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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: 98 Minuten Page 1 of 2

Love, Cecil

Bei dem Titel ist der Vergleich zu Love, Simon nicht weit hergeholt und tatsächlich gibt es hier auch einige Parallelen. Allerdings ist Love, Cecil kein Spielfilm, sondern gehört dem Dokumentargenre an und portraitiert das Leben des legendären Fotografen Cecil Beaton. Womit alles, was auf dem Plakat zu sehen ist, einmal abgefrühstückt wäre.

Für mich ist die Zuordnung mancher Kinos teilweise fragwürdig, da dieser Film keine spezifische Zielgruppe befriedigt, sondern viel mehr Einblicke in eine Zeit und das Leben gewährt, über das die heutige Gesellschaft scheinbar schon vollständig hinausgewachsen ist. Somit hat man die Chance, nostalgische Avancen zu entwickeln und gleichzeitig in Ränge des Lebens vorzuschreiten, die sicherlich keiner von uns so schnell betreten haben dürfte.

Und das war extrem spannend und zielführend. Die Einblicke zum einen in das Leben eines echt berühmten Fotografen (wer sich nicht damit beschäftigt hat, wird ihn wahrscheinlich nicht kennen) und zum anderen in die Schwierigkeiten, die zum Leben dieses Menschen und dem einer ganzen Generation gehörten und die er meiner Meinung nach exzellent verarbeitet und ausgelebt hat.

Menschen wie er gelten für mich zu Vorreitern ihrer Schicht und dürfen gerne als Orientierungs-Vorbilder genutzt werden, an denen sich heutige Gleichgesinnte ein Beispiel nehmen dürfen, um dem Leben den dazugehörigen Sinn zu verleihen und ihm die Freude abzugewinnen, die es wert ist. Und damit zählt dieses Machwerk für mich zu den Stücken, die zwar weit in der Nische des Kinos vergraben werden und dort nochmal an den Rand gestellt werden, die allerdings eine Sichtungsberechtigung haben und die der Zuschauer aus eben jenen Ecken wieder hervorkaufen sollte, um den Publishern zu zeigen, dass hier mehr Interesse besteht, die ihm inneliegenden Weisheiten zu erforschen und zu ergründen.

Meine Prognose ist, dass dieses Ding deshalb schlechtere Sichtungszahlen bekommen wird, weil es teilweise so stiefmütterlich behandelt wird, obwohl sich dieser Film in seiner Gänze keineswegs verstecken bräuchte. Quasi eine Bypass-Schlechtbehandlung durch schlecht organisierte Publicity oder andere Faktoren, die dem Werk nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken und viele daher einfach nichts von dessen Existenz wissen und deshalb nicht in die Kinos stürmen.

 

.kinoticket-Empfehlung: Müsste ich es in einem Satz beschreiben, würde ich sagen: Love, Simon aus dem echten Leben gegriffen.

Zwar sollte man keine 1:1-Vergleiche hier anstellen, da es tatsächlich eine Dokumentation ist und kein Spielfilm, aber die Einblicke in Zeit und Leben, die Love, Cecil gewährt, sind es wert, auf der Leinwand wiedererlebt zu werden. Die Nische, in die man das Ding steckt, ist meiner Meinung nach viel zu vergraben und wird den Inhalten nicht gerecht.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten. Hier kommt nur der üblichen Name-Roll und sonst nichts weiter.

