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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Abenteuer Page 1 of 2

Fly, Rocket Fly! – Mit Macheten zu den Sternen

Beim Plakat könnte man an einen zweitklassigen Film aus den 70ern denken, der Titel reißt vielleicht auch nicht jeden vom Hocker und wenn man beim näheren Hinsehen dann auf das Wort “Dokumentation” stößt, schreckt das die restlichen Interessenten wohl auch noch ab.
Habt ihr ein Glück, dass ich so kinoversessen bin und wirklich überall reingehe. Ich hab nämlich anfangs auch gedacht: “Naja, was soll da schon kommen” – saß dann drin und wurde sofort gepackt.
Leute? Das Ding steht in der Topliste diese Woche – und das nicht ohne Grund!
Fly, Rocket Fly schafft es, dem Zuschauer deutsche Raumfahrtgeschichte so packend zu verkaufen, als würde es gerade erst passieren. Man spürt förmlich den Drang und die Lust auf Abenteuer, neue Welten zu entdecken und auch, wenn man kein SciFi-Fan ist, erlebt man doch, was die Raumfahrt mit den Menschen anrichtet, und das am eigenen Körper.
Dieser Rausch nach mehr, dieser Rausch, über sich selbst hinauszuwachsen und etwas zu vollbringen – und dabei die unglaublichsten Dinge zu erleben … Manches davon ist so irre, dass es unmöglich erscheint – und dem entgegen steht, dass dies hier keine Mockumentary oder Fake-Doku ist, sondern ausschließlich Archivmaterial verwendet und damit zu 100% auf glaubwürdige Quellen zurückgegriffen wurde.
Und von Raumfahrt mal abgesehen: Zeitgleich erlebt man, wie diese Welt funktioniert, wie politisch manche Sachen gehandhabt werden und bekommt einen wunderbaren Einblick in menschliche Wesenszüge, die das Potenzial haben, immer die abartigsten Dinge aus allem zu schlagen.
Fly, Rocket Fly ist ein Kinoerlebnis, dem man sich unter keinen Umständen entziehen sollte. Ich weiß nicht, warum man so zurückhaltend mit der Presse umgeht oder auch sonst nichts von diesem Projekt hört und sieht, aber ihr habt als Zuschauer die Möglichkeit, die kleinen Säle zu füllen und dem Verleih zu zeigen, dass genau so etwas gerne geschaut wird – es lohnt sich und ist dermaßen spannend und unterhaltsam, dass der Kinoabend auf jeden Fall gesichert ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Deutschland vor der USA im Weltraum?
Dieser Film erzählt eine unglaubliche und zu 100% wahre Geschichte und deckt dabei menschliche und politische Machenschaften auf, ohne auch nur eine einzige Sekunde zu langweilen. Es ist DIE dokumentarische Überraschung überhaupt, die jeden einzelnen, der sie bereits gesehen hat, absolut verblüfft hat.
Ein .kinoticket für diesen Film zu lösen, ist nicht nur lohnenswert, sondern Pflicht! Geht da rein und lasst euch von dieser unfassbaren Story mitreißen!

 
Nachspann
❌ wartet nicht mit neuen Sequenzen auf, man darf also wieder nach draußen und in den Himmel starren. 🙂
Kinostart: 27. September 2018
Original Title: Fly, Rocket, Fly
Length: 90 Min.
Rate: FSK 12

