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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: 88 Minuten

Breaking In

Breaking In ist wieder mal einer der typischen Horrorfilm-Verschwendungen, wie sie im Buche stehen: Man bekommt eine eigentlich irre geile Idee, drapiert sie mit Kanonenfutter zum Abschlachten, wartet mit grandiosen Locations auf und zerhackstückt das Ganze dann in einem billigen Plot ohne Tiefgang und Jumpscare-Effekte.
Übrig bleibt ein Süppchen, das von 13-14jährigen gerne gegessen wird, welche dann tatsächlich auch im Kinosaal sitzen und sich schockiert die Hände ins Gesicht halten, weil sie die Spannung im Film kaum aushalten können.
Ich bin über diese Art Movie scheinbar längst hinausgewachsen, denn ich habe mich permanent gelangweilt. Es tat weh, zu sehen, wie dieser Einfall so lieblos auseinandergenommen wurde, zumal man daraus ein echt packendes, spannendes Abenteuer hätte gestalten können. Doch von Geschwindigkeit und Vorankommen fehlt im Film jedwede Spur. Stattdessen hat man sich sogar bei den Dialogen Mühe gegeben, nicht über eine non-einschläfernde Sprechgeschwindigkeit hinaus zu gehen, um den Zuschauer ja nicht zu irgendwelchen Regungen zu verleiten, sondern ihn in seinem dösenden Schlaf zu belassen.
Alles ist so durchgeplant, jede noch so verheerend wollend wirkende Überraschung wird penibel vorbereitet und in Vorhersehbarkeit ertränkt, so dass wirklich nur vollständig Horrorfilm-Lose eine Art Twist erleben können. Alle anderen bekommen noch nicht mal den jüngst benannten Twist-Twist, dafür konnte sich der Film dann auch nicht mehr hochrappeln.
An dieser Langsamkeit stirbt jede nur erdenkliche Spannung, die zudem mit technischer Einfallslosigkeit gespeist und in Sachen Negativität unterstützt wird. Es ist, als hätte jemand einen Baukasten im Dachboden gefunden, der ein paar auf den ersten Anschein ganz gescheite Brüller im Gepäck hat, aber in der Durchführung ist man nie über die Vorschaubildchen hinaus gekommen und hat dieses unfassbare Potenzial somit kaum ausgeschöpft. Auch aus dem Schauplatz hätte man wesentlich mehr rausholen können. So verzettelt man sich in unnötigen Verstrickungen, zeigt die immer gleichen Schauplätze mit den immer gleichen technischen Raffinessen, ohne sie wirklich einzusetzen oder daraus etwas gekonntes zu gestalten.
Und dann braucht man eigentlich nur noch die nackten Filmregel-Tatsachen auflisten und der Reihe nach abhaken:

  • Kinder müssen gerettet werden.
  • Das schwache weibliche Geschlecht wächst im Twist über sich hinaus.
  • Jung, blond und hübsches Fickmaterial wird zum Abschuss freigegeben (hat eigentlich je mal ein junges, blondes Milchbubigesicht in einem Horrorfilm überlebt?).
  • Am Ende ist draußen drin, drin draußen und überhaupt alles komplett umgekehrt.
  • Außenstehende kommen ins Geschehen rein und fallen dem Fleischwolf anheim.
  • Wo immer ein Überraschungsmoment auftauchen könnte, taucht er auf.

Und wenn am Schluss Mr. Keine-Haare-am-Sack-aber-Freundin-dabei neben mir meint: “Eigentlich müsste der jetzt nochmal aufstehen und zum finalen Schlag ausholen” und das dann nicht passiert, spätestens dann ist klar, dass hier Langeweile Regie geführt hat und man gar nicht beabsichtigt hatte, auch nur annähernd Spannung erzeugen zu wollen.
Und dabei wäre diese Idee so geil gewesen…
 

.kinoticket-Empfehlung: Das Rohmaterial bietet so viel Stoff, um daraus den spannenden Action-Thriller des Jahres zu gestalten, stattdessen setzt man auf Langsamkeit, Vorhersehbarkeit und liefert absolut null Innovation und Spannung.
Der Film erstickt an sich selbst, tut so, als wäre er ein ungeheuer wichtiges Projekt und liefert dabei allerhöchstens Schreckmomente für diejenigen, denen noch nie im Leben ein düsterer Thriller begegnet ist.
Das Geld nicht wert, das man dafür berappen müsste.

