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wenn aus filmen leidenschaft wird

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Auf der Suche nach Ingmar Bergmann

Auf der Suche nach … Margarethe von Trotta könnte dieser Titel auch heißen, zumindest, wenn man sich die 50% des Films ansieht, die sich nicht mit Ingmar Bergman beschäftigen, sondern mit der Regisseurin Margarethe von Trotta. Damit keine Missverständnisse entstehen: Ich habe nichts gegen diese Frau. Ich finde nur, wenn man einen Film so nennt wie diesen, sollte man sich dann auch mit Ingmar Bergman und seinen Gepflogenheiten beschäftigen und nicht ständig ellenlange Szenen einbasteln, die sie in ihrer Schönheit durch Paris spazierend zeigen oder sich sonst in einer Form mit ihr beschäftigen.

Auf mich wirkte das stellenweise wie das Insta-Video einer Girl-Clique, die sich selbst feiert und ihren Idolen auf der Spur ist. Als wäre es kein Film von … sondern eine Selbstinszenierung von … und das machte das eigentlich ansonsten hervorragende Werk doch ein ganz klein groß wenig viel kaputt. Die Passagen, die sich tatsächlich mit Ingmar Bergman beschäftigen, sind nämlich spannend und verfolgen einmal den Gang des Films in die Epoche des Kinos und zeigen hier die Anfänge allen Seins, was selbst für unsere Generation heute interessant wäre. Auch, wenn man sich deshalb jetzt nicht zwingend seinen Filmen zuwenden möge (Geschmackssache), so ist doch der Ursprung allen Seins aus kinotechnischer Sicht definitiv einen Einblick wert.

Die andauernden Narzissmus-Phasen stören dabei halt gewaltig. “Uh, yeah, dort haben wir das, und da haben wir das … und geil war’s” – so etwas kennt man heute tatsächlich von Best Buddies, die zum Tomorrowland-Festival reisen und sich selbst dabei aufnehmen. Ganz nett, wenn man so etwas sehen möchte, dann ist aber der Titel gewaltig irreführend und diese Selbstdarstellung ist nicht nur mir negativ aufgefallen.

Sollte man sich beim Kauf des .kinotickets also für diesen Titel entscheiden, dann mit dem Wissen, dass hier zwei Persönlichkeiten großartig im Vordergrund stehen. Wer’s positiv sehen will, bekommt eben gleich zwei zum Preis von einem – dafür dann jeweils nur halb so lang.

 

.kinoticket-Empfehlung: Selbstinszenierung meets hervorragende Recherche über Ingmar Bergman.

Das Werk liefert spannende Einblicke in die anfänglichen Entwicklungen des Films hin zum Kino und durchmischt sich mit girliehaftem Erinnerungsgeplänkel über alte Zeiten, die ein Massenpublikum kaum interessieren dürften. Aber wer weiß, vielleicht releast Frau von Trotta das Ding ja nicht auf Blu-ray, sondern in ihrem Instagram-Kanal, da wäre sie dann der absolute King mit ihrem Werk. Wir werden sehen.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgen keine Szenen oder Bilder mehr.