Thilda & die beste Band der Welt

Erst kuckt der Typ überhaupt Kinderfilme, dann schaut er auch noch norwegische Kinderfilme … Was zur …
Erinnert euch daran, dass mit Baymax ein Kinderfilm den Ursprung dieses Blogs ausmacht, auch wenn das – zugegeben – früher niemals mein Genre gewesen ist und ich so manchem Versuch auch heute noch absolut nichts abgewinnen kann.
Thilda & die beste Band der Welt ist in zweierlei Hinsicht verschieden: Erstens gehört er zur Kategorie “Foreign Language Movies” und liefert somit einen Einblick in fremde Kulturen und lässt über den Tellerrand des eigenen Alltags blicken. Und sowas ist genauso wichtig, wie ständig auf Reisen zu sein, um seinen eigenen Horizont zu erweitern und festzustellen, dass so manch kleinkarierte Borniertheit auch in Deutschland nicht angebracht ist.
Und zweitens ist Norwegen bekannt für verdammt guten Rock. Eigentlich ist Norwegen (abgesehen von Fjords) nur bekannt für verdammt guten Rock. Und das hier ist ein Kinderfilm! Leute, schaut (und hört) euch das an => Der Wahnsinn! Da kacken alle promovierten Radiosender dieses Landes dagegen ab. Und ja, ich hab ne Guitar-Meise, was das angeht . Es ist wundervoll, dass es solche Filme auch in Deutschland in die Kinos (oder zumindest auf die Festivals) schaffen und man sich auch außerhalb Norwegens an dieser akustischen Gourmet-Rarität erfreuen kann.
Dazu noch ein paar richtig nette Humor-Einlagen, spannende Twists und landestypische Long-Hair-Milchbubi-Gesichter und fertig ist der absolut gelungene Kinderfilm, den es ab der kommenden Kinowoche zu bestaunen gibt.
Gönnt euch und bietet euren Jüngsten mal etwas anderes als den typischen Fernsehquatsch, den man sonst so zu Gesicht bekommt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Norwegischer Rock im Kinderfilm-Format: Eine Rarität, die man sich definitiv in einem gut bestückten Kino ansehen sollte, um die ganze Bandbreite musikalischen Ausmaßes vollends genießen zu können.
Der Twist ist spannend aufgebaut und die Story sicher nicht nur für die Kids ein Spaß.

 
Nachspann
✅ entlässt einen seicht ins Schwarze… nicht zu schnell aufspringen, sondern gemächlich nach draußen gehen.
Kinostart: 20. September 2018
Original Title: Los Bando
Length: 94 Min.
Rate: FSK 0

Vor uns das Meer

Denkt mal an eure Schulzeit zurück – im Speziellen an den Geschichtsunterricht. Na? Langweilt es euch schon?
Mir ergeht es jedesmal so. Da gibt es ein Unterrichtsfach, das sich darum kümmern sollte, dass die Menschheit ihre eigene Vergangenheit kennenlernt und versteht und man geht als Schüler gelangweilt, genervt und von Nazi-Scheiß vollgepumpt wieder in die Pause und ist einfach froh, dass es vorbei ist. Dabei gäbe es so viele inspirierende, motivierende und spannende Geschichten zu erzählen, über deren Beweggründe man sich gerne im Unterricht hätte unterhalten können.
Aber dafür gibt’s ja Gott sei Dank Kino: Vor uns das Meer kümmert sich nämlich genau darum und präsentiert eine Story, die noch gar nicht so alt ist und aus der man gleichzeitig sehr viel lernen kann.
Dass der Tenor des Films im Grundsatz einfach mega deprimierend ist, sollte man von vornherein wissen und einkalkulieren und emotional ein wenig Abstand davon halten können, dann ist das auch kein Problem – denn die geschichtlichen Fakten und interessanten Einblicke in das Wesen und Wirken anderer Menschen zeugt auch hier wieder von Spannung und punktet durch Interessant sein.
Der Trip ist für den Kinozuschauer sehr nachvollziehbar, auch wenn man in 112 Minuten längst nicht alle seelischen Kämpfe detailliert darstellen und beleuchten kann, so hat man sich aber trotz allem die Mühe gemacht, hier möglichst realitätsgetreu an die Barrieren der menschlichen Psyche zu gelangen und diese hervorragend inszeniert.
 

.kinoticket-Empfehlung: Von depressiver Grundstimmung durchzogen ein Werk, das faktisch zu Tode betrübt, aber dennoch eine wichtige und interessante Geschichte aus jüngster Vergangenheit erzählt, die man der Welt nicht vorenthalten sollte.
Die Bilder sind beeindruckend, die Größe der Gesamtunternehmung kommt vielleicht nicht immer sofort zum Tragen, allerdings hat man sich sehr nah an der Realität orientiert.