 
Nachspann
❌ bringt nichts und macht aus der Soße auch kein genießbareres Mahl.
Kinostart: 16. August 2018

Early Man – Steinzeit bereit

Wer kennt sie nicht – die herrlichen Knet-Figürchen aus Wallace & Gromit, Shaun, das Schaf und Chicken Run: Mit seiner Erfindung begeistert Nick Park seit jeher Groß und Klein und sorgt sowohl im Fernsehen, als auch im Kino und Heimkino zumeist bei Kindern für jede Menge Vergnügen.
Mit Early Man – Steinzeit bereit katapultiert er die Story zurück an die Anfänge der Menschheit und erzählt einmal mehr eine absolut familientaugliche Geschichte in wahrlich süßer Stop-Motion-Knet-Animationstechnik. Diesmal wurden wahre Geschütze aufgefahren, denn die Produktion stand vor vollständig neuen Herausforderungen, die man händisch im Studio niemals hätte herstellen können, weshalb er eine seiner Grundsätze brach und doch auf CGI zurückgreifen musste, da sonst das komplette Produktionsstudio vom Platz her nicht ausgereicht hätte, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden.
Nun kann man meinen, dass alles immer schlechter wird und auch mir haben die teils animierten Züge des Films nicht besonders gut gefallen, da man halt einfach spürt, dass CGI eingesetzt wurde und somit ein Stück Echtheit eingebüßt wird. Man kann sich heute vortrefflich darüber streiten: Ich finde, wir sind in einem Zeitalter angelangt, wo es den Zuschauer wieder mehr nach echten Darstellungen dürstet und er auch bereit ist, auf die ein oder andere Superlative zu verzichten, wenn dabei die Seele eines Films nicht verraten wird.
All dies ändert jedoch nichts daran, dass man während der Vorstellung durchaus seinen Spaß haben kann und mit dem üblichen Aardman-Humor von der Leinwand herab versorgt wird. Die Story ist spannend, die Showeinlagen gelungen, die Gags ausgewählt und nur hin und wieder hat man ein paar Längen, die aber innerhalb der kurzen Laufzeit kaum auffallen.
Ob sich der Film nun als Quotenbringer in einer FSK 18 – Sneak Preview eignet oder nicht, sei dahingestellt: Mit dem richtigen Publikum am Sonntag Morgen jedoch in meinen Augen die definitiv richtige Wahl für gute Unterhaltung.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Welt von Wallace & Gromit erlebt ihre Anfänge und wird durch CGI erweitert: Was des einen Lust, ist des anderen Frust – der Plot funktioniert aber und die Zuschauer haben ihren Spaß.
Man sollte wissen, worauf man sich einlässt und keinem ausschließlichen Erwachsenenpublikum diesen Streifen vorsetzen, obwohl es auch in diesen Jahrgängen genügend Leute gibt, die diese Art Film schätzen und lieben und dabei garantiert ihre Freude haben.

 
Nachspann
enthält noch ein paar animierte Gimmicks, muss deshalb jetzt aber nicht bis zum Schluss ausgesessen werden.
Kinostart: 26. April 2018

Verpiss dich, Schneewittchen!

