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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: 91 Minuten

Ghostland

Wollt ihr mal wieder richtig guten Horror sehen? Dann ordert euch .kinotickets für Incident in a Ghost Land – wie der Titel im Original heißt und genießt die Show!
Ich bin ja bekanntermaßen Fan von Gruselfilmen auf der großen Leinwand und daher beständig auf der Suche nach Werken, die man auch Fans außerhalb dieses Genres empfehlen kann – und genau da bietet uns das auf Massenfilme getrimmte Kino oft nichts ernstzunehmendes, wofür man sich nicht in irgendeiner Weise fremdschämen muss.
Entweder landet man in stupider Verzweiflung oder es wird dermaßen auf Horrorcomedy gebaut, dass es als Normalsterblicher nicht mehr auszuhalten ist. Ghostland schafft hier gleich von Anfang an eine Mordsstimmung und prescht mit Karacho los, um den Zuschauer direkt zu fesseln und im Sturm zu erobern.
Ich weiß, Humor ist etwas, das den Geschmack treffen muss. Der punktete bei mir durch seine subversive Ader und brachte mich so eher zum Schmunzeln statt mir mit der Keule der Dummheit eins überzuziehen.
Was mir eigentlich als einziges gefehlt hat, war ein Twist am Ende des Films, der die Geschehnisse noch einmal in Frage stellt – quasi der finale Arschtritt, der dem Werk die Krone des Meisters aufzieht.
Da dies ausbleibt und man einfach so dahin dümpelt (was den Film keineswegs schlechter macht, und auch den Sehspaß während der Spielzeit nicht trübt), rede ich hier nicht von vollkommenem Horrorkino, sondern einem überdurchschnittlichen Werk, dass an wenigen Ecken etwas kränkelt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Freunde des Horror-Kinos sind herzlich eingeladen, endlich mal wieder etwas auf die Kacke zu hauen und einen Film zu genießen, der sich über die bekannten Klischees hinwegsetzt und einfach gutes Kino liefert.
Einzig das Ende ist etwas enttäuschen, der Weg dorthin macht aber riesigen Spaß und erfreut jedes Gruselherz. Reingehen erlaubt 🙂

 
Nachspann
Nach der Schwarzblende seid ihr erlöst: Es folgen keine weiteren Szenen mehr.
Kinostart: 5. April 2018

It Comes at Night

Heute möchte ich euch eine Perle des aktuellen Kinos vorstellen: It Comes at Night.
Leute: Ich bin sprachlos! Der .trailer lässt Hoffnung auf einen mittelmäßigen Horrorstreifen aufkommen und in meiner Sehnsucht nach gutem Material zieht es mich natürlich in die Lichtspielhäuser.
Ticket gekauft, Popcorn im Schoß und los die Show!
Und was da kommt, ist so viel besser als das, was man erwartet – ich habe lange nicht mehr so einen grandiosen, unbeschreiblich guten und bewundernswerten Streifen gesehen wie diesen hier!
Mein bester Freund steht überhaupt nicht auf Schockmomente und hasst es, wenn man Suspense-Stimmung aufbaut und ihn werde ich definitiv vor den Bildschirm fesseln und  dieses Teil zeigen! Natürlich hat man auch hier stimmungsmäßig ordentlich die Sau rausgelassen, aber eben nicht so, wie man vermutet! Mit so viel Liebe, Detailangst, Misstrauen und menschlicher Analyse hat man sich einer Situation zugewandt, die von Anfang bis Ende absolut spannend bleibt und einen mit einem übermäßigen und fast unerträglichen Brainfucked-Gefühl wieder aus dem Saal stößt. Mein Gedanke war eher, dass das extrem durchdachtes, extrem intelligentes Kammerspiel ist, in dem bedrohliche Elemente die Hauptrolle übernehmen, die keinerlei Anstalten machen, auch nur anflugweise an der Intelligenz des Zuschauers zu zweifeln.
Es hat lange gedauert, aber ich war tatsächlich wieder einmal sprachlos nach einem Film!
 

