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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: 97 Minuten Page 1 of 2

Book Club – Das Beste kommt noch

Book Club – Das Beste kommt noch vereint Filmgeschichte in sich, die es gemeinsam nochmal richtig krachen lassen will: Darsteller, deren Zeiten längst passé sind, treffen sich in gemütlicher Runde, um aktuellen Buchphänomenen auf den Grund zu gehen und entdecken dabei ganz neue Seiten an sich selbst.
Was sich runterliest, wie der 10-Cent-Zeitungs-Plot, gehört zum aktuellen Kassenschlager aus den USA und verzeichnet dort bereits 68.6 Mio. US$ an Einnahmen. Irgendwas hat Regisseur Bill Holderman also richtig gemacht, als er die Crème de la Crème aus dem Hollywood vergangener Tage erneut zusammengetrommelt hat.
Tatsächlich bemüht sich das Werk nicht, irgendwelche Bastionen an Text-Generositäten oder kameratechnische Gewalttaten in sich zu vereinen, sondern man fühlt förmlich das Zimmer der Oma und den Hauch des bald aufkommenden Todes vor sich … und entdeckt dabei eine familiäre Gemütlichkeit und das zartbesaitete Verhältnis, das viele zu ihren Großeltern pflegen. Diese liebevolle Atmosphäre stärkt man durch behändes Umgehen mit zärtlichen Humorattacken und einer fast niedlich anmutenden Unbeholfenheit mit den Phänomenen einer modernen und kruden Gesellschaft.
Dabei dann noch hier und da ein paar ausufernde Moralinterventionen zum Besten gegeben erhält man ein in meinen Augen dennoch dahinplätscherndes Werk, dass zwar nett anzusehen ist, aber darüber nicht hinauskommt.
Mir fehlt dabei einfach die Innovation, die über das zu erwartende hinausgeht und den Film zu etwas besonderem macht und ihn nicht einfach nur als “just another”-Movie in den Bahnen bisher Dagewesenen schwimmen lässt. Diesen Absprung hat man meiner Meinung nach nicht geschafft, der Erfolg aus den USA spricht aber eine völlig andere Sprache. Ich bin gespannt, wie das Werk hier abschneiden wird und lasse mich von euch gerne eines besseren belehren.
 

.kinoticket-Empfehlung: Grandma-Ambitionen in heimeliger Atmosphäre in einem Gute-Nacht-Film für Ältere.
Die Jugend wird wohl weniger begeistert sein, die Fraktion “Eltern und Großmama” feiern ihn sichtlich bis zum Gehtnichtmehr ab: Endlich mal keine Krawumm-Action und dieser stupide Hollywoodblödsinn, sondern ernsthaftes Kino, dass auch noch mit Humor und Generationenverständnis um sich wirft: Für mich zu langatmig, zu wenig innovativ und zu wenig “einzigartig”.

 
Nachspann
❌ braucht nicht ausgeharrt zu werden, da folgt nichts weiter.
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Book Club
Length: 104 Min.
Rate: (tba)