Bülent Ceylan ist mir noch bekannt aus den Zeiten, wo ihn noch niemand so richtig kannte, er völlig frisch war und durch etwas Originelles frischen Wind in die ermüdete deutsche Fernsehlandschaft gesprüht hat. Damals hab ich ihn wirklich gemocht und seine Sendungen und Auftritte extra eingeschalten.
Und wie es mit dem Erfolg so ist: Kaum wird man bekannter, kommen die Bosse aus ihren Sesseln hervorgekrochen und werfen mit Verträgen um sich, aus Hobby wird Verpflichtung, aus Genialität wird Wiederholung und irgendwann ächzt der größte Meister unter der Belastung, die der kommerzielle Erfolg mit sich im Handgepäck trägt.
Damals hat RTL ihn unter seine Fittiche genommen und als ich dann Jahre später beim Zappen mal wieder auf ihn gestoßen bin, war ich leicht schockiert. Nicht weiter schlimm, denn als Zuschauer hat man ja immer die Chance, einfach abzuschalten und jeden seiner Wege gehen zu lassen. Genau das hab ich vorerst auch getan.
Inzwischen enttäuscht von der fehlenden Informations- und Unterhaltungsstärke vom TV abgewendet ist mein neues Hobby bekanntermaßen auf die große Leinwand umgeschwungen und da begegnete mir doch kürzlich ein alter Bekannter mit seinem Kinodebüt wieder: Bülent Ceylan.
Mein Humorgeschmack ist das längst nicht mehr und obwohl Ceylan im Interview gesagt hat: “Wir wollen auch später noch mit Stolz auf unsere Arbeit zurückblicken”, ändert das meiner Meinung nach nichts an der Veränderung, die er als (Schauspiel)-Charakter hingelegt hat.
Wie ich immer so schön sage: Kein Film ist schlecht, nur das Publikum ist manchmal das falsche. Es gibt immer Abnehmer für diese Art von Humor und Unterhaltung und deshalb wäre es anmaßend von mir, zu behaupten, dass dieser Film Dreck ist. Da haben andere (Schein)Größen schon wesentlich schlechteres abgeliefert und sind damit richtig auf die Fresse geflogen. Ich denke, Ceylan hat schon recht mit dem, was er sagt: Er ist authentisch er selbst und lebt genau das, was er zu dieser Zeit jetzt verkörpert. Und ich persönlich glaube, dass auch seine Fans in ein paar Jahren noch mit Stolz auf das zurückblicken, was er in diesem Film geleistet hat – nur mein Geschmack ist es eben einfach absolut gar nicht.
Die Songs allerdings – das erkenne ich neidlos an – sind toll gemacht!
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer seine TV-Sendungen liebt, wird an diesem Film genauso Gefallen finden und seinen Spaß haben.
Die Gags sind halt nicht immer der Brüller, sondern befriedigen ein ganz spezielles Publikum, zu dem ich mich diesmal so überhaupt nicht zähle, es aber niemandem absprechen möchte, diese Art des Entertainments zu genießen. Man sollte sich vorher eben einfach nur darüber im Klaren sein, dass dies hier gewollt nicht zum elitären Kreis gehört, sondern man sich ganz gezielt das Publikum vorausgewählt hat. Und denen liefert man genau das, was sie dann auch gerne sehen möchten.

 
Nachspann
Ist mit Outtakes gespickt, bleibt also ruhig bis ganz zum Schluss sitzen. 🙂
Kinostart: 29. März 2018

Table 19 – Liebe ist fehl am Platz

Dieser Film besticht durch seine komplette Andersartigkeit sowohl in der Auswahl des Themas, als auch in seiner Art, die Dinge zu erzählen. Wenngleich die großen Köpfe des verbalen Intellekts hier auch ihre Schwierigkeiten haben mögen, so entfaltet dieser Titel dennoch eine ungewohnte, völlig absurde und dadurch absolut interessante Plattform, auf der man sich eines Themas annimmt, von dem der normale Zuschauer denkt, dieses gehöre wohl kaum als Hauptaugenmerk auf die Leinwand.
Dass genau dies passiert, macht diesen Streifen zu einem sehenswerten Konstrukt, denn man findet sich mal nicht in den üblichen platten Klischee-Zelebrierungen wieder, sondern widmet einen ganzen Spielfilm einer Gruppe, die sonst außen vor bleibt.
Dass man da jetzt keine schauspielerischen Offenbarungen oder horizonterweiternde Erlebnisse erwarten braucht, ist glaube ich jedem von Anfang an klar. Dass der Besuch eines Lichtspieltheaters trotzdem lohnenswert ist, bezeugt allein schon die Tatsache, dass diese wirklich derb komischen Vögel gemeinsam besser belacht werden können, als zu Hause auf der heimischen Couch.
Und der Spaß kommt mit dem Tun: Im Laufe der Zeit entwickelt der Plot immer mehr Eigenständigkeit und kommt durch seine skurrilen Ausführungen ins Rollen, auch wenn das groß erwartete Finale eher unspektakulär wirkt, so gehört genau dieses Ende auch wieder der Zielgruppe an, um die es hier geht.
Es ist nicht der Inhalt oder die Pointe, sondern vielmehr die Tatsache, warum dieser Film gedreht wurde, der uns einen Spiegel vorhält und zeigt, dass eben nicht nur die üblichen Verdächtigen auf einer Leinwand Platz haben, sondern man auch ganz andere Materie hernehmen kann, um diskussionswürdigen Stoff zu produzieren.
Mit Table 19 schickt man da einen Film ins Rennen, der durchaus kritisch begutachtet werden darf und den man sich gerne als Grundlage für weitere Gespräche ranziehen kann.
 