Kinostart: 12. Juli 2018

Original Title: Love, Cecil
Length: 99 Min.
Rated: FSK 0

Meine Tochter – Figlia Mia

Meine Tochter – Figlia Mia ist einer der Nischenfilme, die wohl nicht jeder auf einem Plakat oder in der Werbung gesehen haben dürfte: Wer auf diesen Titel stößt, muss schon gezielt danach gesucht haben.
Doch die Suche lohnt sich! Was hier vermittelt wird, hat sehr viel mit Einfühlungsvermögen zu tun. Man wird entführt in eine wunderbare Welt mit bezaubernden Landschaftsaufnahmen und der vorsichtigen Annäherung an die Psyche dreier Menschen, die ein gemeinsames Schicksal teilen. Die teils bedrückende Enge wird durch exzellente Kameratechnik sehr realistisch rübergebracht, was ich dem Streifen sogar teilweise etwas ankreide, da ich mir stellenweise nichts sehnlicher gewünscht hätte, als ein paar Totalen. Geschichtlich passt dies jedoch sehr gut und auch der Twist war überraschend gut.
In solch einer Vorstellung ist man so weit vom Mainstream entfernt, dass sich irgendwelche Vergleiche eigentlich gar nicht mehr lohnen, da alle irgendwo an den Haaren herbeigezogen wären, weshalb sich dieses Werk auch sehr schlecht einordnen lässt. Was jedoch nicht heißt, dass man hier nicht reingehen darf: Im Gegenteil: Ich empfehle es sogar, weil die Story zumindest mich sehr nachdenklich gestimmt und zu weiteren Gedankengängen angeregt hat, die wieder das Menschsein als solches im Mittelpunkt haben und dabei interessante Thesen aufstellen und ausleuchten.
Und zuguterletzt kann man sogar sagen, dass man es ein klein wenig mit einem “Sonnenscheinchenfilm” zu tun hat, der durch ganz viele optische und liebevolle Momente punktet und hier den Zuschauer erstklassig unterhält. Langweilig wird dabei sicher niemandem!
 

.kinoticket-Empfehlung: Unvergleichbar, absolut mainstreamfremd und damit einzigartig: Diese Geschichte sonnt sich in ihrer eigenen Eleganz und erzählt auf beflügelnde Weise eine teils harte Story.
Man muss schon gezielt danach suchen, wird nach solch einem Kinostück aber gewiss nicht enttäuscht nach Hause gehen – also .kinoticket kaufen und rein da.

 
Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 31. Mai 2018

Letztendlich sind wir dem Universum egal

Als wir Kinder waren, haben wir den Fernseher eingeschaltet, einen Film eingelegt und uns dann gebannt vor die Flimmerkiste gehockt und uns von Filmen verzaubern lassen. Es war das Tor zu einer anderen Welt. Unmögliche Dinge waren auf einmal möglich, Magie erwachte zum Leben, Unvorstellbares wurde so glaubwürdig serviert, dass man einfach nicht zweifeln durfte, ob es echt war. Für uns war es das. Für uns war auf einmal alles möglich. Es war DIE Freikarte für eine Welt ohne Grenzen. Spannung wurde aufgebaut. Unglaubliches wurde offenbart.
Letztendlich sind wir dem Universum egal ist genau die Sorte Film, die ich damals als Kind geliebt habe: Du legst einen Film ein, etwas unfassbares passiert gleich am Anfang und der restliche Film beschäftigt sich dann mit der Auflösung oder Suche nach dem Grund oder erzählt, was überhaupt passiert ist. Genau diese Optionen lotet man hier ganz neu wieder aus, packt den Streifen dabei voll mit klasse Schauspielern und erzählt eine wunderbare Story, die so faszinierend sein kann – wenn man vorher nichts, wirklich rein gar nichts darüber weiß.
Also schaut euch KEINE .trailer an, lest keine Inhaltsangaben, haltet euch die Ohren zu, wenn andere etwas über diesen Titel erzählen wollen und geht völlig unbefangen und voller Interesse in diesen Film – dann, und nur dann, macht er auch richtig Spaß.
Ich habe mich mittlerweile wieder mit einigen unterhalten, die mir summa summarum mitgeteilt haben, dass sie diverse Probleme mit dem Ende hatten. Hier sei eine zu unvollständige, unbefriedigende Lösung angeboten worden.
Genau da hängt sich dieser Film auch ein wenig an sich auf: Allerdings ist das meiner Meinung nach kein Problem dieses Films, sondern ein Problem dieses “Genres” wenn man so will: Die Faszination und Mystik, die einem am Anfang in unerträglich hohen Dosen ins Hirn geworfen wird, kann per se nicht komplett bis zum Schluss erhalten werden, es sei denn, man böte gar keine Auflösung, was dann der Rest des Publikums wieder scheiße finden würde. Es ist also gar kein so großes Problem, sondern mündet einfach in ein “großes Becken” und läuft darin langsam aus.
Dieser Umstand macht den Film für mich aber jetzt nicht uninteressanter. Ein .kinoticket darf man also auch gerne für diese Vorstellung lösen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Rein ins Kino, Licht aus, Spannung an und eine faszinierende Geschichte ist garantiert.
Der Film baut auf Systeme alter Schule und hat damit auch Erfolg, scheitert ein klein bisschen am Schluss, was das Gesamterlebnis aber kaum trübt, da die Idee und Umsetzung wirklich einmalig ist und so auch noch nie vorher im Kino präsentiert wurde.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 31. Mai 2018