Die Farbe des Horizonts

Die Farbe des Plakats lässt erkennen, dass die Zielgruppe dieses Films wohlweislich weiblichen Geschlechts sein sollte und man die klischeehaften Erwartungen Action-fundierter Machos außen vor lässt. Die Frau, deren Geschichte hier erzählt wird, hat es also tatsächlich gegeben und die Herausforderungen, vor die das Leben sie gestellt hat, sind (mit den üblichen dramatischen Ausschmückungen) also real und tatsächlich passiert.
Damit hat sich der Everest-Regisseur erneut einem gewaltigen Thema angenommen und bringt beeindruckende Bilder auf die Leinwand, die eine schier unglaubliche Story untermalen und unterhaltsam in die Kinosäle bringen.
Meiner Meinung nach krankt der Film an einer winzigen Fehlentscheidung: dem Erzählstil. Kormákur entschied sich hier für den Wechsel zwischen Szenen der Aktualität und Rückblenden, die mehr oder weniger fast schon eine “zweite” Geschichte erzählen. Der immerwährende Switch zwischen beiden Erzählzeiten, der oftmals auch nicht erkennbar abgetrennt ist, wirft bei den ersten paar Malen noch Fragen auf, beginnt nach gewisser Zeit aber unglaublich zu nerven.
Ich verstehe die Intention und kenne das Stilmittel, anfangs unerkennbare Dinge und Absichten durch immer wiederholte Rückblenden langsam, aber stetig aufzuklären, in diesem Falle jedoch ging der Schuss mal komplett nach hinten los: Es wirkt unübersichtlich, zerrissen und man ist schnell davon genervt und wünscht sich nichts sehnlicher, als eine konsequente Zeitlinie, in der das Werk dramaturgisch in der geschichtlich richtigen Reihenfolge einfach durcherzählt wird.
Ja, dann kämen hier und da wohl “Langatmigkeiten” auf, wo man vielleicht Schiss davor hatte, den Zuschauer mit ein und derselben Szene minutenlang zu langweilen und sich deshalb dafür entschied, immer in der Zeit zu springen, was ich (und einige andere auch) dem Film jedoch viel eher verziehen hätten. Tatsächlich wäre die tragische Situation dadurch auch viel eindrücklicher und imposanter gewesen, als wenn man in Szenen der Verzweiflung einfach erlösende Rückblenden mit wunderbaren Momenten einpflügt, die das Geschehen wieder auflockern und niemals den geistigen Schritt über die Klippe der Hoffnungslosigkeit hinaus zulassen.
Der Effekt, der dadurch erzielt wird, verhindert leider, dass man weder in die eine, noch in die andere Geschichte richtig eintauchen und sich davon gefangen nehmen lassen kann, weil der Autor immer dann, wenn es gerade anfängt, in seinen Bann zu ziehen, die Zeit wechselt und einen völlig aus der Situation wieder herausreißt.
Warum ist der Film dennoch empfehlenswert?
Die Bilder und visuellen Impressionen sind durchaus gewaltig und betören durch (perverse) Schönheit und Eleganz. Die Audiokulissen sowie das technische Baumaterial, dass man dem Zuschauer hier serviert, weiß durch klare Präzision und Wucht zu beeindrucken und der Gang ins Kino ist definitiv nicht enttäuschend, weil man diese Eindrücke niemals in einem Heimkino reproduzieren kann: Dafür sind jegliche Leinwände viel zu klein.
Auch wenn der Plot hier und da kitschig wirkt und man gewisse Dinge schon von Anfang an vermutet: Hier wurden Action- und Dramaturgiechancen vergeben, was erneut darauf hindeutet, dass dieser Film der Damenwelt gewidmet ist. Den ein oder anderen Twist hat der Streifen dennoch parat und weiß damit auch zu überzeugen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für die Heimkinoveröffentlichung wünsche ich mir ein Feature, dass den Film in chronologisch korrekter Reihenfolge abspielbar macht, dann gewinnt er nämlich nochmal unglaublich an Charme und dramaturgischer Beeindruckbarkeit hinzu.
Die Bilder sind ob des Erzählstils dennoch wert, in einem Kino gesehen zu werden und die Tatsache, dass die Erzählung echt ist, zeugt einmal mehr davon, dass das Leben die besten Geschichten schreibt.
Beim Cast hätte ich mir an manchen Stellen lieber Jennifer Lawrence gewünscht, aber diese Entscheidung lässt sich rückwirkend nun auch nicht mehr ändern.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 12. Juli 2018

Die brillante Mademoiselle Neila

Der Titelschriftzug sagt im Prinzip schon alles aus: Brillant!
Man sollte sich auf jeden Fall auf den Weg machen und diesen Film suchen! Wo immer er läuft – jedes Kino ist recht, hauptsache man geht rein und sieht ihn! Im Rahmen der galanten Suche nach kunsttragender Orientierung innerhalb eines Geschwulsts aus Politik, Intrigen und infantiler Dummheit entpuppt sich auf einmal ein intellektuelles Stück Lehrgeschichte, dass nicht nur von Eleganz getragen wird, sondern vor allem durch seine niederschmetternde Lehre punktet und dabei allen Argumentatoren sämtliche Register aus der Tasche klaut und sie vernichtend schlägt.
Obwohl man geistesschreiend nach Abwehr-Reaktionen sucht und flehentlich bittet, dass dieser politisch inkorrekten Verhaltensweise keine Klarheit angedeihen möge: Der Film ist gnadenlos und verfolgt seine bitteren Ziele bis zum Schluss – und die Erleuchtung ist großartig!
Ja, ich war zwiegespalten, als ich geohrfeigt wieder aus dem Laden rausgetrümmert wurde und wusste erstmal nicht wirklich was mit mir anzufangen. Doch letzten Endes sind diese Methoden bei weitem Ungeschlagen und: Trotz Schmerz und körperlichen Qualen: Sie tragen Früchte und sollten wohl auch in unserem Alltag desöfteren mal angewandt werden, um die Menschen stark zu machen, die diese Stützen dringend brauchen und ihnen eine Waffe an die Hand zu geben, mit der sie ihr Leben herausragend meistern.
Wer jetzt glaubt, ich rede von “Randgruppen” oder der Ansicht ist, ich breche hier bestimmte Bevölkerungsgruppen auf irgendwas runter, der irrt: Ich rede von jedem einzelnen! Denn jeder Mensch ist auf irgendeinem Teil der Welt einer Randgruppe zugehörig und damit “potentiell gefährdet, selbst auf der Schlachtbank zu sitzen”.
Und was wären wir froh darüber, würden wir anstelle der Hauptdarstellerin da stehen und das mit auf den Weg bekommen, was sie bekommen hat…. Warte mal…. durch den Film würde dann ja genau das eintreten. Also aufhören zu quatschen und Abmarsch ins Kino => Lehrstunde!
 