.kinoticket-Empfehlung: Von daher: Es wird zur Masteraufgabe, das Kino zu finden, in dem dieser Titel überhaupt (noch) gezeigt wird, aber der Kampf um diesen Platz ist mehr als lohnenswert, denn man darf endlich wieder mal in einen Plot abtauchen, in den sich der Regisseur selbst verliebt hat!
Großartig – beklemmend – fesselnd und absolut sehenswert!

 
Nachspann
folgt keiner mehr, der Saal kann freigegeben werden.
Kinostart: 18. Januar 2018

Nichts zu verschenken

Dieser Film ist thematisch eine Offenbarung, wenn er sich mit ganz alltäglichen Situationen auf komische Weise auseinandersetzt und dabei trotzdem zeigt, wie zermürbend so ein Verhalten sein kann.
Ich persönlich kenne viele, die im echten Leben zwar nicht ganz so krass, jedoch ähnlich vorgehen und ich kann diese Verhaltensweise nicht verstehen. Dieser Film zeigt einmal mehr, dass es sich nicht lohnt, die Gepflogenheiten der Gesellschaft unreflektiert zu übernehmen. Was auf den ersten Blick als Gewinn aussieht, entpuppt sich im Nachhinein als zerstörerisches Verhalten ohne jeglichen Bonus.
So eine ernste Botschaft verpackt in so einen wunderbaren französischen Film, bei dem jede Menge Szenen sind, die das Zwerchfell beanspruchen, gehört für mich zu großartiger Regisseurskunst. Überhaupt wurde mit extrem viel Detailliebe gearbeitet. Wenn sogar der Mülleimer optisch zu den Fensterbrettern im Viertel passt, merkt man, dass hier extrem penibel auf Kleinigkeiten geachtet wurde und wenig dem Zufall überlassen.
In sich ist das Konzept stimmig und verbreitet im Kino jede Menge gute Laune, die weder aufdringlich noch überspitzt oder anderweitig verzogen rüber kommt. Man hat viel zu lachen, wird aber nicht verarscht oder intellektuell unterfordert. Auch das Ende überrascht mit einem wendungsreichen Plot und lässt dich als Zuschauer am Schluss vergnügt wieder in die Lande ziehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer unaufgeregtes und dennoch tempolastiges Kino der französischen Art mag, der ist hier gut aufgehoben.

 
Nachspann
Sollte man noch abwarten, hier kommen noch ein paar Szenen.

Alles unter Kontrolle!

Dass die Franzosen Komödien machen können, weiß eigentlich jeder, der mit Kino zu tun hat. Mit Alles unter Kontrolle wird ein weiteres Erfolgserlebnis auf den Screen gebracht, dass definitiv den Besuch eines der Lichtspielhäuser wert ist.
Wer jetzt die Befürchtung hat, dass dies wieder nur so eine Art abgestumpfter Humor ist, wie wir es in der peinlichen Vorführung von Nichts zu verzollen erleben durften, der irrt. Der Humor ist hier so abgebrüht, zynisch und spitz, dass sich so manch politisch Korrekter durchaus daran stören könnte.
Und genau das macht für mich eine gelungene Komödie aus: Themen anzusprechen, die einen Nerv treffen, ohne dabei andere zu verletzen und manch oberernstes politisch heikles Thema auf amüsante Art zu persiflieren. Wenn dabei dann noch der Grat des guten Geschmacks gewahrt bleibt und man sich keiner billigen Sexwitze bedienen muss, um die Leute bei der Stange zu halten, dann steuert man fast schon auf die perfekte Unterhaltung zu.
Und als ich mich so im Saal umgehört habe, konnte ich genau das entdecken: Absolut zufriedene, glückliche Menschen, die permanent damit beschäftigt waren, zu grinsen, zu lachen und den Film zu feiern. Einschließlich mir.
Es wäre zu wünschen, dass sich viele Kinobetreiber dazu entscheiden, eben jenes Stück in ihre Säle zu verfrachten um den Menschen wieder das zu bieten, wonach sie sich in den düsteren Zeiten sehnen: Einen Grund, einfach so entspannt und ohne Probleme völlig unbeschwert und nach aller Herzenslust zu lachen.
Alles unter Kontrolle bietet dafür nicht nur die perfekte Grundlage, sondern wartet dazu noch mit einem Plot auf, der von seiner Spritzigkeit und der feschen Art kein Stück einbüßt, sondern auch hier dafür sorgt, dass keinerlei Langeweile aufzieht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer sich nach dieser Vorstellung nicht unterhalten gefühlt hat, der ist selber schuld.
Die Bewertungen nach dem Film haben auch eine eindeutige Sprache gesprochen: Fast alle haben bei positiv eingeworfen und damit signalisiert, dass der Film definitiv ankam.
Leute schnappen, .kinoticket lösen und Abmarsch ins Kino – diesmal lohnt es sich wieder, auch ohne seine Freunde vorher zu befragen oder irgendwelche Trailer zu schauen. Vertraut mir einfach.