Kinostart: 12. Juli 2018

Original Title: Searching for Ingmar Bergman
Length: 99 Min.
Rated: FSK 12

Super Troopers 2

Seit 2001 musste die Fanbasis von Super Troopers – Die Superbullen darauf warten, dass ihr damals so erfolgreich im Kino gestarteter Film endlich eine Fortsetzung spendiert bekam. Die Machern haben sich dazu entschlossen, 15 Jahre darauf zu warten, um nicht ausschließlich für diesen Filmgaudi bekannt zu sein – und meine Frage ist: Warum?
Scheinbar kam der erste Teil damals so immens gut an, auch wenn der Regisseur davon spricht, dass dies die Zeit gewesen sei, in der er die meisten Anfeindungen und bösen Kritiken bekommen hätte – aber da kann ich nur sagen: Who cares?
Fakt ist: Genau diesen Schmarren wollen Kinder, die in den 90ern aufgewachsen sind, doch sehen! Das ist das gute alte, traditionsreiche Klamauk-Kino, mit dem wir großgeworden sind und dass diesen ganzen banalen, stumpfsinnigen und zum Schreien komischen Scheiß verzapft, der auf der Leinwand und im Kino einfach unglaublich viel Spaß macht!
Die Gags sind teilweise so doof, dass man darüber lachen muss und allem Rumblödeln fehlt niemals der Style und die Courage, zu seinen Dummheiten zu stehen. Damit macht man biedere Vorbilder zu ikonischen Figuren auf der Leinwand und präpariert sie als Steilvorlage für Lachsalven sondergleichen.
Ich kann verstehen, wenn die Feuilleton-Elite sich nicht damit auseinandersetzen mag und es als “Unfug” abtut. Ich kann verstehen, wenn man ernsthaftes Kino erwartet und so einen (positiven) Scheiß serviert bekommt, man leicht angepisst ist oder irgendwas boshaftes darüber schreibt.
Tatsache ist aber: Ich habe mich selten so vergnüglich im Kino amüsiert und hatte so viel Spaß in einem Film, dessen Vorläufer ich bis dahin noch nicht kannte. Danach schaut man dreimal im Kalender nach, ob wirklich 2018 ist, denn man fühlt sich gezeitreist und denkt tatsächlich, die Hochblüte der 90er ist gerade am Gedeihen!
Auf diesen Schmarren muss man sich vorher einlassen oder einfach völlig unbefangen und lockerflockig ins Kino spazieren und der Dinge harren, die da kommen mögen. Es dauert nicht lange, bis man unfreiwillig zu lachen beginnt und der Rest kommt dann ganz von selbst. Vertraut mir.
Allein die Gag-Ideen gehören teilweise ausgezeichnet, denn hier wird mal kein Unterhosen-Humor en masse produziert, sondern man hat sich wirklich etwas einfallen lassen. Und dass nicht nur ich so denke, davon zeugt der Umstand, dass dieses Projekt mit einer Crowdfunding-Aktion begonnen wurde, die als die zweiterfolgreichste aller Zeiten im Bereich “Film” gilt. Die Fans wollen es. Und was sie geliefert bekommen, entspringt 37 Drehbuchentwürfen, die man sich zusammengestückelt hat, um möglichst viele Gags zu schreiben und auf einen reichen Fundus an Lachsalven-Granaten zurückgreifen zu können.
Und glaubt mir eins: Das Ding zündet. Und zwar sowas von.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn sich unsere herrschaftlichen Kinos damit zurückhalten sollten, in die Kapitalbresche zu springen und den Film ordentlich ans Publikum auszuliefern, stürmt die Säle, die sich diesen Coup getraut haben: Es lohnt sich!
Selten habe ich über so viel Blödsinn gelacht und einige Szenen sind derart zum Schreien, da kommt unsere moderne Millennium-Welt längst nicht mehr mit. Dies ist genau das klassisch-traditionelle Comedy-Kino, von dem ich mir so viel mehr wünsche, als es heute existiert.
Danke Broken Lizard, danke FOX und danke an alle, die daran beteiligt waren. In 15 Jahren wollen wir Teil 3! 😀

 
Nachspann
✅ Ja, und bitte bleibt bis ganz nach dem Abspann sitzen. Das Ding hört wirklich erst ganz zum Schluss auf. Und das ist keine billige Blabla-Szene, sondern noch richtig viel Film am Schluss.
Kinostart: 12. Juli 2018

Arthur & Claire

Leute … Josef Hader!!!
Entweder hab ich ne absolute Ösi-Meise, oder der Typ spielt wirklich so herausragend, dass man vor Ergriffenheit und Geplättet sein nicht anders kann, als diesen Film einfach abgöttisch zu lieben?
Wenn einem dann gleich am Anfang noch der Hauptdarsteller-Liebling aus Die Beste aller Welten entgegenschlägt und man im Film mit schwärzestem Humor und einer theatralisch aufgefüllten, tiefsinnigen, todernsten und gleichermaßen unvergleichlichen Inhaltsschwere daherkommt, dann erhält man etwas, wovon wir seit langem eigentlich nur träumen: Einen Film, der durch Inhalte punktet.
Wie schon längst vermutet, stürmt man jetzt mit Theaterkunstwerk-Stücken die Leinwände und lässt die Jugend und Neuzuschauerschaft erkennen, dass neben der Leinwand noch andere Formen intelligenter Unterhaltung existieren, die sich abseits von Clubs und Bars abspielen und auch nichts mit online zu tun haben.
So unverfänglich der Titel ist, so liebenswert, herzlich, bitterernst und grandios ist Arthur & Claire – ein Werk, dass jeder von euch einfach gesehen haben muss!
Als ich sagte: Es kommt viel auf euch zu, meinte ich u.a. definitiv diesen Film.
Also packt eure Klamotten, ordert euch Popcorn und besucht jedes Kino, in dem dieser Titel gespielt wird!
 