.kinoticket-Empfehlung: Erwartet nichts normales, sondern stellt euch einfach auf eine völlig andersartige Überraschung ein, dann wird es auch keine Enttäuschung.
Die Nische, in der man hier wandelt und die gekonnte Nicht-Inszenierung dessen, was eigentlich jeder erwartet hätte, lässt aufleuchten, dass hinter den Absichten mehr steht, als man eingangs vermutet.
Definitiv eine interessante, aufschlussreiche Erfahrung.

 
Nachspann
Aufstehen, anziehen, rausgehen – hier folgen keine weiteren Szenen.
Kinostart: 17. August 2017

Don't breathe

Woher kenn ich den Typen? Aus Gänsehaut, der bei mir bekanntermaßen nicht so dolle abgeschnitten hat. Hatte ich trotzdem Lust auf Don’t breathe? Und wie!
Der Trailer hat mich mal richtig gepackt und für mich fast schon den besseren The Purge: Election Year auf den Tisch geschmissen und mit genau so großer Vorfreude bin ich in diesen Film gegangen … und habe die Überraschung des Tages erlebt.
Allein die Idee, mit der man hier aufwartet, entbehrt jedwedem Fehlen kreativen Geistes und beugt bekannte Muster dieses Filmgenres in eine neue Welt runter, die in dieser Form nicht nur unendlich viel Spaß macht, sondern vor allem auch für jüngeres Publikum tauglich ist, da man auf die üblichen Grotten schlechter Horrorfilme ganzheitlich verzichtet.
Und genau diese Form von neuem Horror lässt jede Fan-Seele erblühen, denn man durfte sich endlich mal wieder richtig gruseln ohne die undurchsichtige Dunkelheit, das vorhersehbare Zucken aus einem unbeleuchteten Winkel oder sonstigem öden Mist.
In welcher Form man hier in die Köpfe der Zuschauer vordringt und den Menschen auf eine völlig neue Art und Weise Angst macht, ist für mich mehr als gelungen. Und genau das macht einen riesigen Spaß.
Die Realitätsnähe, der man sich hier bedient, umschmeichelt nicht nur den Intellekt, sondern schifft eine neue Portion Glaubwürdigkeit in das Gesamtpaket, was es angesichts der Tatsache, dass solche Unternehmungen tatsächlich nicht so weit hergeholt sind, noch ein klein wenig gruseliger macht. Dazu der perfekt abgestimmte Soundtrack, die Liebe zur Ruhe und Gelassenheit, die inspirativen Ideen, die man immer wieder einfließen lässt und ganz einfach die Liebe zum Horror macht aus Don’t breathe ein Meisterwerk, das selbst genrefremde Gäste lieben könnten.
Bei mir kommt er definitiv nochmal auf die Liste und die Tatsache, dass die Kinos den selbst im Nachmittagsprogramm zeigen, zeugt auch davon, dass es hier nicht um Blut und Gore, sondern viel mehr um gekonnte Umgarnung des menschlichen Geistes geht, der die Angst wo ganz anders entstehen und die Zuschauer immer wieder “Oh Fuck, das ist jetzt nicht wahr” ausrufen lässt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es ist wahr. Und es macht einen Heidenspaß!
Und den sollte man sich auch als Nicht-Fan von Gruselstoff nicht entgehen lassen, denn dieser Titel birgt mehr als das bloße Erschrecken von adrenalinsüchtigen Kindern.
Das Gesamtkonzept und schon allein die Idee des Films sind es wert, dass man ein .kinoticket löst und sich den Streifen zu Gemüte führt – ihr werdet nicht enttäuscht. Glaubt mir.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, es sei denn, man hockt in der Spätvorstellung und hat anschließend sowieso nichts mehr vor. Der Sound ist es wert.