 
Nachspann
Sitzen bleiben, sonst verpasst man den Schluss!

Fist Fight

Wer beim Titel jetzt an spektakuläre Faustkämpfe im Ring oder an die Wrestling-Arena denkt, steuert direkt mal in eine falsche Richtung.
Fist Fight siedelt sich selbst im Comedy-Sektor an und baut auf einer völlig abstrusen, hirnfreien Story auf, die das gute alte Unterhaltungskino zurück zu den Zuschauern bringen will.
Wir alle erinnern uns möglicherweise noch an die Zeiten, in denen Filme nicht immer Sinn ergeben mussten und trotzdem gut waren. In denen man über schräge Aktionen gelacht und sie nicht politisch zerpflückt oder anderweitig überintellektuell verurteilt hat. In genau diese Zeit passt Fist Fight hervorragend rein.
Auch wenn die Aktionen bescheuert, die Dialoge teils so unterirdisch, der Flow holprig und stockend und die Profilstärke der Aussagen nahezu gen Null tendieren, liefert dieser Film eines in indiskutabler Stärke: Entertainment.
Dass man sich hier politisch korrekt verhält, wurde von vornherein ausgeschlossen – was wiederum aber auch nicht als Freifahrtschein für Beleidigungen jedweder Art genutzt wurde. Diesen Grat der Erzählung hinzukriegen, hier dermaßen drauf zu dreschen und trotzdem im sicheren Bereich von Satire und Komik zu bleiben, rechne ich diesem Film hoch an.
Ich habe mich während der Vorstellung bestens unterhalten gefühlt – einerseits von den Machenschaften der Darsteller, andererseits von den ständigen Kopfschüttlern und Facepalms meiner Sitznachbarn.
Über Dinge wie Vorhersehbarkeit oder andere logische Faktoren will ich bei diesem Stück nicht diskutieren, denn es hat offensichtlich den Anschein, dass Fist Fight keines dieser Bedürfnisse auch nur ansatzweise erfüllen möchte.
Stattdessen begibt man sich hier auf hochprofessionelles Profi-YouTube-Niveau und liefert genau die Inhalte, die andere Filme, welche sich bewusst diesem Genre verschrieben haben, dann nicht hinreichend bringen.
Gerade die Gestörtheit und Krassheit der vorgeführten Aktionen ist hier etwas, dass so wunderbar unethisch, schräg und völlig auflockernd in die Runde geworfen wird und vom Großteil der Mannschaft auch bestens aufgenommen wird, weil man einfach über die Dinge lachen muss.
 

.kinoticket-Empfehlung: Fist Fight gehört wieder mal zu den Komödien, die man sich meiner Meinung nach wirklich anschauen kann, vorausgesetzt, das Hirn ist vollkommen aus und man ist sich darüber im Klaren, dass hier der Ulk an allererster Stelle steht.
Die Ernsthaftigkeit, mit der die Hauptdarsteller hier agieren, trägt ihren Teil zur heiteren Belebtheit bei und sorgt für wahnsinnig gute Unterhaltung mit kurzen, philosophischen Ansätzen.
Hervorragende Lektüre, um zwischendrin mal wieder aufzuatmen und einfach mal die Welt Welt sein zu lassen.

