Rand des Metaphysischen hinaus sinnieren und ihre eigene Person irgendwo in den Untiefen dieser Geschichte suchen und wiederfinden.
Wie oft landet man selbst in genau den Situationen, die hier verteufelt und bloßstellend zur Anschauung postiert werden, während der Film direkte Ansätze liefert, die ein so viel besseres Leben ermöglichen und die verloren gegangene Portion Leben wieder mitbringen, die vielen von uns fehlt, um aus unserer Welt wieder das zu machen, was sie einmal war.
Klar ist das mehr oder weniger Wunschdenken, dem man sich hier ergibt, jedoch ist genau die Sehnsucht nach eben jenen Werten das, was Menschen im Alltag zu Veränderungen treibt, die dann eben doch den kleinen Unterschied ausmachen, der letztlich alles verändert.
Angesichts der Tatsache, dass man hier in eine wirklich niedliche, herzliche und behütete Welt abtauchen kann, die das Träumen in allen Facetten zulässt und dazu noch eine sanfte Moral, struktuelles Denken und mögliche, persönliche Interpretationsweisen mitliefert, empfinde ich das als einen der wenigen gelungenen Filme, die tatsächlich zum richtigen Zeitpunkt das Licht der Welt erblicken und so auch außerhalb vom Kino ihre emotionale Aufgabe erfüllen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Muss man sich diesen Film ansehen, um mitreden zu können?
Gewiss nicht, denn das Buch wird seine Wirkung auch anders entfalten, sonst wäre es niemals ein derart prestigeträchtiger Bestseller geworden. Macht man also einen Fehler, wenn man stattdessen ins Kino rennt und sich dort die Geschichte in neuer Interpretation zu Gemüte führt? Definitiv: Nein!
Was hier im Auge ankommt, ist eine wunderbar liebevoll animierte, überaus mehrdimensionale Geschichte, die nicht nur in 3D mehr als gelungen über den Äther streicht, sondern auch erzähltechnisch einige Etagen über sich lässt und weit über das Normalmaß hinaus reicht.
Sowohl Kinder als auch Jugendliche und Menschen gesetzteren Alters werden hier definitiv ihre Freude haben, denn gerade das Herausstechen aus allen bisher bekannten Formen des Films sorgt für eine wohlbehütete Atmosphäre, die kein anderes Klischee anreißt, aufgreift oder gar erfüllt. So wie das Buch bislang unangefochten seinen eigenen Platz in der Bücherwelt innehat, so reiht sich der Film außerhalb allen bisher Gezeigten in die Geschichte des Kinos ein und hinterlässt einen wunderbaren Geschmack von Reife, Heranreifen und dem niemals vergessenen Kind, das definitiv in allen von uns drinnen schläft.
Lasst es wieder raus – dieser Film hilft euch dabei.

 
Nachspann
ist interessant, da er mal ein klein wenig anders gestaltet ist. Auf abschließende Sequenzen oder weitere Animationen braucht ihr allerdings nicht warten.

Southpaw

Eigentlich bin ich jetzt nicht der große Box-Fan, der sich ständig jeden Kampf auf RTL anschaut oder da in irgendeiner Weise mitfiebert.
Ein größerer Grund, weshalb ich mir Southpaw überhaupt geben wollte, war Jake Gyllenhaal, dessen schauspielerische Leistungen bei mir schon früher für Begeisterungsstürme gesorgt haben.
Und richtig: Auch dieses mal landet man wieder einen Coup, der sich durchaus sehen lassen darf und in seinem Genre vollends überzeugt.
Im Film kommt gleich zu Anfang Stimmung auf und man begibt sich auf die Reise durch das Leben eines Boxers, erlebt Höhen, Tiefen, Abstürze und Wiederauferstehungen, die sehr sentimental und berührend auf die Leinwand gebracht werden.
Das Schauspiel aller Beteiligten kann sich sehen lassen, die Dialoge sind präzise zurechtgeschnitten und die Emotionen kochen nicht gekünstelt, sondern zuerst brodelnd und später mitfiebernd in den Gemütern aller Zuschauer hoch.
Selbst im Kino neben mir begaben sich einige Pärchen an bestimmten Stellen des Films näher zueinander hin, weil sie dem Druck nicht standhielten und um Erlösung bangten, denn was hier gezeigt wird, crasht dir teilweise so richtig das Hirn raus und fordert deinem Empfinden einiges ab.
Eben typisch Gyllenhaal-Movie. Und genau das hat nicht nur beim mir einen super positiven und ummantelnden Eindruck hinterlassen, aus dessen Umarmung man sich nur ungerne löst.
Gerne dürfen mehr Sportarten in dieser Weise verfilmt werden. Ohne akribische Suche nach dem großen Durchbruch, sondern einfach heimisch verfilmt und den Menschen darin total nahe gebracht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mit Southpaw landet man einen Volltreffer, was das Herantragen an die menschlichen Empfindungen angeht.
Die werden nicht nur teilweise überstrapaziert, sondern permanent so richtig gefordert, denn was man hier sieht, geht einem tierisch an die Seele.
Die ausbleibende Suche nach dem Gigantismus versüßt den heimeligen Auftritt dieses Sport-Movies noch zusätzlich und endet in einem mehr als gemütlichen Kinoabend, bei dem sogar auch die weibliche Fraktion durchaus Freude haben dürfte.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts interessantes mehr.