Kinostart: Eigentlich braucht man nichts weiter zu sagen, als: Josef Hader.
Denn allein sein Schauspiel rührt mich schon wieder zu Tränen! Und der restliche Cast dieses Bühnenstücks glänzt in einer bissig-satirischen Schärfe, inhaltlicher Tiefe und einer Inbrunst, wie man sie sonst nicht kennt und sieht.
Definitiv reingehen!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, aber das Stück reißt einen sowieso mit. Also bleibt ruhig noch kurz sitzen.
Kinostart: 1. März 2018

Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs

Bam: Na, wen umschleicht hier auch das ungute Gefühl, in einen Kleinkinderfilm gerutscht zu sein und nach dem Titel gar nicht weiter lesen zu wollen? Dazu noch die unpassend platzierten Bilder, die überall auf den einschlägigen Seiten dazu postiert wurden … und fertig ist das Vorurteil zu diesem Film, der weit über das hinausgereicht, was man eingangs denkt.
Ganz ehrlich? Ich wollte mich sogar vor der Pressevorführung drücken, weil mich der Titel einfach mal so gar nicht angesprochen hat. Aber wenn man nun schon einmal da ist …
… zum Glück! Denn was hier von den Deutschen rausgehauen wurde, grenzt fast schon an die Bullidität eines Jason Bourne-Klassikers. Ja – richtig gelesen! Tauscht einfach mal ein paar Szenen aus den Ursprungsfilmen des Agentenepos’ mit denen aus diesem Film aus und ich wette, ein Großteil der Leute merkt kaum etwas.
Und genau so kann man sich dieses Werk vorstellen: Einfach unglaublich hochwertig produziert mit Kamerafahrten und Kulissen, die jeden gnadenlos umhauen. Dafür, dass hier ARD und NDR mitverantwortlich sind, ziehe ich meinen riesengroßen Hut und sage: Respekt!
Der produzierte Soundtrack gleicht wirklich einem unfassbaren Blockbuster aus Amerikas Filmschmiede und die dazu gezeigten Szenen passen sich kompromisslos an das Drumherum an. Einfach gesagt könnte man behaupten, Die Pfefferkörner sind Jason Bourne mit 20 Jahre jüngeren Darstellern.
Und auch im weiteren Verlauf des Films wurde unfassbar authentisch, realistisch und überzeugend gearbeitet, was die Freigabe Ohne Altersbeschränkung definitiv in vielen Szenen anzweifelbar macht. Denn kleine Kinder könnten ob der zu professionellen Darstellung der Effekte und auch von der Geschwindigkeit der Schnitte, als auch von der in diesem Alter zu lange auf sich wartenden Erklärung definitiv hier und da von Verwirrung und Verängstigung geplagt werden.
Ich für meinen Teil würde behaupten, dass es sich hierbei um einen fortgeschrittenen Jugendfilm handelt, der ein maßgebliches Thema hervorragend aufbereitet präsentiert und dabei auf so viel Professionalität zurückgreift, wie es hierzulande noch nicht gesehen wurde.
Natürlich muss man auch hier wieder .kinotickets im Rotlicht-Milieu-Style kaufen und seine Klassenkameraden einfach ungefragt rein schleppen, was aber dann folgt, grenzt filmisch gesehen an die Oberliga und überzeugt auf allen Ebenen – sogar beim Kinderschauspiel.
Ich – als 33jähriger – werde definitiv nochmal rein gehen und hoffe, dass diesem Beispiel viele folgen werden, denn dieser Film hat internationale Aufmerksamkeit verdient.
 