Euphoria

Euphoria wird getragen von einem starken Frauentrio, das sich mit Fragen auseinandersetzt, vor denen der Großteil der Menschheit permanent auf der Flucht ist. Themen, einerseits heiß diskutiert, andererseits bis zum bitteren Ende totgeschwiegen, werden hier rührend angegangen und auf bewegende Art und Weise zerpflückt.
Was diesen Film großartig macht, ist das absolut stimmige Zusammenspiel und die fast magische Faszination, die man dafür zu entfachen weiß und mit Thesen anreichert, die nicht nur zum Nachdenken anregen, sondern auch zutiefst erschüttern und berühren.
Die Story als solches trifft einen hart und bietet gleichermaßen eine Plattform für ausreichend Anregungen und “Inspiration”, sollte man selbst davon betroffen sein. Man darf dieses Werk als Gesprächsgrundlage zu Rate ziehen und hat auch genügend Möglichkeiten, sich selbst einmal mit dem Gedanken zu befassen und auf nüchterne Art darüber nachzudenken, um evtl. besser Entscheidungen treffen zu können.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Schauspieler liefern großartige Leistungen ab in einem beklemmenden Story-Gerüst, das jederzeit einzubrechen droht und gleichermaßen eine faszinierende mystische Anziehung besitzt und damit einen unvergleichlichen Mehrwert bietet.
Als Einstieg in Diskussionen rund um dieses schwierige Thema eignet sich dieser Film genauso wie für tief im Herz ergriffene Momente, ausgelöst durch die Brisanz und Ernsthaftigkeit, mit der man diesen Stoff angeht.
Sucht euch ein kuschliges Kino, nehmt euren Best Buddy mit und schaut, was dabei raus kommt. Vielleicht ganz viel Herzensnähe.

 
Nachspann
❌ kommt nichts weiter, man darf also wieder nach draußen.
Kinostart: 24. Mai 2018

Liliane Susewind – Ein tierisches Abenteuer

Kinder weiß man auf Bildschirmen immer zu beeindrucken – viele Eltern dürften davon ein Lied zu singen wissen. Sony Pictures nimmt sich ab sofort eines gewaltigen Abenteuers an und schickt euch gemeinsam mit den Kleinen wieder auf eine Reise, die gleich mit einem spannenden Twist beginnt. Dieser benötigt zwar einige Reifezeit, aber alsbald haben sich die Kleinen damit abgefunden und sind mitten im Geschehen gefangen.
Hier werden unter anderem wichtige Fragen geklärt, die auch im Alltag immer wieder aufkommen und mit denen man sich gerne einmal neu auseinandersetzen darf: Liliane Susewind – Ein tierisches Abenteuer bietet hier auch für Erwachsene ganz neue Denkanstöße z.B. im Umgang mit Tieren und der Tierhaltung zu Hause.
Der Plot und die bekannt-überzogene Darstellung erwachsener Schauspieler wirkt für Kinder glaubwürdig, verlangt Erwachsenen aber einiges an Toleranzvermögen ab, so dass diese ihre Kinder wohl besser in einem der Kinosäle “absetzen” und nach der Vorstellung wieder aufgreifen sollten.
Die moralische Erziehung der Kinder steht auch hier wieder subtil im Subkontext und vermittelt das ethisch-verantwortungsvolle Verhalten gegenüber anderen Lebewesen sehr eindrucksvoll und unterhaltsam.
Dabei geht es auch um Korruption, Verhaltensfragen und deren hintergründige Beleuchtung, die sich u.a. sehr nah an der Buchvorlage für Kinder orientieren und hier einen würdigen Filmvertreter dieses Stoffes abliefern.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Story reißt Kinder in ihren Bann und sorgt für kurzweilige und pädagogisch wertvolle Unterhaltung.
Laufzeit und Inhalte sind sehr schön an Kinderverhältnisse angepasst und eignen sich hervorragend, um den Kleinen den korrekten Umgang mit anderen Lebewesen auch im eigenen Haushalt gut erklären und beibringen zu können.
Als Familienfilm eignet sich dieser eher weniger, da erwachsene Teilnehmer wohl eher ihre Schwierigkeit mit der überzogenen Darstellung ihrer Pendants im Film haben dürften, die Kinder jedoch hatten ihren Spaß und waren allesamt vom Film begeistert.