 
Nachspann
schippert ohne weitere Belange dahin und braucht daher nicht bis zum Schluss abgewartet zu werden.
Kinostart: 29. März 2018

Jim Knopf & Lukas, der Lokomotivführer

Ladies und Gentlemen: Es ist soweit, wir stehen vor der teuersten und aufwendigsten Produktion deutscher Filmgeschichte, die ihrerseits Geschichte schreiben wird: Das Abenteuer, dass viele Generationen begleitet hat und so ziemlich jeder kennt, wurde verfilmt und erobert ab sofort die Leinwände.
Hierbei wurden Maßstäbe gesetzt und ich kann voller Respekt und Anerkennung sagen: Deutschland entdeckt völlig neue Ebenen der Filmkunst und erreicht dabei spielend internationales Niveau!
Bislang haben wir uns hierzulande nur auf – salopp gesagt – Kamera draufhalten und dabei schlechte Geschichten erzählen beschränkt – Jim Knopf & Lukas, der Lokomotivführer durchbricht jetzt zum ersten Mal die Schranke zu den wirklich großen Filmen und begreift sich dabei als ein bodenständiges Werk, dass es versteht, Spannung aufzubauen, einen wunderbaren Humor mitbringt und damit nicht nur die Kinder unterhält.
Dieser Film ist sagenhaft – das Budget und der Schritt in die nächsthöhere Kategorie ist deutlich spürbar und vermittelt einen herausragenden Eindruck, der noch lange nach dem Abspann nachhallt und Millionen Erwachsene zurück in ihre Kindheit versetzt bzw. Kinder dazu bringt, wieder neu zu träumen.
Die Aufgewecktheit von Solomon Gordon, der als Jim Knopf in dieser Welt agiert, steckt sofort mit Freude an und hinterlässt auch nach dem Kino einen unglaublich positiven, ausgeglichenen und freudigen Eindruck.
“Diese Kinokarte hat sich definitiv gelohnt” dann von Zuschauern aus dem Saal zu hören ist glaube ich die größte Bestätigung, die beweist, dass der gewagte Coup sich definitiv ausgezahlt hat bzw. in den nächsten Wochen auszahlen wird.
Und nochmal: Wir sprechen hier von einem deutschen Team, das Requisiten, Drehorte, Arbeiten, Orchester und so ziemlich alles, was in dem Film steckt, aus Deutschland rausgekitzelt hat – und ich verspreche in Zukunft, nie wieder pauschal negativ über Kinoproduktionen zu sprechen, deren Ursprungsland meine Heimat ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Genießt die Show, ordert eure .kinotickets und werdet Teil dieser faszinierenden Reise, die mit dem ersten Teil begonnen hat und hoffentlich noch lange andauern wird.
Man kann mit Fug und Recht behaupten: Unser Land hat jetzt sein eigenes Avatar, auf dass es stolz sein kann – füllt die Kinosäle und schaut es euch ab Donnerstag an.

 
Nachspann
Nicht gleich raussprinten, der Film endet smooth.
Kinostart: 29. März 2018
Und abschließend noch ein paar Eindrücke von der Premiere am 25. März 2018 im Mathäser Filmpalast in München, bei der Cast & Crew auf dem roten Teppich die Menschen begeistert haben:
 