.kinoticket-Empfehlung: Unfassbar professionell gefilmt und produziert mit viel Humor, Vergnüglichkeit und einem politisch immens wichtigem Thema.
An dieser Umsetzung passt einfach alles: Der Cast, die Kamerafahrten, der Soundtrack, die Ineinanderflechtung der einzelnen Charaktere, der Spannungsbogen, die Effekte und über die leichten Sprachschwierigkeiten der Hauptclique sieht man ob des jungen Alters gerne hinweg.
Definitiv auch für Erwachsene ein riesiger Hit, der ob seines komischen Titels wohl leider zu wenig Aufmerksamkeit in der Bevölkerung finden wird.
Also rafft eure kleinen Geschwister aus ihren Spielzimmern, dann habt ihr an der Kinokasse plausible Ausreden und gemeinsam einen super Kinonachmittag.

 
Nachspann
folgt keiner, nach der Schwarzblende ruhig aufstehen und den Müll mit nach draußen nehmen.
Kinostart: 7. September 2017

Das Gesetz der Familie

Brendan Gleeson und Michael Fassbender reichen eigentlich aus, um für diesen Film zu werben. Wer sich die Mühe macht und den zu viel sagenden .trailer ansieht, wird von dem packenden Stimmungskick niedergewalzt, der sich in dem Film ausbreitet.
Die Geschichte findet nicht nur in einer Nische statt, sondern entbehrt jedweder Normalität, die zu Langeweile führen würde. Der Sog in eine Welt vollgepackt mit skurrilen Abenteuern, zutiefst schwarzem Humor und einer herausragenden Mannschaft, die sich durch die Eskapaden schlängelt, bannt gnadenlos jeden, der sich vor der Leinwand versammelt hat.
Die großartige Macht, die man in dem Film verborgen hat, zieht seine gnadenlosen Kreise und offenbart sich als Entdeckung des Jahres: Fassbender und Gleeson sind großartig und spielen sich den Ball mit erschütterndem Ernst auf einer Spielwiese zu, die normalerweise Liebe und Geborgenheit spenden soll, hier aber völlig andere Richtungen einschlägt. Dabei ist nicht mal mehr nur diese so gnadenlose Andersartigkeit besonders, sondern die emotionale Finsternis, die sich in den Köpfen langsam wie ein Virus ausbreitet und alles und jeden befällt, während man im Kino sitzt und über den bitter-schwarzen Humor lachen muss.
Das als Komödie abzutun, würde dem Werk seine Würde rauben. Es als ernsthaften Teil einer Sicario-gleichen Meisterleistung hinzustellen, widerstrebt mir genauso. Ich würde sagen, er liegt zwischen den Fronten und baut sich dort seine Region maßgeblich aus, so dass für den Kinogänger wirklich keine Wünschen offen bleiben und man auf jeden Fall wahnsinnig gute Unterhaltung mit nach Hause nimmt, die auch im Nachklang noch lange zu sehen ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Beeindruckend auf einer großen Spielwiese der verbalen Ausfallmöglichkeiten mit dem Ausreizen bis an die äußersten Enden ohne dabei vom Rand in den Abgrund zu stürzen: Das Schauspiel der Darsteller ist herausragend und die Kongenialität erschließt sich in allen Bereichen.
Obgleich man den Film nicht zwingend in einem Kino gesehen haben muss, macht er in einem vollbesetzten Saal doch sehr viel mehr Spaß als alleine zu Hause auf der Couch, wo seine Wirkung ebenfalls gleichermaßen beeindruckend ist.
Definitiv sehenswert!

 
Nachspann
braucht man nicht abzuwarten, Zeit zum drüber reden darf man sich aber gerne trotzdem nehmen.
Kinostart: 3. August 2017

Mein neues bestes Stück

Frankreich, Frauen, Männer und Komödie: Was schießt dir dabei als allererstes durch den Kopf?
Auf Empfehlung eines Freundes hin ließ ich mich zu dieser Vorstellung hinreißen und war ein wenig enttäuscht über die zu dick aufgetragene Klischeekeule, derer man sich hier des öfteren mal bedient.
Aus der eigentlich sensationellen Idee hätte man meiner Meinung nach etwas mehr machen können. So rennt Audrey Dana allerdings die ganze Zeit mehr oder weniger unbeholfen mit ihrem “Problem” durch die Gegend und erschafft dabei nicht wirklich den zauberhaften Durchbruch, wenngleich der Film sonst sehr viel für die Geschlechterverständigung tut und sich dabei äußerst Mühe gibt, auf die jeweils gegenüberliegende Seite einzugehen.
Hier hätte ich mehrfach die Schere angesetzt und manche Dinge dann nur angedeutet bzw. eher als Running Gag ausgebaut, als sie über so lange Spielzeit hindurch konsequent zu verfolgen.
Was im Ansatz spitzenmäßig begonnen wurde, mangelt am Ende an der üblich französischen Eloquenz und stolpert so ein wenig über die eigenen Gags, was zum Schluss in einer fast schon langweiligen Aneinanderreihung von Stereotypen endet. Einzig die finale Pointe setzt nochmal einen oben drauf und sorgte bei mir für einen Lacher.
 