 
Nachspann
Nicht aufstehen, der wird bis zum Schluss wunderbar durchgezogen und fällt gar nicht großartig durch Langeweile auf.
Kinostart: 10. Mai 2018

Ghost Stories

Normalerweise halte ich Abstand von Büchern, Theaterstücken, Bühneninszenierungen und dergleichen, wenn ich weiß, dass davon demnächst ein Kinofilm rausgebracht wird – weil für mich nichts über Kino geht.
Bei Ghost Stories ist es genau umgekehrt: Ich habe den Film gesehen und wünsche mir seitdem nichts sehnlicher, als diese Story einmal als Theaterstück zu erleben, was es ursprünglich ja auch war bzw. ist.
Gerade mit dem Thema “Geister” können viele ja überhaupt nichts anfangen und ich habe selbst Pressevertreterkollegen von mir mit einem sanften Arschtritt in diese Vorstellung katapultieren müssen, und sie wurden nicht enttäuscht.
Es ist großartig, wie man hier mit den Inhalten umgeht, welche Erzählweise man wählt und wie sich das Werk schlussendlich vollständig entfaltet. Ich hoffe, dass möglichst viele (alle) Rezensenten meinem Erzählduktus folgen und hier grundsätzlich nichts spoilern, denn das Werk lebt von den Twists und Irrungen, in die man als Zuschauer geleitet wird.
Da ich bereits vor Kinostart die Möglichkeit hatte, diesen Film mehrfach zu schauen, konnte ich inzwischen überprüfen, dass sich in den verwinkelten Phrasen dieses Stücks tatsächlich keine offensichtlichen “Fehler” eingeschlichen haben – was das Werk für mich wieder etwas großartiger macht.
Einige haben damals darüber geklagt, dass es ein wenig “zu viel” sei, was ich allerdings vehement abstreite, da das Stück nur so funktioniert und anderenfalls höchst langweilig wäre.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Gruselfaktor stimmt, die Erzählungen erreichen Theaterniveau (kommt ja von da her) und der Plot ist – bei solch einem Thema – in sich stimmig und fehlerfrei.
Es macht riesigen Spaß und brennt mir seitdem tierisch in den Fingern, Ausschau nach einer Bühnenaufführung davon zu halten.
Geht rein und nutzt die Chance, er wird sowieso kaum wo laufen – schätze ich.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, hier folgt keine weitere Szenenbalgerei mehr.
Kinostart: 19. April 2018

Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft

Das Konzept ist ja mittlerweile einige Male durch den Filmwolf gedreht worden und daher entlockt der Titel den meisten Zuschauern wohl nur noch ein müdes Lächeln oder sorgt dafür, dass man gar nicht erst ins Kino geht.
Dabei hat Sony hier tatsächlich einige Register gezogen, um erstklassige Unterhaltung für Kinder zu schaffen, die eben nicht alte Prinzipien wieder neu verpackt an den Zuschauer ausliefern will, sondern in einer bestehenden Welt die alte Crew wieder ins Leben gerufen und alles mit etwas mehr Ernsthaftigkeit und einem durchaus witzigen, logischen und überaus spannenden Skript versehen, dass den Kleinen auch wirklich Spaß macht.
Diese lustige, verdrehte und irgendwie völlig andere Perspektive könnte man fast schon als Erziehungsmaßnahme begreifen, die viele Alltagssituationen mal völlig neu an die Familie abgibt und damit eine komplett neue Rangordnung auf die Füße stellt, die selbst Erwachsene im Saal zum Lachen animiert.
Und obwohl ich anfangs auch riesige Bedenken hatte (“Oh Mann, noch so ein Film, der wieder nur bekannte Storys neu aufwärmt”), hatte ich am Schluss richtig Freude bei der Sache und würde mir den Streifen sogar nochmal im Kino ansehen, so sich die Möglichkeit dazu ergibt.
Denn selbst wenn man aus der Story ausbricht und sich wieder auf die filmischen Tricks und Umsetzungen stürzt, hat man hier viel zu rätseln, da der Übergang zwischen beiden Welten wirklich exzellent gelöst worden ist und keine halbherzigen Erklärungen und miese Animationen mehr dafür herhalten mussten: Man sieht dem Werk seine Ernsthaftigkeit und detailverliebte Durchdachtheit an.
Und dass man hier nicht durch billiges (oder überladenes) CGI, sondern handwerkliches Geschick beeindrucken will, löst bei mir definitiv Sympathien aus, was ich dem Werk hoch anrechne.
 