Vielmachglas

Gehen wir mal ein paar Schritte zurück:
Man nehme den Deutschen Film.
Man addiere Matthias Schweighöfer.
Man garniere mit etwas Intellekt der Drama-Vorzeigequeen aus Fack Ju Göhte.
Dazu noch ein Poster, das auf genau diese Punkte aufmerksam macht und einen .trailer, der beides kann: Hoffnung machen und Sorgen bereiten. Fertig ist das PR-Konzept von Vielmachglas … merkt ihr schon, wie einem die Vorurteilskotze den Hals emporschießt?
Cut!
Ich habe im Vorfeld nämlich schon viele sagen hören, dass sie sich definitiv keinen deutschen Film und schon gar nichts mit Matthias Schweighöfer ansehen werden. Okay, ich besorg die .kinotickets. Wähle den Saal, die Sitzplätze, lasse den Rest einfach Popcorn kaufen und organisiere vorsorglich ein paar Anschnallgurte, damit sie nicht gleich beim Namen im Vorspann aufstehen und rausspringen.
Da dieser Film heute erst anläuft, habe ich vorher nichts darüber sagen dürfen – selbst ein Augenzwinkern neben dem Plakat war mir verwehrt. Mancher wird sich jetzt an den Kopf greifen und sagen: “Mensch, Matthias Schweighöfer und eine deutsche Produktion – was willst du überhaupt? Gerade dir sollte doch klar sein, dass das einfach nur schlecht sein kann.”
Nein!
Es ist – mit Verlaub – der beste deutsche Film, den Warner jemals zutage gefördert hat. Und wenn sich die Vorurteile dann (dank meiner Anschnallgurte) abgebaut haben, gelangt man zu einem Schluss … und ja, ich schreibe das hier tatsächlich … bei dem man sich wünscht, Schweighöfer hätte einfach mehr Leinwandzeit bekommen, denn er hat eine verdammt coole Rolle und wurde von der Presse durchweg positiv aufgenommen.
Und Haase? Das blöde Tantchen, dass sich in Doof über Schminke, gespielte Unbeholfenheit und närrisches Kindisch sein auf der Leinwand auslässt? Weit gefehlt: Auch sie hat die Challenge akzeptiert und erbaut ein schauspielerisches Erbe, dass ihrer Persönlichkeit anheim fallen soll und sie aus ihrer Paraderolle erlöst, durch die sie deutschlandweit und teils sogar international Ruhm erlangt hat: Sie zeigt, dass auch sie definitiv mehr auf dem Kasten hat und man sich in Zukunft gerne ihrer bedienen darf, wenn es darum geht, authentische Rollen glaubhaft rüberzubringen.
Meine Frage an den Verleih ist also: Wieso? Wieso verbietet ihr es uns, so lange nichts über diesen Film zu sagen? Wieso durften wir nicht viel eher die Menschheit damit anfixen, dass das Zeitalter tatsächlich angebrochen ist, in dem deutsche Filmemacher das Kunstwerk fertigbringen, Drama mit Comedy zu verbinden und nichts davon auch nur ansatzweise Anzeichen von Fremdschämen aufweist?
Diese ungesehene Lockerheit, das natürliche Auftreten, die ungezwungenen Dialoge … und ja, schon wieder richtig gelesen: erstklassige Dialoge – in einer deutschen Produktion!!! … all das in einem Streifen, der kaum Platz für kritische Auseinandersetzung lässt?
Wow!
Woran liegt das, dass es auf einmal doch möglich ist, einheimisches Filmmaterial zu sichten ohne dabei den Dauerbrecheimer vollzukotzen?
Eine Sache hab ich euch bislang verschwiegen: Es ist wieder mal ein Debütfilm, diesmal von Florian Ross. Und ich hab keine Ahnung, wie es da mit der “Mitsprache” seitens der Verleiher läuft. Aber eines steht fest: Es gibt in der Geschichte kaum Beispiele von Debütfilmen, die so schlecht sind, dass sie der Welt als immerwährende, klaffende Wunde der Filmhistorie im Gedächtnis geblieben wären, sondern fast alles namens Debütfilm war bis jetzt ein einschlagender Erfolg.
Was also macht ihr an dieser Stelle richtig?
Die Zuschauer sollten jetzt auf jeden Fall eines tun: Ausschwärmen, ihre Taschen mit .kinotickets füllen und den Machern zeigen, dass diese Form der Unterhaltung genau das ist, was man sich als halbwegs gebildeter, anspruchsvoller Zuschauer wünscht und signalisieren, dass mehr dieser Art auf die Bühnenflächen geworfen werden sollte.
Und nachdem Deutschland es gerade mit Humor und Kinofilmen so überhaupt nicht hat, darf – nein muss!!! – man sich mit Vielmachglas davon überzeugen, dass Vorurteile niemals das Mittel der richtigen Wahl sind, sondern man jedem Titel immer wieder eine neue Chance einräumen muss, sich selbst zu beweisen.
Der Kampf hat funktioniert und Vielmachglas gehört damit für mich erstmalig zu der Sorte Filme, in die ich bedenkenlos jeden Kritiker, Hater, Comedygebeutelten und bislang Enttäuschten schicken werde, denn dieses Wunder begreift nur, wer es wahrhaftig selbst erlebt hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es ist eigentlich unglaublich, denn deutsche Comedy war bislang immer ein totaler und vor allem tiefer Griff ins sprichwörtliche Klo.
Die Bausteine, um genau den wieder zu vollführen, liegen alle parat und Florian Ross baut daraus den bislang besten, beeindruckendsten und grandiosesten Film, den dieses Land je hervorgebracht hat.
Nicht nur die Botschaft stimmt, sondern die Tour wird aufgelockert durch Auseinandersetzung mit der Moderne und viele kleine, seelische Reisen in die Tiefe der Unendlichkeit – begleitet von der bisher besten Performance von Matthias Schweighöfer, den ich ab jetzt nur noch in solchen Rollen sehen will.
Warum? Warum darf ich erst so kurz vor Kinostart dafür empfehlen? Damit das Startwochenende zusätzlich erschwert wird?
Leute, geht einfach da rein: Deutschland kann es … Vielmachglas ist der Beweis!