 
Nachspann
Auf jeden Fall sitzen bleiben … Anfangs kommen noch Outtakes und zum Schluss noch eine After Credits Scene. Hätte mich auch gewundert, wenn man darauf bei diesem Titel verzichtet hätte.

Wendy – Der Film

Fast jedes Kind hat im Laufe seines Erwachsenwerdens mindestens einen der Klischeewünsche gehabt. Lokführer, Pilot, Prinzessin oder aber Pferde.
Die Ursache solcher Wünsche rührt meist aus diversen Promotions, die aus der Erwachsenenwelt überschwappen und die Kinder manipulativ beeinflussen. Nicht umsonst buhlen so viele Konzerne um die Aufmerksamkeit der Kleinsten. Mit dazu gehört die bekannte Pferdezeitschrift Wendy, die sogar an mir nicht ungesehen vorbeigekommen ist.
Mit Wendy – Der Film projiziert man nun die Kindheitswünsche in einen gut verträglichen Kinofilm und widmet sich ganz im Sinne der Kleinsten dem Thema erneut, nur dass diesmal eben nicht irgendwelche Comics zur Fantasieanregung parat stehen, sondern man die Gestaltung und das Umfeld im Film klar deklariert und daraus einen für Kinder interessanten Plot zimmert, der meine Erwartungen weit übertroffen hat.
Ganz ehrlich? Fast die komplette Erwachsenen-Riege hat mir viel Kraft für die Vorstellung gewünscht und gemeint, dass ich da drin sowieso keinen Spaß haben werde, weil sich das für sie eher nach Qual als Vergnügen anhört – und das muss ich leicht dementieren.
So übel ist das alles nämlich gar nicht und auch die übliche Kinderkrankheiten solcher Filme, wie man sie z.B. in Ostwind 2 hatte, kommen hier nicht wirklich zum Tragen. Man verhält sich sehr normal und spricht auch nicht übermäßig verblödend, sondern konzentriert sich wirklich auf schöne Pferdeaufnahmen, einen interessanten Plot und akzeptable Charaktere, die das Gesamtbild des Films ausschmücken und so zu einem Gesamterlebnis verhelfen, das durchaus positiv ist.
Und Fetischisten von extrem geilen Kamerapositionen haben hier auch das ein oder andere Schmankerl drin.
 

.kinoticket-Empfehlung: Besser als die Erwartungen, die man als Erwachsener an so einen Film stellt.
Geschichte, Darsteller, Kamera und Aufnahmen überzeugen und liefern hier Stoff für einen unterhaltsamen Nachmittag mit den kleinen Geschwistern. Darüber hinaus sollte man aber keine allzu hohen Forderungen stellen, denn der Film möchte nicht auf internationalem Niveau irgendwelche Preise absahnen, sondern verhält sich in meinen Augen hier völlig bodenständig und richtig.

 
Nachspann
Im Nachspann wird man dann wieder an alte Zeiten erinnert, zu schnelles Abwandern sollte man also vermeiden.