Bruder vor Luder

“Dafür musst du besoffen sein, und zwar so richtig – und selbst nicht mal dann würden mich 10 Pferde hier rein kriegen… Wer kann sich nur so was anschauen? So viel Bier kannst du gar nicht trinken, um das zu ertragen!” – um mal das Personal zu zitieren, das sich mit sich selbst unterhielt, als ich den Kinosaal wieder verließ.
Ganz ehrlich? Das Phänomen YouTube geistert an mir auch 2016 immer noch vorbei – ich kann diesem ganzen Clip-Wahnsinn und den semiprofessionellen Marktschreiern der Moderne nichts abgewinnen. Beauty-Tipps hin oder her – wie man mit so viel Gülle (Entschuldigung) auf seinem Twitter-Account so viele Follower anzieht, die einem den Pseudo-Fame-Titel verleihen – ich weiß es nicht. Ich versteh es nicht und werde es auch nie verstehen.
Und dennoch leben wir in einer Zeit, in der diese Pracht meisterlichen Könnens (man möge mir meine Ironie vergeben) auf der gesellschaftlichen Bühne steht und weitreichende Folgen nach sich zieht. Girls, die schreiend vor Glück in Ohnmacht fallen, weil irgendwelche singenden Buben an ihnen vorbeihuschen und sie schräg von der Seite anlächeln … oder war’s jemand ganz anderes, der im Hintergrund von einem platziert ist? Tut mir leid, ich werde schon wieder ironisch.
Aber ich denke, ihr habt nun ein ganz gutes Bild von den Erwartungen, die in mir brodelten, als ich mir – notgedrungen – Bruder vor Luder im Kino angesehen habe.
Und ich könnte mich dafür verfluchen, diesen Film an dieser Stelle nicht zu verreißen. Denn ehrlich gesagt, schaffe ich das nicht. Wieso?
Heiko und Roman Lochmann haben hier mit Hilfe einiger Profis etwas auf die Füße gestellt, das mich in vielen Punkten überraschenderweise echt begeistert hat. Und ich rede hier nicht von der oberflächlichen Geschichte, die von der Presse als vorhersehbar und wendungsarm beschrieben wird – damit mögen sie Recht haben.
Nein, ich rede zum Beispiel von der Herkunftstreue, denen sich die beiden Hauptdarsteller verschrieben haben. Der Film hat seinen ganz eigenen Humor, der sich nicht mit dem Medium “Kino” zu vergleichen versucht, sondern offensichtlich und ehrlich (und Ehrlichkeit ist eine Tugend, die heutzutage auszusterben droht!) damit umgeht, womit die Lochis groß geworden sind.
Und somit schaffen sie für mich den Sprung weg von ihrer Semiprofessionalität und kredenzen einen Film, der YouTube weit hinter sich lässt und überdeutlich aus den Fehlern von Otto WaalkesKartoffelsalat – Nicht fragen! gelernt hat.
Heiko und Roman stellen sich dem Phänomen der Neuzeit und arrangieren sich im Drehbuch mit ihrer Scheinbekanntheit auf selbstironische Weise und vervollkommnen damit eine Form selbstkritischer Betrachtungsweise, die mich ebenfalls echt überrascht hat. Kein Rumgepose, kein “Weg da, jetzt kommen wir”, sondern sich selbst auf die Schippe und die ganze Kiste nicht ganz so ernst zu nehmen … gekonnt zu Papier gebracht!
Desweiteren hat Constantin Film im Hintergrund extrem hervorragende Arbeit geleistet. Dieses Label hat ja in jüngster Vergangenheit schon oft seinen Sinn für Feinfühligkeit bewiesen und einige Filme auf den Markt geschmissen, die dafür sorgen, dass sich Deutschland international nicht ausschließlich blamiert, sondern gezeigt, dass auch deutsche Künstler etwas von ihrem Tun verstehen.