 
Nachspann
beinhaltet keine zusätzlichen Shots oder After-Credit-Scenes. Gebt den Saal zum Putzen frei.
Kinostart: 8. März 2018

Bamse – Der liebste und stärkste Bär der Welt

Kürzlich habe ich mich mit meiner Schwester über Peru unterhalten, ein Land, das noch nicht so zivilisiert und modernisiert ist, wie Deutschland. Es ging um gesellschaftliche Gepflogenheiten, Kulturbräuche, Umstände und Situationen aus dem alltäglichen Leben.
Sie war völlig entgeistert, mit welcher Geschwindigkeit und welchem Irrsinn wir uns hier in Deutschland mittlerweile rumärgern müssen und hat mir von Zeit haben berichtet: Menschen, die am Straßenrand sitzen und einfach mal nichts tun und die Welt sich dabei trotzdem weiter dreht.
Bei diesem Gespräch kam ich nicht umhin, in mir ein wenig Neid auf die Einfachheit und Simplizität zu entdecken, mit der dieses arme und durchaus ebenfalls mit Problemen geplagte Land gesegnet ist. Am Heiligabend kommen viele Familien einfach im Dorf zusammen, bringen gerichtete Backbleche mit Truthahn und anderen Speisen darauf mit, geben diese beim öffentlichen Lehmofen ab und werden dann nach wenigen Stunden informiert, sobald sie diese wieder abholen können. Erst dann zahlt man für diesen Service, der dort üblich ist, da viele Leute keine Öfen in ihren Häusern haben und zudem Truthahn in einem Lehmofen zubereitet wesentlich besser schmeckt als mit einem Elektroherd zu Hause – sofern denn Strom da ist.
So kann es also passieren, dass in einem riesigen Ofen, der eigens dafür hergerichtet wurde, eben mal 20-24 Backbleche verschiedener Familien nebeneinander stehen, bei denen man nur den Namen gesagt hat und sonst nichts weiter. Diese unbürokratische Gemeinschaft und Unkompliziertheit wäre in Deutschland heutzutage fast undenkbar!
Warum ich das alles erzähle?
Sitzt man demnächst im Kino und schaut sich Bamse – Der liebste und stärkste Bär der Welt an, könnte in einem genau das gleiche Gefühl des in der Zeit Zurückgeworfenseins entstehen, denn man fühlt sich auf einmal, als wäre Disney noch an seinen Ursprüngen und würde erstklassige Familienunterhaltung liefern, nur eben in viel niedlicher.
Diese Figur wurde 1966 von Rune Andréasson erfunden und erfreut sich seitdem in Schweden höchster Beliebtheit. Mit seinen Anfängen im TV, später durch Comics in Wochenzeitungen und eigene Hefte ergänzt, eroberte der Bär mittlerweile seinen eigenen Freizeitpark und steht als unmissverständliches, kindgerechtes und vollkommen unverdorbenes Symbol für so ziemlich alles, das man als gut bezeichnen kann.
Dabei ist nicht nur die Geschichte für jedermann geeignet, sondern die Inhalte beschäftigen sich mit teils hochkomplexen politischen und gesellschaftsrelevanten Themen – aber dermaßen kindgerecht verarbeitet, dass selbst als Erwachsener oft vor Staunen der Mund offen bleibt.
Mittlerweile gibt es zwei Kinofilme, die in Schweden ca. 300.000 Zuschauer begeistert haben und damit verhältnismäßig mit Filmen wie Ice Age oder Ich – Einfach unverbesserlich im Kinderfilmsektor mitziehen. Dieser Erfolg ist Grund genug, den liebenswürdigen Bär nun auch nach Deutschland in die Kinos zu bringen und ich wünsche mir von Herzen, dass er hierzulande genauso die Herzen erobert, wie in unserem Nachbarland.
 