.kinoticket-Empfehlung: Intellektuelle Sahnekirsche mit großartigen Schauspielern und einem Plot, der garantiert Diskussionen auslöst!
Die himmelschreiende Unfassbarkeit in einer Zeit, in der politisch korrekter Schwachsinn Hochkonjunktur ohnegleichen feiert – ein Film, der nicht besser in unsere Epoche passen könnte. Und jeder von uns hat eine Menge daraus zu lernen.

 
Nachspann
❌ braucht nicht ausgeharrt zu werden, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.
Kinostart: 14. Juni 2018

Zentralflughafen THF

Es sind zwei Worte, die Bauunternehmer in Deutschland in Angst und Schrecken versetzen respektive das Volk und die Satiriker zum Spotten bringen: “Berlin” und “Flughafen”. Wer sich mit den internationalen Flughafencodes ein wenig besser auskennt, wird aber schnell feststellen, dass hier gar nicht das medienträchtige Prestige-Versagerwerk aus jüngster Zeit gemeint ist, sondern der 2010 stillgelegte Drittflughafen, der von der Stadt unlängst anderen Zwecken zugeführt wurde und quasi mehr oder weniger seine Anwartschaft als “Lost Place” beginnt.
Regisseur Karim Ainouz offenbart sich als stummer, teilhabender Zuschauer eines filmischen Entdeckerstücks, dass sich unlängst mit zentralen Themen aus Politik, Medienlandschaft und Gesellschaft auseinandersetzt und dabei eine ganz große Besonderheit mit sich führt: Er tritt niemals aus seinem Schatten hervor und kommentiert oder wertet, sondern überlässt das Feld vollkommen seinen Narrativen. Diese Wertungsfreiheit geht sogar so weit, dass noch nicht einmal durch Bauchbinden Möglichkeiten geschaffen werden, hier in Schubladendenken zu werten und das Gezeigte wieder auf vorgefertigte Klischees zu reduzieren.
Dieser Umstand ist so konsequent, dass es mich sogar schon teilweise gestört hat, weil man als Zuschauer tatsächlich mehr oder weniger völlig alleingelassen wird und teils überhaupt nicht weiß, wer oder was da jetzt gerade gezeigt wird. Allerdings bekommt man genügend Spielzeit zugesprochen, die einem erlaubt, darüber nachzudenken und sich wirklich völlig vorurteilsfrei seine Meinung zu bilden. Damit entfernt er jede emotionale Anspannung aus von den Medien kochend heiß servierten Themen und kehrt zu einer Basis zurück, die vielen von uns entglitten ist. Man hat auf einmal wieder die Zeit, die Dinge aus einem völlig neuen Blickwinkel aus zu betrachten, neue Meinungen zu entwickeln und sein Weltbild in einer sanften Form neu zu gestalten.
Dieser teils ungeführte Trip durch die Eskapaden eines Landes, durch Widersprüche und Extreme, durch Beispiele von Hoffnung und Vertrauen, Angst und Zuversicht ist ein wunderbares Kinoerlebnis, auf das sich der Zuschauer einlassen muss, um ganz darin zu versinken und die Dinge zu erfahren, die uns vorher niemand in der tagesschau verraten hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Zentralflughafen THF glänzt durch eine wunderbare Wertungsfreiheit, die sogar öffentlich-rechtlich bestellte Medien auf ihren Platz verweist und vorbildhaft zeigt, was sensationsbefreiter Journalismus sein kann: Ein ungetrübter Blick frei von jedweder gedanklichen Konvention, die dem Zuschauer zu 100% die Möglichkeit eröffnet, seine eigenen Gedanken zu statischen Fakten hinzuzufügen und damit ein völlig neues Bild eines Landes zu zeichnen, dass von Gegensätzlichkeiten und Widersprüchen bestimmt ist.
Auch, wenn dieser Titel womöglich viel zu spät in den Kinos landet und deutschlandweit besser im TV ausgestrahlt werden sollte, ist dies doch eine wunderbare Möglichkeit, sein Denken einmal ungeniert zu überprüfen und sich von etwas sehr einzigartigem überraschen zu lassen. Lasst euch darauf ein, dann wird’s auch eine wunderbare Zeit.