An dieser Stelle sei diesen Herren und Damen mal mein größter Dank ausgesprochen – macht weiter so und hievt das deutsche Kino endlich auf internationale Standards hoch, so dass wir hierzulande nicht mehr ausschließlich auf die Kunst amerikanischen Könnens angewiesen sind, sondern selbst rühmliche Werke produzieren, an denen sich der Kinogänger erfreuen kann.
Ganz und gar unrühmlich verhalten sich die Drehbuch-Lochis, denen ihre Pseudobekanntheit zum Verhängnis wird und die sich – ganz im Stil der alten Schule – auf die Suche nach dem richtigen Weg in punkto Fragen machen, denen sich jeder Jugendliche im Laufe seines Lebens einmal stellt.
Und auch hier haben die beiden bei mir ziemlich hoch gepunktet, denn das Verhalten hat Vorbildcharakter. So irre platt und vorhersehbar der ganze Kruscht ist, so beeindruckt war ich von der unterschwelligen Ästhetik, die sich in den Rollen der beiden widerspiegelte. As said: Kein Gepose, keine absurden Insider, die Nicht-YouTuber nicht verstehen, sondern einfach nur anständiges Verhalten gepaart mit einer neuen Form von Humor, die hoffentlich bald Schule machen und ihre Hochblüte auch in anderen Filmkunstwerken widerspiegeln wird.
Und als Rahmenverpackung bleibt immer noch der Filmtitel-Slogan, der hier eben nicht nur einen ihrer Songs tituliert, sondern für sich selbst eine Botschaft darstellt, der man seine Beachtung zukommen lassen sollte: Nichts ist wichtiger, als das Zusammenhalten von Brüdern in einer Welt, die vor Konsumrausch und Hetze in ihrer hausgemachten Absurdität ertrinkt.
Und diese Message, der sich die Drehbuch-Lochis immer wieder ergeben, ist Gold in der Kehle cineastischen Vergnügens. Gepaart mit ein bisschen YouTube-Charme, stereotypischen Übertreibungen und hammermäßigem Können in punkto Produktion ergibt Bruder vor Luder ein Werk, dass – und ja, ich schreibe es hier wirklich! – ich mir sogar ein zweites Mal ansehen würde, ohne dabei kotzend aufs Klo rennen zu müssen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man darf seine Zweifel ruhig äußern, nachdem man den Trailer gesehen hat und scheinbar im Loch stumpfsinnigen Schwachsinns ersäuft.
Danach sollte man sich bei den Eiern packen, ein .kinoticket lösen (man kann den Titel dem Verkäufer ja leise übermitteln ;-)) und sich den Film mal anschauen. So mies ist der nämlich nicht, wie im Trailer suggeriert wird. Ganz im Gegenteil: Hier wird mit einem subtilen Humor gearbeitet, der genügend Freiraum lässt, um unterschwellige Botschaften zu übermitteln während das Verhalten der beiden durchaus Vorbildcharakter aufweist.
Kurz gesagt: Dieser offensichtlich platte Film hat es sogar geschafft, dass ich (und einige meiner Leser übrigens auch) ihn sich sogar ein zweites Mal antun würden. Und dafür braucht man einiges, um diesen inneren Wunsch bei mir auszulösen.
Also überseht die schlechte PR, nehmt euch ein Herz und schaut ihn euch einmal an – so enttäuscht, wie ihr es erwartet, werdet ihr nämlich gar nicht.