.kinoticket-Empfehlung: Zu recht mit dem Prädikat “besonders wertvoll” ausgezeichnet – Kindgerechte Unterhaltung mit absolut pädagogischem Mehrwert in einer optimistischen, lebensbejahenden und fast schon superheldenmäßigen Weise, die bislang beispiellos ist.
Die Welt des Bären versprüht familiären Charme, die Probleme sind brandaktuell und die Geschichte ist völlig frei von Boshaftigkeit und düsteren Elementen, so dass dieser Film tatsächlich für jeden geeignet ist.
Auch Erwachsene sollten sich von den moralischen Ansichten dieses Bären eine große Scheibe abschneiden.

 
Nachspann
Nicht gleich davon springen, hier kommt noch ein klein bisschen was.
Kinostart: 28. Dezember 2017

Overdrive

Könnt ihr euch noch an die Zeit erinnern, in der alles noch ganz anders war als heute?
Ein zu Hause ohne Internet, ein Spielplatz ohne WLAN, Einkaufen ohne Apps, Bezahlen ohne NFC, Kinofilme ohne etablierte, große Mainstreamer, die den Beat vorgeben und allen anderen diktieren, was zu tun ist?
Mittlerweile orientiert man sich schon fast unbewusst beim Kauf am von Amazon vorgegebenen Preis, googelt nach etwas, statt Suchmaschinen zu benutzen, weiß vielleicht nicht mal mehr, was Lycos oder AltaVista überhaupt war.
Genau der gleiche Wandel hat sich auch im Kino abgespielt. Viele Bereiche wurden schlichtweg von Film(reih)en übernommen und platzierten sich somit tief verwurzelt in den Gehirnen mit den dazu gehörigen Genres.
Autorennen zum Beispiel. Na, wer von euch denkt jetzt sofort an Tage des Donners mit Tom Cruise in der Hauptrolle aus dem Jahre 1990? Oder war’s vielleicht doch eher die Fast & Furious-Reihe, die euch als erstes in den Kopf geschossen ist?
Merkt ihr? Gewisse Sparten haben sich ganz einfach diverse Platzhirsche gekrallt und die lassen sich auch nicht mehr einfach mit ein paar Pinselstrichen vertreiben. Oder neuen Filmen. Oder tollen Ideen. Es ist also wahnsinnig schwierig, nun einen Online-Store zu eröffnen und eben mal mir nichts dir nichts mit Amazon zu konkurrieren und erfolgreich dabei zu sein.
Overdrive tut genau das: Neben einer immensen, unglaublich prestigeträchtigen und alles verschlingenden Autorenn-Reihe etabliert man eben einfach mal so einen Autorennfilm – und davor ziehe ich meinen Hut!
Ich selbst hätte das Genre längst auf- und an Fast & Furious abgegeben, aber Antonio Negret dachte da anders.
Gottseidank. Nicht, weil der Film so unglaublich gut geworden ist, sondern einfach nur für den Mumm, hier in die Presche zu springen und den Menschen etwas Neues vor Augen zu führen, dass in ein paar Jahren eventuell wirklich ernsthafte Konkurrenz darstellt, denn erst dann wird’s auf dem Autorennmarkt wieder richtig spannend.
Solange gibt es noch einige Mankos, an denen dieser Streifen meiner Meinung nach krankt – beginnend mit dem Ensemble der beiden Hauptdarsteller. Für mich viel zu wenig sprühende Leidenschaft zwischen ihnen, vielmehr ein kühles, abgekartetes Spiel, bei der man eher durch die eigene Rolle stolpert, als selbstbewusst und souverän durch die Welt zu tigern und dabei seine Coups durchzuziehen.
Ich hätte die beiden einfach anders besetzt und vielleicht sogar Newcomern die Chance gegeben, wenngleich das PR-technisch ein absolutes No-Go gewesen wäre, denn Scott Eastwood zieht als Frauenschwarm ja zumindest indirekt die Männer in die Kinos und sorgt mit ein wenig Star-Charme für Trubel auf dem Werbemarkt. Dennoch passt er nicht wirklich in die Rolle und sein Mitspieler noch viel weniger. Das nimmt viel Esprit aus der ganzen Sache raus und entzieht dem Film damit notwendige Power, die dringend benötigt wird, um sich hier richtig zu etablieren.
Auch an anderen Stellen hat man wenig Kreativität bei der Auswahl der Optionen bewiesen und orientiert sich eher an alten, funktionierenden Konzepten, statt hier wieder einmal dringend benötigte Neuschöpfungen in die marode Welt der alteingesessenen Drehbücher zu pumpen. Beides hätte die Wege geebnet, um jetzt schon ein ernsthafter Verfolger des Thronbesetzers zu werden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Respekt und meine Hochachtung vor dem Plan, hier gegen einen ganz Großen anstinken zu wollen.
Dies gelingt mit etwas mehr Budget, Hingabe und Ausdauer sicherlich wirklich, denn Overdrive birgt unglaubliches Potenzial, um den Autofilm-Markt erneut richtig aufzumischen. Die richtigen Drehbuchschreiber (2 Fast 2 Furious) sind ja schon mal mit von der Partie.