 
Nachspann
❌ liefert keine weiteren Sequenzen, Kinosaal räumen ist also erlaubt.
Kinostart: 24. Mai 2018
 
Der Film startet in folgenden Kinos in Deutschland:
Berlin (05. Juli bis 11. Juli 2018)
* DelphiLux
* Filmrauschpalast
* Sputnik Südstern
* Tilsiter Lichtspiele
* WOLF Kino
* Yorck Kino
Burgdorf (19. September 2018)
* Neue Schauburg
Freiburg (05. Juli bis 11. Juli 2018)
* Friedrichsbau Lichtspiele (Apollo)

Die Nacht der Nächte

An dieses Kunstwerk möchte ich euch wieder etwas behutsamer heranführen, damit das schüchterne Leser-Reh nicht sofort verschreckt wird und vorzeitig innerlich abschaltet.
Fakt ist: Wir alle kennen die Stories, die uns die Omis und Opis bei trockenem Kuchen und jeder Menge Langeweile immer auftischen, bei denen sich jeder Jugendliche heutzutage denkt: Meine Güte, komm endlich im neuen Zeitalter an.
Ich habe in der Vergangenheit auch nie verstanden, warum ich mir so einen Scheiß aus dem Krieg und sonstigen Zeiten anhören muss, wo heute gesellschaftlich doch eh alles anders und diese Geschichten alle von Belanglosigkeit behaftet sind.
Die Nacht der Nächte gehört allerdings zu der Art von Wissen, dem man sich definitiv aufschließen sollte und sich die Zeit nehmen, um diesen wunderbaren Menschen zuzuhören und von ihrer Erfahrung zu profitieren.
Warum?
Nun – es ist einerseits eine komplett lustige, unterhaltsame und friedvolle kulturelle Bereicherung, in andere Länder und Sitten zu schnüffeln, ohne großartig Kohle für Flugtickets oder seine rare Zeit opfern zu müssen – und es ist gleichzeitig erschreckend, welche Methoden auch heute in fremden Ländern noch Gang und Gebe sind.
Andererseits empfinde ich “Dokumentation” als Bezeichnung für diesen Film wiederum sehr trocken, da die Erzählweise wirklich super erfrischend und spritzig ist und man niemals Langeweile verspürt oder von irgendwas genervt ist.
Die Auswahl an Beispielen ist über den gesamten Globus verteilt und es geht um etwas, das in unserer Generation schon lange verloren gegangen zu sein scheint und über das man durchaus erneut nachdenken darf – denn dieses Mysterium gehört noch lange nicht zum veralteten Lebensstil, sondern birgt wahrlich viele wunderbare Momente, die der heutigen Generation durch ihre Lebensart verloren gegangen sind.
Die Nacht der Nächte zeigt euch den Weg dorthin zurück und erbittet oder -bettelt dabei nichts, sondern führt mit hervorragendem Defensivismus durch die Show und hinterlässt bei jedem ein Schmunzeln, wenn das Tageslicht wieder durch die Eingangspforten reinströmt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch, wenn es veraltet klingt: Die Botschaft dieser Menschen ist hochaktuell und darf gerne von unserer Generation wieder neu entdeckt werden.
Man verzichtet weder auf Witz noch bringt man die Themen trocken rüber: Es macht sehr viel Spaß und man fühlt sich hinterher sehr beflügelt und einfach klasse unterhalten.

 
Nachspann
Ist anfänglich noch animiert, strömt dann aber ins Schwarze und braucht daher nicht vollständig abgewartet zu werden.
Kinostart: 5. April 2018