.kinoticket-Empfehlung: Filmischer Spaß, garniert mit einer Portion Ernsthaftigkeit und einer Brise Erwachsensein ohne dabei den spielerischen Geist der Kinder zu opfern – auf technisch hohem Niveau und mit Unterhaltungsfaktor für jung und alt – was will man mehr für einen Familienfilm, bei dem jeder etwas mitnehmen kann.
Auch, wenn es das schon gefühlt zig Mal gegeben hat: Geht trotzdem rein, denn dieser Film wächst über sich hinaus und liefert etwas, dass es so bislang noch nicht gab.

 
Nachspann
Nicht gleich abhauen, da gibt’s noch ein paar Gimmicks.
Kinostart: 18. Januar 2018

Wir töten Stella

Hört man den Titel, denkt man direkt daran, dass dieser Stoff womöglich nicht leicht zu verfilmen sein wird. Geht man dann völlig vorurteilsfrei ins Kino und lässt sich von dem Kommenden überraschen, stellt man fest, dass tatsächlich Schwierigkeiten bei der Verfilmung da gewesen sind, die Regisseur Julian Roman Pölsler aber erstklassig gemeistert hat.
Ich würde fast behaupten, dass es sich hierbei wieder mal um eine “unverfilmbare Buchvorlage” handelt, deren Erzählweise es quasi schon verbietet, dramatisch interessante Plots für die Leinwand daraus zu formen, um sie dem Zuschauer hinterher erfolgsbeseelt vor die Augen zu werfen.
Dennoch ist dieses grandiose Kunststück gelungen und man erhält einen bleibenden Film, dessen Eindrücke sich nicht unbedingt auf die Erzählstrategie oder Bilder beziehen, viel mehr aber auf den kuriosen Inhalt. Dabei eine so vielschichtige und in sich verwobene, von Abstrusitäten durchzogene Familien-Polemik-Kultur auf die Füße zu stellen, die sich die Zeit nimmt und jedem Probanden eine eigene Profiltiefe verpasst, ist genauso unglaublich wie wahr – denn genau das hat man hier vollzogen.
Dass man dabei in Abgründe vorstößt, die nicht leicht zu ertragen sind, gehört genauso zum Menü dazu, wie die Tatsache, dass Martina Gedeck nicht unbedingt für Popcorn-Stoff bekannt ist, hier aber eine unfassbare Performance auf die Beine stellt und tatsächlich quasi durch “Rumstehen” beeindruckt.
Der negative Beigeschmack, den man beim Zuschauen im Sympathie-Areal findet, gehört zum Plot dazu und zeigt meisterlich die Zerrüttung dieser Familie, in der jeder sein eigenes Elend mit sich trägt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Meisterhaft umgesetzte Dramaturgie über schändliche Tatsachen, die ob der ruhigen Erzählweise nichts von ihrer horrenden Krankhaftigkeit verlieren.
Martina Gedeck glänzt in ihrer Rolle und führt den Zuschauer immer näher an Abgründe heran, die sich nach deren Begreifen tief im Hirn verwurzeln und den Zuschauer auch nach dem Film nicht so leicht loslassen.
Sehenswerte Konstruktion über die Vernichtung eines Menschen.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden. Geht lieber ins Foyer und diskutiert ein wenig über Schuld und Sühne.
Kinostart: 18. Januar 2018