 
Nachspann
kommt keiner, dafür aber hoffentlich weitere Filme, die dann aus alten Fehlern lernen und ein neues Imperium erschaffen. Ich sehne mich danach.
Kinostart: 29. Juni 2017

Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper

Ein Freund meinte zu mir: “Es ist nicht schlimm, wenn du ihn nicht gesehen hast, es ist aber auch nicht schlimm, wenn du ihn gesehen hast.” und sprach damit dem Film einen studentisch-professionellen Auftritt zu.
Und in der Tat: Es ist endlich mal nicht das samtweiche 3D-Rendering, welches man sonst aus animierten Filmen so kennt, sondern man hat sich anderer Technik bedient und damit wieder mehr dem Independent-Kino zugewandt. Dieser Schritt macht sich auch im Drehbuch und bei den darin befindlichen Problematiken bemerkbar. Man wollte sich wieder auf den Inhalt konzentrieren und ließ die Technik (aus Kosten- oder anderen Gründen) mal außen vor, um ein liebenswürdiges Stück Kinderfilmgeschichte zu schreiben, dass sich durchaus sehen lassen darf.
Dabei erleben die kleinen Tierchen im Laufe ihres Jahres einiges an Erlebnissen, die zwar typische Merkmale aufweisen, jedoch genauso Parallelen zum Leben eines Kindes ziehen und damit Hilfestellung für Entscheidungen im jungen Alter geben. Die unterschwellige Moral, die hier im Hinblick auf Freundschaft, Ziele erreichen und Über sich hinauswachsen gegeben wird, ist löblich und wurde überzeugend dargestellt und umgesetzt.
Dass man es als Erwachsener eher schwer hat, die ganze Laufzeit über voll bei der Stange zu bleiben, geht in der Aufmerksamkeit und Begeisterung der jüngsten Kinozuschauer gänzlich unter, denn man ist genügend damit beschäftigt, die Kleinsten zu beruhigen und in diversen Szenen über das Geschehene aufzuklären.
 

.kinoticket-Empfehlung: Damit hat man einen Film, den man Kids auf jeden Fall bedenkenlos vorsetzen kann, aus der man nicht nur eine positive Moral, sondern auch löbliche Grundsteinlegung fürs weitere Leben ziehen kann.
Die Independent-anmutende Animation ist erfrischend anders und sorgt auch hier wieder für ein Stück Abwechslung im Pfuhl der sonstigen Animationsfilme.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten.