.kinoticket-Empfehlung: Insgesamt ein solides Gut für einen Film, dem mir ein wenig der spritzige Geist einer wirklich gelungenen Komödie fehlt.
Die Figuren sind meiner Meinung nach zu unausgeglichen, bekommen teils zu wenig Zeit zur Entfaltung (Christian Clavier) und verlieren sich im Laufe der Spieldauer in einer zu starken Stereotypisierung.
Wer hierauf keine Erwartungen setzt, sondern einfach nur mal wieder locker-flockig unterhalten werden möchte, findet in dieser Wahl durchaus seine Befriedigung.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, der Gang ans Tageslicht sei euch gewährt.

Mechanic: Resurrection

Jason Statham ist nicht austauschbar. Nicht so, wie die ganzen Milchbubis, denen man große Rollen in noch größeren CGI-Machwerken anbietet, die aber selbst keine großartige Persönlichkeit mitbringen und den Film damit führen, sondern eher dafür sorgen müssen, dass sie in der Wucht der Animation und Computerlügen als Mensch und Schauspieler nicht untergehen und quasi mehr oder weniger krampfhaft darum kämpfen, den Anschluss nicht zu verlieren.
Bei Statham ist das genau das Gegenteil. Steht er auf dem Plan, weiß jeder, dass nach seinen Spielregeln gespielt wird. Er bringt ein Image mit, der einen Film tragen kann – und das ist eine seiner größten Stärken, die auch in Mechanic: Resurrection mehr als zum Zuge kommen.
Schon gleich in den ersten 30 Sekunden ist die Stimmung gleich mal auf Vollpower und man ist mitgerissen und sofort im Spiel. Keine langwierigen Aufbauprozesse, keine Einführungen oder sonstiger Schnickschnack – sondern Schalter umlegen und los geht’s.
Und diese 90er-Jahre-Manier macht im zweiten Teil dieser Filmreihe gleich mal wieder tierisch Spaß. Solides Actionkino, bei dem jeder weiß, wie es zu enden hat, der Weg dorthin macht allerdings tierisch Bock und die Mucke und der ganze Aufbau drumrum ist höchst professionell und modern.
Und genau das macht diesen Film für mich zur perfektion Beigabe zum Popcorn und lässt das alte Actionkino der 90er Jahre wieder aufleben. Top!
 

.kinoticket-Empfehlung: Auf jeden Fall reingehen!
Der knallt nicht nur wieder in 90er Jahre Manier, sondern unterhält in bester Weise und sorgt für unbesorgte Stimmung im Kino – dabei hat garantiert jeder seinen Spaß, der mit Statham auch nur im geringsten etwas anfangen kann.

 
Nachspann
gibt’s keinen, man darf sich also gemütlich wieder verzupfen, wenn die Show vorrüber ist.