King Cobra

Modern Talking hört keiner und sie haben reißende Absätze zu feiern, Bild-Zeitung liest auch niemand und sie gehört zu den umsatzstärksten Zeitungen Deutschlands, und ein weiteres Thema gibt’s auch noch, das niemand praktiziert und in der Medienwelt eine derartige Reichweite und Macht besitzt ob der vielen Nutzerzahlen: Pornos. Nicht zuletzt hat die Blu-ray dank der Entscheidung der Pornoindustrie für dieses Medium den Kampf gegen die HD-DVD gewonnen.
Soll ich daraus einfach mal schlussfolgern: Keiner gibt’s zu, aber jeder tut es?
King Cobra wendet sich dem Thema zu und erzählt die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte rund um die Anfänge der Pornografie im World Wide Web aus Sicht eines damals erfolgreichen Darstellers. Dass die Chose in der Gay-Filmnacht gezeigt wird, lässt für manchen vielleicht schon erahnen, welche Szenen hier auf dem Tablett serviert werden. Die Mutigen unter euch werden jedoch schnell feststellen, dass – wenn schon der Titel so danach schreit – genau das eben nicht Hauptthematik ist, sondern man sich hier mit Schauspielgrößen James Franco, Christian Slater und Alicia Silverstone auf ganz andere Dinge fokussiert, die eben nicht den platten Sex darstellen wollen, um möglichst notgeiles, männliches Publikum anzusprechen, sondern tatsächlich eine Lebenserfahrung zum Besten geben, die zu sehen durchaus lohnenswert ist.
Hierbei findet keine Glorifizierung der Pornografie oder Verherrlichung des Sex’ statt, sondern wird viel eher eine Welt beleuchtet, die in der breiten Öffentlichkeit eben niemals großartig diskutiert, sondern deren Ergebnisse von jedem nur selbst im stillen Kämmerchen genutzt werden. Genau in die Presche der fehlenden Reflektion dieser Abgründe springt dieser Film und breitet den Zuschauern ganz offen und unverblümt eben jene Probleme aus, die mit den Machenschaften in dieser Branche einhergehen, in der es eben nicht nur um Geldverdienen und Sex, sondern durchaus um sehr viel mehr geht.
Gerade Garrett Clayton als Hauptdarsteller spielt hier eine faszinierend authentische Rolle, die genau punktiert ansetzt und die Zuschauer dort abholt, wo man die meisten vermutet und anschließend gemeinsam in die Tiefen dieser Welten vordringt. Die Brillanz, mit der man hier die Gefahren dieser Produktionen mit den ganz alltäglichen Problemen des Erwachsenwerdens verbindet, ist beispielhaft in dieser Szene und in meinen Augen auch für Heteros durchaus ansehnlich. Dadurch wird aus King Cobra wieder einer jener Filme, die zwar im Schwulenmetier spielen, jedoch ganz andere Aspekte in den Vordergrund stellen und damit einen Großteil dieser ansonsten dunklen Welt offen beleuchten und Diskussionsansätze bieten, um eben diese Zwiespältigkeit unserer Gesellschaft offen zu diskutieren.
Dafür sind meines Erachtens zwei Dinge zwingend notwendig. Erstens: Man muss den Film gesehen haben, damit gemeinsames Potenzial besteht, auf dessen Grundlage man Diskussionen führen kann. Und zweitens: Eine erhebliche Portion Toleranz gegenüber Szenen, die durchaus tief in die Gaywelt gehören, die zwar nicht viel, dafür aber sehr eindrücklich sind und bei denen sich vielen schon allein beim dran Denken die Fußnägel aufstellen.
Der Mut, den man hier auf der Leinwand bewiesen hat, sogar gedankliche Ansätze dafür zu bieten, was mit denjenigen ist, die sich bewusst für so ein Leben entscheiden, ist beispielhaft und zeugt nicht nur von Reflektiertheit, sondern auch von gelebter Menschlichkeit. Und im Zuge dessen war auch diese Gay-Filmnacht für mich wieder eine durchaus positive Erfahrung, in die ich gern so manch verbohrten Konservativen reinschicken würde. Und wenn es nur ist, um zu sehen, was dann passiert…
 

.kinoticket-Empfehlung: Indiewire bezeichnet diesen Film als den “besten Film, der jemals über die US-Porno-Industrie gedreht wurde”.
Ich habe keine Ahnung, wer schon alles über was je gedreht hat, darum kann ich diesen Slogan so nicht 100% unterstützen, jedoch empfand auch ich, dass hier ein wahnsinnig gutes Biopic einer ganzen Branche eingefangen und zum Besten gegeben wurde, das durchaus sehr viel mehr zeigt als das Offensichtliche.
Für mich eine sehenswerte Erfahrung, die sich nicht nur ans speziell schwule Klientel wendet, sondern auch für alle anderen genügend Denkanstöße liefert, in einer modernen Welt mit anderslebenden Menschen umzugehen.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf also von Dannen ziehen, sobald der finale Schuss gefallen ist.