Die kanadische Reise

Die kanadische Reise offeriert einen Einblick in das seltsame Verstrickungsspiel einer Generation, das aufgrund einiger Lücken in der Erzähl-Logik etwas seltsam anmutet und leider auch einige Fragen offen lässt.
Selbstredend verliert man sich hier in dem Charme authentischer Landschaften, zeigt Bilder und Welten, die wieder Raum für innere Erzählungen freigeben und somit einen Seelentauchgang begleiten, der höchstwahrscheinlich romantischer Natur sein sollte, die großartige Offenbarung dann aber mit leicht missverständlichen Tendenzen ausklingen lässt, statt hier zum großen Paukenschlag auszuholen.
Man kann das jetzt positiv aufwerten und daraus ein unterhaltsames Spiel machen, dass die Verflechtungen letztendlich vollständig auflöst und über die Beweggründe des Films diskutieren lässt, oder man stempelt den Versuch als missglückt ab und erfreut sich stattdessen an den Momenten selbst, von denen reichlich im Film vorhanden sind.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die 100%ige Zufriedenheit löste der Streifen bei mir nicht aus, dafür war die Story als solches einfach nicht rund genug und hapert an viel zu vielen Stellen in punkto Logik.
Wer sich davor nicht scheut, darf aber gerne zum Ticketschalter gehen und erlebt eine wunderbare Reise mit vielen visuellen Eindrücken, die nicht nur aus Naturbildern bestehen, sondern auch Einblicke in die Seele der Menschen werfen.

 
Nachspann
folgt auch hier klassisch ohne weiteres Material. Rausgehen erlaubt.
Kinostart: 14. Dezember 2017

Liebe zu Besuch

Reese Witherspoon steht mit ihrem Namen ja nicht unbedingt für Kategorie A-Humor, sondern sie hatte auch in der Vergangenheit immer wieder damit zu kämpfen, dass ihre Filme nicht so sonderlich fruchten wollten.
In Liebe zu Besuch merkt man dies sofort zu Beginn des Films, der sich marternde 15 Minuten lang dahinquält und nichts davon zum Vorschein kommen lässt, dass einen nun ein herrlicher Feel-Good-Movie erwartet.
Aber das Zähne zusammenbeißen lohnt sich, denn mit dem Auftreten ihrer Mitcharaktere ändert sich der Lauf und das Ding wird auf einmal irre spannend, unterhaltsam und nimmt Fahrt auf, die man auch bis kurz vorm Schluss durchweg durchzieht.
Stellenweise weiß man nicht so richtig, wohin man nun will und schickt den Zuschauer in die Plot-Warteschleife und auch der Schluss ist meiner Meinung nach nichtsaussagend, da man seine Gradlinigkeit stellenweise aufgegeben hat und quasi alles mehr oder weniger ins Leere laufen lässt.
Dies liegt aber – wie auch schon zu Beginn – in meinen Augen eher am Drehbuch und den Vorgaben daraus als an den Schauspielern als solches. Die geben sich nämlich bis auf das letzte, gequälte Lächeln Witherspoons durch die Bank weg richtig Mühe und meistern ihre Rollen super, allen voran Pico Alexander, dessen forsches Auftreten fast jeden den ganzen Film über köstlich amüsiert hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte sich zu Anfang zwingen, im Saal zu bleiben und auch das unbefriedigende Ende nicht als Grund heranziehen, nicht in diesen Film zu gehen.
Liebe zu Besuch ist ein herrlicher Feel-Good-Movie, dessen überwiegender Teil sehr unterhaltsam und komisch ist und somit für einen gelungenen und spaßigen Kinoabend durchaus taugt.
Hier und da schwächelt er etwas am Drehbuch und Witherspoons übrigen Handicaps, aber das Ensemble an sich funktioniert und rang auch mir immer wieder herzliche Lacher ab.
Durchaus sehenswert.

 
Nachspann
braucht man nicht sitzen bleiben, auch nach dem Scrolling kommt kein erhofft gutes Ende mehr.
Kinostart: 23. November 2017

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