Money Monster

In letzter Zeit dreht sich in Hollywood viel um Geld. Doch nicht nur hinter den Kulissen wird vermeintlich Kohle gescheffelt, sondern man bringt das Thema in jüngster Vergangenheit erstaunlich oft vor die Kamera.
Neben The Big Short reiht sich nun ein weiterer Film in die Liste genialer Geld-Filme ein: Money Monster.
Regie führt keine geringere als Jodie Foster, deren filmische Machwerke sowieso ein Garant für solide Spannung und gute Unterhaltung sind. Klar kann man so immensen und für das gemeine Volk fast schon zu komplizierten Vorgängern wie oben erwähntem The Big Short nicht das Wasser reichen, dafür ist der Plot zu niedrig, das Ausmaß zu klein, die Lehrstunde zu selbsterklärend – jedoch wurde die Geschichte wahnsinnig spannend und wohl durchdacht inszeniert und somit hier ein Kinofilm geschaffen, der den Kauf eines .kinotickets mehr als Wert ist.
Es macht schon zu Beginn des Films Spaß, Julia Roberts und George Clooney dabei zuzusehen, wie sie voller Elan in die Story einsteigen – das Zusammenspiel beider Schauspielgrößen war für mich allergrößte Genugtuung. Beide machen ihre Sache mehr als perfekt und Jack O’Connell als eher unbekannterer Hauptdarsteller zieht mit beiden nahtlos mit.
Diese Schauspielprofessionalität, die man hier auftischt, macht aus dem Film etwas ganz großes, auch wenn im Verlauf der Story dann hin und wieder kleine Wartezeiten entstehen, die nicht so recht gefüllt werden wollen, so braucht man vom Gesamteindruck trotz allem keine Abstriche geltend machen, denn die Story stimmt und erzählt hier einmal mehr etwas wahnsinnig wichtiges, das in den Köpfen aller Menschen langsam Fuß fassen sollte.
War der Vorbildfilm eher etwas für die studierte Oberliga der Banker-Intellektuellen, bringt dieser Film nun das Thema artgerecht in die “Schulen” und liefert hier wunderbare Ansätze auf kleinerem Nährboden, der eher dazu einlädt, in die Materie einzusteigen und sich auch in Zukunft mit solchen Eskapaden zu beschäftigen.
Dazu jede Menge spannende Unterhaltung, keine dämlichen Reaktionen und eine wunderbare Stimme aus Hollywood, die hier für Millionen kleiner Menschen spricht – ergibt dieses Stück ein wohlschmeckendes Stück Kino-Kuchen, von dem sich sicher viele verstanden fühlen dürften.
Mir hat es wahnsinnig gefallen und ich würde diesen Film definitiv in die “Kann man jedem zeigen und sofort hernehmen, wenn man nicht weiß, was man im Kino schauen soll”-Schublade packen – und ich würde jederzeit wieder mit rein gehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hollywoods ausgewachsene Schauspiel-Ikonen werfen sich hier so gekonnt die Bälle zu, dass es wahnsinnig erstaunt, wenn ein relativ unbekannter Jack O’Connell sich dabei nahtlos in die Oberliga einreiht und hier einfach hypercool im ganzen Spiel mitmischt.
Die Thematik ist hervorragend, die Ausarbeitungen sind zwar nicht allerbeste Oberklasse, aber definitiv gut verdaulich und laden dazu ein, sich mehr auf solche Problematiken einzulassen.
Spannung, Wendungen und Ende setzen hier keine neuen Maßstäbe, die Gesamtpackung funktioniert aber als hervorragender Kinoabend und liefert hier wieder mal einen Film mit Sinn und Verstand, den gerne viele sehen sollten.

 
Nachspann
Nach der Schwarzblende darf man gehen, hier folgen keine weiteren Informationen mehr.