Wendy 2 – Freundschaft für immer

Bei Pferdefilmen ist es genauso wie bei Tanzfilmen: Die Bausteine, die für den Plot notwendig sind, sind immer die gleichen: Nur die Schauspieler werden ausgetauscht und die Bewegungen sind minimal verändert.
Hat man sich daher einmal in dieses Genre verkuckt, braucht man eigentlich nur noch nach Sympathie und Aussehen werten und damit festlegen, wer der oder diejenige sein soll. Alles andere ist dann Geschichte.
Mir geht seit geraumer Zeit der Satz nicht mehr aus dem Kopf, dass Deutschland nicht dazu in der Lage ist, vernünftige Dialoge zu schreiben. Diese – ich möchte fast sagen – Wahrheit findet bei Wendy 2 – Freundschaft für immer erneut einen Höhepunkt ihrer Karriere: Man spürt deutlich, dass in Sachen Technik, Ton, Kameraführung, Einstellung und dem ganzen Drumrum gute bis sehr gute Arbeit geleistet wurde – alles ist wunderbar – bis einer den Mund aufmacht und redet.
Die Dialoge sind zum Schreien schlecht. Dazu kommt (und das ist persönlicher Geschmack), dass mir Wendy als Darstellerin unglaublich unsympathisch erscheint, was es mehr als schwierig macht, dass ich dann noch irgendwie mein Herz für einen derartigen Film öffnen kann.
Positiv anzumerken ist aber dennoch, dass man zumindest im Plot diesmal versucht, ein klein wenig über den Tellerrand hinauszuschauen und nicht alle Charaktere in ihren eigenen Stereotypen ersaufen lassen, sondern hier und da erfrischend viel Normalität walten lassen hat.
Man kommt ungezwungen zum Vergleich – und da lässt Wendy 2 – Freundschaft für immer – gleich wie schon beim ersten Teil – unfassbar viele Punkte liegen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich die ungeschlagene Nr. 1 dieser Branche ist und bleibt fürs erste Ostwind – Aufbruch nach Ora.
Hier stimmt für mich persönlich die Sympathie und das Zugehörigkeitsgefühl nicht so und es gab zu viel schlechte Dialoge und zu viel Charakterschwächen. Dass man wenigstens angefangen hat, an den Stereotypen-Stellschrauben zu drehen ist erfreulich, rettet für mich aber dennoch nicht den kompletten Film.
Wer aber drauf steht, darf auch hier gerne wieder beherzt zugreifen: Das Genre ist eh immer das gleiche, nur die Darsteller ändern sich.

 
Nachspann
Sitzen bleiben – Ihr werdet für deutsche Verhältnisse mit einem der coolsten Abspänne und jeder Menge Outtakes belohnt.
Kinostart: 22. Februar 2018

Licht

Barbara Alberts Film birgt genau zwei Risiken:

  1. Den fehlenden Bezug zum Jahre 1777.
  2. Die wissenschaftliche und medizinische Entwicklung der letzten 241 Jahre.

Was sich viele Menschen oftmals wünschen und live so nicht in Erfüllung gehen kann, ist die mentale, geistige und körperlich fühlbare Übertragung in eine andere Zeit, in der “die Welt noch in Ordnung war”.
Kino bietet hierfür zumindest stümperhafte Ansätze, die einen – bei guter Umsetzung und einem stimmigen Gesamtpaket – zumindest zeitweise in eine vergangene Epoche zurückversetzen können und man dabei für einen Moment das hier und heute vergisst. Licht hat sich hieran versucht und alles Störende komplett eliminiert, um den Alltag der damals lebenden Menschen auf vollkommen simple Belanglosigkeiten herunterzubrechen und dabei die Komplexität des Lebens vollständig auszuschalten.
Damit erschafft man eine Aura des Zweifelns und der Unglaubwürdigkeit, die den Behauptungen, die dieser Film aufstellt, sukzessive das Wasser abgräbt und damit den Zweiflern die Argumente förmlich in die Hände spielt.
Dass bei einer so dramatischen Thematik, die sogar auf historischen Begebenheiten beruhen soll, dann solch Scharlatanerie betrieben wird, ist weder von den Protagonisten noch von den Filmschaffenden edel, zumal im Film zwar durchaus versuchte Kritik eingespielt wird, meiner Meinung nach aber viel zu wenig hinterfragt. Ob man nun damit die historische Borniertheit gegenüber wissenschaftlich-medizinischem Fortschritt dokumentarisch wiedergegeben hat, oder sich einfach selbst aus der Affäre ziehen wollte (damals und heute), darf jeder für sich selbst entscheiden.
Tatsache ist, dass die Inhaltsangaben weitaus mehr versprechen, als der Film schlussendlich halten kann, was sichtlich schade ist, denn hier läge so viel kluges Potenzial vergraben, aus dem man tatsächlich erzählerisch einiges rausholen könnte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte sich von den Werbeversprechen dieses Streifens nicht verführen lassen, sondern mit Besonnenheit und womöglich einem .trailer an die Sache rangehen, da hier mehr versprochen wird, als gehalten.
Oder anders gesagt: Die Beschreibung macht Lust auf eine Geschichte, die dann völlig anders ist und deren Gewichtung komplett diffus ausfällt, was nicht heißt, dass die Schauspieler nicht großartig spielen.
Wer damit kein Problem hat und sich einfach überraschen lassen kann, wird für diese Epoche bestens unterhalten.