 
Nachspann
Nicht rausrennen, sitzen bleiben! Zum einen kann man beim Soundtrack mit den Händen noch ein bisschen mit tippeln, zum anderen kommt da noch was – und ihr gehört am Schluss zu denjenigen, die wissen, was da noch kommt und sagt nicht “Hups, ich geh immer schon beim Nachspann aus dem Kino raus.”

Paranormal Activity: Ghost Dimension (3D)

Es war mir – nicht zuletzt wegen der Aggressivität der Werbung – schon von vornherein klar, dass hier keine bahnbrechenden neuen Innovationen auf der Leinwand serviert werden, wenn man den finalen Todesstoß einer bislang 5teiligen Horror-Serie etablieren will.
Schon die Tatsache, dass die Trailer bereits in Kindervorstellungen (!) um 14:00 Uhr gezeigt wurden, sagte eigentlich alles über zu erwartende Momente aus, die einem im 6. und letzten Teil dieser Reihe begegnen würden.
Tja, was soll ich sagen: Es ist, wie befürchtet – eher noch ein kleines bisschen schlechter. Ging dir im ersten Teil noch richtig die Wumme, als hier und da mal ein zwei Ideen präsentiert wurden, zieht sich der letzte Teil eher lahmarschig vorwärts und bietet außer ein paar knalligen Soundeffekts nichts wirklich bewegendes.
Weihnachten, Geister, irgendwelche Dimensionen (wie der Titel unlängst vermuten ließ) und eine Story, die … nicht startet.
Ja, die Idee ist sensationell und hätte so richtig schön verarbeitet zu einem Horrorerfolg werden können. Was Blumhouse hier aber liefert, ist wohl eher nur Neugierbefriedigung, weil jeder wissen will, wie es endet – und das sang und klanglos ohne jedwede Begeisterung.
Ist das die neue Form von Kino? Man wirft einen Erfolg auf den Tisch, produziert daraus Filmreihen, die sich jeder nur noch anschaut, um zu wissen, dass es tatsächlich so schlecht ist, wie die Kritiker sagen? Ich hoffe nicht.
Spannend: Im Kino wird extra darauf hingewiesen, dass die 3D-Effekte stilistisch gebraucht wurden und daher erst nach 15 Minuten einsetzen. Armutszeugnis?
 

.kinoticket-Empfehlung: Fakt ist: Paranormal Activity: Ghost Dimension kann man sich getrost schenken, insofern man gänsehautproduzierende Horrorfilme mag.
Schade eigentlich, denn die Trailer-Idee ist wirklich reizend und hätte so genial zu großartiger Unterhaltung mit Gänsehautfaktor umgewandelt werden können.
So bleibt ein Streifen, nach dessen Ende man sich kopfleer anschaut und fragt, was das jetzt eben war .. und wieso. Antworten darauf bleiben die Macher uns wohl auf ewig schuldig.

 
Nachspann
… gibt es keinen, rennt euch aber nicht über den Haufen, wenn ihr aus dem Kino stürmt.

Es ist kompliziert…!

Was vielen wohl eher als ein Beziehungsstatus auf Facebook bekannt ist, verwandelt die BBC in einen romantischen Komödientrip quer durch London, auf dem Simon Pegg zur richtigen Zeit am richtigen Ort die falsche Person aufschnappt, um sein Blind Date mit ihr zu zelebrieren.
Ja, der Trailer war etwas spinnig und erinnerte ein wenig an die miesere Version eines gelungenen, französischen Films. Aber wenn man schon in der Sneak Preview hockt, nimmt man mit, was geboten wird und hält einfach erstmal die Füße still.
Genau das tat ich und schon nach wenigen Minuten war das Eis gebrochen. Die Macher verwandeln die trailerhaft anmutende Art von unterirdischer Durchgeknalltheit sehr schnell in eine angenehme Sex-and-the-City-Schmonzette, die zwar zeitweise trotzdem etwas blöd rüberkommt, aber im Allgemeinen überzeugt.
Sie wirkt – gewollt oder nicht – die ganze Zeit über etwas damenhaft-naiv und es bleibt auch den restlichen Film über nicht abzusehen, dass sich daran etwas ändert. Mein Typ einer Traumfrau sähe anders aus, aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.
Pegg hingegen selbst gehört zu denen, die in das typische Bild eines Romantic-Comedy-Kerls passen: Nicht Manns genug, harte Entscheidungen zu fällen und sie im richtigen Augenblick zu erkennen, weichgespült und zedernhaft, um die fiebrige Frauenwelt anzusprechen und das dann noch gepaart mit ein paar unglücklichen Zufällen ergibt eine Story, wie sie in jedem besseren Frauenmagazin nachzulesen ist.
Nur, dass man es mit dem britischen Charme diesmal tatsächlich geschafft hat, so etwas wie eine Wohlfühlatmosphäre aufzubauen, in der sich der Zuschauer tatsächlich geborgen fühlt und sich dabei nicht verarscht vorkommt.
Am Schluss hat man das Gefühl, Teil einer riesigen Familie zu sein, die einfach eine tolle Zeit miteinander verbracht und wieder einen Schwank mehr in den Geschichtsbüchern stehen hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Als Mann mag man stellenweise seine Schwierigkeiten mit den Frauenproblemen haben, die dieser Film enthüllt und zu entschlüsseln versucht, jedoch ergibt das mit Freundin an der Seite durchaus einen ganz netten Abend, von dem beide nicht unbedingt enttäuscht sein dürften.
Die typischen Klischeeübertreibungen bleiben diesmal im verschlossenen Kämmerlein und man wird entführt in eine Welt im nächtlichen London, in der es turbulent zugeht. Gepaart mit viel verbaler Interaktion und auch einigen durchaus witzigen Szenen schafft es die BBC hier einmal mehr, mit filmischem Können zu überzeugen und einen Familienfilm zu kredenzen, der durchaus seine Höhepunkte aufzuweisen hat.
Dieser Film ist also durchaus sehenswert.