Absolutely Fabulous

Nachdem schon Zoolander No. 2 als männliches Pendant im deutschen Kino keinen durchschlagenden Erfolg feiern durfte (den er allerdings mehr als recht verdient hätte), gesellt sich nun die weibliche Variante des Modefilms an seine Seite und verdient sich seine Sporen mit zutiefst derbem, britischen Humor.
Tatsache ist, dass Filme über die Modewelt generell als “irre” bezeichnet werden dürfen, wobei Absolutely Fabulous – Der Film hier den absoluten Unterschied macht und nicht mehr nur über den langweiligen Alltag modebewusster Menschen herzieht, sondern sogar bis zur Selbstpersiflage geht.
Verstanden wird diese Art von Humor zumeist nicht, was die Zuschauerzahlen und Meinungen zu diesem Werk nach kürzlich erfolgtem Kinostart weiter bestätigen. Ich selbst habe den Film noch nicht im deutschen Synchronisationsmodus gesichtet, sondern hatte mehr oder weniger das Glück, die britische Originalfassung zu sichten, was gleichzeitig die Befürchtungen hervorruft, dass die gut konstituierten Jokes der Übersetzung anheim fallen und somit aus einem grandiosen Stück Filmkunstgeschichte ein zerstückeltes Werk billigen Sarkasmus’ entsteht, dass nicht mehr witzig, sondern einfach nur noch doof ist oder zumindest den Anschein erweckt.
Dabei gehen die beiden Hauptdarstellerinnen mit ihrem Charakter tatsächlich nicht nur bis an die Grenzen des guten Geschmacks, sondern weit darüber hinaus, indem sie sich einen Dreck um die Gepflogenheiten des normalen Lebens scheren, sondern vielmehr ihre eigene Art zu empfinden ausleben und dabei kompromisslos jedweden Vorwurf über ihre Untauglichkeit zur Allgemeinheit mit Ignoranz und übertriebener Manier zur Übertreibung überdecken.
Dass dies von der breiten Masse nicht verstanden werden kann, ist für mich ein offenes Geheimnis. Wenn man jedoch bedenkt, dass dieses Filmstück auf der gleichnamigen britischen Serie basiert, dann dürfte in gewissen Teilen dieser Welt doch Publikum existieren, dass sich über die ausufernden Auslässe dieser beiden Damen köstlich amüsiert.
Hierzulande dürften wir es allerdings schwer haben, mit den beiden mitzufeiern, denn ich befürchte tatsächlich, dass der Mangel an gekonnten Übersetzungen das Werk als solches in sich zusammenstürzen lässt und somit nur noch als Nischenprodukt dahinvegetieren wird, was wieder mal den glorreichen Untergang des gekonnten Umgangs mit sprachlichen Talenten zelebriert.
Wenn in der deutschen Sneak dann Aussagen wie “Damit haben wir nichts verpasst.” fallen, ist für mich klar, dass der Griff zur OmU an dieser Stelle der richtige gewesen ist – und wohl auch in Zukunft bleiben wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier eine Empfehlung auszusprechen und das richtige Publikum zu finden ist insofern schwierig, da dieses Werk keinerlei Anbahnungen macht, um sich auf der Plattform des Mainstreams niederzulassen, sondern derart abgedreht ist, dass nur Persönlichkeiten, die in so einer Welt zu Hause sind, dabei mitkommen.
Und diese werden teilweise namentlich wieder im Abspann genannt und beweisen erneut, dass die Welt der Mode nichts für Menschen des Durchschnitts ist, sondern hier eine Welt umgarnt wird, die mit der Natürlichkeit sehr viel weniger gemein hat als man denkt.

 
Nachspann
sollte man sich auch noch geben, es ist nicht gleich vorbei.