 
Nachspann
Daumen runter – warten sinnlos.
Kinostart: 1. Februar 2018

Du neben mir

Amandla Stenberg und Nick Robinson brillieren in einem Jugenddrama, dass sich in absolut liebenswürdiger Weise um die Abgeschiedenheit und Zugehörigkeit einer jungen Dame kümmert, die in sonderbaren Umständen zu Hause ist.
Und dabei haben die Macher Großartiges vollbracht. Die Liebe und Zärtlichkeit, mit der man sich hier der Darstellung annähert, die Figuren einführt oder die einzelnen Schritte portraitiert, sprechen eine ganz eigene Sprache und sagen sich per se los von der allgegenwärtigen Geschwindigkeit, die das Leben heutzutage angenommen hat.
Die zwei sind einfach nur absolut süß und erweichen jedes noch so verhärtete Herz mit ihrer frischen, anmutigen und eleganten Art, aufeinander zuzugehen und die Dinge auf ihre Weise zu lösen.
Der Rahmenplot glänzt dabei mit gänzlich neuen Einfällen und bringt auch hier wieder innovative Frische aufs Tablett. Dabei macht man selbst vor überraschenden Wendungen keinen Halt und liefert eine dermaßen ergreifende Story, die eigentlich fast jeden auf seine Weise erreichen sollte.
Das Design des Sets, der liebevolle Detailreichtum und das Zelebrieren von anmutiger Schönheit sowohl in der Ausgestaltung der Kulisse als auch in den Gesichtern der Darsteller sorgt hier für ein allumfassendes Wohlgefühl, in welches man 97 Minuten lang abtauchen kann, ohne sich dabei zu verzetteln oder in wirren Handlungssträngen zu verlaufen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für einen definitiv gelungenen Abend zusammen mit Freund oder Freundin absolut zu gebrauchen.
Berührt das Herz und erzeugt ein völlig neues, von Hetze befreites Gefühl der Liebe und Geborgenheit.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden. Es folgt nichts mehr.

Dirty Cops – War on Everyone

Genau wie bei den Präsidentschaftswahlen in den USA sind auch bei Dirty Cops – War on Everyone die Meinungen geteilt. Die einen hassen, was die anderen lieben und vice versa.
Fakt ist: Dirty Cops punktet hier mit extrem schwarzem Humor und einer biederen Trockenheit, die Grenzen zum toleranten Geschmack nicht nur überschreitet, sondern gar nicht wahrzunehmen scheint. Der Peak lautet hier: Flucht nach vorne und direkte Konfrontation mit den unschönen Themen – und zwar auf die bitterste Art, die es gibt.
Und genau das macht diesen Film für mich zu einem sensationellen und sehenswerten Stück Filmgeschichte: Man überträgt das Verantwortungsgefühl in die Hände zweier Persönlichkeiten, die Recht vertreten und Ansehen in der Gesellschaft genießen – und selbiges mit Füßen treten. Die – man möchte fast schon sagen – Gleichgültigkeit, mit der hier mit ernstzunehmenden Situationen umgegangen wird und die Geradlinigkeit, mit der man dieses Verhalten bis ganz zum Schluss auf Kosten des Heldentums durchzieht, schreit geradezu nach Applaus.
Man will sich hier nicht profilieren. Boxt nicht mit Argumenten, appelliert nicht an den Verstand oder setzt welchen voraus, sondern man unterhält einfach ganz klassisch mit einer Art, die Menschen wie ich, die Allgemeinheit verabscheuen, einfach nur lieben können.
Ich hatte während des Films meine helle Freude an den Wesenszügen der beiden Hauptdarsteller und freue mich schon auf den Kinostart, damit ich mir diesen Film definitiv nochmal ansehen kann. 
Der Cast ist hervorragend und besticht mit seiner Schauspielweise auf glanzvolle Art, die Kaputtheit dieser beiden Typen wird exzellent rübergebracht. Dass viele mit dem Film ihre Schwierigkeiten zu haben scheinen, erklärt sich mir nur durch ihre Verbundenheit zu den allgemeingültigen Werten, die sie auf der Leinwand mit Füßen getreten sehen und dadurch keinerlei Sympathie mit den Charakteren aufbauen können, die ihre eigenen Moralvorstellungen ignorieren – ein huldvolles Beispiel gelebter (Anti)-Toleranz in Europa.
Und genau diese Ehrlichkeit, mit der man hier an die Front zieht und losprügelt, fasziniert mich. Die Grenzen in diesem Ausmaß zu überschreiten, dass die Verurteilungswürdigkeit schon wieder in Frage gestellt werden darf, ist ein Schachzug, den ich mir von manchen Politikern gerne wünschen würde – und die Tatsache, dass es hier Angestellte des Staates sind, die diese Verbrechen ausüben, zeigt wieder eins: Im Kino ist alles möglich – und dafür liebe ich es.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Freude ist groß bei Freunden von zutiefst schwarzem Humor, die bis an ihre Grenzen und darüber hinaus gehen und wissen, dass das alles nur ein Film ist, der eines will: Erstklassig unterhalten.
Die große Errungenschaft liegt hier eindeutig in den Dialogen und der Kaltschnäuzigkeit, die man an den Tag legt und damit eine Geschichte erzählt, über die definitiv gesprochen werden kann.
Ich gehe gerne nochmal rein und kann jedem nur empfehlen, es mir gleich zu tun, auch wenn streckenweise etwas längere Passagen sind, die den Push etwas verlangsamen – der Film als solches lohnt sich dennoch.