 
Nachspann
solide und fundiert nach klassischer Manier: Nach dem Ende ist auch wirklich Schluss. Sitzenbleiben lohnt sich also nicht.

Miss Bodyguard

Keine Ahnung, was hier schief gelaufen ist, Fakt ist, dass dieser Film sich ständig mit anderen so dermaßen überschnitten hat, dass nicht nur eine, sondern gleich zwei Vorstellungen daran glauben mussten, was auch der Grund ist, weshalb ich erst jetzt dazu gekommen bin, mir diesen Komödienversuch einmal anzutun.
Ihr merkt schon, dass die großen Begeisterungsstürme von mir diesmal verpuffen, ich weiß allerdings auch nicht, woran genau das liegt. Eine Vermutung von mir ist Reese Witherspoon, deren Art irgendwie das ganz große Talent nicht so einfach freigeben will. Sie versprüht so gar nicht einen vergleichbaren Charme, wie es Melissa McCarthy beispielsweise in Spy – Susan Cooper Undercover brillant tut. Neben Sofia Vergara wirkt sie fast wie eine blasse Lampe, deren Licht den Film nicht zu tragen vermag, weshalb sie als Hauptdarstellerin dann wohl eher nicht die richtige Wahl gewesen ist, ich weiß es nicht.
Was man hier geboten bekommt, ist der Versuch, einen lustigen Film zu drehen, in dem zwei Mädels so richtig auf die Kacke hauen und einen abenteuerlichen Trip im Roadmovie-Style hinlegen, der aber eher als Ladenhüter enden wird.
Spannend: Selbst Vergara spricht mit ihrem Alter Ego die unsympathische Art von Witherspoon an, doch so richtig ändern tut dies nichts.
Ein Freund von mir meinte: “Der Film versucht, zu viele Klischees zu erfüllen und übertreibt damit maßlos, ohne dabei selbst so richtig zum Schuss zu kommen.” Irgendwie trifft es das ganz gut auf den Punkt. Mir fehlte irgendwie die eigene Seele, die das große Ganze ausmacht und damit auch die Authenzität, die die Schauspieler verkörpern sollen. Vergara selbst bringt dies noch ganz gut rüber, deren Rolle scheitert aber an der viel zu dominanten Persönlichkeit von Witherspoon, die erst in den letzten paar Minuten dann ein wenig erträglicher wird.
Doch dafür lohnt sich das .kinoticket dann kaum. Schade eigentlich, denn hier wurde viel Potenzial verschenkt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Als hartgesottener Witherspoon-Fan darf man sich diese Vorstellung durchaus geben, ich persönlich fand sie ein wenig zu nervig, um mich gemütlich unterhalten zu fühlen.
Die Story selbst hat viel Potenzial, das aber nicht sensibel genug ausgeschöpft, sondern viel zu dramaturesk verschenkt wurde. Schade eigentlich, denn der Ansatz des Films ist wirklich gut.
Von einem kompletten Schuss in den Ofen kann man hier nicht sprechen, dafür ist das Ding wieder viel zu gut gemacht, die aufblühende Begeisterung kann ich aber für den Film auch nicht locker machen. Ist halt irgendwo zwischendrin.

 
Nachspann
Hier zündet man wieder mit dem altbewährten Outtakes-Feuer. Man darf also sitzen bleiben.

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