Madimak – Carinas Tagebuch

Es ist schon erstaunlich: Da geht man in so einen Film, wo man als Einheimischer absolut kein einziges Wort versteht (ich spreche weder türkisch noch holländisch) und dann entpuppt sich dieser Film fast schon als die Errungenschaft des Tages.
Was mich zutiefst beeindruckt hat, war, wie behut- und einfühlsam man als Fremder in die Kultur des türkischen Volkes eingeführt wird. Wie einem die absolut wertvolle Nähe der Familie und Gemeinschaft näher gebracht, wie akurat und ehrlich hier mit den Zuständen und Umständen umgegangen wird.
Es werden eben nicht nur kulturell versteckte Andersartigkeiten präsentiert, sondern auch bestehende und offenkundige Mängel innerhalb dieser Kulturkreise aufgezeigt und angeprangert.
Alles umschwärmt von einer derart aufblühenden Liebe zur Kunst und Ästhetik, dass einem fast schon schlecht vor Übermaß wird. Ich würde behaupten, dieser Film ist von Künstlern über Künstler für Künstler gemacht worden.
Der Aufbau hin zum Ende, die verwobenen Strukturen innerhalb der Politik kamen für mich als “Außenseiter” hier nicht ganz so rüber, sensationell wiederum war nicht nur der familiäre Zusammenhalt und das Miteinander der einzelnen Darsteller, sondern auch der vorwiegend ausländischen Mitbürger im Saal: Selten hab ich ein so gemeinschaftliches und herzliches Publikum erlebt wie dieses! Danke an alle Mitbesucher in Augsburg!
Was mir auch aufgefallen ist: Der Schock, der einem nach dem Ende in den Gliedern sitzt, wird zwar auf der Leinwand nicht hollywoodös propagiert, sondern mit den geringfügigen Mitteln so gut es eben geht angerissen, der eingeschworene Unterstützergeist im Saal selbst fühlte sich dadurch aber noch viel gestärkter an.
Selbst beim Verlassen des Kinosaals spürte man deutlich, wie authentisch und echt im Film die türkische Kultur repräsentiert war, denn so viel Liebe, Mitgefühl und Verständnis ist mir noch nie von derart vielen Mitzuschauern entgegengebracht worden wie hier.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich definitiv die richtige Entscheidung, meinen ersten türkischen OmU-Film im Kino zu besichtigen.
Die Herangehensweise an die (versteckten) Kulturunterschiede wird sensationell, einfühlsam und höchst professionell umgesetzt, das Publikum im Saal und die gesamte Atmosphäre waren definitiv eine hochwertige und für mich prägende, kulturelle Erfahrung.

 
Nachspann
zeigt die Gesichter der wahren Menschen, über die dieser Film gedreht wurde. Interessant: Keiner der Zuschauer verließ den Saal, bis es wirklich aus war.

Minions (3D)

Ich glaube, es gibt im Reich der Filmliebhaber kaum jemanden, der nicht auf diese Veröffentlichung hingefiebert hat. Mit den beiden Vorgängern Ich – einfach unverbesserlich und Ich – einfach unverbesserlich 2 riefen die Macher ja bereits einen Kult ins Leben, an dem nicht nur die offensichtliche Zielgruppe Spaß hat.
Ich war natürlich auch am Kinostart-Tag im Komplex meines Vertrauens und habe mit vielen anderen gemeinsam eine der ersten Ausstrahlungen bewundern dürfen.
Mir ist klar, dass Minions-Fans einfach nur einen ihrer kleinen gelben Tierchen auf dem Bildschirm sehen müssen und bei jedem irgendwo sofort das Herz aufgeht und ich glaube, dass daran auch maßgeblich die ersten beiden Teile schuld sind.
Mir ist zu Ohren gekommen, dass ursprünglich geplant war, die gelben Knuddeltierchen als Orks zu präsentieren und ich bin heilfroh darüber, dass dieser Versuch nicht zustande gekommen ist, sollte dieses Gerücht stimmen.
Neben aller Liebhaberei und dem Fandom will ich dennoch versuchen, hier ein wenig Kritik anzubringen, und sei es nur darum, dass zumindest einer ein klein bisschen Pseudojournalismus zutage bringt 😉
 