 
 
Nachspann
ist wie üblich ohne weitere Szenen und Blabla. Also gerne aus dem Saal rausgehen.

Swiss Army Man

Ich habe mich auf diesen Film gefreut und extra nochmal eine 150 km Fahrt investiert, um ihn in der Sneak Preview zu sichten, denn meine Befürchtungen, dass dieser Titel anschließend niemals seine Jungfräulichkeit auf der Leinwand der Masse ablegen wird, sind begründet.
Swiss Army Man ist dem Fantasy Film Fest entnommen, wo er auch bereits gezeigt wurde, was dem globalen Zuschauer ungefähr die Richtung vorgeben könnte, in welche Bahnen man hier mit der Kamera schwenkt und welche Inhalte man zum Programm macht.
Ladies und Gentleman, ich präsentiere: Independent Kino.
Den berühmten Namen eines Harry Potter-spielenden Daniel Radcliffe oder dem aus Love & Mercy bekannten Darsteller Paul Dano ist wohl zu verdanken, dass der reichhaltigen Auswahl aller Fantasy Film Fest-Filme eben dieser entzogen wurde, vermutlich, weil man sich mit einem derart bekannten Schauspielrepertoire doch ein gewisses Maß an Zuschauern erhofft oder eben hier die besten Chancen zur Weiterverwertung dieses Stoffes sieht.
Eben diese zwei waren auch der Grund, weshalb ich mich unglaublich auf diese Performance gefreut habe, denn spielen können die Jungs. Radcliffe ist seiner Schule längst entwachsen und hat bereits in Die Frau in Schwarz bewiesen, dass er hartem Stoff gefeit ist und Dano ist für mich per se eine Schauspiellegende, der unglaublich viel Feingefühl und verborgene Überraschungen in sich trägt, die vielleicht in kommenden Jahren stückweise enthüllt werden könnten.
Und allem Gezeter zum Trotz erhebt sich hier ein Stück, das jedweder Beschreibung spottet und dem Zuschauer erstmal einwas nimmt: Alle Grenzen und Barrieren.
Hierbei trennt sich sofort die Spreu vom Weizen. Sobald dann das Blitzlichtgewitter der aufgehenden Saaltüre endlich vorrüber ist, bleiben diejenigen sitzen, die zu geizig oder zu neugierig sind, um herauszufinden, was aus dem Stoff, der dem Zuschauer anfangs wirklich extrem viel abverlangt, geworden ist.
Wenn ich sage, es werden alle Grenzen überschritten, dann meine ich damit alle Grenzen. Der Mensch wird auf das absolute Minimum reduziert und in Dimensionen geschickt, wo nichts mehr zählt als das nackte Überleben.
Zwischen all dem Hohn, dem Schmutz, der fäkalen Sprache und dem irrsinnigen Schwachsinn erhebt sich dann stückweise eine Philosophie, die dir permanent mächtig ins Gemächt tritt und dabei jedesmal die Bühne für den nächsten Schlag frei macht, den dir die grenzensprengenden Momente dieses Films unwiederbringlich immer wieder ins Gesicht donnern, damit du auch ja nie vergisst, außerhalb deiner sonst denkenden Barrieren zu bleiben.
Das fällt einem als Nichtkenner solcher Movies erstmal richtig schwer. Eigentlich fällt es den ganzen Film über schwer, aber der biegt sich dann immer wieder in versöhnende Kurven, so dass die Lust niemals genommen wird, man aber immer wieder außerhalb der Bahn durch den Dreck schlingert, statt sich in einer kitschigen Komödie wiederzufinden, die auch ein anständiges Studio genommen hätte.
Und da sind wir wieder bei den Vorteilen des Independent Kinos: Es gibt keine Ärsche, die auf ihren hohen Rössern thronen und den Regisseuren vorgeben, was geht und was nicht. Man will Grenzen überschreiten und tut es auch. Alles, was man dafür braucht, ist etwas Akku in den Kameras und Menschen, die bereit sind, eine derartige Performance abzulegen, die schauspielerisch mit Sicherheit mehr abverlangt, als alle Marvel-Superhelden gemeinsam in den Pott bringen.
Denn das können die beiden wirklich herausragend: Diese abartige Rolle spielen, in die sie hier gesteckt werden und mehr als überzeugend rüberbringen, was man im Drehbuch womöglich gemeint hat. Mit Mimik, Andersartigkeit und völligem Entarten so überzeugend zu demonstrieren, dass alles, was sich der Mensch als Verhaltensweise angeeignet hat, eigentlich eine Farce ist, über die man am Ende verstohlen selber lächeln muss, gehört für mich auf einen Thron, der nicht nur im Kino platziert sein sollte, sondern weit darüber hinaus Spekulationsstoff für hoch philosophische Diskussionen bietet.
Und genau das ist das marketingstrategische Problem: Swiss Army Man kriegt man niemals für ein Massenpublikum aufbereitet in ein Kino rein, bei dem der Saal dann auch voll wird und die Leute es frenetisch abfeiern, insofern man nicht auf Wunderwaffen wie das Fantasy Film Fest zurückgreift, wo all die Fans von Independent aus ihren Gruften steigen und ihre Filme endlich mal auf der großen Leinwand bestaunen dürfen.
Insofern wird sich dieses Werk wohl eher auf einem Dachboden mit DVD Player verkrochen seiner Wohltat rühmen und still und leise im heimlichen Kämmerlein geschaut werden, was diese Sneak angesichts eines wirklich relativ gefüllten Saals dann zu einer noch interessanteren Show macht als ohnehin schon.
Dass der Film niemals alle Menschen auf seine Weise berühren kann, ist von Anfang an ausgeschlossen. Wer jedoch akzeptiert, dass hier mit Themen gespielt, die auch in fünftausend Jahren noch nicht auf RTL diskutiert werden, dem wird ein unvergesslicher Kinoabend zuteil, der – vermutlich – mangels Vorstellungen sowieso nur im heimischen Wohnzimmer stattfinden wird. Hier wiederum lohnt sich ein Stück weit mitgebrachte Ernsthaftigkeit und der Wille, sich des Stoffes tatsächlich anzunehmen, denn dann hat man eine wunderbare Diskussionsgrundlage, auf der basierend man so einiges im Leben hinterfragen darf.
Das ist dann der Moment, aus dem neue Ideen entspringen, der Zeitpunkt der Geburt von Kreativität und großem Geist. Das ist der Moment, wo die Trance, in die uns die Medien, sozialen Netzwerke und der nie aufhörende Boom an Überschwemmung von Informationen geführt hat, endlich aufhört und vielleicht ein erster Gedanke einem ansonsten schmutzigen Geist entspringt, der das Feuer des Lebens neu entfacht.
Dass dazu ungewöhnliche Methoden notwendig sind, versteht sich ganz von selbst. Und Swiss Army Man ist ungewöhnlich. Unbestreitbar. Doch davon solltet ihr euch vielleicht besser selbst ein Bild machen. Die DVD-Regale warten auf euch.
 