The Boss

Melissa McCarthy ist ein Fall für sich. Kennengelernt habe ich die Dame beim Zappen zu Mike & Molly, das ich aber auch nicht zu Ende geschaut, sondern eher dem typisch-normalen Fernsehtrott zugeordnet habe, der mich nicht groß weiter interessiert.
Auf einmal stattete mir diese Dame dann im Kino auf der Leinwand Besuch ab und holte sich so meine Aufmerksamkeit in Filmen wie Spy – Susan Cooper Undercover, der für mich Anlass war, meine Blu-ray-Bibliothek mit ein paar Werken von ihr zu bestücken, um ihre Karriere etwas näher beleuchten zu können um zu sehen, wie sich diese Dame macht.
Ich fand Voll abgezockt und fand es merkwürdig. Ich sah Taffe Mädels und ordnete es unter belangloser Normalität ein. Ich sichtete St. Vincent und empfand sie als eher störenden Faktor gegenüber Bill Murray, der hier als Hauptakteur auftritt. Keiner ihrer vorherigen Filme hat mich derart überzeugt, wie es Spy getan hat. Menschen entwickeln sich, entwickeln ihren Charakter, bilden sich weiter, lernen dazu. Vergangenes ist vorbei, auf zu neuen Ufern.
Dementsprechend gespannt war ich auf ihr neustes Werk: The Boss. Der Trailer beinhaltete wieder die typisch-verrückten McCarthy-Momente, die ihr Markenzeichen sind und sie irgendwo auch ausmachen.
Der Film war dann allerdings einfach nur enttäuschend. Hier und da mit ein paar ganz netten Gimmicks gespickt, über die man wirklich lachen konnte, zerreißt sich das Werk selbstständig in viele kleine Puzzlesteine, die allesamt nicht zusammenpassen und so ganz und gar nicht ein formvollendetes Werk von erster Unterhaltungsgüte abliefern.
Besagte Jokes wirken so aus dem Zusammenhang des Films gerissen, dass sie wiederum gar nicht mehr witzig sind, betrachtet man die Szenerie im Kontext zur restlichen Geschichte. Spaß dabei haben dürften wohl eher 10jährige Kinder, die in ihrem Leben bislang an Gürtellinien-Humor vorbeigezogen sind. Wenn dann allerdings innerhalb von 3 ½ Minuten 15x das Wort “Schwanz” und “Penis” fällt, ist diese Art der Unterhaltung wieder keineswegs für jüngeres Publikum geeignet und eine Freigabe ab 12 Jahren eher als fragwürdig anzusehen.
Und was dem Film außerdem meiner Meinung nach extrem fehlt, ist Geschwindigkeit und Flow. Die zu passierenden Dinge konnte man bereits im Trailer vorher ahnen, daher bleiben jedwede Überraschungen von z.B. meisterlicher Umsetzung und dennoch vorhandenem Überraschungsmoment einfach aus – was dazu führt, dass man sich einer fortwährenden Schleife von Längen entgegenstemmen muss, die das Werk mit seinen 99 Minuten Laufzeit zu einem unerträglichen Moment im Reiche des Kinos machen.
Der Humor ist absolut unterirdisch und lädt überhaupt nicht zum Lachen ein, sondern reiht eher einen nach dem anderen peinlichen Moment aneinander, der absolut belanglos und moralunstiftend ist. Würden oben erwähnte Kinder sich diesen Streifen mit etwas suchendem Geist ansehen, hätten wir in ein paar Jahren eine gesellschaftlich-relevante Masse an verblödeten, geistlosen, rücksichtslosen und dummen Menschen, die durch ihr Wahlrecht über Politik und das alltägliche Geschehen entscheiden – und diese Tatsache macht mir eher Angst als dass ich darüber lachen könnte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch Fans von Melissa McCarthy sollten sich hier überlegen, ob sie diesen Streifen wirklich ihren Freunden empfehlen wollen, denn Sinn, Moral, Unterhaltung oder irgendeine künstlich überzogene Darstellung der Realität sind hier völlig ausbleibend.
Die Show war eine reine Enttäuschung und man darf nur darauf hoffen, dass diese Art von Geldverdienen ein Kinoflop wird, der den Machern signalisiert, dass sie dieses in Zukunft bitte unterlassen und sich lieber anderen Dingen zuwenden mögen.
Daumen runter.

 
Nachspann
folgt mit Bildern und Outtakes, die allerdings auch nicht den Pep reinbringen, der z.B. im Fall von Fack Ju Göhte 2 nochmal einen oben drauf setzte. Das Desaster endet mit Fremdschämen und bitterer Enttäuschung.