Gru fehlt!
So wie angekündigt, geht es in diesem Streifen ja um die Entstehungsgeschichte der Minions auf der Suche nach einem Schurken, dem sie dienen können.
Klar ist also, dass – wie im Trailer hunderte Male gesichtet – die Zeit vor Gru durchreist wird. Und genau das ist das Problem mit dem dritten Teil: Gru und alles, was das Funktionieren der Minions ausmacht, fehlt irgendwo, wenn auch nur unterschwellig.
Für mich haben die ersten beiden Teile deshalb funktioniert, weil man als Zuschauer mitten in eine funktionierende Welt geschmissen wird, in der es normal ist, dass Gru von vielen tausenden Minions umgeben ist, die alles für ihn tun. Gepaart mit der animatronischen Brüderlichkeit zu James Bond, wo mit trickreichen Einfällen und innovativen Schurkereien exzellente Unterhaltung geboten wird, entsteht so ein Mischmasch aus Gehässigkeit und Niedlichkeit, dass versüßt animiert einfach nur noch knuffig wirkt, ohne dabei ins Kitschige abzudriften.
Die Durchgeknalltheit der Minions, die nur Quatsch im Kopf haben gebündelt mit den Mitteln und Möglichkeiten von Gru, dessen Hauseinrichtung zum Schreien ist, ergeben hier ein Gesamtbild, dass einfach nichts anderes zulässt, als sich tierisch wohl dabei zu fühlen, wenn man den ganzen Kinderstreichen zuschaut.
Und diesem Mischmasch hat man im dritten Teil durch das erzwungene Weglassen der Hauptfigur einen immens wichtigen Baustein genommen.
Das bedeutet nicht, dass dieser Film schlecht ist, das heißt genauso wenig, dass hier nicht ein Lacher den nächsten jagt, aber irgendwo bleibt doch ein sehnsüchtiges Erwarten, denn ohne Gru sind die Minions auch nicht das, was sie sind.
 
Die Grundsteine für Fortsetzungen sind gelegt
Und dieser eigentlich einzige Negativpunkt ist gleichzeitig auch etwas positives, denn der Moment am Schluss, an dem dann an die beiden Vorgänger angeknüpft wird, entpuppt sich als Deja Vu wie schon bei Fast and Furious: Tokyo Drift, bei dem auch ein Aufschrei der Erlösung im Hirn folgte, wenn endlich wieder Klasse statt Masse im Raum stand.
Nun sind die in sich selbst rundlaufenden “Elemente” wieder alle vereint und es bleibt viel Platz, um weitere Filme an den Start zu bringen, was der überaus lange kurzweilige Nachspann verrät.
Und genau da spürt man auch am meisten, dass diese Aufgabe des Hauptcharakters keiner ersetzen kann und man nicht unbedingt glücklich damit wird, wenn man stattdessen andere an die Front schickt und die Minions ihrem Schicksal überlassen sind.
Dennoch ein sehr unterhaltsamer, spannender Film, der nicht nur zum Lachen anregt, sondern sowohl Niedlichkeit, Einfallsreichtum als auch diebisch blöde Kindereien an den Start bringt und somit zeigt, dass hier wirklich alles ausgeschöpft werden soll… hoffentlich. Denn ich freue mich wahnsinnig auf weitere Fortsetzungen und wünsche mir, dass der Minions-Kult noch lange erhalten bleibt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ähm .. logo: Anschauen.
Wer das nicht mitnimmt, hat für Minions nichts übrig. Entweder man hasst sie, oder man vergöttert sie. Dazwischen ist nichts. Demnach sind für Fans manche Mankos auch kein Dorn im Auge, was letztlich nur zu einem Schluss führt: Anschauen.
Und zwar im Kino. Mit vielen Leuten im Saal. Lachspaß, jede Menge Blödsinn und viel gute Laune sind garantiert!

 
Nachspann
Definitiv hocken bleiben. Ich kanns nicht verstehen, wie man – nach unzähligen DVD- und Blu-ray-Veröffentlichungen – bei diesen Filmen nicht abwartet, da schon vorher bewiesen wurde, dass hier im Nachspann unglaublich viel Potenzial steckt.
Diesmal gibt es nicht nur wieder genial animierte Abspann-Szenen, sondern sogar noch einen ellenlangen Nach-Abspann. Also bitte bitte – bleibt bis ganz zum Schluss sitzen.

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