.kinoticket-Empfehlung: Tja, jetzt einfach alles auf einen Punkt zu bringen, ist genauso schwierig, wie das Publikum über die ersten 15 Minuten zu führen.
Nach der Vorstellung vor dem breiten Publikum einer preisreduzierten Sneak Preview wird der große Ansturm wahrscheinlich sowieso ausbleiben, demnach ist es schwierig, dass anschließend noch Leute aus dem Saal rennen, denn es geht wohl kaum erst jemand rein.
Und das ist nicht nur traurig, sondern zeigt auch, warum das Independent Kino bislang keine großartigen Erfolge feiern durfte. Dass eben jene Machart von Filmkunst allerdings extrem wichtig ist, davon zeugt Swiss Army Man genauso wie von der Tatsache, dass man hier sehr wohl gewusst hat, was man tat, die wahren Absichten aber genial zwischen den Zeilen versteckt hält.
Und Menschen, die dafür den Türöffner gefunden haben, haben hier nicht nur ein Freudenfest, sondern eine rühmliche Orgie an dematerialistischen Eindrücken, die nicht nur aus der Realität holt, sondern einen auch nicht wieder in diese hinein lässt.
Was meine Person angeht: Gerne mehr davon.

 
Nachspann
bleibt weitere Sequenzen schuldig, nach der Abblende darf man also nach draußen tigern und sich wieder in geordneten Bahnen bewegen.

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