Greg's Tagebuch: Böse Falle

Es ist wieder Kinderzeit im Kino: Mit Gregs Tagebuch: Böse Falle startet Twentieth Century Fox am Donnerstag den vierten Teil der Verfilmung dieser Kinderbuchreihe, der auf Band 9 der Gregs Tagebuch-Reihe basiert.
Für diesen Teil wurde ein komplett neuer Cast an Board geholt. Gespickt mit wunderbar niedlichen Animationen hätte der Film meiner Meinung nach sogar vollanimiert eingeschlagen, denn er vermittelt ein unglaublich heimeliges, nachvollziehbares und spannendes Ambiente für die Kids, die allesamt im Saal einen riesigen Spaß hatten.
Im hintersten Eckchen meiner kritischen Meinungshöhle bildete sich zwar ansatzweise eine leichte Furcht vor der FSK 0-Freigabe, die der Film erhalten hat, da manche Szenen verwirrend und durchaus fragwürdig sind, denen ich stellenweise sogar lieber FSK 12 verpasst hätte, jedoch ändert dies nichts an der wunderbar komischen und durchaus realistischen Darstellung der verrückten Abenteuer des Kinderbuch-Helden.
Das Zielpublikum ist natürlich die jüngste Riege, auch wenn selbst Erwachsene hierbei ihren Spaß haben können. Es ist also verständlich, dass man kein FSK 12 in Erwägung gezogen hat, da man dadurch per se die gewünschte Zielgruppe systematisch ausgeschlossen hätte, jedoch wäre ich dann beim Schnitt dazu übergegangen und hätte den Film um die entsprechenden Szenen gekürzt.
Abgesehen davon hat es selbst mir Spaß gemacht, denn dieses Mal musste man sich – im Vergleich zu vielen anderen Familienfilmen – nicht für irgendwelche Dummheiten fremdschämen. Gerade diese abstruse Natürlichkeit verleiht diesem Film einen unglaublichen Charme und hinterlässt ein wohliges, unterhaltsames und liebenswürdiges Areal, das die Fantasie und Abenteuerlust der Kleinsten auf seine Weise vollkommen anregt und für Abwechslung im Alltag sorgt.
Und genau dafür ist Kino ja wie geschaffen: Zum Ausblenden, Abschalten, in andere Welten eintauchen und sich von fremden Abenteuern überraschen und unterhalten zu lassen. All dies tut der Film auf beste Weise und liefert damit für mich den bis dato besten Kinderfilm dieses Jahres ab.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn stellenweise ein paar Szenen dabei sind, die man 3-4jährigen jetzt nicht unbedingt auf die Augen drücken muss, ist dieser Film einer der besten Familien-Action-Blödelfilme, die ich jemals gesehen habe.
Der neue Cast ist sympathisch, spielt spritzig und liefert dabei jede Menge komische Momente und spannende Abenteuer für die Kids, bei denen auch Erwachsene eine Portion Unterhaltung bekommen.
Daumen hoch!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, es sei denn, man mag die Animationen, die mit durchlaufen.
Kinostart: 1. Juni 2017

Gold

‘Gier hat eine neue Farbe’ – dieser Untertitel lässt vermuten, dass dieser Film ganz im klassischen Sinne die Jagd auf das große Gold lostritt und dabei den klischeehaften amerikanischen Traum auskostet.
Tatsächlich haben sich die Ereignisse allerdings in Kanada abgespielt und nicht, wie im Film, in den USA. Hier haben die Macher ein wahres Ereignis umgeschrieben, um dem Kinozuschauer einen plausiblen Plot präsentieren zu können. Oftmals wird dieser Titel mit The Wolf of Wall Street verglichen, der interessanterweise die gleichen Filmfarben hat, jedoch nur entfernt mit dem hier vorliegenden Werk etwas zu tun hat.
Wenn wir bei diesem Vergleich bleiben, dann weist Gold eine sehr viel ruhigere und auch düsterere Stimmung auf, da es hier nicht in erster Linie um das große Geld, sondern viel mehr um die Persönlichkeit geht, die von Matthew McConaughey hervorragend gespielt wird.
Die einzelnen Szenarien, durch die sich die Hauptakteure durchkämpfen müssen, sind sehr sehr spannend und bereiten jede Menge Kurzweil und abwechslungsreiche Unterhaltung. Dabei lässt man es sich nicht nehmen, diverse Elemente in diesen Film einzubauen, die man mit etwas Hirn auch in unserer Realität wiederfindet.
Das Highlight ist in meinen Augen das fulminante Ende. Hier wird noch einmal richtig aufgetragen und der Zuschauer mit einem gigantischen Knall entlassen.
Die gesetzte Stimmung, die unterschwellige Düsternis und das Fehlen des ekstatischen Ausuferns macht Gold zu einem Film, den man sehr viel ernster nehmen kann und der eine Geschichte erzählt, die abgewandelt so stattgefunden hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer einmal den Goldrausch erleben möchte, ohne dabei auf Western zurückgreifen zu müssen, der ist mit diesem modernen Werk sehr gut bedient.
Die herausragende Darstellung von Matthew McConaughey und die durchaus realistische Aufarbeitung dieser Geschichte zeugen von sehr viel Liebe zu Leinwand und machen aus diesem Plot einen sehenswerten Kinoabend. Der Besuch im Saal lohnt sich also.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, hier kommen keine weiteren Szenen.

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