Amy

Ein komisches Gefühl, im Kino wieder für Eintritt zahlen zu müssen. Dies findet bloß bei Sondervorstellungen statt, zu denen man Amy zählen darf.
Die lang herbeigesehnte Dokumentation über das Leben der inzwischen verstorbenen Musikerin sollte man sich schleunigst im Kino anschauen, denn es läuft nur noch heute (17/07/15) und am kommenden Sonntag eine einzige Vorstellung.
Das teilweise zerrüttete Leben von Amy Winehouse haben viele bestimmt spottend über die Medien verfolgt. Ihr großer Erfolg mit Songs, die vielleicht keiner so wirklich verstanden hat und ihr brachialer Absturz in Drogen und Alkoholkonsum, der in einem unrühmlichen Tod endete.
Amy tut auf eine erfrischende und zutiefst berührende Art das, was die Medien damals hätten tun sollen: Die Wahrheit ans Licht bringen. Die Trailer betitelten diese Dokumentation u.a. mit den Worten “So nah ist man ihr bisher noch nie gekommen” und daran steckt viel Wahres.
Hier handelt es sich nicht um eine Neuverfilmung oder Nachstellung, sondern es werden authentisch Bild- und Videobeiträge gezeigt, die bereits existierten, gemischt mit Off-Sprechern aus ihrem Leben, die die Geschichte quasi erzählen.
An Amy merkt man jederzeit, wie authentisch sie sein wollte. Angefangen von ihren Musikaufnahmen über ihre Art und den nie verblassenden Wunsch, niemals berühmt zu werden. Ihre Musik in den Anfangsjahren war großartig. Man spürt ihr an, dass sie das geschrieben und gesungen hat, was ihr tatsächlich selbst widerfahren ist.
Diese Dokumentation ist eine Offenlegung dessen, was die geldgierige Menschheit aus Künstlern wie Amy macht, indem sie als Person egal wird und es nur noch darum geht, mehr Kohle zu machen. Welche Intrigen gefeiert, wie sie ausgebeutet, gegen ihren Willen entschieden wird und sie letztendlich ausgenommen, ausgeschlachtet und kaputt wieder weggeworfen wird.
Diesmal wurde aus ihrer Sicht erzählt, ihre Gefühle mit eingebunden, ihre Sehnsüchte gezeigt und auch aus ihren falschen Entscheidungen (Drogen) kein Hehl gemacht.
Es ist zu sehen, wie sie der Öffentlichkeit vorgeführt wird und diesen ganzen Rummel nicht erträgt. Sie war eine brillante Musikerin, die niemals den großen Ruhm wollte, sondern lieber in kleinen Räumlichkeiten Jazz singen. Und sie hatte Recht mit dem Gedanken, dass man seine Lieder nur dann singen kann, wenn man gleiches auch fühlt.
Zu sehen, wie die totgespielten Songs von ihr überhaupt nicht mehr zu dem aktuellen Leben passten und ihre Abscheu dagegen zu erleben zeugt für mich davon, dass sie wahrlich verstand, was sie tat.
Es war einfach nur ergreifend, in einem Kinosaal zu sitzen, der sich Zeit für das Leben und die Musik von ihr nimmt, und sie nicht eingepfercht zwischen zwei Werbeblöcken zum Lückenfüller verkommen lässt. Es tat mir tief im Herzen weh, zu sehen, wie Musikgesellschaften, Vermarkter und Industrielle ihre Werke verwursteten, verunstalteten und schlussendlich durch Druck und Überbelastung eine Spähre erzeugten, wo die Kunst in den Hintergrund tritt und es nur noch darum geht, Tourneen zu machen und Kohle dabei zu scheffeln.
Jeder, der ein offenes Auge gehabt hätte, hätte erkannt, dass sie dringend Hilfe benötigte und die dafür passenden Schritte eingeleitet. Von Verantwortung und Menschlichkeit zu ihren “Ruhmzeiten” keine Spur mehr. Klar obliegt es ihr allein, zu entscheiden, ob sie einen Entzug macht oder nicht, dennoch hätten fremde Kräfte auf sie einwirken müssen, weil man unter bestimmten Voraussetzungen eben nicht mehr klug entscheiden kann.
Für mich auf jeden Fall ein ganz großartiges Werk, dass das viel zu kurze Leben eines Künstlers beleuchtet und durch die tiefen, intimen Einblicke in die Gefühlswelt dieser Frau mal die andere Seite des Ruhms aufzeigt, der die Menschen im Grunde genommen nur kaputt macht. Und den Fall eines Menschen zu zeigen, ohne ihn dafür zu kritisieren oder vorzuführen, ist für mich ganz ganz großes Kino.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nutzt die Chance und schaut es euch im erlesenen Kreis von Musikliebhabern im Kino an. Nirgends wirkt ihre Musik so, wie an einem Ort, wo man sich die Zeit und Muße nimmt, sie so zu zeigen, wie sie wirklich war.
Eine Dokumentation, die nicht entschuldigt, nicht beschönigt, nicht verbiegt, sondern eine Künstlerin so zeigt, wie sie war – mit allen Höhen und Tiefen – und mit dazu beiträgt, dass man das “Hinter den Kulissen” ihres Lebens um ein vielfaches besser versteht.
Großartiges Gefühlskino mit intensiver Hingabe zu Musik, Eleganz und dem steilen Weg in die psychische Zerstörung herbeigeführt durch Geldgier, Raffsucht, Alkohol und Drogen.

 
Nachspann
Anfangs noch mit Videomaterial, später nur noch Tonmaterial, das den ganzen Film über sowieso herausragend ist.

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