London has fallen

Dieser Film hat einen ganz gewaltigen Fehler: Er genießt verdammt gute PR.
Gerard Butler und Morgan Freeman in einem Trailer zu zeigen, der vor Action-Andeutungen nur so überquillt, endet zumeist in der Tatsache, dass die Massen tatsächlich ins Kino rennen und sich diesen Film als Entscheidung der Woche auserwählen.
Und nun stehen wir vor zwei Problemen. Erstens: Es gab schon mal so ein Teil, nämlich Olympus has fallen, der sich inhaltlich nicht sonderlich von der jetzigen Geschichte abhebt, und zweitens: Der erste Versuch war bereits grottenschlecht.
Auch hier klaffen wieder Logiklücken, die jeden mit Verstand gesegneten Zuschauer bitter zu Gott flehen lassen, dass dieses Dilemma bald enden möge. Diesbezüglich hätten die Macher gut daran getan, sich wenigstens um einige Grundprinzipien der Physik zu bemühen, um nicht alle gemeinen Zuschauer böse vor den Kopf zu stoßen, wenn es um ganz banale Tatsachen geht, die längst nichts mehr mit überzogener Action oder dramatischer Übertreibung zu tun haben.
Um hier nicht zu spoilern, aber dennoch darauf hinzuweisen, was ich meine: Zwei Meter daneben passiert dann nichts mehr, wenn es explodiert, ja? Im Ernst?
Überhaupt wirken die Explosionen hier zwar mächtig gewollt, jedoch fehlt ihnen eine Substanz, die beispielsweise der Trailer von Independence Day – Wiederkehr vermittelt: Stärke. Man spürt einfach das Fehlen von Geld betreffend der CGI-Momente, mit denen im Film ganz rar umgegangen wird. Ironie off.
Irgendwie wird damit der dramatische Absturz eines Flugzeugs mal eben zur schlecht eingespielten Computerspielsequenz, die mehr die Information über das Geschehen vermittelt, als mit Imposanz eine cineastische Erfahrung auf die Leinwand zu produzieren, die dem Zuschauer die Gänsehaut auf dem Rücken stehen lässt. Diesbezüglich lob ich mir Teil 7 der Fast and the Furious-Saga, die auch mit Action maßlos übertrieben, dabei aber den Wumms nicht aus den Boxen geklaut haben, sondern sowohl sound- als auch bildtechnisch ordentlich aufs Gewand hauen. Und diese unterschwellige, fundamentgebende Stärke fehlt hier vollends.
Dass man sich bei dieser Art Unterhaltung nicht über den Stoff selbst austauschen darf, versteht sich von allein. Selbst da wäre ich so kulant zu sagen, dass man hier einfach freigeistige Schöpfungskreativität in einen Popcornstreifen legt, der zu nichts anderem taugt, als die Bassboxen mal wieder von ihrem angesammeltem Staub zu befreien – aber wenn genau dieser Punkt dann ins Leere trifft und hier absolut kein Widerstand zu spüren ist, dann geht für mich als Zuschauer die Story mitsamt allem dahinter komplett den Bach runter.
Und dass hierbei dann meine sowieso schon extrem niedrigen Erwartungen untertroffen werden, hätte ich wirklich nicht erwartet. Aber was will man machen: Die Kinosäle sind voll, die Massen rennen rein, der Trailer und damit die PR-Jungs haben ganze Arbeit geleistet und mit dem Ergebnis wird Kohle verdient – finanziell gesehen also alles richtig gemacht.
Schade finde ich hierbei eigentlich nur, dass das Thema gar nicht so blöd ist, wie man anfangs denkt, denn hieraus könnte man tatsächlich eine gigantische Schlacht epischen Ausmaßes herauskitzeln, was wiederum aber extrem viel Fingerspitzengefühl benötigt, um damit auch die etwas intellektuellere Schicht der Kinogänger anzusprechen. Und für sowas reißt sich heutzutage wohl kaum noch jemand den Arsch auf, oder?
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn ihr des Trailers wegen da reinspaziert seid, erwartet keine gigantischen Trümpfe.
Butler bemächtigt sich zwar seiner kuriosen und teilweise überzogenen Brutalität in Wort und Tat, das allein reicht aber nicht aus, um den Film die ganze Spielzeit über am Laufen zu halten.
Hier fehlt meines Erachtens nach einfach ganz viel Glaubwürdigkeit und eine Brise mehr Wumms hinter den teilweise lieblosen Animationen grandioser Zerstörungsmomente, die – mit den richtigen Mitteln – durchaus in cineastischen Nervenkitzel verwandelt werden könnten.
Hier hat man scheinbar an den falschen Ecken gespart und damit die Fortsetzung eines bereits in meinen Augen misslungenen ersten Teils grandios zum Scheitern verurteilt.
Sollte Teil 3 folgen und der wieder mit den gleichen rabiaten Mitteln aufspielen, ändere ich meine Meinung und halte fest, dass ich dieser Form der Unterhaltung einfach nichts abgewinnen kann und somit das völlig falsche Publikum für sowas bin.
Und bis es soweit ist, rate ich euch dringend davon ab, diesen Film im Kino zu sichten. Wartet lieber auf ProSieben, da kostet euch der Spaß dann wenigstens nichts.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, auch wenn hier nochmal züngelnd der teils an Epik grenzende Soundtrack etwas aufspielt, die Kiste aus dem Sand ziehen diese Minuten dann auch nicht mehr.

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